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Als die Kinderlogik an die Macht kam, anno 2020 #Covid19 #BLM #Climatechange

Ach, Kinder können wahrlich die allersüßesten Gedanken hegen, wenn sie mit einem Problem konfrontiert werden. Wir kennen diese kindlichen Lösungsansätze, haben sie ja selbst vor den Erwachsenen stolz hinausposaunt – nur um von diesen aufgeklärt und belehrt zu werden, dass die Welt nicht so simpel ist, wie wir sie uns vorstellen. Trotzig beharrten wir auf unseren Standpunkt, führten den Ansatz weiter aus und wurden nach einer Weile mit strengem Blick ins Kinderzimmer geschickt. Dort ballten wir die Faust und sagten leise, wenn wir einmal groß sind, dann werden wir alle Probleme der Welt lösen. Es ist ja so einfach.

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Der Zermürbungskrieg der Mainstream-Medien, anno 2017

Profil_ISIS
Ja, da kann man schon Kopfschmerzen bekommen. Aua.

Im „unabhängigen“ Wochenmagazin Österreichs, dem Profil, stolperte ich über einen Artikel bezüglich Gegenwart und Zukunft der Terrormiliz Islamischer Staat, kurz IS oder ISIS oder ISIL oder weiß der Teufel, welche Namen da immer wieder genannt werden. Da nun die irakische Stadt Mossul vom IS und dem „Führer aller Gläubigen“ Al-Baghdadi befreit ist, stellt sich nun die Profil-Redaktion die Frage, wie es wohl mit der Terrormiliz weitergehen würde. Dazu wird natürlich ein Experte eingeladen, der auf die üblichen Fragen die üblichen Antworten gibt. Nichts Neues unter der Sonne, mit Ausnahme vielleicht, dass der OSZE-Beauftragte die Integration von Muslimen in der westlichen Gesellschaft sowie die Beseitigung rechtsfreier Räume (kurz „No-Go-Zonen“) in den Vordergrund der „Terrorbekämpfung“ rücken möchte. Aha. Wer hätte das gedacht? Da frage ich mich leise, ob diese Problemstellen nicht schon längst hätten zur Sprache gebracht werden müssen. Damals, in den 1970ern, als die Industrie nach (billigen) Mitarbeitern dürstete, um damit die Gewerkschaften unter Druck setzen zu können. Heutzutage ist es ja nicht anders, gerade im boomenden Deutschland, auch dort verlangt die Industrie billige(re) Arbeitskräfte, um bei der globalisierten Lohnsklaverei nicht den Anschluss zu verlieren. Die Nebenkosten dieser Wirtschafts- und Willkommensstrategie – seien sie finanziell, seien sie kulturell – dürfen die Bürger stemmen. Natürlich. Das ist ja die Essenz des neoliberalen Kapitalismus: Profite werden privatisiert, Verluste verstaatlicht. Nur damit das klar ist.

Zurück zur Terrormiliz. Für mich unbegreiflich, wie Journalisten und Redakteure ihre Gehirne ausschalten, wenn es darum geht, bunte Fabeln sachlich und nüchtern zwischen die Seiten zu kleistern. Da wäre ich gerne mal bei einer redaktionellen Sitzung dabei. Gibt es da Alkohol? Lassen sich die klugen Leute volllaufen, bevor sie sich an die „Schreibmaschine“ setzen und die Agenturmeldungen ohne Sinn und Verstand, sozusagen ungeprüft, aufs virtuelle Papier tippen? Oder sind diese erfahrenen Journos so abgebrüht, dass sie mit einem zynischen Achselzucken über alle Merkwürdigkeiten einer Story hinwegsehen? Gut möglich, dass sie sich gegenseitig anerkennend auf die Schulter klopfen, wenn sie wieder einmal ihre Seiten mit hochtrabendem Blabla gefüllt haben. Oder schmeißen gar ne Party. Yeah.

