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EM 2016: Spieltag 16 – Achtelfinale

EM-2016-Spieltag16A

Spieltag 16 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Achtelfinale

ITALIEN : SPANIEN 2:0
ENGLAND : ISLAND 1:2

Hola! Das war mal ein Spieltag ganz nach meinem Geschmack. Faszinierend, dass die beiden Favoriten in den zwei Achtelfinalspielen – Spanien und England – auf eine ähnliche blamable Art und Weise in die Niederlage trabten. Beide Mannschaften wirkten müde, träge, unkonzentriert – im Vergleich dazu zeigten ihre Gegner einen unbändigen Kampfeswillen, der wiederum enorme Kräfte frei werden ließ. Ja, diese Spannkraft ist es, die über Sieg und Niederlage eines Spiels, vielleicht sogar des Turniers, entscheidet. Spielstarke Mannschaften, die nicht in der Lage sind, sich gegen einen motivierten und auf den Punkt angespannten Gegner aufzubäumen und dagegenzuhalten, brechen auseinander. Für die Experten im britischen TV – Ian Wright, Lee Dixon und Peter Crouch – war das Spiel der englischen Mannschaft beschämend, blamabel, einfach nur peinlich (›embarassing‹) und die Spieler selbst einfach nur starr vor Angst (›petrified‹). Immer wieder mokierten sie sich über (den nun zurückgetretenen) Trainer Roy Hodgson, der noch in den letzten Freundschaftsspielen vor der Endrunde der Europameisterschaft mit neuen Systemen und Taktikvorgaben die Spieler verunsicherte. Peter Crouch meinte, dass die englischen Spieler – professionelle Fußballer der teuersten Liga – mit dem Druck nicht hätten umgehen können. Auf BBC stellte Alan Shearer fest, dass Trainer Hodgson – freundlich formuliert – keinen Plan hatte, die Liste seiner Fehler lang seien und es hoffnungslos (mit ihm) wäre.

Wahrlich, die Engländer enttäuschten auf ganzer Linie. Die Isländer hingegen, sie blühten förmlich auf, ja, sie dominierten das Spiel. Der Ausgleich – nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer der Engländer – war eine Kopie jenes Treffers, den die Österreicher im letzten Gruppenspiel hinnehmen mussten: Weiter Einwurf in den Strafraum, Kopfballverlängerung und ein Isländer, der den Ball über die Linie drückte. Das zweite und entscheidende Tor war eine wunderbar gespielte one-touche-Kombination am Strafraum mit gefühlvollem Abschluss. Joe Hart und seine Vorderleute sahen bei diesem Gegentreffer äußerst schlecht aus. Der vermeintliche Underdog spielt nun im Viertelfinale gegen Frankreich. Schätze, die Franzosen werden sich warm anziehen müssen.

Für die Engländer beginnt nun ein weiteres Mal die Suche nach einem Trainer, der in der Lage ist, aus einem ungeschliffenen Diamanten ein siegreiches Kunstwerk zu machen. Hodgson formte jedenfalls in den letzten Jahren kein Team, keine Mannschaft – er stellte vielmehr die hochkarätigsten Spieler auf den Platz, zwängte Wayne Rooney in eine neue Position und hoffte, dass deren Qualität allein ausreichen würde, um zu bestehen. Die überragende Bilanz in der EM-Qualifikation (alle Spiele gewonnen!) täuschte Mann und Maus – und so marschierten 23 Einzelspieler mit von Stolz geschwellter Brust ins Turnier und schließlich ins fußballerische Verderben. Gegen die eingeschworene, hoch motivierte und mit einem gameplan ausgestattete Mannschaft aus dem hohen Norden setzte es für die Engländern eine fürchterliche Schlappe, deren Nachwirkung sicherlich noch Jahre später zu spüren sein wird. Kurz, das Waterloo Färöer der Three Lions.

Die Spanier sind in einer ähnlich unangenehmen Lage wie die Engländer. Sie haben ausgezeichnete Spieler, die ihre Brötchen in den besten Ligen verdienen und trotzdem verpuffte dieser spielerische Vorteil in den letzten beiden Fußballturnieren. Die goldene Generation rund um Puyol, Xavi, Iniesta, Alonso, Torres und Villa hat in der Vergangenheit alle Titel geholt, die sie nur holen konnte. Aber die Zeit bleibt nicht stehen und die goldene Generation verblasst langsam vor unser aller Augen. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als einen Kahlschlag zu machen und von vorne zu beginnen. Halbherzige Lösungen – wir Österreicher wissen es am besten – wirken zwar kurzfristig, aber auf lange Sicht gesehen führen sie geradewegs ins Desaster.

