richard k. breuer

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Denkverbote #1: Geld- und Kreditsystem

Denkverbote-1Das Geld- und Kreditsystem ist Eckpfeiler unserer gegenwärtigen Zivilisation. Trotzdem erfährt der gewöhnliche Bürger so gut wie nichts über die Schwarze Magie, die hier praktiziert wird.

Geld entsteht durch Kredit.

Würden alle Kredite auf diesem Planeten zurückgezahlt werden – was freilich wegen der Zinsen unmöglich ist – gäb’s auch kein Geld mehr in unserer Welt. Der Zinseszins, der auf lange Sicht jeden Kreditnehmer – vor allem Staaten – in den Bankrott treibt, wird niemals ernsthaft diskutiert. Spricht man aber von Wucher oder Zinsknechtschaft könnte das einem Job und Zukunft kosten. Das Thema Geld, Kredit und Bankwesen ist heutzutage ein einziges Minenfeld. Jeder Analyst, der sich in dieses Feld begibt, um Fakt von Fiktion zu trennen, läuft Gefahr, zerrissen zu werden.

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Was Sie schon immer über Griechenland und das liebe Geld wissen wollten

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Hier der fiktive Dialog zwischen einem ungläubigen Michel, nennen wir ihn deshalb X., und einem kritisch-skeptischen Bürger, der sich viele Gedanken über das Gestern gemacht hat – sein Name soll B. sein.

X: Also, mein lieber B., du bist doch so ein schlaues Kerlchen. Ich sage dir, die Griechen sind ein faules Pack. Die wollen nicht arbeiten und möchten es sich auf unsere Kosten gut gehen lassen. Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen.

B: Sieht man sich die Anzahl der Arbeitsstunden im OECD-Vergleich an, dann arbeiten sich die Griechen den Rücken krumm. Siehe Focus. Im Jahr 2012 waren die Griechen mit 2.034 geleisteten Arbeitsstunden/Jahr Spitzenreiter. Die Deutschen kamen „abgeschlagen“ auf 1.397 und die Österreicher immerhin auf 1.699 Arbeitsstunden/Jahr. So wie es aussieht, dürfte es in Griechenland einen hohen Anteil an Zweitjobs geben. Ein Indiz, dass es der breiten Masse finanziell nicht sonderlich gut gehen dürfte.

X: Ach, was. Ist ja nur eine blöde Statistik. Wenn die Griechen so viel gearbeitet hätten, warum haben sie dann so einen Schuldenberg angehäuft? Die haben es sich gut gehen lassen. Auf unsere Kosten! Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen.

B: Zum Schulden machen, gehören immer zwei. Der eine, der Geld hergibt und der andere, der Geld nimmt. Weiters ist dabei zu bedenken, dass aufgenommene Kredite – für gewöhnlich – in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Ein Beispiel:

Athen hatte im Jahre 2000 vier U-Boote des Typs 214 im Wert von 2,85 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Nach Angaben deutscher Ermittler soll die ehemalige Man-Tochter Ferrostaal Bestechungsgelder in Millionenhöhe gezahlt haben. [Spiegel Online]

Mit anderen Worten: Wenn Deutschland Güter produziert und diese exportieren möchte, dann braucht es auch Abnehmer, die bereit sind, zu zahlen. Man stelle sich vor, die Griechen (und überhaupt die Staaten, die verschuldet sind, also alle) hätten ein rigoroses Sparprogramm gefahren und ihre Importe aus Deutschland gedrosselt. Dann wären die deutschen Unternehmer gezwungen gewesen, ihre Produktion ebenfalls zu drosseln. Nicht lange, und es wäre zu Werksschließungen und Massenentlassungen gekommen. Das hätte wiederum dazu geführt, dass auch Deutschland seine Importe reduzieren hätte müssen. All das würde eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Nicht anders war es in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Um solche eine Krise zu verhindern, kamen kluge Ökonomen auf die Idee, den Regierungen Import-Kredite zu gewähren. Geld ist ja beliebig verfügbar.

X: Blödsinn. Geld wächst doch nicht auf Bäumen.

