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Die drei großen Erziehungsprinzipien der Gesellschaft

 

Germane_Haarex

Die letzten Tage ein wenig darüber nachgedacht, nach welchen Prinzipien die Gesellschaft erzogen, d.h. geformt wird. Ich sehe drei große Prinzipien, die alle ihre Vor- und Nachteile haben – für die ungebildete Masse genauso wie für die gebildete Elite – wobei es natürlich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte Überschneidungen gibt. Beachten Sie, dass wir uns in Mitteleuropa längst vom väterlichen Prinzip verabschiedet (dahingehend brauchte es freilich furchtbare Bruder- und Bürgerkriege) und mit 1919 vollends das mütterliche Prinzip angenommen haben, das seit den 1970ern immer mehr zum letzten Prinzip, dem Laissez-faire, degeneriert. Für mein Dafürhalten wurde und wird diese gesellschaftliche Veränderung mit großer Absicht herbeigeführt.

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Das väterliche Erziehungsprinzip

Dieses patriarchalisch-germanische Modell steht für Ordnung und Rechtschaffenheit, für Fairness und damit Achtung der Sitten und des Friedens, sowie für die Unverletzlichkeit der „Mannheiligkeit“.

Der Freie oder „Freihals“ heißt so, weil er unter Rechtsschutz steht und daher auch nicht gehalten ist, seinen Nacken einem Eigentümer zu beugen. Deswegen ist die Freiheit „Freihalsigkeit“ oder – bei den Skandinaven – „Mannheiligkeit“. [S. 126*]

Das Prinzip steht natürlich auch für den Einsatz von Gewalt (um den Frieden bzw. die Sühne durchzusetzen) und für eine Vielzahl an Gesetzen, die jedes mögliche Vergehen ahnden: je nach Schwere des „Friedensbruchs“ entweder mit Wergeld oder mit „Friedlosigkeit“ des Freien, d.h., der „Friedensbrecher“ wird aus dem Rechtsverband ausgestoßen, sozusagen ge-ächtet, und sein Los ist das eines Flüchtigen). Da jeder Freie – genauso wie der König – gleichzeitig ein Friedensbewahrer bzw. Ordnungshüter ist, muss dieser auch in der Lage sein, das Recht mittels Waffengewalt und materiellem Vermögen durchzusetzen, weiters hat er seine Mündel (altgerm. Mund = Schutzgewalt – Ehefrau, Kinder, Knechte, Haussklaven und all jene Freie, die ihm den Treueeid geschworen haben) zu schützen.

Da jeder Freie mit Waffengewalt eine Herabsetzung bzw. Beschneidung seiner Freihalsigkeit zu verhindern versucht, kann es zu keiner diktatorischen Regierungsform kommen. Ein „König“ ist hier nicht als absoluter Herrscher zu verstehen, sondern vielmehr als oberster Beamte des „Volks“ bzw. der „Leute“, d. h., der Gemeinschaft aus Freien, die diesen erwählten oder akzeptierten.

Beispiele: Langobarden, germanisch-deutsche Länder, amerikanische Kolonisten.

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Das mütterliche Erziehungsprinzip

Dieses matriarchalisch-sozialistische Modell steht für die gemeinschaftliche Fürsorge in einer Gesellschaft, die offiziell keine Rangstufen und keine vererbten Privilegien kennt. Jene, die den Frieden stören und das Gesetz brechen, werden nicht als Störenfriede behandelt, sondern als Opfer einer zurückliegenden gesellschaftlichen Vernachlässigung. Da nur noch die „Gemeinschaft“ – in Form von Funktionären und Kommissaren – als Friedensbewahrer bzw. Ordnungshüter auftritt und somit der Einzelne nicht mehr unter Rechtsschutz steht, ist dieser der Willkür des Rechts (und jener, die Recht sprechen) ausgesetzt und wird so – wie alle anderen Menschen – zum Mündel der Staatsgewalt (vgl. Wohlfahrtsausschuss in der Franz. Revolution). Wer sich diesem Prinzip widersetzt, wird mit gnadenloser Härte zu einem „fürsorglicheren“ Unter-tan erzogen – somit steht einer diktatorischen Regierungsform Tür und Tor offen.

Beispiele: das revolutionäre Frankreich von 1789; kommunistisch-bolschewistische Länder des 20. Jahrhunderts.

