richard k. breuer

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Präsident Trump und der ‚meltdown‘ der westlichen Mainstream Medien

cof

Fakten statt Emotionen?

Er ist nun eine Woche her, der Wahlsieg von Donald J. Trump, aber die Gemüter der ›unabhängigen‹ links-liberalen Mainstream-Medien in Europa und den USA haben sich noch immer nicht beruhigt. Bestes Beispiel mag die Kolumne des Chefredakteurs B. im KURIER vom Samstag, 12.11.sein. Als ich das abgehobene und realitätsferne Geschreibsel las, fragte ich mich, welche bewusstseinsverengenden Substanzen so Redakteure zu sich nehmen. Die Berichterstattung bzw. Meinungsmache in den Zeitungen, wenn es um Donald Trump geht, schießt dermaßen übers Ziel hinaus, dass man glauben könnte, hier handelt es sich um eine Persiflage auf die Artikel bornierter und stiefelleckender Günstlinge des Establishments. Ausgewogenheit? Fehlanzeige. Es ist, als würden die Medienleute in einer Blase sitzen, die sie von der Außenwelt abschirmt. Dabei handelt es sich bei ihnen um intelligente Menschen, die für gewöhnlich in der Lage sind, jedes Geschehnis zu reflektieren, zu relativieren und in einen Kontext einzuordnen. Doch wenn es um Donald Trump geht brennen bei den Redakteuren die Sicherungen durch und sie gebärden sich wie uneinsichtige Kinder, die nicht wahrhaben wollen, dass der Weihnachtsmann nur eine Erfindung der Kommerzkultur ist.

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Sonntagskaffee mit dem Kurier: Der Sold der Fanatiker

NoDogsAllowed

Am späteren Vormittag im Plebs-Café Kaffee und Kuchen zu mir genommen, dabei auch gleich die Sonntagsausgabe des Kurier durchgeblättert. Neben der bekannten van-der-Bellen-Propaganda und dem Putin-Assad-Bashing ist mir ein Artikel aufgefallen, der nur als Randnotiz abgehandelt wurde. Es ging darum, dass der Bürgermeister (ÖVP) einer niederösterreichischen Gemeinde 21 Asylwerber »rausschmeißen« wolle, weshalb »die Grünen« meinten, dass die Vorgehensweise an eine Diktatur erinnere. Vorangegangen, das sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, ist die (vermeintliche) Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch einen »unbegleiteten jugendlichen Asylwerber«. Erst in der Langfassung der Online-Ausgabe erfährt der geneigte Leser, dass der Täter so jugendlich nicht ist und dass die »unbegleiteten Jugendlichen« durch den Verein menschen.leben (Förderer: S. 29) betreut werden.

Ist es nicht seltsam, dass es dieser Bericht nur als Randnotiz in die Zeitung schaffte? Nebenbei bemerkt hat es der Redakteur meisterhaft verstanden, den Fokus der Tat zu verschieben: Nicht mehr der (vermeintliche) Missbrauch stand im Vordergrund, sondern vielmehr der (bürgermeisterliche) »Rausschmiss«.

Finden Sie nicht, dass dieses Thema viel mehr Raum in den Medien hätte einnehmen müssen? Die Redakteure hätten der Frage nachgehen können, wie viel Gewalt und Verbrechen eine offene und tolerante Gesellschaft verträgt, bevor sie den Kurs einer totalitären Sicherheitspolitik einschlägt. Anfang der 1930er Jahre zeigte uns Fritz Lang, wie eine ganze Stadt einen Kindermörder suchte – dabei wurden nicht nur legale, sondern auch illegale Mitteln angewandt. Kurz und gut, die gesunde bürgerliche Gesellschaft wird alles tun, um ihre Kinder zu schützen. Die Frage ist demnach, wem liegt wenig oder nichts daran, die eigenen Kinder zu schützen, ja, sie vielleicht für ein Ideal zu opfern?