Der Mainstream verliert an Glaubwürdigkeit. Im Besonderen bei der jüngeren Generation, die sich im Internet schlau macht. Das ist den Mächtigen ein Dorn im Auge. Viel Geld wird in die Hand genommen, um einerseits neue Gesetze zu verlangen, die das Internet reglementieren (kurz: zensurieren) sollen, andererseits um alternative Info-Seiten zu kaufen bzw. zu infiltrieren bzw. zu diskreditieren. Es ist ein Zermürbungskrieg, der da in aller Heimlichkeit abläuft. Die Cabal, die Mächtigen, sie wissen, dass sie mit ihrer gefüllten Kriegskasse Politiker korrumpieren und unangenehme Wahrheitssucher mit 30 Silberlingen auf den Pfad der Verdunkelung bringen können. Vor allem ist es ein Kampf um die Gehirne der Kinder und Jugendlichen. Dabei ist die Konditionierung und Formung ganzer Generationen in Kindergärten, Schulen und Universitäten eine längst gut eingespielte, gut funktionierende Strategie – nur das noch in den Kinderschuhen stehende Internet (zusammen mit dem Smartphone) verhindert die totale Auslöschung der eigenen Vernunft.

George Orwell hat es in seinem Buch 1984 längst vorweggenommen, wie die Zukunft der Menschheit aussehen wird. Das hat nichts mit dem „Überwachungsstaat“ oder dergleichen zu tun. Vielmehr geht es darum, dass die Partei, die Mächtigen, in der Lage sind, den Verstand des Menschen zu manipulieren, ohne dass der Mensch es bemerken würde, kurz Doublethink. So wird „2+2=5“, wenn es die Partei wünscht und niemand, der den Fehler bemerken würde. Nicht unähnlich verhält es sich ja mit der offiziellen Version von 9/11, die klar ersichtlich die Gesetze der Physik negiert und niemand in der breiten Masse und dem Mainstream, dem es auffallen und zur Sprache bringen würde.

So. Und jetzt stellen Sie sich vor, ein religiöser Anführer würde mit einer kleinen Schar getreuer Kämpfer in Wien „einmarschieren“ und auf der Kanzel im Stephansdom das Kalifat ausrufen. Drei Jahre lang wird Wien von diesem Anführer und seinen Getreuen, die gerne auf offenen Pritschenwagen durch die Gegend fahren, beherrscht. Erst als die ganze Stadt sowie der Stephansdom in Schutt und Trümmer liegt, gelingt es den Militärs die Gotteskrieger zu besiegen. Man muss jetzt nicht viel vom Kriegshandwerk verstehen, da reicht der gesunde Menschenverstand vollkommen aus, dass diese ganze Geschichte einfach nur zum Himmel stinkt und so nicht stimmen kann. Würde sie stimmen, müssten sich die Regierungsverantwortlichen im Westen in die Hosen machen, aus Angst, dass ein paar Gotteskrieger gleich mal ne Stadt besetzen.

Die Lösung dieses Puzzles ist ganz einfach. Hier geht es nicht um ein paar Gotteskrieger, sondern um ein gut ausgebildetes und bestens ausgerüstetes Söldnerheer, das mit Hilfe des Pentagons (Black Ops / geheime illegale Operationen) auch Luftunterstützung genießt und vom Himmel versorgt werden kann. Der „Anführer“ Bagdhadi ist nur ein Schauspieler, der als böser Junge herhalten soll (Osama bin Laden 2.0), während im Hintergrund die Militärs ordentliche Schlachten abliefern, in Divisionsstärke (etwa 10.000 Mann), inklusive mechanisierter Einheiten, wie Panzer, Schützenwagen, Artillerie, usw. Siehe Aleppo.

Ein paar Fanatiker, in schwarzen (!)* Tüchern gekleidet, die mit ihren Kalaschnikows auf japanischen Pritschenwagen quer durch die Wüste fahren, sollen wirklich eine Gefahr für das Militär darstellen? Glauben Sie das jetzt wirklich? Diese Bilder sind nur für die gutgläubigen TV-Zuschauer gemacht. Die tatsächliche internationale Streitmacht wird nicht gezeigt. Zu professionell. Zu gut ausgerüstet. Zu gut angeleitet. Nope. Da könnte vielleicht jemand hellhörig werden. Das wollen die Mächtigen nicht. Verstehen Sie jetzt wie das Spiel gespielt wird?