Das gestrige Spiel der italienischen Mannschaft hat wiederum gezeigt, was ein ambitionierter und mutiger Trainer aus Spielern jeden Alters herausholen kann. Was die Azzurri in den letzten Begegnungen zeigten, war herzerfrischender Fußball. Es ist eine Freude, diesen Spielern beim Rackern und Kämpfen, beim Schießen und Stochern, beim Laufen und Stoppen, beim Jubeln und Jauchzen zuzuschauen. Gestern überraschten sie alle Welt mit einem druckvollen Angriffsspiel. Die Spanier – zu behäbig und viel zu vorsichtig – wussten sich über das ganze Spiel nicht zu helfen und erst in der letzten Viertelstunde – als die Kondition und Konzentration der Italiener nachließen – kamen sie zu ernsthaften Torchancen. Ein verdienter Sieg der Italiener. Die vorgegebene Taktik dürfte wohl auch gegen Deutschland zur Anwendung kommen – zielt sie darauf ab, das Ballbesitzspiel bereits in der gegnerischen Hälfte mittels Pressing zu stören und bei Ballgewinn mit schnell vorgetragenen Vorstößen die Unordnung in der Hintermannschaft kaltblütig auszunützen. Deutschland, wie wir gesehen haben, spielt immer dann am besten, wenn die Spielmacher und Taktgeber das Mittelfeld beherrschen, die Verteidiger hoch stehen und so ein Kombinationsspiel vor dem gegnerischen Strafraum aufziehen können. Auf den Punkt gebracht: Deutschland spielt spanischer als die Spanier. Trainer Löw wird sich also etwas einfallen lassen müssen, gegen diese erstarkten Italiener, die Blut geleckt haben und damit auf mentaler Ebene den Deutschen überlegen sind. Wenn die Mannschaft einen Gegner im Turnier zu fürchten hat, dann ist es Italien – vielleicht auch das neue Santos-Portugal. Alle anderen sollten sie locker in die Tasche stecken.

Meiner Seel, das wird ein Spiel!

EM 2016: Spieltag 13 – Entscheidung GruppeE und F

EM-2016-Spieltag13

Spieltag 13 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe E und F

ITALIEN : IRLAND 0:1
SCHWEDEN : BELGIEN 0:1

ISLAND : ÖSTERREICH 1:2
UNGARN : PORTUGAL 3:3

Tja. Das war es also, mit der EM-Teilnahme der österreichischen Nationalmannschaft. Es ist schon verblüffend, dass es Trainer Marcel Koller von Beginn an mit einer defensiven Aufstellung versuchte. Ich hatte nach dem Spiel gegen Portugal einen ähnlichen Vorschlag gemacht – und darf mir zugutehalten, dass meine Überlegung vermutlich zielführender gewesen wäre. Während Koller jeden verfügbaren Defensivspieler auf den Platz stellte und die (noch nie gespielte) Formation 3-4-3 vorgab (die auf dem Platz eher wie eine 3-7-0 daherkam), wäre ich bei der bisher üblichen 4-2-3-1 geblieben, hätte aber Arnautovic in die Spitze gegeben, Alaba auf links gestellt und Schöpf als Junuzovic-Ersatz vorgesehen. Wie man in der ersten Hälfte gesehen hat, ist das Team nicht in der Lage, die Vorgaben einer neuer Formation zu erfüllen. Als Koller in der zweiten Hälfte wieder zur üblichen Aufstellung zurückkehrte, konnte man sofort erkennen, dass sich die Spieler wohler fühlten und damit auch ballsicherer wurden. Alles in allem hat mich die zweite Hälfte des Spiels gegen Island einigermaßen versöhnt, hat man – endlich, endlich – gesehen, dass die österreichische Nationalmannschaft sehr wohl in der Lage ist, auf internationalem Niveau Fußball zu spielen. In den anderen 5 Hälften wirkte das Spiel der Österreicher oftmals wie ein Monty Python Sketch: völlig surreal.

Koller hatte also die richtige Eingebung: Mittels Defensivtaktik und Aufbietung aller Defensivspieler soll wieder zur gewohnten Sicherheit zurückgefunden werden; ist das Selbstbewusstsein der Spieler einigermaßen im grünen Bereich angelangt, würde man die Offensivkräfte einwechseln und auf Angriff setzen. Aber wie so oft, wenn man die Lösung für ein großes Problem gefunden hat, übertreibt man in der Umsetzung. Natürlich kann ich im Nachhinein überlegen schreiben, dass der Lösungsansatz richtig, die Umsetzung jedoch falsch war – wäre beispielsweise Arnautovic nicht weggerutscht, hätte Dragovic den Elfer gemacht, hätte der Schiedsrichter das Foul im Strafraum gepfiffen, wäre der Schuss von Schöpf nicht abgewehrt worden, ich müsste den Hut vor Koller ziehen. Aber Tatsache ist, dass es nicht Wagemut war, der Koller veranlasste, die neue Defensivformation zu wählen, sondern Verzweiflung und Angst.

