richard k. breuer

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Dunkirk oder Die rätselhafte Banalität des Christopher Nolan

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Wer löst das Rätsel?

Ehrlich gesagt, ich war ziemlich verärgert. Was wollte uns Regiewunderknabe Christopher Nolan mit seinem neuesten Streich Dunkirk mitteilen? Die Erzählstruktur, die drei oder vier subjektive Ebenen wie Puzzlesteine miteinander verschränkt, wirkt natürlich modern und anders – wurde aber mit Sicherheit schon besser umgesetzt. Die Bilder sind stimmig und photogen, die musikalische Untermalung in der ersten Hälfte passend, in der zweiten verfällt sie in eine pathetische Klangmalerei. Zu guter Letzt lässt Nolan auch noch einen der geretteten Soldaten Churchills Rede We shall fight on the Beaches zitieren. Ja, wir Briten, wir werden uns niemals ergeben und werden überall kämpfen, wir werden unsere Insel verteidigen, was es auch immer kosten mag und so weiter und so fort. Hätte solch eine Rede die andere Seite ins Mikrofon gesprochen, man würde heutzutage ins Gefängnis gehen, würde man sie hoffnungsvoll zitieren. Aber die Geschichte, wie wir wissen, wird immer nur von den Siegern geschrieben und wenn Napoléon Recht hatte, dann ist Geschichte die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

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Der 8. Mai 1945 und die verschwiegene Kehrseite der Medaille

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Heute, vor 72 Jahren, ist der zweite Weltkrieg (für Europa) zu Ende gegangen. Das Dritte Deutsche Reich lag in Trümmer, es war überrannt, überrollt, überfahren. Wenn wir heute die Zeitungen aufschlagen, scheint es, als würde mit dem 8. Mai ein Alptraum zu Ende gegangen sein. Doch wer sich mit dieser damaligen so dunklen Epoche unvoreingenommen auseinandersetzt, wird feststellen, dass Terror und Martyrium für deutsche Bürger noch lange nicht vorbei waren. Leider erfahren wir vom Mainstream so gut wie nichts über die realen Nachkriegs-Ereignisse. Gewiss, wir gucken uns Fotos vom Wiederaufbau an („Trümmerfrauen“), schauen Propaganda-Filme des US-Militärs (Care-Pakete) und suchen überall in den Augen der Bevölkerung diesen hoffnungsvollen Optimismus, der dem kommenden Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren vorangegangen sein muss.

Von den damaligen leisen Gesprächen in Washington ist heutzutage freilich nichts mehr zu hören. Da dachte beispielsweise der ehemalige US-Finanzminister Morgenthau darüber nach, wie man Deutschland de-industrialisieren, also zu einem Agrarstaat machen könne – „primarily agricultural and pastoral in its character„. General Eisenhower wiederum sah keinen Grund, mit einer wahnsinnigen Bevölkerung („synthetic paranoid population“) sanft umzugehen und dass sie die Suppe, die sie (sich und anderen) eingebrockt hätten, selber auslöffeln sollten. Rund eine Million deutsche Kriegsgefangene sollen nach dem 8. Mai 1945 noch in US-Lagern ums Leben gekommen sein (siehe »Call it callousness, call it reprisal, call it a policy of hostile neglect: a million Germans taken prisoner by Eisenhower‘s armies died in captivity after the surrender«, James Bacque, The Last Dirty Secret of World War Two, in: Saturday Night, September 1989).

Dass deutsche Frauen in den Wirren der Nachkriegsunordnung oftmals unter die Räder der siegreichen und siegestrunkenen Soldaten aus Ost und West kamen, wird vom Mainstream gerne unter den historischen Teppich gekehrt, passt es doch so gar nicht zum Jubelbild der Befreiung.

