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Das Grauen vor dem Nichtgelingen – The Terror of Not Succeeding

Weißlippenbaumfrosch
Weißlippenbaumfrosch (c) Andrew Watson/Getty Images – Pic von Bing

»›[…] was ist es, wovor einem solchen modernen Geist unendlich grauet, und dessen Anblick ihn in Verzweiflung setzt? Was ist seine Hölle? Mit Erstaunen muß ich erklären: Es ist das Grauen vor dem ›Nichtgelingen‹; nicht reich, nicht berühmt zu werden, oder sonst keine Rolle in ›der Welt zu spielen‹ – hauptsächlich aber nicht reich zu werden! Ist das nicht eine etwas sonderbare Hölle?‹ (1) […] Wir nennen es eine Gesellschaft, und bekennen uns dabei laut zu den Grundsätzen der gänzlichen Getrenntheit und Vereinzelung. Unser Leben ist keine gegenseitige Hülfleistung; sondern unter dem Deckmantel förmlicher Kriegsgesetze, ›Mitbewerbung‹, ehrenhafte Concurrenz [fair competition] usw. genannt, ist es eher eine gegenseitige Befeindung. Wir haben überall schwer vergessen, daß Baarzahlung nicht das einzige Verhältniß menschlicher Wesen zu einander ist; wir glauben ohne Anstoß, daß alle Verbindlichkeiten des Menschen [mit Baarzahlung] losgekauft und abgemacht werden können. […] In Wahrheit, der Mammonglaube ist eine traurige Religion.«

Thomas Carlyle
deutsch: Mammon-Evangelium, S. 78
english: Gospel of Mammonism S. 145
Hrsg. J. Neuberg, Beiträge zum Evangelium der Arbeit,
aus den Schriften Thomas Carlyle’s, Verlag von G. Reimer, Berlin 1851
(1) Carlyle zitiert hier einen gewissen ›Sauerteig‹, über den ich nichts in Erfahrung bringen konnte.

Die längst vergangene Ära der 1970er oder Als der Kommerzteufel erwachte und unsere Seelen verschlang

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Zugegeben, mit dem Skateboard konnte ich nichts anfangen. Vielleicht war ich zu ungeschickt oder bereits zu alt dafür. Als ein 1968er-Jahrgang habe ich – gottlob – die Videospiel- und Homecomputer-Ära der frühen 1980er eingesaugt. ATARI VCS 2600 flimmerte am TV-Bildschirm, das Gerät hatte eine Kapazität von etwa 4 KByte, wenn ich mich recht erinnere. Und trotzdem war es magisch, was sich da pixelig und piepsend auf dem Bildschirm tat. Freilich, der Kopf musste mitspielen, ansonsten war es nur eine lächerliche Anhäufung von sich bewegenden Bildpunkten, die schrecklich fiepsten. Heutzutage würde man nach wenigen Minuten genervt den Stecker ziehen. Damals konnte man nicht genug bekommen. Seltsame Welt. Aber authentisch. Mit Ecken und Kanten, die man sich rund und weich phantasierte.

Der obige Trailer zu einer Doku über längst vergangene Zeiten, die so lange nicht her sind, hat mich berührt. In den wenigen Minuten erfahren wir instinktiv, woran die Welt und Gesellschaft heute leidet: dem Einzelnen fehlt der Sinn, der Zweck, die Ausrichtung, im Englischamerikanischen klingt das weicher und schöner: meaning and purpose. Aber das ist noch nicht alles. Vielmehr bot das Skateboarden auch die Möglichkeit für den Einzelnen sich kreativ auszudrücken (possibility to create), sich selbst auszudrücken (express myself), sich eine Stimme zu geben und Teil einer wahren Gemeinschaft zu sein. Das Wort Skateboard ist an dieser Stelle nur Platzhalter. Man ersetze es mit anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel ein Computerspiel zu programmieren (BASIC! – für Maschinensprache war ich nicht freakig genug) oder Zeichnen oder Kochen oder was weiß ich alles. Aber der wichtigste Punkt bei alle dem ist, dass diese Aktivitäten nicht ver-kommerzialisert sein dürfen, um den gewünschten Effekt in einem auszulösen.

