richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: geschichte

Die fabelhafte Welt der Historienforschung

Kurier_Knochenfund

Im gestrigen Kaffeehausvormittag im KURIER geblättert und dabei auf obigen Artikel gestoßen, der sich um die Exogamie in grauer Vorzeit beschäftigt, im Speziellen die Migrationsroute der Frau. Dass dem Schreiber des Artikels ein Lapsus unterlief – oder sollte man von einer Freudschen Fehlleistung sprechen? – hat mich natürlich königlich amüsiert. Vielleicht hatte auch nur das automatische Korrekturprogramm seine Arbeit gemacht, was bedeuten würde, dass ein Softwareprogramm in der Lage wäre, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Ungeheuerlich, nicht?

Oder ist es wirklich vorstellbar, dass eine junge Frau vor rund 3400 Jahren vom Schwarzwald nach Jütland wandert – ihrem Ehemann folgend -,  dann wieder in ihre Heimat zurückkehrt um schließlich am Ende in Jütland ihr Grab zu finden? Wenn wir der überlieferten Historie glauben schenken, dann sollte Mitteleuropa bis zur Römerzeit und darüber hinaus ein großer Urwald gewesen sein, in der die germanischen Barbarenstämme ihr Unwesen trieben und sich gegenseitig totschlugen. Heiden allesamt! In den Schwarzwald getraute sich zur Römerzeit kein Centurion. Wie sollte da eine junge Frau, tausend Jahre früher (!), unangetastet und unversehrt an ihr Ziel kommen, frage ich mich. Und auf welchen Wegen marschierte sie, bei welchen Gaststätten kehrte sie ein? Sollte es bereits in jener Epoche eine funktionierende Nord-Süd-Verkehrsverbindung gegeben haben? Aber wer sollte den Bau dieser grenzüberschreitenden Route samt aller Herbergen veranlasst und überwacht und ausgebessert haben? Und wenn es, wie die Forscher behaupten, „ein komplexes System des sozialen Austausches und der wirtschaftlichen Diversifizierung“ gab, dann muss man doch die Frage stellen, ob diese Leutchen tatsächlich so barbarisch und ungebildet waren, wie es uns die römischen Geschichtsschreiber 1500 Jahre später erzählten. Widerspruch in schriftlicher Form ist keiner überliefert. All die germanischen Fürsten, Könige und späteren Kaiser, bis zum ausgehenden Mittelalter, konnten oder wollten oder durften nicht schreiben. Wozu auch? Ach, dieses kriegslüsterne germanische Volk – so untätig, so unbesonnen – zog schon immer das Schwert der Feder vor, nicht wahr? Da ist es nur folgerichtig, dass man dem Deutschen sein Deutschtum austreibt. Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich (›grenzenlose‹) Gewalt, sozusagen.

Als Jünger des Skeptizismus darf ich jedenfalls die überlieferte Historie und Chronologie in Frage stellen. Jean Hardouin tat es ja auch.

Herder Lexikon 1855: »Hardouin, Jean, geb. 1646 zu Quimper in der südl. Bretagne, wurde mit 20 Jahren Jesuit, bald Lehrer der scholastischen Theologie, dann Gehilfe und 1683 Nachfolger des Bibliothekars am Collége Ludwigs XIV. zu Paris, wo er 1729 st. Die umfassendsten Kenntnisse mit einem eisernen Fleiße verbindend, gab er Vieles heraus. darunter die Naturgeschichte des jüngern Plinius in usum Delphini, eine Numismatik, worin 600 neue Münzen erklärt wurden, sein Hauptwerk aber bleibt die: Conciliorum collectio regia maxima, gr. et lat. Par. 1715, welche in 12 Folianten von 34 n. Chr. bis 1714 reicht u. neben der Sammlung des Mansi allenthalben gebraucht wird. H. hegte mitunter sonderbare Ansichten, z.B. die Septuaginta sei ein unterschobenes Machwerk, der ursprüngliche Text des N. Test. lateinisch, die meisten alten Kunstwerke, Inschriften u. Münzen seien unächt, die Werke der alten Classiker mit sehr wenigen Ausnahmen im 13. Jahrh. durch Mönche verfaßt worden u.s.f.; er mußte diese Ansichten 1709 theilweise widerrufen, regte aber auch durch sie das wissenschaftliche Forschen an.«

