Schlagwort-Archive: humor

Wien, Wien, nur du allein …

Front Schwarzkopf A3a
Der dritte Mann trifft auf Kottan. Mehr Wien in einer Krimicomedy geht nicht. Wirklich! Info sowie Leseprobe gibt’s auf der Webseite. Einfach das Bild anklicken.

Plakat_Schwarzkopf_BE
Nope. Die Dame kenne ich nicht. Aber das Buch ist klasse.

 

Advertisements

Das Klima im Jahre 1934 und 2016

Nur für den Fall, dass Sie meinen könnten, das Wetter spiele gerade vollkommen verrückt, zitiere ich hier einen Absatz aus der Autobiographie eines Bernhard Ramcke:

»Als das Bataillon Ende April 1934 auf den Truppenübungsplatz verlegt wurde, schickte Petrus einen grimmigen Schneesturm über die ostpreußischen Gefilde. Innerhalb von 48 Stunden fielen achtzig Zentimeter Schnee. Anstatt der 1.-Mai-Feier im knospenden Frühling gab es Schlittenfahrten und Schneeballschlachten im Lager.«

Da ich kein Jurist bin, kann ich Ihnen keine Auskunft darüber geben, ob Petrus wegen Wiederbetätigung zu belangen ist. Falls Sie daran nichts, aber auch gar nichts lustig finden, dann sollten Sie immer daran denken, dass es der Humor ist, der uns das Leben einigermaßen erträglich macht. In diesem Sinne.

Das Einläuten der letzten Runde der Tiret-Saga: Penly

Penly_3D-open1

Im Wonnemonat Mai wird nun der vierte und letzte Band der Tiret-Saga PENLY: Fragment eines Blutbades am Vorabend der Revolution erscheinen. Wie im Untertitel bereits angedeutet, geht es auf den etwa 350 Seiten recht blutig zur Sache, was aber nicht heißen soll, dass der feine Humor, neben dem Rätselhaften, zu kurz kommt. Der Leser darf sich in jedem Fall auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und einen würdigen Abschluss der Saga freuen, die 2008 ihren Anfang nahm.

Vorbestellungen für die Kleinauflage im Taschenbuchformat werden natürlich gerne entgegen genommen, schließlich muss ja die Butter irgendwie auf das vertrocknete Brot kommen, nicht wahr? Für meine treue Leserschaft werde ich sicherlich das eine oder andere verlockende Angebot mit anderen Titeln schnüren, beispielsweise hat sich die autobiographische Fiktion Der Fetisch des Erik van der Rohe (link) leider noch nicht so herumgesprochen, wie ich es mir gerne erwartet hätte. Das wird sich hoffentlich bald ändern, weil es kaum Vergleichbares im literarischen Kommerzbetrieb gibt.

In diesem Sinne.

 

Eine absurde Krimikomödie geht in die dritte Runde: Schwarzkopf

++HOLLYWOOD KOMMT NACH WIEN++RETTE SICH, WER KANN++

Gerade die Bücher der 3. Kleinauflage von der Druckerei erhalten. Die absurde Wiener Krimicomedy Schwarzkopf im Drehbuchstil erfreut sich – vor allem in Deutschland – eines stetigen Zuspruchs. Was sicherlich damit zu tun hat, dass Carsten Tergast, Autor und Journalist, im Sommer eine kurze Besprechung im Literaturmagazin HörBÜCHER machte und dabei dem Buch die Auszeichnung GRANDIOS verpasste. Diese Gütesiegel, wenn man so will, habe ich natürlich – nicht ohne Stolz, versteht sich – auf die Frontseite aufgemalt, wie man hoffentlich gut am linken Bild erkennen kann. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, bitte sehr, da ist es. Sie müssen sich auch nicht mehr rechtfertigen, warum Sie gerade das Buch eines Eigenverlegers verschenken, wo man doch wissen muss, dass es diesen Büchern ja generell an Qualität mangelt, nicht? Nein, nein, Sie können jetzt getrost auf das GRANDIOSe Gütesiegel verweisen und sagen: »Aber schau, denen hat es gefallen!«

Eine Rezension für Madeleine: Tarantino goes 1789

Die folgende Rezension zum Buch
»Madeleine – Anatomie einer Tragödie am Vorabend der Französischen Revolution«
von Richard K. Breuer
stammt von Friederike Bülig, Literaturwissenschaftlerin aus Mainz.

