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Zwei Jahre also.

Wenn ich mich jetzt recht entsinne, dann war es vor genau zwei Jahren, als ein Satz gedacht und ausgesprochen wurde, der mich in eine beträchtliche Schieflage brachte. Das kleine Boot, so war damals zu befürchten, drohte zu kentern. Schwimmwesten waren keine an Bord. Ich hätte mich also über Wasser halten müssen, so lange, bis die Umrisse eines Landstriches in Sicht kämen. Keine angenehme Vorstellung, im kalten Wasser zu treiben und zu warten. Weder damals. Noch heute.

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Die Angst all der Streeruwitze vor Donald Trump

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Im Feuilleton Österreichs führender Qualitätszeitung (O-Ton der Webseite) Der Standard habe ich den langen Essay der Schriftstellerin Marlene Streeruwitz mit dem Titel Die Stunde der Wahrheit des Geldes gelesen. Es geht darin – wie man unschwer auf dem großflächigen Foto, das dem Artikel vorangestellt ist, sehen kann – um Donald Trump, einer der republikanischen Anwärter für den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Es sieht ganz danach aus, als würde Oscar Bronners Journal Stimmung gegen Trump machen wollen. Das ist ein gutes Zeichen und spricht für The Donald. Unbedingt.

Die Autorin, die in Wien, Berlin, London und New York lebt, versucht in ihrem Essay Trump mit der üblichen Anschwärzung bzw. Anbräunung zu diffamieren. So stellt sie gedankliche Querverbindungen auf – von der FPÖ eines Haiders und Straches bis hin zum „Führer“, der in der „Wochenschau großer Gesten und gebrüllter Sätze bedurft“. Aha. Im Vorbeigehen erwähnt sie dabei, dass das „Lueger-Denkmal weiter ohne Infragestellung vor sich hinprangen kann“. Zu guter Letzt führt sie noch die Abwertung der Migranten bzw. Flüchtlinge an, die sich für einen Hungerlohn von Kapitalisten wie Trump ausbeuten lassen. Die „Menge johlt“. Die „Hetzrufe aus der Beislecke“ werden nun durch die Postings in „virtuellen Stammtischen“ ersetzt. Tja. Gegen solch eine linkische Darstellung der „Wahrheit“ ist kein rechtes Unkraut gewachsen.

Ich frage mich, welchen Eindruck dieser Essay auf einen unwissenden Leser macht. Hält er es wirklich für möglich, dass Trump mittels einer „reaktionären Comedyrevolution“ die USA in einen „Comedy-Faschismus“ führt? Vielleicht ist es der Autorin noch nicht aufgefallen, aber „Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ist längst keine echte Demokratie mehr. Es ist eine Schein-Demokratie hinter der sich eine „Oligarchie mit grenzenloser Korruption“ (Jimmy Carter) verbirgt. Barack Obama – wie all die anderen Präsidenten der letzten Jahrzehnte – ist nur eine Marionette der Elite und aus ihrem Geld „geschnitzt“. Jene Elite, diese ominösen 1 %, für die es „nur noch darum geht, die anderen 99 Prozent in Unsicherheit zu wiegen und damit zur Disposition zu haben“. Apropos Unsicherheit. Dass Streeruwitz die Anschläge von Paris im gleichen Atemzug mit 9/11 und Boston erwähnt, zeigt, wie einfach es mittlerweile für die Medienleute und Politiker geworden ist, mittels des Trauma-Schlüsselworts der westlichen Gesellschaft (9/11) im Bürger den gewünschten Angst-Sorge-Effekt auszulösen. Nebenbei bemerkt, gibt es bei all den Anschlägen der letzten Jahre unzählige Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten, die bis dato weder die Behörden noch die Medien bekümmern.

„An den Universitäten in den USA ist eine neue Diskussion über politische Korrektheit begonnen worden“, schreibt die Autorin und vergisst zu erwähnen, dass es der kulturelle Marxismus war und ist, der die Studenten zu den meinungsunfreiesten Bürgern ihres Landes gemacht hat. Aber für die Autorin ist die gegenwärtige Uni-Diskussion ein „Prozess der Demokratisierung“. Der springenden Punkt bei alledem ist freilich, dass jene Gruppe, die die politische Korrektheit vorgibt, auch den intellektuellen Diskurs mittels der orwellschen Thoughtpolice dominiert. Versuchen Sie doch nur mal die Frage aufzuwerfen, ob eine behördlich festgesetzte Quotenregelung für Gruppe X nicht diskriminierend gegenüber Gruppe Y ist. Oder ob es unwidersprochen hingenommen werden soll, dass sich eine Minderheit, dank Opferrolle und Schuldzuweisung, in eine günstigere gesellschaftliche Position bringen kann. Haben wir es da nicht mit einem „Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher“-Mantra zu tun? Ich gehe davon aus, dass die „Diskussion“mit der Diskreditierung des Fragestellers eröffnet und damit auch gleichzeitig beendet wird.

