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Ein bisschen Krieg, ein bisschen Sonne, für unsere Wirtschaft, unter der wir stöhnen

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Es geht ganz einfach, wirklich!

Weil im Moment in manchen Köpfen die Sicherungen durchbrennen, möchte ich zeigen, wie einfach es ist, die Leutchen dazu zu bringen, sich die Schädel einzuschlagen. Deshalb, seien Sie kritisch/skeptisch, wenn Sie bemerken, dass die Zeitungen oder TV-Nachrichten Sie dazu bringen möchten, ein politisches Lager zu hassen oder zu fürchten. Bedenken Sie, dass in (Vor-)Kriegszeiten in allen Staaten eine offizielle Propaganda-Stelle (in George Orwells 1984 heißt diese sinnigerweise Wahrheitsministerium) für den „richtigen“ Ton und die „notwendigen“ Schlagzeilen in den Medien sorgt. Die Wahrheit, wie man bekanntlich weiß, ist im Kriegsfall das erste Opfer. Aber glauben Sie ja nicht, dass nach Ende der Kampfhandlung der Sieger die Historie geraderückt, ganz im Gegenteil. Der Sieger, auch das ist eine Binsenweisheit, schreibt die Geschichte in seinem Sinne.

Die belgische Historikerin Anne Morelli hat die Prinzipien der Kriegs-Propaganda auf 10 springende Punkte gebracht – ich habe mir erlaubt, die eine oder andere Anmerkung dazu zu machen:

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1. Wir wollen den Krieg nicht
Vgl. die pazifistischen Wahl-Slogans von den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1913-1921), Franklin D. Roosevelt (1933-1945) und Barack Obama (2008-2016).

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2. Das gegnerische Lager trägt die alleinige Verantwortung
Vgl. Pearl Harbour und die zuvor von Washington durch Sanktionen in die Ecke gedrängte Japanische Regierung – „Der Gegner gab den ersten Schuss ab!“

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3. Der Führer des Gegners hat dämonische Züge
„Die Achse des Bösen/The Axis of Evil“

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4. Wir kämpfen für eine gute Sache
„The good war!“

The myth of the good war: [meine Übersetzung] „Die Glorifizierung des Zweiten Weltkriegs hatte auch praktische und unheilvolle Konsequenzen. Es verführte uns zu einer leichteren Akzeptanz von „liberalen Interventionen“, begründet in der Annahme, dass nur wir im Westen so rechtschaffen und qualifiziert seien, um die Unterscheidung zwischen dem politisch Richtigen und dem politischen Falschen zu treffen – und die Überzeugung, dass unsere verinnerlichte Rechtschaffenheit alle Mittel heiligt, welche Zwecke auch angewendet werden und so ziehen wir [guten Gewissens] eine Feuerschneise von Dresden über Bagdad bis nach Tripolis. Worse than that, the glorification of the second world war has had practical and baleful consequences. It has led us to an easier acceptance of “liberal interventionism”, founded on the assumption that we in the west are alone virtuous and qualified to distinguish political right from wrong – and the conviction that our self-evidently virtuous ends must justify whatever means we employ, lighting up a bomber flare path from Dresden to Baghdad to Tripoli.“

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5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen
Präsident George Bush Oktober 2002: „Das irakische Regime besitzt und produziert chemische und biologische Waffen. Es versuch, an Nuklearwaffen heranzukommen. The Iraqi Regimet possesses and produces chemical and biological weapons. It is seeking nuclear weapons.“

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6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, bei uns handelt es sich um Versehen
Vergleiche die Bombardierung eines Spitals von Ärzte ohne Grenzen der US-Luftwaffe in Kunduz und den Vorwurf Washingtons, dass russische Streitkräfte Spitäler bombardiert hätten, ohne jedoch faktische Beweise vorzulegen. Die westliche Presse übernahm die Vorwürfe ungeprüft.

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7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm
Präsident George Bush Sr. Jänner 1991: „I’m hopeful that this fighting will not go on for long and that casualties will be held to an absolute minimum.“

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8. angesehene Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache
Hollywood Goes to War: Patriotism, Movies and the Second World War from Ninotchka to Mrs Miniver: „Hollywood ging mit Enthusiasmus in den Krieg […] und versuchte die Kriegsanstrengungen zu zu verstärken. Hollywood went to war with gusto […] was trying to boost the war effort.“

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9. Unsere Mission ist heilig
Präsident George Bush Mai 2003: „In this battle, we have fought for the cause of liberty and for the peace of the world.“

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10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, steht auf der Seite des Gegners.
Präsident George Bush November 2001: „You’re either with us or against us in the fight against terror.“