***Buchumschlag Madeleine von Richard K. Breuer

Buchumschlag Madeleine von Richard K. Breuer

***diese Rezension enthält Spoilers***

Madeleine ist die wesentlich brutalere Fortsetzung von Tiret und Brouillé, der historischen Romanreihe von Richard K. Breuer. Doch auch Madeleine  zeichnet sich durch eine reichhaltige Handlung aus, die genauso spannend, pfiffig und witzig ist wie die der Vorgängerromane.

In Madeleine begibt sich die schwangere Ludomila Opalińska zusammen mit dem Arzt Steinitz, Major Haddengast und ihrer Schwester Madeleine nach Penly, um dort den Vater ihres Kindes, den polnischen Gelehrten Mickiewicz, zu heiraten. Die lange Kutschfahrt von Österreich zur Nordküste Frankreichs wird zum turbulenten Sittengemälde der damaligen Zeit kurz vor der Französischen Revolution. Richard K. Breuer fasst die Mentalität dieser Zeit durch verschiedene Facetten ein. Inhaltlich zeigt er den bedeutenden Dualismus zwischen der verarmten Landbevölkerung und dem reichen Adel besonders durch Gesten und Körperhaltungen auf. So muss ein Adeliger nur mit dem kleinen Finger winken, um etwas zu bekommen, während der Untertan mit gesenktem Kopf stehen bleiben muss, bis der Herr an ihm vorbei geritten ist. Auch sprachlich greift Breuer die Ständeunterschiede auf und gibt der ländlichen Bevölkerung einem derben Akzent.

Eine weitere formale wie inhaltliche Besonderheit Breuers ist die Einarbeitung authentischen Materials aus Briefen des Gouverneur Morris, der 1789 aus den Vereinigten Staaten nach Frankreich reist und damit ein Augenzeuge der schlimmen Verhältnisse ist. In diese Brutalität der Geschehnisse der Französischen Revolution, die den Rahmen der vier Bände bildet, wird eine weitere existenzialistische Brutalität eingebettet, die körperliche.

Es ist die körperliche Gewalt die dieses Buch auszeichnet und die auch auf den Leser abschreckend wirken kann, da diese auf den ersten Blick als sinnlos und spontan beschrieben wird. Diese Gewalt gibt aber nicht nur eine Ahnung des damaligen Lebenskampfes wieder, sondern rückt die Vergänglichkeit und Hässlichkeit des Körperlichen in die Aufmerksamkeit. Gerade dann wenn der halbverdaute Bohneneintopf am Bein herunterläuft oder Lakaien zwei verarmten Jungen die Hände brechen, weil diese ein Stück Brot stehlen wollten. Die Brutalität in Madeleine reicht von starken Bildern des Tötens, Aufschlitzens, Erdrosselns und Erstechens über psychologische Formen des Auflauerns, Beobachtens und Misstrauens bis hin zu handfesten Intrigen. Doch wird diese Brutalität erzählerisch gebrochen bzw. aufgelockert. Die gewalttätigen Szenen sind mit Witz und einigen Zwischentönen verstärkt, die den Leser schmunzeln lassen können. So folgen einige Szenen dem Slapstick, schlechten Westernfilmen und auch einige Kampfszenen wirken wie witzige Reminiszenzen an Zombiefilmen, in denen die Totgeglaubten immer wieder aufstehen. Generell erinnert die Ausführung von Themen und Szenen an Filme wie die von Quentin Tarantino oder an den Film Natural Born Killers (Oliver Stone, 1994 – imdb)sowie durch der Einführung des italienischen Killerpaars Lorenzo und Stella an Bonnie and Clyde (Arthur Penn, 1967 – imdb). Mit dieser Art filmischer Schreibweise wirkt Madeleine lebendig und modern.

Ein weiterer Bruch der starken körperlichen Brutalität erfolgt durch die naiven Reflexionen der Figuren über die Liebe, was den ironischen Unterton des Buches ausmacht. Galkin, Sohn des Kosaken Dassajew, verfällt in Liebe zu der hübschen Madeleine und um diese zu erobern, fingiert er einen Überfall auf ihre Kutsche. Doch dieser Überfall artet in ein Gemetzel aus, das Galkin nicht steuern kann. Paradoxerweise ist für Galkin die Gewalt Beweis und Mittel seiner Liebe. Ein positiver Gedanken in negativer Ausführung, da sich letztendlich diese Gewalt gegen ihn selbst wendet: Während des Kutschüberfalls, der der Höhepunkt des Romans ist, gibt sich Galkin in körperlicher Befriedigung seiner Liebes-Tagträumerei hin ohne zu merken, dass sich die Umwelt gegen ihn wendet und ihn mit dem Tod bedroht.

