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Der Hofnarr und das Geschrei am Hofe des Königs oder: Wer hat Angst vor 9/11?

rkb in NYC

Als ich 1993 New York City besuchte, da war ich dann doch überwältigt, von der Größe, aber auch enttäuscht, weil die (Electronic und Games) Stores gar nicht so supersized waren, wie ich mir erträumte. Immerhin konnte ich Filmplakate erstehen, die es in Österreich einfach nicht gab, genausowenig wie das Schnurlostelefon mit Anrufbeantworter (Huh, die damalige Post hätte mich an den Ohren aufgehangen, hätten sie mich mit dem nicht genehmigten Teil erwischt). Auch standen ein paar Kinofilme am Programm, die erst Wochen oder Monate später in die heimischen Kinos kommen sollten (wie zum Beispiel Jurassic Parc oder Posse oder Cliffhanger oder The Last Action Hero).

Beinahe 20 Jahre später, dank einer überbordernden virtuellen Informationsflut (wir nennen es Internet), wird mir Stück für Stück klar, dass die Dinge nicht so sind, wie sie auf dem ersten, vielleicht sogar zweiten Blick scheinen.

Manchmal, wenn ich mir so den Kopf über dies und das zerbreche, dann frage ich mich still und heimlich, ob es nicht besser gewesen wäre, ich hätte Pandoras Box nicht geöffnet und wäre dieser naive junge Kerl, der sich für Rollenspiele und Kinofilme interessierte und die Mediensicht auf die Welt für bare Münze nahm. Anders gesagt: Aus dem Internet vertrauenswürdige und gesicherte Informationen zu bekommen verhält sich analog eines Durstigen, der aus einem Feuerwehrschlauch trinken möchte. Am Ende ist er nass, aber noch immer durstig. Diese hübsche Analogie stammt leider nicht von mir.

Kommen wir nun zum eigentlich Thema. Zeit ist ein knappes Gut. Also, ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht die nächsten Wochen hin und wieder ein paar Meinungs-Schnippel zu interessanten Verschwörungstheorien blogge. Schadet nichts, oder? Damit trete ich freilich in die Fußstapfen der amüsanten Hofnarren, die sich als Einzige erlauben durften, dem König und seinem Gefolge ein paar hässliche »Wahrheiten« an den Kopf bzw. die Köpfe zu werfen. In den Worten von Billy Wilder hört sich das dann so an: Wenn du Leuten die Wahrheit sagst, sei witzig, oder sie werden dich in der Luft zerreißen. Hm. Dummerweise geht den meisten Leuten aber der Humor ab, wenn es um historisch relevante Ereignisse geht. Oder es fehlt einfach das vitale Interesse, die hundertste Version einer „es war ganz anders“-Theorie zu hören oder zu lesen.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, warum ich mir das antue? Werde ich mit Ru(h)m und Ehre überschüttet? Oder wenigstens mit klingenden Münzen? Werde ich bejubelt und beklatscht? Werde ich der Retter der Nation sein? Hm. Seien wir ehrlich. Ich werde mir höchstwahrscheinlich die Finger verbrennen und mich großartig lächerlich machen, weil, naja, weil manche Wahrheitswächter nur eine einzige Wahrheit zulassen können und das ist die Wahrheit der Masse und der Presse.

Ich will es heute für gut sein lassen, möchte aber nur einen klitzekleinen Seitenhieb ins Feld führen, das dem einen oder anderen vielleicht kurz die Stirn runzeln lässt. Hoffentlich. Dummerweise ist es nicht sonderlich lüstig. Okay, vielleicht schaffe ich es, die nächsten Male ein wenig Witz in die morbide Angelegenheit zu bekommen. Also, nehmen wir an, ein institutionelles Gebäude in der Hauptstadt würde lichterloh brennen und die Regierung und die Medien benennen die Schuldigen dieses offensichtlichen Brandanschlages innerhalb kurzer Zeit, ohne dass Beweise oder Fakten angeführt werden. Gewiss, es gibt eine Reihe von illustren Zeugenaussagen, die in eine Richtung zeigen. Würden Sie in den Chor der Mehrheit/Presse einstimmen? Oder würden Sie kurz inne halten und sich fragen, was zum Teufel da vor sich geht? Später wird dann von der Regierung gefragt, ob die Bürger den totalen Krieg wollen. Ich schätze, hier aufzustehen und die Frage zu verneinen, wäre sehr unpatriotisch gewesen. Und hätte wohl dazu geführt, dass man dem Slogan »Arbeit macht frei« am eigenen Leib erfahren hätte. Apropos Arbeit, da fällt mir ein, dass es tatsächlich progressive Vordenker gibt, die meinen, dass Arbeit in naher Zukunft ein wenig anders ausfallen wird. Einfach, in dem wir weniger arbeiten und dadurch mehr Lebensqualität zurückbekommen – oder weil Jobs, wie wir sie heute kennen, schlicht obsolet werden. Okay, klingt nach einem Witz, nicht? Na, bitte, jetzt haben Sie aber gelacht, nicht?

Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen! Na dann.

Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen, schrieb ich mal in einer älteren Version von Erik. Ich habe keine Ahnung, ob ich den Satz gestrichen oder im Manuskript belassen habe. Aber ich würde ihn sofort unterschreiben. Ja, ein Künstler ist nur dann Künstler, wenn er bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen. Das heißt nicht, dass er es tun muss. Nein, nein. Aber wenn es sonst niemand tut, in der Gesellschaft, weder die politische Opposition noch die objektiven Medien, tja, wer soll es sonst tun? Dumm, dass sich das Bild des Künstlers über die Jahre sehr gewandelt hat.

