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Zero Dark Thirty – ein unbeabsichtigtes Meisterwerk, sozusagen.

The Confession/Das Geständnis – ein Film von Costa-Gavras (1970)

Gestern Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty (imdb) gesehen und auch nicht gesehen. Gezwungenermaßen. Weil, wer sich mit konspirativen Machenschaften herumschlägt, der muss sich mit den Propaganda-Arbeiten des Establishments vertraut machen. Mehr will ich jetzt zu diesem Film gar nicht sagen. Empfehlenswert die Filmkritik von Matt Taibi im Magazin Rolling Stones mit dem bezeichnenden Titel ‚Zero Dark Thirty‘ Is Osama bin Laden’s Last Victory Over America (link). Der Film ist natürlich für den Oscar nominiert. Einen Fehler dürften die Juroren aber schon vorab gemacht haben. Zero Dark Thirty sollte eigentlich in der Kategorie Best Writing (Screenplay Based on Material Previously Produced or Published) gelistet sein. Bigelow hat nämlich George Orwells Novelle 1984 für die Leinwand mustergültig adaptiert, interpretiert und den Inhalt in die Gegenwart verlegt. Dahingehend ist Zero Dark Thirty ein Meisterwerk. Wenngleich unbeabsichtigt. Aber das kommt hin und wieder vor. Die Rolle von Emmanuel Goldstein übernahm übrigens Osama bin Laden, der von der Academy wider erwarten nicht für die beste Nebenrolle nominiert wurde. Schade.

Wer sich ernsthaft für die geopolitische Welt da draußen interessiert, dem empfehle ich die Werke von Regisseur Costa-Gavras: L’aveu (Das Geständnis/The Confession, 1970) zeigt, wie Folter wirklich funktioniert und was es mit Menschen macht. Z – Anatomie eines politischen Mordes (1969) erzählt akkurat die Hintergründe eines (tatsächlich stattgefundenen) Militärputsches in Griechenland in den 1960ern (im Film wird der Staat freilich nicht genannt). Die Filme Der unsichtbare Aufstand (1972) und Vermisst (1982) zeigen die (tatsächlich stattgefundenen) amerikanischen Interventionen in Bolivien und Chile. Nichts für schwache Nerven.

And the Oscar goes to … Paris

Nach dem ich bereits 2009 (»Schnarch«), 2010 (»wtf«) und 2011 (»Banksters of Wall Street«) live über die Oscar-Nacht gebloggt habe, möchte diese hübsche Tradition auch dieses Jahr fortsetzen. Damit mir nicht in den späten Nachtstunden die Augen zufallen, werde ich jetzt mal vorschlafen. Großartiges ist nicht zu erwarten, andererseits versprüht vielleicht Billy Crystal ein wenig Zynismus und Selbstironie, wenn er durch das Programm witzelt. Brave und angepasste Moderatoren, wie es sie letztes Jahr gegeben hat (wie hießen die zwei überhaupt?) lassen das gewöhnliche Publikum sofort in den Schnarch-Modus fallen. Hoffen wir das Beste, nicht? Bis später.

23:29 Ist noch eine Weile hin, bis der rote Teppich von den Stars und Starlets abgelaufen wird. Kommen wir zu einigen der nominierten Hauptfilme, über die man viel oder wenig sagen kann. Mal schauen, was mir so einfällt.

Weiterlesen?

Hotel Lux von Haußmann und mit Herbig

Gerade auf der Wiener Filmpremiere der neuen Tragikomödie HOTEL LUX von Leander Haußmann gewesen. Wenn mir schon das Produzenten-Brüderpaar B. eine Karte zukommen lässt, muss man sich natürlich mit einer Filmkritik revanchieren. Gefälligkeit ist das freilich nicht, weil, gleich vorweg, der Film eine Empfehlung ist. Eine dringende noch dazu.