So rächt es sich, dass man es in Freundschaftsspielen verabsäumt hatte, neue Aufstellungsvarianten auszuprobieren. Andererseits braucht jedes Team eine Reihe von Spielen in einer fixen Aufstellung, um Vertrauen und Sicherheit zu gewinnen. Ein Dilemma, wenn man so will. Kann ich die Defensivtaktik Kollers gut nachvollziehen, so ist mir absolut unverständlich, warum er ein spanisches Offensivmittelfeldspiel mit Arnautovic, Alaba und Sabitzer aufziehen wollte. Dazu braucht es nicht nur ein grandioses Spielverständnis, sondern neben Disziplin auch eine gehörige Portion Spielerintelligenz. Dass diese Taktik nur in die Hose gehen kann, war eigentlich abzusehen – zumal Alaba in all seinen Spielen immer nur aus dem Rückraum agierte, nie an vorderster Front, zumal Arnautovic das Tempo aus dem Angriffsspiel generell herausnimmt und zumal Sabitzer – wollen wir es freundlich sagen – die internationale Klasse fehlt.

Der Führungstreffer der Isländer – ein Fehler im österreichischen Stellungsspiel – erinnerte frappant an jenen der Ungarn! Die erste Hälfte war jedenfalls zum Vergessen. Die Umstellung in der zweiten Halbzeit – Janko und Schöpf ersetzten mit Ilsanker und Prödl zwei Defensivkräfte – zurück zum gewohnten 4-2-3-1 mit Alaba neben Baumgartlinger im Zentrum und Schöpf als Spielmacher, ließ das Team wieder zur gewohnten Stärke zurückkehren. Plötzlich machten sie – vor allem über links – Druck, plötzlich gelangen die eingespielten Passkombinationen, plötzlich erwachte das verloren geglaubte Selbstbewusstsein, plötzlich merkte man als Außenstehender, dass ein Ruck durch die Mannschaft ging und all das beflügelte die Hoffnung, die man nach der grauenhaften ersten Halbzeit längst begraben hatte.

So wie es aussieht, werden sich Alaba & Co an dieser zweiten Halbzeit aufrichten können. Die Qualifikation zur WM 2018 steht bekanntlich vor der Tür. Dass sich die zwei Schwergewichte in unserer Gruppe – Irland und Wales – in das Achtelfinale gespielt und damit viel Selbstbewusstsein abgeholt haben, dürfte die Ausgangslage unseres Teams nicht gerade verbessern. Sei es wie es sei. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ach ja, bevor ich es vergesse: Natürlich sollte es Konsequenzen für das Versagen der Mannschaft geben. Wer auch immer den Job für die psychologische Betreuung der Mannschaft inne hatte, gehörte an die Luft gesetzt. Sofort!

Ungarn? Ein Fußballwunder! Bei dem Spiel gegen Portugal blieb einem der Mund vor Staunen offen. Gewiss, die Ungarn konnten befreit das Leder treten – waren sie bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert, während die Portugiesen zumindest ein Unentschieden benötigten und bei einer Niederlage die Heimreise hätten antreten müssen. Da können die Nerven schon flattern. Sieht man sich die erste Stunde der Begegnung an, dann erkennt man sofort, dass die Ungarn die Seiten gut zustellten. Im Gegensatz zu den Österreichern, die die größten Probleme mit dem portugiesischem Flankenspiel hatten, ließen die Ungarn  nur selten Hereingaben von den Seiten zu. Den Ungarn gelang es immer wieder, den Ball laufen zu lassen und mit gutem Kombinationsspiel Offensivaktionen einzuleiten; die Portugiesen waren deshalb gezwungen, mehr für die Absicherung zu tun, weshalb sie weniger Beine für ihre Angriffsbemühungen zur Verfügung hatten. Auch waren die Ungarn im schnellen Offensivspiel gefährlich – ein Stangenschuss unterstreicht es. Gut möglich also, dass sie im Achtelfinale die Belgiern ärgern werden – so das ungarische Nervenkostüm hält. Vergessen wir aber auch nicht, dass es die Belgier sind, die in dieser Begegnung unter dem größtmöglichen Druck stehen. Der geheime Favorit soll gegen einen 40-jährigen Torhüter in Jogginghose straucheln? Unvorstellbar! Ja, das dachten sich 8 Millionen Österreicher auch.

Portugal? Es kann nur noch besser werden. Nach der blamablen Leistung in einer der schwächsten Gruppen dieser EM, könnte nun Ronaldo & Co zeigen, was sie wirklich drauf haben. Ihr Achtelfinalgegner Kroatien ist dummerweise mit allen Wässcherchen der Spielkunst gewaschen. Sollten die Portugiesen diese schwere Hürde nehmen, dann stehen sie wohl im Finale und keiner lacht mehr über den vergebenen Elfmeter von Ronaldo. Ja, so absurd kann Fußball sein.

