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Die Berlinisierung Wiens

Realität und Fiktion
Bemalte Realität in 1050 Wien, anno 2014.

Laut dem Arbeitsmarktservice [AMS] waren in der Wiener Baubranche im Juni dieses Jahres 9.977 Personen beschäftigungslos. Wie viele davon in der Lage wären, mit Pinsel, Roller und Farbtopf zu hantieren, lässt sich nicht sagen. Dabei gäbe es viel, sehr viel Arbeit für all die zum Nichtstun gezwungenen Maler und Anstreicher da draußen. Geht man nämlich durch die Straßen Wiens, dann fällt einem die Berlinisierung der Straßenzüge auf (Ausnahme sind natürlich die Tourismus- und Hochpreisgegenden): Geschmiere an Wänden und Haustüren wohin man guckt. Manchmal mehr, manchmal weniger – aber die Tags sind ein stetiger Begleiter auf den Stadtwanderungen. Warum diese Form des Vandalismus keine breite Debatte findet, ist mir Schleierhaft. Scheinbar wird es achselzuckend hingenommen. Vielleicht haben die Behörden die Befürchtung, dass sie mit einem zu harschen Vorgehen Öl ins Feuer respektive auf die Wand gießen. Kids und pubertierende Teenager brauchen bekanntlich eine Reibefläche. Und sie gehen so lange mit ihren Sprühdosen zur Wand, bis diese bricht oder leer ist. Einsicht dürfen wir von den kleinen Erdenbürgern nicht erwarten, das liegt in der Natur der erzwungenen Zivilisierung. Ich gestehe, dass ich als Kind, rund 40 Jahre ist das bald her, hin und wieder bei einer Klingerlpartie mitmachte und – laut meiner Mutter – einem älteren Herren in meinem Grätzel das Leben schwer machte. Ich denke, mein damaliger Freund Franzi, ein Spitzbub wie er im Buche stand, hatte nicht unwesentlichen Anteil an meiner gesellschaftlichen Auflehnung. Aber ich wusste zu jeder Zeit, dass mir diese Aktionen, so ich erwischt werden würde, teuer zu stehen kämen. Lang gezogene Ohren inklusive. Interessanter Aspekt am Rande: die jungen Revoluzzer-Vandalen taggen vorrangig Häuserwände, während Werbeplakate und Autos unbehelligt bleiben. Was mag wohl der Grund dafür sein? Ich tippe darauf, dass sie vor erzürnten Autobesitzern und verärgerten Werbemachern großen Schiss haben. Deren Lobby ist, wie jedermann weiß, gewaltig einflussreich.

Pinki and the Brain?
Geht es gar um die Weltherrschaft? Wie jeden Abend?

Wie dem auch sei, die 68er-Bewegung, die bekanntlich das (Spieß)bürgertum ausgehöhlt und verächtlich gemacht hatte, ist Schuld an der Wurschtigkeit der Masse und der Egomanie des Einzelnen. Dass diese seinerzeitige Studenten- und Bürgerrechtsbewegung vom Establishment mit voller Absicht ausgelöst, unterstützt und vorangetragen wurde, klingt nach einer Verschwörungstheorie, aber die Indizien sprechen eine klare Sprache. Bedenken Sie, dass wir gegenwärtig in einer Welt leben, die in den 1960er Jahren undenkbar schien. Es war vorrangig eine Wirtschaftselite, die mittels Globalisierung, Einführung von Wirtschaftszonen und uneingeschränktem Geldverkehr die Weichen für das Kommende legen sollten: zunehmende Überfremdung in den Ballungszentren sowie stetige Abnahme des Mittelstandes. Falls die Globalisierungschose so weitergeht – und davon ist auszugehen – dann ist das Übermalen von Tags und Graffitis bald der einzige krisensichere Job.

Nachhilfe für Herrn Chefredaktör B.

