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Die Faschismuskeule 2.0

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Durch Zufall über den Artikel Das ist wie ein Stammtisch, der total eskaliert auf Jetzt.de gestolpert. Dieses Online-News-Portal ist der Versuch der SZ, junge Leute ins Boot zu holen und ihnen ordentlich das Gehirn zu waschen. Das Übliche halt.

Im besagten Artikel geht es um die Hooligans gegen Satzbau, die „täglich auf menschenverachtende Inhalte auf Facebook hinweisen“ und die – man lese und staune – für ihren „engagierten Kampf für eine bessere Welt“ den Social Hero Awards erhalten haben. Im Interview erklärt eine Skimaske tragende Mitkämpferin der Hooligans mit Namen Kiki Klugscheißerhool, was denn da so abgegangen ist, während der Preisverleihung.

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Wenn der Manager zum Politiker wird

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Wirtschaft und Politik auf den Punkt gebracht!

In der ZIB2 vom 11.05.2016 wurde der Voestalpine Chef Wolfgang Eder gefragt, ob ein Manager auch Bundeskanzler werden kann. Seine Antwort:

»Von den Grundproblemen her ist es durchaus vergleichbar. Ein großes Unternehmen zu führen, heißt: zu organisieren, heißt: zu führen, heißt: Ziele zu definieren, heißt: Konzepte zur Zielerreichung zu erstellen und genau dasselbe muss mit einem Land, mit einem Staat passieren.«

Ehrlich gesagt, es ist schon zum Haare raufen, dass solch ein Kommentar widerspruchslos im öffentlich-rechtlichen TV hingenommen wird. In Zeiten von TTIP, Polit-Technokraten und Konzerngiganten mag es natürlich auf der Hand liegen, dass die politische Entwicklung weg vom Volkstribun führt und in Richtung Manager auf Zeit geht. All das ist natürlich im Sinne des Establishments, nicht des gewöhnlichen Bürgers.

Sehen Sie, ein Manager führt einen Betrieb, weil er von den Eigentümern dazu bestellt worden ist. Die Eigentümer sind niemals die Arbeiter und Angestellten eines Betriebes (nennen wir es Demokratie), sondern Strohmänner (Vermögensgesellschaften, die Mehrheitsanteile halten), deren Eigentumsverhältnisse einem gordischen Knoten ähneln (nennen wir es Oligarchie).

Ein Unternehmen muss in erster Linie profitabel sein und darf, ja muss sogar auf Kosten von Belegschaft und Konsumenten gehen. Share holder value, nennt sich das dann und bedeutet nichts anderes, dass der Manager schon mal ein paar Leutchen auf die Straße werfen lassen und die Preise (in Absprache mit der Konkurrenz) in die Höhe schrauben kann, wenn die Kennzahlen den Eigentümern nicht gefallen.

Ein Manager geht über Leichen. Dafür wird er bezahlt. Dafür wird er belohnt. Deshalb sehen wir immer mehr Technokraten in politischen Ämtern. Nicht demokratisch gewählt, nein, sondern von »oben« eingesetzt.Siehe Griechenland, das unter einer Last von Einschnitten stöhnt und sich gesundschrumpfen soll. Was das in Wirklichkeit heißt, wird einem nicht gesagt, aber am Ende geht es darum, die nicht-profitablen Teile des Betriebes – also der Gesellschaft – abzustoßen, das heißt, zu entfernen. Mit anderen Worten: Wer nichts zum BiP beiträgt, soll in der Versenkung verschwinden. Die Bilanz hat immer das letzte Wort. Punktum.

Wenn die Chose so weiterläuft, und daran kann niemand mehr ernsthaft zweifeln, dann wird früher oder später auch die Frage aufkommen, ob nicht ein Manager Papst werden könne. Schließlich ist die katholische Kirche ja eine der größten Unternehmungen der Welt.