B: Ich weiß, es ist nur schwer vorstellbar, aber es ist, wie ich sagte: Geld ist beliebig verfügbar. Es ist nur eine Zahl in einem Computer. Geld wird aus dem Nichts herbeigezaubert. Dies hat ein deutscher Professor unlängst nachweisen können:

“Somit können wir nun mit absoluter Sicherheit – möglicherweise zum ersten Mal in der 5000-jährigen Geschichte des Kreditwesens – sagen, dass es empirisch bewiesen wurde, dass jede einzelne Bank Kredit und Geld aus dem Nichts erschafft, wenn sie einen sogenannten ‘Bankkredit’ gewährt.” Siehe Artikel.

X: Hahaha. Wenn das stimmen würde, dann könnte man ja den Griechen und der ganzen Welt weiterhin Kredit gewähren, bis zum Sanktnimmerleinstag.

B: Ja. Könnte man.

X: Und warum tut man’s dann nicht?

B: Diesbezüglich müsste man wohl jene fragen, die das Monopol auf die Geldschöpfung besitzen.

X: Die Regierungen?

B: Nein, Regierungen haben längst das Monopol zur Geldschöpfung verloren. Diese monströse Macht ist in den Händen von Privatleuten, die an den Banken beteiligt sind, die wiederum an den Zentralbanken beteiligt sind. Für den gewöhnlichen Bürger sieht es so aus, als würden immer nur Banken und deren Manager im Geld- und Finanzwesen eine Rolle spielen. Dabei vergisst der Bürger den Umstand, dass jedes Unternehmen jemanden gehört. Der Eigentümer hat somit die Kontrolle über die Geldschöpfung als auch über die Kreditvergabe und hat damit den größten Einfluss auf das Weltgeschehen. Das klingt natürlich nach einer dieser obskuren Verschwörungstheorien, aber wenn wir dem Wiener Journalisten und international gut vernetzten Theodor Herzl (1860-1904) Glauben schenken möchten, dann erkannte dieser bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Gefahr, die diese mächtigen Bankiers für ein zukünftig souveränes Israel hätten. Hier ein Ausschnitt seiner Rede an die wohl bekannteste Bankiersfamilie seiner Zeit:

Jetzt muß ich um die Erlaubnis bitten, von Ihrem Vermögen zu sprechen. — Ihr Kredit ist enorm, monströs. Ihr Kredit beträgt viele Milliarden. — Ich weiß nicht, ob sich alle Regierungen schon darüber klar sind, was Ihr Welthaus für eine Weltgefahr ist. Mann kann ohne Sie keine Kriege führen, und wenn man Friede schließen will, ist man erst recht auf Sie angewiesen. — So werden wir im Judenstaate Ihr beängstigendes Vermögen, das unsere wirtschaftliche und politische Freiheit ersticken würde, von vornherein nicht dulden. — Wir werden einige Sicherheits-Vorkehrungen gegen Ihr gefährliches Vermögen treffen müssen. — Wir sperren nämlich die Börsen, gleich nachdem sie fertig geworden sind! Mit anderen Worten, wir führen das Börsenmonopol ein. Ja, der ganze Geldhandel wird verstaatlicht. — Wir dirigieren vor allem unsere Staatskredit unabhängig von Privaten.
[Tagebuchauszug: Rede an die Rothschilds, 1895, S.144-210]

X: Nur mal zum Mitschreiben. Du behauptest, diese Rothschilds sind an allem Schuld? Ich glaub, ich brauch nen Alu-Hut.

B: Rothschild ist nur ein Name, der ist Schall und Rauch. Es geht mir darum, dem gutgläubigen Bürger drei Dinge vor Augen zu führen:

1. Es muss da draußen „monströse Vermögen“ geben, über die einige wenige Personen verfügen. Das ergibt sich zwingend aus der Überlegung heraus, dass sich die größten Vermögen nicht in Luft auflösen können – vielmehr wechseln sie immer nur den Besitzer.

2. Wer die Geldschöpfung kontrolliert, kontrolliert alles andere – seien es Regierungen, Organisationen oder Geheimgesellschaften – und erhält auf alle aus der Luft geschöpften Gelder zusätzlich Zinsen.