Falls Sie mich nun fragen, wer, um Gottes Willen, sollte denn alte Klassiker fälschen, hier ein Hinweis:

Meyers Konvers.Lexikon 1909: Tritheim (latinisiert Trithemius, nach seinem Geburtsort; eigentlich Heidenberg), Johannes, Humanist, geb. 1. Febr. 1462 zu Trittenheim im Trierschen, gest. 13. Dez. 1516 in Würzburg, studierte seit 1478 in Heidelberg, trat 1482 in das Benediktinerkloster Sponheim bei Kreuznach, wurde bereits 1485 Abt desselben und siedelte, da er sich durch seine strenge Zucht verhaßt gemacht hatte, 1506 Abt des Schottenklosters nach Würzburg über. Wegen seiner Gelehrsamkeit bei den Zeitgenossen hochangesehen, ließ er sich durch seinen Hang zum Phantastischen und Mysteriösen schließlich zu Fälschungen verleiten. So sind der Mönch Meginfried, auf den er sich in seinen berühmten »Annales Hirsaugienses« beruft, ebenso der Chronist Hunibald, auf den er die unvollendeten »Annales de origine Francorum« zurückführt, erfunden.

Advertisements

Der Tag, an dem dieser Scribent zum Skeptizismus konvertierte, Anno Domini MMXVI

Burckhardt_Gewesenes

An diesem 25. Tage des 5. Monats im Jahr des Herrn 2016 und 7888* Jahr nach Adam kommet dieser Scribent zur wahren Einsicht dahero die einzige Wahrheit niemand inne haben würd können. Die hocherwürdige Lieb zur Weisheit und zur Skepsis / geschuldet unserer Vorväter / fegt hinweg all Trug und Lug in der gelehrigen Geschichtschreiberei. Nur der einzig wahre Glaub an die göttlich Skepsis kann bringen Licht in die Finsterheit der alten und neuen Zeit. Der brave Heinrich Cornelius hat geschrieben die Wahrheit über die Historici in der Schrift Ungewissheit und Eitelkeit aller Künste und Wissenschaften, Anno Domini M.D.XXVI:

»Aber dass wir zur Geschichtschreiberei wieder kommen, obgleich von dieser eine zierliche Ordnung, Glauben, Einstimmigkeit und Wahrheit der Sachen am meisten erfordert wird, so tut sie doch hierin nichts weniger als dieses. Denn die Historienschreiber sind so diskrepant und schreiben so divers und auf unterschiedliche Arten untereinander, dass es unmöglich scheint, und man fast notwendig dafür halten muss, dass die meisten unter ihnen die allerverlogensten unter den Leuten sein müssen. Ich will jetzt nichts sagen vom Anfang der Welt, von der allgemeinen Sündflut und Gründung Roms, denn davon schreiben sie, und ist doch das erste ihnen alles verborgen, das andere glauben nicht alle, und das dritte ist bei ihnen ganz ungewiss. Derowegen, weil dieses Sachen sind so weit entfernt, und mit gleicher Vernunft von allen nicht können begriffen werden, so verdienen sie noch etlichermassen Vergebung ihrer Irrtümer, aber von andern darauffolgenden Geschichten muss ihnen die Schuld der Lügen beigemessen werden. Der Ursachen aber solcher Nichtübereinstimmung gibet es gar viel, denn die meisten, weil sie nicht zu derselben Zeit gelebt oder an demselben Ort, oder bei denselben Personen und Geschichten gewesen[43] sind, so haben sie ihre Schriften aus andern Relationen zusammentragen müssen und können dahero nichts Gewisses und Beständiges schreiben.«

