richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: kommunikation

Notwendige Gedanken zur Epoche ‚WhatsApp‘

WhatsApp_Logo_7

Ich habe mich sehr lange gegen ein SmartPhone gewehrt, aber die weltlichen Umstände – immer sind es diese, die Ungläubige zum Glauben bringen – ließen mir keine andere Wahl. Seit mehreren Monaten trage ich also ein elektronisches Schweizermesser mit mir herum. Und wahrlich, es spielt alle Stücke und die ganze Klaviatur. In meiner Kindheit, in meiner Jugend, ich hätte alles für so ein Wunderding gegeben. Man stelle sich vor, es gab zu meiner Zeit, in meiner Epoche, öffentliche Telefonzellen auf der Straße und gerade einmal zwei TV-Kanäle für den gefühlt ne Tonne wiegenden Röhrenapparat – später traute ich meinen Augen nicht, als Telekabel in Testgebieten eine Hand voll ausländischer TV-Sender in die Wohnzimmer zauberte. Die „digitale“ Kommunikation lief damals über fest angeschlossene (Viertel-)Telefone der Post – heutzutage kennt man das Ganze unter dem Begriff „Festnetz“ – und die behördlichen Auflagen waren ziemlich streng. Damals verärgerte mich diese Einschränkung – kein Wunder also, wenn ich Anfang der 1990er Jahre ein in Österreich nicht zu habendes US-Schnurlostelefon (samt Anrufbeantworter) bei mir zu Hause „installierte“. Ja, wer damals auf moderne Technik setzen wollte, musste gehörig viel Geld, Geduld und Mut mitbringen. Wahrlich, diese gelebte Vergangenheit fühlt sich wie eine längst vergangene Epoche an, die – so kommt es einem vor – bereits in der Bibel beschrieben ist.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Advertisements

Über Trotteln und Trantüten oder Warum dich Facebook depressiv macht und Google+ dich befreit.

»ich brauche geld. o_o ich muss einen bestseller schreiben. oder im lotto gewinnen.«
Statusmeldung von IV.
Facebook
18.Juli 2011 – 00:11

Wählen Sie Ihr soziales Netzwerk mit Bedacht!

.

update: K. M. Blank bringt es in ihrem Beitrag auf den springenden Punkt.

.

Es ist 6 Uhr 14. Das ist schon recht früh. Eine kreative Unruhe ließ mich nicht länger schlafen. Ein gutes Zeichen. Weil es mir anzeigt, dass gewisse Gedanken notiert gehören. Ob sie wichtig oder nebensächlich sind, steht freilich auf einem anderen Blatt Papier und muss der geneigte Leser für sich entscheiden. Ich schicke freilich die Warnung aus, dass dieser Blog-Beitrag die gesunde Länge bei weitem überschreiten wird. Ich weiß, ich weiß. Das ist nicht gut. Jedenfalls nicht, wenn ich mir wünschen würde, dass die nachfolgenden Zeilen gelesen werden. Aber warum sollte ich mich zurücknehmen? Ist das nicht der große Vorteil dieser virtuellen Bloggerei? Dass ich es niemanden Recht machen muss; dass ich mich nicht nach irgendwelchen Marketing-Vorgaben halten muss. Gewiss, würde ich mich knapp und kurz halten, ich würde mehr Leser ansprechen, mehr Interessierte locken. Aber das sollen die anderen machen. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, den einen oder anderen Aspekt unter den Tisch fallen gelassen zu haben, nur weil ich hoffte, drei Leser mehr zu bekommen. Das ist hier ist meine Zeitung – und ich schreibe nicht nur den Artikel, sondern ich entscheide auch darüber, wie lang er sein darf. Punkt.

Weiterlesen

Google+ eine Woche später …

Screenshot Google+ Circles

bekanntschaftliche Einkreisungen

Vor einer Woche startete ich mit dem neuen Sozialen Netzwerk mit dem klingenden Namen Google+ [sprich: googelplass]. Der erste Tag war ziemlich aufregend. Ich habe hier darüber gebloggt. Und nun, 7 Tage später, gibt es ein weiteres Resümee.

