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Eine restaurierte Fassung: Der dritte Mann

Denk daran, was Mussolini gesagt hat: In den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michaelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe. 500 Jahre Demokratie und Frieden. Was haben wir davon? Die Kuckucksuhr.

[Deutsche Synchronfassung]: You know what the fellow said: in Italy for thirty years under the Borgias they had warfare, terror, murder, bloodshed — and they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland they had brotherly love, five hundred years of democracy and peace. And what did that produce? The cuckoo clock.
Harry Lime
Text von Orson Welles

Falls Sie den Filmklassiker noch nicht gesehen haben, voilà, es gibt nun eine restaurierte Fassung von RealtoPictures im 4K-Format. Wann diese Fassung, die im Moment auf US-Tour ist, auf eine Scheibe gepresst wird, steht in den Sternen. Freilich, Sie können bis dahin stilgerecht ins Wiener Burgkino gehen, um Orson Welles im Abwasserkanal plantschen zu sehen. Und danach müssen Sie sich natürlich meine im Taschenbuchformat gehaltene humoristische Hommage Schwarzkopf zu Gemüte führen. Sie werden viel zu lachen und das eine oder andere Aha-Erlebnis haben. Garantiert.

Übrigens, im Sommer 1948 dürfte das ausgebombte Wien wieder zur Normalität zurückgefunden haben. Beeindruckende Leistung, nicht wahr?

Greene returned to Vienna with Reed in July 1948 to begin scouting locations, and was disappointed to learn that much of the city’s rubble had been cleaned away and that life was gradually returning to normal.

Filmbesprechung: Die Frau in Gold oder Es ist nicht alles Gold was glänzt

Ich würde gerne über den Inhalt des Films The Woman in Gold (Die Frau in Gold) plaudern, über diese und jene Einzelheiten und doch leben wir in einer Epoche, in der es für einen deutschsprachigen Mitteleuropäer gefährlich sein kann, über vergangene Ereignisse frank und frei zu sinnieren. Während es Hollywood-Produzenten erlaubt ist, eine bestimmte Sicht auf die Dinge filmisch umzusetzen, ist es unsereins verboten, die Grenzen des vernürnbergerischten Faktischen zu übertreten. Wir haben uns zu fügen. Punktum.

Wie dem auch sei. Der Inhalt des Filmes sei kurz umrissen. Hier der imdb-Eintrag:

Maria Altmann, gespielt von Helen Mirren, eine achtzigjährige jüdische Exilantin, legt sich mit der Österreichischen Regierung an, um Kunstwerke zurückzubekommen, die rechtmäßig ihrer Familie gehören. [meine Übersetzung: Maria Altmann, an octogenarian Jewish refugee, takes on the Austrian government to recover artwork she believes rightfully belongs to her family.]

Wie wir wissen, wurde schlussendlich das berühmteste Gustav Klimt Gemälde „Die Frau in Gold“ oder „Adele Bloch-Bauer I“ restituiert und hängt nun nicht mehr im Wiener Belvedere, sondern in der Neue Galerie in New York City. Erworben wurde es für schlappe 135 Millionen Dollar von Milliardär Ronald Lauder, der in den 1980er Jahren amerikanischer Botschafter in Österreich war und laut Wiki seit 2007 Präsident des Jüdischen Weltkongresses ist.

Der Film zeigt in Rückblenden die wohlbehütete Wiener Kindheit Maria Altmanns in den 1920ern Jahren (Weltwirtschaftskrise!) als auch das turbulente Jahr 1938 (Heldenplatz!). Dabei ist mir eine Szene im Gedächtnis hängen geblieben: Im Hause der Familie klopfen die „Nazi-Schergen“ an die Tür. Ihnen wird geöffnet. Sie dringen „herrenmenschlich“ in die Zimmer ein. Man teilt dem Vater von Maria Altmann mit, dass sein Bruder sich in die Schweiz abgesetzt und eine Steuerschuld von einer Million Reichsmark nicht beglichen hätte. Deshalb müsse man sich nun an das Inventar der Familie halten. Worauf die junge Maria Altmann den Beamten entgegenschleudert: „Mein Onkel ist ein ehrlicher Mensch!“

