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Wien, im März 1938: Ausstellung in der Wienbibliothek des Rathauses

Ich war nun endlich in der Bibliothek des Wiener Rathauses und habe mir die dortige Ausstellung mit dem sprechenden Titel

»Wir wissen es, daß diese Beamtenschaft ihre Pflicht auch im neuen Wien tun wird« – Die Wiener Stadtverwaltung 1938.

angesehen. Die Ausstellung ist empfehlenswert, haben die guten Seelen der Wienbibliothek höchst sehenswerte Originalmaterialien aus dem Archiv „ausgegraben“, diese mit allerlei Anmerkungen versehen und eine chronologische sowie thematische Reihung vorgenommen. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht die recht bescheidene Ausstellungsfläche und ich würde mir wünschen, dass hier vielleicht einmal das Wien Museum einspringt und Platz für eine geräumigere Präsentation mit zusätzlichem Material schafft.

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Die drei großen Erziehungsprinzipien der Gesellschaft

 

Germane_Haarex

Die letzten Tage ein wenig darüber nachgedacht, nach welchen Prinzipien die Gesellschaft erzogen, d.h. geformt wird. Ich sehe drei große Prinzipien, die alle ihre Vor- und Nachteile haben – für die ungebildete Masse genauso wie für die gebildete Elite – wobei es natürlich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte Überschneidungen gibt. Beachten Sie, dass wir uns in Mitteleuropa längst vom väterlichen Prinzip verabschiedet (dahingehend brauchte es freilich furchtbare Bruder- und Bürgerkriege) und mit 1919 vollends das mütterliche Prinzip angenommen haben, das seit den 1970ern immer mehr zum letzten Prinzip, dem Laissez-faire, degeneriert. Für mein Dafürhalten wurde und wird diese gesellschaftliche Veränderung mit großer Absicht herbeigeführt.

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Das väterliche Erziehungsprinzip

Dieses patriarchalisch-germanische Modell steht für Ordnung und Rechtschaffenheit, für Fairness und damit Achtung der Sitten und des Friedens, sowie für die Unverletzlichkeit der „Mannheiligkeit“.

Der Freie oder „Freihals“ heißt so, weil er unter Rechtsschutz steht und daher auch nicht gehalten ist, seinen Nacken einem Eigentümer zu beugen. Deswegen ist die Freiheit „Freihalsigkeit“ oder – bei den Skandinaven – „Mannheiligkeit“. [S. 126*]

Das Prinzip steht natürlich auch für den Einsatz von Gewalt (um den Frieden bzw. die Sühne durchzusetzen) und für eine Vielzahl an Gesetzen, die jedes mögliche Vergehen ahnden: je nach Schwere des „Friedensbruchs“ entweder mit Wergeld oder mit „Friedlosigkeit“ des Freien, d.h., der „Friedensbrecher“ wird aus dem Rechtsverband ausgestoßen, sozusagen ge-ächtet, und sein Los ist das eines Flüchtigen). Da jeder Freie – genauso wie der König – gleichzeitig ein Friedensbewahrer bzw. Ordnungshüter ist, muss dieser auch in der Lage sein, das Recht mittels Waffengewalt und materiellem Vermögen durchzusetzen, weiters hat er seine Mündel (altgerm. Mund = Schutzgewalt – Ehefrau, Kinder, Knechte, Haussklaven und all jene Freie, die ihm den Treueeid geschworen haben) zu schützen.

Da jeder Freie mit Waffengewalt eine Herabsetzung bzw. Beschneidung seiner Freihalsigkeit zu verhindern versucht, kann es zu keiner diktatorischen Regierungsform kommen. Ein „König“ ist hier nicht als absoluter Herrscher zu verstehen, sondern vielmehr als oberster Beamte des „Volks“ bzw. der „Leute“, d. h., der Gemeinschaft aus Freien, die diesen erwählten oder akzeptierten.

Beispiele: Langobarden, germanisch-deutsche Länder, amerikanische Kolonisten.

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Das mütterliche Erziehungsprinzip

Dieses matriarchalisch-sozialistische Modell steht für die gemeinschaftliche Fürsorge in einer Gesellschaft, die offiziell keine Rangstufen und keine vererbten Privilegien kennt. Jene, die den Frieden stören und das Gesetz brechen, werden nicht als Störenfriede behandelt, sondern als Opfer einer zurückliegenden gesellschaftlichen Vernachlässigung. Da nur noch die „Gemeinschaft“ – in Form von Funktionären und Kommissaren – als Friedensbewahrer bzw. Ordnungshüter auftritt und somit der Einzelne nicht mehr unter Rechtsschutz steht, ist dieser der Willkür des Rechts (und jener, die Recht sprechen) ausgesetzt und wird so – wie alle anderen Menschen – zum Mündel der Staatsgewalt (vgl. Wohlfahrtsausschuss in der Franz. Revolution). Wer sich diesem Prinzip widersetzt, wird mit gnadenloser Härte zu einem „fürsorglicheren“ Unter-tan erzogen – somit steht einer diktatorischen Regierungsform Tür und Tor offen.

Beispiele: das revolutionäre Frankreich von 1789; kommunistisch-bolschewistische Länder des 20. Jahrhunderts.

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Das kindliche Erziehungsprinzip

Dieses kindlich-liberalistische Modell steht für eine konsumfreudige und verantwortungslose Gesellschaft, die auf allen Ebenen durch durch korrupt ist. Ordnung und Rechtschaffenheit sind nur noch Worthülsen. Jeder hat so viel Recht wie er Macht hat. Der Materialismus hat das Tugendhafte abgelöst. Rechtsbrüche werden je nach Stand und Seilschaft des Täters nicht mehr geahndet. Die Unter-tanen sind nur noch die „Knechte“ der privilegierten Klasse, die mittels Brot und (digitaler) Spiele bzw. Zuckerbrot und Peitsche die Masse zum Arbeiten zwingt. Laissez-faire, »alles geht«, ist der Grundsatz dieses Prinzips – so lange du es dir leisten kannst.