Dass Manager und Wirtschaft nicht die Lösung, sondern vielmehr das Problem in einer funktionierenden Gesellschaft sind, das getraut sich keiner zu sagen. Moment, es gab mal einen! Sir James Goldsmith, der sich vom raubtierkapitalistischen Saulus zum globalisierungsfeindlichen Paulus wandelte, sprach in einer Rede vor dem US Senat am 15. November 1994 die folgenden prophetischen Worte:

[meine Übersetzung:] »Wir [Unternehmer] haben alles gemacht, was in einem sozialen Sinne falsch war: Wir haben die Menschen vom Land entwurzelt, wir haben sie förmlich aus ihrer Umgebung herausgerissen, wir haben sie in Städte abgeschoben, wir haben ihnen keine Jobs gegeben, dafür Ghettos und das Sub-Proletariat geschaffen; die Verbrechensrate ging genauso hinauf wie die Drogenabhängigkeit, während die Familien auseinanderfielen – und all das in Zeiten einer extremen Hochkonjunktur. Warum? Weil wir nur an wirtschaftlichen Kennzahlen interessiert waren. Wir vergaßen, dass der Zweck von Wirtschaft nicht jener sein sollte, ständig Kennzahlen zu verbessern, sondern der Zweck von Wirtschaft ist vielmehr, den Wohlstand zu erhöhen, sowie soziale Stabilität und gesellschaftliche Zufriedenheit zu gewährleisten. Und [das Freihandelsabkommen] GATT [heute: TTIP] ist ein typisches Wirtschaftsinstrument um die Profite der Unternehmen zu steigern. Das Ergebnis wird die Zerstörung der gesellschaftlichen Stabilität sein, das weitere Auseinanderbrechen der Familien, erhöhte Kriminalität und Verarmung und all die anderen Krankheiten, an denen wir heute leiden.«

Der Preis der Ungleichheit in Frankfurt und der Buchmesse, 2012

Steinbrück links, Stiglitz rechts

Frankfurter Buchmesse 2012. Am Freitag lauschte ich den Ausführungen von US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der für eine halbe Stunde am blauen Sofa Platz nehmen durfte. Etwa zwei Stunden später gab es ein Gespräch mit ihm und Peer Steinbrück, ehemaliger teutonischer Finanzminister von 2005 bis 2009. Wie ich der Wikiseite entnehme ist Steinbrück der Kanzlerkandidat der SPD für 2013. Damit wird für mich einiges klarer, streute er sich doch Asche auf sein Haupt, als er meinte, er hätte in der Vergangenheit (als Finanzminister) Fehler gemacht (in Bezug auf die Vermögens- bzw. Transaktionssteuer). Ja, so leicht geht das, in der hohen Politik. Da greifst du aus Inkompetenz, Unvermögen, Lustlosigkeit oder bewusster Ignoranz voll daneben und nach ein paar Jahren kräht kein Mainstream-Hahn mehr danach, es sei denn, du hast einen günstigen Kredit erhalten oder eine wissenschaftliche Arbeit gegen Geld schreiben lassen. Tja, seit ich mich en detail mit der vergangenen internationalen Weltpolitik und dem ausufernden Mainstream-Medienapparat beschäftige, kann mich eigentlich keine politische Unverfrorenheit und dreiste Spin-Lügerei mehr überraschen. Sie ärgern mich nur noch. Dafür aber maßlos. Bezeichnend, dass Steinbrück zu guter Letzt eine Zentralisierung der Bildungspolitik in Germania forderte. Das brachte ihm auf dem Vorwärts-Messestand Applaus ein. Aber wenn wir eines wissen sollten, dann ist es der Umstand, dass Zentralisation noch nie etwas gebracht hat. Jedenfalls nicht für die Bürger. Nur für ein Establishment. That’s fact!

