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Eine kurze Parabel über das Wählen und wie der Wähler bedrängt wird

Ich möchte Ihnen eine kurze Parabel über das Wählen erzählen und wie Sie in eine bestimmte Richtung gedrängt werden. Das hypothetische Gedankenspiel sieht so aus, dass Sie mit Ihrer jungen Cousine und deren Freundin, eine Austauschstudentin aus einem fernen Land, einen Waldspaziergang unternehmen. Da geschieht es. Ein schreckliches Ereignis. Sie werden nun vor folgende Wahl gestellt:

Wählen Sie!
Die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Paradies in ferner Zukunft beeinflusst Ihre Entscheidung genauso wie die Angst vor der gegenwärtigen Schelte, wenn Sie diese Hoffnung anzweifeln.

Sie können Ihre Cousine (A) retten. Sie können die Freundin Ihrer Cousine (B) retten. Sie können versuchen, beide zu retten, was entweder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % beide rettet (AB) oder niemanden (Null). Sie haben nun die Wahl.

Der springende Punkt ist dabei gar nicht so sehr das Ergebnis als die Wahl, die Sie treffen. Würden Sie für Option A plädieren – immerhin ist es Ihre Cousine – könnte man Sie der Herzlosigkeit, Egozentriertheit und Ausländerfeindlichkeit beschuldigen. Weil Sie aber annehmen können, dass Sie dieser Vorwürfe ausgesetzt werden –  Mainstream und Social Media sind voll davon -, wählen Sie Option AB und sind somit auf der „sicheren Seite“. Aber es ist die Zukunft, die zeigen wird, ob die Gesellschaft alles gewinnt oder alles verliert. Faites vos jeux – machen Sie Ihr Spiel.

Warum die Lämmer schweigen: Die Illusion der Informiertheit

Der Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld von der Christian Albrechts Universität Kiel ist eine dringende Empfehlung. Auch wenn er hin und wieder in ein für den Normalbürger unverständliches Universitätsdeutsch verfällt und es ein bisschen braucht, bis das Thema an Fahrt gewinnt, es gibt wenige deutsche Professoren, die den Mut haben, die Öffentlichkeit über die Illusion der Informiertheit aufzuklären.

So mag es nicht weiter verwundern, wenn ich für gewöhnlich auf angloamerikanische Denker Bezug nehme, die sich nicht scheuen, die Realität beim Namen zu nennen. Interessant dabei ist der Aspekt, dass der gebildete Europäer generell abschätzig auf das kulturlose und über-patriotische amerikanische Volk herunterblickt. Aber in Sachen Redefreiheit sind uns die Amerikaner weit voraus. Zum Einen ist es eine „genetisch-historische“ Komponente, die dafür verantwortlich ist, dass sich ein US-Bürger nicht so leicht den Mund verbieten lässt (wobei Washington seit 9/11 alles unternimmt, um diese „Freiheit“ einzuschränken), zum Anderen sehen sich die Amerikaner noch immer als Sieger und die Deutschen als Verlierer zweier Weltkriege. Überhaupt, die stete Gefahr eines deutschen bzw. österreichischen „Dissidenten“ mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden, lässt viele ins geistige „Exil“ gehen. Wir sind, man muss es klar und deutlich sagen, eine Nation von Duckmäusern. Die Ausnahme, wie Prof. Mausfeld zeigt, bestätigt hier nur die Regel. So lange es also solche professionellen Querdenker gibt, die sich getrauen, in die Menge zu rufen, dass der König respektive das System nackt ist, so lange hege ich Hoffnung, dass es zu einer zweiten Aufklärung kommt.

Hier nun ein paar Ausschnitte aus seinem Vortrag – die Übersetzungen sind von mir:

„Wird der gewöhnliche Medienkonsument dieser Flut an Informationen ausgeliefert, so dürfte es eher dabei helfen, ihn zu betäuben als ihn wachzurütteln.“ – übers. n.: „Exposure to this flood of information may serve to narcotize rather than to energize the average reader …“, schreibt Paul F. Lazarsfeld (1901 – 1976).