Occupy? Ach ja …

Am Samstag war es, als ich eine österreichische – zwischen Boulevard- und Qualitätsblatt pendelnde – Tageszeitung durchblätterte und aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Der geneigte Leser sollte wissen, dass ich eigentlich seit geraumer Zeit keinerlei Printmedium mehr durchsehe, um mich zu informieren. Höchstens zum Gaudium oder zum Geschocktwerden [Nervenkitzel 2.0], und hie und da zum Einpacken zerbrechlicher Dinge, aber, wie gesagt, sicherlich nicht, um mir die kleine und große Welt erklären zu lassen. Zurück zur Zeitung. Ich las die Kolumne eines recht seriös dreinblickenden Schreiberlings, der, wie ich auf der Wiki-Seite feststellen konnte, der, pardon, Chefredaktör des Blattes ist. Es ging darin um Reformen in Italien und dass es besser sei, jetzt in den sauren Apfel zu beißen als später. Nebenbei erwähnt er den Umstand, dass im Internet [Vorsicht, unseriös!] Ministerpräsident Monti »als ehemaliger Berater von Goldman Sachs gerne vernadert« [steht das Wort überhaupt im Duden?] wird, »als ob diese Bank Italien an den Abgrund geführt hätte«. Also gut, man muss scheinbar als Chefredakteur keine ausländischen Zeitungen lesen oder TV-Sender gucken, freilich nicht, es reicht, aus dem Fenster zu starren und sich einen Reim aus der gegenwärtigen Lage zu machen. Was einem da alles so einfällt, ist allerhand, net?

Die Bank Goldman Sachs hat mehr Leichen im Keller als die Tageszeitung Journalisten im Verlagsgebäude [gut, zugegeben, in solch schwierigen Zeiten kann sich kaum noch eine Zeitung gute Journalisten leisten]. Als Einstieg empfiehlt sich eine Mainstream-Doku, die auf ARTE ausgestrahlt wurde und auf deren Webseite leider nicht mehr gesehen werden kann. Aber wer sich im [unseriösen!] Internet mit einer bekannten Suchmaschine auskennt, der könnte zufällig auf den Film Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt stoßen. Aus dem Programmhinweis kann man entnehmen:

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.

Falls diese kleine TV-Lektion vielleicht zu unseriös erscheint, dem kann natürlich geholfen werden, Englischkenntnisse vorausgesetzt. In der britischen Tageszeitung The Independent kann man die Eroberungsfeldzüge der, pardon, Banksters sehr gut nachvollziehen. Immerhin getraut sich die Zeitung klar und deutlich zu sagen, dass die Installierung von Monti undemokratisch war, da hilft es jetzt auch nichts, noch schnell den guten alten Berlusconi zu verknacken [steht das Wort im Duden?]. Solche Gedankengänge sind vermutlich für einen österreichischen Zeitungsmacher nicht opportun, der Schatten der Hapspurgers liegt wie eine Betondecke über dem Land und dem Geist. Also, hier der Artikel im wohlfeilen Englisch:  What price the new democracy? Goldman Sachs conquers Europe:

It is not just Mr Monti. The European Central Bank, another crucial player in the sovereign debt drama, is under ex-Goldman management, and the investment bank’s alumni hold sway in the corridors of power in almost every European nation, as they have done in the US throughout the financial crisis. Until Wednesday, the International Monetary Fund’s European division was also run by a Goldman man, Antonio Borges, who just resigned for personal reasons. Even before the upheaval in Italy, there was no sign of Goldman Sachs living down its nickname as „the Vampire Squid“, and now that its tentacles reach to the top of the eurozone, sceptical voices are raising questions over its influence.

Der freundliche Nickname, der Goldman Sachs verpasst wurde, nämlich Vampire Squid, ist ein Vampirtintenfisch und laut Wiki in seiner wörtlichen [lateinischen] Übersetzung Vampirtintenfisch aus der Hölle. Also, um ehrlich zu sein, den guten Monti hier nicht, pardon, zu vernadern, wäre für einen aufgeklärten Bürger beinahe grob fahrlässig. Aber gut, mein Blog ist Internet, wenn man so will und damit komme ich gegen die mit Druckerschwärze veredelten Gedanken natürlich nicht an. Apropos. Auf Seite 1 besagter Zeitung gibt es eine kleine Kolumne, die scheinbar eine Gitarre verfasst hat. Die Gedankengänge sind einerseits richtig [immer mehr Arbeitslose, immer weniger Jobs], andererseits wird am Ende nur mit der Schulter gezuckt, frei nach dem Motto: »Was geht’s mich an, net?« Eigentlich dachte ich ja immer, dass die Zeitungsleut dafür bezahlt werden, nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch die Antworten von den Politikern oder den Verantwortlichen einzufordern [bereits 1994 hat sich jemand im Forbes Magazine über die Zukunft des Jobs Gedanken gemacht und dessen Ende prophezeit]. Solche Kolumnen kann man sich deshalb  sparen und überhaupt, die ganze Zeitung, pardon, taugt leider sehr wenig. Schon alleine der Artikel auf Seite 7, der die New York Times [Qualitääät!] zitiert und dem chinesischen Premier ans Bein pinkeln möchte, weil er es wagt, Milliardär zu sein. Die gute New York Times sollte sich mal die Vermögen der US-Politiker genauer anschauen, da könnte einem auch so einiges auffallen. Zum Beispiel, dass der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Dollar den chinesischen Premier arm aussehen lässt. Dass besagter Bloomberg sich auch seine eigene Polizei hält, immerhin die siebentgrößte der Welt, wäre im Alten Rom ein hinreichender Grund gewesen, in die Verbannung (oder Tod, je nach dem) geschickt zu werden. Gegenwärtig jucken kaum jemanden solche martialischen Aussagen, da zeigen wir lieben nach China. Da haben wir zwar keine Ahnung, wie die Verhältnisse sind, aber damit können wir suptil [für: super subtil] ablenken, nicht? Und weil wir gerade beim Thema sind, kann ich den Artikel It’s the Inequality, Stupid nur jedem Schreiberling ans Herz legen. Da gibt es viele bunte Grafiken, die zeigen, wie reich die Superreichen sind und wie es dem Rest des, pardon, Pöbels – 99 % –  geht.