Ich denke, da liegt der Hase im Pfeffer. Die Industrie hat in den 1970er das Potenzial kleiner Gemeinschaften erkannt und begonnen, diese nach allen Künsten auszubeuten. Man kann sagen, jede publikumswirksame Aktivität, jede größere Sportart, jede weitreichende Hobby-Gemeinschaft wurde mit der Zeit infiltriert. Und wie schon der Ökonom Lietaer sagte, dass das geeignetste Mittel, um eine Gesellschaft zu zerstören, die Einführung von Geld ist, so stimmt das auch für kleinere Gemeinschaften. Man erinnere sich, wenn man ältere Herren über längst vergangene Zeiten reden hört. Zumeist werden Sie mit dem Satz begleitet, dass man damals nichts gehabt habe, aber trotzdem glücklich war. Oder mein Onkel A., der in jungen Jahren mit Freunden auf die Berge gegangen ist – Hüttentouren. Eine Gitarre war immer dabei. In der Hütte wurde dann gesungen und gelacht. Der Zusammenhalt, sagte er, war damals größer. Warum es so war und heute anders ist, darauf wusste er keine rechte Antwort.

Ich würde sagen, dass der Kommerz, der unbedingte Wille zum Profitmachen und damit verbunden, das Gefangensein in einer unmenschlichen Tretmühle, die Seele raubt. Vielleicht müsste man in den alten Sagen den Teufel mit dem Kommerz ersetzen, damit uns ein Licht aufginge.Vielleicht reicht es aber bereits, dasPowell Memorandum aus den Jahre 1971 zu lesen, in dem klipp und klar die Gegnerschaft des »freien Unternehmertums« (lies: ersatzcapitalism) festgehalten wird und Vorschläge unterbreitet werden, wie die Wirtschaftsmacht  dagegen ankämpfen könnte – z.B.: Einfluss auf die Universitäten zu nehmen (immerhin würden sie durch Stiftungen von ehemaligen Industriemagnaten finanziert), Einfluss auf die Medien zu nehmen (immerhin gehörte das TV schon damals privatwirtschaftlichen Unternehmen), Einfluss auf das Gesetzeswesen und die Politik zu nehmen. Mag das Memorandum auch nur die Arbeit eines Karrieristen gewesen sein, die Argumente, die er vorträgt, sind bestechend und deuten darauf hin, dass zu Beginn der 1970er die Bürger die, pardon, Schnauze voll hatten, von der politischen und wirtschaftlichen Bevormundung. Nicht umsonst wird der Menschenrechtsaktivist und Anwalt William Kunstler mit dem folgenden Satz zitiert:  »You must learn to fight in the streets, to revolt, to shoot guns. We will learn to do all of the things that property owners fear.« Somit war der Feind des »freien Unternehmertums« klar ausgemacht und musste mit allen Mitteln bekämpft werden. Freilich, man hätte auch einen anderen Satz von Kunstler zitieren können: »I only defend those whose goals I share. I’m not a lawyer for hire. I only defend those I love.«

The corporations had realized that it was in their interest to encourage people to feel that they were individuals and offer them ways to express their individuality. The world in which people felt they were rebelling against conformity was not a threat to business but it’s greatest opportunity.

Adam Curtis
Century of the Self /Part 3 / The Policeman in Our Heads

Also gut, zum Abschluss sei mir die Frage gestattet: Wie, verdammt noch mal, holen wir unsere Seele vom Teufel zurück? Vorschläge? Ich blättere mal in mein altes Sagenbuch.

Kinofilm In Time mit Justin Timberlake oder Die Frage nach der richtigen Seite!

Wir haben nicht mehr viel Zeit!

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Heute durch Zufall auf den neuen Trailer von In Time gestoßen. Justin Timberlake? Uh. Amanda Seyfried. Okay. Der Trailer dauert beachtliche 4 Minuten, was schon ziemlich anders ist. Generell flimmern die Gustostückerln etwa 2 Minuten und 30 Sekunden über den Schirm und das ist zumeist ausreichend. Hin und wieder lähmend. Hin und wieder mitreißend. Und oftmals besser als der ganze Film. Gut. Wollen wir wieder zurückkommen zu In Time. Die Regie und das Drehbuch verfasste ein gewisser Andrew Nicol, der uns bereits eine Reihe von kritischen Filmen unter die Nase hielt, wie da wären …

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Angela Merkel und ihre politischen Verbindungen oder: What the heck is going on?