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Belgien tat sich im Spiel gegen die Schweden recht schwer. Seltsam. Weil das Team rund um Ibrahimovic wohl zu den schwächsten dieser EM gehörte. In zwei Spielen gaben sie keinen einzigen (!) Schuss auf das gegnerische Tor ab. Möchte man nicht glauben, aber die Statistik lügt nicht. Mit dieser beschaulichen Leistung werden die Belgier gegen die Ungarn wohl keinen Stich machen. Spannung ist demnach am Rasen, nicht auf dem Papier, garantiert.

Italien? Irland? Man wird sehen, wie sich die beiden Betonmischer im Achtelfinale aus der offensiven Affäre ziehen werden. Ihre Gegner, Spanien und Frankreich, sollten vielleicht ein Abrissunternehmen anheuern, ansonsten wird es mit dem Tore schießen sehr, sehr schwer.

EM 2016: Spieltag 8

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Spieltag 8 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ITALIEN : SCHWEDEN 1:0

Das ist sie also, die italienische efficienza – aus zwei Torchancen machten sie am Ende ein Tor und fixierten damit bereits – wie Frankreich und Spanien – den Aufstieg in das Achtelfinale. Dabei war die Azzurri im Spielaufbau weit weg von einer Normalform. Pässe in die Spitze – kurz oder lang – fanden keine Abnehmer; Abwehr- und Mittelfeldspieler übten sich über 90 Minuten lang in Fehlpässen – sogar Abwehrchef Chiellini – sonst ein Ruhepol in der Mannschaft – schenkte den Ball viele Male her. Auf der anderen Seite stand aber keine Mannschaft, die diese Fehler hätte ausnutzen können. Schweden war zu harmlos. Zwar ging die größte Gefahr von Ibrahimovic aus, aber über weite Strecken wurde er von der italienischen Abwehr entschärft und aus dem Spiel genommen. Deshalb ließ er sich oft zurückfallen und versuchte sich als Regisseur, als hängende Spitze, als Ballverteiler, aber damit fehlte wiederum der torgefährlichste Spieler im Strafraum – ein schwedisches Dilemma. Die Italiener wiederum kamen kaum ins Offensivspiel – vielleicht wollten sie es auch nicht erzwingen, konnten sie mit einem Unentschieden ganz gut leben. Aber dann, wie aus dem Nichts, setzte 8 Minuten vor Schluss Parolo einen Kopfball an die Latte. Eigentlich dachte man, das italienische Pulver wäre damit verschossen. No! Knapp vor Schluss nahm sich der gebürtige Brasilianer Eder ein Herz, ignorierte die halbe schwedische Mannschaft links und rechts, schob den Ball mit Effet in die lange Ecke und ließ ganz Italien jubeln.

Mir gefällt die italienische Mannschaft. Die jungen genauso wie die alten Spieler haben das Fußballerherz am rechten Fleck. Aber den Stiefel, den sie oftmals zusammenspielen, der geht auf keine Kuhhaut. Und trotzdem sind sie bereits nach zwei Spielen im Achtelfinale. Ist es am Ende die Europameisterschaft der abgebrühten Defensivmannschaften? Man wird sehen.

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TSCHECHIEN : KROATIEN 2:2

Ein Spiel, das vermutlich in die Geschichte der Europameisterschaftsspiele eingehen wird. Weil eine Viertelstunde vor dem Ende und beim Stand von 2:1 für die Kroaten, deren Fans Böller und Leuchtraketen auf das Spielfeld abfeuerten. Spielunterbrechung! Die kroatischen Spieler standen kopfschüttelnd und verständnislos vor dem Sektor ihrer randalierenden Fans und versuchten mit Gesten die Lage in den Griff zu bekommen. Ein Abbruch lag in der Luft. Zum Glück beruhigte sich die aufgeheizte Stimmung, konnte das Spiel fortgesetzt werden – aber zu welchem Preis! Die Tschechen – eigentlich chancenlos – schafften dann doch noch den überraschenden Ausgleich durch einen Elfmeter – Vida lenkte im Strafraum den Ball mit der Hand ab. Ein Unentschieden, das für die Tschechen nicht glücklicher hätte sein können. Weil sie über 75 Minuten lang nicht ins Offensivspiel kamen, keine einzige Torchance kreieren konnten. Im Gegensatz dazu wirbelten die Kroaten – angetrieben von Modric, Rakitic und Srna – und spielten die Tschechen im wahrsten Sinne des Wortes schwindlig. Dass die Führung der Kroaten nicht höher ausfiel, ist vermutlich ihrer Lässigkeit geschuldet. Bester Beweis dafür ist die frühe Auswechslung von Spielmacher Modric in der 62. Minute. Aber man möchte hier dem Trainer nicht die Schuld geben – niemand, nicht einmal der treuherzigste Tscheche, hätte auch nur eine böhmische Krone auf einen Anschlusstreffer gesetzt. Das 3:0 lag in der Luft, war zum Greifen nahe. Gut möglich, dass deshalb die kroatischen Spieler innerlich bereits den Aufstieg bejubelten und den Gegner nicht mehr auf der Rechnung hatten. So dürfte der Anschlusstreffer – ein perfekter Kopfball vom eingewechselten Skoda – die Kroaten völlig am falschen Fuß erwischt haben. Für die Tschechen war es ein Weckruf, aber ob dieser gereicht hätte? Ich gehe davon aus, dass die Kroaten die Führung über die Zeit gespielt und den Sieg nicht mehr aus der Hand gegeben hätten. Die Qualität dafür hatten sie allemal. Aber die Spielunterbrechung und der Anblick des Wahnsinns, den kroatische Fan-Chaoten auslösten, zeigte Wirkung. Man möchte nicht wissen, was in den Köpfen der kroatischen Spieler vor sich ging. Man stelle sich vor: Jene Menschen, die dich anfeuern, die dich um jeden Preis siegen sehen wollen, stoßen dir das Messer in den Rücken. Ob sich die Kroaten von diesem fußballerischen Dolchstoß erholen werden, bleibt abzuwarten. Im letzten Spiel geht es gegen bereits für das Achtelfinale qualifizierte Spanier, die vermutlich zeigen wollen, was in ihnen steckt, wenn man sie von der Leine lässt. Für die Europameisterschaft wäre es natürlich ein herber Verlust, sollten die Kroaten den Aufstieg verpassen, haben sie doch gezeigt, wie man Ball und Gegner mit Offensivfußball laufen lässt.