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Das kindliche Erziehungsprinzip

Dieses kindlich-liberalistische Modell steht für eine konsumfreudige und verantwortungslose Gesellschaft, die auf allen Ebenen durch durch korrupt ist. Ordnung und Rechtschaffenheit sind nur noch Worthülsen. Jeder hat so viel Recht wie er Macht hat. Der Materialismus hat das Tugendhafte abgelöst. Rechtsbrüche werden je nach Stand und Seilschaft des Täters nicht mehr geahndet. Die Unter-tanen sind nur noch die „Knechte“ der privilegierten Klasse, die mittels Brot und (digitaler) Spiele bzw. Zuckerbrot und Peitsche die Masse zum Arbeiten zwingt. Laissez-faire, »alles geht«, ist der Grundsatz dieses Prinzips – so lange du es dir leisten kannst.

Beispiel: Weströmisches Reich im 5. Jahrhundert; Paris und Berlin der 1920er Jahre; New York City mit Beginn des Finanzkapitalismus um 1890.

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*) Grundriss des Germanischen Rechts von Karl von Amira, Strassburg, 1913.
Siehe auch The Roman and the Teuton: A Series of Lectures von Charles Kingsley, University of Cambridge, 1864.

Hereinspaziert oder Die merkwürdige Epoche von Asyl und Flucht

Cool. Ich will da hin!
Cool. Ich will da hin!

update: Auf ORF.Online wird die Webseite fluchthelfer.in bereits ins Rampenlicht gerückt: »Künstlerkollektiv hofft auf Solidarität „Für uns ist Fluchthilfe (…) auch ein politisches Statement für Bewegungsfreiheit“, heißt es auf der Seite. Nach Ansicht des Berliner Künstlerkollektiv Peng!, das hinter der Plattform steckt, handelt es sich außerdem um eine „höchst ehrbare Tätigkeit“. Mit der Kampagne wollen die Aktivisten, die bereits in der Vergangenheit mit Kampagnen die Gesellschaft zum „zivilen Ungehorsam“ aufriefen, auch zeigen, dass viele Bürger motiviert sind, etwas zu machen. Einerseits sei wachsender Rassismus zu beobachten, andererseits aber eben auch eine Zunahme der Solidarität.« Sie sehen an diesem Artikel, wie subtile Propaganda funktioniert. Zum Einen wird die Webseite bekannt gemacht, zum anderen werden Vergleiche mit („heldenhaften“) Fluchthelfer zur Zeit des Eisernen Vorhanges gezogen. Hinter der Online-Plattform soll, so der Artikel, ein Künstlerkollektiv stehen, der WHOIS-Eintrag erzählt aber eine andere Geschichte, nämlich die einer US-Denkfabrik.

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Haben Sie vielleicht auch so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, das Ihnen ein drohendes Unwetter anzeigt? Irgendetwas ist faul in Dänemark. So viel lässt sich sagen. Die letzten Wochen und Monate überschlagen sich die Medien mit dramatischen Reportagen: Flucht. Asyl. Trauma. Angst. Abschiebung. Das überaus Merkwürdige daran ist, dass es nicht nur ein österreichisches oder europäisches, sondern ein globales Phänomen zu sein scheint. Und immer dann, wenn der Mainstream eine konzentrierte Anstrengung macht, um ein Thema in die Köpfe der gutgläubigen Bürger zu bekommen, ist Gefahr im Anzug in Verzug.

Man möchte es nicht glauben, aber die „Terrorgefahr“ gab es bereits vor 9/11. Erinnern Sie sich noch, dass der New Yorker WTC-Komplex bereits in den 1990er-Jahren Ziel eines Bombenanschlags war? Aber da die Bombe (übrigens: zur Verfügung gestellt vom FBI) „nur“ im Inneren, in einer Garage, detonierte, gab es kaum gute Fernseh-Bilder der Verwüstung und des Schreckens. Anders natürlich der Anschlag in Oklahoma City, ebenfalls in den 1990er-Jahren, wo eine „hausgemachte“ Düngemittel-Bombe in einem Van ein halbes Bürohaus förmlich „heraussprengte“. Im Zuge der medialen Berichterstattung gab es anfänglich Anzeichen einer nah östlichen Beteiligung. So so.

