richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: finanz

Denkverbote #1: Geld- und Kreditsystem

Denkverbote-1Das Geld- und Kreditsystem ist Eckpfeiler unserer gegenwärtigen Zivilisation. Trotzdem erfährt der gewöhnliche Bürger so gut wie nichts über die Schwarze Magie, die hier praktiziert wird.

Geld entsteht durch Kredit.

Würden alle Kredite auf diesem Planeten zurückgezahlt werden – was freilich wegen der Zinsen unmöglich ist – gäb’s auch kein Geld mehr in unserer Welt. Der Zinseszins, der auf lange Sicht jeden Kreditnehmer – vor allem Staaten – in den Bankrott treibt, wird niemals ernsthaft diskutiert. Spricht man aber von Wucher oder Zinsknechtschaft könnte das einem Job und Zukunft kosten. Das Thema Geld, Kredit und Bankwesen ist heutzutage ein einziges Minenfeld. Jeder Analyst, der sich in dieses Feld begibt, um Fakt von Fiktion zu trennen, läuft Gefahr, zerrissen zu werden.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Advertisements

Gedanken zum Wiener Stadtgespräch mit Ulrike Hermann

Hermann_Wien_Mai2015

Der eine oder andere Gedanke zum gestrigen Wiener Stadtgespräch mit Ulrike Hermann, Wirtschaftskorrespondentin der genossenschaftlich organisierten Berliner Zeitung TAZ und Autorin von Sachbüchern, die sich kritisch mit dem Kapitalismus auseinandersetzen. Wer sich für das zweistündige Gespräch, geführt von Peter Huemer, interessiert, hat die Möglichkeit, die Aufzeichnung demnächst hier anzugucken und anzuhören.

Ja, Ulrike Hermann trifft mit ihrer Kritik den richtigen Ton, macht auf neoliberale Irrtümer aufmerksam („es gibt heutzutage keinen freien Markt, die Wertschöpfungskette wird von transnationalen Konzernen vollkommen beherrscht“), fordert ein Umdenken der Mittelschicht in Bezug auf Vermögens- und Erbschaftssteuer sowie Bankgeheimnis („es gibt keine Vermögensdaten, niemand weiß, wer von den Top 1% wie viel wirklich hat“), lehnt das „Freihandelsabkommen“ TTIP ab („Konzerne könnten dann Regierungen verklagen, wenn sie das Gefühl haben, ihre Profite würden durch ein neues Gesetz geschmälert“), wünscht sich, dass Österreich gegen das Lohndumping Deutschlands protestiert („Schäuble kapiert es wirklich nicht: Höhere Löhne sind gut für die Wirtschaft“), glaubt an ein Platzen der Finanzblase in absehbarer Zeit („viele wissen schon gar nicht mehr, wohin mit dem Geld und kaufen sich einen Picasso um 180 Mio Dollar“) und prophezeit mit dem Versiegen der Rohstoffe auch das Ende des Kapitalismus.

Über die Entstehung des Kapitalismus gegen Ende des 18. Jahrhunderts in England gibt es viele Theorien (lt. Hermann über dreißig). Sie geht davon aus, dass es die hohen Löhne im Land waren, die Fabrikanten dazu „zwangen“, in moderne und effiziente Gerätschaften zu investieren. Auf diese Weise schufen sie Kapital und setzten die Wachstumsspirale in Gang. Ich gehe wiederum davon aus, dass die Entstehung mit den englischen Kolonien zu tun hatte: zum einen konnte London Nahrungsmittel und Rohstoffe zu günstigen Preisen importieren (auf diese Weise konnte man die zuvor so dringend benötigten Landarbeiter in die neuen Fabriken stecken), zum anderen konnte London die produzierten Güter zu hohen Preise in die Kolonien exportieren – nicht umsonst revoltierten die amerikanischen Siedler gegen den „Kaufzwang“ englischer Produkte, nicht umsonst wurden souveräne Staaten mit Waffengewalt gezwungen, ihre „Märkte“ zu öffnen (bezeichnende Beispiele dafür sind China und Japan). Kurz und gut: Ohne Überfluss an Nahrungs- und Lebensmittel, sowie an Rohstoffen und Skrupellosigkeit gäbe es keinen Kapitalismus. Das sind jedenfalls meine two cents dazu.

Erfreulich, dass sich Ulrike Hermann getraut, nicht nur die Vermögensverteilung anzuprangern („rund 70 % der Deutschen besitzen so gut wie nichts“), sondern auch die Anonymität der Vermögensinhaber. Und in der Anonymität liegt die Macht! Das sage nicht ich, das sagte der Industrielle Walther Rathenau, Sohn des Unternehmensgründer der AEG, im Jahre 1912. Da liegt der Hase im Pfeffer.

