Schlagwort-Archive: gegenwart

Der Traum eines Gottesleugners

Vor wenigen Tagen war es, als mir X. von einem sonderbaren Traum erzählte, den er hatte und der ihm in gewisser Weise unterschwellig bewusst machte, dass er starke Zweifel gegenüber dem vorherrschenden Glauben hegt. Tja. Da saß er also im Bett, grübelte und sinnierte, suchte einen Ausweg aus diesem gedanklichen Irrgarten und fand ihn einfach nicht. Wie oft er auch die vielen Argumente der klugen Leute gegen sein Innerstes warf, der Zweifel ließ sich weder klein reden noch davonjagen. Dieser Kampf zwischen innerer Überzeugung und äußerer Gewalt ist freilich so alt wie die Zivilisation selbst. Die Atheisten, die seinerzeit Gottesleugner genannt wurden, hatten einen schweren Stand gegenüber der gläubigen Masse. Im Geheimen mussten sie ihre Gespräche führen, ihre Tagebücher schreiben, immer der Gefahr ausgesetzt, verraten und denunziert zu werden. Die Strafe, damals wie heute, ist im günstigsten Falle die Verbannung aus der Gemeinschaft, im schlimmsten Falle der Scheiterhaufen, der die Existenz in Flammen aufgehen lässt. Ich habe X. gut zugeredet, ihm gesagt, dass es sich nur um eine Phase handeln und er vielleicht schon in ein paar Tagen wieder in der gewohnten Spur sein würde. Ich klopfte ihm schließlich bei der Verabschiedung auf die Schulter und meinte, er solle sich keine Sorgen machen, schließlich würden wir ja nicht mehr im finsteren Mittelalter leben. Mit hängendem Kopf ging er davon. Ich sah ihm eine Weile nach – bis sein Schatten im Dunkel der Nacht verschwand. Wenn er Glück hat, sagte ich zu mir, wird er sich nicht verraten und im Stillen die ketzerischen Gedanken aussprechen. Aber die Angst, so viel ist mir klar, würde von nun an sein ständiger Begleiter sein.

 

Atheïsmus

(auch) Zweifel u. Unglaube an die Volksreligion in einer geordneten Form; so hatten mehrere griechische Philosophen den Beinamen Atheos, weil sie an die Wahrheit u. Richtigkeit des populären Gottesglaubens nicht glaubten, so Diagoras Melios, Theodoros Kyrenios, Euemeros, Bion u. A.;

Pierer’s Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857

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Denkverbote #5: Dresden im Februar 1945

Falls Sie einmal die Gelegenheit haben, einen Geschichtslehrer oder Historiker zu treffen – ob Mann oder Frau spielt keine Rolle -, fragen Sie ihn, warum eigentlich keiner der Verantwortlichen für die flächendeckende Brandbombardierung (firebombing) von Dresden, im Februar 1945, als der Krieg längst entschieden war, vor Gericht gestellt wurde. Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und alte Menschen, mit Absicht und Vorsatz bei lebendigem Leibe zu verbrennen*, ist bekanntlich kein Kavaliersdelikt. Wie wir wissen, wurden Kriegsverbrecher für weit weniger (Tote) an die Mauer gestellt.

Ich gehe davon aus, dass Lehrer und Historiker von der Frage unangenehm berührt werden und dieses unangenehme Gefühl mit einer Gegenfrage zu vertreiben versuchen, beispielsweise: „Worauf wollen Sie mit dieser Frage hinaus?“ **)

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Welcome, Mr. President Donald J. Trump

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Michigan und New Hampshire zählen noch immer. Gesehen in der New York Times.

Für den eiligen Leser: Der Wahlausgang ist das Beste, was der Welt passieren konnte. Period!