Google+ erinnert mich dann doch an ein aufgepepptes Twitter. Jeder darf mit jedem, wenn er oder sie oder es das möchte. Primär ist alles erlaubt. Naja, fast alles. Aber während facebook ordentlich auf die Bremse steigt, wenn es darum geht, mit  jemanden ins Gespräch zu kommen, den man nicht persönlich kennt, gibt Google+ ordentlich Gas. Wie in meinem vorigen Blog-Post beschrieben, geht Google davon aus, dass die Internet-Gemeinde aus friedlichen, lieblichen und freundlichen Menschen besteht, die sich alle mögen. Hm. Naja. Wenn es nur so wäre. Am Ende bleiben wir ja doch nur Menschen, mit all unseren Stärken und Schwächen. Apropos: scheinbar dürfte die Google+-Polizei auf der Suche nach Profilen sein, die nur eines im Sinn haben: Kontakte zu knüpfen um dann ihre Kontakte zuzuspamen. Zumeist handelt es sich dabei um Social Media Experten oder selbstständige Einzelunternehmer oder Medien-Agenturen. Indie-Autorenverleger würden da natürlich auch reinfallen, aber wie ich heute auf dem wunderbaren Kramuri-Blog von Gottfried Hufnagel lesen durfte, ist die Marktschreierei nicht mein Ding. Also wird die Polizei bei mir hoffentlich nicht anklopfen. Ja, es gibt im Netz genügend Einzelkämpfer, deren einziges Ziel es ist, Kontakte über Kontakte anzuhäufen, um so in den aberwitzigsten Rankings vorne dabei zu sein. Das kann sich durchaus finanziell lohnen. Spätestens dann, wenn ein Unternehmen auf den Social Media Zug aufspringen will und sich einen »erfahrenen Experten« angelt.

Außerdem habe ich eine inoffizielle Statistik entdeckt, die besagt, dass gegenwärtig die Männer in Google+ krass in der Mehrheit sind (etwa 7:3 oder 8:2 ist das Verhältnis Männer zu Frauen). Das gefällt mir natürlich gar nicht. Weil Männer einerseits nicht sonderlich gut kommunizieren können und andererseits Bücher und Literatur nur vom Hörensagen kennen. Freilich, Ausnahmen bestätigen immer noch die Regel. Ich schätze, das Männer-Frauen-Verhältnis wird sich in Zukunft natürlich angleichen. Es sei denn, Google+ bleibt die Spielwiese der Nerds und Geeks.

Ansonsten ist das neue Netzwerk ein schlankes System, das vorwiegend auf Kommunikation abzielt. Ein wenig nervig sind die vielen animierten GIFs, die ihre Runde in Google+ machen. Das war schon zu Beginn des Webzeitalters ärgerlich. Außerdem werden Bilder, die gepostet werden, beinahe formatfüllend präsentiert. Muss auch nicht sein. Oder: weniger/kleiner wäre da viel mehr.

Ein Netzwerk ist ja sowieso nur die Hülle oder – besser: ein Kaffeehaus. Wichtiger ist, wer sich darin wie oft herumtreibt. Das Problem ist ja, dass die Leutchen, die in Google+ sind auch ihr virtuelles Unwesen in facebook und twitter treiben. Manchmal stolpert man so über die gleichen Bilder oder Beiträge oder Kommentare. Ist ein wenig, so, als hätte man ein permanentes Déjà-vu. Freilich, es mag auch daran liegen, dass man sich immer mit den gleichen Leuten umgibt. Wobei, das ist dann wirklich mal ein großes Plus bei Google+: die Hemmschwelle mit jemanden in Kontakt zu treten ist viel geringer als bei facebook. Dummerweise gibt es noch nicht viele Hemmschwellen zu übertreten. Also, für mich jedenfalls nicht. Aber schön, wenn man sich mit den Mitarbeitern des Google+ – Teams verknüpft. So erhält man alle Infos aus erster Hand und glaubt sich in einer großen Familie. In facebook ist mir noch nie ein Mitarbeiter aufgefallen. Aber auch wenn, da ich ihn nicht persönlich kenne, würde er sich mit mir auch nicht verknüpfen wollen.