Ein halbes Dutzend Männer an der Spitze der fünf Großbanken (Big Five Banks) könnten das Gerüst der Staatsfinanzierung zum Einsturz bringen, in dem sie von einer Verlängerung amerikanischer Staatsanleihen Abstand nehmen.“ „Half a dozen men at the top of the Big Five Banks could upset the whole fabric of government finance by refraining from renewing Treasury Bills.“

Financial Times, 26. September 1921.
zit. n. Caroll Quigley in Tragedy & Hope.

Der Preis der Ungleichheit in Frankfurt und der Buchmesse, 2012

Steinbrück links, Stiglitz rechts

Frankfurter Buchmesse 2012. Am Freitag lauschte ich den Ausführungen von US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der für eine halbe Stunde am blauen Sofa Platz nehmen durfte. Etwa zwei Stunden später gab es ein Gespräch mit ihm und Peer Steinbrück, ehemaliger teutonischer Finanzminister von 2005 bis 2009. Wie ich der Wikiseite entnehme ist Steinbrück der Kanzlerkandidat der SPD für 2013. Damit wird für mich einiges klarer, streute er sich doch Asche auf sein Haupt, als er meinte, er hätte in der Vergangenheit (als Finanzminister) Fehler gemacht (in Bezug auf die Vermögens- bzw. Transaktionssteuer). Ja, so leicht geht das, in der hohen Politik. Da greifst du aus Inkompetenz, Unvermögen, Lustlosigkeit oder bewusster Ignoranz voll daneben und nach ein paar Jahren kräht kein Mainstream-Hahn mehr danach, es sei denn, du hast einen günstigen Kredit erhalten oder eine wissenschaftliche Arbeit gegen Geld schreiben lassen. Tja, seit ich mich en detail mit der vergangenen internationalen Weltpolitik und dem ausufernden Mainstream-Medienapparat beschäftige, kann mich eigentlich keine politische Unverfrorenheit und dreiste Spin-Lügerei mehr überraschen. Sie ärgern mich nur noch. Dafür aber maßlos. Bezeichnend, dass Steinbrück zu guter Letzt eine Zentralisierung der Bildungspolitik in Germania forderte. Das brachte ihm auf dem Vorwärts-Messestand Applaus ein. Aber wenn wir eines wissen sollten, dann ist es der Umstand, dass Zentralisation noch nie etwas gebracht hat. Jedenfalls nicht für die Bürger. Nur für ein Establishment. That’s fact!

Joseph Stiglitz ist sympathisch. Es gefällt mir, wenn er mit eindringlich sachlicher Stimme die Dinge auf den Punkt bringt, dabei aber trotzdem Humor und ein Lächeln zeigt. Nicht umsonst prägte er in einem Artikel im Mai 2011 den Begriff der »top one percent«, einer superreichen Minderheit, die jeglichen Versuch, Vermögen und Einkommen in der Gesellschaft gerechter zu verteilen, verhindert. Dadurch, so Stiglitz, würde die Kluft zwischen »arm und reich« (besser vielleicht: Debitor und Kreditor) größer werden und diese extreme Ungleichheit würde für jede zukünftige Gesellschaft eine Zerreißprobe darstellen, mit anderen Worten: Für diese Ungleichheit hat die Gesellschaft und damit jeder Einzelne einen, womöglich hohen, Preis zu zahlen. Stiglitz schlug am Ende des Gesprächs vor, dass Bildung kostenlos/kostengünstig zugänglich sein solle, so dass sich Studenten nicht mehr exorbitant verschulden müssten. Weiters setzte er sich für die Einführung einer Transaktionssteuer auf Börsengeschäfte ein (tatsächlich gab es noch in den 1990ern in Österreich eine BUSt, eine Börsenumsatzsteuer, die man aber gänzlich strich, als auch Wien vom internationalen Börsenboom erfasst wurde); schließlich wünschte er sich eine gerechtere Versteuerung bzw. Verteilung von Einkommen und Vermögen. Das waren die Eckpfeiler. Peer Steinbrück stimmte dem zu. Und das sollte einen auf der Stelle nachdenklich stimmen.

Wenn Sie meine Meinung hören möchten, dann ist es jene, dass diese (und alle anderen Mainstream-) Lösungsansätze unzureichend und de facto sinnlos sind. Es würde den Rahmen sprengen, wollte ich mich im Detail erklären, dafür ist ja mein Buch Con$piracy geschrieben, aber eine Hand voll Informationen will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten.