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SPANIEN : TÜRKEI 0:3

Hola. Da sind sie also wieder, die selbstbewussten Spanier, die drauf und dran sind, den dritten Europameistertitel in Folge nach Hause zu bringen. Aber haben die bisherigen zwei Spiele wirklich gezeigt, was die Mannschaft von Del Bosque kann? Im ersten Spiel ging es gegen defensivst ausgerichtete Tschechen, die nur in den Schlussminuten gefährlich vor das spanische Tor kamen, ansonsten mit Mann und Maus verteidigten. Das gestrige Match wiederum zeigte, was geschieht, wenn man einer der spielstärksten Mannschaften Raum und Platz gewährt, während man selber nicht in der Lage ist, mit aggressivem Pressing und offensiven Aktionen Gegendruck zu erzeugen. Die Türken waren zwar anfänglich gewillt, nach vorne zu spielen, aber sie wollten ihre Defensive nicht entblößen. Löblich. Aber dieses halbherzige Spiel – nicht Fisch, nicht Fleisch – bereitete der spanischen Verteidigung kein Kopfzerbrechen. Folglich konnten die Spanier ihr Kombinationsspiel aufziehen und zeigen, wie man’s richtig macht. Es hätte gestern Abend knüppeldick für die Türken kommen können, aber ich schätze, die Spanier schalteten nach dem dritten Tor gedanklich einen Gang zurück und ließen ihren Gegner am Leben.

Wahrlich, die Truppe von Fatih Terim zeigte in den beiden Spielen äußerst wenig. Überhaupt wirkten die Spieler müde und ausgelaugt. Es fehlte der Biss. Kein Vergleich zu jener Mannschaft, die bei der EM 2008 bis zur letzten Minute kämpfte, kein Spiel aufgab und deshalb die unglaublichsten Partien noch gewinnen konnte. Alles in allem gehören die Türken zu den schwächsten Teams dieser Europameisterschaft. Habe ich bereits erwähnt, dass der/die türkische Auswärtsdress Augenkrampf verursacht? Schmerz lass nach.

EM 2016: Spieltag 4

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Spieltag 4 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

SPANIEN : TSCHECHIEN 1:0

Bis zur 87. Minute war es für beide Mannschaften nur eine Trainingseinheit. Die Tschechen hatten die Vorgabe, den Laden dicht zu machen und die Spanier, den Sack zuzumachen. Fußballspiel war es demnach keines. Dass die Tschechen durchaus gefährlich werden konnten, zeigten sie vielleicht zwei oder drei Mal in den 90 Minuten. Somit dürften sie das Angriffsspiel sehr wohl beherrschen. Die Spanier wiederum praktizierten das allseits bekannte Ballgeschiebe spielstarker Favoriten vor dem gegnerischen Strafraum und suchten die Lücke in den Verteidigungslinien. Das Ganze erinnerte frappant an das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine, die ebenfalls tief gestaffelt alle Angriffsbemühungen zu vereiteln suchte. Dass ausgerechnet Innenverteidiger Piqué das entscheidende Tor für Spanien knapp vor Schluss erzielte, ist bezeichnend – schließlich hatte er die längste Zeit nichts zu tun. Zwei recht gute Chancen der Tschechen – einmal rettete Fàbregas auf der Linie in extremis, das andere Mal stand Goalie de Gea goldrichtig – möchte ich natürlich nicht unter den Teppich kehren. Es hätte demnach auch anders kommen können. Das wäre dann zwar ungerecht gewesen, aber, hey, so ist Fußball: Wer die Tore nicht schießt, der …

In der nächsten Begegnung treffen die Spanier auf die Türkei. Wir dürfen uns auf eine weitere Trainingseinheit freuen. Schützenfest nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu wird das Spiel Kroatien gegen Tschechien ein heißer Tanz. Rieche ich hier bereits einen offenen Schlagabtausch?