Für mich stellt sich die Frage, warum die Drehbuchautoren diese Szene in den Film schrieben. Natürlich geht der aufgeklärte Zuseher davon aus, dass diese Vorwürfe nicht stimmen und es nur ein Vorwand der Schergen ist, um Kunstgegenstände zu rauben. Und doch verfängt man sich in eine Spur Skepsis. Weil, wie oft kam und kommt Steuerflucht vor? Wie oft lesen wir, von Unternehmer, die sich abgesetzt hatten und einen Schuldenberg hinterließen? Man stelle sich vor, natürlich nur unter vorgehaltener Hand, dass es tatsächlich eine Steuerschuld gegeben hätte. Dann wäre der „Raub“ mehr eine Konfiskation vulgo Pfändung gewesen. Eine Pfändung, wie wir wissen, wird nicht als Diebstahl betrachtet. Wie gesagt, diese offene Steuerschuld kann auch nur ein Vorwand gewesen sein – aber ließe sich das nicht überprüfen? Zwar wurden die Behörden 1938 „nazifiziert“, aber die Unterlagen waren eine rein österreichische Angelegenheit.

Sehen Sie, der Film zeigt eine Seite der Medaille. Das ist völlig in Ordnung. Aber die andere Seite, tja, die erfahren wir nicht. Wäre es nicht auch spannend zu sehen, wie das bürokratische „Nazi“-Räderwerk gearbeitet hat. In Büchern und Filmen machen es sich die Drehbuchautoren und Regisseure immer so einfach. Da ein böser Scherge, dort ein Beamter, der den lebenswichtigen Stempel verweigert. Aber bedenken wir, dass wir es hier mit einer kafkaesken Bürokratie zu tun hatten. Niemand, der sich damals getraut hätte, eigenmächtig zu handeln. Alles musste nach genau festgelegten Regeln abgewickelt werden. Die damaligen Ausreisebestimmungen werden als Schikane dargestellt und doch hatte und hat jedes Land ganz genaue Bestimmungen in Bezug auf die Ausreise mit Sachwerten und Devisen.

Auf der Webseite historyvshollywood.com können wir die Fakten des Geschichte von Maria Altmann nachlesen. Beispielsweise heißt es da:

Marias Ehemann wurde von den Nazis verhaftet und im Konzentrationslager Dachau für beinahe zwei Monate festgehalten, um seinen Bruder Bernhard, dem bereits die Flucht nach Frankreich gelungen war, zu zwingen, seine gewinnbringende Berhard Altmann Textilfabrik an die deutschen Behörden zu übergeben. „Als mein Schwager die Fabrik den deutschen Behörden überantwortete“, sagte Maria Altmann, „hat man Fritz frei gelassen“. „Er wurde nach Hause gebracht, sein Kopf war rasiert, er sah schrecklich aus. Fritz wurde dann für drei Monate unter Hausarrest gestellt, weil die Nazis nur dann bereit waren, ihn gehen zu lassen, wenn sein Bruder den letzten Penny herausrückte.“ [meine Übersetzung:] The movie omits events prior to this, when Maria’s husband Fritz was arrested by the Nazis and held at the Dachau concentration camp for nearly two months in order to force his brother Bernhard, who had already escaped to France, to transfer his prosperous Bernhard Altmann textile factory into German hands. „They released him when my brother-in-law signed over the factory to them,“ says Maria Altmann. „He was brought home, the head was shaved, he looked awful“ (The Lady in Gold Documentary). Fritz was then put on house arrest for three months up until his escape, because the Nazis were unwilling to let him go free until they had gotten every last penny out of his brother (SchoenBlog.com).

Und dann erfahren wir auch noch, dass Fritz bereits drei Mal versucht hatte, zu fliehen. Für mich ergibt all das keinen Sinn. Hätten die damaligen Behörden nicht die Macht gehabt, eine Fabrik einfach zu übernehmen? Wozu brauchte es Unterschriften und Verträge? Wozu all dieser Aufwand, mit dem Festhalten von Angehörigen und all diesen vermeintlichen Erpressungsversuchen? Und wie ist es erklärbar, dass Fritz Altmann drei Fluchtversuche unternehmen konnte, ohne dass die Behörden drastischere Maßnahmen ergriffen?

All das deutet darauf hin, dass, wie zuvor angedeutete, die damalige Bürokratie durch und durch deutsch war: das heißt obsessiv pedantisch, absolut hierarchisch und korrekt bis ins kleinste Detail. Willkür konnte deshalb kaum um sich greifen. Das bestätigt auch eine Fußnote auf Seite 21 in Alfred de Zayas Buch Völkermord als Staatsgeheimnis:

SS-Richter Georg Konrad Morgen hat während des Krieges Untersuchungen in etwa 800 Fällen durchgeführt und u.a. gegen die Lagerkommandanten in Buchenwald, Karl Otto Koch, und Lublin, Hermann Florstedt, ermittelt, die dann vor ein SS-Gericht kamen, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.

