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EM 2012 – Spieltag 4 – ENG – FRA – Tea for two

Frankreich : England 1:1

Natürlich hatte ich (und vermutlich viele andere Fachleute) mir mehr erwartet, von diesem Schlager. Ja, die Vergangenheit spielt im Fußball immer noch eine große Rolle – und wird es auch weiterhin tun. Viele Mannschaften zehren von ihren längst verblichenen Siegesserien. Nehmen wir England, das Mutterland des Fußballs, das Jahrzehntelang de facto unbesiegt war – sei es am Kontinent, sei es auf der Insel. Wenn ich mich recht erinnere, dann war es die Nationalmannschaft eines kleinen Landes, das die englischen Superstars auf der Insel besiegten. Äh, ja, das war Österreich, damals, in den 1920ern/1930ern, als unsereins ein Wunderteam hatten. In den 1950ern gab es ebenfalls ein österreichisches Wunderteam – und während die deutsche Nationalmannschaft ihr Sommermärchen fixierte und Weltmeister wurde, musste sich das Team mit Platz 3 begnügen (oder war es 4?). Ja, so war das damals. Und ich schätze, die Engländer baden genauso in diesen vergangenen Triumphen und Höhenflügen (»Wembley-Tor, irgendwer?«).

Zurück zur Gegenwart. Die Engländer spielten eigentlich recht ordentlich, also schnörkellos und zurückhaltend, immer darauf wartend bzw. hoffend, dass der Ball in den Strafraum gelangt und einem Engländer vor die Füße oder auf den Kopf fällt. So ist es dann auch geschehen. Ein, pardon, Klingone namens Lescott köpfte den Führungstreffer. Aber nicht lange und ein Franzose namens Nasri konnte mit einem beherzten Schuss ausgleichen. Ab diesem Zeitpunkt spielten eigentlich nur noch die Franzosen, aber denen fiel leider auch nicht all zu viel ein, um die englische Infanterie aus ihrer Deckung zu locken. Mit anderen Worten: Ich habe mir mehr erwartet, aber das sagte ich ja schon, nicht? Hoffen wir, dass es mit Rooney besser wird.

EM: Spieltag 3 – Gruppe C

Dienstag, 17. Juni 2008

Spieltag 3 – Gruppe C: erstens kommt es anders und …

Gruppe C, in Zürich (20:45): Italien – Frankreich 2:0

Also doch die Italiener. Nicht weil sie besser (natürlich waren sie besser), sondern weil Frankreich um so vieles schlechter gespielt hat. Die „Grande Nation“ kickt wie Österreich vor einem Jahr (und das heißt was): grottenschlecht. Das Unglück nahm seinen Lauf, als sich der beste, der motivierteste der Franzosen verletzte: Ribery! Nach bereits 8 Minuten. Wie aufgezogen läuft er Zambrotta hinterher, grätscht seitlich nach dem Ball, trifft aber nur die Beine des Italieners. Unglücklich für ihn. Weil er sich dabei selbst verletzt. „Verdacht auf Unterschenkelbruch“ ist überall zu hören und zu lesen. Auch jetzt ist nicht zu eruieren, wie schwer die Verletzung tatsächlich ausgefallen ist. Ein Drama. Für die Franzosen. Für die Bayern. Für den Fußball. [aktuell dürfte es sich „nur“ um eine schwere Verstauchung im linken Knöchel handeln]

Aber die Fußballshow muss weitergehen. Und so ist es nur bezeichnend, dass die ehemalige Beton-Abwehr der Franzosen auseinanderbröckelt. Überaltert. Thuram nach zwei Spielen kein Thema mehr. Abidal, der gegen Luca Toni im Strafraum sehr ungeschickt von hinten attackiert, wird gleich mal mit Rot vom Feld geschickt. Den Elfmeter verwandelt Pirlo nach Vastic-Manier: unhaltbar.

Damit war das Spiel entschieden. Müde Franzosen fanden nie ins Spiel. Benzema, der gehypte Stürmer (franz. Torschützenkönig und Spieler des Jahres), war noch am auffälligsten. Henry? Einst die Lichtgestalt Frankreichs nur noch ein Abklatsch vergangener Tage. Wäre er doch nur bei Arsenal geblieben, er würde heute am Zenith stehen, statt dessen sitzt er zu meist bei Barcelona auf der Ersatzbank – oder muss Etoo die Bälle servieren (schlag nach bei Klose). Enttäuschend.

Wir Österreicher dürfen uns also berechtigte Hoffnungen machen, dass am 6. September, wenn wir Frankreich im Happel-Stadion zum Auftakt der WM-Qualifikation begrüßen dürfen („Bonjour“), eine verunsicherte, im Umbruch begriffene französische Nationalmannschaft auflaufen wird. Freilich mit einem neuen Trainer. Mit neuen Gesichtern. Also, wenn wir jetzt nicht die Gunst der Stunde ausnutzen, wann dann?