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Ich würde noch einen weiteren Punkt anführen:
11. Nur der Gegner betreibt Propaganda, während wir unsere Bürger aufrichtig informieren.
Somit ist es unmöglich, für einen aufrichtigen Politiker, der Weltöffentlichkeit jemals Fakten und Beweise vorzulegen, ohne vom Presseapparat diskreditiert und der Propaganda beschuldigt zu werden. Vgl. Staatsstreich in Guatemala 1954 – angezettelt und ausgeführt mit Unterstützung der CIA: In den USA werden zu jener Zeit Artikel in den Zeitungen publiziert, die davon sprechen, dass (Präsident von Guatemala) Arbenz tausende politische Gegner inhaftiert hätte (was freilich nicht stimmte). Vor der UN-Versammlung in New York fordert der Außenminister von Guatemala einen neutralen Ausschuss, der die vorgebrachten Anschuldigungen der USA prüfen soll. Aber die USA und ihre Verbündeten tun diese Anschuldigungen als Propaganda ab und blockieren durch ihre Stimmen im Sicherheitsrat die Bildung eines Ausschusses und damit eine offizielle Prüfung der politischen Lage in Guatemala. Die Folge war der Sturz der demokratisch gewählten Regierung. Guatemala versank für 30 Jahre in einen Bürgerkrieg, der rund 200.000 Zivilisten das Leben kosten sollte. Die Opfer waren in der Mehrzahl Ureinwohner (Mayas) des Landes. Kommt uns das jetzt nicht alles irgendwie bekannt vor?

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16 Fußnoten in 14 Stunden

Zu guter Letzt noch dieser Blog-Post. Dann ist Schluss für heut. Rund 14 Stunden bin ich an den Fußnoten für Con$piracy gesessen und habe versucht, damit meine Ansichten abzudichten, will heißen, sie wasserdicht zu machen. Denn die größte Gefahr, die ein unbekannter Autor machen kann, der unbequeme Themen behandelt, ist, dass er seine – für Außenstehende sehr seltsam klingende –  Überlegungen ins Blaue abfeuert. Also braucht es eine Reihe von Persönlichkeiten, sei es in Politik oder Wissenschaft oder in den Medien, die als getreue Zeugen aufgerufen werden können. Aber leicht ist es wahrlich nicht, diese Zeugen zu finden.

Heute konnte ich folgende Zeugen in den Zeugenstand rufen:

Robin Cook, ehem. britischer Außenminister.
General Leonid Ivashov, ehem. Generalstabschef der Russischen Föderation.
James H. Billington, Fire in the Minds of Men: Origins of the Revolutionary Faith, 1999.
Flavius Josephus, antiker Historiker.
›Innsbrucker Zeitung‹ vom 6. November 1809.
Biophysiker / Biokynetiker Prof. Heinz von Foerster.
Mother Jones Artikel in der Ausgabe Sept./Okt. 2011.
Miklós Kun, Stalin: An Unknown Portrait, 2003.
AlterNet Artikel vom 9.10.2011.
Berliner Zeitung vom 29.02.2000.
bedingt »niveauvoll« Quelle in USA.
ABC News vom 16.02.2012.
US Außenministerium vom 19.01.2010.
Transkript der US-Kongressanhörung 27.01.2010.
Open Salon vom 3.2.2010.

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Ja, auf den ersten Blick fragt man sich, wie man an diesen Fußnoten mehr als einen halben Tag sitzen kann. Tja. Wenn man wüsste, wo diese zu finden sind, dann wäre alles um so viel einfacher. Aber manchmal braucht es viel Zeit, Gehirnschmalz und Glück, dass man die richtige Stelle in einem Konvolut unwesentlicher Daten findet. Eine Niederlage musste ich leider hinnehmen: Das Transkript einer US-Gerichtsverhandlung konnte ich beim besten Willen nicht ermitteln. Vielleicht ist es auch gar nicht online einsehbar, geht es doch um die »Staatssicherheit« der USA. Apropos. Im Moment lese ich John Mosiers »The Eastern Front, 1941 – 1945« und gleich zu Beginn eröffnet der US-Historiker das Buch mit dem Kapitel »Pseudo-Reality and the Soviet Union«. Ich denke, jeder, der sich mit den großen Ereignissen im 20. Jahrhundert beschäftigt, sollte sich das Kapitel zu aller erst zu Gemüte führen. Dann wird einem vielleicht mit einem Schlag klar, dass nichts ist wie es scheint – jedenfalls dann, wenn die Obrigkeit Mittel und Wege findet, Lüge in Wahrheit umzuformen. Oder wie es ein geflügelte Phrase in der Sowjet-Ära auf den Punkt bringt: »Er lügt wie ein Augenzeuge.« More to come!