Angela Merkel und ihre politischen Verbindungen

Essay des französischen Journalisten Thierry Meyssan

entnommen: www.voltairenet.org/Angela-Merkel-eine-Neokonservative (oder als PDF) »[…] Von nun an wird Angela Merkel von zwei wichtigen Pressegruppen offen unterstützt. Sie kann auf Friede Springer zählen, der Erbin der Axel-Springer-Gruppe (180 Zeitungen und Zeitschriften, darunter «Bild», «Die Welt»). Die Journalisten der Gruppe müssen eine Verlagsklausel unterschreiben, die festlegt, dass sie sich für die Entwicklung der Transatlantischen Verbindungen und für die Verteidigung des Staates Israel einsetzen. Angela Merkel kann auch auf ihre Freundin Liz Mohn zählen, Direktorin der Bertelsmann-Gruppe, Nummer 1 der europäischen Medien (RTL, Prisma, Random House usw.). Frau Mohn ist auch Vizepräsidentin der Bertelsmann-Stiftung, die den intellektuellen Stützpfeiler der euroamerikanischen Verbindungen bildet. Angela Merkel stützt sich auf die Ratschläge von Jeffrey Gedmin, der vom Bush-Clan speziell für sie nach Berlin geschickt wurde. Dieser Lobbyist hat zuerst für das American Enterprise Institute (AEI) [2] unter der Direktion von Richard Perle und der Frau von Dick Cheney gearbeitet. Er ermutigt sie sehr, den Euro dem Dollar anzupassen. In der AEI hat er zuvor die New Atlantic Initiative (NAI) geleitet, die alle wichtigen amerikafreundlichen Generäle und Politiker Europas vereinte. Er hat auch am Project for a New American Century (PNAC) mitgewirkt und das Kapitel über Europa in diesem Programm der Neokonservativen verfasst. Dort schreibt er, dass die EU unter der Kontrolle der NATO bleiben muss und dass dies nur möglich sein werde, wenn «die europäischen Forderungen nach Emanzipation» geschwächt werden können. [3] Gleichzeitig ist er auch Verwalter des CCD (Council for a Community of Democracies), [4] der eine UNO der zwei Geschwindigkeiten fordert, und er übernimmt die Leitung des Aspen-Instituts in Berlin. [5] Das Angebot seines Freundes John Bolton, [6] Stellvertretender Botschafter der USA bei der UNO zu werden, lehnt er ab, damit er sich ganz der Betreuung von Angela Merkel widmen kann. 2003 vertraut das State Departement Jeffrey Gedmin und Craig Kennedy ein ausgedehntes Programm für «öffentliche Diplomatie» an, das heißt für Propaganda, welches unter anderem die geheime Subvention von Journalisten und Meinungsbildungsstellen in Westeuropa beinhaltet. [7] 2003 widersetzt sich Gerhard Schröder der anglo-amerikanischen Operation im Irak. Angela Merkel veröffentlicht daraufhin eine Stellungnahme in der Washington Post, [8] in der sie die Chirac-Schröder-Doktrin der Unabhängigkeit Europas zurückweist, ihre Dankbarkeit und Freundschaft gegenüber «Amerika» betont und den Krieg unterstützt. […]«

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Wenn Sie vom obigen Wust an Informationen nichts verstehen, trösten Sie sich, Sie sind nicht allein. Und ich habe diesen Absatz nur deshalb gewählt, um Ihre Aufmerksamkeit auf diese Vielzahl an Organisationen zu richten, die hier explizit erwähnt werden. Gut, manche kennt man nur zu gut (oder glaubt sie, gut zu kennen) wie die gute alte NATO (»Yah, we are the good guys and bombing everything we want with everything we have in f***ing Libya!«) oder die UNO (»You mean, it’s not okay when Israel starve innocent people? Hm. Let’s discuss that point.«). Dann sind da natürlich die offiziellen Ämter und Institutionen. Okay. Und dann scheint es noch eine Reihe anderer, unbekannter Organisationen zu geben, die scheinbar eine Rolle am Polit-Parkett spielen. Hm. Klar. Das ist hohe Politik, davon versteht unsereins nichts.

Aber auch wenn wir nichts, rein gar nichts verstehen, so sollte uns eines klar sein: diese Organisationen brauchen Geld. Vermutlich viel Geld, um ihren Einfluss und ihre Propaganda geltend zu machen – gehen wir jetzt mal davon aus, dass sich alles im rechtlichen Rahmen abspielt, wobei ich dahingehend  natürlich leichte Zweifel habe, aber schieben wir diese mal beiseite, für den Moment. Nun, wer ist in der Lage viel Geld locker zu machen? Richtig. Leute die viel Geld haben. Oder staatliche Institutionen, die viel Geld haben. Oder Konzerne, die viel Geld haben.  Mit anderen Worten: weder ein, pardon, intelligenter Schlurf wie Sie, noch ein sich selbst verlegender Indie-Autor aus einer Provinz-Metropole im Herzen Europas (»Yah, it’s famous Lippizzaner-Vienna, Pal!«). An dieser Stelle muss uns eines wie Schuppen von den Augen fallen: WIR haben keinen Einfluss und werden auch nie einen haben. Warum? Weil uns das Geld fehlt. Und wer Geld hat, schafft an. Das wusste schon mein Großvater und ich schätze, der hat es wiederum von seinem Großvater und dieser … okay, Sie wissen, worauf ich hinaus will, oder?