Joseph Stiglitz ist sympathisch. Es gefällt mir, wenn er mit eindringlich sachlicher Stimme die Dinge auf den Punkt bringt, dabei aber trotzdem Humor und ein Lächeln zeigt. Nicht umsonst prägte er in einem Artikel im Mai 2011 den Begriff der »top one percent«, einer superreichen Minderheit, die jeglichen Versuch, Vermögen und Einkommen in der Gesellschaft gerechter zu verteilen, verhindert. Dadurch, so Stiglitz, würde die Kluft zwischen »arm und reich« (besser vielleicht: Debitor und Kreditor) größer werden und diese extreme Ungleichheit würde für jede zukünftige Gesellschaft eine Zerreißprobe darstellen, mit anderen Worten: Für diese Ungleichheit hat die Gesellschaft und damit jeder Einzelne einen, womöglich hohen, Preis zu zahlen. Stiglitz schlug am Ende des Gesprächs vor, dass Bildung kostenlos/kostengünstig zugänglich sein solle, so dass sich Studenten nicht mehr exorbitant verschulden müssten. Weiters setzte er sich für die Einführung einer Transaktionssteuer auf Börsengeschäfte ein (tatsächlich gab es noch in den 1990ern in Österreich eine BUSt, eine Börsenumsatzsteuer, die man aber gänzlich strich, als auch Wien vom internationalen Börsenboom erfasst wurde); schließlich wünschte er sich eine gerechtere Versteuerung bzw. Verteilung von Einkommen und Vermögen. Das waren die Eckpfeiler. Peer Steinbrück stimmte dem zu. Und das sollte einen auf der Stelle nachdenklich stimmen.

Wenn Sie meine Meinung hören möchten, dann ist es jene, dass diese (und alle anderen Mainstream-) Lösungsansätze unzureichend und de facto sinnlos sind. Es würde den Rahmen sprengen, wollte ich mich im Detail erklären, dafür ist ja mein Buch Con$piracy geschrieben, aber eine Hand voll Informationen will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten.

Der wichtigste Punkt, um die Welt, die Politik, die Wirtschaft, usw. zu verstehen, ist, wie Geld entsteht und in Umlauf gebracht wird. Wächst es auf den Bäumen? Nope. Wird es durch Gold- oder Silbervorräte gedeckt? Nope. Sind es Sparguthaben, die als Kredite vergeben werden? Nope. Geld entsteht aus dem Nichts. Geld entsteht durch einen gewöhnlichen Eintrag in den Büchern der Banken. Geld kann immer nur durch ein Verschuldungstransaktion (Kredit, Anleihe) in Umlauf gebracht werden. Würde von heute an niemand mehr, also kein Bürger, kein Unternehmen, kein Staat, einen Kredit aufnehmen bzw. eine Obligation ausgeben, würde auch kein Geld mehr in Umlauf gebracht werden. Bargeld macht nicht einmal 10 % des Bruttoinlandsproduktes eines Landes aus. Bei Schweden sollen es überhaupt nur noch 3 % sein. Es könnte also gut sein, dass Bargeld in ferner Zukunft abgeschafft wird. Damit gäbe es nur noch Buchgeld, das virtuellen Charakter hat und demnach unendlich verfügbar gemacht, vollständig überwacht und manipuliert werden kann.

Die wichtigsten Zentralbanken, die das Geldvolumen und die Zinssätze eines Landes steuern, sind in privaten Händen und entziehen sich staatlicher/demokratischer Kontrollen. Der Spin des Establishments ist, dass sie einen staatlichen Eingriff in Finanzangelegenheiten für bedenklich und gefährlich erachten und deshalb auf eine strikte Trennung bestehen. Weiters heißt es, dass an den Zentralbanken nur Banken eines Landes beteiligt sind. Dass diese Landesbanken längst multinationalen Konzernen gehören, wird genauso verschwiegen, wie die Tatsache, dass jede Bank eine Aktiengesellschaft ist, deren (anonyme) Besitzer die Großaktionäre sind. Dass unter den 50 einflussreichsten Multinationalen Konzernen 48 dem Banken- und Finanzbereich angehören, ergab die Studie dreier Professoren der ETH Zürich im Jahr 2007.