»So sind auch andere, die entweder aus Furcht oder aus Heuchelei, oder aus Hass der Wahrheit derselben etwas abzwacken; andere, indem sie die Taten ihrer Landsleute in den Himmel heben, verkleinern sie der andern ihre und machen sie gering, schreiben also nicht, wie die Sache an sich selber ist, sondern wie sie es gerne hätten, dass sie sein sollte, und wie es ihnen beliebt, und haben dabei die Zuversicht, dass diejenigen, welche sie so artig geschmeichelt haben, ihren Lügen nicht werden widersprechen oder Zeugnis wider sie geben. Dieses Laster, welches vor Zeiten bei den griechischen Skribenten gemein gewesen, ist heutiges Tages fast bei allen Völkern eingerissen, und werden diese Historienschreiber von den Fürsten zu keinem andern Ende unterhalten, als dass, wie Plutarchus sagt, sie durch ihre nachsinnigen Köpfe anderer Leute Tugenden unterdrücken, ihre Taten aber mit lauter unnützem Geschwätz und Erdichtungen durch ihre historische Autorität erheben. Also, wenn die griechischen Historici von Erfindung der Sachen schrieben, so massten sie sich selbst alle Erfindung bei. So ist auch eine andere verderbte Art der Historienschreiber und Schmeichler, wenn sie sich unterstehen, den Ursprung ihrer Fürsten auf die ältesten Könige zu extendieren, und wenn sie mit Deduzierung ihres Geschlechtes nicht können fortkommen, so muss ein fremder Urstamm und weithergeholte Fabeln herhalten, dichten den Königen neue Namen an und lügen nicht wenig dazu.«

*) Pierer Universallexikon 1859 – Die Jahrrechnung: Ära von Erschaffung der Welt (A. M., d.h. anno mundi, im Jahre der Welt). Die Juden fingen zu Ende des 13. Jahrh. nach ihnen zu zählen an, u. die Epoche der Erschaffung der Welt fällt nach ihrer, von dem Rabbi Hillel bestimmten Rechnung in das 3761. Jahr v. Chr. Sie fangen ihr bürgerliches Jahr (ein Mond-Sonnenjahr, s.u. Jahr) mit einem Neumonde, gewöhnlich Ende September, an, u. das Jahr 1859 unserer Zeitrechnung ist das 561 9/20. der ihrigen. Ehemals bediente man sich dieser Ära bei der alten Geschichte u. zählte durchgängig bis auf Christus nach Jahren der Welt. Die Bestimmungen hierüber weichen aber bedeutend von einander ab (man zählt 800 verschiedene Arten der Bestimmung der Epoche dieser Ära). So sollen nach Alfons v. Castilien von Erschaffung der Welt bis zu Christi Geburt 648 3/4 Jahr, nach Suidas 6000 Jahr, nach Lactantius u. Philastrius 5801, nach Nicephorus 5700, nach Julius Africanus u. A. 5500, nach Eusebios 5200 3/4. nach Metrodorus 5000, nach Frank 4182, nach Thom. Lydiat u. Laurent. Eichstadt 4004, nach M. L. Capellus u. Usher 4000, nach Dionysios dem Kleinen, Kepler, Petavius 3984, nach Scaliger u. A. 3950, nach Hieronymus von Santavide u. A. 3760, nach R. Lippmann 3616 Jahre verflossen sein. In Rußland rechnete man bis zum J. 1700 nach der Weltära, deren Epoche 5508 v. Chr. fiel. Allein da sich die Erschaffung der Welt gar nicht historisch-chronologisch angeben läßt, so kann man diese Berechnungsart nicht zur Zeitbestimmung der Begebenheiten brauchen, u. ihre historische Anwendung ist um so unsicherer, da die Chronologen selbst nicht wissen, in welchem Jahre der Welt Christus geboren ist. Es lassen sich daher, bei der Verschiedenheit der Meinungen u. Hypothesen hierüber, u. bei der völligen Ungewißheit der Epoche, die Weltbegebenheiten der frühesten Zeit nur nach Jahrtausenden, weniger nach Jahrhunderten, am wenigsten nach einzelnen Jahren bestimmen.

Was, wenn die Historie nur eine hübsche, aber verfälschte Geschichte ist?