Hotel Lux spielt in den 1930ern, zuerst in Berlin, danach in Moskau. Wer die Zeit zu deuten weiß, der ahnt, wohin es einem da verschlägt. Vom rechten Regen in die rote Traufe – Nass wurde man freilich so oder so. Je nach dem.

Über die Qualität des Films gibt es nichts zu rütteln. Haußmann versteht sein Handwerk und setzt die technischen Möglichkeiten gekonnt ein. Gleich zu Beginn des Films eine beeindruckend Kamerafahrt über das Moskau der 1930er. Der Film selber  mag sich leicht und schwungvoll, komödiantisch im besten Sinne, geben, aber die Thematik legt sich wie ein dunkler Mantel über die Handlung. Das ist auch das Besondere, dieses Pendeln zwischen Amüsement und Tragik, zwischen Witz und Tod. Das Timing der Wortspiele ist übrigens ausgezeichnet, eine Seltenheit im deutschen Komödienfach, vermutlich, weil es Training und Erfahrung und Genauigkeit braucht

Wir können davon ausgehen, dass Haußmann Anleihen genommen hat, vor allem bei Ernst Lubitsch und die Hitler-Farce To be or not to be (Sein oder Nichtsein) aus dem Jahr 1942 (!) – Wer den Film noch nicht kennt, tja, der bekommt als Hausübung, diesen sich anzusehen. Unbedingt. Schon ein Billy Wilder wollte so gute Filme wie Lubitsch machen und das soll etwas heißen, nicht? In die selbe Kerbe schlägt dann natürlich Mel Brooks Remake aus dem Jahr 1983 und durchaus The Producers mit dem Stück im Stück Springtime for Hitler aus dem Jahr 2005. Last but not least natürlich die bekannteste Hitler-Parodie von Charlie Chaplin The Great Dictator (Der große Diktator).

Hervorstreichen muss man einfach die Intelligenz der Umsetzung und der unaufdringliche tragikomische Witz. Da ich mich gerade mit konspirativen Themen beschäftige, die unwirklich scheinen, aber leider sehr real sind, ist es immer gut, wenn man sich die nähere Vergangenheit vor Augen führt. Wie kann es sein, dass ein Mann namens Stalin, Genosse Stalin, eine Säuberungsaktion in ganz Russland durchführen konnte, die den Terror eines Robespierre zur Französischen Revolution wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt? Ich glaube, den größten Fehler, historisch betrachtet, begeht man dann, wenn man Führerpersönlichkeiten für etwas verantwortlich macht. Tatsächlich aber geht es immer um ein System. Wenn man den Film mit diesen Augen sieht, wird es einem sehr deutlich  (auch wenn es vielleicht nicht die Intention von Haußmann war). In meinem neuen Buchprojekt bin ich nämlich genau darauf durch Zufall gestoßen, dass es nicht um die Menschen geht, sondern, was ein System  (auch das gegenwärtige!) aus den Menschen macht. Deshalb ist es wichtig, dass auch eine jüngere Generation HOTEL LUX guckt. Gut möglich, dass diese noch nicht die Punkte verbinden können, aber es ist wichtig, sie dahingehend anzutippen. Und vielleicht wird dann wenigstens einer die Frage stellen: „Warum haben die da mitgemacht?“

Ja, warum?

X-Männer, 3D und ein Cover für R.

Nope. Die Dame kenne ich nicht. Leider. Aber ich hab sie gekauft. Äh, ja, das Foto. Nude elegant woman in bed © George Mayer @ fotolia.com