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IRLAND : SCHWEDEN 1:1

Also, die erste Halbzeit vergessen wir jetzt mal besser. Da gab es nicht viel Fußball zu sehen. Gut, die Iren versuchten es wenigstens und knallten den Ball mit Gefühl sogar an die Latte. Aber sonst war es eine verhaltene, nervöse, zerfahrene Kickerei. Gottlob schlenzte Wes Hoolahan Minuten nach Wiederbeginn den Ball wunderschön in die lange Ecke. Das Tor weckte endlich die schwedischen Geister und von da an liefen Ball und Beine. Die schwedischen Angriffsversuche wurde schließlich belohnt. Mittendrin und irgendwie auch nur dabei: Superstar Ibrahimovic. Sein Querpass köpfte Ciaran Clark ins eigene Tor. Ausgleich. Nun war es ein offener Schlagabtausch im Kleinformat – beide Mannschaften wollten den Siegestreffer erzielen, beide Mannschaften rackerten und kämpften bis zum Abpiff. Freilich, spielerisch konnten sowohl die Schweden als auch die Iren nicht sonderlich überzeugen. Die Stärke, vor allem der Iren, liegt nun mal darin, aus einer gesicherten Abwehr die Entscheidung herbeizuführen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Iren mit Deutschland und Polen in der Gruppe D der EM-Qualifikation waren. Nicht nur, dass sie der Löw-Truppe eine Niederlage beibringen konnten, erhielten sie auch die wenigsten Tore in dieser Gruppe. Italien und Belgien, die nächsten Gegner, werden alles aufbieten müssen, um das irische Catanaccio zu knacken. Die Schweden wiederum hatten den Kampfgeist am rechten Fleck und ließen sich durch den Führungstreffer nicht aus der Verfassung bringen. Sie präsentierten sich als eine robuste und kompakte, aber zuweilen ideenlose Mannschaft, frei nach dem Motto: Ibra wird’s schon richten.

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BELGIEN : ITALIEN 0:2

Hola. Das war mal ein Spiel nach meinem Geschmack. Die beiden Mannschaften schenkten sich nichts. Belgien – seit der WM 2014 der geheimste aller geheimen Favoriten – machte gegen Italien von Beginn an Druck. Mit technisch versierten Spielern wie Hazard, De Bruyne oder Witsel konnten sie das eine oder andere Mal die gegnerische Fünferkette in Verlegenheit bringen. Es war schon imposant, was die routinierte (und bereits angegraute) Hintermannschaft des italienischen Teams leistete. Goalie Buffon, mit 38 Lenzen, möchte wohl noch den Altersrekord von Torhüterlegende Dino Zoff brechen, der sich ja noch mit 40 gegen die Angriffe stemmte (freilich konnte er sich damals auf die weltbeste Betonabwehr verlassen). Gianluigi Buffon dirigierte seine Vorderleute, feuerte sie an und konnte auch noch die eine oder andere brenzlige Situation meistern. Respekt.

Die beiden Formationen der Italiener überraschten mich dann doch: ein 5-3-2 im Defensiv-, ein 2-5-3 im Offensivspiel. Noch mehr überraschte mich aber, dass die Italiener schnörkellos und überfallsartig nach vorne spielten. So probierten sie es sowohl mit schnellem Kurzpassspiel als auch mit langen Bällen, um die belgische Abwehr auszuhebeln und hin und wieder blitzte eine unglaubliche Spielkombination auf. Leider verschenkten sie beim Vorwärtsspiel immer wieder leichtfertig die Bälle und leiteten so gefährliche Gegenstöße der Belgier ein. Wäre Lukaku abgebrühter gewesen, hätte er die größte Chance im Spiel verwertet. Das Konterspiel, das diese Chance erst ermöglichte, gehört jedenfalls in jedes Schulbuch für angehende Fußballprofis: mustergültig in Szene gesetzt, über drei Stationen gehend und im Vollsprint ausgeführt. Herrlich zum Anschauen. Apropos. Den Führungstreffer der Italiener konnte man sich auch auf der Zunge zergehen lassen: Weite Flanke von Bonucci in den Strafraum, über die Köpfe der belgischen Abwehr, der kleine Giaccherini nimmt den Ball mit links an und schlenzt ihn mit dem rechten Fuß ins lange Eck. Bravo!