Chronology_Fomenko

Durch Zufall bin ich auf das kontroversielle Buch History Fiction or Science? Chronology 1 des russischen Mathematikers Anatoly T. Fomenko gestoßen, das sich mit der überlieferten Historie kritisch auseinandersetzt. Zusätzlich konnte ich eine mit englischen Untertitel versehene Dokumentation auf youtube finden, die einen ersten Einblick in die Techniken und Methoden der russischen Forschergruppe gewährt. Alles in allem, eine äußerst  spannende Auseinandersetzung mit der Geschichte, so wie wir sie kennen und in der Schule gelernt haben.

Die erste erstaunliche Entdeckung ist der Umstand, dass die Chronologie der antiken und mittelalterlichen Ereignisse – also die Datierung – erst ernsthaft im 16. Jahrhundert in Angriff genommen wurde. Am Anfang stand der Begründer der ‚modernen Chronologie als Wissenschaft‘: Iosephus Iustus Scaliger (1540-1609). Sein Werk wurde später von einem Jesuit namens Dionysius Petavius (1583-1652) abgeschlossen. Den beiden ist es also vornehmlich zu verdanken, dass sie Ordnung ins Chaos der Menschheitsgeschichte brachten. Erstaunlich, finden Sie nicht? Die Chronologie entstand in einer Epoche ohne Internet, ohne Scanner, ohne Telefon, ohne Fax, ohne Telegramm, ohne Xerox-Kopiergeräte! Das Reisen zu den Bibliotheken musste in jenen Tagen eine zeitraubende und teure Angelegenheit gewesen sein. Bedenken Sie, dass all die relevanten Bücher, Skripten, Textrollen und Folianten Originale oder die Abschriften von Originale waren. Versuchen Sie sich doch das jetzt einmal bildlich vorzustellen, die Nachforschungen, die Reisen, die Durchsicht der Kataloge – so es diese gab – in den Bibliotheken der Klöster in verschiedenen Ländern, die Übersetzung und Durchsicht antiker Schriften, die Einordnung, die Klassifizierung, die Systematik (die erst gefunden werden musste) der Datierung relevanter Ereignisse usw. Ist solch ein Mammutprojekt in einem Menschenleben überhaupt möglich?

Natürlich wurde die Scaliger-Petavius-Chronologie in späteren Jahren immer wieder ergänzt und korrigiert – im Großen und Ganzen aber basiert unsere Menschheitsgeschichte auf deren Werke. Was, wenn sich nun herausstellte, dass dieses fehler- und lückenhaft ist? Was, wenn sich herausstellte, dass es Widersprüche gibt, die mit herkömmlichen Überlegungen nicht gelöst werden können? Was, wenn für die Kirche relevante (biblische) Ereignisse in die weltliche Chronik eingefügt worden sind? Was, wenn in der Chronologie Ereignisse, Fürsten und Dynastien über die Zeit scheinbar mehrmals vorkommen? Was, wenn die Antike so antik nicht ist? Was, wenn es das finstere Mittelalter so nicht gab? Was, wenn Jesus Christus am Ende des 12. Jahrhunderts gekreuzigt wurde? Starker Tobak, nicht?

Fortsetzung folgt.

Das Einläuten der letzten Runde der Tiret-Saga: Penly

Penly_3D-open1

Im Wonnemonat Mai wird nun der vierte und letzte Band der Tiret-Saga PENLY: Fragment eines Blutbades am Vorabend der Revolution erscheinen. Wie im Untertitel bereits angedeutet, geht es auf den etwa 350 Seiten recht blutig zur Sache, was aber nicht heißen soll, dass der feine Humor, neben dem Rätselhaften, zu kurz kommt. Der Leser darf sich in jedem Fall auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und einen würdigen Abschluss der Saga freuen, die 2008 ihren Anfang nahm.

Vorbestellungen für die Kleinauflage im Taschenbuchformat werden natürlich gerne entgegen genommen, schließlich muss ja die Butter irgendwie auf das vertrocknete Brot kommen, nicht wahr? Für meine treue Leserschaft werde ich sicherlich das eine oder andere verlockende Angebot mit anderen Titeln schnüren, beispielsweise hat sich die autobiographische Fiktion Der Fetisch des Erik van der Rohe (link) leider noch nicht so herumgesprochen, wie ich es mir gerne erwartet hätte. Das wird sich hoffentlich bald ändern, weil es kaum Vergleichbares im literarischen Kommerzbetrieb gibt.