Künstler ist zu einem Job geworden. Prekär und hoffnungslos auf der einen, bestens bezahlt und hoffnungsfroh auf der anderen Seite. Wir dürfen froh sein, dass Künstler heutzutage nicht mehr Angst haben müssen, zu erfrieren oder zu verhungern. Jedenfalls nicht physisch. Aber diese Wandlung, vom unangenehmen Außenseiter, der einer sich selbst belügenden Gesellschaft den Spiegel vorhält zu einem belächelten Mitläufer, der in der Hierarchie der Gesellschaft aufsteigen möchte, hat allen Beteiligten nicht sonderlich gut getan.

Ich bin zwar ein Kind der mechanischen Schreibmaschine, aber noch zu Beginn meiner Schulzeit tippte ich bereits auf elektrischen Typenradschreibmaschinen und vor dem Abitur trat die Textverarbeitung ihren Siegeszug an. Mit meinem ersten Einkommen schaffte ich mir einen PC an. Und sollte fortan nur mehr in Monitore und Bildschirme starren (trockene Augen!), wenn es darum ging, Texte zu Papier zu bringen. Welch eine Erleichterung. Ich erinnere mich noch an die viele freie Zeit in den Sommerferien, als ich auf der mechanischen Adler-Schreibmaschine tippte und mich schon ein wenig als Schriftsteller fühlte. Es war Knochenarbeit. Und das ratternde Anschlagen war in der ganzen elterlichen Wohnung zu hören. Ja, ich konnte es nicht verheimlichen, dass ich an einem witzigen Krimi schrieb (Tom Thomsen, you know!), für den ich mich dann aber doch irgendwie genierte.

Auf einer mechanischen Schreibmaschine zu tippen ist wahrlich schwerstarbeit. Und wenn du dir hundert Seiten abgerungen hast und feststellst, dass die mittleren 20 Seiten nichts taugen und neu geschrieben werden müssen, inklusive Veränderung im vorderen und hinteren Teil, wie wäre das wohl abgelaufen? Heute, in einem Office-Text-Programm springe ich in sekundenschnelle zu der relevanten Stelle, korrigiere, füge ein, lösche und stelle innerhalb von einem Augenaufschlag ganze Kapitel um. Ja, it’s that easy, folks! Aber je leichter man es dem Menschen macht, desto leichter macht er es sich. Würden wir noch Kraftfahrzeuge haben, wo man mehr schmutziger Mechaniker als cooler Rennfahrer sein müsste, es gäbe keine Staus auf diesen Straßen. Wirklich.

Äh. Was wollte ich eigentlich sagen? Scheinbar bin ich mal wieder vom Thema abgekommen. Also, der Schriftsteller (oder Künstler) muss sich lächerlich machen können. Das ist leicht geschrieben. Wirklich. Aber es dann zu tun, also, das verlangt schon einiges ab. Und da bemerke ich dann wieder, wie wenig Künstler ich in Wahrheit bin. Ich bin angepasst. Will in der Gesellschaft meine Rolle spielen. Will in den Hierarchien aufsteigen. Will finanziell unabhängig sein. Will gehört werden. Will gemocht werden. Will mir Unsterblichkeit erschreiben. Na, die übliche Palette künstlerischer Egomanie. Ich schätze, das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass es so viele sind, die sich gegenwärtig dieser Egomanie hingeben. Künstler sind im Normalfall keine gefälligen, umgänglichen Menschen, wenn sie es ernst mit ihrem kreativen Tun meinen. Sie sind zweiflerisch, nachdenklich, fordernd, hässlich, grausam, eingebildet, überheblich, gierig und so weiter und so fort. Freilich, das Bild, das sie nach außen zeigen ist musisch, kreativ, schaffend, schöpfend, liebend, lachend, lächelnd, leidend und so weiter. Diese Diskrepanz, zwischen der inneren Befindlichkeit und dem äußeren Schein, kann einen Künstler ordentlich in die Mangel nehmen (und ist doch wieder nur weiterer Stoff für seine Künstelei).

Warum schreibe ich das eigentlich? Also, primär geht es mir darum, auf wunde Punkte in der Historie hinzuweisen und die gegenwärtige Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder von uns Teil einer Geschichte ist. Auch wenn dieser Blog-Artikel nichts verändert, so musste er geschrieben werden. Weil er für mich und für dich ein weiterer Stein in unserem Mosaik ist. Es verhält sich wie mit  diesen hunderten von Werbe-Einschaltungen für eine zuckerhältige Limonade. Zwei oder drei Einschaltungen hätten wir gar nicht wahrgenommen. Aber hunderte, die uns tagtäglich begegnen, setzen sich in unserem Unbewussten fest. Die Werbe-Psychologie weiß, was sie tut.

Um zu einem Abschluss zu kommen (und falls Sie bis hierher gelesen haben), so belohne ich Sie mit der Feststellung, dass im Apollo-Programm der NASA nichts ist wie es scheint. Wenn Sie jetzt den Kopf schütteln und felsenfest behaupten, dass ich ein Spinner wäre, nun, dann lenke ich gerne Ihren Blick auf diesen Artikel, der sich mit dem Backfire Effekt auseinandersetzt, der nichts anderes besagt, als dieses: Wenn du von etwas tief überzeugt bist, machen dich meine Versuche, dich vom Gegenteil zu überzeugen, nur noch überzeugter. Tja. Da stehen wir nun.

Und jetzt?