3. Geld hat keinen Wert an sich. Es ist nur das (staatlich!) verbriefte Recht Zugriff auf eine vergangene oder zukünftige Arbeit zu haben. Mit anderen Worten: Geld ist Glaube. Würde niemand mehr auf dieser Welt Geldscheine akzeptieren, würde das ganze Geldsystem zusammenbrechen und sich aller Geld-Reichtum in Luft auflösen (Asche zu Asche, Staub zu Staub, wenn man so will). Es verhält sich freilich genauso mit Gold, Silber oder Diamanten, wenn diese als „Geld“ Verwendung finden.

X: Blödsinn! Gold ist doch eine Vermögensanlage! Weiß doch jeder! In Krisenzeiten war es immer das Gold, das die Menschen vor dem Verhungern gerettet hat. Solltest du doch wissen.

B: Nein! Gold oder Geld hat noch keinen Menschen vor dem Verhungern gerettet. Es sind Landwirte, die ihre Felder bestellen und ernten, die ihre Kühe schlachten und portionieren und so weiter. Falls ein Landwirt kein Gold haben möchte, wirst du vor seiner Speisekammer verhungern. Vielleicht möchte er neue Schuhe, vielleicht einen neuen Anzug. Gold und Silber werden nur deshalb als Geld angesehen, weil sie seit dem Altertum im internationalen Handel Verwendung fanden. Aber auch hier gilt wieder zu fragen, wer besitzt denn all die Gold- und Silberbestände und wer besitzt die Gold- und Diamantminen. Nicht umsonst wurde vor hundert Jahren im „goldenen“ Südafrika ein Krieg gegen die holländischen Siedler geführt, weil sich diese gegen das britische Imperium auflehnten.

X: Schnee von gestern. Das interessiert doch keinen. Griechenland ist das Thema!

B: Es mag Schnee von gestern sein, ja, und trotzdem läuft die Sache noch immer genauso ab. Nur der Name der „imperialen Macht“ hat sich geändert. Bedenken wir: Die reichsten, wirklich reichsten Männer der Welt, so es sie gibt, haben zwar ein immenses Vermögen, aber per se keine exekutive Macht. Sie benötigen demnach einen potenten Staat, der für sie einerseits über ihr Vermögen wacht – sei es militärisch, sei es gesetzlich – andererseits in der Lage ist, international auf allen Ebenen – sei es militärisch, sei es wirtschaftlich – zu intervenieren. Möchten also diese mächtigen Männer einen Kuchen von Griechenland, können sie ihr Vorhaben nur schwerlich allein durchsetzen. Aber eine „offiziell“ eingesetzte Polit-Gruppe (Troika/EU-Chefs) ist in der Lage, Verträge mit der griechischen Regierung zu schließen, die der internationalen Privatwirtschaft zu Gute kommt. In diesem Schriftstück kann man die Forderungen der Troika lesen – inklusive der Anmerkungen des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis. Da geht es unter anderem darum, dass Griechenland eine Vielzahl staatlicher Institutionen „privatisieren“, also zum Kauf anzubieten, muss.

X: Was ist daran schlecht? Der Staat verschleudert ja die Steuergelder. Private Unternehmen gehen viel sorgsamer um, mit dem Geld. Und ein Monopol ist ja immer schlecht. Nur Konkurrenz sorgt für niedrige Preise.