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Man muss Ihnen die Illusion der Informiertheit geben und wenn Sie dann, beim Frühstück die Süddeutsche Tageszeitung gelesen haben, Nachmittags noch mal in Spiegel Online nachgeschaut haben, Abends dann die Tagesschau geguckt haben, dann sind Sie von Ihrem Gefühl der Informiertheit so überwältigt, dass Sie die Krankheit, an der Sie leiden, schreibt Paul F. Lazarsfeld, nicht mal mehr erkennen können, denn jetzt ist es wirklich Zeit zu Bett zu gehen.

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Je weniger wir uns in einem Bereich auskennen, um so stärker neigen wir dazu, alle angetroffenen Meinungen als gleichberechtigt anzusehen. Wir integrieren dann gleichsam über das angebotene Spektrum und suchen die „Wahrheit“ irgendwo in der Mitte, d.h. wir meiden die als „extrem“ angesehenen Ränder des beobachteten Meinungsspektrums (auch wenn tatsächlich die „richtige“ Auffassung dort verortet ist). Wer also den Bereich des öffentlichen Meinungsspektrums festlegen kann, bestimmt auch die Gruppenmeinung und insbesondere die Urteile über das, was als „extrem“ anzusehen ist.

 

„Präsident Truman [1945-53] war in der Lage, das Land mit der Unterstützung einer (noch) verhältnismäßig kleinen Zahl an Wall Street Anwälten und Bankiers zu regieren.“ – übers. n.: „Truman had been able to govern the country with the cooperation of a relatively small number of Wall Street lawyers and bankers.“, entn. Samuel Huntington (1975), The Crisis of democracy (p. 98)

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„Amerika ist keine Demokratie mehr – schon gar nicht die demokratische Republik, die die Gründerväter vor Augen hatten“ – übers. n.: „America is no longer a democracy – never mind the democratic republic envisioned by Founding Fathers“, entn. Washington Post, April 21, 2014

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„Die Meinungen des durchschnittlichen amerikanischen Bürgers hat nur einen minimalen und statistisch gesehen nicht signifikanten Einfluss auf die Politik des Landes. Kurz: So gut wie null Einfluss. […] politische Entscheidungen werden von mächtigen Wirtschaftsorganisationen und einer kleinen Zahl an wohlhabenden Amerikanern.“ – übers. n.: Die Meinungen „of the average American appear to have only a miniscule, near-zero, statistically non-significant impact upon public policy“ … „policymaking is dominated by powerful business organizations and a small number of affluent Americans“, entn. Gilens & Page (2014) Die unteren 70 % auf der Einkommens- und Besitzskala haben überhaupt keinen Einfluss auf politische Entscheidungen.

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Meinungsmanagement ist „günstiger als Gewalt, Bestechung oder andere mögliche Kontrolltechniken“ – übers. n.: Meinungsmanagement ist „cheaper than violence, bribery or other possible control techniques“ entn.: Harold D. Lasswell (1930), Encyclopedia of the Social Sciences.

 

Was es mit der Presse tatsächlich auf sich hat

Pressefreiheit

Falls Sie Paul Sethe, dem (Mit)Gründungsherausgeber der FAZ nicht glauben, dass es mit der Pressefreiheit nicht weit her ist und der Mainstream vorrangig der wohlhabenden Schicht der Bevölkerung, kurz dem Establishment, dienlich ist, dann möchte ich auf den letzten Kommentar von Owen Jones in der britischen Tageszeitung The Guardian aufmerksam machen. Im Artikel Oborne’s resignation shows that the media shouldn’t just serve the rich heißt es:

 

 

Prinz Andrew, Bill Clinton und des Teufels Küchenjunge Epstein

Alles wird gut
Ohne diesem Basiswerk werden Sie die Welt nicht verstehen können. Das klingt nach Eigenwerbung, aber eine bessere Faktensammlung habe ich bis dato noch nicht gefunden.