Mit dem Ende des Krieges setzte auch die Kontrollphase der Siegermächte ein. Generalmajor McClure, Chef der psychologischen Kriegsführung, schrieb im Mai 1945 an seine Frau:

„Die Kampfhandlungen hier sind vorbei! Gestern ist die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterschrieben worden. Jetzt, wo die eine Phase vorbei ist, stecke ich bis zum Hals in der Kontrollphase. Wir werden alle Zeitungen, Filme, Theater, Radio, Musik, etc. in Deutschland eisern kontrollieren!“  (siehe Alfred H. Paddock Jr., U.S. Army special warfare: its origins, University Press of Kansas, Lawrence 2002; meine Übersetzung)

Es gäbe noch viel zu sagen, viel zu schreiben, über die Vor- und Nachkriegszeit, aber belassen wir es vorerst einmal damit, die Gemüter sind nämlich auch nach über 70 Jahren noch leicht erhitzt. Vergessen wir dabei aber niemals, dass uns nur eine unvoreingenommene Geschichtsforschung näher zur Wahrheit bringt, mag diese auch noch so unangenehm und fremdartig sein. Die gelebte Vergangenheit unserer Vorfahren ist Teil unseres kollektiven Bewusstseins; ob wir wollen oder nicht, die Historie formt uns Menschen. Fragt sich nur, welche Historie.

[…] do we really know what the past was, what actually happend, or is history „a fable“ not quite „agreed upon“? Our knowledge of any past event is always incomplete, probably inaccurate, beclouded by ambivalent evidence and biased historians, and perhaps distorted by our own patriotic or religious partisanship.

Will and Ariel Durant, The Lessons of History, H. Wolff, New York

April 1917: Die USA treten in den Großen Krieg ein und nichts wird mehr so sein wie es einmal war

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Dieses Centennial, sozusagen die Hundertjahrfeier zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in den Großen Krieg (1914-1918), wird hierzulande nur als Randnotiz wahrgenommen. Diese geschichtliche Nebensächlichkeit geht Hand in Hand mit der Geringschätzung des 1. Weltkriegs – im Vergleich zum 2. Weltkrieg, rund 30 Jahre oder eine Generation später (1939-1945). Dabei ist der Große Krieg von 1914, nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), der zweite globale Konflikt europäischer Herrscherhäuser. Die Auswirkungen beider Kriege haben die Zukunft der Welt geformt, während der vielbesprochene 2. Weltkrieg nur den Status Quo kurzfristig auf den Kopf stellen sollte.

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Leider kann ich mich im Moment nicht ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen, deshalb soll dieser kurze Blogbeitrag dazu dienen, auf die folgenden Fakten aufmerksam zu machen. Eventuell werde ich in späterer Folge den hier gelegten Faden wieder aufnehmen.

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1913 Installation der Federal Reserve Bank in den USA
Das Gesetz zur Gründung einer privaten Zentralbank nach europäischem Vorbild wurde unter mysteriösen Begleitumständen (Jekyll Island) in den letzten Dezembertagen des Jahres 1913 – viele Abgeordnete waren bereits auf Urlaub – vom Congress verabschiedet. Gleichzeitig wurde auch eine (noch sehr geringe) Einkommenssteuer festgesetzt. Ohne einer Zentralbank und einer flexiblen Steuer hätte Washington niemals in den Großen Krieg ziehen können.

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1914 Beginn der britischen „Anti-German„-Propaganda, die in Washington langsam an Fahrt gewinnt. Später wird ein gewisser Adolf Hitler notieren, dass diese britisch-amerikanische Propaganda-Leistung mit ein Grund war, warum das Deutsche Kaiserreich den Krieg verlor.

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1915 Dank der Anti-German-Propaganda sowie britischer Einflussnahme auf Politiker und wichtigen Persönlichkeiten, werden im demokratischen Amerika sukzessive das Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt, Pro-German-Aktivisten kurzerhand eingesperrt und Friedenspolitiker medial diskreditiert.

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1916 Obwohl Präsident Woodrow Wilson keinerlei Ambitionen hegte, in den europäischen Konflikt einzugreifen und eine Intervention aufs Schärfste ablehnte, wird er schließlich vor vollendete Tatsachen gestellt. Wurde er von seiner Umgebung manipuliert? Die Indizien sprechen dafür. Vermutlich wollte Wilson in guter Absicht diesem sinnlosen Krieg einen Sinn geben: The war to end all wars. Doch nach dem Ende des Konfliktes zeigten ihm die Briten und Franzosen nur die kalte Schulter: Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, er darf gehen.