Starker Tobak, nicht? Der Film selbst ist pures Hollywood-Kino: Die üblichen melodramatischen Einlagen, der übliche Herz-Schmerz-Soundtrack und die übliche David-gegen-Goliath-Dramaturgie – garniert mit hübschen Wiener Sehenswürdigkeiten. Der Film ist handwerklich routiniert gemacht. Helen Mirren spielt Helen Mirren. Ryan Reynolds spielt Ryan Reynolds. Und Antje ist hübscher als Adele. Am Ende, wir wissen es genauso wie Gustav, dreht sich alles nur um das Eine. Gold.

Ein paar Gedanken zum Film Fifty Shades of Grey

Rot heißt Stopp!
Rot heißt Stopp!

Gestern also die Erotik-Romanze Fifty Shades of Grey (imdb) gesehen. Nachmittagsvorstellung. Die gesammelten Kritiken zeigen auf metacritic eine ausgeglichene Bilanz, mit anderen Worten: die einen mögen den Film, die anderen nicht. Punktum.

Das Buch von E. L. James habe ich gelesen. So gut wie. Nach etwa einem Drittel musste ich das Handtuch werfen. Die literarische Banalität raubte mir den schriftstellerischen Verstand – und man(n) muss sich fragen, wie es sein kann, dass sich dieser Text millionenfach verkaufte. Weltweit! Scheinbar gibt es in der Story einen (harten?) Kern, der auf Frauen eine große Faszination ausübt. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die romantische Literatür, überhaupt die Belletristik, ein Frauending ist. Wie dem auch sei, die Shades-Trilogie ist das neue Aschenputtel bzw. Cinderalla 2.0. Betrachtet man(n) also Buch und Film als Märchen, dann wird einem Vieles sofort verständlicher. Zum Beispiel: Der Prinz in einem Märchen ist immer ein begehrenswerter Charakter. Warum? Weil er über ein Königreich herrscht. Mit anderen Worten: Macht und Reichtum verschmelzen in einer Person. Kann frau dieser Mischung widerstehen? Definitiv nicht. Jedenfalls nicht in den alten un-emanzipierten Geschichten. Gut möglich, dass die Leutchen bereits damals in die Abgründe Beweggründe der weiblichen Seele blicken konnten.

Zurück zum Film. Selfmade-Milliardär Grey aka als Prinz hat ein dunkles Geheimnis. Ja, so ein hässlicher und dunkler Fluch gehört auch zu einem guten Märchen. Weil: Das Begehrenswerte wird einem/einer nicht auf dem Silbertablett serviert. Während also der Prinz mit seiner Verwünschung zu kämpfen hat, kämpft die um viele Jahre jüngere Anastasia aka als Aschenputtel darum, ihren sozialen Status zu verbessern – wenigstens für eine kurze Zeitspanne, um auf sich aufmerksam zu machen. Schließlich geht es ihr darum, das verwunschene Herz des Prinzen zu gewinnen, um auf diese Weise ihr Lebensziel zu erreichen: die rechtliche Vereinigung aka als Heirat. Der Prinz wiederum, er kann den Fluch nur dann lösen, wenn er jene Frau findet und ehelicht, die ihm ihr reines, jungfräuliches Herz schenkt – voll und ganz. Ja, so war das. So ist das.

Der prickelnde Aspekt der Shades-Trilogie ist natürlich die dunkle Seite des Milliardärs Grey. Kurz und gut: Er mag es nur hart! Zärtlichkeit, so sagt er Ana immer wieder, ist ihm fremd, damit könne er nichts anfangen. Berührungsängste sind es, die ihn förmlich dazu zwingen, seine Gespielinnen nach Strich und Faden auf Distanz zu halten. Und dann gäbe es da noch diese eine so verkommene sadistische dominante Lust. Grey verspürt den tiefen Drang seinen Gespielinnen Schmerz zufügen zu müssen.
„Warum möchtest du mir weh tun?“, fragt Ana naiv.
„Weil es mir Vergnügen bereitet“, antwortet Grey.
Damit ist eigentlich alles gesagt. Oder etwa nicht? Nope. Ana versteht es nicht. Trotzdem macht sie bei den sexuell-dominanten Eskapaden mit. Natürlich. Sonst gäb’s ja kein Buch, keinen Film darüber. Aber am Ende (des ersten Bandes), nach einer ordentlichen Tracht Popsch-Prügel hat sie genug von dem „komplett abgefuckten Dreckskerl“ und wirft den Bademantel das Handtuch: „Sieh zu, dass du deine Scheiße in den Griff kriegst, Grey!“ Natürlich. Sonst gäb’s ja keinen zweiten und dritten Band.