By the way: gestern startete ja der Bachmannpreis-Wettbewerb in Klagenfurt. 3Sat überträgt im TV und im Web live. Da macht es natürlich Sinn, auf Twitter mit dem Hashtag #tddl den Event mitzuverfolgen. Ist schon recht spaßig, wenn die Leutchen ablästern oder ihren Senf zum Gehörten oder Gesehenen abgeben. Literaturkritik ist das freilich nicht, eher die Komödie davon. Das gilt natürlich auch für die Jury vor Ort. Ich werfe diese Anmerkung deshalb ein, weil ich damit die Stärke von Twitter noch einmal aufs Tablett bringen möchte. Ich kommuniziere nicht unbedingt mit von mir ausgewählten Leuten, sondern ich trete in eine Gesprächsrunde zu einem genau festgelegten Thema (durch den Hashtag kann ich das Thema eingrenzen). In der Kaffeehausanalogie setze ich mich zu einem Tisch und nehme an der Diskussion teil. Bei facebook oder Google+ bleibe ich zumeist an meinem Tisch sitzen und lade andere ein, Platz zu nehmen.

Ich habe übrigens meine Webseite mit dem +1 ausgestattet. Damit kann nun jeder, der ein Google-Profil hat, meine Webseite „liken“. Das wiederum schlägt sich in der Search Engine von Google nieder. Wer mir also eine Freude machen möchte, der möge doch auf www.1668.cc auf den +1 klicken. Bezeichnend ist, dass ich in facebook um Klicks betteln musste, weil man (nur meine?) Postings in Google+ nicht sonderlich wahrnimmt.

Resümee: Google+ ist im gegenwärtigen Zustand ein simples Kommunikationstool, das die Privatsphären-Einstellung intuitiver und übersichtlicher als facebook gestaltet. Gut möglich, dass dadurch viele Netzwerk-Verweigerer und Technik-Muffel bekehrt werden und Social Media eine Chance geben. Fakt ist aber, dass es primär nur Platz für ein privates Social Media Kaffeehaus gibt (schlag nach bei myspace). Über kurz oder lang wird es definitiv zu einem Showdown zwischen facebook und Google kommen müssen. In der Haut der Google-Verantwortlichen will ich nicht stecken. Sie haben nämlich genau einen Schuss im Pistolenlauf. Wenn sie den ersten Schuss danebensetzen ist es vorbei. Im Internet gibt es keine zweite Chance.

Die Schattenseiten der Social Media Revolution!

Man könnte sagen, ich bin von Anfang an dabei gewesen. Als die ersten Blog-Portale entstanden. Als die ersten großen Communitys im Netz entstanden. Ich war dabei. Weil es mir ein Bedürfnis war und ist. Die Stärke des (Mai)Zwillings, so habe ich erst vor Kurzem gehört, läge in der Kommunikation, das Medium sei dabei nur Mittel zum Zweck. Yep. So seh ich das auch. Jedenfalls, wenn man sich heute im Social Media Pool tummelt, bemerkt man seltsame dunkle Flecken, die sich rasch ausbreiten können. Von der (geschützten) virtuellen Welt in die reale. Einfach so.

Wir können nicht nicht kommunizieren hat einmal ein kluger Kopf gesagt. Mit anderen Worten, alles was du sagst, tust oder unterlässt, definiert dich, besser: dein Gegenüber definiert dich. Darin liegt die Wurzel aller Problematik. Was weiß denn der andere von deiner Welt, was weißt du von seiner Welt? Und wenn wir nicht Zeit und Muße haben, etwaige Unstimmigkeiten bzw. Missverständnisse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, wird unsere Kommunikation darunter leiden und später dann wir Menschen. So ist das.