Zurück zum Artikel, wo es Eingangs heißt: „Während der Mindestlohn im Jahr 1968 bei zehn Dollar lag, werden heute 7,25 Dollar in der Stunde bezahlt.“ Wie es zu dieser Verschlechterung des Mindestlohns kommen konnte, erfährt der Leser nicht. Weil die Antwort bei all den Steeruwitze Unbehagen auslösen könnte. Sehen Sie, als in den 1960ern und frühen 1970ern Jahren die Wirtschaft boomte, kamen schlaue und gut bezahlte und bestens vernetzte Denkfabriksmitarbeiter weltweit auf die Idee, Arbeiter aus dem Ausland in das Inland „hereinzuholen“ und die Frauen für die Arbeitswelt zu „rekrutieren“. Politiker und Fachleute und Medienhäuser waren sich einig: Die Wirtschaft benötige dringend mehr Arbeitskräfte. Freilich nur für die Dauer des Aufschwungs. Man prägte den Begriff „Gastarbeiter“ und definierte ihn als einen Arbeiter, der für eine Weile im Inland beschäftigt ist und dann, wenn die Arbeit getan ist, wieder „nach Hause geht“. Der Trick bestand darin, dass die Wirtschaftskapitäne mit den neuen Arbeitskräften nun ein probates Druckmittel in den folgenden Gehaltsverhandlungen hatten. Am Ende bewahrheitete sich die Befürchtung der alten Arbeiter, nämlich dass die neuen ihnen früher oder später den (angemessen bezahlten) Job wegnehmen würden (es sei denn, sie würden zu ähnlichen Bedingungen wie diese arbeiten). Nun, in den 1970ern Jahre war es für den Arbeiter noch möglich, seine Familie gut durchzubringen. Heutzutage ist das nicht mehr möglich. Um es auf den spitzfindigen Punkt zu bringen, könnte man sagen, dass der gutgläubige Mann der Arbeiterklasse vonthe intelligent few aufs Glatteis geführt worden ist. Und jetzt, wo er vor einem Scherbenhaufen seiner Existenz steht, zu recht verzweifelt ist, weil ihn Medien, Politik und Wirtschaft als überflüssig erachten, mahnt Frau Streeruwitz vor der Gefahr, die solch eine massenhafte Verzweiflung auslösen könnte. Sie erwähnt es nicht, aber zwischen den Zeilen schreit es einen förmlich an: Deutschland 1933!

Es ist dieser zynisch herbeifabulierte Umkehrschluss, der die Opfer zu zukünftigen Tätern stempelt, während die tatsächlichen System-Verbrecher unbehelligt ihr gutbürgerliches Dasein in Management-Etagen, Denkfabriks-Salons und Redaktions-Stuben fristen dürfen. All diese Steeruwitze sind nur das Produkt einer gut geölten Propaganda-Maschine, die versucht, die Hände der Täter in Unschuld zu waschen und jene, die frei von Schuld sind, in Blut zu tauchen. Donald Trump mag nicht die beste Wahl sein, aber er zeigt, dass er sich (noch) nicht dem kulturellen Marxismus beugt, ja, dass er für die politische Korrektheit, die eine Minderheit vorgibt, nur ein müdes Lächeln übrig hat. Das erzürnt freilich die Wächter der politischen Korrektheit und sie versuchen alles in ihrer Macht stehende zu tun, um diesen „Komödianten“ zu Fall zu bringen. Es steht zu befürchten, dass es ihnen gelingen wird. Dann wird mit Hillary Clinton zum ersten Mal ein Frau ins Oval Office einziehen. Ich schätze, Frau Steeruwitz würde das begrüßen. Einen Vorgeschmack auf den Humor von Hillary Clinton haben wir bereits erhalten, damals, als sie als Außenministerin die Ermordung von Muammar al-Gaddafi mit einem Lachen quittierte: „We came, we saw, he died …

Lustig, nicht?