Darin liegt die große Gefahr der gegenwärtigen Zeit, nämlich dass die gottesfürchtigen Idealisten für ihre gerechten Ziele die Erkrankung der Gesellschaft in Kauf nehmen. Fanatiker gibt es nicht nur in Syrien*, sie gibt es auch hier, in Europa, in Österreich. Beide träumen von einem grenzenlosen Staat, in dem jeder Willkommen ist, der die göttlichen Gesetze, die eine Priesterkaste festlegt, befolgt. Wer weiß, vielleicht werden in naher Zukunft Bürger in Brüssel enthauptet, weil sie es wagten, den eingeschlagenen multikulturellen Weg der Vereinigten Staaten von Europa zu hinterfragen. Das ist jetzt natürlich polemisch, gewiss, trotzdem sollten wir nicht die Augen vor unseren Fanatikern verschließen. Es gilt immer im Hinterkopf zu behalten, dass es vor allem junge Menschen sind, die indoktriniert werden: So wird ihnen vermittelt, dass sie ihre Energie und Kraft für die gute Sache opfern, tatsächlich aber sind sie nur Bauern im Schachspiel des Establishments.

* ) Damals wie heute verbergen sich unter den sogenannten Fanatikern einfach nur Söldner, die für eine Hand voll Dollar tun, was im Krieg getan werden muss. Ist das verächtlich? Nun, vor über 400 Jahren hat sich der spätere Philosoph Descartes auch als Söldner verdingt. Nicht umsonst heißt es ja »Kriegshandwerk« und jedes Handwerk hat seine Lehrlinge und seine Meister – der Fanatismus per se hat noch keine Schlacht gewonnen und keine leeren Mägen gefüllt. Folge dem Geld (die Römische Goldmünze Solidus steht Pate für die Begriffe »Sold«, »Söldner« und »Soldat«) und du weißt, welcher »Gott« sich die Erde Untertan machen möchte.

Schule in Not? Gesellschaft am Abgrund!

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Eine Volksschule in Meidling, anno 1975. Ich stehe übrigens rechts außen.

Haben Sie in den letzten Tagen auch gelesen, dass die öffentlichen Schulen – vor allem in Wien – Not leiden? Ausgegangen ist der Sturm im schulischen Wasserglas durch das Interview der „mutigen“ Schuldirektorin W., die eine Neue Mittelschule in Wien Margareten leitet. Im Gespräch wurde darauf hingewiesen, dass der Anteil an Kindern mit nicht deutscher Muttersprache bei 98 Prozent liege. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Kinder mit deutscher Muttersprache an dieser Schule in der absoluten Minderheit sind und man fragt sich still und heimlich, wie es diesen dort so ergehen mag. Wir wissen noch gut aus unserer Schulzeit, dass andersartige und fremde Kinder immer gerne gehänselt und ausgelacht wurden. Ja, Kinder und Jugendliche – egal woher sie auch kommen – können ziemlich bösartig sein – vor allem, wenn sie in Gruppen auftreten und sich beweisen möchten.

Nun, zurück zur Ausgangslage. Eine Schuldirektorin wird also vom Stadtschulrat offiziell ausgewählt, um dem KURIER ein Interview zu geben. Das Gesagte lässt die Wogen hochgehen. So heißt es. Ehrlich gesagt, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Direktorin, das heißt eine Karrieristin, mit voller Absicht aus der Reihe tanzt und jene Stellen verärgert, die für ihr berufliches Wohlergehen sorgen. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass die Chefredakteure und Ressortleiter im KURIER mit voller Absicht der Gemeinde Wien – ein finanzkräftiges Netzwerk – ans Bein pinkeln. Für mich liegt es auf der Hand, dass das Thema mit Absicht von allen Beteiligten „hochgekocht“ wurde. Warum? Diesbezüglich kann ich nur spekulieren, aber ich gehe davon aus, dass die Zustände in manchen Wiener Schulen so verheerend sind, dass den Verantwortlichen nichts anderes mehr übrig blieb, als die Notbremse zu ziehen. Beachten Sie bitte, dass es keiner prophetischen Gabe bedurfte, um diese Probleme schon frühzeitig zu erkennen – aber wie so oft, wenn es um unangenehme Themen geht, haben die damaligen Verantwortlichen politische Kosmetik betrieben und die Sachlage schön geredet. Auf den springenden Punkt gebracht: Man hat den Deckel draufgehalten, den Lehrern einen Maulkorb verpasst und die Presse angehalten, die Leichen im Keller zu übersehen.

Der interessanteste Artikel zu diesem Thema erschien am Sonntag unter dem Titel Schule in Not: Heer von Absolventen ohne Aussichten und ist eine nüchterne Bestandsaufnahme des Zustands im öffentlichen Bildungsbereich. Darin zitiert man bereits in den ersten Zeilen des Artikels den Generalsekretär vom Österreichischen Gewerbeverein: „Die heutige Schul-Mittelstufe ruiniert als unkoordinierte Baustelle die Zukunftschancen Tausender Schüler.“ Somit ist der Schuldige ausgemacht: die Schule! Aber ist das wirklich der Fall?