Der wichtigste Punkt, um die Welt, die Politik, die Wirtschaft, usw. zu verstehen, ist, wie Geld entsteht und in Umlauf gebracht wird. Wächst es auf den Bäumen? Nope. Wird es durch Gold- oder Silbervorräte gedeckt? Nope. Sind es Sparguthaben, die als Kredite vergeben werden? Nope. Geld entsteht aus dem Nichts. Geld entsteht durch einen gewöhnlichen Eintrag in den Büchern der Banken. Geld kann immer nur durch ein Verschuldungstransaktion (Kredit, Anleihe) in Umlauf gebracht werden. Würde von heute an niemand mehr, also kein Bürger, kein Unternehmen, kein Staat, einen Kredit aufnehmen bzw. eine Obligation ausgeben, würde auch kein Geld mehr in Umlauf gebracht werden. Bargeld macht nicht einmal 10 % des Bruttoinlandsproduktes eines Landes aus. Bei Schweden sollen es überhaupt nur noch 3 % sein. Es könnte also gut sein, dass Bargeld in ferner Zukunft abgeschafft wird. Damit gäbe es nur noch Buchgeld, das virtuellen Charakter hat und demnach unendlich verfügbar gemacht, vollständig überwacht und manipuliert werden kann.

Die wichtigsten Zentralbanken, die das Geldvolumen und die Zinssätze eines Landes steuern, sind in privaten Händen und entziehen sich staatlicher/demokratischer Kontrollen. Der Spin des Establishments ist, dass sie einen staatlichen Eingriff in Finanzangelegenheiten für bedenklich und gefährlich erachten und deshalb auf eine strikte Trennung bestehen. Weiters heißt es, dass an den Zentralbanken nur Banken eines Landes beteiligt sind. Dass diese Landesbanken längst multinationalen Konzernen gehören, wird genauso verschwiegen, wie die Tatsache, dass jede Bank eine Aktiengesellschaft ist, deren (anonyme) Besitzer die Großaktionäre sind. Dass unter den 50 einflussreichsten Multinationalen Konzernen 48 dem Banken- und Finanzbereich angehören, ergab die Studie dreier Professoren der ETH Zürich im Jahr 2007.

Zinseszins ist eine exponentielle Funktion. Werden Kredite nicht zurückgezahlt, sondern durch weitere Kredite verlängert, fressen einem früher oder später die Zinsen die Haare vom Kopf und die Zahlungsunfähigkeit ist unausweichlich. Deshalb sollte die Frage nicht heißen, ob ein verschuldeter Staat bankrott geht, sondern wann. Standard & Poors schätzt, dass innerhalb der nächsten 50 Jahre etwa 60 % aller Staaten Schiffbruch erleiden werden.

Freies Unternehmertum ist nur noch ein Mythos. Tatsächlich ist es für aufstrebende Entrepreneurs nicht möglich, gegen alteingesessene Konzerne zu bestehen. Das hat viele Gründe, aber um es nicht zu kompliziert zu machen, müssen Sie sich nur die Frage stellen, welche Unternehmen jahrzehntelange Lobbyarbeit in der Politik betreiben und welche Unternehmen aufstrebenden Jungunternehmer Kredite einräumen. Sogar Joseph Stiglitz gibt unumwunden zu, dass die »vom Tellerwäscher zum Millionär«-Story ein Mythos ist. Ein Bill Gates, ein Steve Jobs, ein Mark Zuckerberg, sie alle mussten einerseits (politisch verhängte) Auflagen und Konzessionen erfüllen, andererseits ihre Ideen durchfinanzieren und (im Mainstream) vermarkten. Mit anderen Worten, ein Jungunternehmer ist nur so erfolgreich, wie ein Establishment, das Politik, Finanz und Mainstream kontrolliert, diesen erfolgreich werden lässt. That’s fact!

Der Mainstream-Medien- und Verlagsapparat, der nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Profit) agieren muss, ist alles, nur nicht unabhängig. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, der möchte Sie nur in die Irre führen und ablenken. Eine Qualitätszeitung muss sich genauso dem Marktdiktat ergeben wie ein Boulevardblatt. Beide erzählen dem Leser eine schöne, schreckliche, spannende oder ernste Geschichte. Die Wahrheit spielt dabei freilich keine Rolle. Wer das nicht glaubt, der schlage bei Noam Chomsky nach.