Die Erotik-Szenen im Film sind ästhetisch in Szene gesetzt und prickeln angenehm. Das ist ja die Hauptsache. Das romantische Klischee-Drumherum hält sich einigermaßen in Grenzen, aber oftmals ertappt man sich dann doch, die Augen zu rollen, ob dieser Plattitüden, die da gezeigt und gesprochen werden. Trotzdem, der Film ist um Längen besser als das (grottig geschriebene) Buch. Yep.

Was man dem Film bzw. der Regisseurin Sam Taylor-Johnson vorwerfen kann, ist die mangelnde Chemie zwischen den beiden Protagonisten. Ich habe mich öfters gefragt, was der gute Grey an dieser unscheinbaren Ana findet. Dass er sie zu erobern sucht, okay, dass er sie verführen möchte, okay, dass er ihr sein Spielzimmer zeigen will, okay, aber warum sollte er ihr mit Haut und Haaren verfallen? Dieses tiefe Verlangen konnte ich nicht ausmachen, nicht erspüren. Aber vielleicht tut sich da frau leichter.

Kurz und gut, der Film kann durchaus unterhalten, so man(n) die ganze Sache als märchenhafte Romanze auffasst. Die dominante Komponente wird mir im Film zu oberflächlich abgehandelt, andererseits ist es eine gute Gelegenheit, im Nachhinein, über die Sexualität in ihren verschiedensten Ausprägungen nachzudenken. Wer diesbezüglich den Hals nicht voll kriegen kann, den verweise ich auf meine autobiographische Fiktion Der Fetisch des Erik van der Rohe. Das Buch wird voraussichtlich im Frühjahr/Sommer erscheinen. Märchen ist es aber keines. Nope.

 

Fury oder ein Herz aus Stahl

Ja, die Sache mit dem copyright ...
Ja, die Sache mit dem copyright infringement und so … aber im Film ist ein echter Panzerkampfwagen VI Tiger zu sehen – der einzige, der noch erhalten und funktionstüchtig ist (Bovington Museum). Vom Sherman gibt’s freilich noch ne Menge, da herrscht kein Mangel.

 

»Hey, Oddball, this is your hour of glory. And you’re chickening out!«
»To a New Yorker like you, a hero is some type of weird sandwich, not some nut who takes on three Tigers.«
Kelly’s Heroes/Stoßtrupp Gold
imdb/1970

 

*Spoiler-Alarm*

Aha. Das war er also, der neue Kriegsfilm von David Ayer (nope, den muss man nicht kennen) mit Brad Pitt (yup, den kennt man) und einem Sherman-Panzer in den Hauptrollen: Fury – Herz aus Stahl (imdb/2014). Nach Spielbergs Saving Private Ryan (imdb/1998) und seiner Mini-TV-Serie Band of Brothers (imdb/2001) liegt die Latte für – einigermaßen – realistische und mit Blut und Schmutz durchtränkte Kriegsfilme, die auch noch mit einer funktionierenden Handlung aufwarten können, recht hoch. Fury kann zwar mit Dreck und Gedärm und akkurater Militärausrüstung dienen, aber die Handlung, die Story, sie bleibt dann doch irgendwie auf der Strecke. Zu platt und ausgewalzt kommt sie daher. Ja, im Kampf werden Jungs zu Männer und Männer zu Helden. Sie gehen in den Tod. Aufrecht, mannhaft und dem Wissen, für die gerechte Sache ihr Leben gelassen zu haben. Die Feinde sind leblose Pappkameraden, die es zu treffen gilt. Nichts Neues unter der Spielberg-Hollywood-Sonne, wenn man so will. Die Action wirkt zuweilen surreal [äh, ein deutscher Offizier reitet auf seinem Schimmel aufs Schlachtfeld, als wär’s ein Sonntagsausflug?] und dann wieder wie aus einem B-Movie entnommen: Da planen die Bad Boys einen hinterlistigen Hinterhalt, aber knallen dann stümperhaft daneben, während die überraschten Good Guys – sozusagen aus der Hüfte – jedes noch so kleine und gut getarnte Ziel treffen. Und der Showdown, ja, der ist eigentlich nur als Hommage auf John Waynes Propagandaklassiker Alamo zu verstehen – ansonsten, wäre das wirklich ernst gemeint, man müsste Ayers die Lizenz zum Drehen entziehen oder den Film erst unter [IQ] 20 freigeben. Zack. Prack. Danke.