„Jedes Jahr beenden Tausende österreichische Schüler ihre Schulpflicht, obwohl sie nicht fit für das weitere Erwerbsleben sind. Viele beherrschen die deutsche Sprache nicht oder kaum, sie können nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen.“

Verstehen Sie den obigen Absatz? Soweit ich weiß, gibt es in den Schulen Zeugnisse. Wird darin nicht festgehalten, inwieweit der Schüler den Lernstoff beherrscht und ob er reif für den nächsten Jahrgang ist? Wofür gibt es überhaupt noch Tests, Schularbeiten und mündliche Prüfungen, wenn Zensuren/Noten keine Aussagekraft mehr haben? Ein Schüler, der nach 8 Pflichtschuljahren noch immer nicht lesen und schreiben kann, hätte eigentlich schon längst in eine spezielle Einrichtung gehört, die sich lernschwacher Kinder annimmt, oder etwa nicht? Zu meiner Zeit hieß diese Einrichtung „Sonderschule„. Gibt’s heute freilich nicht mehr, ich weiß. So muss man davon ausgehen, dass die Lehrer dienstvorschriftlich dazu angehalten werden, die Schüler in jedem Fall aufsteigen zu lassen. Anders ist das Ergebnis nicht zu erklären.

Nun könnte man meinen, Kinder mit Migrationshintergrund seien das Problem. Aber sieht man sich beispielsweise jene Schule an, die den größten Ausländeranteil in Wien aufweist, so stellt man fest, dass dort 95 % der Absolventen entweder an die Universität gehen oder eine Fachhochschule besuchen. Gewiss, die Vienna International School ist eine Privatschule und die Eltern müssen gut bei Kasse sein, um ihre Kinder dort unterzubringen: die jährliche Gebühr beträgt zwischen € 14.000 und € 18.000. Keine Kleinigkeit, nicht?

Wenn es also laut einer Studie rund 130.000 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren gibt, die „in ihrem Leben in höchstem Maß gefährdet sind, ihr Leben nicht ohne Sozialleistungen bestreiten zu können“, dann würde es doch am Ende der Gesellschaft billiger kommen, hätte man diesen Jugendlichen ein Stipendium für die besten Privatschulen gegeben. Es wäre sozusagen eine Investition in die Zukunft gewesen. Oder würden Sie mir nun entgegenhalten, dass diese Kinder auch an der Privatschule versagt hätten? Wenn dem so wäre, dann, ja, dann würden Schulreformen überhaupt keinen Sinn mehr machen und die Probleme würden ganz woanders liegen. Aber wo?

Ich hätte bereits in den 1980ern eine Hand voll Kinder mit Migrationshintergrund ein Stipendium für die Vienna International School gewährt und ihre schulischen Erfolge bzw. Misserfolge penibelst aufgezeichnet. Man hätte dann sehen können, warum ein Kind scheitert. Denn eines geht aus all diesen gut gemeinten Artikeln in der freien Presse nicht hervor: Inwiefern das familär-kulturelle Umfeld des Kindes Einfluss auf seine schulische Leistung und geistige Entwicklung nimmt. Kurz und gut, ich gehe davon aus, dass man festgestellt hätte, dass auch die besten Privatschulen nichts helfen, wenn das Kind in einen familiär-kulturellen Sumpf versinkt. Diesen Sumpf „trocken zu legen“ ist freilich ein unschönes, sozusagen un-liberales Thema – und es steht zu befürchten, dass viele gute Menschen vor dieser Trockenlegung zurückschrecken und viel eher dazu bereit sind, die größten Teile der noch intakten Gebiete unter Wasser zu setzen. Egalité!, schreien sie einem entgegen und finden es völlig in Ordnung, wenn die „konservativ-intolerante“ Gesellschaft langsam den Boden unter den Füßen verliert und ins Bodenlose stürzt. Wenn man die Kleinen nicht groß machen kann, dann müssen die Großen eben kleiner gemacht werden.

„Wie immer schüchtert eine kleine, aber aktive Minorität, sofern sie Mut zeigt und mit Terror nicht spart, eine große, aber lässige Majorität ein“, schreibt Stefan Zweig in Castellio gegen Calvin.