Zinseszins ist eine exponentielle Funktion. Werden Kredite nicht zurückgezahlt, sondern durch weitere Kredite verlängert, fressen einem früher oder später die Zinsen die Haare vom Kopf und die Zahlungsunfähigkeit ist unausweichlich. Deshalb sollte die Frage nicht heißen, ob ein verschuldeter Staat bankrott geht, sondern wann. Standard & Poors schätzt, dass innerhalb der nächsten 50 Jahre etwa 60 % aller Staaten Schiffbruch erleiden werden.

Freies Unternehmertum ist nur noch ein Mythos. Tatsächlich ist es für aufstrebende Entrepreneurs nicht möglich, gegen alteingesessene Konzerne zu bestehen. Das hat viele Gründe, aber um es nicht zu kompliziert zu machen, müssen Sie sich nur die Frage stellen, welche Unternehmen jahrzehntelange Lobbyarbeit in der Politik betreiben und welche Unternehmen aufstrebenden Jungunternehmer Kredite einräumen. Sogar Joseph Stiglitz gibt unumwunden zu, dass die »vom Tellerwäscher zum Millionär«-Story ein Mythos ist. Ein Bill Gates, ein Steve Jobs, ein Mark Zuckerberg, sie alle mussten einerseits (politisch verhängte) Auflagen und Konzessionen erfüllen, andererseits ihre Ideen durchfinanzieren und (im Mainstream) vermarkten. Mit anderen Worten, ein Jungunternehmer ist nur so erfolgreich, wie ein Establishment, das Politik, Finanz und Mainstream kontrolliert, diesen erfolgreich werden lässt. That’s fact!

Der Mainstream-Medien- und Verlagsapparat, der nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Profit) agieren muss, ist alles, nur nicht unabhängig. Wer Ihnen das Gegenteil erzählt, der möchte Sie nur in die Irre führen und ablenken. Eine Qualitätszeitung muss sich genauso dem Marktdiktat ergeben wie ein Boulevardblatt. Beide erzählen dem Leser eine schöne, schreckliche, spannende oder ernste Geschichte. Die Wahrheit spielt dabei freilich keine Rolle. Wer das nicht glaubt, der schlage bei Noam Chomsky nach.

Die Demokratie hat längst abgedankt. Gut zu sehen, als man in Griechenland und Italien Technokraten an die Spitze der Regierungen setzte, obwohl sie keinerlei Legitimation durch das Volk erhalten haben (siehe dazu die »Master of the Eurozone« und wie die Bank Goldman Sachs Europa erobert: The Independent). De facto war es ein Putsch des Establishments, der aber im Mainstream schön geredet wurde. Politiker sind nur noch »Sachzwängen« unterworfen. Egal, welche Partei an die Spitze gespült wird, es ändert nichts daran, dass Geld die Welt regiert. Und da Staaten nicht mehr schuldenfrei und von weiteren Krediten abhängig sind, um fällige Kredite tilgen zu können usw. muss sich die Politik zwangsweise beugen. Das sagte bereits der Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, im Jahr 1996. Aufruhr gab es damals keinen. Ein gefälliges Nicken im Mainstream. Sollte sich jedoch eine Regierung diesem Finanz-Diktat widersetzen, dann wird es gnadenlos ausgelöscht. Die Liste der Regierungen und Regime, die deshalb vom Establishment einen Kopf kürzer gemacht wurden, ist lang. Beispielhaft: Iran, Guatemala, Afghanistan, Jugoslawien, Irak, Libyen, usw.  Griechenland ist gegenwärtig vom Establishment ausgewählt worden, um als Exempel herzuhalten: Wer sich nicht unserem Diktat beugt, dem werden keine Kredite eingeräumt und falls das nicht reicht, wird die Bevölkerung mittels Propaganda in Angst und Schrecken versetzt. Diese Schocktherapie hat in den Dritte-Welt-Ländern und in der auseinanderbrechenden UdSSR bestens  funktioniert. More to come!