Überhaupt die, pardon, politischen Kleinanzeigen auf S. 7 sind ein klassisches Beispiel, wie Chomskys und Hermans Propaganda-Modell funktioniert. Man erfährt alles, was man als uninformierter Bürger wissen soll:

Afghanistan = Bürgerkrieg,
Iran = Unrechtsregime,
Islam = Mittelalter,
Wikileaks = Wichtig,
Russland = Putinregime.

Dass es auch immer zwei oder drei Seiten gibt, die man vielleicht als Qualitätszeitung beachten und erwähnen sollte, dürfte in der Journalistenschule scheinbar nicht mehr gelehrt werden. Wenn man also meint, dass nur der arabische Sender Al Jazeera keine nackten Brüste zulässt, dann sollten wir uns kurz daran erinnern, wie die Wogen in good ol‘ USA hochgingen, als in der Pause der 38. Superbowl-Liveübertragung ein gewisser Timberlake einer gewissen Jackson an die Wäsche ging und dabei eine ihrer Brustwarzen dem geschockten Live-Publikum entgegen-starrte. Nicht umsonst wurde die folgende Kontroverse als Nipplegate bezeichnet, wo es Beschwerden und Klagen und Reglementierungen regnete. Würde nun eine Aktivistin ihre Brüste live im US-TV präsentieren wollen, ich schätze, die Schockwelle, die es auslösen würde, wäre noch in der Kapuzinergruft zu spüren.

Zu den anderen Einträgen, also, dazu kann ich nur sagen, dass man sich kurz die Frage gestatten soll, welche Regierung welchen Landes die demokratisch gewählte Regierung in Afghanistan Ende der 1970er Jahre beiseite schob und das Land mit Terroranschlägen überzog. Die UdSSR war es jedenfalls nicht. Ob Putin zu den Guten oder Bösen gehört, kann ich nicht sagen, aber da die USA alles daransetzt, ihn loszuwerden, gehe ich von ersterem aus [aber auch das kann wiederum nur ein Indiz für eine Dobblecross-Aktion sein. Tja. Die hohe Politik ist nicht leicht zu durchschauen. Period!] Bleibt noch Wikileaks. Um ehrlich zu sein, ich halte Monsieur Assange genauso für ne Marionette wie sein Portal. Beweise gibt es dafür natürlich keine, Indizien aber genügend. Demnächst mehr in meinem neuen Buch. Period! [damit will ich nicht sagen, dass ich die Periode habe, sondern damit meine ich, dass man darauf Gift nehmen könne, dass es so ist. Ich habe mir das Wort von den coolen Amerikanern abgeschaut].

Der Hofnarr und das Geschrei am Hofe des Königs oder: Wer hat Angst vor 9/11?

rkb in NYC

Als ich 1993 New York City besuchte, da war ich dann doch überwältigt, von der Größe, aber auch enttäuscht, weil die (Electronic und Games) Stores gar nicht so supersized waren, wie ich mir erträumte. Immerhin konnte ich Filmplakate erstehen, die es in Österreich einfach nicht gab, genausowenig wie das Schnurlostelefon mit Anrufbeantworter (Huh, die damalige Post hätte mich an den Ohren aufgehangen, hätten sie mich mit dem nicht genehmigten Teil erwischt). Auch standen ein paar Kinofilme am Programm, die erst Wochen oder Monate später in die heimischen Kinos kommen sollten (wie zum Beispiel Jurassic Parc oder Posse oder Cliffhanger oder The Last Action Hero).