B: Die Welt, in der wir gegenwärtig leben, ist längst „monopolisiert“. Wir merken es nicht, weil wir generell in „Markennamen“ denken. Aber im Hintergrund sind es nur eine Hand voll Beteiligungsgesellschaften von „Privatiers“, denen die größten multinationalen Konzerne gehören, die wiederum mit ihren bekannten Markennamen einen erheblichen gesellschaftlichen Einfluss ausüben. Siehe Artikel. Mit anderen Worten: Es sind gerade diese „Privatiers“ die alles daransetzen, staatliche Institutionen zu zerschlagen und günstig aufzukaufen [kurz: die Plünderung eines Landes]. Der springende Punkt ist, dass staatliche Betriebe dem Volk gehören – auch wenn es so nicht von den Medien kolportiert wird. Das heißt, dass das Volk über jeden staatlichen Betrieb Rechenschaft verlangen darf. Ein Privatunternehmen kann wiederum tun und lassen, was es möchte: Es kann jederzeit Preise erhöhen (weil es der Markt „verlangt“), kann insgeheim Absprachen mit „Konkurrenten“ treffen, kann „Märkte“ und Regierungen beeinflussen und manipulieren (LIBOR!, Enron) und ist am Ende immer nur den Aktionären verpflichtet, niemals der Gemeinschaft. Nebenbei werden Großkonzerne oftmals durch Steuererleichterungen „subventioniert“. Es kann demnach gut sein, dass ein staatliches Unternehmen der Gemeinschaft weniger kostet als ein privatisiertes – wenn man alle Kosten externer Effekte (Umweltverschmutzung, geringere Sicherheitsauflagen, Arbeitsplatzeinsparungen, Wartungsmängel, usw.) in die Gleichung einbezieht. Und sollte ein Konzern so groß geworden sein, dass er nicht mehr in Konkurs gehen darf, weil sonst die ganze Wirtschaft eines Landes zusammenbrechen würde (too big to fail), hat wiederum der Staat, also das Volk, einzuspringen. So geschehen in den USA 2008, als eine Reihe von privaten Finanzinstitutionen mit Steuergelder gestützt werden musste. Kurz und gut: Die Profite werden privatisiert, die Verluste verstaatlicht. [Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Stiglitz nennt das Ersatzkapitalismus]

X: Ach, du siehst alles so negativ. Die Griechen sind ein faules Pack. Die wollen nicht arbeiten und möchten es sich auf unsere Kosten gut gehen lassen. Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen. Du bist nur ein Doomster, ein Schwarzseher.

Der Feenstaub der Banker oder Die Forderung nach einer demokratischen Geldschöpfung

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Falls Sie sich dafür interessieren, wie Geld auf wundersame Weise herbeigezaubert werden kann, dann studieren Sie das Paper des deutschen Professors Richard A. Werner der University of Southampton: Can banks individually create money out of nothing? — The theories and the empirical evidence. [link] Ihnen werden die Augen übergehen.

[meine Übersetzung:] „Somit können wir nun mit absoluter Sicherheit – möglicherweise zum ersten Mal in der 5000-jährigen Geschichte des Kreditwesens – sagen, dass es empirisch bewiesen wurde, dass jede einzelne Bank Kredit und Geld aus dem Nichts erschafft, wenn sie einen sogenannten ‘Bankkredit’ gewährt.“

[Original:] „Thus it can now be said with confidence for the first time – possibly in the 5000 years‘ history of banking – that it has been empirically demonstrated that each individual bank creates credit and money out of nothing, when it extends what is called a ‚bank loan'“.

Aber das Beste hebt sich Prof. Werner für den Schluss auf. Er unterbreitet den Vorschlag, die Geldschöpfung den gewöhnlichen Bürgern zurückzugeben und sie nicht mehr den Technokraten zu überlassen. Starker Tobak, nicht? Die Studie wurde im Dezember 2014 publiziert und der Medien-Mainstream hat damit getan, was er am besten kann, wenn es um brisante und wichtige Themen für die Zukunft der Gesellschaft geht, nämlich nichts. Sie können sich nun überlegen, warum dem so ist. Hier nun die Überlegungen von Prof. Werner:

[meine Übersetzung:] „Die Sichtweise des Autors, basierend auf die Erfahrung von mehr als 23 Jahren Forschung in diesem Themenbereich, ist jene, dass es das Sicherste ist, die unglaubliche Macht der Gelderzeugung ohne Umwege an jene zurückzugeben, die ein Recht darauf haben: den gewöhnlichen Bürgern, nicht den Technokraten. Dies kann durch die Einführung eines Netzwerkes kleiner regionaler nicht Gewinn orientierter Banken im ganzen Land sichergestellt werden. Die meisten Staaten haben bis dato kein solches System. Dabei ist dieses das Herzstück der erfolgreichen deutschen Wirtschaftsleistung in den vergangenen 200 Jahren. Es sind gerade die Raiffeisenkassen, Volksbanken oder Sparkassen – je kleiner desto besser – die in der Durchführung dieser Studie hilfreich waren und die als Modell für zukünftige politische Entscheidungen in Bezug auf das Geldsystem herangezogen werden sollten. Zusätzlich kann man regional in Umlauf gebrachte Bankgelder mit Gelder ergänzen, die Kommunalbehörden ausgeben und die zur Begleichung von Steuerschulden akzeptiert werden; es handelt sich dabei um ein regionales Geld, das nicht durch Schuld entsteht, sondern geschöpft wird, um Arbeiten und Dienstleistungen für die Kommunalbehörden oder für die Gemeinschaft durchzuführen. Beide Formen dieser Geldschöpfung würden gemeinsam ein dezentralisierteres und verantwortlicheres Geldsystem ergeben, das besser funktionieren sollte (basierend auf die empirischen Daten Deutschlands) als die unheilige Allianz von Zentralbanken und Großbanken, die ihren großen Teil zur Entstehung von Vermögensblasen und Bankenkrisen beigetragen haben.