Zum Abschluss sei noch Prof. Lietaer zitiert. Vermutlich werden Sie ihn nicht kennen. Nobelpreis erhielt er keinen, und in großen Verlagen publiziert er meines Wissens auch nicht. Das müsste nichts bedeuten. Freilich nicht.

»Von allen uns bekannten Mitteln, eine traditionelle Gemeinschaft zu zerstören, Religion, Gewalt, was auch immer, das sicherste Mittel ist Geld.«

P.S.: Ich würde per Gesetz verordnen, dass jeder aktive Politiker gezwungen wird, innerhalb eines Stadtgebietes auf sein Auto zu verzichten. Somit sollte er nur noch zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln seine Runden ziehen dürfen. Damit müsste die politische Elfenbeinturm-Exklusivität ein Ende haben. Jedenfalls denke ich mir das immer wieder, wenn ich um Mitternacht in der U-Bahn sitze und beobachten muss, dass die Sozialpolitik der letzten fünfzig Jahre völlig versagt hat. Dabei ist es egal, ob man sich in Frankfurt oder Wien bewegt. Die nächsten fünfzig Jahre werden zeigen, ob wir das Kapitel »gelebte Demokratie« offiziell ad acta legen müssen.

Revolution? Okay. Morgen hätte ich noch einen Termin frei. Sagen wir um 12 Uhr?

Eigentlich könnte man friedlich abhängen, an diesem kühlen Samstag. Es sieht nach Regen aus. Was gibt es besseres, um zu schreiben? Eben. Für die nächsten Stunden habe ich mir vorgenommen, einen Beitrag zu fabulieren, der in seiner Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit nicht aufgeschoben werden darf. Wird sich etwas ändern, wenn ich ihn geschrieben habe? Nope. Wird sich etwas ändern, wenn Sie ihn gelesen haben? Nope. Also, wozu der Aufwand? Tja. Darauf kann es keine befriedigende Antwort geben. Vielleicht ist es einfach nur das kreative Ego und das schlechte Gewissen, die zusammen wirken und mich förmlich bedrängen, endlich einmal Klartext zu reden. Gut. Dann machen wir das.

Übrigens, wer sich nicht mit trockenen Ausführungen zu diesem Thema herumschlagen möchte, für den gibt es meine kleine feine Parabel Der blaue Smaragd von gerade einmal 10 Seiten. Darin werden meine Überlegungen auf erzählerische Weise auf den Punkt gebracht. Hier ist das PDF zum Herunterladen.

M. sieht der Zukunft optimistisch entgegen. Sie ist jung, steht auf ihren eigenen Füßen und glaubt daran, dass die Menschen auch die größten Probleme lösen werden können. Auf meine bisherigen bloggenden Ausführungen, die sich mit einem „halb leeren“ Glas beschäftigen, hat sie mir vorgehalten, Schwarz zu malen und untätig zuzusehen, wie sich meine so negativ hoffnungslos postulierte Prophezeiung bewahrheitet. Doomster, heißen dann diese Leutchen, die ein Lied von Weltuntergang und Hoffnungslosigkeit singen. Ich habe mich hie und da gefragt, ob sie recht hat, die gute M. Könnte es sein, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die sich wohl fühlt, wenn sie die Leichen der Gesellschaft aus dem Keller holt und ins Rampenlicht stellt. Gewiss. Es gibt sie, hat sie immer gegeben, diese selbsternannten Propheten, die Ängste schüren und das Heil in der Entsagung im Diesseits sehen. Aber wer möchte heutzutage entsagen? In einer Zeit des stetigen Überflusses. Gut, das gilt nicht für alle Menschen auf dieser Erdkugel. Ach ja! Uns fällt ein, dass wir nicht allein sind. Dass es noch viele viele andere Menschen gibt, deren Leben aber gänzlich anders strukturiert ist, als das unsrige. Die Angst haben müssen, den nächsten Morgen nicht mehr zu erleben. Die nicht wissen, wie es morgen weitergehen wird. Die zum Spielball anderer Menschen werden. Ausgenutzt und benutzt.