Wer sich nun dachte, dass die Italiener nach dem Führungstreffer mit Mann und Maus verteidigen und Beton anrühren würden, der irrte. Kamen sie in Besitz des Balles, versuchten sie erst gar nicht, das Spiel durch langweilige Querpässe zu beruhigen, sondern sie schalteten fulminant in die Offensive. Wie bereits erwähnt, immer wieder schlichen sich dabei dumme Abspielfehler oder Ballverluste ein – drei Mal musste deshalb die mit einer gelben Karte geahndete Notbremse gezogen werden, um einen gefährlichen Gegenstoß zu verhindern. Das kann auch mal ins Auge gehen.

Die nächsten beiden Begegnungen werden zeigen, wie sich die Squadra Azzurra gegen defensiv ausgerichtete Mannschaften schlägt. Tore schießen können sie jedenfalls. Der Sieg hat mit Sicherheit den Spielern und den Fans das verlorene Selbstbewusstsein zurückgegeben und ich gehe davon aus, dass ein italienischer Frühling vor der Tür steht und das Pensionsantrittsalter für Torhüter und Verteidiger erhöht wird.

Und Belgien? Die Niederlage zeigte einmal mehr, dass spielerische Überlegenheit keinen Pokal nach Hause bringt. Andererseits, wären die Belgier im Strafraum konsequenter, abgebrühter gewesen, hätten sie einen Stürmer mit Killerinstinkt in ihren Reihen gehabt, die Sache wäre vielleicht ganz anders verlaufen. Dass die belgische Mannschaft das Potenzial hat, jeden Gegner zu schlagen, hat man bereits vor der EM gewusst, und dass sie die nächsten beiden Spiele – Irland und Schweden – für sich entscheiden werden, steht außer Frage. Aber reicht es, um weiterhin als Geheimfavorit zu gelten?

Italienische Befindlichkeiten, anno 2013

Italia FlaggeEine mir gut bekannte Freundin – nennen wir sie Lena M. oder kurz LM, die immer wieder für längere Zeit in Italien lebt und in enger Verbindung mit einer deutsch-italienischen Familie steht, antwortete mir auf die Frage, wie es denn um Italien 2013 so bestellt ist. Ich wollte wissen, was sich – pardon – am Bodensatz des Landes tut. Mainstream und Internet-Apokalyptiker sind für gewöhnlich keine Hilfe, um Licht ins Dunkel zu bringen. LMs Ansichten sind freilich nicht der letzten Weisheit Schluss. Es sind Impressionen, persönliche Eindrücke. Subjektiv durch und durch. Vergessen wir aber an dieser Stelle nicht, dass es Objektivität de facto nicht geben kann, auch wenn es Chefredakteure mancher Qualitätsblätter anders sehen wollen. In den launigen Worten des Wiener Biophysikers und Biokynetikers Prof. Heinz von Foerster hört sich das dann so an:

Die ganze Idee der Objektivität halte ich für einen stumbling-block eine Fußfalle, einen semantischen Trick, um die Sprecher und die Hörer und die gesamte Diskussion zu verwirren, von Anfang an. Denn die Objektivität verlangt ja, soweit ich die Helmholtzsche Formulierung verstehe, den locus observandi. Dort muss der Beobachter alle seine persönlichen Eigenschaften abstreifen und muss ganz objektiv locus observandi!  sehen, wie es ist. Und diese Annahme enthält schon fürchterliche Fehler. Denn wenn der Beobachter alle seine Eigenschaften abstreift, nämlich die Sprache – Griechisch, Lateinisch, Turkisch, was immer -, wenn er seine kulturellen Brillen weglegt und damit blind und stumm ist, dann kann er ja nicht ein Beobachter sein, und er kann auch uberhaupt nichts erzählen. Die Voraussetzungen seines Erzählens sind weggenommen. Auf den locus observandi hinaufzusteigen, heißt: Lege alle deine persönlichen Eigenschaften ab, inklusive des Sehens, inklusive des Sprechens, inklusive der Kultur, inklusive der Kinderstube, und jetzt berichte uns etwas. Na, was soll der berichten? Das kann der ja nicht.

entnommen: ›Im Goldenen Hecht. Über Konstruktivismus und Geschichte. Ein Gespräch zwischen Heinz von Foerster, Albert Müller und Karl H. Müller‹, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 8/1997/1, S. 130f., link zum Artikel

Warum ich überhaupt LM. die Frage nach der gegenwärtigen Befindlichkeit in Italien stellte, hat damit zu tun, dass Dirigent Riccardo Muti während einer Opernaufführung in Rom zu Verdis Nabucco eine kurze ›Rede zur Nation‹ hielt und vom italienischen Publikum mit Standing Ovations bedacht wurde. Ich wollte wissen, wie schlimm es wirklich ist. Hier nun der kurze, aber knackige gedankliche Ausflug über die Zustände in Italien anno 2013, gesehen durch die Brille von LM:

Buon giorno, Richard

Was mir tatsächlich auffällt, ist, dass mehr als früher Häuser zum Verkauf stehen oder dringend Mieter gesucht werden. In Palermo sind extrem viele Leute zum Geld-schnorren unterwegs, nächste Woche bin ich in Rom, da wird das auch nicht anders zu erwarten sein.