Wer wissen will, was in der Welt wirklich vor sich geht, der muss zwischen den Zeilen des Mainstreams lesen. Ansonsten bleibt Ihnen nur, sich auf windigen Informationsportalen zu informieren – aber auch da werden Sie die Spreu vom Weizen trennen müssen. So oder so, ein aufgeklärter Bürger, der sich nicht bevormunden lassen möchte, hat es nicht leicht. Und wenn Sie nur ein bisschen graben, wenn Sie nur ein klein wenig hinter die Kulissen blicken, tja, dann werden Sie in Ihrem Leben nicht mehr froh. Aber die Realität ist nun mal kein Honigschleckerparadies.

Kommen wir zum Thema. Haben Sie vielleicht in den letzten Tagen auch gelesen oder gehört, dass Prinz Andrew mit einem »Sex-Skandal« in Verbindung gebracht wurde? Da soll ein 17-jähriges Mädchen mit ihm zum Verkehr gezwungen worden sein. Diese Unzucht geschah, so wird es in den Raum gestellt, in der Obhut seines »engen Freundes« (schreibt der Standard), dem US-Milliardär Jeffrey Epstein, der das Mädchen dem Prinzen als »Sex-Sklavin« zur Verfügung gestellt haben soll. Das ist zwar schlappe 13 Jahre her, wird aber gerade in einem US-Prozess gegen besagtem Epstein aufgerollt. In einem längeren Artikel in der Die Welt lesen wir unter dem Titel Die „schwarze Liste“ eines verurteilten Pädophilen folgendes:

Die Adressenliste Epsteins liest sich, den Angabe[n] der in Florida eingereichten Papiere nach, wie ein internationales Who’s who, wo auch Bill Clinton oder der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak auftauchen, aber auch Tony Blair oder sein früherer Berater Alastair Campbell. Es war dieses Netz von Beziehungen, die dem findigen Mann [Epstein] erlaubten, die Leiter zu seinem geschäftlichen Erfolg hochzuklettern. (link)

Die Liste ist da noch lange nicht zu Ende. Mick Jagger taucht genauso im schwarzen Büchlein auf, das in den Gerichtsakten als ‚Holy Grail‘ bezeichnet wird, wie Alec Baldwin, Ex-New York Bürgermeister Michael Bloomberg, Barbara Walters, Sir Richard Branson, Liz Hurley, Tom Ford, John Cleese, Minnie Driver, Dustin Hoffman, Bobby Kennedy Jr., Senator Edward Kennedy, Henry Kissinger, Maria Shriver und so weiter und so fort. Was sagen Sie? Allerhand, nicht wahr? Wie kommt ein, pardon, dahergelaufener »Millionär und Finanzmagnat« dazu, sich mit den wohl einflussreichsten Leuten dieser Welt nicht nur zu umgeben, sondern sich mit ihnen anzufreunden? Haben Sie dafür eine Erklärung? Geld alleine kann es nicht sein. Nope.

Die andere Frage ist, wie kommt es, dass diese Liste in einem Gerichtsverfahren auftaucht, wo es doch nicht all zu schwierig ist, Beweismaterial unter den Teppich kehren zu lassen – Einfluss und Geld vorausgesetzt. Und wir können davon ausgehen, dass hier beides im Überfluss vorhanden war und ist.

Also, da ich weiß, was ich weiß, gehe ich davon aus, dass Epstein kein Einzelkämpfer, kein schwarzes Schaf ist. Vielmehr wurde er ausgewählt, eine Rolle zu spielen. Und die spielt er auch. Für wen? Darauf kann ich Ihnen leider keine Antwort geben. Aber gehen Sie davon aus, dass dieses Netzwerk, das ihn auf die Bühne gestellt hat, mächtig ist. Sehr mächtig. Dieses Netzwerk, ich nenne es Establishment, ist gerade deshalb mächtig, weil es versteht, andere einflussreiche Personen – die nach außen hin mächtig erscheinen – für sich arbeiten zu lassen. Die Macht liegt in der Anonymität. Das sage nicht ich, das sagte einst der Industrielle und spätere Reichsaußenminister der Weimarer Republik Walter Rathenau, dessen Vater die AEG gründete.