Karl Marx – nein, sorry, ich habe nichts von ihm gelesen, vielleicht im nächsten Leben, wenn ich viel Geld habe; mein Wissen stammt von US Prof. Richard D. Wolff – Karl Marx hat sich Mitte des 19. Jahrhunderts Gedanken gemacht, wie es sein kann, dass diese neue Wirtschaftsordnung, die den Feudalismus abgelöst hat (»Bastille en 1789, tu sais?«) und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit versprach, dass diese neue Wirtschaftsordnung die Menschen nicht frei und schon gar nicht gleich machte. Hm. Seltsam, nicht? Diese freie Marktwirtschaft (Kapitalismus ist ein Wort, das mir nur schwer über die Lippen kommt, weil ich im gleichen Atemzug eine demonstrierende Menschenmenge von jungen Leuten sehe, die sehr unangepasst wirkt und sich zumeist um das Wort Anti schart – das ist natürlich ein perfektes Beispiel wie Propaganda des elitären Establishments funktioniert: sie zeigen nicht mit den Fingern auf die linken Leutchen, sondern lassen andere, uns, diese mittige Mitte mit den Fingern auf diese zeigen), also, diese freie Marktwirtschaft hat die seltsame Angewohnheit, Geld und Marktmacht zu konzentrieren. Wer jemals Monopoly oder DKT gespielt hat, der weiß, was ich meine. The Winner takes it all, Baby!

Glücklicherweise gab es aber Politiker und Bewegungen, die diese ungünstige Machtkonzentration aufzuzeigen und zu zerbrechen wussten. Wobei, manche überspannten den Bogen und was die Russische Revolution hervorbrachte war eine unfreie Marktwirtschaft, kein Kommunismus im Sinne von Marx. Wie dem auch sei, das elitäre Establishment hat sich in die Hose gemacht, vor diesem roten russischen Wahnsinn und sich deshalb gedacht, ein braunes germanisches Reich würde sich schon mit dem Roten Bären ordentlich behaken. Naja. Wie das ganze ausging wissen wir (es sei denn, Sie haben im Geschichts-Unterricht gepennt).

Kommen wir wieder zurück. Zum Geld. Also. Wer Geld hat, schafft an. Gut. Das wissen wir, oder? Wenn wir also diesen Fakt akzeptieren, dann ist klar, dass wir diese Welt nur dann zum Guten (äh, die Definition wird nachgereicht) ändern, wenn wir, die Guten, das dafür nötige Geld haben. Und wenn Sie jetzt meinen, dass ich zu einem Spendenaufruf aushole, äh, nope, da muss ich Sie enttäuschen, weil, damit habe ich nichts am Hut. Was es braucht, wäre eine Veränderung der Herrschaftsstruktur in Bezug auf die Geldverteilung. Hm. Marx meinte, jeder, der einen Überschuss (Surplus) produziere, solle auch abstimmen dürfen, was mit dem Überschuss zu geschehen habe. Vereinfacht ausgedrückt: jeder Arbeiter, jeder Angestellte eines Unternehmens wird zu einem Mit-Geschäftsführer. Absurd?

Absurd ist es, dass es so abläuft, dass wir zwar in einer Demokratie leben, aber wenn es um die Wirtschaft geht, dann akzeptieren wir hierarchisch totalitäre Strukturen. Ist das schon mal jemanden aufgefallen? Was ist das also für eine aufgeklärte humane Scheiße, pardon, wenn wir Diktaturen und Regime in Konzernen akzeptieren. Ist Wirtschaft Krieg? Wer sagt das? Wo steht das? Bullshit, sage ich.

Genausowenig, wie mir, als Selbstständiger Indie-Autorenverleger, jemand sagt, was ich mit meinem Überschuss (gehen wir mal davon aus, okay?) zu tun habe. Ich kann entscheiden, ob ich es in eine Bar auf den Kopf schmeiße oder neue Bücher produziere oder neuen Autoren eine Chance gebe oder vielleicht eine Kindertagesstätte aus dem Boden stampfe oder ein Café mit gesunder Bio-Kost eröffne. Absurd? Nope.