»Langsam kehrt Galkin wieder in das Hier und Jetzt zurück. Man hört das zufriedene Seufzen Galkins und das Einrasten  eines Pistolenhahnes. Galkin dreht sich zu Madeleine, die ihren Oberkörper aufgerichtet hat und mit seiner Pistole auf ihn anhält. Mit beiden Händen umfasst sie den Kolben. Der rechte und der linke Zeigefinger liegen am Abzug. Galkin versteht nicht. Schüttelt verständnislos den Kopf. Haben sie sich nicht gerade geliebt?« (S. 256)

Was an diesem Zitat auch deutlich wird, ist, dass die Figuren aneinander vorbei reden und somit Madeleine das positiv gemeinte Engagement Galkins brutal beendet. Breuer schafft es, diese Brüche ohne viel Psychologie und ohne viel Worte allein durch die reichhaltige Figurenkonstellation und Handlung zu konstruieren, in der jede Figur ihr Ziel verfolgt und sich dennoch mit den Absichten anderer Personen verflechtet. Doch Madeleine bietet noch mehr an Reflexionen. Auf der Reise nach Penly entspinnt sich zwischen den Schwestern ein Konflikt um Schönheit, Liebe und Identität. Der  Schwesternkonflikt zwischen Madeleine und Ludomila zeigt sich schon in ihren Äußeren: Beide Schwestern werden wie Tag und Nacht konzipiert, die eine besonders hübsch, willensstark und emotional aufbrausend, die andere hässlich, bedacht, einsam und Trost suchend in Büchern. Auch verkörpern die Schwestern zwei unterschiedliche Liebeskonzepte. Während Ludomila meint, dass man die Liebe erlernen kann, da diese nicht aus einen einzigen und ersten Blick entspringt, hält Madeleine am Gegenteil fest und erntet damit Kritik:

»Madeleine verschwendet keinen Gedanken daran, dass sie gestern noch diesen nüchternen Gelehrten vergessen wollte und sich heute wieder nach ihm sehnt. Und morgen? Darauf gibt es keine Antwort. Madeleine fühlt. Hier. Jetzt. Alles andere hat keinerlei Bedeutung.« (S. 232)

Diese Kritik, die vom Erzähler stammt, stellt die namensgebende Protagonistin des Romans in ein zwiespältiges Licht. Doch wird ihr Verhalten in diesem Handlungsgeflecht nicht bewertet, außer vielleicht an einer Stelle des Romans, die hier aus Spannungsgründen nicht verraten werden soll.

Wie die Schwestern sind auch die anderen zentralen Figuren Typen, die zum Teil gegensätzliche Prinzipien verkörpern. So auch Doktor Steinitz, der das Prinzip des Lebens, Heilens und des Pazifismus vertritt und Major Haddengast, der als Beschützer und Kämpfer der Ehre auftritt.

Der Autor zeichnet seine Figuren gut, sie sind trotz ihrer Typenhaftigkeit nicht oberflächlich. Jeder Figur hat ihr Recht und ihren Platz im Sinne von »Beide haben recht. Beide haben unrecht.« (S. 233), bis dann doch der Stärke siegt.

Richard K. Breuer schafft mit Madeleine einen spannungsreichen und bildlichen Text, der durch ein schnelles Erzählen lebt. Das verdeutlichen die kurzen Dialogsätze, die filmische Schreibweise und auch die Zeitsprünge, die eine Art Gleichzeitigkeit vermitteln sollen. Breuer schreibt nicht pathetisch und wenn doch an einigen Stellen ein Pathos auftritt, ist es nicht selten der Figurenpersönlichkeit geschuldet und schafft den ironischen Unterton. Dieser Unterton und der eher deskriptiv statt psychologisch erzählende Erzähler regt den Leser zum mit- und nachdenken an. Denn das interpretierende Fazit muss sich jeder Leser selbst ersuchen.

Friederike Bülig
Mainz

***

Das Buch ist als E-Book in den Formaten PDF, epub und kindle hier erhältlich.