Da Präsident Donald Trump nun endlich die finanzielle Unterstützung der „Rebellen“ in Syrien (und damit auch jene im Irak), die Obama eingefädelt hatte, aufkündigt, ist die Sache gegessen. Söldner kämpfen nun mal nicht für Luft und Liebe oder dem wahren und einzigen Gott, die wollen Dollars sehen. Kein Geld, kein Krieg. So einfach ist das. Mal schauen, was dem Deep State so einfällt, um wieder Öl ins Feuer zu gießen. Chaos und globale Konflikte sind deren Elixier und die Mainstreamleute klatschen dazu begeistert in die Hände. Vermutlich völlig besoffen.

*) Die erste Regel des Kriegshandwerks heißt, vom Feind nicht gesehen zu werden. Zu Beginn des 1. Weltkriegs merkten die französischen Infanteriesoldaten ziemlich schnell, dass es gar keine gute Idee war, mit roten Hosen in die Schlacht zu ziehen.

Am Faschingsdienstag rauben wir Goldtransborte aus!

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Als ich etwa dreizehn Lenze zählte, entdeckte ich für mich das Schreiben. Das Heft, in welches ich mit Bleistift meine actiongeladenen Storys kritzelte, sind noch in meinem Besitz. Schauderhaft, was sich da in meinem jungen Gehirn so an Phantasien ausgetobt haben dürften. Aber damals war die Welt eines „schießwütigen“ Jungen – im Gegensatz zur Rechtschreibung – noch in Ordnung. Und eine Staatsgrenze war im Kalten Krieg tatsächlich noch eine – mit Kontrollen hüben wie drüben – inklusive der kindlichen Angst, von den Ost-Soldaten mit Waffengewalt am Zurück, in heimatliche Gefilde, gehindert zu werden.

Heute ist Faschingsdienstag. Haben Sie’s bemerkt? In Österreich, besser in Wien, hat das närrische Treiben ja kaum Zulauf – im Gegensatz zu unserem germanischen Nachbar. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Wiener das ganze Jahr über die Ernsthaftigkeit des Lebens mit Schmäh und Gemütlichkeit begegnen. Ein Glaserl Wein schadet freilich auch nicht. Wie sich dieser Wiener Schlendrian in Zukunft darstellt, wird sich zeigen. Die Zeit heilt nämlich nicht nur alle Wunden, sie hobelt am Ende alle gleich. Wobei, nein, alle geschlagenen Wunden heilt die Zeit nicht. Vor allem dann nicht, wenn der Geschlagene seinen Vorteil aus der damaligen Tätlichkeit zieht. Die Bezeichnung „Du Opfer!“ wird aber paradoxerweise im Jugend-Slang in einem herabwürdigenden Sinne gebraucht. Gut möglich, dass die jungen Leute von heute kein Geschichtsbewusstsein mehr haben. O tempora, o mores.

Übrigens bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der sich mit einem Urheberrechtsstreit auseinandersetzt, bezüglich des publizierten Tagebuchs einer gewissen Anne Frank. Da das Mädchen 1945 verschieden und damit seit 70 Jahren tot ist, sind dessen Publikationen nun gemeinfrei. Doch der Schweizer Anne-Frank-Fonds, der bis dato die Verlagsrechte inne hat, will davon nichts wissen, da Otto Frank „Stellen gestrichen und den Text aus zwei Versionen seiner Tochter erstellt“ hätte und somit quasi der eigentliche Urheber des Tagebuchs wäre. Da Otto Frank erst 1980 aus dem Leben schied, würde demnach das Urheberrecht noch nicht erloschen sein. Aha. Das erklärt natürlich einiges – denn, der Vergleich macht Sie sicher! Stöbern Sie doch mal auf dem Dachboden oder im Keller nach ihrem Kindergeschreibsel – Sie werden peinlich berührt das Kapitel schließen wollen. Zur Veröffentlichung taugen nämlich all diese rohen und kruden Kindergedanken nicht. Es bedarf einer Überarbeitung – aber ich wüsste noch von keinem Fall, dass ein Verlag den Lektor kurzerhand als „Urheber“ bestimmt hätte. Also, wirklich! Interessant wäre jetzt freilich herauszufinden, wie das Originalwerk in seiner Ursprungsform ausgesehen hat. Immerhin wird einen das Buch ja als eine „authentische Schilderung“ der damaligen Jahre verkauft. Hoffen wir mal nicht, dass das gutgläubige Publikum hier kosinskiert bzw. wilkomirskiert wurde.