Jeder Mensch hat seinen wunden Punkt. Vielleicht sogar mehrere. Manch einer kennt sie selber nicht. Ein anderer lebt damit. Und dann, dann klickt einer auf deinen wunden Punkt. In der (virtuellen) Öffentlichkeit, im sozialen Netz. Es ist, als würde man dir einen Gemüts-Cocktail aus Enttäuschung, Wut, Frust, Niedergeschlagenheit und noch ein paar mehr Ingredienzen reichen. Du kippst ihn runter. In einem Zuge. Was bleibt übrig? Eben. Gewiss, es wurde und wird alles nicht so ernst gemeint. Und der „Content“ im Netz ist flüchtig (und doch kannst du die ältesten Gespräche ausgraben, wenn du das möchtest). Weil der virtuelle Inhalt per se keine Wichtigkeit hat. Nur für jenen, der seinen wunden Punkt getroffen sieht, rumort es für eine längere Zeit in Kopf und Magen.

Freund A. hat mir erzählt, dass er seine virtuelle Bekanntschaft X. getroffen hat. Ein nettes, unverfängliches Geplauder. Vielleicht hat er übertrieben und das eine oder andere Posting auf ihrem Profil zu schwärmerisch fabuliert, Fakt ist jedenfalls, dass sich Y., der Ehemann von X., eingemengt hat. Dumm gelaufen, wenn Eifersucht die virtuelle Party stört. Ich habe darüber länger nachgedacht. Vielleicht verhält sich Social Media tatsächlich analog einer Party.

Okay. Zuerst braucht es Gäste für die Party. Je weniger, desto shit (sieh dir nur die Konkurrenten zum Zuckerberg-Buch an, die allesamt nicht mithalten können, wenn es um die Anzahl der Party-Gäste geht). Und je hipper die Leute, desto Wow! Keiner will auf ne Party mit grauen Mäusen, richtig? Eben! Also wirft jeder seinen grauen Anzug in die (reale) Ecke und stülpt sich ein schrilles Kostüm über. Es ist wie im Karneval. Vieles ist erlaubt. Eine kleine Übertreibung hier, eine kleine Weglassung dort. Was soll’s? Ist ja sowieso nicht wirklich. Yeah. Und weil es ja ne tolle Party ist , geht es auch um das andere Geschlecht. Stark. Schwach. Dazwischen. Jeder ruft in den Profil-Wald. Es wird geflirtet, provoziert, geneckt. Alles im grünen Bereich, freilich. Die Party ist ja noch jung. Man ist fröhlich, ausgelassen. Die Nacht (und der Gedanke an den grauen Anzug, der in der Ecke liegt) ist noch nicht über einen hereingebrochen. Zukunft? Nicht jetzt. Man will sich gehen lassen. Ein wenig. Ein wenig mehr. Weil es gar so schön ist. Tja. Aber jeder, der schon mal auf Partys war, der bemerkt diesen Bruch. Wenn plötzlich die einen oder anderen Gäste abhauen oder sich verdrücken und plötzlich stehst du da mit nem Typen, der dich volle Kanne bequatscht und ein anderer übergibt sich vor deinen Füßen und wieder ein anderer folgt dir auf Schritt und Tritt und kommentiert amüsiert schadenfreudig deine Fettnäpfchen. Die Party hat ihre Leichtigkeit verloren. Du würdest den einen Kerl am liebsten durchschütteln und den anderen wegzaubern. Ja, und dann merkst du, wie sich manche der Partygäste öfters umsehen, wie sie öfters die Plätze und ihre Drinks wechseln. Man könnte beinahe zur Überzeugung kommen, sie würden etwas sehnsüchtig suchen.