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Birdman oder Die Suche des Künstlers nach der Liebe

Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit, sozusagen

Falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, was einen Künstler so antreibt, bitte sehr, mit dem Film Birdman (imdb) des mexikanischen Ausnahmeregisseurs Alejandro González Iñárritu (imdb) erhalten Sie eine Antwort: es geht darum, die Gunst des Publikums zu gewinnen. Der Künstler möchte geliebt werden. Nicht mehr, nicht weniger. Der Haken dabei ist, dass der Künstler, der Mensch, in dieser Liebe hin- und hergerissen wird, immer und immer wieder. Graf Mirabeau schrieb bereits am Ende des 18. Jahrhunderts, dass das Publikum eine undankbare Geliebte sei. Heute mehr denn je.

Alejandro Iñárritu erzählt in einer Q&A-Session über die Lebenskrise des bejahrten Kreativen, genauso wie das stetige Auf und Ab, sei es emotional, sei es finanziell. So werden Ideen gesponnen und für genial gehalten, nur um Minuten später als wertlos in den gedanklichen Papierkorb entsorgt zu werden. Der Künstler ist sich seiner Sache nie sicher – er hofft und tut. Und dann gibt es jene, die über sein Tun kritisch befinden. In einer der intensivsten Szenen des Films gerät Protagonist Riggan, ein in die Jahre gekommener Schauspieler und Ex-Superstar, der sich mit einer Theaterinszenierung noch einmal beweisen möchte, an eine Kritikerin, die ihm nonchalant ins Gesicht sagt, dass sie das Stück verreißen werde – dazu müsse sie es gar nicht erst sehen. Das hitzige Gespräch, das daraufhin folgt, kann man hier nachlesen. Die Quintessenz möchte ich hervorheben:

[meine Übersetzung] Sie schreiben ein paar Absätze und wissen Sie, was? All das kostet Sie einen Scheißdreck! Einen Dreck! Sie riskieren nichts! Nichts! Nichts! Nichts! Ich bin der verdammte Schauspieler. Das Theaterstück kostet mich alles … [You write a couple of paragraphs and you know what? None of this cost you fuckin‘ anything! The Fuck! You risk nothing! Nothing! Nothing! Nothing! I’m a fucking actor! This play cost me everything …]

Das ist der springende Punkt. Wahrlich. Während das Publikum, die Kritiker, die Freunde, die Verwandten, nichts riskieren, riskiert der Künstler (so gut wie) alles. Das klingt im ersten Augenblick unfair, und doch ist es das nicht – objektiv betrachtet. Der Mensch, der sich zum Künstler berufen fühlt, trifft die Entscheidung (oder trifft sie das Schicksal für ihn?) und hat die Bürde zu tragen. Manchmal hat sie das Gewicht einer Feder, manchmal das der ganzen Welt. Der Berufene, der sich nach Liebe und Anerkennung sehnt, hadert und zaudert und hofft und tut. Er hat keine andere Wahl als sich den Unbilden des Künstlerdaseins auszuliefern. Wie ein kleines Schiffchen wird er in den tobenden Wogen der Realität hin- und hergeworfen – als schützender Hafen bleibt für ihn nur noch die Illusion. Dort ist alles möglich, nichts unmöglich. Geliebte Illusion. Verfluchte Illusion.

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Der Autor als Verleger oder Weder Fisch noch Fleisch

In gewisser Weise sind Künstler und Dichter Egoisten, zumal ihr Kriterium (gegenüber anderen Werken) nicht darin besteht, was objektiv gut oder wichtig ist, sondern nützlich.
Hans Magnus Enzensberger
zeitzug.com

Richard K. Breuer im Kaffeehaus
Foto: Laurent Ziegler - in einer Egomanischen Bearbeitung vom Künstler höchstselbst

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Vor wenigen Tagen mit meinem Vertreter SF. im Schanigarten gesessen und den Lärm der Stadt an uns vorüberziehen lassen.  Wir haben über allerlei Projekte und Perspektiven geplaudert, über die Buchbranche, die Buchhändler und die Verlage und auch über meinen virtuellen Auftritt in diesem Blog. Ja, ja.