Damit beende ich mal meinen kleinen Diskurs. Und möchte noch einmal dezent darauf hinweisen, dass am 8. September 2001 der US-Verteidigungsminister Rumsfeld (»We shot down the plane over Pensylvania.«) bei einer Pressekonferenz zugeben musste, dass das Pentagon einen Fehlbetrag von … äh 2,3 Billionen US Dollar oder 2300 Milliarden Dollar oder 2,3 Millionen Millionen Dollar habe. Okay, ich wiederhole mich. Aber ich mache es deshalb, weil die Mainstream-Medien es nicht der Mühe wert finden, darüber zu schreiben. Ich meine, für ein paar Milliarden fressen mir sicherlich alle Politiker aus der Hand, wenn ich sie füttern würde wollen. Und manche sehen ja ziemlich verfressen drein. Ich nenne keine Namen, nein, nein. Und den Circle/Kreis will ich auch nicht schließen. Google+ hin oder her.

Übrigens, mit diesem Fehlbetrag könnte man jedem US-Bürger rund 8000 US Dollar auszahlen. Und wer sagt mir jetzt, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen nicht finanzierbar ist?

Spanische Revolution, Arbeit die frei macht und andere Slogans

Gute Zusammenfassung in der HAZ über die spanischen Bewegung.

Prügelnde Sicherheitskräfte, die eine nicht genehmigte Demonstration auflösen, gab es schon immer. Das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass man diese Bilder im Web sehen kann. In den Mainstream-Medien bekommt man diese Bilder nur in speziellen Fällen zu Gesicht. Das hat Gründe. Zum Beispiel werden sie dann gezeigt, wenn es um ein gottloses, verruchtes Regime geht, deren Diktator Blut sehen möchte. Dass sich das Regime weigerte, US-Kredite anzunehmen (IMF, the rape club, you know?) und sich dadurch nicht bis in alle Ewigkeit von den westlichen Staatsmächten abhängig machen wollte, wird zumeist unter den Teppich gekehrt. Man möchte die Medien-Konsumenten ja nicht verwirren, heißt es dann lapidar.

Wenn wir uns also „Nachrichten-Sendungen“ im TV ansehen, dann gibt es immer einen Kontext, immer eine Psychologie. Eine objektive Sicht auf die Dinge gibt es nicht. Weil es immer eine Vergangenheit gibt, die in die Gegenwart hineinspielt. Gewiss, diese Vergangenheit mag nicht mehr im Kopf des Betrachters präsent sein, aber sie ist wesentlich, um das gegenwärtige Geschehen zu verstehen.

Die Spanische Revolution, wenn es denn eine ist, wird alsbald sang- und klanglos verklingen. Weil es kein Momentum geben kann. Gewiss, die jungen Bürger sind wütend und wollen sich Gehör verschaffen. Die „Jugend“-Arbeitslosigkeit in Spanien dürfte bald 40 % erreichen. Das ist enorm. Und zeigt, dass das System nicht funktioniert, nicht funktionieren kann, wenn man es nicht zum Funktionieren bringt. Aber keines an der Macht befindliche Regime will eine gravierende Veränderung des Status Quo. Die Angst, dadurch eine Lawine an Forderungen und Wünschen auszulösen, ist zu groß. Kleine und unbedeutende Zugeständnisse machen heißt die Devise. Nicht mehr. Versprechen dürfen natürlich gegeben werden, weil sie nicht gehalten werden müssen und sich in ein paar Monaten sowieso keiner mehr daran erinnern wird können. Das kollektive Gedächtnis des Menschen ist recht brüchig.

Wenn man eine Revolution zu einem Erfolg führen will, braucht es ein Ziel, das in einer kurzen Parole zusammengefasst werden kann. Seitenlange Abhandlungen sind zwar demokratisch und aufgeklärt, führen aber zumeist nur zu einem Schulterzucken. Wenn eine demokratische Bewegung etwas erreichen möchte, muss sie sich an der Werbung orientieren. Sie zeigt, wie die Chose heutzutage läuft: kurze prägnante Sätze, die mit Emotion unterlegt sind. Heutzutage verkauft man keine Gegenstände mehr, sondern Emotionen. Sogar ein Flasche Mineralwasser wird mit Sex emotionalisiert. Und wenn man eine Flasche Mineralwasser vögeln kann, dann kann man das auch mit demokratischen Forderungen, oder? Eben.