Und sollte der Fasching einmal abgeschafft werden – lange kann es nicht mehr dauern – tja, dann gibt es wohl überhaupt keine Möglichkeit mehr, Narrenkappe hin oder her, dem König die Wahrheit zu schellen!

Vae victis.

 

 

 

Eine kurze Parabel über das Wählen und wie der Wähler bedrängt wird

Ich möchte Ihnen eine kurze Parabel über das Wählen erzählen und wie Sie in eine bestimmte Richtung gedrängt werden. Das hypothetische Gedankenspiel sieht so aus, dass Sie mit Ihrer jungen Cousine und deren Freundin, eine Austauschstudentin aus einem fernen Land, einen Waldspaziergang unternehmen. Da geschieht es. Ein schreckliches Ereignis. Sie werden nun vor folgende Wahl gestellt:

Wählen Sie!
Die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Paradies in ferner Zukunft beeinflusst Ihre Entscheidung genauso wie die Angst vor der gegenwärtigen Schelte, wenn Sie diese Hoffnung anzweifeln.

Sie können Ihre Cousine (A) retten. Sie können die Freundin Ihrer Cousine (B) retten. Sie können versuchen, beide zu retten, was entweder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % beide rettet (AB) oder niemanden (Null). Sie haben nun die Wahl.

Der springende Punkt ist dabei gar nicht so sehr das Ergebnis als die Wahl, die Sie treffen. Würden Sie für Option A plädieren – immerhin ist es Ihre Cousine – könnte man Sie der Herzlosigkeit, Egozentriertheit und Ausländerfeindlichkeit beschuldigen. Weil Sie aber annehmen können, dass Sie dieser Vorwürfe ausgesetzt werden –  Mainstream und Social Media sind voll davon -, wählen Sie Option AB und sind somit auf der „sicheren Seite“. Aber es ist die Zukunft, die zeigen wird, ob die Gesellschaft alles gewinnt oder alles verliert. Faites vos jeux – machen Sie Ihr Spiel.

Das Problem mit der kindlichen Kreativität und dem sozialen Verhalten der Bürger – zwölf Tage vor Weihnachten

Ich saß mit der kleinen L. und ihren Eltern bei Tisch. Sie malte in einem Buch recht bunt einen Weihnachtsmann aus. Plötzlich hob die kleine L. den Kopf und fragte: »Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?«

Interessant, dachte ich mir, dass dieses kleine Mädchen bereits einen Unterschied macht, zwischen wirklich und unwirklich, zwischen echt und unecht. Es beeindruckt mich immer wieder, wie Kinder die verquersten Schlüsse ziehen, mit Warum-Fragen die Erwachsenen in den Wahnsinn treiben und trotzig darauf bestehen, dass sie recht haben. Irgendwann, vermutlich mit dem Kindergarten und der Volksschule beginnend, werden den Kindern die kreativen Gedankengänge ausgetrieben und sie zu biederen, braven und bequemen jungen Bürgern geformt. Hinterfrage das Bestehende nicht. Hinterfrage die Obrigkeit nicht. Gib eine Ruhe. Quäle nicht jene, die wissen, was für dich das Beste ist. Was du sonst anstellst, ist uns egal – so lange du in erster Linie durch Konsum deine Individualität auslebst. Wenn der junge Bürger dann zum ersten Mal zur Wahlurne schreiten darf, ist sein Hirn nur noch Matsch und beliebigst manipulierbar.