Wie die gesamte Lage ist, ist schwer einzuschätzen, Du musst bedenken, dass Italiener schon mehr ›DRAMA-Kings und Queens‹ sind als wir, deshalb singen sich die Opern auch so schön in italienischer Sprache 😉

Wegen eines Hochgeschwindigkeitszuges kommt es in Rom vor den Ministerien zu einem Aufstand, dass du denkst, der Krieg bricht jede Sekunde aus. Das schaukelt sich in die Höhe und alle sind dabei. Später kann man die Geschichte ja wieder umschreiben 😉

Ich denke, so schlimm kann die Lage der Nation noch nicht sein, wenn immer noch ein Viertel der gekauften Lebensmittel im Müll landet.

Großes Gejammere löste auch die IMU auf Eigentum aus (Immobiliensteuer, so was wie bei uns die seit Ewigkeit existierende Grundsteuer, die ja auch jährlich zu zahlen ist, wie mich erst kürzlich mein Herr Großvater aufklärte). Deshalb die vielen Verkäufe von Eigentum).

Es wird viel gejammert rundherum. Am meisten jammern die, die 10 Hütten von irgendwo ›zusammengeerbt‹ haben und diese  – ›steuerneutral‹ versteht sich – über Jahre vermietet haben, wovon die ganze Verwandtschaft gut gelebt hat. Jetzt gibt es halt Einbußen, weil der Tourist nicht gerne kommt, wenn sich neben seinem Häuschen der Müll stapelt und der ganze Mist in der Erde und im Meer und letztlich in ihm selber landet. Gutes Service und Leute, die wenigstens Englisch sprechen wären natürlich
auch kein Fehler … aber der Tourist soll gefälligst italienisch lernen, wo kommen wir denn sonst hin?

Im September machen hier, im Süden Italiens, die Läden die Schotten dicht, da kannst du nicht mehr erwarten, dass das Restaurant am Strand wegen so ein paar Deutschen aufsperrt. Sollten die doch auch im August kommen, wenn Halligalli ist. Aber jetzt: Aus. Schluss. Winter. War eine scheiß Saison!

Ein Herr Muti, der privilegiert ist und gänzlich in anderen Sphären (und im Norden) lebt, mag erschüttert sein über die – überraschende? – Situation: Arbeitslosigkeit, Schulden, Misswirtschaft, Mafia, Politiker, die sich benehmen wie Könige, Korruption, schlechte Infrastruktur …

Aber was ist daran neu und ist die Schuld der schön inszenierten Bankenkrise? Das wage ich zu bezweifeln, aber irgendwer muss ja den schwarzen Peter zugeschoben kriegen. Berlusconi kriegt den nur im Ausland, im Inland hat er viele Fans, weil er die IMU wieder abschaffen will, die Monti eingeführt hat. Wusstest Du, dass Berlusconi Angela Merkel eine culona inchiavabile genannt hat? (= ›eine nicht zu Fi**ende mit einem großen Arsch‹ – in der Vanity Fair Nr. 40 vom 9 Oktober 2013) –  Ja, das ist ein feiner Herr. Seine bezahlten Damen sind ja bekanntermaßen minderjährig und haben sicher ein süßes Hinterteil. Soviel zum Frauenbild der Nation, das ist die Tragödie, aber anderes Thema, sonst höre ich nicht mehr auf … Anmerkung am Rande: Dass es in der Kirche Missbrauch gibt usw. wird in Italien totgeschwiegen, das siehst du nur im deutschen Fernsehen. Wär auch eine gute Geschichte im katholischen Italien.

Das Volk lässt sich ja mit einfachen Mitteln gerne hinters Licht führen. Wir erheben die Mutterschaft zum einzig wahren Glück im Leben und dann halten die Schlampen wieder die Fresse und kochen Pasta. Und BASTA. Gut, wie war Deine Frage? Die Lage der Nation … ich würde sagen, die Kinder werden immer dicker. Hat Muti das auch erwähnt?

Tanti saluti

Eine kleine Anmerkung von meiner Seite ist der Umstand, dass ein Berlusconi, ein Monti, eine Merkel, allesamt nur Handlanger einer kleiner Clique sind, die alle Register zieht. Am ehesten könnte man ›hohe Politik‹ mit dem damaligen Catchen (moderner: Wrestling) am Heumarkt vergleichen. Alles nur Show. Gut gemacht, freilich, aber am Ende des Tages holen sich die Catcher ihren verdienten Lohn ab, gehen nach Hause und hoffen, auch am nächsten Tag wieder in den Ring steigen zu dürfen.