Gestern wieder einmal im Kino. G. war so freundlich, mich einzuladen. Wir einigten uns auf ein nettes Unterhaltungsfilmchen. Die Piraten haben gerade die Kino-Küste erreicht, was lag also ferner, sich Johnny Depp aus der Nähe zu betrachten. Tja. Wäre da nicht dieses Drei-Dimensionale Ungemach mit an Bord gewesen, das nur ablenkt und stört. Yep. 3D, Folks. Wem ist das eingefallen? Okay, natürlich den Studiobossen und ihren Bankiers, die sich die Haare rauften, ob der Gefahr, die aus dem bösen Netzwerk quillt und alle schönen Umsatzzahlen ersäuft. Ekelhaft. Wahrlich. Wie hätte man wohl sonst die jungen Leutchen dazu bringen können, wieder ins Kino zu gehen? Hm. Also wurde wieder einem alten Hut neues Leben eingehaucht. Schon zu meiner Jugendzeit gab es einen 3D-Hype. Da machte sogar das öffentlich-rechtliche TV mit und zeigte 3D-Filme (nur zu sehen mit besonderer Papp-Brille, die links eine rote und rechts eine grüne Folie hatten). Im Kino gab es aber bereits die bessere Technik. Noch jetzt im Kopf diese eine Vorstellung im Gartenbau-Kino, von einem dieser nichtssagenden 3D-Abenteurfilme, die nur auf 3D-Effekte abzielten. Äh. Ja. Inhalt? Handlung? Story? Ein Abenteuerfilm eben. Aber die 3D-Effekte waren schon recht ansehnlich. Irgendwie.

Heute nervt es mich. Was juckt es mich, wenn der Film in die Tiefe geht? Oder aus der Leinwand heraus einen anspringt? Wenn ich Karneval will, gehe ich in den Wurstelprater und besuche das Spiegelkabinett. Oder wie auch immer diese Attraktionen heißen. Ich will als Zuschauer ernst genommen werden. Gestern fühlte ich mich wieder auf den Arm genommen. X-Men, das Prequel zu den ersten X-Men-Filmen. Während die ersten beiden noch mit einer durchaus guten Story aufwarten konnten – und vor allem mit Ian McKellen und Patrick Stewart. Ja, Hugh Jackman war natürlich auch sehr cool. Halle Berry und Famke Janssen, ja, die beiden können einem schon sehr gefallen. Gerade bemerkt, dass der erste Film bereits 2000 in die Kinos kam. Huh. Zeit vergeht. Also, um eine lange Story kurz zu machen: Der erste X-Men war ein erwachsener Film mit ner Story. Der zweite X-Men war ein erwachsener Film mit Action. Und der aktuelle X-Men ist … ähm … ein Jugendfilm mit konstruierter Story (ich kann es vor mir sehen, wie die Kreativen und die Anzug-Träger in Meetings zusammengesessen sind und über das Script gesprochen haben: „Ich will ne Nuklear-Explosion!“ – „Okay!“ – „Und ein U-Boot, das fliegt!“ – „Okay!“ – „Und die Teenies sollen coole Effekte machen!“ – „Klar!“). Wobei, ich muss den Machern zugute halten, dass sie die Kuba-Krise in den frühen 1960ern zum Thema machten. Also habe ich mir gestern noch eine Discovery-Dokumentation darüber angesehen. Kann ich empfehlen. Die Doku. By the way, die Dialoge im Film sind, äh, ja, platt. Ist das nur mir aufgefallen? Oder handelte es sich dabei um eine Parodie? So genau weiß man es ja nie.

So! Ich habe nun für R. ein Cover für ihr E-Book gebastelt. Kein großes Ding. Zwei Fotos in fotolia gefunden, R. hat sie in der kleinsten Auflösung gekauft, mir geschickt, ich habe ein bisserl an der Titelei und an der Platzierung der Elementen herumgetan und voilà, fertig ist das neue Machwerk. Ihr altes Cover, naja, war sicherlich auch sehr nett. Aber man konnte schon auf dreizehn Meilen erkennen, dass es sich um ein selbst veröffentlichtes Werk handelte. Jetzt muss man schon ein wenig näher gehen. Und wenn ich alles richtig gemacht habe, wird man wohl das Buch aufblättern müssen, um ganz sicher zugehen. Haha. Ich klopfe mir auf die Schulter. Naja.