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Gegenwärtig ist die britische Propaganda noch immer in den Schulbüchern, noch immer in den Köpfen der Mainstream-Journalisten und -Historiker. Beispielsweise die Torperdierung der Lusitania durch ein deutsches U-Boot. Die Lusitania wird auch heute noch als neutrales Passagierschiff bezeichnet, obwohl Untersuchungen der Frachtpapiere ergeben haben, dass das Schiff Munition für Großbritannien befördert hatte. Somit war das Schiff ein legitimes feindliches Ziel. Es gibt noch weitere Beispiele, die ich an dieser Stelle nicht behandeln kann, so die Frage nach der „Schuld“ am Großen Krieg und warum der Friedensvertrag darauf ausgelegt war, einen weiteren Krieg in absehbarer Zeit zu befördern? Hatten in Versailles tatsächlich Bankiers das Sagen? Immerhin ging es um viel Geld. Die Schulden aller Kriegsparteien waren enorm – weshalb sich die Frage aufdrängt, wer hat wem wieviel Kredit eingeräumt. Und gab es wirklich elitäre Strippenzieher, die den Krieg in die Länge ziehen und gleichzeitig die europäischen Monarchien zerstören wollten?

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Die Auswirkungen des Großen Krieges haben den Grundstein für das Kommende im 20. Jhd. gelegt (genauso wie 9/11 und der sog. War on Terror für das 21. Jhd.). Deshalb würde ein detaillierterer und (vor allem) unvoreingenommener Blick auf diese Ur-Katastrophe Europas (und damit der Welt) dringend notwendig sein. Wie konnte geschehen, was geschah? Lösen wir dieses Rätsel, können wir vielleicht alle weiteren lösen und zukünftige Konflikte verhindern.

Die Faschismuskeule 2.0

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Durch Zufall über den Artikel Das ist wie ein Stammtisch, der total eskaliert auf Jetzt.de gestolpert. Dieses Online-News-Portal ist der Versuch der SZ, junge Leute ins Boot zu holen und ihnen ordentlich das Gehirn zu waschen. Das Übliche halt.

Im besagten Artikel geht es um die Hooligans gegen Satzbau, die „täglich auf menschenverachtende Inhalte auf Facebook hinweisen“ und die – man lese und staune – für ihren „engagierten Kampf für eine bessere Welt“ den Social Hero Awards erhalten haben. Im Interview erklärt eine Skimaske tragende Mitkämpferin der Hooligans mit Namen Kiki Klugscheißerhool, was denn da so abgegangen ist, während der Preisverleihung.

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Die fabelhafte Welt der Historienforschung

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Im gestrigen Kaffeehausvormittag im KURIER geblättert und dabei auf obigen Artikel gestoßen, der sich um die Exogamie in grauer Vorzeit beschäftigt, im Speziellen die Migrationsroute der Frau. Dass dem Schreiber des Artikels ein Lapsus unterlief – oder sollte man von einer Freudschen Fehlleistung sprechen? – hat mich natürlich königlich amüsiert. Vielleicht hatte auch nur das automatische Korrekturprogramm seine Arbeit gemacht, was bedeuten würde, dass ein Softwareprogramm in der Lage wäre, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Ungeheuerlich, nicht?