 

 

Kartoffelchips in Zeiten des aufgeklärten Konsumismus

Vor über 25 Jahren gestaltete sich einer der monatlichen Höhepunkt auf solche Weise, dass ich mein säuerlich erspartes Taschengeld in die Hose steckte, in einen Lebensmittelladen stolziert und dort zwischen zwei Kartofellchips mit Paprikageschmack immer zur teuren deutschen Marke griff, während ich die österreichische links liegen ließ. Der Geschmack machte den Unterschied aus. Dann griff ich mir einen Liter Orangensaft im Tetrapack – wenn ich gerade in großzügiger Stimmung war, dann konnte es auch schon mal ein exklusiver Saft in der Flasche sein – bezahlte an der Kasse und ging nach Hause. Dort wartete schon ein Clever & Smart Heft (damals gar nicht leicht zu bekommen in einem ehemaligen Arbeiterbezirk) auf mich. Ich machte es mir gemütlich, lümmelte am Bett, las das Comic, aß Kartoffelchips und trank dazu Orangensaft. Ja, das war eine glückliche Zeit, damals.

Vor wenigen Stunden stand ich in einem Lebensmittelladen der gehobeneren Kategorie. Ich besah mir die Regale mit Kartoffelchips. Wie lange bin ich wohl davor gestanden? Wie lange habe ich mal das ein, dann das andere Säckchen in die Hand genommen, umgedreht und gelesen, was denn da so für Weichspüler, pardon, Geschmackszusatzstoffe verwendet wurden. Ich verglich die Preise. Ich verglich die Verpackungen. Da gibt es die Eigenmarkenprodukte, die günstig zu haben sind. Ihre Verpackung schreit es förmlich hinaus: ICH BIN BILLIG! Dann gibt es die Mittelständler. Nicht mehr billig, aber noch nicht schweineteuer. Ja, und dann kommen die Exklusiven, deren Verpackung entweder scheinbar schlicht oder gläzend grell designt sind. Sie protzen mit „Aufklebern“, die besagen, wie „gesund“ diese Kartoffelchips nicht sind. Eine Reihe, wenn ich mich recht entsinne, gibt vor, dass ihre Kartoffel von Hand frittiert wurden. Hm. Wollen wir das glauben?

Jedenfalls versuchte ich im Kopf eine optimale Lösung mit den folgenden Kriterien zu finden:

– Zusatzstoffe, die nicht einem Chemielabor entsprungen sind,
– ein Preis, der für Herz und Hirn vertretbar ist,
– eine gutes Gefühl, ökologisch richtig gehandelt zu haben (inländische Kartoffeln).

Ich habe mich wirklich bemüht, eine optimale Lösung zu finden. Aber ich fand sie nicht. Ich hätte natürlich frei nach Mundl Sackbauer sagen können „Is eh wurscht“ und mir die Packung um € 2,49 / 150 g nehmen können. Aber dann stand da auch noch ausgeschildert, was das Kilo gekostet hätte und da fragte ich mich dann, ob man den Kauf von industriell gefertigten Kartoffelchips unterstützen soll, die mit Apothekerpreise aufwarten, während man weiß, dass es kleine Kartoffelbauern nicht leicht haben, über die Runden zu kommen. Tja.

Wie man es auch dreht und wendet, manchmal beneide ich ja jene Leutchen, die sich keine Gedanken über die Umwelt und ihre Gesundheit machen. So wie der Raucher, der zwar weiß, dass jede Zigarette ziemlich hässliche Sachen mit seinem Körper anstellt und trotzdem genüsslich an jedem Glimmstengel zieht. Beinahe bin ich versucht zu sagen, dass die reflektierten und nachdenklichen Menschen heutzutage die großen Verlierer sind. Es ist, als würde man auf einer Party der einzige nüchterne Kerl sein. Während sich um einen herum die besoffene Meute wie die Tiere aufführen, steht man daneben, nippt an seinem Glas Wasser und schielt nachdenklich zu den Alkoholika. Der einzige Trost, wenn man so will, ist jener, dass man weiß, dass man am nächsten Morgen selig und zufrieden aus dem Bett steigen wird, während die anderen vermutlich glauben, jemand würde ihnen mit einem Hammer auf den Schädel schlagen. Aber wehe, es gibt am nächsten Tag Föhn. Aua.