Ayers, man ahnt es spätestens beim Abspann, wollte sich an (Hollywood-Enfant-terrible) Sam Peckinpah orientieren. Hatte der nicht auch einen schmutzig-akkuraten Kriegsfilm gedreht (Steiner – Das Eiserne Kreuz (imdb/1977)? Und sind in seinem Spätwestern The Wild Bunch (imdb/1969) nicht auch die alternden Männer, die keinen Platz mehr in der modernen Welt hatten, gegen eine Übermacht angetreten und – am Maschinengewehr stehend – durchlöchert worden? Ach, was hätte ein trotzig-versoffener Peckinpah aus dem Stoff nur gemacht. Ayers spielt ein wenig mit dem Anti-Helden-Image, aber getraut sich dann doch nicht, den Bogen zu überspannen. So wird die Vergewaltigung einer jungen Frau in eine Liebeständelei mit einem noch unerfahrenen GI umgemünzt (Stockholm-Syndrom?) und ihr Tod vom Feind besorgt. Es bleibt alles wie gehabt: Die bösen Jungs sind böse*, die guten Jungs sind gut – wenngleich sie sich nach außen hart und gefühllos zeigen. So bietet uns der Film nur ein Ende mit Schrecken, obwohl, wir wissen es längst, in der Realität da draußen, damals, es ein Schrecken ohne Ende gewesen sein muss.

 

*) Definition des Bösen à la Hollywood: Falls ein unbewaffneter Kerl ne Kugel verpasst bekommt oder er mit nem Baseballschläger Bekanntschaft macht, dann ist dieser per Definition böse. quod erat demonstrandum

And the Oscar goes to … 3 Filmtipps abseits von Hollywood

Film-Plakat Confessions (imdb)Nach dem ich bereits 2009 (»Schnarch«), 2010 (»wtf«), 2011 (»Banksters of Wall Street«) und 2012 (»Paris«) live über die Oscar-Nacht gebloggt habe, möchte diese hübsche Tradition, wie bereits letztes Jahr 2013, nicht mehr fortsetzen. Diese Nicht-Fortsetzung wird demnach fortgesetzt. Verwirrt? Ja, das bin ich auch. Willkommen im Club. Nun, um kein Spielverderber zu sein – Hey, es geht doch nur um Unterhaltung! – dachte ich mir, ich schreibe hier über ein paar gute Film-Tipps, die einem die sattsam bekannte Hollywood-Besessenheit austreibt. Es ist freilich schwierig, sich gegen Zuckersüßes zur Wehr zu setzen. Die Nahrungsmittel- und Filmindustrie weiß nur zu gut, wie süchtig einem der Zucker machen kann. Die Folgen sind nicht nur ausufernde Bäuche, sondern auch verklebte Gehirnzellen. Na, bevor ich mich hier zu weit aus dem Fenster lehne, beginnen wir mit Filmen, die ich empfehlen kann.

Geständnisse ¦ Confessions ¦ Kokuhaku (2010/imdb): Ein japanischer Psychothriller, der nicht nur mit einem beeindruckenden Plot (basierend auf einem Buch) aufwarten, sondern auch mit visuellen Reizen punkten kann. Neben der Twist-Hochschaubahn, erhält der Zuseher einen kleinen Einblick in den japanischen Schulalltag, der mittlerweile von aufsässigen Kids und klingelnden Smartphones dominiert wird. Es braucht freilich eine Weile, bis man in den filmischen Sog kippt – immerhin hat man es hier mit dem japanischen Universum zu tun – auch wenn es immer mehr verwestlicht (Shogun, someone?). Falls Sie jetzt Lust auf den Film bekommen, dann rate ich, gar nicht erst zu lesen, worum es im Detail geht. Trailer angucken ist natürlich genauso strikt verboten. Einfach zurücklehnen, entspannen und warten, bis die Wirkung dieser besonderen Filmdroge einsetzt. Huh.

