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EM: Spieltag 2 – Gruppe B

Donnerstag, 12. Juni 2008

Spieltag 2 – Gruppe B: die Wunder meiner Seligkeit

Gruppe B, in Klagenfurt (18:00): Kroatien – Deutschland 2:1

Keiner hat damit gerechnet. Nicht nach der inferioren Leistung der Kroaten gegen die Österreicher. Rückblickend betrachtet, könnte man sich (als Österreicher) fragen, ob wir vielleicht wirklich so gut waren – immerhin spielten wir die Kroaten 60 Minuten lang schwindlig und an die Wand. Bei den Deutschen hatte man nicht gerade den Eindruck, dass sie das Spiel drehen hätten können (wobei, wenn man eine Mannschaft nicht abschreiben sollte, dann ist es Deutschland). Da fehlte der Biss. Lustlosigkeit wohin man sah. Und Ideen gab es auch keine. Bezeichnend die rote Karte für Schweini. Lässt sich provozieren. Rastet aus. Unverständlich! Als würde er zum ersten Mal in einem internationalen Bewerb spielen („äh, ich dachte, es ist okay, wenn ich meinem Gegner einen Stoß versetze … war ja auch kein Ball in der Nähe“). Für mich war es das erste Wunder des heutigen Abends. Weil am Ende die Deutschen immer noch das Unentschieden oder den Sieg erreichen. Das ärgert. Das nagt. In der österreichischen Verliererseele. Welche Wonne, welch Freude, die deutschen Nachbarn auf der Verliererseite zu sehen. Und plötzlich werden die Kommentatoren im deutschen Fernsehen ein wenig ruhiger, besonnener, kritischer. In der Haut eines deutschen Fans möchte ich jetzt nicht stecken. Denn wenn sie im Entscheidungsspiel gegen die Österreicher verlieren, haben sie nicht nur den Schaden, sondern auch den Spott. Weltweit.

Gruppe B, in Wien (20:45): Österreich – Polen 1:1

Gibt es eine ausgleichende Gerechtigkeit? Vermutlich nicht. Fußball ist wie das Leben, das ist auch nicht immer gerecht (sagte gerade der „geadelte“ Josef von Hickersberger – hätten wir verloren, wäre er der „Färöer-Pepi“ geblieben). Recht hat er. Hauptsache, wir haben glücklich, aber verdient den Elfer in der letzten Minute bekommen und verwandelt (ist auch eine Leistung. Schlag nach bei C. Ronaldo). Wie viele österreichische Fans haben da gezittert? Also, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Hinschauen? Wegschauen? Hinschauen? Wegschauen?

Die ersten 25 Minuten im Kroatienspiel waren ein Jammer. Da hat nix gepasst. Die ersten 25 Minuten im Polenspiel waren eine Freude. Da hat alles gepasst. Sonderbare Verwandlung. Wieder dieses „was-wäre-wenn“-Spielchen: Harnik läuft alleine aufs Tor zu und vergibt. Leitgeb läuft aufs Tor zu und vergibt. Harnik kommt am Fünfer frei zum Schuss und vergibt. Wir kombinieren. Wir spielen die Polen an die Wand. Korkmaz überläuft mehrmals die Gegner, spielt Katz und Maus mit ihnen. Eine Freude. Wahrlich. Aber in jeder österreichischen Fußballerseele wohnt die Angst (bei den Deutschen: die Zuversicht), dass ein Spiel 90 Minuten dauert und am Ende die Österreicher verlieren. Wundert es einen, dass die Polen mit ihrem ersten Angriff nach über 30 Minuten das Tor machen? Sehr glücklich. Weil es irregulär war. Weil der Torschütze einen Meter im Abseits stand. Wie das die Schiedsrichter übersehen konnten, bleibt wohl das größte Geheimnis dieses Turniers. Langsam beschlich dem österreichischen Fan ein ungutes Gefühl: könnte es sein, dass höhere Mächte nicht wollten, dass Österreich weiterkommt? Ist es eine Verschwörung? Als Ivo Vastic den Elfer in der 93. Minute bombensicher verwandelt (hui, was für eine Erleichterung!), was dachten sich da wohl die polnischen Fans? Könnte es sein, dass höhere Mächte nicht wollten, dass Polen weiterkommt? Ist es eine Verschwörung?

Jetzt heißt es am Montag: alles oder nichts. Gegen die Deutschen. 30 Jahre nach Cordoba („i werd narrisch“). Wie auch immer das Spiel ausgehen wird, ich bin wahrlich stolz darauf, dass sich die Deutschen ein bisserl fürchten. Oderrr?

EM: Spieltag 1 – Gruppe B

Sonntag, 8. Juni 2008

Spieltag 1 – Gruppe B: Was zu erwarten war.

Gruppe B, in Wien (18:00): Österreich – Kroatien 0:1

Erstens kommt es anders und zweitens genau so, wie man es befürchtet hat. Die Kroaten dachten sich: Den lächerlichen Sonnenscheinkicker aus Österreich, die nichts bei der EM verloren haben, werden wir zeigen, was es heißt, unter die kroatische Dampfwalze zu kommen. Mit diesem Druck hatte keiner gerechnet. Den Österreichern blieb kurz die Luft weg, während die Kroaten mit einer Menge Selbstvertrauen in den nächsten Gang schalteten. Die Österreicher traten auf die Bremse und zogen sich verschreckt zurück. So passierte, was nicht passieren durfte: ein Tackling im Strafraum. Ungestüm. Ungeschickt. Unnötig. Aber, und das hätte alle beruhigen sollen, noch war nichts verloren, noch hätte man 85 Minuten Zeit gehabt, das Elfmeter-Tor aufzuholen. Ein Frage am Rande: wer hat Pogatetz von der Kette gelassen? Für einen Moment hätte man glauben können, er schlägt den Schiedsrichter nieder. Die Folge: Gelbe Karte im roten Bereich! Dass er wenig später nicht vom Platz gestellt wurde, als er einen Kroaten am Trikot hinderte, in den Strafraum zu kommen, ist wiederum der Gnade des Unparteiischen zu verdanken.