In Wien gab und gibt es die Uni brennt Bewegung, die sich gegen Sparmaßnahmen im Bildungsbereich ausspricht. StudentInnen haben sich im Audimax versammelt und diesen besetzt gehalten. Ich war sogar mal dort und habe mir das angesehen. Innerhalb einer Stunde wurde mir klar, dass eine basisdemokratische Bewegung keine Gefahr für ein autoritär geführtes Regime darstellen kann. Nimmst du nämlich zehn Demonstranten bekommst du zehn verschiedene Forderungen zu hören (die natürlich ähnlich klingen, aber für Außenstehende trotzdem unterschiedlich wahrgenommen werden). Es ist somit ein leichtes, sie gegeneinander auszuspielen.

Was demokratische Bewegungen brauchen sind die besten Werbefachleute, Grafiker, Designer und Konzeptionisten. Dann braucht es Musiker, Models und Moneten. Schwuppdiwupp, schon bekommt eine Bewegung mehr Aufmerksamkeit als wenn frustrierte Bürger hundert Plätze besetzt halten. Desweiteren braucht es Juristen, die die Gesetzeslage in- und auswendig kennen. Wer das Gesetz auf seiner Seite hat, kann sich keines Verbrechens schuldig machen, oder? Sodann braucht es einen charismatischen Führer, der eine Bewegung in Bewegung hält. Ach so, ja, damit haben wir in Österreich und Deutschland so unsere Probleme. Die Vergangenheit strahlt noch immer in die Gegenwart aus. Aber ohne Führung versandet jede Bewegung. In einem Unternehmen wird eine autoritäre Führungsstruktur nie in Frage gestellt. Interessant, nicht? Die freie Marktwirtschaft klingt nach Freiheit, in Wirklichkeit schafft es aber die gröbsten Abhängigkeiten – die der aufgeklärte Bürger nicht nur erduldet, sondern sogar gutheißt oder als gottgegeben ansieht. So weit haben wir es dahingehend gebracht.

Gut. Wollen wir zu einem Ende kommen.

Was bringt es also, auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren, einen Platz zu besetzen, ohne einer knackigen Forderung? De facto nichts. Auch wenn heute eine Million Österreicher am Stephansplatz gegen die hohe Arbeitslosigkeit und Inflation demonstrieren würden, was könnte das Regime, pardon, die Regierung schon ändern? Man würde Versprechungen machen und den guten Willen zeigen. Und dann gehen die Demonstranten nach Hause und die Welt dreht sich weiter und nichts hat sich verändert. Tja. Anders wäre es, wenn man eine Forderung zur Hand hätte, die umgesetzt und deren Umsetzung auch kontrolliert werden kann. Ich hätte einen Vorschlag.

Das Bedingungslose Grundeinkommen. Voilà. Damit lösen wir zum Beispiel sofort die Jugendarbeitslosigkeit und die Angst vor Arbeits-Migranten aus dem europäischen Ostraum (Ausländerfeindlichkeit ist m.E. vorwiegend der Existenz-Angst zuzuschreiben). Falls jemand einwirft, dass wir uns ein Grundeinkommen für alle nicht leisten können, so ist mir das herzlich egal. Wenn US-Präsidenten Kriege anzetteln, die auch keiner bezahlen kann, stellt das niemand in Frage. Scheinbar sind wir Bürger dermaßen auf negative Destruktion fixiert, dass wir eine positive Konstruktion gar nicht mehr ins Hirn bekommen. Und dass rund 1 % der Superreichen beinahe 50 % des gesamten Vermögens auf diesem Planeten besitzen, nun, da könnte man als guter aufgeklärter Demokrat die Frage stellen, ob diese Gruppe denn nicht so freundlich wäre, ihren Kuchen mit uns zu teilen?

Ach ja. Das zweite Totschlag-Argument dürfen wir freilich auch nicht vergessen: Wer würde dann überhaupt noch arbeiten, falls jeder ein Grundeinkommen erhält? Wenn wir also davon ausgehen, dass der Mensch ein faules Aas ist, dass dieser jede Tätigkeit vermeidet und sich nur auf seinem dummen fetten Hintern breitmachen möchte, nun, dann würde ich vorschlagen, wir sehen die Demokratie als gescheitert an und installieren ein faschistisches Regime, das jeden zum Arbeiten zwingt (Slogan: „Arbeit macht frei“). Entweder oder. Dazwischen gibt es nichts.