Die Demokratie hat längst abgedankt. Gut zu sehen, als man in Griechenland und Italien Technokraten an die Spitze der Regierungen setzte, obwohl sie keinerlei Legitimation durch das Volk erhalten haben (siehe dazu die »Master of the Eurozone« und wie die Bank Goldman Sachs Europa erobert: The Independent). De facto war es ein Putsch des Establishments, der aber im Mainstream schön geredet wurde. Politiker sind nur noch »Sachzwängen« unterworfen. Egal, welche Partei an die Spitze gespült wird, es ändert nichts daran, dass Geld die Welt regiert. Und da Staaten nicht mehr schuldenfrei und von weiteren Krediten abhängig sind, um fällige Kredite tilgen zu können usw. muss sich die Politik zwangsweise beugen. Das sagte bereits der Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, im Jahr 1996. Aufruhr gab es damals keinen. Ein gefälliges Nicken im Mainstream. Sollte sich jedoch eine Regierung diesem Finanz-Diktat widersetzen, dann wird es gnadenlos ausgelöscht. Die Liste der Regierungen und Regime, die deshalb vom Establishment einen Kopf kürzer gemacht wurden, ist lang. Beispielhaft: Iran, Guatemala, Afghanistan, Jugoslawien, Irak, Libyen, usw.  Griechenland ist gegenwärtig vom Establishment ausgewählt worden, um als Exempel herzuhalten: Wer sich nicht unserem Diktat beugt, dem werden keine Kredite eingeräumt und falls das nicht reicht, wird die Bevölkerung mittels Propaganda in Angst und Schrecken versetzt. Diese Schocktherapie hat in den Dritte-Welt-Ländern und in der auseinanderbrechenden UdSSR bestens  funktioniert. More to come!

Zum Abschluss sei noch Prof. Lietaer zitiert. Vermutlich werden Sie ihn nicht kennen. Nobelpreis erhielt er keinen, und in großen Verlagen publiziert er meines Wissens auch nicht. Das müsste nichts bedeuten. Freilich nicht.

»Von allen uns bekannten Mitteln, eine traditionelle Gemeinschaft zu zerstören, Religion, Gewalt, was auch immer, das sicherste Mittel ist Geld.«

P.S.: Ich würde per Gesetz verordnen, dass jeder aktive Politiker gezwungen wird, innerhalb eines Stadtgebietes auf sein Auto zu verzichten. Somit sollte er nur noch zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln seine Runden ziehen dürfen. Damit müsste die politische Elfenbeinturm-Exklusivität ein Ende haben. Jedenfalls denke ich mir das immer wieder, wenn ich um Mitternacht in der U-Bahn sitze und beobachten muss, dass die Sozialpolitik der letzten fünfzig Jahre völlig versagt hat. Dabei ist es egal, ob man sich in Frankfurt oder Wien bewegt. Die nächsten fünfzig Jahre werden zeigen, ob wir das Kapitel »gelebte Demokratie« offiziell ad acta legen müssen.

Was ist Geld, bitteschön?

Ein hübsch gemachter Dokumentarfilm über das Geld und was es in der Gesellschaft anrichtet. Wenn man die Leutchen so über Geld reden hört, dann bekommt man das Gefühl, dass wir es mit einer großen ungerechten Sauerei zu tun haben.

Documentary: The Money Fix [youtube]

Tatsächlich ist Geld nichts anderes als eine Übereinkunft zwischen Menschen. Geld allein schafft keine Dinge, wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Man könnte alles Geld der Welt aufwenden, aber man wird  nicht in die Vergangenheit reisen können, um Fukushima oder Tschernobyl oder Hiroshima ungeschehen zu machen. Geld ist nichts anderes als ein (Macht)Mittel, um Entscheidungen zu treffen. Hier erklärt es Bernard Lietaer:

Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, dass so gut wie kein Bürger die Frage stellt, wie es sein kann, dass zum Beispiel der Bankenapparat die unglaublichsten „Schlösser“ in den Städten dieser Welt erbaut und sich dabei nicht einmal schäbig oder schuldig vorkommt. Geld entsteht aus Luft, wenn man so will. Jeder Geldschein, der im Umlauf ist, entstand durch die Aufnahme eines Kredites. Man könnte sagen, die Banken sind in der Lage, Geld zu drucken und verlangen dafür Zinsen und Gebühren. Ein lukratives Geschäft, nicht? Dass es eine Bankenkrise gab und gibt, hat vorderhand damit zu tun, dass die Banken nicht umhin konnten, ein wenig an der Börse zu spekulieren. Ein legales Casino, wenn man so will. Dass manche auf die falsche Karte setzten, naja, das kommt vermutlich vor. Gut dass die braven Bürger bereit waren und bereit sind, für die verpokerten Unsummen geradezustehen.

Wenn wir uns einen verzweifelten und wütenden Mob ansehen, wie er durch die tristen Vorstädte der Mega-Citys tobt, dann erkenne ich, dass diese Verzweifelten und Wütenden kein Ziel kennen. Anno dazumal, da konnten sie zu den Schlössern und Palais der Fürsten und Prinzen und Landherren ziehen, um ihren Unmut freien Lauf zu lassen. Das konnte schon recht hitzig werden, dieses Austoben, aber immerhin konnte sich die Wut nach außen entladen. Heutzutage werden mehr nebenbei die Autos der Nachbarn angesteckt, die Geschäfte etwaiger Bekannter ausgeraubt oder die Scheibe einer kleinen Bankfiliale eingeschlagen – aber Wut und Verzweiflung sind damit nicht gestillt und beide führen ihr Krank machendes Werk in Körper und Geist fort. Die Bilder wiederum von brennenden Autos und eingeschlagenen Scheiben machen gehörig Eindruck. Vor allem in den Nachrichtensendungen. Und wieder darf sich die Politik rühmen ein schärferes Gesetz zur „Sicherheit“ verabschiedet zu haben. Und die Einsatzkräfte werden freilich verdoppelt.