Also gut. Die ersten 30 Minuten müssen wir abhaken. Da ging nicht viel. Tor kassiert, unsicher geworden, Ordnung verloren. Kurz: es hätte schlimm(er) kommen können. Aber die Kroaten machten den Fehler (am Ende war es natürlich keiner), zu glauben, dass es in dieser Tonart weiterginge und dachten schon an ihr Spiel gegen Deutschland. Vermutlich fiel der eine oder andere in einen Tagtraum, der von einem Sieg gegen die Deutschen handelte. Mit der Unkonzentriertheit verloren die Kroaten den Schwung, kamen wir wieder auf. Ja, von da an durfte man sich als Österreicher freuen. Da wurde herzhaft gespielt, viel riskiert und Druck gemacht. Die letzten 15 Minuten des Spiels waren die Kroaten stehend Ko, verteidigten mit Mann und Maus ihr Tor und die Österreicher zeigten, was sie konnten. Korkmaz, ein Genuss ihm zuzuschauen, wie er, ungestüm, die Verteidiger links oder rechts liegen ließ. Harnik auf der anderen Seite nicht minder effizient und gefährlich. Nur für ein Tor wollte es nicht reichen. Schade. Aber was soll’s. Dann muss eben ein Sieg gegen die Polen her. Und danach gegen die Deutschen. Ja, nicht nur die Kroaten können Tagträumen!

Gruppe B, in Klagenfurt (20:45): Deutschland – Polen 2:0

„Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen.“
Gary Lineker

Was, wenn Kryznowek den Volley in der zweiten Minute ins deutsche Tor versenkt hätte? Ja, die deutsche Mannschaft war anfänglich unsicher und stand viel zu weit vom Gegner weg. Aber die Polen, in guter österreichischer Manier, überschätzten sich, rückten zu weit auf und gaben den Deutschen den Platz, den sie brauchen. Der Rest ist die Wiederholung des Wiederholten.

EM: Vorschau Spieltag 1 – Gruppe B

Gruppe B, in Wien (18:00): Österreich – Kroatien

Meine Herren, im Magen kribbelt es bereits merklich. Beim Anstoß, um 18 Uhr, werde ich nur ein zuckendes Nervenbündel sein. Hoffe, die Spieler haben ihre Nerven besser im Griff. Denn daran ist Österreich noch immer gescheitert. Nicht die Technik, nicht die Spielpraxis, nicht die Kraft, nicht die Ausdauer waren Faktoren, die eine Niederlage herbeiführten, sondern schlicht und einfach das flatternde Nervenkostüm (vulgo: Beistrich in der Hose).

Deutschland oder Holland hätten wir vom Feld schießen müssen, wären wir nur abgeklärter, ruhiger, besonnender, wenn die anderen ihren Sturmlauf beginnen. Statt dessen verlieren wir die Ordnung, sucht jeder sein Heil in der Flucht („rette sich wer kann“). Was als kleine Unachtsamkeit beginnt, weitet sich zu einer immensen Nervosität aus, die ansteckender ist, als die Spanische Grippe. Schließlich taumeln alle wie verblödet am Spielfeld herum, vergessen, was man ihnen noch zur Halbzeit eingeimpft hatte („jeder spielt auf seiner Position“). Was folgt ist Schülerliganiveau: wo der Ball ist, da müssen wir hin. Rudelbildung in seiner schlimmsten (und peinlichsten) Form. Lücken tun sich auf. Freiräume. Und so manche gegnerische Mannschaft traut ihren Augen nicht. Glauben anfänglich noch an einen Trick. Aber nicht lange. Ja, dann fängt deren „Trainingsspiel“ an, werden Tore geschossen, die einfach nur passieren, weil im österreichischen Spiel gar nichts mehr passiert. Ein Jammer!

Heute soll alles anders werden. Haben wir das nicht schon so oft gehört? Und so oft geglaubt? Freilich, das ist eben Hoffnung! Und die stirbt bekanntlich erst nach 90 Minuten. Davor darf man träumen. Viel träumen. Ich mach jetzt ein Mittagsschläfchen.

Ach ja, über die Deutschen brauchen wir keine Zeile verlieren. Weil sie sowieso nicht verlieren. Nicht gegen Polen. Nicht gegen diese Polen. *schnarch*

EM: die seltsamse Idee der Frau P.

Vorgestern war’s, da fragte mich SP., ob wir nicht meinen Geburtstag nachfeiern wollten. Nächste Woche. Ich winkte ab, sagte nur „EM“, die ich sehen muss. Worauf sie meinte, man könne sich ja so ein Spiel gemeinsam anschauen. Aha! Eh ich mich versah, machte sie den Vorschlag, das Kroatenspiel* in einem kroatischen Lokal in Ottakring beizuwohnen. Und für die Österreicher zu brüllen. „Alles andere ist ja fad“, gab sie auf mein fragendes, leicht nervöses Zucken zurück.

Jetzt frag ich mich: Sind Frauen die besseren Hooligans?

* Österreich : Kroatien