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Von Mondlandungen und anderen Gespinsten im Jahr 2019

Im Juni feiert die erste „erfolgreiche“ Mondlandung von Apollo 11 ihren 50-jährigen Geburtstag. Sie können davon ausgehen, dass die Medien alles daran setzen werden, die Ungereimtheiten, Widersprüche und Absurditäten dieser „Weltraummission“ wie der Teufel das Weihwasser zu meiden. Man stelle sich vor, NASA müsste zugeben, damals ein wenig „getrickst“ zu haben. Schließlich war der Kalte Krieg in den 1960er Jahren ziemlich heiß geworden und die „Russkis“ waren den „Amis“ beim Erobern des Weltraums ziemlich weit voraus. Mit anderen Worten, der „Kommunismus“ war drauf und dran die Propagandaschlacht zu gewinnen. Washington und der „kapitalistische“ Westen mussten demnach wieder die Oberhand gewinnen. Das stand so im Drehbuch. Und hatte nicht der gute John F. Kennedy seinen Bürgern versprochen, dass Amerikaner noch vor Ende des Jahrzehnts zum Mond fliegen würden? Freilich, bei seiner letzten Ansprache relativierte er bereits das Gesagte und stellte klar, dass die Erforschung des Weltraums gemeinsam mit anderen Ländern, auch der UdSSR, erfolgen sollte. Aber nach seinem Ableben – das Attentat ist ja bekanntlich auch so eine mysteriöse Sache – erinnert sich keiner mehr an seine Worte.

Während wir also in den Weltraum starren, unser Blick nach oben geht, in diese mit Sternen übersäte Himmelskuppel, bemerken wir gar nicht mehr, was sich vor unserer Haustür abspielt. Was noch in meiner Kindheit undenkbar schien ist nun Wirklichkeit: Wir akzeptieren eine gesellschaftliche Verwahrlosung. Der Individualismus, der seit 1945 als Höhepunkt von Freiheit und Glück gepriesen und gepredigt wurde, hat die Gemeinschaft ausgehöhlt und das Wir durch das Ich ersetzt.

Der Wiener Dichter Nikolaus Lenau, der sich in den 1830er Jahren in den USA aufhielt, schrieb an seinen Bruder:

»[…] diese Amerikaner sind zum Himmel stinkende Krämerseelen. Todt für alles geistige Leben, maustodt. […] Eine Niagarastimme gehört dazu, um diesen Schuften zu predigen, daß es noch höhere Götter gebe, als die im Münzhaus geschlagen werden. Man darf diese Kerle nur im Wirtshause sehen, um sie auf immer zu hassen. Eine lange Tafel, auf beiden Seiten 50 Stühle (so ist es da, wo ich wohne); Speisen, meist Fleisch, bedecken den ganzen Tisch. Da erschallt die Freßglocke, und hundert Amerikaner stürzen herein, keiner sieht den andern an, keiner spricht ein Wort, jeder stürzt auf eine Schüssel, frißt hastig hinein, springt dann auf, wirft den Stuhl hin, und eilt davon, Dollars zu verdienen. […] Die Bildung der Amerikaner ist bloß eine merkantile, eine technische. Hier entfaltet sich der praktische Mensch in seiner furchtbaren Nüchternheit.«

So ist das, am Beginn des Jahres 2019.

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Mai 1945: Der Sieg der Vermögensassekuranz über das Vaterland

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Man meine ja nicht, der Amerikaner liebe sein Vaterland, aber er habe ein Vaterland. Jeder Einzelne lebt und wirkt in dem republikanischen Verbande, weil dadurch und so lange dadurch sein Privatbesitz gesichert ist. Was wir Vaterland nennen, ist hier bloß eine Vermögensassekuranz.

Nikolaus Lenau in einem Brief, März 1833
entn.: Lenau’s Leben, Großentheils aus des Dichters eigenen Briefen von seinem Schwestermanne Anton X. Schurz. Erster Band. J. G. Cotta’scher Verlag, Stuttgart/Augsburg 1855, S. 206ff.