[Original:] The view of the author, based on more than twenty-three years of research on this topic, is that it is the safest bet to ensure that the awesome power to create money is returned directly to those to whom it belongs: ordinary people, not technocrats. This can be ensured by the introduction of a network of small, not-for-profit local banks across the nation. Most countries do not currently possess such a system. However, it is at the heart of the successful German economic performance in the past 200 years. It is the very Raiffeisen, Volksbank or Sparkasse banks – the smaller the better – that were helpful in the implementation of this empirical study that should serve as the role model for future policies concerning our monetary system. In addition, one can complement such local public bank money with money issued by local authorities that is accepted to pay local taxes, namely a local public money that has not come about by creating debt, but that is created for services rendered to local authorities or the community. Both forms of local money creation together would create a decentralised and more accountable monetary system that should perform better (based on the empirical evidence from Germany) than the unholy alliance of central banks and big banks, which have done much to create unsustainable asset bubbles and banking crises.

Da die gegenwärtigen subtropischen Temperaturen nicht gerade zum intensiven Nachdenken anregen, schließe ich mit der Aussage, dass die Systemgewinner alles, wirklich alles tun werden, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Sie reißen Unternehmen und Staaten in den Bankrott, führen Kriege und zetteln Revolutionen an, plündern und brandschatzen kommunale Einrichtungen, propagieren ein korruptes und betrügerisches Finanz- und Geld-System als einzig wahres und manipulieren Sie, Ihre Kinder und Kindeskinder durch die Medien. Gehen Sie davon aus, dass Sie nur wissen, was Sie wissen dürfen bzw. was Sie wissen sollen. Falls Sie meinen, ich würde übertreiben, nope, mit Sicherheit tue ich das nicht. Ich male den Teufel an die Wand, um Ihnen klar zu machen, dass unsere Seelen längst verhökert wurden. Die Ironie der Geschichte ist, dass der gewöhnliche Mensch im Mittelalter von der Versuchung des Teufels wusste und sich mit Tricks und Kniffe aus der gesellschaftlich zersetztenden Umklammerung zu befreien versuchte – das funktionierte natürlich nur, so lange er ehrlich zu sich und der Gemeinschaft war. Längst ist der gewöhnliche Mensch korrumpiert. Er belügt sich und die Gemeinschaft. Rettung, das ist meine persönlich Meinung, ist nur noch möglich, wenn er den Teufel und sein Werk beim Namen nennt. Aber die Systemgewinner haben es geschafft, die Begriffe in ihr Gegenteil zu verkehren. Das Un-natürliche wird natürlich genannt. Das Schlechte wird zum Guten gemacht. Wahrheit und Fiktion werden eins. Quantität übertrumpft Qualität. Kitsch verdrängt Kunst. Lug und Trug ersetzen die Realität. Das Destruktive wird höher geschätzt als das Konstruktive. Willkommen in Mephistos Welt.

Was Sie schon immer über das Geld und Griechenland wissen wollten

Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben

Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben

update: die Dokumentation Gier bietet gute Hintergrundinfos zum Thema Geld und kann auf Servus-TV angesehen werden: http://www.servustv.com/at/Medien/Servus-Reportage13

Ich versuche es Ihnen so schonend wie nur möglich beizubringen, dass alles, was Sie über das Geld und das Finanzsystem wissen, falsch ist. Natürlich werden Sie mir nicht glauben. Ich verstehe das. Niemand möchte sein (festgefahrenes) Glaubenssystem ins Wanken bringen. Es ist ein Fundament, auf dem all Ihre Überlegungen aufbauen. Nimmt man Ihnen dieses Fundament, tja, was dann?

