Schlagwort-Archive: geschichte

Verfälschte Historie: Die Suche nach dem roten Faden

Wahrlich, es ist zum Haare raufen. Gottlob habe ich noch welche auf meinem Kopf. Die Historie, die wir Geschichte nennen, hat de facto nichts mit der Vergangenheit zu tun. Das eine ist Realität, das andere ist der Versuch, Geschehenes in eine für uns verständliche Bildersprache zu übersetzen. Aber wenn wir eines wissen, dann ist es der Umstand, dass es die Geschichtenerzähler oftmals nicht so genau nehmen, mit den Fakten und Daten. Geht es nicht darum, eine gute Story zu erzählen, die die Zuhörer in den Bann zieht?

„History is always written wrong, and so always needs to be rewritten.“ George Santayan

Die verfälschte Historie ist eine harte Nuss und genau das richtige Betätigungsfeld für jene Skeptiker, die sich auch vor den schwierigsten Rätseln nicht entmutigen lassen. Ja, es braucht viel Ausdauer und einen klaren Geist, ansonsten läuft man Gefahr, im Kreis zu laufen, immer und immer wieder. Und am Ende ist man wieder am Anfang, um keinen Deut klüger, nur erschöpfter und enttäuschter.

Deshalb suche ich den roten Faden in diesem von Menschenhand geschaffenen Irrgarten, den wir Historie nennen. Aufzeichnungen über vergangene Ereignisse sind im Großen und Ganzen verdächtig – sie können absichtlich oder unabsichtlich verfälscht sein. Was bleibt, sind Monumente aus Stein, derer es eine Vielzahl gibt, sei es oberhalb, sei es unterhalb der Erde. Die Entwicklung der Sprachen, sowie Herkunft wichtiger Wörter und geographischer Namen bieten Anhaltspunkte. Und das war es auch schon.

Kurz und gut, die Historie vor 1900 ist mit vielen kleinen und großen Fragezeichen behaftet. Wenn es möglich war, die Geschichte des 20. Jahrhunderts zu biegen und brechen, trotz unzähliger Bücher und Zeitungen, trotz vieler Radio- und Videoaufzeichnungen, trotz des allwissenden Internets, wie einfach muss es vor zwei- oder drei- oder fünfhundert Jahren gewesen sein?!

Ja, nichts ist wie es scheint.


Das Schwert Damokles über den Häuptern der Historiker und das große Mysterium

Der gute Professor Ben Novak von der Universität Bratislava raufte sich in einer 2005 erschienenen wissenschaftlichen Abhandlung mit dem bezeichnenden Titel Hitler Studies: A Field of Amateurs die Haare.

One of the greatest mysteries …

Eines der größten Mysterien des Jahrhunderts, schreibt Prof. Novak zu Beginn, dürfte das Versagen der Berufshistoriker und Biographen sein, die seit mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ereignis kaum Interesse zeigen, es überhaupt zu erklären. Er führt weiter aus:

Das Schwert Damokles über den Häuptern der Historiker und das große Mysterium weiterlesen

Gedanken zur ORF-Doku: „Auf der Suche nach Hitlers Volk“

Gut, sagte ich mir, dann guck ich mir eben den heimischen UNIVERSUM-Dokumentarfilm Auf der Suche nach Hitlers Volk: „Siegen oder Untergehen“ an, wenn er schon in der ORF-TVThek für eine Woche auf Abruf bereit steht. Die Inhaltsangabe hat freilich mein Interesse geweckt hat:

»Als Angehöriger der Abteilung für Psychologische Kriegsführung der US-Armee kam Saul Kussiel Padover, 1905 in Wien geboren, Ende 1944 nach Deutschland. „Ich komme mir vor wie ein Ethnologe, der in das Gebiet eines unbekannten Stammes eindringt“, schrieb er damals.«

Dieser gute Mann veröffentlichte 1946 seine Erlebnisse im Buch Experiment in Germany: The Story of an American Intelligence Officer (deutsche Ausgabe: Lügendetektor. Vernehmung im besiegten Deutschland 1944/45). In der respektablen Wochenzeitung Die Zeit lesen wird, dass niemand geringerer als der deutsche Dichter und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger eine „leicht gekürzte“ Übersetzung im Jahr 1999 herausgab. Warum er gerade dieses Buch für eine Veröffentlichung auswählte, geht aus dem Artikel nicht hervor. Scheinbar dürfte der Text des Exil-Wieners einen Nerv im 1929 geborenen deutschen Dichter getroffen haben, der sich politisch nicht gerne festlegen möchte. Der Dokumentarfilm nimmt das Buch überraschenderweise für bare Münze und lässt uns an den damaligen Interviews, zwischen amerikanischen Offizieren und deutschen Bürgern bzw. Militärs, teilhaben. Um der dokumentarischen Inszenierung den nötigen ernsthaften und wahrheitsgetreuen Anstrich zu geben und – vor allem – um zu bestätigen, was damals geschrieben wurde, holte man Zeitzeugen und Historiker vor die Kamera und ins Boot.

So weit, so gut.
Sehen wir uns jetzt die Details an.

Gedanken zur ORF-Doku: „Auf der Suche nach Hitlers Volk“ weiterlesen

Wien, im März 1938: Ausstellung in der Wienbibliothek des Rathauses

Ich war nun endlich in der Bibliothek des Wiener Rathauses und habe mir die dortige Ausstellung mit dem sprechenden Titel

»Wir wissen es, daß diese Beamtenschaft ihre Pflicht auch im neuen Wien tun wird« – Die Wiener Stadtverwaltung 1938.

angesehen. Die Ausstellung ist empfehlenswert, haben die guten Seelen der Wienbibliothek höchst sehenswerte Originalmaterialien aus dem Archiv „ausgegraben“, diese mit allerlei Anmerkungen versehen und eine chronologische sowie thematische Reihung vorgenommen. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht die recht bescheidene Ausstellungsfläche und ich würde mir wünschen, dass hier vielleicht einmal das Wien Museum einspringt und Platz für eine geräumigere Präsentation mit zusätzlichem Material schafft.

Wien, im März 1938: Ausstellung in der Wienbibliothek des Rathauses weiterlesen

Was, wenn die Historie verfälscht ist?

Eines der größten Mysterien ist die von Menschenhand und Menschengeist erdachte Geschichte selbst. Der gutgläubige Weltbürger – hüben wie drüben – kann unmögliche die monströse Wahrheit auch nur im Ansatz begreifen, nämlich dass die Historie einfach nur Fiktion ist. Nichts ist wie es scheint.  All die Bücher, Spielfilme und TV-Dokumentationen dienen nur dazu, die historische Fiktion als unumstößliche Tatsache in unseren Köpfen zu verankern. Die Zukunft wird weisen, ob wir der historischen Wahrheit nachspüren dürfen – aber wenn ich mir die gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation so ansehe, dann befürchte ich, dass es alsbald eine kafkaeske Inquisitionsbürostelle der Europäischen Union geben wird, deren Aufgabe es ist, Angst und Schrecken unter Skeptikern, Theoretikern und abtrünnigen Professoren zu verbreiten.

 

Was, wenn die Historie verfälscht ist? weiterlesen