richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: gehirn

Notwendige Gedanken zur Epoche ‚WhatsApp‘

WhatsApp_Logo_7

Ich habe mich sehr lange gegen ein SmartPhone gewehrt, aber die weltlichen Umstände – immer sind es diese, die Ungläubige zum Glauben bringen – ließen mir keine andere Wahl. Seit mehreren Monaten trage ich also ein elektronisches Schweizermesser mit mir herum. Und wahrlich, es spielt alle Stücke und die ganze Klaviatur. In meiner Kindheit, in meiner Jugend, ich hätte alles für so ein Wunderding gegeben. Man stelle sich vor, es gab zu meiner Zeit, in meiner Epoche, öffentliche Telefonzellen auf der Straße und gerade einmal zwei TV-Kanäle für den gefühlt ne Tonne wiegenden Röhrenapparat – später traute ich meinen Augen nicht, als Telekabel in Testgebieten eine Hand voll ausländischer TV-Sender in die Wohnzimmer zauberte. Die „digitale“ Kommunikation lief damals über fest angeschlossene (Viertel-)Telefone der Post – heutzutage kennt man das Ganze unter dem Begriff „Festnetz“ – und die behördlichen Auflagen waren ziemlich streng. Damals verärgerte mich diese Einschränkung – kein Wunder also, wenn ich Anfang der 1990er Jahre ein in Österreich nicht zu habendes US-Schnurlostelefon (samt Anrufbeantworter) bei mir zu Hause „installierte“. Ja, wer damals auf moderne Technik setzen wollte, musste gehörig viel Geld, Geduld und Mut mitbringen. Wahrlich, diese gelebte Vergangenheit fühlt sich wie eine längst vergangene Epoche an, die – so kommt es einem vor – bereits in der Bibel beschrieben ist.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Sache mit dem Fett und dem Gehirn: Eine Hypothese von Dr. Seneff

Gut. Ich möchte an dieser Stelle den Umstand vorausschicken, dass ich weder Mediziner noch Biologe bin. Ich bin, im besten Sinne zu verstehen, ein interessierter Mensch, der um die Macht der Massenbeeinflussung, vulgo Propaganda, weiß. In den letzten fünfzig Jahren ist – vor allem – der westliche Bürger einem Bombardement an gut gemeinten Gesundheitsregeln ausgesetzt gewesen. Das musste natürlich mit der Zeit die entsprechenden Folgen haben. Wie dem auch sei, durch den lesenswerten Artikel The Clue to Why Low Fat Diet and Statins may Cause Alzheimer’s (link) einer amerikanischen Professorin am MIT, Dr. Stephanie Seneff, bin ich zu diesem Blog-Beitrag inspiriert worden. Dr. Seneff geht in ihrer Hypothese davon aus, dass Fette generell gut für das Gehirn seien (Ausnahme: künstlich hergestellte Transfette). Rund 25 % des gesamten Cholesterins eines Menschen findet sich – voilà – im Gehirn. Ohne ausreichendem Cholesterin/Fett kann das Gehirn nicht ordentlich arbeiten und könnte, im schlimmsten Falle, zu Alzheimer führen. Wie gesagt, das ist eine Hypothese. Wer es genauer wissen möchte, sollte den Artikel lesen. Darin werden auch andere Forschungsergebnisse erwähnt, die ihre These bestätigen bzw. unterstützen.

Gut hat mir ein Beispiel gefallen, das die westliche medizinische Ursache-Wirkung-Mentalität unterstreicht (im Gegensatz zur östlichen traditionellen Medizin, die eine Krankheit als Symptom eines aus der Balance geratenen Organismus versteht). Ich werde es, ein wenig ausgeschmückt, hier wiedergeben:

Nehmen wir an, in einer antiken Kleinstadt wird die Informationsübertragung mittels 99 Boten bewerkstelligt. Diese Boten sind jung, gesund und gut zu Fuß. Die Anzahl reicht aus, um das Tagespensum abzuarbeiten. Nun geschieht es überraschend, dass lang andauernde Regenfälle die Straßen verschlammen. Die Boten brauchen nun doppelt so lang, um ihr Pensum abzuarbeiten. Das kann natürlich nicht gut gehen. Die Stadtverwaltung handelt sofort und nimmt 99 weitere Boten auf. Damit, so die Initiatoren, könnte das Pensum wieder erledigt werden. Doch eine „göttliche Macht in Weiß“ dürfte dieses Vorhaben nicht goutieren und mordet die Boten so lange, bis wieder die Anzahl von 99 erreicht ist. Der Stadtverwaltung bleibt nichts anderes übrig, als weitere Boten anzuwerben – aber auch diese werden mit der Zeit „umgemäht“. Tja. So dreht sich das Ganze im Kreis. Anwerben. Ausmerzen. Anwerben. Ausmerzen. Und sollten die Regenfälle weiter anhalten, dürfte dieses „Ringelspiel“ bis in alle Ewigkeiten weitergehen. Freilich, so mancher Liebes- und Geschäftsbriefe muss dabei wohl verloren gehen – und es darf dann niemanden ernstlich wundern, wenn ein Romeo in den Tod und ein Sherlock in den Bankrott getrieben werden.

Die „göttliche Macht in Weiß“ ist natürlich die medizinisch-wissenschaftliche Autorität, die herausgefunden haben will, dass rund 100 Boten für eine Kleinstadt als „gesund“ zu gelten hat. Mehr oder weniger Boten bedeuten, dass etwas im Argen liegt, dem Abgeholfen werden muss. Ja, so verhält sich das Ganze – vielleicht – zwischen Botengängen (Verbindungsleitungen/graue Substanz) und Empfängern (Neuronen/weiße Substanz) in Ihrem Gehirn. Dumm, wenn sich dann keiner um die Regenfälle und dem Schlamm kümmert. Ich hol mal ne Schaufel.