Und die Italiener? Das böse Erwachen kommt noch. Ein wenig später. Aber es kommt. Weil sie in den drei Spielen nie überzeugt haben. Ein Weltmeister, der gegen Rumänien eigentlich schon so gut wie weg war, muss besser, muss überzeugender spielen. Wenn ihre einzige Antwort ein Luca Toni ist, dann ist das aber mehr als dürftig. Ersetzt kann er nicht werden. Was ist eigentlich mit dem Cassano los? Der war mal ein heißer Tipp für einen Spitzenfußballer. Gestern war nichts von ihm zu sehen. Überhaupt nichts. Jetzt geht es im Viertelfinale gegen Spanien. Hmm?! Sollte also Luca Toni das erste Tor machen, dann sehen wir mit größter Wahrscheinlichkeit die italienischen „Bauarbeiter“ den Beton anrühren. Davor hab ich ein bisserl Angst: dass die Italiener das Griechische Spiel bei der EM2004 studiert haben: unattraktivst spielen und knapp gewinnen. Denn mit spielerischen Qualitäten können sie keinen Gegner bezwingen. Schon gar nicht die Spanier. Schon gar nicht ohne Pirlo (gelbgesperrt). Aber wer weiß, wer weiß, denn erstens kommt es anders …*

Gruppe C, in Bern (20:45): Niederlande – Rumänien 2:0

Die „B-Mannschaft“ der Holländer macht ein gutes Spiel. Die Rumänen? Enttäuschend. Weil sie in Ehrfurcht vergehen. Verständlich, wenn ein Robben (Real Madrid), ein van Persie (Arsenal London) und ein Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam – Torschützenkönig) auflaufen und die Lust am Spielen eindrücklichst demonstrieren. Aber die Rumänen, sie haben auch ihre Chancen. Wenigstens in der ersten Hälfte. Mit ein wenig Glück (die Holländer haben einfach einen Lauf – fragt sich nur, wie lange?) hätte Holland zum ersten Mal in Rückstand geraten können. Dann, wie so oft, wäre es vielleicht ein anderes Spiel geworden. Naja. Die Rumänen hätten vermutlich gleich im ersten Spiel gegen Frankreich so druckvoll spielen müssen wie gegen die Italiener. Aber im Nachhinein ist es natürlich müßig, über das „damals“ zu befinden. Wir sehen ja die Rumänen dann in Wien. Zur WM-Qualifikation. Das wird hart.

*) noch verteufle ich die Italiener nicht, Maureen. Noch nicht 😉

EM: Spieltag 2 – Gruppe C

Freitag, 13. Juni 2008

Spieltag 2 – Gruppe C: die Fußballwelt steht Kopf

Gruppe C, in Zürich (18:00): Italien – Rumänien 1:1

Der Abgesang des italienischen Fußballs. Es tut mir Leid, Maureen, aber falls die Italiener – wider erwarten – weiterkommen, dann muss etwas passieren. Vor zwei Jahren, zur WM, hatte die Erfahrung zwei Mannschaften ins Finale bugsiert, die heute mit dem europäischen Spitzenfußball nicht mehr mithalten können. Vermutlich hätte man schon vor zwei Jahren beginnen sollen, frisches Blut mit den Routiniers zu mischen. Jetzt tut man es zwanghaft, aus der Not heraus. Ein Jammer.

Die Italiener haben sich gesteigert, sind motiviert gestartet. Aber diese Rumänen, sie sind für mich noch immer so schwer einschätzbar. Bis auf Mutu, Chivu, Contra und Lobont kennt man die anderen so gut wie gar nicht. Aber jeder steht seinen Mann. Gegen die Italiener verstecken sie sich nicht, kommen zu großen Chancen und hätten beinah gewonnen, hätte Mutu nicht den Elfer „verschossen“, bzw. Buffon diesen gehalten. Schlapperlot.

Ja, die Italiener konnten die Rumänen nicht zwingend einschnüren, nicht oft unter Druck setzen. Manchmal. Selten. Gefährlicher waren die Rumänen. Und ihr Kurzpass-Spiel blitzte manchmal gefährlich holländisch auf. Ja, diese Rumänen dürfen wir bitteschön nicht abschreiben. Jetzt spielen sie gegen die B-Mannschaft der überragenden Niederländer. Und die Italiener? Die müssen zum „Endspiel“ gegen die Franzosen. Egal, wer in dieser Partie gewinnt, verdient hat es keiner von beiden.

Gruppe C, in Bern (20:45): Niederlande – Frankreich 4:1

45 Sekunden! 45 Sekunden konnten sich die Franzosen über den wichtigen Anschlusstreffer von Henry freuen. 20 Minuten vor Schluss. Plötzlich stand es 2:1. Erfreulich. Weil ich immer die Emotion suche, in einem Fußballspiel. Ich freute mich auf ein Offensiv-Spektakel der Franzosen. Aber 45 Sekunden später schoss Robben aus unmöglichen Winkel ein Wundertor. Das war’s. 3:1. Snejder schoss knapp vor Ende auch noch ein Wundertor. Ziemlich viel „Wunder“ bei den Holländer. Wunderlich.