In diesem Sinne.

 

Nur ein Aprilscherz, nicht mehr

Sky_April-2016

Der photogeshopte Himmel kann warten, sozusagen.

Heute ist mal Schluss, den geneigten Leser mit Glacéhandschuhen anzufassen. Hin und wieder braucht es klare Worte um ihn aus seiner Illusion zu holen, wenigstens für eine kurze Zeit.

Die alten ägyptischen Pyramiden

Sie glauben also noch immer das Märchen, dass vor Tausenden von Jahren das damalige ägyptische Volk in der Lage war, Mammutbauten wie die Cheopspyramide innerhalb von 80 Jahren zu stemmen? Wirklich? Und dass dieser exorbitante Aufwand nur für die hübsche Grabstätte eines Königs (Pharao heißt ja eigentlich nichts anderes) getrieben wurde? In einer Ära, in der die menschliche Arbeitskraft über die Zukunft eines Volkes entschied – schließlich bringen tonnenschwere Steine, die man aufeinander stapelt, kein Brot auf den Tisch und schützen schon gar nicht vor einfallenden Nomaden – muss es ein riskantes Wagnis gewesen sein, solch ein noch nie dagewesenes Bauwerk auch nur anzudenken. Und welches Kulturvolk würde eine mögliche Auslöschung für einen Steinhaufen in Kauf nehmen, der keinerlei zukünftige Rentabilität verspricht?

Der Untergang des Römischen Imperiums

Gewiss, wir haben es gelernt und es wird uns immer wieder vor Augen geführt: Die Dekadenz und Korruption hat das Römische Imperium von innen zerfressen und war deshalb eine leichte Beute für die Germanen, die sich mit Kind und Kegel und Vieh auf den Weg gen Süden machten – nicht anders als der Beginn der Sommerferien in Deutschland, nicht? Instinktiv fragt sich das wissbegierige Kind, wie so ein wilder Männer- und Weiberhaufen die mächtige Römische Armee besiegen konnte. Aber dann erinnert sich das Kind an den kleinen Asterix und den dicken Obelix und da braucht es nur einen Zaubertrank, um ganze Römische Legionen platt zu machen. Aber ohne dem gallischen Trank, wie sähe da der Zusammenstoß eines Migrations- bzw. Flüchtlingsstromes mit einer erstklassig geführten und gut ausgebildeten Truppe aus? Definitiv schlecht. Die Frage ist also, wie es sein konnte, dass sich die Nordmänner im Süden behaupten konnten. Ja, wie konnten sie? Könnte es damit zusammenhängen, dass das westliche Römische Reich innerhalb von rund hundert Jahren von Naturkatastrophen, Seuchen und Hungersnöten heimgesucht wurde, die den größten Teil der Bevölkerung – und damit auch der Soldaten – hinwegraffte? Dann würde eine Völkerwanderung plötzlich Sinn machen, meinen Sie nicht? Wer zieht nicht gern in ein wärmeres und so wunderbar kultiviertes Gefilde, wenn ihn so gut wie niemand daran hindert? Aber die Aufzeichnungen, werden Sie jetzt einwerfen, die erzählen doch eine andere Geschichte.

Die verfälschte Geschichte

Der Gewinner schreibt die Geschichte, heißt es. Natürlich. Warum sollte er auch sein Vorstrafenregister der Nachwelt hinterlassen? Besser, man schwärzt Feinde und Nebenbuhler an, macht die knappen Siege glänzender, erhöht die Stärke des geschlagenen Gegners ins unermessliche und nennt die brutalen Niederwerfungen schwächerer Provinzen rechtmäßige Eroberungen. Die Taten, mögen sie auch noch so verwerflich und bösartig und hinterhältig und verbrecherisch gewesen sein, werden in der Überlieferung zu göttlichen Ereignissen stilisiert. Da es in jener Zeit nur eine Hand voll Schreiber gab, konnte sich jeder Herrscher sicher sein, dass nur das niedergeschrieben wurde – für die Ewigkeit und darüber hinaus – was in seinem Sinne war. Das galt nicht natürlich auch für die damalige Sichtweise auf die nahe oder ferne Vergangenheit. Ja, und dann kommt natürlich die Kirche ins Spiel, die es in kurzer Zeit versteht, religiöse Machtansprüche mit weltlichen in Verbindung zu bringen. Bald ist es vornehmlich eine religiöse Schreibertruppe in Klöstern und Kirchen, die für ein mittelalterliches Wikipedia sorgen und – damals wie heute – nur eine Interpretation der Historie zuließen. Dass in jener Epoche Urkunden und Berichte gefälscht werden bzw. verfälscht wurden, um Ansprüche auf Thron und Reich anzumelden bzw. diese abzusichern, gehörte zum Broterwerb der Schreiberlinge, die nur ausführten, was die Obrigkeit von ihnen verlangte. Karl der Große my ass!