Weder Fisch noch Fleisch, brachte es SF. auf den Punkt, als es um die Ausrichtung meines Blogs ging. Stimmt. Ich nickte. Man muss sich nur die Themenvielfalt besehen, um zum Schluss zu kommen, dass der Kerl, der hier blökt, ein seltsam verquerer Zeitgenosse sein muss. So reichen die Themen von Internationalen Fußballgroßereignissen (EM, WM, UEFA-Cup-Finale und Frauenfußball-WM) über dunkle Doomster-Szenarien (Finanzkrisen, Ressourcenausbeutung, Erdölverknappung, Werbeverblödung, Mainstream-Medien-Verdummung) zu kritischen Polit-Diskursen (Wirtschafts -und Gesellschaftssystem), weiters Social Media Erklärungsversuchen (Google+ vs. facebook vs. Diaspora*, you know?) bis hin zu intimen Einblicke in das Autoren- und Verlegerleben, nebst E-Book-Befürwortungs-Kampagnen – die Werbeeinschaltungen (»mein neues Buch gibt’s jetzt offiziell zum Kaufen«) schieben wir jetzt besser mal auf die Seite.

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Über Trotteln und Trantüten oder Warum dich Facebook depressiv macht und Google+ dich befreit.

»ich brauche geld. o_o ich muss einen bestseller schreiben. oder im lotto gewinnen.«
Statusmeldung von IV.
Facebook
18.Juli 2011 – 00:11

Wählen Sie Ihr soziales Netzwerk mit Bedacht!

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update: K. M. Blank bringt es in ihrem Beitrag auf den springenden Punkt.

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Es ist 6 Uhr 14. Das ist schon recht früh. Eine kreative Unruhe ließ mich nicht länger schlafen. Ein gutes Zeichen. Weil es mir anzeigt, dass gewisse Gedanken notiert gehören. Ob sie wichtig oder nebensächlich sind, steht freilich auf einem anderen Blatt Papier und muss der geneigte Leser für sich entscheiden. Ich schicke freilich die Warnung aus, dass dieser Blog-Beitrag die gesunde Länge bei weitem überschreiten wird. Ich weiß, ich weiß. Das ist nicht gut. Jedenfalls nicht, wenn ich mir wünschen würde, dass die nachfolgenden Zeilen gelesen werden. Aber warum sollte ich mich zurücknehmen? Ist das nicht der große Vorteil dieser virtuellen Bloggerei? Dass ich es niemanden Recht machen muss; dass ich mich nicht nach irgendwelchen Marketing-Vorgaben halten muss. Gewiss, würde ich mich knapp und kurz halten, ich würde mehr Leser ansprechen, mehr Interessierte locken. Aber das sollen die anderen machen. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, den einen oder anderen Aspekt unter den Tisch fallen gelassen zu haben, nur weil ich hoffte, drei Leser mehr zu bekommen. Das ist hier ist meine Zeitung – und ich schreibe nicht nur den Artikel, sondern ich entscheide auch darüber, wie lang er sein darf. Punkt.

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Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen! Na dann.

Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen, schrieb ich mal in einer älteren Version von Erik. Ich habe keine Ahnung, ob ich den Satz gestrichen oder im Manuskript belassen habe. Aber ich würde ihn sofort unterschreiben. Ja, ein Künstler ist nur dann Künstler, wenn er bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen. Das heißt nicht, dass er es tun muss. Nein, nein. Aber wenn es sonst niemand tut, in der Gesellschaft, weder die politische Opposition noch die objektiven Medien, tja, wer soll es sonst tun? Dumm, dass sich das Bild des Künstlers über die Jahre sehr gewandelt hat.

Künstler ist zu einem Job geworden. Prekär und hoffnungslos auf der einen, bestens bezahlt und hoffnungsfroh auf der anderen Seite. Wir dürfen froh sein, dass Künstler heutzutage nicht mehr Angst haben müssen, zu erfrieren oder zu verhungern. Jedenfalls nicht physisch. Aber diese Wandlung, vom unangenehmen Außenseiter, der einer sich selbst belügenden Gesellschaft den Spiegel vorhält zu einem belächelten Mitläufer, der in der Hierarchie der Gesellschaft aufsteigen möchte, hat allen Beteiligten nicht sonderlich gut getan.