Also, um es auf den Punkt zu bringen: WER entscheidet, wer wie viel Geld jemand in einer Gemeinschaft zur Verfügung gestellt bekommt? Wenn wir zum Schluss kommen, dass es Banken sind, die es entscheiden, dann müssen wir uns fragen: WARUM dürfen sie das? Wer hat ihnen das Recht dazu eingeräumt? Und ist es im Sinne einer gesunden Gemeinschaft, wenn ein privates Unternehmen über das Gemeinwohl entscheidet? Frei nach dem Motto: der Bau und Betrieb eines AKWs in einem Erdbebengebiet ist hunderttausend Mal lukrativer (Kredit genehmigt) als die Erstellung eines Wildreservats (Kredit abgelehnt). Und wenn das AKW einen Störfall hat, umso besser, weil die Rettungseinsätze Unsummen verschlingen werden. Hui. Dann müssen wieder Kredite aufgenommen werden. Wer vergibt die Kredite? Wer verdient an Zinsen und Gebühren? Richtig.

Wie man es auch dreht und wendet, im gegenwärtigen System sind wir alle dem Teufel ausgeliefert. Bitte lächeln.

Was die Krise mit Kopfschmerzen zu tun hat und ein erster Versuch, die richtigen Fragen den richtigen Leuten zu stellen!

Eine Gesellschaft, in der die Lüge zur allgemein akzeptierten
Verkehrsform gehört, marschiert in den Schwachsinn.
Matthias Matussek,
DER SPIEGEL

Laut einer Studie gibt es in Deutschland derzeit etwa 830000 Geldmillionäre, deren Vermögen rasant zunimmt. Insgesamt verfügt diese schmale Schicht über ein Finanzvermögen von 2,2 Billionen Euro – mehr als Bund, Länder und Gemeinden zusammen an Schulden haben. Ähnliches gilt für die europäische Ebene. Der World Wealth Report misst Finanzwerte von über 10 Billionen Dollar in den Händen der europäischen Multimillionäre. Die Staatsverschuldung aller EU-Staaten liegt nur knapp darüber. Vor 13 Jahren war der europäische Geldadel übrigens erst halb so reich. Die Staatsverschuldung brauchte 15 Jahre, um sich zu verdoppeln.

Sahra Wagenknecht.
Entnommen der Frankfurter Allgemeine Zeitung – Die Autorin ist stellvertretende Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzende der Partei Die Linke.

*

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Bitte bedenken Sie, dass es eigentlich gar nicht so sehr darum geht, wie wir die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff bekommen. Wir können sie gar nicht in den Griff bekommen. Es ist, als würden wir in einem Auto sitzen,einen Berg hinabfahren und plötzlich bemerken, dass die Bremsen nicht funktionieren. Handbremse natürlich genauso wenig. Nach und nach erfahren wir, dass das Auto von Anfang an ohne Bremsen konstruiert wurde. Man ging davon aus, dass es nur bergauf gehen würde. Wer will da bremsen? Wer bremst verliert, richtig?

Und falls es einmal bergab ginge, so die Experten und Politiker und Wirtschaftsfachleute, na, dann sollten wir doch froh sein, weil wir den Schwung dann für den nächsten langen und steilen Anstieg mitnehmen können. Ja, das klingt in den Ohren eines normalsterblichen Bürgers, der sich keine sonderlich schweren Gedanken über die Welt da draußen machen möchte, ganz vernünftig. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass es nach jeder ruppigen Talfahrt wieder ordentlich bergauf ging. Wir dürfen also nur nicht die Nerven verlieren, wenn das Auto an Geschwindigkeit zunimmt und immer schneller wird. Die Experten und Politiker und Wirtschaftsfachleute sind bekanntlich kluge Leute und haben alles im Griff. Richtig? Falsch!

*

«Wir werden überredet, Geld auszugeben, das wir nicht haben, für Dinge, die wir nicht brauchen, um Eindruck zu machen, der nicht von Dauer ist, auf Leute, die uns egal sind.«

*

Ich denke, es ist an der Zeit die Samthandschuhe auszuziehen und die Verantwortlichen ins Gericht zu nehmen und – falls notwendig – vor Gericht zu stellen. Politiker und Experten und Wirtschaftsfachleute werden gut bezahlt, weil sie intelligent, kompetent, nicht korrumpierbar und verständig sind. Wir sind uns hoffentlich einig, dass ein politischer Entscheidungsträger nicht deshalb Entscheidungen treffen darf, weil er telegen ist oder geschliffene Ansprachen halten oder ein finanzkräftiges einflussreiches Netzwerk aufweisen kann. Genausogut würden wir keinem »Arzt« vertrauen, der uns diagnostiziert, wenn sich herausstellte, dass er diese Stelle nur deshalb bekommen hat, weil er lange Jahre Sekretär im Gesundheitsministerium war. Würden wir so jemanden unser Leben anvertrauen?

