Schlagwort-Archive: kritik

Antisemitismus, Redefreiheit und der Zwang zum Schweigen

Rund 230 Jahre ist es nun her, als der gute Immanuel Kant seinen Aufsatz über die Aufklärung schrieb. Zwei Jahrhunderte sind ins Land gezogen, viel Geschichte ist in dieser Zeit passiert und es dünkt mir, dass gewisse Kräfte diesen Geist der Aufklärung am liebsten wieder in die Flasche zurückzwingen wollten.

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Star Wars: Die letzten Jedi und das Erwachen der bürgerlichen Macht

Ich war gerade mal 10 Jahre alt, als ich mit M. und seiner Mutter dieses phantastische Weltraummärchen Star Wars sehen durfte. Die Kinokarte kostete damals 50 Schillinge und die Klappstühle waren aus Holz. Die Währung und das Kino, welches über der Donau gelegen war, gibt es längst nicht mehr. Was bleibt sind nur noch vage Kindheitserinnerungen an eine längst versunkene Epoche.

Nun habe ich den 8. Film der Sternenkrieg-Saga Die letzten Jedi gesehen und dachte mir, ich mache mir mal so meine ausschweifenden Gedanken darüber. Falls du den Film ebenfalls gesehen hast, lass mich und andere mit einem Kommentar wissen, wie er dir gefallen/missfallen hat. Hier der Link zu den gesammelten Filmkritiken auf Rotten Tomatoes und Metacritic.

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Denkverbote #0: Reden wir darüber

Denkverbote.jpg

Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält,
verdient oft am meisten untersucht zu werden.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-99)
erster Professor der Experimentalphysik

Begibt man sich als skeptischer Zeitgenosse auf eine Reise zum Mittelpunkt der Wahrheit, dann begegnet einem auf dem Weg eine Reihe von Denkverboten. Gewiss, diese Verbote werden für gewöhnlich nicht direkt ausgesprochen und zielen auch nicht auf das Denken selbst ab – noch darf und kann man denken, was man will. Aber wehe, man brächte ketzerischen Gedanken zur Sprache oder aufs Papier, trüge diese auf Händen in die Öffentlichkeit. Mit einmal würde das Gesagte oder Geschriebene oder Gezeichnete auf die goldene Waagschale gelegt. Maßstäbe, die vor Gericht ‚offenkundige Tatsachen‘, im Alltag ‚Allgemeinwissen‘ heißen, werden angelegt. Urteile werden gefällt, mediale Pranger aufgestellt, Bücher verbrannt und Scheiterhaufen entzündet. Der Ungläubige hat abzuschwören und vor den erbosten Richtern einzugestehen, auf dem falschen Weg gewandelt zu sein. Weigert er sich – sei es aus Prinzip, sei es aus gekränktem Stolz – ist seine Existenz keinen Pfifferling mehr wert. Nach Verbüßen der ihm auferlegten Strafe wird er zum Paria erklärt und stirbt eines einsamen Todes. Wer sich dieser modern-kafkaesken Hexenverfolgung nicht ausliefern möchte, muss schweigen und vergessen lernen. Vielleicht, seufzt der Frevler in einem melancholischen Moment, hätte ich besser die ketzerischen Gedanken nie gedacht.

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Dunkirk oder Die rätselhafte Banalität des Christopher Nolan

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Wer löst das Rätsel?

Ehrlich gesagt, ich war ziemlich verärgert. Was wollte uns Regiewunderknabe Christopher Nolan mit seinem neuesten Streich Dunkirk mitteilen? Die Erzählstruktur, die drei oder vier subjektive Ebenen wie Puzzlesteine miteinander verschränkt, wirkt natürlich modern und anders – wurde aber mit Sicherheit schon besser umgesetzt. Die Bilder sind stimmig und photogen, die musikalische Untermalung in der ersten Hälfte passend, in der zweiten verfällt sie in eine pathetische Klangmalerei. Zu guter Letzt lässt Nolan auch noch einen der geretteten Soldaten Churchills Rede We shall fight on the Beaches zitieren. Ja, wir Briten, wir werden uns niemals ergeben und werden überall kämpfen, wir werden unsere Insel verteidigen, was es auch immer kosten mag und so weiter und so fort. Hätte solch eine Rede die andere Seite ins Mikrofon gesprochen, man würde heutzutage ins Gefängnis gehen, würde man sie hoffnungsvoll zitieren. Aber die Geschichte, wie wir wissen, wird immer nur von den Siegern geschrieben und wenn Napoléon Recht hatte, dann ist Geschichte die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

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Das Ende der Qualitätszeitung ist nah

Es gab eine Zeit, als der Leser eine Qualitätszeitung als Leuchtfeuer für Wahrheit und Freiheit gesehen hat. Doch diese Epoche geht nun dem Ende zu.

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Der Standard, Album A3, 11.Februar 2017

 

Dank dem allwissenden und nicht so leicht vergessen könnenden Internet vermutet der aufgeklärte Bürger, dass hinter dem gedruckten Zeitungspapier eine Redaktion steht, die von einem Management ausgesucht und ausgewählt wurde, um eine ‚von oben‘ vorgegebene politisch-wirtschaftliche Richtung (Agenda) umzusetzen. Mit anderen Worten, eine Zeitung (besser: Medienkonzern) wird niemals bereit sein, sich mit einer unangenehmen Wahrheit auseinanderzusetzen, die der Agenda widersprechen könnte. Vielmehr wird die Redaktion alles tun, um den Leser in seiner Unwissenheit (besser: konditionierten Wissensblase) gefangen zu halten. Was wir Qualitätsjournalismus nennen, ist heutzutage nur eine intelligentere Ausprägung der Propaganda, deren Aufgabe es ist, die breite Masse zu formen und zu führen. Diesbezüglich ist es Aufschlussreich, das Buch Propaganda von Edward Bernays, Sigmund Freuds Neffe, zu kennen. Darin macht sich der in den USA lebende Bernays bereits in den 1920er Jahren Gedanken darüber, wie eine gebildete Elite die öffentliche Meinung steuern könne und müsse:

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