Ich bin zwar ein Kind der mechanischen Schreibmaschine, aber noch zu Beginn meiner Schulzeit tippte ich bereits auf elektrischen Typenradschreibmaschinen und vor dem Abitur trat die Textverarbeitung ihren Siegeszug an. Mit meinem ersten Einkommen schaffte ich mir einen PC an. Und sollte fortan nur mehr in Monitore und Bildschirme starren (trockene Augen!), wenn es darum ging, Texte zu Papier zu bringen. Welch eine Erleichterung. Ich erinnere mich noch an die viele freie Zeit in den Sommerferien, als ich auf der mechanischen Adler-Schreibmaschine tippte und mich schon ein wenig als Schriftsteller fühlte. Es war Knochenarbeit. Und das ratternde Anschlagen war in der ganzen elterlichen Wohnung zu hören. Ja, ich konnte es nicht verheimlichen, dass ich an einem witzigen Krimi schrieb (Tom Thomsen, you know!), für den ich mich dann aber doch irgendwie genierte.

Auf einer mechanischen Schreibmaschine zu tippen ist wahrlich schwerstarbeit. Und wenn du dir hundert Seiten abgerungen hast und feststellst, dass die mittleren 20 Seiten nichts taugen und neu geschrieben werden müssen, inklusive Veränderung im vorderen und hinteren Teil, wie wäre das wohl abgelaufen? Heute, in einem Office-Text-Programm springe ich in sekundenschnelle zu der relevanten Stelle, korrigiere, füge ein, lösche und stelle innerhalb von einem Augenaufschlag ganze Kapitel um. Ja, it’s that easy, folks! Aber je leichter man es dem Menschen macht, desto leichter macht er es sich. Würden wir noch Kraftfahrzeuge haben, wo man mehr schmutziger Mechaniker als cooler Rennfahrer sein müsste, es gäbe keine Staus auf diesen Straßen. Wirklich.

Äh. Was wollte ich eigentlich sagen? Scheinbar bin ich mal wieder vom Thema abgekommen. Also, der Schriftsteller (oder Künstler) muss sich lächerlich machen können. Das ist leicht geschrieben. Wirklich. Aber es dann zu tun, also, das verlangt schon einiges ab. Und da bemerke ich dann wieder, wie wenig Künstler ich in Wahrheit bin. Ich bin angepasst. Will in der Gesellschaft meine Rolle spielen. Will in den Hierarchien aufsteigen. Will finanziell unabhängig sein. Will gehört werden. Will gemocht werden. Will mir Unsterblichkeit erschreiben. Na, die übliche Palette künstlerischer Egomanie. Ich schätze, das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass es so viele sind, die sich gegenwärtig dieser Egomanie hingeben. Künstler sind im Normalfall keine gefälligen, umgänglichen Menschen, wenn sie es ernst mit ihrem kreativen Tun meinen. Sie sind zweiflerisch, nachdenklich, fordernd, hässlich, grausam, eingebildet, überheblich, gierig und so weiter und so fort. Freilich, das Bild, das sie nach außen zeigen ist musisch, kreativ, schaffend, schöpfend, liebend, lachend, lächelnd, leidend und so weiter. Diese Diskrepanz, zwischen der inneren Befindlichkeit und dem äußeren Schein, kann einen Künstler ordentlich in die Mangel nehmen (und ist doch wieder nur weiterer Stoff für seine Künstelei).

Warum schreibe ich das eigentlich? Also, primär geht es mir darum, auf wunde Punkte in der Historie hinzuweisen und die gegenwärtige Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder von uns Teil einer Geschichte ist. Auch wenn dieser Blog-Artikel nichts verändert, so musste er geschrieben werden. Weil er für mich und für dich ein weiterer Stein in unserem Mosaik ist. Es verhält sich wie mit  diesen hunderten von Werbe-Einschaltungen für eine zuckerhältige Limonade. Zwei oder drei Einschaltungen hätten wir gar nicht wahrgenommen. Aber hunderte, die uns tagtäglich begegnen, setzen sich in unserem Unbewussten fest. Die Werbe-Psychologie weiß, was sie tut.