70 Jahre ist es bald her, das Ende des zweiten Dreißigjährigen Krieges. Die Zeitungen und Zeitschriften sind natürlich voll von Erzählungen und Rückblicken, von Gedanken und Erläuterungen, gehalten in einem vorwurfsvoll-nüchternen Ton, angereichert mit dem obligat erhobenen Zeigefinger: „Nie wieder!“.

Die Unfähigkeit kriegführender Mächte, einen dauerhaften Frieden zu schließen, scheint ein Charakteristikum unserer Zeit zu sein. Ein eklatantes Beispiel für die Tatsache, daß heute ein Friedensschluß mit einem ehemaligen Gegner schon fast nicht mehr möglich erscheint, bietet Deutschland: es hat im Mai 1945 kapituliert und wartet heute noch immer auf einen Friedensvertrag.

Hans von Hentig, Der Friedensschluss: Geist und Technik einer verlorenen Kunst, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1965, Über dieses Buch.

Es mag müßig sein, über ein „Was wäre wenn“ zu theoretisieren, weil die Dinge nun mal sind, wie sie gemacht wurden. Beeindruckend beängstigend ist es, wenn man sieht, hört und fühlt, dass der Mainstream nur eine Wahrheit kennt, nämlich die offizielle, d.h. die von oben verordnete. Meinungen und Überlegungen, die davon abweichen, werden ignoriert, lächerlich gemacht oder verurteilt. Scharf verurteilt. Weil: „Nie wieder!“.

Wenn ich  an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückdenke, erscheint sie mir in ein Licht getaucht, wie es die Sonne seither nie wieder gespendet hat. Dieser Glanz ging von einer unbeschwerten Jugend aus, und wir alle, die wir damals um die Zwanzig waren, hatten die feste Überzeugung, daß es immer so bleiben werde.

Luis Trenker, Sperrfort Rocca Alta, Verlag Josef Berg, München 1977, S. 9.

Wer hinter die Kulissen der von oben verordneten Illusion blicken möchte, ist angehalten, jede Publikation mit kritischem Blick zu begegnen. Es gilt dabei die Schuldvermutung, d.h., jede Veröffentlichung nach 1945 ist per se die Literatur der Verfechter und Gutheißer der Vermögensassekuranz. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Kurz: Mind the gap!

Dieses Buch hat einen Indizienprozeß gegen Unbekannte geführt. Wir können nicht sagen, wer es war. Aber wir können sagen, dass es so, wie die Wissenschaftler rings um ‚Ötzi‘ vermuten oder behaupten, nicht war. Eine archäologische Sternstunde wurde arrangiert, die ‚Ötztal-Fälschung‘ ist offenkundig

Michael Heim u. Werner Nosko, Die Ötztal-Fälschung: Anatomie einer archäologischen Groteske, Rowohlt Verlag, Hamburg 1993, S. 197.

Mit PEGIDA in Wien flanieren

[D]diese Amerikaner sind zum Himmel stinkende Krämerseelen. Todt für alles geistige Leben, maustodt. […] Eine Niagarastimme gehört dazu, um diesen Schuften zu predigen, daß es noch höhere Götter gebe, als die im Münzhaus geschlagen werden.

Der Wiener Dichter Nikolaus Lenau, der die USA bereiste, in einem Brief vom Oktober 1832; entnommen: Lenau’s Leben, Großentheils aus des Dichters eigenen Briefen von seinem Schwestermanne Anton X. Schurz. Erster Band. J. G. Cotta’scher Verlag, Stuttgart/Augsburg 1855, S. 196ff.