Die größte Gefahr für Publikumsverlage ist in meinen Augen nicht die Qualität der Texte von Indie-Autoren (da gibt es natürlich alle Bandbreiten), sondern die Qualität der Buch-Umschläge. Ich weiß nicht warum, aber 9o % aller selber veröffentlichten Titel kann man sofort am Cover erkennen. Derweil ist es nicht schwierig, einen Umschlag zu gestalten, der wenigstens nicht auf den ersten Blick die Hose runterlässt („Okay, das Cover ist Shit, aber der Inhalt, der ist super!“) – noch vor ein paar Jahren, um 2006 herum, veröffentlichte ich mein erstes Buch in einer Privatausgabe. Ehrlich, ich wusste auch nicht, wie ich zu einem anständigen Cover hätte kommen können. Also machte ich aus der Not eine Tugend und bastelte aus den vorhandenen Piktogrammen im Paintshop Pro Programm (!) ein einigermaßen passendes Cover. Wenigstens bei der Schriftart konnte ich aus dem Vollen schöpfen (www.myfont.com) – und nach gefühlten Monaten der verzweifelten Suche fand ich dann den Font, der mich glücklich machte. Ein dänischer Font-Designer verhökerte seinen Entwurf für schlappe $ 30,- Perfekt, nicht?

Zwei Jahre später habe ich für das erste Buch der Tiret-Saga eine Grafikerin aus Deutschland gefunden. Durch Zufall. Wie das Leben so spielt. Auf ihrer Webseite gelandet. Ihre Entwürfe gesehen. Begeistert gewesen. Kontakt aufgenommen. Auf einen kreativen Preis geeinigt und der Rest ist nun auf meinen Büchern zu sehen. Das soll nur zeigen, dass es da draußen genügend kreative Genies gibt, die nur all zu gern ihre Kunst in die Welt verschicken möchten. Gewiss, ein kleiner Betrag sollte im Spiel sein. Schließlich ist man ja Profi, oder?

Die andere wichtige Quelle ist natürlich eine Foto-Agentur. Vor Jahren war es so gut wie unmöglich für ein Buch ein kostengünstiges professionelles Foto zu bekommen, das kein Vermögen kostete. Heute findet man für ein paar Euro-Münzen hochprofessionelle Fotos, sogar mit Models, wo es einem den Atem verschlägt. Das ist ja in Wirklichkeit die beste Sache überhaupt: dass man nun auch Damen und Herren aufs Cover oder aufs Plakat bringen kann. Das war noch vor ein paar Jahren unmöglich, besser: unbezahlbar.

So! Kommen wir zum Punkt. Wer viel Leid und Mühe auf sich nimmt, seinen Text zwischen zwei Buchdeckel zu bekommen, der sollte auch genügend Zeit und Energie für die Verpackung aufwenden. Ein Buch verkauft sich nun mal ob des Covers und der Titelei. Ist so. Das ist keine Erfindung oder Verschwörungstheorie. Wenn es sich nicht so verhielte, würden wir wie noch vor hundert Jahren reine Schriftlösungen haben. Tja. Ist nicht mehr. Jetzt glänzt und gleißt und schreit einen das Cover an, dass einem schwindlig wird. Die US-Paperpacks sind ein gutes Beispiel dafür: schlecht gedruckt auf dem rauesten und ekeligsten Papier, das man sich vorstellen kann – aber das Cover ist Wow!

Gut. Ich denke, wir haben die Lektion gelernt, oder? Und wenn sich R. für ihren Autoren-Namen entschieden hat, werde ich die beiden Covers natürlich hier posten. Ich hoffe, man wird einen Unterschied ausmachen können. Falls nicht, war das dann wohl der Schuss ins Knie. *AUA* Aber vielleicht bin ich ja ein Mutant und kann selbstgebastelte Covers auf hundert Meilen riechen. Huh. Soll mal einer sagen, Kino würde nicht bilden. *schüffelt jetzt weiter*