Um zu einem Abschluss zu kommen (und falls Sie bis hierher gelesen haben), so belohne ich Sie mit der Feststellung, dass im Apollo-Programm der NASA nichts ist wie es scheint. Wenn Sie jetzt den Kopf schütteln und felsenfest behaupten, dass ich ein Spinner wäre, nun, dann lenke ich gerne Ihren Blick auf diesen Artikel, der sich mit dem Backfire Effekt auseinandersetzt, der nichts anderes besagt, als dieses: Wenn du von etwas tief überzeugt bist, machen dich meine Versuche, dich vom Gegenteil zu überzeugen, nur noch überzeugter. Tja. Da stehen wir nun.

Und jetzt?

 

Geld machen in Zeiten von iTunes und iBooks

Gestern auf die aussagekräftige Infografik von David McCandless gestoßen*), der sich mit den Einnahmen von Musikern auseinandersetzt. Angefangen von selbst publizierten CD-Alben bis hin zu iTunes-Track-Downloads. Um auf das monatliche Existenzminimum von USD 1.160,- oder rund EUR 812,- zu kommen, müsste also unser Musiker rund 150 CD-Alben verkaufen (Verkaufspreis USD 9,90) oder 3.871 CD-Alben, falls er einen „low-end“-Plattenvertrag hat (was auch immer das heißen soll) oder rund 1500 MP3-Downloads eines Musikstückes zum Preis von $ 0,99 bzw. 2000 iTunes-MP3-Downloads erzielen (Apple möchte natürlich einen Anteil vom Verkaufserlös). Falls die Musik gestreamt wird, also vergleichbar einer Ausstrahlung im (digitalen) Radio, dann erhält der Künstler, naja, gerade mal nicht nichts. Je nach Streaming-Dienst müsste der Song zwischen 900.000 Mal und 4 Millionen Mal im Monat gehört werden, um auf die USD 1.160, – zu kommen. Alles klar? Hier gibt es übrigens eine hübsche Aufstellung, welcher Shop wie viel bezahlt.

Ist die Musikbranche mit der Verlagsbranche zu vergleichen? Durchaus. Freilich, Streaming-Dienste gibt es (noch) nicht, können wir also getrost außen vor lassen. Aber sonst zeichnet sich ein ähnliches Bild. Am profitabelsten ist es immer, sein selber produziertes Buch an den Mann oder die Frau zu bringen, ohne dass jemand dazwischen geschaltet wird und die Hand aufhält. Jeder Künstler kann ein Lied davon singen (auch wenn er Schriftsteller ist), dass diese lukrative Einnahme-Quelle alsbald ausgeschöpft ist und Freunde, Bekannte und Ex-Kollegen einen Bogen um einen machen, wenn sie befürchten, in ein Verkaufsgespräch hineingezogen zu werden. Dank des Internets gibt es zwar eine theoretische Möglichkeit beinahe unendlich viele potenziellen Käufer anzusprechen, aber die Realität sieht natürlich nüchtern aus. Oder würden Sie mir ein Buch abkaufen, nur weil Sie durch Zufall auf diesen Eintrag gestoßen sind? Nope.

Niemand kauft gerne die Katze im Sack. Nicht von einem Fremden. Nicht zu einem Preis, der schwerlich nachvollziehbar ist (meine Bücher könnten innen wie außen völliger Mist sein und ich lache mir ins Fäustchen, wenn ein dummer Kerl ne Bestellung abgibt). Gut, dass es Social Media gibt, kann man jetzt einwerfen. Bitte werfen Sie! Aber die sozial virtuelle VerknüpfungsverZUCKERungsmaschine  bildet ja nur die Wirklichkeit in einem kleineren, überschaubareren Maßstab ab. Will heißen: Nur weil ich Sie in facebook kenne, heißt es nicht, dass wir uns wirklich kennen. Ein Kommentar auf meiner Pinwand macht uns noch nicht zu guten Freunden. Umgekehrt genauso. Warum sollte ich also von Ihnen etwas kaufen? Warum sollten Sie von mir etwas kaufen? Eben. Gibt ja keinen Grund, oder?