Gut. Ich habe nun drei Artikel gefunden, die sich intensiv mit dem halb leeren Glas beschäftigen.

Al Gore ist vermutlich vielen ein Begriff. Er war US-Vizepräsident, Präsidentschaftsanwärter und hat sich mit Umweltfragen auseinandergesetzt. Schließlich gipfelten seine Anstrengungen in der Dokumentation An Inconvenient Truth – Eine unbequeme Wahrheit aus dem Jahre 2006, das sogar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Für kurze Zeit war Al Gore und seine Bewegung gegen Globale Erwärmung in aller Munde. Und heute? Rund fünf Jahre später können wir feststellen, dass sich nichts Wesentliches verändert hat. Nicht auf politischer Ebene. Nicht auf medialer Ebene. Al Gore hat es zum Anlass genommen, noch einmal  auf den Tisch zu hauen. Im Rolling Stone Magazine hat er einen hitzigen Artikel, eine giftige Tirade geschrieben. Herrlich! Weil es an der Zeit ist, die Glacé-Handschuhe auszuziehen und Klartext zu reden. Wirklich!

Die Frage, die man sich natürlich stellen kann, ist, ob die globale Erwärmung von Menschen oder vielleicht am Ende doch nur durch kosmisch-physikalische Prozesse (zum Beispiel Sonnenwinde) verursacht wird. Es sind zwei unversöhnliche und gegensätzliche Positionen, die sich da gegenüber stehen. Während die eine Position die Schuld bei jedem Einzelnen sucht (ja, auch bei Ihnen, auch bei mir), weist die andere Position jede Schuld brüsk von sich. Wir können uns vermutlich gut vorstellen, welche der beiden Positionen in den Medien und in der Politik am besten wegkommt, oder? Kein Wunder also, wenn Al Gore eine Breitseite auf die „Kopf-in-den-Sand“-steckenden Mainstream-Medien abfeuert. Mehr noch, die Medien sind es, so sagt Al Gore, die absichtlich Zweifel und Verunsicherung schüren. Kein Wunder also, wenn wir allesamt nur mit den Schulter zucken. Niemand weiß etwas Genaues. Also tun wir, was wir immer getan haben. Nichts. Und das können wir ja bekanntlich am besten. Freilich, wer sein schlechtes Gewissen beruhigen möchte, der wählt Öko-Strom und nimmt mal den Zug, statt des Flugzeugs. Vielleicht.

Die Ironie in der Geschichte ist, dass Al Gore in jedem Fall recht hat, auch wenn er unrecht hätte. Fakt ist nämlich, dass wir mit der Verbrennung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe das Ökosystem und die Gesellschaft an den Rand des Kollaps führen. Man sehe sich jene Gegenden an, wo Öl oder Erdgas gefördert oder verarbeitet wird. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen Pipelines ganze Landstriche halbieren. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen um die Ressourcen gekämpft wird. Bürgerkrieg. Milizen. Terror. Und hier, im reichen Westen? Was haben wir mit dem Reichtum, der nur, wirklich nur auf billige Energie zurückzuführen ist, was haben wir also mit diesem Reichtum, den es nicht ewig geben wird, angestellt? Wir haben Monster-Städte geschaffen, die nur noch für eine gehobene Bürgerschicht angenehme Lebensverhältnisse bieten, während der größte Teil der Einwohner in Wohnsilos dahinvegetieren. Das Auto hat innerhalb von fünfzig Jahren das Stadtbild dermaßen ins Negative verändert, das man es nicht mehr mit einem menschenwürdigen Ort zu tun hat. Während ich diese Zeilen schreibe, brausen am Handelskai, direkt unter mir, die Autos vorbei. Kaum einer stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Lärm und Abgase auf die Menschen haben. Oder dass stark befahrene Straßen kleinere und größere Stadt-Gebiete regelrecht zerteilen. Oder dass durch das Auto die Nahversorgung obsolet geworden ist und dörflich-gesellschaftliche Strukturen vernichtet wurden. Von Unfallzahlen und Umweltverschmutzung will ich hier gar nicht erst reden. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber um es auf den springenden Punkt zu bringen: auch wenn die globale Erwärmung nicht durch den Menschen verursacht werden würde, so ist die bedingungslose Abhängigkeit gegenüber billiger fossiler Energie für die Menschheit verheerend.