Beispiel: Weströmisches Reich im 5. Jahrhundert; Paris und Berlin der 1920er Jahre; New York City mit Beginn des Finanzkapitalismus um 1890.

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*) Grundriss des Germanischen Rechts von Karl von Amira, Strassburg, 1913.
Siehe auch The Roman and the Teuton: A Series of Lectures von Charles Kingsley, University of Cambridge, 1864.

Viktor Orbán und die eindeutige Agenda der europäischen Linken oder: Genossen, der Sieg der proletarischen Weltrevolution ist nah!

Allerhand, nicht?
Allerhand, was man so in russischen Archiven findet, nicht?

Falls Sie die Rede von Viktor Orbán, die er auf dem Kongress der Europäischen Volkspartei am 22. Oktober 2015 in Madrid gehalten hat, noch nicht gelesen haben, so sollten Sie das schleunigst nachholen. Es tut gut, in dieser medial aufgeheizten Stimmung die Überlegungen eines christlich-konservativen Politikers zu hören – ohne dass seine Worte und Sätze verstümmelt oder aus dem Zusammenhang gerissen werden. Ich denke, wir Bürger haben das Recht, beide Seiten der Medaille kennenzulernen. Wie dem auch sei, gegen Ende seiner Rede kommt er auf einen Punkt zu sprechen, der in Ihrer Tageszeitung für gewöhnlich als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet werden würde:

Wir müssen klar aussprechen, dass die europäische Linke einen eindeutigen Plan hat. Sie unterstützen die Migration. Tatsächlich aber importieren sie, sich hinter der Maske des Humanismus versteckend, zukünftige Wähler der Linken. Dies ist ein alter Trick, aber ich verstehe nicht, warum wir ihn akzeptieren müssten. Sie erachten die Registrierung und den Schutz der Grenzen als bürokratisch, nationalistisch und die Menschenrechte verletzend. Sie träumen von einer politisch derart aufgebauten Weltgesellschaft, in der es keine Religionen, keine Grenzen und keine Nationen gibt.

Tatsächlich ist aber dieser „linke“ Plan, diese Agenda, kein Hirngespinst. Um zu zeigen, was es mit diesem Plan auf sich hat, erlaube ich mir deshalb, Ihnen zwei Absätze aus dem Programm der Kommunistischen Internationale von 1928 näherzubringen:

Von den Zentren der kapitalistischen Macht bis in die entferntesten Winkel der kolonialen Welt unterwirft der Imperialismus die gewaltige Masse der Proletariar aller Länder der Diktatur der finanzkapitalistischen Plutokratie. Mit elementarer Gewalt enthüllt und vertieft der Imperialismus alle Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, steigert die Unterdrückung der ausgebeuteten Klassen bis zum äußersten und treibt den Kampf der kapitalistischen Staaten auf die Spitze. Dadurch verursacht er unabwendbar weltumspannende imperialistische Kriege, die das gesamte herrschende Regime aufs tiefste erschüttern und führt mit eherner Notwendigkeit zur proletarischen Weltrevolution.

Der Imperialismus schlägt die ganze Welt in Fesseln des Finanzkapitals, zwingt die Proletarier aller Länder, Völker und Rassen mit Hunger, Blut und Eisen unter sein Joch und steigert die Ausbeutung, Unterdrückung und Knechtung des Proletariats ins Maßlose. Damit stellt der Imperialismus dem Proletariat unmittelbar die Aufgabe, die Macht zu erobern, und nötigt die Arbeiter, sich aufs engste zur einheitlichen internationalen Armee der Proletarier aller Länder zusammenzuschließen, über alle Grenzpfähle, über alle Unterschiede von Nation, Kultur, Sprache, Rasse, Geschlecht und Beruf hinweg.

Das Programm der Kommunistischen Internationale.
Angenommen vom VI. Weltkongreß am 1. September 1928 in Moskau.
entn.: IPK, 8. Jahrgang Nr. 133, Berlin, 30. November 1928
Link vom 25.10.2015

Gewiss, Sie werden vermutlich den Kopf schütteln, ob dieses gedanklichen Spagats. Aber wissen Sie, wenn man sich mit der Historie der, sagen wir, letzten hundert Jahre beschäftigt, dann muss man zum Schluss kommen, dass hier in der Tat eine Agenda verfolgt wird. Anders ist der Sachverhalt nicht zu erklären, dass europäische und amerikanische Finanzkapitalisten Lenin und damit die russische Revolution von 1917 finanzierten und so manche Medienhäuser in New York, Berlin und London dazu bewegen konnten, diese Revolution zu loben und etwaige blutige Massaker zu verschweigen. Eine mögliche, zugegeben äußerst spekulative Erklärung für die Zusammenarbeit von Ost und West, von arm und reich, könnte die von Präsident Putin gemachte Aussage über die Zusammensetzung der damaligen bolschewistischen Revolutionäre sein.

Falls Sie meinen, diese proletarische Weltrevolution sei ein alter Hut, dann muss ich Sie diesbezüglich eines Besseren belehren. Weil, am Ende geht es nur darum, dass eine elitäre Minderheit an der Spitze die Mehrheit am Boden kontrollieren und jegliche Opposition ausschalten möchte. Auf welche Weise und mit welcher Ideologie diese Kontrolle geschieht, ist vollkommen belanglos. Schlag nach bei Machiavelli, bei Orwell. Und wie soll bereits der Ökonom John K. Galbraith einmal gesagt haben: »Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus und im Kommunismus ist es genau umgekehrt.«