Aber von all diesem virtuellem Firlefanz mal abgesehen, ist die digitale Revolution nicht auch ein Segen? Weil es mir als Verkäufer die Möglichkeit einräumt, unendlich viele Werke bereitzustellen, ohne finanzielle Vorlage leisten zu müssen (man beachte, was Verlage primär groß macht: Ihre Geldmittel, die wiederum zum größten Teil geborgt sind – würde  man mir morgen einen Kredit von 10 Millionen Euro einräumen, ich gehe davon aus, dass ich für eine geraume Zeit im Orchester mitspielen würde können; kleiner Seitenhieb: Wie soll ein Kleinverlag mit geringem Budget da jemals mithalten?); durch die Bereitstellung eines theoretisch unendlichen Angebots, gibt es keinen Engpass mehr. Das ist gut. Das ist schlecht. Weil der Mensch zwar ein Herdentier ist, aber innerhalb der Herde dann doch seinen ur-eigenen Platz sucht. Wie dem auch sei, die leichte Bezugsmöglichkeit spricht für das digitale Werk. Und niemand, der dem Kunden sagt „Tut mir Leid, das ist nicht lieferbar!“ oder „Das würde dann wohl drei Wochen dauern, bis es kommt …“ oder „Die Versandkosten würde beinahe so viel ausmachen, wie das Buch kostet!“ – Das sind Argumente, die für die großen Publikumsverlage mit all ihrer logistischen Macht sprechen, nicht für den Kleinverleger oder Eigenverleger, der knapp kalkulieren muss.

Wenn wir von Künstlern sprechen, dann hören wir oft und oft, dass sie eine Fan-Community benötigen. Aha. Gut. Ich denke, das wissen wir alle, oder? Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wie man zu einer kommt? Und in einer Epoche der viralen Demenz ist die Trennlinie zwischen informieren/unterhalten und anbiedern/auf die Nerven gehen ziemlich schmal. Und noch mehr, wenn man sich im Social Media Bereich herumtreibt. MySpace sollte ja jedem Musiker (und Künstler) eine Warnung sein – dort konnte man „Bands“ von seiner Pinwand aussperren. Warum? Weil diese nur noch auf sich und ihre Gigs sehr lautmalerisch aufmerksam machten. Am Ende war es nur noch eine Spam-Maschine, die blinkte und brüllte. Entsetzlich. Sollte es einmal ein Künstler oder eine Band geschafft haben, als Spam-Kanone abgetan zu werden, dann ist es besser, man erschafft sich neu. In der virutellen Social-Media-Welt wird man schneller in ne Schublade gesteckt, als man ein Posting beantworten kann.

Im Übrigen will ich jetzt FanBridge ausprobieren (Scheiße, ist das wieder kompliziert). Voerst mal die Ausprobier-Gratis-Version. Es ist eine Seite, auf der jeder Künstler seine Fans „sammeln“ kann. Noch bin ich mir nicht sicher, ob es für mich den Zweck erfüllt. Die Leutchen werden ja immer skeptischer, wenn es darum geht, sich in eine Liste einzutragen. Auch das sollte man in Betracht ziehen.

Wie dem auch sei, ein Künstler, der sich selber vermarktet, braucht Reputation und Aufmerksamkeit wie einen Bissen Brot. Woher soll X. wissen, dass es da einen kreativen Typ gibt, der gute Qualität abliefert? Deshalb sind offizielle Rückmeldungen (jeder kann sie lesen, nicht nur der Künstler) von anderen so wichtig. Ja, um X. zu „beweisen“, dass man „nicht schon wieder einer von den abertausenden Möchtegern-Künstlern“ ist, die allesamt nichts können und nichts sind, braucht es andere, die für ihn in die Bresche springen. Tja. Aber offizielles Feedback bei seinen „Fans“ oder „Freunden“ einzuholen, sie sozusagen einzufordern, fällt unter die Rubrik: „nervig“ und wird vermutlich alsbald gerichtlich untersagt werden.

So bleibt nur in kleinen Dosen auf sich aufmerksam zu machen, um seine Werke und Goodies zu vermarkten. Das Megaphon können wir getrost in der Lade liegen lassen – das Marktschreierische ist vulgär und verträgt sich nicht mit einer fragil musischen Schöpfungskraft. Das Vulgäre (dazu würde auch das Geld zählen) müssen andere für den Künstler erledigen.  Und wenn es niemanden gibt, der das für den Künstler tut? Hm. Darüber müsste ich jetzt nachdenken, was es bedeuten könnte. Schätze mal, nichts Gutes.

*) also, gestolpert bin ich nicht, natürlich haben mich Julia Graff und Wiebke Wiechell in einem Posting der facebook-Gruppe Onliner in Verlagen darauf gebracht!