Die Franzosen? Ein Jammer. Sie sind nur noch Schatten längst vergangener (glorreicher) Tage. Ihr Fußball (und das der Italiener) entstammt dem vorigen Jahrhundert: langsam, behäbig, ideenlos, durchschaubar. Eigentlich gehört Domench ausgepeitscht, dass er einen torgefährlichen Trézeguet zu Hause ließ und dafür einen unerfahrenen jungen Gomis, der nicht mal ansatzweise Gefahr erzeugen kann (seine Haarpracht ist allerdings top!), mitgenommen hat. Makelele und Toulalan, die Abräumer im Mittelfeld, sind technisch auf Gattuso-Niveau, also keine Ballverteiler, keine Spielemacher. Für die Franzosen (und Italiener, Griechen) wäre es wohl das Beste, sie scheiden allesamt aus. Dann werfen sie die Trainer raus und fangen (hoffentlich) von vorne an.

Die Holländer? Da läuft alles am Schnürchen. Sie spielen perfekten Fußball. Hut ab. Respekt. Aber erinnern wir uns: die Österreicher haben ihnen vor nicht allzulanger Zeit 3 Tore gemacht. Warum? Weil van der Saar nicht im Tor stand. Das ist ihr erster Schwachpunkt. Holland ohne van der Saar würde nicht weit kommen. Der zweite Schwachpunkt: ihre körperliche Unterlegenheit. So lange sie ihr schnelles Kurzpass-Spiel praktizieren, so lange sie ihre Schnelligkeit und Wendigkeit ausspielen können, gibt es nichts gegen die Holländer zu gewinnen. Aber wenn man sie zwickt, kratzt, beißt, spuckt, nah am Mann steht (= extremes Pressing), dann werden sie Fehler machen, dann kann man sie unter Druck setzen. Man sehe sich Portugal : Holland von der WM 2006 an. Sicherlich eines der emotionellsten Spiele aller Zeiten. Am Ende gewinnt Portugal. Nicht weil die Mannschaft besser war, sondern weil sie konsequenteres Pressing betrieben hat.

Das will heißen: die Holländer sind Top-Favorit für den EM-Titel, dummerweise werden sie wohl im Halbfinale auf Spanien treffen. Und die haben auch gerade einen Lauf.

EM: Spieltag 1 – Gruppe C

Montag, 9. Juni 2008

Spieltag 1 – Gruppe C: holländisches Licht und frankoitalienische Schatten

Gruppe C, in Zürich (18:00): Rumänien – Frankreich 0:0

Lieber Fußballgott, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Mäßiges Niveau. Spielerisch völlig unattraktiv. Na gut, die Rumänen, als klare Außenseiter, versuchten gegen die Franzosen hinten dicht zu machen (und ich dachte mir, die würden Gas geben, weil sie nichts zu verlieren haben – ja, so kann man sich täuschen) und schafften es auch mühelos. Weil die Franzosen Ideenlos am Feld herumtrabten. Selten so eine passive Favoriten-Truppe gesehen. Frankreich kann man damit von der Liste der EM-Favoriten streichen. Wer gegen Rumänien vorsichtig zu Werke geht, hat in einem (Halb)Finale nichts verloren. Jetzt kann nur noch ein Wecker (nein, nicht der Konstantin, sondern einer, der läutet und sie wachrüttelt) oder eine Revolution („mais oui, wir können auch nur mit einer defensiven Mittelfeldposition spielen“) helfen.

Gruppe C, in Bern (20:45): Niederlande – Italien 3:0

Was für ein munteres, aufregendes Fußballspiel. Eine Freude, so ein Spiel sehen zu dürfen. Gäb’s mehr von dieser Sorte, die LillY würde nicht motzen, dass sich in diesem Blog für die nächste Zeit alles um die schönste Nebensache der Welt dreht. Noch dazu, wo einige fesche Kicker am Platz standen (irre ich mich, oder haben die Azzurri auch dahingehend abgebaut?) Zurück zum Spiel. Die Holländer, man muss es in aller Deutlichkeit sagen, haben die Italiener ziemlich vorgeführt. Wer hätte das gedacht? Aber so gut die Oranjes auch gespielt haben, die Italiener sollten wir nicht unterschätzen. Immerhin haben sie sich aufgebäumt, haben Chancen bekommen und sie – Luca Toni sei Dank – kläglich vergeben. Die Franzosen wiederum haben nicht mal das zustande gebracht. Holland darf jetzt nicht übermütig werden, und mit ein bisschen Konzentration schaffen sie den Aufstieg mit links. Ja, das ist jene Seite, auf der van Bronckhorst wirbelt.