Natürlich klingt das wieder für viele aufrechte Bürger und nachdenkliche Eltern nach der üblichen Schwarzmalerei. Gut. Zugegeben, es gibt Lichtblicke da und dort. Es gibt Ausnahmen der Regel. Und nein, ich habe keine Kinder. Aber ein starkes Indiz wäre da Sir Ken Robinson, der sich eingehend mit der Kinder-Schule-Kreativitäts-Problematik beschäftigt – am besten man hört sich seinen TED-Vortrag an. Er ist witzig und lehrreich und es gibt Untertitel und ein Transcript in deutsch.

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber, dass wer nicht bereit ist einen Fehler zu machen nie etwas wirklich Originelles schaffen wird. Wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Und wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. Und, nebenbei, wir machen das in Firmen genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Und das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten weg-unterrichten. Picasso hat mal gesagt: Alle Kinder werden als Künstler geboren. Das Problem ist ein Künstler zu bleiben während man aufwächst. Ich bin nun überzeugt, dass wir nicht in die Kreativität hinein wachsen sondern aus ihr heraus. Oder wir werden vielmehr heraus-unterrichtet. Warum also ist das so?

TED Feb 2006: Ken Robinson says schools kill creativity (link)

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Ein zweites Indiz ist in einem Artikel des britischen Psychologen Theodore Dalrymple (sein Schriftsteller-Name) im Wall Street Journal zu finden. Dalrymple beschreibt darin die Auswüchse jugendlicher »Scheißegal«-Mentalität in  Großbritannien und wie das soziale Umfeld bzw. die Umwelt leidet. Auch ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, dass Schmutz und Abfall auf den Straßen ein Zeichen von antisozialem Verhalten sind. Ich glaube mich zu erinnern, dass es vor dreißig Jahren noch undenkbar gewesen wäre, dass ein junger Halbstarker eine Zeitung im hohen Bogen von sich geworfen hätte. Hätte er es getan, die Wahrscheinlichkeit wäre groß gewesen, dass ihn jemand an den Ohren gezogen und gezischt hätte, er solle das aufheben, sonst setzt es was. Ich möchte keine Diskussion über das Ziehen von Grenzen für Kinder und Jugendliche lostreten, ich möchte nur auf den Fakt hinweisen, dass es eine breite Masse an Kinder und Jugendlichen gibt, die sich, pardon, einen Scheißdreck um ihre Umwelt kümmern. Vermutlich wäre mir als Kind die Umwelt auch piepegal gewesen, aber ich wusste, was ich tun durfte und was nicht. Freilich, das hinderte mich nicht daran, mit meinem Freund einen älteren Herren eine Weile zu piesacken oder ein paar Münzen aus der Familienschatulle zu stibitzen.

Vor wenigen Tagen, an einer überfüllten Busstation in Nottingham, begann ein dicker Junge, der um die 13 alt Jahre war, einen Freund mit Essen zu bewerfen. Einiges hätte mich beinahe getroffen und landete am Boden, direkt vor mir, und machte Müll.

»Entschuldige«, sagte ich zu dem Jungen, »könntest du das aufheben?«

»Halte das verdammte Maul! [Shut the f*** up!]«, schnauzte er mit einem wirklich hasserfüllten Gesicht zurück.

Aus den Mündern von den Kleinsten und Säuglingen, in England, kommen Obszönitäten. Keiner an der Busstation traute sich etwas zu sagen, noch weniger, etwas zu tun. Mehr noch, die Engländer sind ein Volk, das weder innere noch äußere Zurückhaltung kennt. Sie werden aggressiv, wenn nicht sogar gewalttätig, in dem Moment, in dem ihnen Einhalt geboten wird, und sogar dann, wenn es nur um Trivialitäten geht. Und jene, die weder aggressiv noch gewalttätig sind, können in keinem Fall sicher sein, dass das Gesetz auf ihrer Seit ist, falls es zu einer Reiberei kommt. Es ist demnach besser, oder einfacher, für sie, erst gar nichts zu bemerken, auch wenn es bedeutet, in ständiger Angst zu leben.

