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Die Faschismuskeule 2.0

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Durch Zufall über den Artikel Das ist wie ein Stammtisch, der total eskaliert auf Jetzt.de gestolpert. Dieses Online-News-Portal ist der Versuch der SZ, junge Leute ins Boot zu holen und ihnen ordentlich das Gehirn zu waschen. Das Übliche halt.

Im besagten Artikel geht es um die Hooligans gegen Satzbau, die „täglich auf menschenverachtende Inhalte auf Facebook hinweisen“ und die – man lese und staune – für ihren „engagierten Kampf für eine bessere Welt“ den Social Hero Awards erhalten haben. Im Interview erklärt eine Skimaske tragende Mitkämpferin der Hooligans mit Namen Kiki Klugscheißerhool, was denn da so abgegangen ist, während der Preisverleihung.

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Hasspredigt gegen Hasspostings: Der Einpeitscher im Mainstream

Das Schreckliche an der Zwei-Minuten-Hass-Sendung war nicht, daß man gezwungen wurde mitzumachen, sondern im Gegenteil, daß es unmöglich war, sich ihrer Wirkung zu entziehen. […] Er glaubte an die Grundsätze der [Partei], verehrte den Großen Bruder, jubelte über Siege, hasste politisch Unkorrekte nicht nur eifrig und unermüdlich aus Überzeugung, sondern wohlinformiert, mit einem Scharfblick, wie ihn ein gewöhnliches Parteimitglied sonst nicht besaß.

1984
George Orwell (1948)

Anmerkung: Als Einführung in die Materie der Manipulation lesen Sie bitte meine folgenden Beiträge Scheiterhaufen und Shitstorm, Mittelalter und Cyperspace: Die Verdrehung des Faktischen und Illusion der Informiertheit.

Die Welt, gesehen durch die rosarote Medien-Brille
Die Welt, gesehen durch die rosarote Medien-Brille – nachzulesen im Online-Standard

Sehen Sie sich den obigen Kommentar von User M. im Online-Standard in aller Ruhe an. Ich hoffe, Ihnen fallen all diese (von mir gelb unterlegten) Neusprech-Vokabeln auf. Der Beitrag ist ein Musterbeispiel, wie die Manipulation des gutgläubigen Medien-Konsumenten funktioniert. Über den „derzeit in Brüssel“ lebenden Autor ist nicht viel bekannt – so beschäftigt er sich „seit vielen Jahren mit Rassismus und Rechtsextremismus“. Interessant, dass man damit sein berufliches Auslangen finden kann. Andererseits, in einer Epoche des Terrors und des Extremismus sind wohlinformierte Scharfblicker von größter Bedeutung. Nicht für die Gesellschaft, nope, vielmehr für die Obrigkeit, für den Großen Bruder, wenn Sie so wollen. All diese „Rechthaber“, die wissen, wo die „rote Linie“ endet, die festlegen, was tolerierbar und was „aus den Köpfen“ zu verschwinden hat, sind nur die Einpeitscher der schulterzuckenden Masse.

Ich frage mich, wie es sein kann, dass die Äußerung eines 17-jährigen Jungen solche Wellen, solchen Hass erzeugen kann. Ja, wie kann das sein? Erinnern Sie sich noch an das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo? Suchen Sie doch im Internet nach charlie hebdo caricatures jesus und schauen Sie sich die Zeichnungen an. Für einen religiös empfindsamen Menschen sind all diese „Karikaturen“ jenseits der „roten Linie“. Und doch gingen Millionen auf die Straße, um genau für diese „nicht tolerierbare“ Satire- und Karikatur-Freiheit zu demonstrieren. Falls Sie meinen, der 17-jährige Bursche hätte sein Posting ernst gemeint, dann ist es eine Vermutung und nicht bewiesen. Genausogut könnte man die Charlie Hebdo Texter der absichtlichen Verunglimpfung christlicher und muslimischer Werte bezichtigen.