Kurz und gut und auf den Punkt gebracht: Etwas ist faul im Staate Dänemark. Es sieht so aus, als würde das Establishment seinen Günstlingen die Rute ins Fenster stellen: »Gehorche oder wir zerren dich vor Gericht, ziehen dich in den Schmutz und lassen dich vom Boulevard in Stücke reißen!« Klingt das jetzt zu reißerisch? Zu konspirativ? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Demokratie? Eine angenehme Illusion.

Das Establishment dankt
Das Establishment dankt für die kostenlose Werbung, weil „keine Grenzen“ = „Globalisierung 2.0“

Morgen [25.05.2014] wird Europa wählen. Grund genug, darüber ein paar Worte zu verlieren.

»Das Ziel von Wahlen ist gegenwärtig, die Demokratie zu unterminieren. Die Wahlen werden von der PR-Industrie geleitet und diese versucht mit Sicherheit nicht, informierte Wähler hervorzubringen, die rationale Entscheidungen treffen. Sie versuchen Leute zu täuschen, damit diese irrationale Entscheidungen treffen. Die selben Techniken, die verwendet werden, um die Märkte zu unterminieren, werden verwendet, um die Demokratie zu unterminieren. Es ist eine der großen Industrien im Land und deren grundlegende Tätigkeiten gehen unsichtbar vonstatten«, schreibt Noam Chomsky.¹

Falls Sie immer noch der Meinung sind, dass man mit einem Kreuzchen auf einem Wahlzettel den Status Quo verändern kann, dann gehen Sie von der irrigen Annahme aus, dass Sie in einer Demokratie leben, in der das Volk entscheidet. Die Wahrheit, wenn man so will, sieht freilich anders aus, da nicht das Volk, sondern Vermögen (und die damit verbundene Macht) den größten Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Realität haben. Vor wenigen Wochen bestätigte eine Studie der Princeton University, dass die USA keine Demokratie, sondern vielmehr eine Oligarchie sei. In den Worten der beiden Professoren: »es zeigt sich, dass die Präferenzen des durchschnittlichen Amerikaners nur einen winzigen, gegen Null gehenden, statistisch nicht signifikanten Einfluss auf die öffentliche Politik haben.«²

Und da die Weltpolitik seit 1945 in Washington gemacht wird, können Sie davon ausgehen, dass kein Land dieser Erde jemals frei war und jemals demokratisch sein wird. Sie können dies gerne in meiner Arbeitsunterlage Con$piracy nachlesen. Will ich Sie jetzt durch diesen Artikel abhalten, wählen zu gehen? Natürlich nicht. Ich werde morgen den Wahlzettel ordnungsgemäß ausfüllen und damit der Welt bekunden, dass es einen Bürger gibt, der seinen demokratischen Pflichten nachkommt um seine demokratischen Rechte einzufordern. Beispielsweise die Meinungs- und die Redefreiheit. In den Worten von George Orwell: „Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet es das Recht, Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.“³

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¹ In our latest book, ›On Western Terrorism – from Hiroshima to Drone Warfare‹, Noam Chomsky commented on the ›democratic‹’ process in the Western world: „The goal of elections now is to undermine democracy. They are run by the public relations industry and they’re certainly not trying to create informed voters who’ll make rational choices. They are trying to delude people into making irrational choices. The same techniques that are used to undermine markets are used to undermine democracy. It’s one of the major industries in the country and its basic workings are invisible.“ counterpunch.org

² „the preferences of the average American appear to have only a minuscule, near-zero, statistically non-significant impact upon public policy.“ Eine kurze Zusammenfassung der Studie findet sich auf der Seite der BBC.

³ „If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear“, George Orwell im Vorwort zu seinem Buch Animal Farm (1946).