Wären wir Menschen allesamt aufgeklärt und vernünftig, man hätte schon längst erkannt, dass der Zug gegen die Wand knallen wird, wenn wir nicht rechtzeitig abbremsen und unsere Bedürfnisse (Gier) zügeln. Statt dessen wird noch immer von Wirtschaftswachstum gesprochen, in einer Welt, auf einem Planeten, mit endlichen Ressourcen. Wie passt das zusammen? Würde man sich kurz einmal zurücklehnen und darüber nachdenken, man müssten den Kopf schütteln, ob all der vielen Experten und Politiker, die nur das Wirtschaftswachstum im Kopf haben („Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch dir gut!“). Erbärmlich!

Wenn wir wissen wollen, welche Alternativen wir in den nächsten 30 Jahren zum Erdöl als Energiequelle haben, tja, dann sieht es nicht sonderlich gut aus. Michael T. Klare geht davon aus, dass es nun einen 30jährigen Krieg um die Energie-Vormachtstellung auf diesem Planeten geben wird. Das ist nur logisch, oder? Und wer jetzt wieder mit Solar- und Wind-Energie kommt, der muss leider hören, dass die IAE schätzt, dass im Jahre 2035 der Anteil dieser erneuerbaren Energie etwa 4 % (in Worten: VIER) des gesamten weltweiten Energieverbrauchs ausmachen wird. Äh. Ja. Das ist wahrlich bescheiden, oder?

Gemäß BP (ja, das sind die netten Leute, die in den Golf von Mexiko gepinkelt haben) hat die Welt Energie in einem Ausmaß von 13,2 Milliarden Tonnen Erdöl-Äquivalent konsumiert. Die  Energie-Konsumation setzt sich wie folgt zusammen:

  • 33,6 % Erdöl
  • 39,6 % Kohle
  • 23,8 % Erdgas
  • 6,5 % Wasserkraft
  • 5,2 % Atomkraft
  • 1,3 % erneuerbare Energie

Zusammen decken die fossilen Brennstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl) rund 87 % des gesamten Energiebedarfs. Hm. Das ist nicht gerade wenig, oder? Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass Erdöl als Ausgangsmaterial für Trillionen von Produkten (Pestizide, Düngemittel, Medikamente, Kunststoff, Textil usw.) notwendig ist, dann könnte einem schon schwindlig werden, wenn man sich vor Augen führt, dass dieses schwarze Gold knapper und knapper wird. Und wir sollten wissen, was sich Menschen alles antun, um zu ihrem „gerechten“ Anteil zu kommen, oder?

Dass US Präsident Jimmy Carter bereits 1977 eine Fernsehansprache hielt, in der er die Öl-Abhängigkeit der USA anprangerte und zur Feststellung gelangte, dass seine Landsleute alles tun müssten, um den Energie-Verbrauch in Zukunft zu senken. Er ging mit gutem Beispiel voran und montierte am Weißen Haus eine Solaranlage. Ronald Reagan hat sie wenige Jahre später wieder abmontieren lassen und das Credo ausgegeben: Öl ist für alle (US-Amerikaner) da. Punkt.