P.S.: Hier ein Interview mit Dr. Seneff auf alternet.org. Darin meint sie einen möglichen Zusammenhang zwischen Glutenunverträglichkeit/-allergie und dem Einsatz des Breitbandherbizids Glyphosat gefunden zu haben. Auch das ist natürlich nur eine Hypothese. Enjoy.

Drogen und Abhängigkeit und die Flucht vor der Wirklichkeit

Gleich vorweg: Ich habe noch nie geraucht. Keine Zigarette. Keinen Joint. Gelegenheiten gab es viele. Aber ich lehnte ab. Dankend. Kopfschüttelnd. Verärgert. Drogen? Alkohol schmeckt mir nicht. Für Koks bin ich scheinbar noch nicht in die erhabenen Kreise aufgestiegen, wo es üblich ist, seinen erlahmten Gehirnwindungen einen Kick zu geben. Bleibt noch die Droge des Proletariats, aber den Kristallzucker habe ich mir abgewöhnt, ich trinke den Kaffee nur noch heiß und schwarz. Wenn es stimmt, was man so hört, dann ist der raffinierte Zucker eine ziemliche Breitseite für den Organismus. Ein gewisser Dr. Lustig, von der University of California, macht in einem Vortrag zwischen Alkohol und Zucker nur einen Unterschied: bei übermäßigem Alkoholkonsum hätte man am nächsten Morgen einen hässlichen Kater. Bei übermäßigem Zuckerkonsum würde man sich diesen ersparen, aber die Folgewirkungen seien mit übermäßigem Alkoholkonsum vergleichbar. Überspitzt formuliert: Eltern, die ihren Kleinen gesüßte Getränke reichen, sorgen nur dafür, dass diese später einmal mit den Folgeerscheinungen des Zuckerkonsums zu kämpfen haben. Fettleibigkeit hat hier einen zentralen Ausgangspunkt.

Keine zehn Minuten von mir entfernt, in einer U-Bahnstation, wird am helllichten Tage ungeniert gedealt. Wie ich erst unlängst hörte, soll der Drogenumschlagplatz von der Inneren Stadt (Karlsplatz) in meine Gegend verlegt worden sein. Aha. Wenn ich an den wartenden ausländischen »Händlern« und inländischen Handlangern vorbei gehe, bemerke ich, dass die ausländischen Leute gesund wirken, während die inländischen Leute allesamt schwer gezeichnet sind. Man sieht es ihrem Gesicht, ihren Augen, ihrer Haltung und – vor allem – ihrer Tonlage beim Gespräch an, dass etwas mit ihrem Körper nicht in Ordnung ist. Die Drogen – welche es auch immer sind, die diese Leute reichlich zu sich nehmen – sorgen dafür, dass ihr Körper und ihr Geist verfällt. Ich versuche mir dann und wann auszumalen, wie man ihnen helfen könnte, von ihren (Sehn-)Süchten loszukommen, aber gleichzeitig bemerke ich auch, wie einfältig meine Überlegungen sind. Aus der sicheren Entfernung eines gesunden Standpunktes kann man sich leicht in Überheblichkeit und Besserwisserei verirren.

Im Vortrag von Prof. Gabor Maté (an sein nuschelndes Englisch muss man sich erst gewöhnen) wurde mir klar, dass ich von den Zusammenhängen keine Ahnung hatte. Ich weiß natürlich nicht, inwiefern die Erfahrungen von Prof. Maté bereits in der Schulmedizin verankert sind, gehe aber davon aus, dass es noch ein weiter Weg bis dahin ist. Auf den Punkt gebracht, besagt die Theorie von Prof. Maté, dass das Suchtpotenzial in dem einen Menschen deshalb so stark ausgeprägt ist, weil in der frühesten Kindheit (bis etwa 3 Jahren) der biochemische Entwicklungsprozess des Gehirns gehemmt wurde. Erst durch die positive Zuwendung der Bezugsperson (muss nicht die Mutter per se sein, kann auch die Großmutter oder der Vater sein) zum Kleinkind wird die gesunde Gehirnentwicklung vorangetrieben. Fehlt es hingegen an positiver Zuwendung und Geborgenheit, so werden gewisse Gehirnregionen im Kleinkind biochemisch benachteiligt. Diese Benachteiligung kann in späterer Folge durch gewisse chemische und verbotene Substanzen ausgeglichen werden. Diese Theorie von Prof. Maté hat natürlich den großen gesellschaftlichen Nachteil, dass man Drogensüchtige nicht für ihr Tun verantwortlich machen kann. Tja.

Nächste Woche gibt es im Rahmen der Wiener Vorlesungen einen Vortrag über Burnout und es wird der Frage nachgegangen, ob es sich um eine »Modediagnose oder schwere Krankheit unserer Zeit« handelt. Dadurch, dass seelisches bzw. psychisches Unwohlsein genauso wie kleinere und größere Ängste tabubehaftet sind, kann es gut sein, dass wir in naher Zukunft allesamt am Rande eines Nervenzusammenbruchs stehen und uns nur noch mit pharmazeutischen Drogen oder hausmütterlichen (»Bleibst heut im Betterl und ruhst dich mal aus!«) bzw. hausväterlichen (»Reiß di zsamm!«) Ratschlägen aufrecht halten. Dabei wage ich zu behaupten, dass die schwächsten (sensibelsten) Teilnehmer der Gesellschaft als erstes den Kürzeren ziehen werden. Es würde mich nicht sonderlich wundern, wenn eine junge Generation geschlossen in ein virtuelles Leben abtaucht und die Realität nur noch als notwendiges Übel versteht.