Gesetzt dem Falle, Sie wachen eines Tages auf und haben einen stechenden Kopfschmerz. Sie gehen zum Arzt Ihres Vertrauens und klagen ihm Ihr Leid. Er nickt, zückt einen Rezeptblock und kritzelt ein Kopfschmerzmittel darauf. Sie fragen, ob mit Ihnen alles in Ordnung sei. Ihr Arzt bejaht und meint, Sie sollen sich keine Sorgen machen, weil, naja, nach Einnahme des Schmerzmittels ist der Kopfschmerz wieder weg.

Sie nehmen also eine Tablette und tatsächlich verschwindet der Kopfschmerz. Sie verrichten Ihre Arbeit, kommen nach Hause, tun, was Sie immer tun, legen sich schließlich ins Bett und wachen am nächsten Morgen wieder mit diesem einen stechenden Kopfschmerz auf. Sie nehmen also wieder eine Tablette, gehen zur Arbeit, kommen nach Hause, tun, was Sie immer tun, legen sich schließlich ins Bett und wachen am nächsten Morgen wieder mit diesem einen stechenden Kopfschmerz auf. Sie nehmen also wieder eine Tablette, gehen zu Arbeit und diese Routine wiederholt sich, bis sie keine Schmerzmittel mehr haben. Was nun? Sie besuchen Ihren Arzt.

Sie klagen Ihrem Arzt, dass Sie zwei Wochen lang, jeden Morgen mit Kopfschmerzen aufgewacht sind. Ihr Arzt nickt, zückt den Rezeptblock und kritzelt ein Kopfschmerzmittel darauf. Sie fragen, ob mit Ihnen alles in Ordnung sei. Ihr Arzt bejaht und meint, Sie sollen sich keine Sorgen machen, weil, naja, nach Einnahme des Schmerzmittels ist der Kopfschmerz wieder weg.

Nach zwei Wochen sitzen Sie wieder beim Arzt. Die Kopfschmerzen überfallen Sie noch immer in der Früh und die Schmerzmittel dürften nicht mehr so wirksam sein. Kein Problem, meint Ihr Arzt, dann nehmen Sie einfach zwei Tabletten. Und die Nebenwirkungen?, wollen Sie wissen. Keine Sorge, lächelt Ihr Arzt, die hat noch jeder überlebt.

Zwei Wochen lang nehmen Sie also zwei Tabletten am Morgen. Sie bemerken unangenehme Nebenwirkungen. Ihr Haar ist spröde, die Haut trocken, die Augen entzündet, der Magen verstimmt.

Die Routine geht weiter und weiter. Sie nehmen bereits vier Tabletten am Morgen, was natürliche befremdliche Auswirkungen auf ihren Organismus hat, aber die Alternative, mit dem stechenden Kopfschmerz zu leben, ist keine. Sie sind eigentlich froh, diese Schmerzkiller von Ihrem Arzt zu bekommen, der Ihnen zu verstehen gibt, dass alles in Ordnung mit Ihnen sei. Fein, denken Sie sich, dass es noch kompetente Ärzte gibt, denen man vertrauen darf.

Nach einem Jahr nehmen Sie bereits zehn Tabletten am Morgen und zehn Tabletten zu Mittag und zehn Tabletten am Abend. Sie haben einen neuen Job im Pharmabereich angenommen, der Ihnen alles abverlangt, aber um die exorbitanten Kosten der Schmerzmittel zu bezahlen, bleibt Ihnen keine andere Wahl. Mit den Kopfschmerzen würden Sie sowieso keinen Job durchstehen. Die Nebenwirkungen, die Sie nach außen hin einigermaßen kaschieren können, machen Ihnen das Leben schwer, aber auf der anderen Seite sind Sie wiederum froh, dass Sie sich nicht mit diesem stechenden Kopfschmerzen auseinandersetzen müssen. Sie hören immer wieder, wie schlecht es anderen geht. Nebenbei verabreichen Sie auch schon Ihren Kindern eine halbe Tablette am Morgen, weil diese auch schon von einem Kopfschmerz reden. Kein Problem, sagen Sie ihren Kindern, es ist alles in Ordnung. Und Ihre Kinder schlucken die halbe Pille und lächeln.