Oder ist es wirklich vorstellbar, dass eine junge Frau vor rund 3400 Jahren vom Schwarzwald nach Jütland wandert – ihrem Ehemann folgend -,  dann wieder in ihre Heimat zurückkehrt um schließlich am Ende in Jütland ihr Grab zu finden? Wenn wir der überlieferten Historie glauben schenken, dann sollte Mitteleuropa bis zur Römerzeit und darüber hinaus ein großer Urwald gewesen sein, in der die germanischen Barbarenstämme ihr Unwesen trieben und sich gegenseitig totschlugen. Heiden allesamt! In den Schwarzwald getraute sich zur Römerzeit kein Centurion. Wie sollte da eine junge Frau, tausend Jahre früher (!), unangetastet und unversehrt an ihr Ziel kommen, frage ich mich. Und auf welchen Wegen marschierte sie, bei welchen Gaststätten kehrte sie ein? Sollte es bereits in jener Epoche eine funktionierende Nord-Süd-Verkehrsverbindung gegeben haben? Aber wer sollte den Bau dieser grenzüberschreitenden Route samt aller Herbergen veranlasst und überwacht und ausgebessert haben? Und wenn es, wie die Forscher behaupten, „ein komplexes System des sozialen Austausches und der wirtschaftlichen Diversifizierung“ gab, dann muss man doch die Frage stellen, ob diese Leutchen tatsächlich so barbarisch und ungebildet waren, wie es uns die römischen Geschichtsschreiber 1500 Jahre später erzählten. Widerspruch in schriftlicher Form ist keiner überliefert. All die germanischen Fürsten, Könige und späteren Kaiser, bis zum ausgehenden Mittelalter, konnten oder wollten oder durften nicht schreiben. Wozu auch? Ach, dieses kriegslüsterne germanische Volk – so untätig, so unbesonnen – zog schon immer das Schwert der Feder vor, nicht wahr? Da ist es nur folgerichtig, dass man dem Deutschen sein Deutschtum austreibt. Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich (›grenzenlose‹) Gewalt, sozusagen.

Als Jünger des Skeptizismus darf ich jedenfalls die überlieferte Historie und Chronologie in Frage stellen. Jean Hardouin tat es ja auch.

Herder Lexikon 1855: »Hardouin, Jean, geb. 1646 zu Quimper in der südl. Bretagne, wurde mit 20 Jahren Jesuit, bald Lehrer der scholastischen Theologie, dann Gehilfe und 1683 Nachfolger des Bibliothekars am Collége Ludwigs XIV. zu Paris, wo er 1729 st. Die umfassendsten Kenntnisse mit einem eisernen Fleiße verbindend, gab er Vieles heraus. darunter die Naturgeschichte des jüngern Plinius in usum Delphini, eine Numismatik, worin 600 neue Münzen erklärt wurden, sein Hauptwerk aber bleibt die: Conciliorum collectio regia maxima, gr. et lat. Par. 1715, welche in 12 Folianten von 34 n. Chr. bis 1714 reicht u. neben der Sammlung des Mansi allenthalben gebraucht wird. H. hegte mitunter sonderbare Ansichten, z.B. die Septuaginta sei ein unterschobenes Machwerk, der ursprüngliche Text des N. Test. lateinisch, die meisten alten Kunstwerke, Inschriften u. Münzen seien unächt, die Werke der alten Classiker mit sehr wenigen Ausnahmen im 13. Jahrh. durch Mönche verfaßt worden u.s.f.; er mußte diese Ansichten 1709 theilweise widerrufen, regte aber auch durch sie das wissenschaftliche Forschen an.«

Falls Sie mich nun fragen, wer, um Gottes Willen, sollte denn alte Klassiker fälschen, hier ein Hinweis:

Meyers Konvers.Lexikon 1909: Tritheim (latinisiert Trithemius, nach seinem Geburtsort; eigentlich Heidenberg), Johannes, Humanist, geb. 1. Febr. 1462 zu Trittenheim im Trierschen, gest. 13. Dez. 1516 in Würzburg, studierte seit 1478 in Heidelberg, trat 1482 in das Benediktinerkloster Sponheim bei Kreuznach, wurde bereits 1485 Abt desselben und siedelte, da er sich durch seine strenge Zucht verhaßt gemacht hatte, 1506 Abt des Schottenklosters nach Würzburg über. Wegen seiner Gelehrsamkeit bei den Zeitgenossen hochangesehen, ließ er sich durch seinen Hang zum Phantastischen und Mysteriösen schließlich zu Fälschungen verleiten. So sind der Mönch Meginfried, auf den er sich in seinen berühmten »Annales Hirsaugienses« beruft, ebenso der Chronist Hunibald, auf den er die unvollendeten »Annales de origine Francorum« zurückführt, erfunden.