Heute, Montag, soll PEGIDA [Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes] in Wien einen Spaziergang unternehmen. Aha. 250 bis 300 Teilnehmer, so die Salzburger Nachrichten, werden erwartet. Schau mal einer an. Ich habe mir vor  gar nicht allzu langer Zeit Gedanken über diese Bewegung gemacht, die – wenn ich mich recht erinnere – in Leipzig ihren Anfang nahm und immer wieder gegenüber der Lügenpresse, pardon, Mainstream-Presse, aneckt.

Also? Die erste Verwunderung, die mich verwundert hat, ist die Entstehungsgeschichte. Wenn es stimmt, was ich hörte, so solle die Bewegung mittels einer facebook-Seite ins Laufen gekommen sein. Ich weiß ja nicht, wie oft Sie in sozialen Netzwerk herumturnen, aber für mein Dafürhalten ist es so gut wie unmöglich, als Einzelner, ohne Gehilfen, eine Protestbewegung ins Leben zu rufen. Jede revolutionäre Bewegung, das sollte man wissen, ist ein kalkuliertes Produkt elitärer Gruppierungen, die Geld, Einfluss und Medienkontrolle haben. Oder glauben Sie ernsthaft, dass beispielsweise der Staatsstreich in der Ukraine nur deshalb zustande kam, weil unzufriedene Bürger auf die Straße gingen?

Die zweite Verwunderung, die mich verwundert hat, ist der Name der Bewegung. PEGIDA klingt hart. Im Besonderen das P, das am Wortanfang steht, wird ja hart gesprochen. Ist das im Sinne einer friedlichen Protestbewegung? Nope. Der Name ist Programm. Außerdem ist das Wort „patriotisch“ – mit deutschem Zungenschlag gesprochen – nicht gerade positiv besetzt. In den USA sähe es freilich anders aus, aber da die Bewegung nun mal in good old Germany startete, muss ich diesen unglücklichen Umstand anprangern. Außerdem, warum ist dieser Bewegung gerade der Islam ein Dorn im Auge? Die Kultur des Abendlandes wird seit 1945 durch den Konsumismus in den Grundfesten erschüttert. Deutsche Tugenden und alte Traditionen? Wurden und werden mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Christliche Werte? Wurden und werden mit der römisch-katholischen Kirche in Verbindung gebracht. Das Ergebnis dieser kulturellen Umformung ist, dass man dem gewöhnlichen Bürger, der sich vor einem aufkommenden Sturm schützen möchte, jede Zuflucht genommen hat. Kein Wunder also, wenn er sich – ziel- und hoffnungslos – an jeden Strohhalm klammert, der ihm dargeboten wird.

Kontrollierte Opposition ist keine Erfindung der Neuzeit. Denken Sie immer daran, dass es im Hintergrund Kräfte gibt, die nicht das Wohl eines Volkes im Sinne haben. Ganz und gar nicht. Die Zeichen, so viel ist mir klar, stehen auf Sturm. Möchte sich der Bürger, der Mensch, vor diesem Unbill schützen, gilt es für ihn, die Gemeinschaft zu suchen. Einigkeit mit dem Nachbar ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht jedoch Zwistigkeit und Hass. Sehen Sie, jeder Machtmensch weiß, dass er seine Untergebenen gegeneinander ausspielen muss, um an der Macht zu bleiben. Divide et impera, Teile und Herrsche. Diese Maxime ist so alt wie die Zivilisation selbst.

Die Lösung für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme sind deshalb nicht  Protestbewegungen, die von elitären Gruppierungen manipuliert und gelenkt werden können, sondern vielmehr die Rückkehr zu alten Tugenden, die Rückkehr in die Gemeinschaft. Im März 1833 hat Nikolaus Lenau bereits genug von seinem Ausflug und er schreibt nach Wien:

Man meine ja nicht, der Amerikaner liebe sein Vaterland, aber er habe ein Vaterland. Jeder Einzelne lebt und wirkt in dem republikanischen Verbande, weil dadurch und so lange dadurch sein Privatbesitz gesichert ist. Was wir Vaterland nennen, ist hier bloß eine Vermögensassekuranz.