Nuklearwaffen

Stellen Sie sich vor, die renommiertesten Wissenschaftler ihrer Zeit sprechen beim Präsidenten der USA und dem Generalstab vor. Ja, sagt der Chef der Wissenschaftler, man habe nun die ultimative Tötungswaffe in der Theorie entwickelt. Die Generäle jubeln und klatschen erfreut in die Hände. Da räuspert sich einer der Wissenschaftler und meint, es gäbe aber einen klitzekleinen Wermutstropfen bei alledem. Die Generäle verstummen. Fragende Blicke. Nun, fährt der Wissenschaftler fort, es könnte sein, dass die ausgelöste Kettenreaktion durch die Bombe nicht mehr aufhört. Was solle das bedeuten, fragt der Präsident. Der Wissenschaftler beißt sich auf die Lippe. Schließlich seufzt er und meint, dass in solch einen Fall der Planet zerstört werden würde. Der Präsident runzelt die Stirn. Ein anderer Wissenschaftler wirft noch leise ein, dass die Kettenreaktion eventuell niemals gestoppt werden könne und somit, hüstel, das Universum sozusagen pulverisiert werden würde. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu solch einer Instabilität käme, sehr, sehr gering, äußerst sich ein anderer Wissenschaftler, aber sie sei natürlich nicht Null. Ach?, kratzt sich der Präsident nachdenklich die Schläfe. Was meinen Sie, würde die Obrigkeit nun dem Bau einer solchen Waffe zustimmen, die vielleicht die ganze Welt innerhalb eines Augenaufschlags vernichten würde? Bedenken Sie, dass die Elite mehr zu verlieren hätte als die knapp bei Kasse gehaltene Masse. Was nützte einem das neue Anwesen in den Hamptons oder in Paris – und all die schönen jungen Mädchen und Burschen – wenn die Erde atomisiert werden würde? Deshalb ist dieses Armageddon-Geschwafel nur Propaganda. Glauben Sie nicht? Ähnlich mag es vermutlich auch den Menschen im Mittelalter ergangen sein, wenn ein Spinner behauptete, es gäbe weder Hölle noch Fegefeuer und alles sei nur die Erfindung der Kirche, um die gläubigen Sünder zur Kasse zu bitten. Ersetzen Sie Hölle und Fegefeuer mit Atomkrieg und atomaren Fallout und wir sind wieder im Mittelalter gelandet, auch wenn der Kalender 2016 anzeigt.

Die Apollo Missionen zum Mond

Hahaha. Lächerlich. Wer soll das Hirngespinst heutzutage noch glauben? Nennen Sie mir einen Beweis, der ihnen beweist, dass das Herumpurzeln im Sand tatsächlich auf dem Mond stattfand. Keiner hat faktische Beweise, alle beten immer nur das (gähn) Wikipedia-Mantra rauf und runter. Als die Kirche im Mittelalter von Wundern sprach, gab es auch keinen, der es in Frage stellte. Und falls doch konnten die gläubigen Schergen den Querulant mit Sicherheit zum Einlenken bringen. Schmerz lass nach. Nicht anders als heute.

Der zweite 30-jährige Krieg

Ob jemals eine andere Interpretation der damaligen Ereignisse ans Licht kommen wird, darf bezweifelt werden – weil, na, Sie wissen schon, warum. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch und gerade an einem 1. April.