Eines Tages, Sie stehen gerade in der Büroküche und schlucken zehn Tabletten, kommt eine junge chinesische Kollegin und beobachtet Ihre Prozedur. »Kopfschmerzen«, deuten Sie auf Ihren Kopf. Die Kollegin nickt und fragt, ob der Arzt schon die Ursache dieser Schmerzen herausgefunden hätte. Sie blicken sie erstaunt an. Es ginge nur um die Schmerzen, sagen Sie, und dagegen helfen nur die Tabletten. Die Kollegin schüttelt sachte den Kopf. Schmerzen haben eine Ursache. Findet man die Ursache im Körper und behebt dieses Ungleichgewicht, dann hören die Schmerzen auf. Sie runzeln die Stirn. »Blödsinn«, schlucken Sie die letzte Tablette hinunter, »mein Arzt ist der Meinung, dass alles in Ordnung mit mir sei. Und die Zeitungen sagen es ja auch. Hier! Wir müssen nur mehr Tabletten produzieren, um nicht Gefahr zu laufen, einen Engpass zu erleiden. Darum geht es! Sie haben keine Ahnung, was es heißt, mit diesen Kopfschmerzen leben zu müssen!«

Ich denke, wir können hier diese Parabel abbrechen. Sie wissen, worauf ich hinaus will. Sie können hundert Schmerzmittel pro Tag in sich hineinschaufeln, aber die Auswirkungen werden Sie umbringen. Früher als Ihnen lieb ist. Und die Nebenwirkungen machen Ihr Leben in keiner Weise lebenswert. Trotzdem klammern Sie sich an die Schmerzmittel-Therapie, die Sie bis ans Ende Ihrer Tage verfolgen wird. Und Ihre Kinder genauso. Ist das sinnvoll? Ist das richtig?

Was in diesem Beispiel so klar auf der Hand liegt, nämlich nach der Ursache der Schmerzen im Organismus zu forschen, wird im Wirtschafts- und Finanzsystem kategorisch abgelehnt. Unser Schmerzmittel ist Geld. Wir betäuben uns damit. Es ist die einzige Lösung für Krisen und Depressionen. Wie kommt es, dass die Mainstream-Medien in den Chor der Experten und Politiker einstimmen, die Ursachenforschung ablehnen oder gar nicht erst in den Mund nehmen?

Würden Sie Ihren Arzt fragen, ob er in erster Linie Symptome oder die Ursache einer Krankheit bekämpfen wolle, und er Ihnen glatt ins Gesicht antworten würde: »Es geht immer um die Symptome. Die Ursache tut nichts zur Sache, die ist nämlich viel zu kompliziert, um sie verstehen oder erforschen zu können.«, würden Sie da nicht an den Geisteszustand Ihres Arztes zweifeln? Und Ihn durch einen anderen ersetzen? Warum tun wir es dann nicht bei den Politikern und Experten? Warum akzeptieren wir, dass Entscheidungsträger immer nur Symptome bekämpfen, nie aber über die Ursachen befinden wollen? Vielleicht, weil Sie davon exorbitant profitieren?

Deshalb schlage ich folgende Forderung vor: Jedes Regierungsmitglied, jeder Politiker der Opposition, jeder Experte, der die Regierungen berät, jeder Experte, der in den Medien seine Expertise veröffentlichen darf, müssen eine eidesstattliche Erklärung abgeben und die folgenden Fragen beantworten. Die Beantwortung wird auf Film dokumentiert und soll im TV gesendet und im Internet abrufbar sein.

Die Fragen und Auswirkungen der Antworten könnten wie folgt aussehen:

Ist die Erde ein endlicher Planet?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass die Erde ein endlicher Planet ist. Natürlich steht es jedem frei, eine Erklärung abzugeben, warum er nicht der Meinung sei, dass es ein endlicher Planet ist. Wir müssen aber von Fakten und Beweisen ausgehen. Die Annahme, dass die Welt eine Illusion ist oder wir in einer Matrix leben oder Gott schon dafür sorge, dass alles seinen gerechten Gang gehe oder Außerirdische uns nur vorgaukeln, dass wir auf einen sich erschöpfenden Planeten leben, ist völlig unzureichend.

Gehen nicht erneuerbare Rohstoffe zur Neige?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass sich erneuerbare Rohstoffe erschöpfen. Natürlich steht es jedem frei, eine Erklärung abzugeben, warum er nicht der Meinung sei, dass nicht erneuerbare Rohstoffe unerschöpflich oder in einer nahezu unendlichen Menge vorhanden sind. Die Annahme, dass zum Beispiel Erdöl abiotisch sei (die ständige Produktion im Erdinneren als Schmiermittel), oder dass jeder Rohstoff durch chemisch-technisch-genetisch-nukleare Transformation oder einem Zaubertrick hergestellt werden kann, muss belegt oder bewiesen werden.