Also, die Manipulation der breiten Masse beginnt nicht mit einem Big Bang. Es braucht Vorbereitungszeit. Der Bürger muss langsam aber beständig den immergleichen Bildern und Mantras ausgesetzt werden. So lange, bis dieser gar nicht mehr in der Lage ist, zwischen richtig und falsch, gut und böse zu unterscheiden. Am Ende ist es der Mainstream, der die Richtung vorgibt und der Bürger – wie ein gutgläubiges Lamm – folgt dieser Einbahnstraße. Ich meine, es gab Zeiten, da hatte jeder freie Mann eine Meinung und vertrat sie. Zugegeben, das konnte gut, das konnte böse enden, aber nichtsdestotrotz herrschte die Einsicht, dass ein freier Mann ein Anrecht auf eine Meinung haben durfte. Seit 1918, mit dem Ende des alten Systems, wird dieses Anrecht nicht nur von der Obrigkeit, sondern auch von deren Sprachrohr, der Presse, in Frage gestellt. Frei nach dem Mantra:

Ich bin nur ein kleiner Mann, der nicht weiß, wie die Welt funktioniert, also überlasse ich es den anderen, mir zu zeigen, aus welchen Meinungen ich „frei“ wählen darf.

Sehen Sie, wenn einst ein Bedürftiger an die Pforte eines Hauses geklopft hatte, dann wurde ihm – soweit möglich – geholfen. Vorausgesetzt, er erfüllte die Voraussetzungen für einen Hilfsbedürftigen. Scharlatane, Diebsgesindel, organisierte Banden, Strolche, Witzbolde, Neider, Narren und so weiter fielen per Definition nicht unter die Rubrik „hilfsbedürftig“. Niemand, der damals Anstoß genommen hätte, hätte man einen Strolch aus dem Dorf davongejagt. Denn am Ende geht es immer nur um eines, nämlich um den Zusammenhalt der Gemeinschaft! Ist diese in Gefahr, muss eine Lösung gefunden werden. Ansonsten würden die Kinder und Kindeskinder in naher und ferner Zukunft die „Früchte des Zorn“ schmecken.

Nun, jede Gemeinschaft hat eine Entscheidung zu treffen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen. Der springende Punkt ist aber, ob eine Gemeinschaft in den Entscheidungsprozess einer anderen eingreifen darf. Sollte also ein Dorf in Osttirol darüber mitentscheiden, ob ein burgenländisches Dorf ihre Abwasserkanäle erneuern darf? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand, nicht wahr?

Und deshalb, zu guter Letzt, frage ich mich, warum die kalifornische Denkfabrik The Ayn Rand Institute die sehr professionell und einladende deutsche Webseite fluchthelfer.in „betreibt“ (bzw. die Domain gekauft hat). Auf dieser Seite wird aufgeklärt, wie man „Fluchtwillige“ unterstützen kann und dass diese „Unterstützung“ keine strafrechtlichen Konsequenzen für den Fluchthelfer nach ziehen dürfte:

In den meisten Fällen dürften Fluchthelfer.innen, selbst wenn sie erwischt werden sollten, nach unserer Einschätzung straffrei bleiben, oder zumindest mit einer Geldstrafe davon kommen. Vor allem das erste Mal.

Also, warum glauben Sie, nimmt ein US-Amerikanischer Think Tank, der sich generell für den freien Waren- und Geldverkehr (vulgo Globalisierung) ausspricht, Geld in die Hand, um im deutschen Sprachraum Bürger zu motivieren, „Fluchtwillige“ zu unterstützen? Hören wir, was der ehemalige US-Senator Barry Goldwater (1909-1998) über die Ziele der bekanntesten amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations [Rat für auswärtige Beziehungen] schrieb.

[meine Übersetzung:] Ich glaube, dass der »Rat für auswärtige Beziehungen« und seine untergeordneten elitären Gruppierungen dem Kommunismus gleichgültig gegenüberstehen. Sie haben kein ideologisches Fundament. In ihrem Streben nach einer neuen Weltordnung [New World Order] sind sie bereit, einem kommunistischen, einem sozialistischen und einem demokratischen Staat, genauso wie einer Monarchie, einer Oligarchie, ohne Vorurteil zu begegnen – es ist für sie alles das Gleiche. Ihr Ziel ist eine liebevolle Stabilität aller sich streitenden Nationen durch Zusammenschlüsse und Konsolidierung. Sie sehen die Beseitigung sowohl nationaler Grenzen als auch der Unterdrückung ethnischer Zugehörigkeiten als den schnellstmöglichen Weg zum Weltfrieden. Sie glauben, dass wirtschaftlicher Wettkampf die Hauptursache internationaler Spannungen ist. Vielleicht, wenn die Vision des Rates umgesetzt würde, verringerte es in Zukunft Kriege und Armut und brächte einen effizienteren Umgang mit den Ressourcen dieser Welt. Aber für mich würde dies unweigerlich einhergehen mit einem Verlust persönlicher Wahlfreiheit und einer Wiedereinführung jener Zwänge, die die Amerikanische Revolution ausgelöst hatten.