Theodore Dalrymple: The Ugly Brutishness of Modern Britain [link]
A demotic egalitariansim, allied with multiculturalism, has rendered civility passé.
[meine Übersetzung]

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Als drittes Indiz sehe ich den erbärmlichen Zustand kreativer Menschen in einem freien Markt, der ihnen jede besonders motivierende Entfaltungsmöglichkeit nimmt und sie in ein brutales Hamsterrad zwingt. Ein gutes Beispiel ist der Beitrag einer freien ORF-Mitarbeiterin, die völlig kaputt und ausgebrannt ist, weil sie für ihre kreative Radio-Tätigkeit nur einen Hungerlohn erhält – im Vergleich dazu würde eine Anstellung bei einer österreichischen Diskonter-Kette (25 Stunden) einträglicher sein. Auf diese Weise wird jedem Jugendlichen klar vor Augen geführt, dass es gar keinen Sinn macht, überhaupt kreativ und wissenshungrig zu bleiben, weil es am Ende doch nicht fürs Leben reichen wird. Besser er mutiert zu einem Konsum-Zombie und tut, was von anderen verlangt wird.

Ich möchte einfach nur arbeiten, denn ich liebe diesen Job. Ich will nichts werden, ich habe keine Ambitionen auf irgendeine Position. Nichts würde mich unglücklicher machen als ein fantastisch bezahlter Verwaltungsposten, der bedeute»n würde, dass ich weg wäre von den Menschen, von den direkten Gesprächen mit Betroffenen, vom journalistischen Tagesgeschäft. Da unterscheide ich mich nicht von meinen Mitstreitern und zahlreichen Mitstreiterinnen. Aber ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Sehr müde. Ich kann die Floskeln und die leeren Versprechungen nicht mehr hören. Ebenso wenig wie die Vorwürfe der Verantwortlichen, die uns erst wahr- und ernst genommen haben durch die mediale Berichterstattung, wir würden das Unternehmen schädigen durch unseren öffentlichen Protest. Ich glaube, Sie werden nirgends hingebungsvollere und idealistischere ORF MitarbeiterInnen finden als unter den Freien Ö1- FM4- und TV-Kultur MitarbeiterInnen. Niemand von uns will den ORF schlecht machen. Aber es ist schwierig, ein Unternehmen zu loben, das einen nicht wertschätzt, obwohl man wertvolle Arbeit leistet. Auf Kosten der eigenen Gesundheit, des Privatlebens und der Existenz.

Barbara Kaumfann: Protestmüde [link]

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Im Moment arbeite ich wie ein Berserker an Con$piracy. Plötzlich beginnen die Teile, die zuvor ein wenig unzusammenhängend in der Luft hingen, ineinanderzugreifen. Ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass ich am richtigen Weg bin. Aber zwei Drittel der Überarbeitung liegen noch vor mir. Warum ich mir das antue? Weil ich glaube, dass jeder das Recht hat, zu wissen, was in der Welt vor sich geht. Das Buch ist freilich nicht der Stein der Weisen. Will es auch gar nicht sein. Ich möchte dem Interessierten einfach nur neugierig und gleichzeitig skeptisch machen. Der Bürger muss sich wieder seiner Möglichkeiten bewusst werden. Er muss sich bewusst werden, dass er selbst Teil einer Gemeinschaft ist. Es gab Zeiten, viele viele Jahre ist es her, da hat der Bürger in einer Stadt an den Regeln und Gesetzen mitbestimmt. Das hatte freilich seinen Preis. Wurde die Stadt angegriffen, musste er zu den Waffen greifen und diese verteidigen. Aber seien wir ehrlich: Würden wir nicht alle liebend gerne etwas verteidigen, das uns am Herzen liegt?