*

There’s No Housing Bubble to Go Bust
Ben Bernanke
Vorsitzender der US Notenbank
[die US Notenbank ist eigentlich eine Privatbank!]

Aber wenn dieser Cocktail aus globaler Erwärmung und Energie- und Rohstoffknappheit nicht schon giftig genug ist, dann kommt noch eine hübsche künstliche Erfindung ins Spiel, die aus dem giftigen ein explosives Gemisch macht: Geld aus dem Nichts. Äh. Ja. Die Münzen, die Scheine, die Sie in der Tasche haben, wurden aus dem Nichts gezaubert. In den 1970ern wurde die Gold- und Silberdeckung aufgehoben. Das bremste nur die Wirtschaft, sagten sich die Experten. Und hatten vermutlich recht. Irgendwie. Man erklärte lapidar, dass der Staat für das ausgegebene Geld bürgen würde. Haha. Lustig, nicht? Der Staat sind wir! Nicht mal die Revolutionäre von 1789 getrauten sich Geld aus Nichts entstehen zu lassen. Nope. Sie besicherten ihre ausgegebenen Geldscheine mit dem konfiszierten Eigentum von Kirche und Adeligen. Wie dem auch sei, die Aufhebung der Gold- und Silberdeckung hatte eine unbeschreibliche Sogwirkung. Geld kam zu Geld. Geld kommt zu Geld. Mehr und mehr. Als Beispiel sei die US-Bank Goldman Sachs zu nennen, die ihren Managern Bonuszahlungen im Wert von $ 17, 5 Milliarden ausschüttet. Deren CEO Llyod Blankenfein streift satte $ 12,6 Millionen ein. Wir können davon ausgehen, dass es in anderen Banken ähnlich aussieht. Jetzt müssen wir kurz inne halten. War es nicht so, dass die Bürger der westlichen Welt den zusammenbrechenden Finanzmarkt mit Bürgschaften und Krediten stützten? Mit anderen Worten: dass Blankenfein einen Scheck einsteckt ist nur dem Umstand zu verdanken, dass der Automechaniker ums Eck seine Unterschrift auf eine Bürgschaft gesetzt hat, in der steht, dass er für alle Schulden aufkommen würde, die sich da so ansammeln. Aha. Wir sehen: wenn es um Profite geht, greifen alle Blankenfeins dieser Finanzwelt ungeniert zu, geht es aber um Verluste, dann müssen die anderen, muss die Gesellschaft gerade stehen. Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz nennt dieses System Ersatz-Kapitalismus.

Diese obszöne Gier, die Wall Street (und alle anderen Finanzplätze) und die Konzerne gepackt hat, schreckt vor nichts mehr zurück. Durch die astronomischen Profite, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, konnten sich die Banksters und Wirtschaftsmoguln alles leisten: Politiker genauso wie Medienhäuser. Wie soll es da jemals zu einer notwendigen ernsthaften Diskussion um die Zukunft dieser Welt kommen, wenn im Hintergrund nur die Maxime „Profit!“ gilt? Es ist natürlich ein Klischee, wenn wir sagen: Geld und Macht korrumpiert. Aber dieses abgedroschene Klischee bewahrheitet sich. Immer und immer wieder.

Wen wundert es also, wenn Einzelne mit dem Mut der Verzweiflung gegen den Wahnsinn anschreiben? Hervorzuheben natürlich der Pulitzer-Preisträger Chris Hedges, der in seinem letzten Artikel eindringlich die Forderung stellt, dass die Revolution in den USA beginnen müsse. Wirklich.

Bin ich, sind wir, die wir auf diese dunklen Punkte hinweisen, Doomsters? Ist das Glas in Wirklichkeit halb voll? Ich schätze, es liegt an Ihnen, die Seite zu wählen. Wählen werden sie müssen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber wählen werden Sie müssen.