With No Apologies: The Personal and Political Memoirs of United States Senator
Barry M. Goldwater, 1979
Kapitel 33: ›The Nonelected Rulers‹ (S. 291-299).

Wie auch immer Sie zu diesem Thema stehen, eines ist mit absoluter Sicherheit zu sagen: eine amerikanische Denkfabrik schert sich einen Pfifferling um die Gemeinschaft in einem Dorf in Österreich oder Deutschland. Diese elitären Denkfabriken arbeiten an der Zukunft. Sie sind es, die den Boden für das Kommende bereiten. Und ich gehe davon aus, dass es nichts Gutes sein wird.

Der humanistische Weg am Ufer des Donaukanals oder Die Hoffnung stirbt zuletzt

Laende_Sommer-2015
Ach, das waren noch Zeiten, die gegenwärtigen Tage.

Falls Sie einmal an einen tiefen Punkt gelangen, der Ihnen unbewusst bewusst anzeigt, dass es mit der Menschheit kein gutes Ende nehmen wird, dann empfehle ich einen kleinen Spaziergang, um diese seelische Malaise – wenigstens für kurze Zeit – zu vergessen. Also, es ist ganz einfach: Nehmen Sie einen wohlig warmen Freitag Vormittag (zwischen 9 und 10 Uhr), fahren Sie mit der U-Bahn U4 bis zur Station Rossauer Lände, steigen Sie aus und gehen von dort, am Donaukanalufer entlang, bis zur Friedensbrücke. Sie werden in eine gänzlich andere Welt eintauchen, eine Welt, die keine Autos kennt (zugegeben, man hört das Motor-Brausen), sondern nur Menschen, auf zwei Beinen oder zwei Rädern. Dieses kurze Wegstück zeigt, dass die Menschheit noch nicht verloren ist. Man stelle sich vor: eine Stadt, die nach solch humanen Grundsätzen geordnet und geführt wird, wo der Mensch noch Mensch sein darf. Im Schritt-Tempo.

»Das Auto ist wie ein Virus, das sich im Gehirn festsetzt und Verhaltenskodex, Wertesystem und Wahrnehmung total umkehrt.«
Prof. Hermann Knoflacher im Interview
Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien

Die Tragödie des 20. Jahrhunderts, wenn man so will, war die Auto-Politik. Sie hat es geschafft, was Kriege und Krankheiten nicht zuwege brachten: die Zerstörung einer homogenen Gesellschaft. Das Auto-Selbstverständnis frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch jede gemeinschaftliche Struktur. Wer sich mit einer Insel von zwei Tonnen Blech umgibt, ist der realen Welt enthoben. Diese Insel hat ihr eigenes Klima, ihre eigene Melodie – und niemand, der sich ohne Erlaubnis des Lenkers auf ihr niederlassen darf. Nicht das Auto per se ist eine Geißel der Gesellschaft, vielmehr der Mainstream, der den „freien Verkehr“ befördert und bestärkt und jede Kritik daran in den Wind schlägt. Dabei wird man an die Manipulationsversuche Mephistophels erinnert, der Faust erklärt:

Wenn ich sechs Hengste zahlen kann,
Sind ihre Kräfte nicht die meine?
Ich renne zu und bin ein rechter Mann,
Als hätt ich vierundzwanzig Beine.

Ja, die Motorisierung der Gesellschaft ist zu einer Frankenstein-Monstrosität mutiert, die nicht mehr zum Aufhalten ist. Da jeder sein Scherflein zur Monstrosität beiträgt, gibt es keine Einsicht, kein Entkommen. Der neueste Trick der elitären Verzauberungsshow ist die Begegnungszone: ein Straßenstück, welches das „gleichberechtigte Miteinander unterschiedlicher VerkehrsteilnehmerInnen“ ermöglichen soll. Gut möglich, dass in fernen Tagen der Oberste Gerichtshof den „Verkehrsteilnehmer“ Auto zu einer „juristischen Person“ erheben wird. Sie lachen? Ist es nicht genauso lachhaft, dass ein internationaler Konzern eine „juristische Person“ darstellt? Wird ein Unternehmen nicht wie ein Auto „geführt“ und „gelenkt“? Vielleicht wird es dann nur noch „Auto-Manager“ geben. Absurd, sagen Sie? Glauben Sie mir, mit dem richtig gesetzten Marketing-Spin können Sie der gutgläubigen Herde alles verkaufen.