Das war eine Wahlnacht, am 8. November. So schnell wird sie wohl keiner vergessen, der sie durchlebt hat. Höhen und Tiefen. Hoffnung und Bangen. Auf der einen, auf der anderen Seite. Aber je länger die Nacht wurde, um so stiller und nachdenklicher wurden all die Experten in ihren teuren TV-Studios. Am Ende, als klar ersichtlich wurde, dass Donald Trump der neu gewählte Präsident der USA werden würde, brachen alle Dämme. Es war ein Anblick, den kein Skeptiker jemals vergessen wird können. All die „objektiven“ Medienleute – hüben wie drüben – waren im Schockzustand. Manch eine, manch einer der Profis rang mit Worten und Tränen. Man kann es nicht glauben, man kann es nicht fassen. Diese Wahl hat die politische genauso wie die kulturelle und mediale Welt auf den Kopf gestellt. Niemand kann im Moment ermessen, welche Schockwellen durch die USA, durch die ganze Welt gehen.

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Paukenschläge II

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Am 1. September 2007 tippte ich diese Zeilen: »Da fällt eine Türe ganz sachte ins Schloss und du vermeinst, einen Paukenschlag gehört zu haben. Vermutlich, weil es einer ist. Oder zwei. Eigenartig ist’s, diese geschlossene Türe zu sehen, die so lange offen stand. Nun heißt es, brav anzuklopfen und zu warten, ob einem aufgemacht wird. Das wird jetzt keiner verstehen. Und das ist gut so.«

9 Jahre später. Vergangenheit. Zukunft. Gegenwart.

Graf Popovic: »Eines noch, mein lieber Märwald, bevor wir uns wohl verabschieden müssen … glaubt nicht, wenn Ihr die Reise mitmacht, dass Ihr dadurch Euer Glück finden werdet … es kann sein … es kann auch nicht sein … wie wurde mir einmal gesagt? Ein weiser Mann, der einen neuen Weg beschreitet, tut es nur deshalb, weil er einen neuen Weg beschreiten will. Versteht Ihr? Es geht nicht um das große, hehre Ziel, das wie eine schwere Schatzkiste hinter der nächsten Biegung auf einen wartet … zu meist wartet da nichts … und es ist auch nicht, dass der neue Weg schöner oder erfüllender wäre als der alte … nein, nein … er ist weder besser, noch ist er schlechter … es ist einfach ein anderer Weg … mehr ist es nicht. Gewisse Ängste, bestimmte Sorgen werdet Ihr auch auf diesem neuen Weg mit Euch tragen, andere werdet Ihr liegen lassen dürfen und andere wiederum werden Euch aufgebürdet werden. Ihr seht, so einfach will es uns das Leben nicht machen … aber so schwierig vielleicht auch nicht. Ich würde es gerne sehen, wenn Ihr die Reise tut, [zwinkert] oder auch nicht tut. Aber –  und das meine ich so ernst, wie nur irgendetwas – lasst es nicht zu, niemals, dass Euer tiefer Wunsch in den Jahren die noch vor Euch liegen, durch die alles zersetzende egoistische Gier ersetzt wird. Denn dann wird er zu einer Gefahr für Leben und Geist. Übt Euch, dann und wann, in einer reinigenden Bescheidenheit, die den sturen Kopf und die träumende Seele wieder freimacht. Wir verstehen uns?«

Azadeh
oder
Die 13 Tage des Leutnant Johann Gottfried von Märwald
niedergeschrieben irgendwann im Jahre 2002

Die Faschismuskeule 2.0

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Durch Zufall über den Artikel Das ist wie ein Stammtisch, der total eskaliert auf Jetzt.de gestolpert. Dieses Online-News-Portal ist der Versuch der SZ, junge Leute ins Boot zu holen und ihnen ordentlich das Gehirn zu waschen. Das Übliche halt.

Im besagten Artikel geht es um die Hooligans gegen Satzbau, die „täglich auf menschenverachtende Inhalte auf Facebook hinweisen“ und die – man lese und staune – für ihren „engagierten Kampf für eine bessere Welt“ den Social Hero Awards erhalten haben. Im Interview erklärt eine Skimaske tragende Mitkämpferin der Hooligans mit Namen Kiki Klugscheißerhool, was denn da so abgegangen ist, während der Preisverleihung.

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