Oder wie wäre es mit Hollywood-Ikone Mel Brooks und Seinfeld-Co-Producer Larry David. Als im Jahr 1967 Mel Brooks Film The Producers in die Kinos kam, sorgte der „Nazi-Witz“ mancherorts für Sprachlosigkeit und Entsetzen. „Jewish organization at the beginning didn’t get the joke“, merkte Mel Brooks in einer „Making-of“-Dokumentation amüsiert an. Falls Sie den Film gesehen haben, wissen Sie vermutlich, warum. Starker Tobak – trotzdem war der Film letztendlich erfolgreich, so erfolgreich, dass sich Hollywood im Jahr 2005 für ein Remake entschloss. Und in Larry Davids (sehr empfehlenswerter) Comedy-Serie Curb your enthusiasm nimmt der Autor vergangene und gegenwärtige jüdisch-israelische Ereignisse spitzfindig aufs Korn. Für sensible Seelen ist der Witz äußerst grenzwertig.

Ein letztes Beispiel an „Grenzwertigkeiten“ wäre der allseits bekannte Maler und Aktionist Hermann Nitsch. Sie können sich sogar in Wikipedia ein aktionistisches Appetithäppchen Die Eroberung Jerusalems: Raum 22 Schlachthaus auf der Zunge zergehen lassen. Ich habe einen längeren Auszug des „Werks“ durchgesehen und bin der Meinung, dass hier definitiv eine „rote Linie“ übertreten wurde. Aber das dürfte niemanden ernsthaft stören. Seltsam, nicht? Wird hier am Ende mit zweierlei Maß gemessen? Wie soll sich da ein junger Mensch im „alle Tiere sind gleich, manche sind gleicher“-Dschungel überhaupt noch zurechtfinden? Vielleicht ist aber genau das der Plan der Obrigkeit, nämlich die Masse so lange einzuschüchtern, bis diese still und folgsam die vorgegebenen Themen der Hass-Tagesschau nachgeifert.

Und gibt es bei alledem nicht ein großes Paradoxon? Darf man in Zukunft „zu Gewalt aufrufen“ gegen jemanden, der „zu Gewalt aufgerufen“ hat? Darf man in Zukunft „Hass predigen“, gegen jemanden, der „Hass predigte“?  Darf man in Zukunft einen Menschen „verachten“, weil er „menschenverachtend“ denkt? Und falls es schlussendlich nicht gelingt, den „Rassismus“ aus den Köpfen zu vertreiben, müssen diese dann abgeschlagen werden? Gut möglich, dass ein freundlicher Mob, der sich Toleranz2.0 auf die wehenden Fahnen geschrieben hat, die blutige Aufgabe übernimmt. Sie werden es nicht glauben, aber solche „Säuberungen“ kommen immer wieder in der Menschheitsgeschichte vor. Deshalb gilt: Wer sich mit der Historie beschäftigt ist klar im Vorteil.

Falls Sie nun fragen, wie man in Zukunft mit alledem umgehen soll, so ist die Antwort leicht: Die christlich-humanistischen Werte entstauben und mit gutem Beispiel vorangehen. Anders gesagt: Stellen Sie sich vor, der 17-jährige Bursche wäre Ihr Sohn. Würden Sie ihn zur Polizei schleifen und aburteilen? Würden Sie ihn auf den Marktplatz anketten, damit die Menge ihn bespucken und beflegeln kann? Ich denke, wir sollten das Gespräch und nicht die Guillotine suchen.

Die einzig richtige Weltanschauung oder Wie sich die sozialen Medien verändert haben

Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können.
Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können. Wien, anno 2015.

Ich weiß nicht, was mehr zu fürchten ist – Straßen voller Soldaten, die ans Plündern gewöhnt sind, oder Dachkammern voller Schreiberlinge, die ans Lügen gewohnt sind.