A bittersweet Life ¦ Dalkomhan insaeng (2005/imdb) Wer meint, Südkorea wäre nur der verwestlichte Gegenpart von Nordkorea könnte durchaus Recht haben. Dieses Actiondrama um einen Mitarbeiter in einem südkoreanischen Syndikat ist natürlich blutig und gewalttätig, aber was will man auch vom organisierten Verbrechen erwarten, nicht? Das Besondere an A bittersweet Life ist dieser Hochglanzstyle, mit dem der Hauptdarsteller scheinbar geboren wurde. Beeindruckend die Locations, in der sich das Drama und die Action langsam, aber stetig entwickeln. Ob es all diese cool designten Clubs und Restaurants wirklich gibt, kann ich nicht sagen, aber im Film sind sie eine Augenweide. Könnte man bitte die Setdesigner nach Wien einladen? Danke.

Old boy ¦ Oldeuboi (2003/imdb) Ebenfalls aus Südkorea kommt ein Thriller, der das Genre des intelligenten Films neu erfindet. In Hollywood versucht man den Anspruch so gering wie möglich zu halten. Die breite Masse bringt schließlich die Bucks und darum geht es ja, nicht? Wundern wir uns deshalb nicht, wenn Kalifornien vorrangig durchschnittliche Filme, auf globale Massentauglichkeit und political correctness geprüft, exportiert. Für den Fall, dass ausländische Kinofilme doch einen Nerv – und damit die Geldbörsen – treffen, werden sie amerikanisiert und den Zuschauern zum Fraß vorgeworfen. Das muss nicht immer in einem Fiasko enden, wie Departed – Unter Feinden (2006/imdb) zeigt, ein Remake, basierend auf den chinesischen (Hong Kong) Thriller Infernal Affairs – Die achte Hölle (2002/imdb). Oldboy wurde das gleiche Schicksal zuteil, aber ich habe es bis dato verabsäumt, das Remake auch nur in Erwägung zu ziehen. Das Original ist nur schwerlich zu übertrumpfen. Im Besonderen, da der Plot ein Tabu anschneidet und sogar soweit geht, es zu einem zentralen Baustein der Handlung zu machen. Huh, politisch völlig inkorrekt! Pfui, pfui! Ich wende mich mit Abscheu ab. Sozusagen. Eine Empfehlung ist der Film natürlich allemal. Und auch hier gilt: Gucken Sie ja nicht den Trailer. Lesen Sie keine Kritiken/Reviews. Am Ende fügt sich alles zu einem Ganzen. Versprochen.

Und als letzter Tipp – drei im Preis von einem – sind kurz ein paar Filmchen genannt, die den Zuschauer nicht nur gut unterhalten, sondern auch seine Intelligenz nicht beleidigen. Gut möglich, dass sie bei Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009/imdb – äh, sorry für den shitty deutschen Zusatztitel) und Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007/imdb – äh, sorry für den …) einen Knopf in der, pardon, Birne bekommen – sagen Sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt. Als Draufgabe wäre da noch der unaufdringliche, aber äußerst charmant witzige Film Journey of Love (häh?), Originaltitel: Safety Not Guaranteed (2012/imdb). Looper fällt mir gerade ein. Für diesen gibt es sogar einen Kino-Audiokommentar des Regisseurs zum An- und Mithören – für den Fall, dass Sie nicht mehr wissen, in welcher Schleife Sie sich gerade befinden. 

Ich denke, diese Film-Tipps sollten fürs Erste reichen. Übrigens, habe ich schon gesagt, dass der für den Oscar nominierte Weltraumflick Gravity den Beweis erbringt, dass es keinen filmischen Beweis für die Mondlandungen der NASA geben kann. Oder können Sie mir einen Beweis liefern, nur anhand des gefilmten Materials, dass Gravity NICHT im Weltraum gedreht wurde? Ich höre …

Und bezüglich dem clooneysken The Monuments Men, also, was darf der rechtmäßige Eigentümer (Besitzer?) eines Kunstwerkes mit dem Kunstwerk anstellen? Es vernichten? Es in seinen Tresor/Bunker einsperren? Für alle Ewigkeit? Falls tatsächlich die Kunst nicht nur einer Elite, sondern der Allgemeinheit gehört, nun, dann dürfte es dahingehend keinen Kunstprivatbesitz geben. Oder? Was meinen Sie? Ich höre …