Also, Fakt ist, dass im heutigen Finanzsystem Geld nur durch eine Schuldverstrickung in den Wirtschaftskreislauf gebracht werden kann. Wenn Sie also hören, dass die amerikanische oder europäische Zentralbank „Geld druckt“, dann heißt es nichts anderes, dass Kredite vergeben und Schulden gemacht werden. Mit anderen Worten, im gegenwärtigen Finanz- und Geldsystem können Schulden niemals zur Gänze zurückgezahlt werden. Würden von heute auf morgen alle Schulden zurückgezahlt (was nicht mal theoretisch möglich ist, da es die Zinseszinsfunktion gibt), würde es de facto kein Geld mehr im Wirtschaftskreislauf geben. Ergo: Das bestehende Finanz- und Geldsystem ist darauf angewiesen, dass der Einzelne wie die Gesamtheit Schulden über Schulden über Schulden über Schulden usw. macht.

Die finanzielle Malaise in Griechenland ist deshalb nichts Außergewöhnliches. Über kurz oder lang werden alle Institutionen und alle Staaten bankrott machen. Es ist demnach nicht die Frage, ob, sondern die Frage wann. Diese Tabelle zeigt das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Japan und Irland und Portugal und Singapur und Belgien und die Niederlande, sie alle haben ein höheres Schulden/BIP-Verhältnis als Griechenland. Warum ist Griechenland trotzdem ins Kreuzfeuer der Politiker und Medien geraten? Darüber können wir nur spekulieren. Ich gehe davon aus, dass mit der „Akte Griechenland“ ein Präzedenzfall geschaffen werden soll – schließlich, wie wir nun wissen, wird ja ein Staatsbankrott dem anderen folgen. Die skrupellosen Geldwechsler (niemand kennt sie) versuchen alles, um die Schuldner zu zwingen, das Familiensilber zu veräußern. Natürlich zu einem „vernünftigen“ Preis. Am Ende, wenn alles, was Wert hat, dem Bankrotteur abgepresst worden ist, erlässt man ihm gnädigerweise die Schulden und es geht wieder von vorne los. Unser Geld- und Finanzsystem ist ein Perpetuum Mobile der Vermögensanhäufung. Freilich nur für jene elitäre Gruppe, die das System am Laufen hält und den Rest für Dumm verkauft.

Hin und wieder gibt es mutige Querdenker, die dieses legale Pyramidenspiel anprangern und öffentlich zur Diskussion stellen. Einer von diesen war ein gewisser Ezra Pound, der – wie kann es anders sein – nach allen Regeln der Kunst in den Schmutz gezogen und ins Gefängnis gesteckt wurde. Machen wir uns nichts vor, werte Leser, wenn wir am bestehenden Geld- und Finanzsystem nichts ändern, werden wir oder unsere Kinder oder deren Kinder auf die Galeeren geschickt. So sah es das römische Recht in der Antike vor: Wer seine Schulden nicht bezahlen konnte, wurde selbst zur Ware, die der Geldgeber veräußern konnte. Mit anderen Worten: Der Zahlungsunfähige wurde Sklave. Shit happens, ich weiß.

Was wir also die letzten Jahre und Jahrzehnte gesehen haben, ist nichts anderes als eine imposante Vermögensanhäufung skrupelloser Geldwechsler (niemand kennt sie). Aber es ist nicht nur die Vermögensanhäufung, nein, nein, es ist vielmehr das mindset, die Geisteshaltung, die Denkart, die uns und damit die ganze Welt ins Verderben stürzen wird. Die Mehrheit akzeptiert nicht nur dieses betrügerische Pyramidenspiel, eines Charles Ponzi mehr als würdig, sondern tut alles, um es aufrechtzuerhalten und durchzusetzen.

Okay, und was will ich damit sagen? Ich schätze, unsere einzige Überlebenschance besteht darin, dass wir eine Führerfigur erwählen, die den Tempel von all den Händlern und Geldwechslern säubert und sie mit einer Geißel aus Stricken davonjagt. Yep, ist noch nicht wirklich lange her, das letzte Mal.