Beinahe 20 Jahre später, dank einer überbordernden virtuellen Informationsflut (wir nennen es Internet), wird mir Stück für Stück klar, dass die Dinge nicht so sind, wie sie auf dem ersten, vielleicht sogar zweiten Blick scheinen.

Manchmal, wenn ich mir so den Kopf über dies und das zerbreche, dann frage ich mich still und heimlich, ob es nicht besser gewesen wäre, ich hätte Pandoras Box nicht geöffnet und wäre dieser naive junge Kerl, der sich für Rollenspiele und Kinofilme interessierte und die Mediensicht auf die Welt für bare Münze nahm. Anders gesagt: Aus dem Internet vertrauenswürdige und gesicherte Informationen zu bekommen verhält sich analog eines Durstigen, der aus einem Feuerwehrschlauch trinken möchte. Am Ende ist er nass, aber noch immer durstig. Diese hübsche Analogie stammt leider nicht von mir.

Kommen wir nun zum eigentlich Thema. Zeit ist ein knappes Gut. Also, ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht die nächsten Wochen hin und wieder ein paar Meinungs-Schnippel zu interessanten Verschwörungstheorien blogge. Schadet nichts, oder? Damit trete ich freilich in die Fußstapfen der amüsanten Hofnarren, die sich als Einzige erlauben durften, dem König und seinem Gefolge ein paar hässliche »Wahrheiten« an den Kopf bzw. die Köpfe zu werfen. In den Worten von Billy Wilder hört sich das dann so an: Wenn du Leuten die Wahrheit sagst, sei witzig, oder sie werden dich in der Luft zerreißen. Hm. Dummerweise geht den meisten Leuten aber der Humor ab, wenn es um historisch relevante Ereignisse geht. Oder es fehlt einfach das vitale Interesse, die hundertste Version einer „es war ganz anders“-Theorie zu hören oder zu lesen.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, warum ich mir das antue? Werde ich mit Ru(h)m und Ehre überschüttet? Oder wenigstens mit klingenden Münzen? Werde ich bejubelt und beklatscht? Werde ich der Retter der Nation sein? Hm. Seien wir ehrlich. Ich werde mir höchstwahrscheinlich die Finger verbrennen und mich großartig lächerlich machen, weil, naja, weil manche Wahrheitswächter nur eine einzige Wahrheit zulassen können und das ist die Wahrheit der Masse und der Presse.

Ich will es heute für gut sein lassen, möchte aber nur einen klitzekleinen Seitenhieb ins Feld führen, das dem einen oder anderen vielleicht kurz die Stirn runzeln lässt. Hoffentlich. Dummerweise ist es nicht sonderlich lüstig. Okay, vielleicht schaffe ich es, die nächsten Male ein wenig Witz in die morbide Angelegenheit zu bekommen. Also, nehmen wir an, ein institutionelles Gebäude in der Hauptstadt würde lichterloh brennen und die Regierung und die Medien benennen die Schuldigen dieses offensichtlichen Brandanschlages innerhalb kurzer Zeit, ohne dass Beweise oder Fakten angeführt werden. Gewiss, es gibt eine Reihe von illustren Zeugenaussagen, die in eine Richtung zeigen. Würden Sie in den Chor der Mehrheit/Presse einstimmen? Oder würden Sie kurz inne halten und sich fragen, was zum Teufel da vor sich geht? Später wird dann von der Regierung gefragt, ob die Bürger den totalen Krieg wollen. Ich schätze, hier aufzustehen und die Frage zu verneinen, wäre sehr unpatriotisch gewesen. Und hätte wohl dazu geführt, dass man dem Slogan »Arbeit macht frei« am eigenen Leib erfahren hätte. Apropos Arbeit, da fällt mir ein, dass es tatsächlich progressive Vordenker gibt, die meinen, dass Arbeit in naher Zukunft ein wenig anders ausfallen wird. Einfach, in dem wir weniger arbeiten und dadurch mehr Lebensqualität zurückbekommen – oder weil Jobs, wie wir sie heute kennen, schlicht obsolet werden. Okay, klingt nach einem Witz, nicht? Na, bitte, jetzt haben Sie aber gelacht, nicht?