Muss die Wirtschaft im gegenwärtigen System ständig wachsen, um zu funktionieren?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass die Wirtschaft im gegenwärtigen System wachsen muss, um zu funktionieren. Mit anderen Worten, im bestehenden System, müssen Produkte produziert, beworben und verkauft werden, nur aus dem einen Grund: damit ein Unternehmen die Zinsen der Kredite zahlen kann und somit nicht bankrott macht. Das Gemeinwohl, die Umwelt, die Menschen kommen in dieser Zins-Profit-Formel nicht vor. Und weil der Überlebenswille so stark ausgeprägt ist, wird ein Konzern die letzten Rohstoffe aus dem Boden quetschen, um damit Weihnachtsmänner-Figuren in Lederhosen herzustellen, die blinken und bei Berührung ein Happy Christmas jodeln bzw. das Lied Edelweiss trällern. Gleichzeitig erfolgt die großangelegte Werbekampagne Christmas in Tyrol, erscheint der spaßige Hollywood-Familienfilm Happy Gilmore in Tyrol, senden TV-Sender unzählige Berichte über den weltweiten Tirol-Hype, schreiben unzählige Zeitungen über den Internetansturm auf die Seite eines jodelnden Weihnachtsmannes in Lederhose. Das Unternehmen prognostiziert seine Verkaufszahlen. Die Aktienkurse steigen. Die Manager erhalten Gratifikationen und Boni im Millionenbereich und die Politiker, die den Rohstoffmarkt weiter liberalisiert haben, beglückwünschen sich – immerhin ist der Konzern einer ihrer Sponsoren für den Wahlkampf. Ach ja, Kupfer ist aus.

Wird das ständige Wachstum einer Zelle in einem lebendigem Organismus als Krebs bezeichnet?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass das ständige Wachstum einer Zelle in einem lebendigem Organismus als Krebs bezeichnet wird. Eine ständig wachsende Wirtschaft verhält sich somit wie Krebs in einem Organismus. Eine Weile kann der Organismus damit umgehen, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das System endgültig zusammenbricht, weil es lebenswichtige Organe angreift. Mit anderen Worten: der Organismus stirbt.

Wird Geld durch Schulden in Umlauf gebracht, auf denen wiederum Zinsen lasten?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung ist, dass im gegenwärtigen System Geld durch Schulden in Umlauf gebracht wird. Zentralbanken drucken Geld oder schreiben einen Scheck und vergeben diese neu geschaffenen Gelder aus dem Nichts (FIAT) gegen Zinsen an Privatbanken oder Staatskassen, die sie in Umlauf bringen.

Kann das Modell des Zinseszins, der eine exponentielle Funktion mit einem linearen Wirtschaftskreislauf kombiniert, auf längere Sicht funktionieren?

Ist die Antwort JA, dann sollte die folgende Frage beantwortet werden: Wie hoch ist der Betrag, wenn ein Pfennig, der im Jahre 1 nach Christie Geburt angelegt und zu 5 % verzinst wurde, nach 2000 Jahren behoben werden möchte?

Sollte die Antwort so ausfallen, dass man davon ausgehen kann, dass der Befragte keine Idee von exponentiellem Wachstum hat, ist er mit sofortiger Wirkung all seiner Ämter enthoben.

Der Betrag, der sich aus diesem Zinseszins-Beispiel ergibt, würde vermutlich ausreichen, das gesamte Sonnensystem und Teile der Milchstraße kaufen zu können. Freilich, um diesen kleinen Fehler zu verhindern bzw. zu verheimlichen, werden Kriege geführt, Währungen entwertet, Umschuldungen erzwungen, Konten geplündert, Finanzkrisen ausgelöst. Ist das also die zugrundeliegende Idee eines nachhaltigen und menschenfreundlichen Wirtschafts- und Finanzsystems?

Muss es nicht unsere absolute Priorität sein, ein weltweites Wirtschaftssystem zu (er)finden, das auf lange Sicht  funktioniert, in dem es mit den verbliebenen Ressourcen so sparsam und gerecht umgeht, wie nur möglich? Muss ein weltweit funktionierendes Wirtschaftssystem nicht der gesamten Bevölkerung dienlich sein, um ein angenehmes, freies und gerechtes Leben zu gewährleisten? Oder soll der freie Markt und das Motto wer zahlt, schafft an weiterhin gelten?

*

*

*

Anmerkung: Ob eine Gold- oder Silberwährung die richtige und notwendige Alternative ist, lasse ich offen. Ich gehe davon aus, dass ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ohne Geld die Lösung ist, aber das ist eine ganz andere Geschichte. In diesem Vortrag geht es vielmehr um die Analyse, warum Economy, Energy und Environment nicht einzeln, sondern immer nur als Ganzes betrachtet werden können.

*