Samuel Johnson [1709-1784]
zit. n. Freda Utley in
Kostspielige Rache [The High Cost of Vengeance], S. 13.
H. H. Nölke Verlag, Hamburg 1952

Es ist bemerkenswert, dass die Hoffnungen und Visionen der Humanisten des 15. Jahrhunderts heutzutage in Erfüllung gegangen sind: der Mensch kann schreiben und lesen, er hat Zugriff auf Bücher und wissenschaftliche Publikationen, er kann sich an jeden Diskurs beteiligen und seine Meinung nicht nur frei äußern, sondern diese auch – ohne begütert sein zu müssen – veröffentlichen. Erasmus von Rotterdam (1466-1536) würde sicherlich begeistert sein, vom Web 3.0. Warum, fragt man sich dann, hat sich die zivilisierte Welt nicht in ein Paradies verwandelt? Ich befürchte, die altehrwürdigen Philosophen waren zu naiv, zu blauäugig. Sie konnten nicht im Geringsten ahnen, dass in ferner Zukunft die Obrigkeit imstande sein würde, eine gebildete und belesene Masse auf einfache Art und Weise zu manipulieren und zu indoktrinieren. Die Ingredienzen dafür sind Zuckerbrot, Peitsche und die Kenntnis des Herdeninstinkts.

Social Media hat sich verändert. Ist es Ihnen auch aufgefallen? Immer mehr Leutchen tummeln sich auf den Medienkanälen und suchen nach Aufmerksamkeit. Immer mehr Leutchen wollen dir etwas verkaufen. Immer mehr Leutchen wollen ihre Weltanschauung, die einzig richtige, in die Welt posaunen – begleitet von Pauken und Trompeten. Es ist kaum mehr möglich, diesen teils idealistischen, teils professionellen Heilsverkündern zu entgehen, die meinen, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Sie glauben sich aufgeklärt und frei, dabei werden sie nach Strich und Faden von der „vernünftigen Minderheit“ [intelligent few] manipuliert. Ohne es auch nur im Geringsten zu ahnen, gehören Sie längst zur Fußtruppe der elitären Machthaber. Auf ein Foto, auf ein Wort hin „magdeburgisiert“ dieser politisch korrekte Heerhaufen jede Gesprächsbasis. Dem ideologischen Feind wird der „schwedische Trunk“ in die Kommentarzeile gespült. Auf dass seine Erklärungen elendiglich ersticken. Wir haben es hier mit einem virtuellen Kreuzzug der wahren Gläubigen zu tun, die jeden Heiden bekehren möchten. Misslingt es, wird der Frevler mit Spott und Häme ins Jenseits, pardon, gesellschaftliche und berufliche Abseits befördert, wo er langsam vor die Hunde zu gehen hat. Vergebung gibt es für den Gefallenen nur dann, wenn er zu Kreuze kriecht und Abbitte leistet. Gnade wird nicht gewährt. Wehe den Besiegten.

Die bewusste und kluge Manipulation von Verhaltensweisen und Meinungsbildern der Masse ist ein wesentliches Element in einer demokratischen Gesellschaft. Jene, die diese verborgenen gesellschaftlichen Mechanismen manipulieren, stellen eine unsichtbare Regierung dar, die in unserem Land die wahre herrschende Macht ist. Wir werden regiert, unsere Gedanken und Geschmäcker geformt, unsere Ideen vorgedacht, hauptsächlich von Männern, von denen wir noch nie etwas gehört haben. Das ist das logische Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Eine gewaltige Anzahl an menschlichen Geschöpfen muss auf diese Weise miteinander auskommen, wenn sie gemeinsam in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben möchte. […] Wie immer man auch darüber denken mag, es bleibt eine Tatsache, dass wir in so gut wie allen Aspekten unseres Lebens, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten, sei es in unserem Sozialverhalten oder in unserem Moralverständnis, von einer relativ kleinen Gruppe (angesichts der 120 Millionen [Einwohner der USA] nur ein unbedeutender Bruchteil) dominiert werden, welche die Denkvorgänge und die sozialen Verhaltensmuster der Masse verstehen. Diese Gruppe ist es, die die Fäden zieht, welche die öffentliche Meinung steuern, diese Gruppe ist es, die sich alte gesellschaftliche Zwänge nutzbar macht und neue Wege findet, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.

Propaganda [1928]
Edward Bernays [1891-1995]
Doppelneffe von Sigmund Freud
meine Übersetzung, Seite 9f.