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Bunte Lebenszeichen

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Ach ja, schon länger nicht mehr im virtuellen Raum gewesen und etwaigen unbekannten Besuchern die Hand geschüttelt. HB. meldete sich und fragte nach, ob es Con$piracy bereits in gedruckter Form gäbe. Ja, selten so gelacht, nicht? Heute sollte ich EJ. treffen, um mit ihr über die ersten Kapiteln zu sprechen. Mal schauen, in welche Richtung das Ganze gehen wird. Die letzten Wochen mit bunt-verspieltem Layout zugebracht, wie man an den beiden Covern sehen kann. Zuerst das Spielemagazin (52 Seiten), dann die dazugehörige Infobroschüre (8 Seiten). Kein Zuckerschlecken freilich nicht bzw. auf den springenden Punkt gebracht: ein Layoutör hat’s schwör. Sozusagen.

Bevor ich vergess, bitte seien Sie achtsam, was Sie lesen bzw. was Sie sehen. Die plakative und leicht durchschaubare Propaganda des Boulevards wirkt genauso gut wie die subtil gesetzte „Themenvielfalt“ der Qualitätsblätter.  Alles in allem werden die üblichen Inhalte immer und immer wieder vorgetragen – freilich in unterschiedlich teuren Kleidern. Vergessen Sie mir das nicht. Das beste Rezept, um der Beeinflussung zu entgehen (ein wenig jedenfalls), ist, auf den Konsum von Mainstream-Publikationen zu verzichten. Falls Sie nun einwenden, dass Sie dann uninformiert seien, nun, die bessere Frage lautet wohl eher: Welche Informationen haben mit mir und meinem Leben unmittelbar zu tun und welche Informationen lenken mich von einem selbstständig geführten Leben ab? Ich denke, niemand sollte sich gezwungen fühlen, eine Meinung zu einem Ereignis zu haben. Das ist de facto der Trick des Mainstream(s): Es drängt Ihnen ein (für Sie völlig belangloses) Thema auf und verlangt, dass Sie sich dazu eine Meinung bilden – oder sich wenigstens Gedanken darüber machen. Kurz, seien Sie einfach unbekümmert und scheren Sie sich nicht, was schlecht bezahlte Journalisten und gut bezahlte Chefredakteure heute an die Wand pinseln. Morgen ist es sowieso der allseits bekannte „Schnee von Gestern“. In diesem Sinne.

Das Zeitungssterben oder Die Diskussion, die keine ist

Wir haben es sehr eilig eine telegraphische Verbindung zwischen Maine und Texas einzurichten. Aber Maine und Texas haben sich eventuell gar nichts Wichtiges mitzuteilen. […] Als ob es die Hauptsache wäre, schnell zu sprechen statt vernünftig. Wir bemühen uns eifrig, eine telegraphische Verbindung durch den Atlantischen Ozean herzustellen und die Alte Welt der Neuen um einige Wochen näher zu bringen. Die erste Nachricht aber, die auf diese Weise in das breite, amerikanische Klapprohr hineintröpfelt, lautet vielleicht: Prinzessin Adelheid hat den Keuchhusten.

Henry D. Thoreau
Walden oder Leben in den Wäldern [1854/1922 link]

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Ich habe dort über unabhängige Presse gesprochen und die These vertreten, daß der Dämon des Geldverdienens nicht nur den bürgerlichen Idealismus im allgemeinen, sondern auch die Wahrheitsliebe der Presse zu zerstören begonnen habe und sie schließlich völlig zerstören werde.
Paul Sethe
Mitherausgeber der FAZ
in einem Brief vom 8. Februar 1957

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Ein Blog-Artikel zum Thema Zeitungssterben, aufgeschrieben vom Journalisten Richard Gutjahr, hat im Twitter-Universum die Runde gemacht. Man könnte neben dem »Zeitungssterben« natürlich auch über die Illusionsmaschine Social Community nachdenken, die den Einzelnen glauben macht, eine Rolle zu spielen – siehe hierzu diesen Beitrag. Man könnte auch über die Frage sinnieren, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen Information und Nachricht sei. Ist der Keuchhusten von Prinzessin Adelheid eine Nachricht? Diesbezüglich sei auf das bereits Mitte der 1980er erschienene Buch von Neil Postman Wir amüsieren uns zu Tode [Kapitel 5] verwiesen, der sich über diese Fragen Gedanken macht. Zurück zum Blogbeitrag, wo sechs »Medienprofis« über die Zukunft der Zeitung« Stellung nahmen. Man kann sich das Lesen der einzelnen Beiträge getrost sparen, es reicht, deren »Berufsfeld« zu kennen, um zu wissen, wohin die Antwort galoppiert. Und allein, dass genau jene sechs »Medienprofis« ausgewählt wurden, zeigt eigentlich schon, wie es um die Zukunft der Gesellschaft bestellt ist. Niemand von diesen machte sich darüber Gedanken, worum es eigentlich geht. Eine Zeitung zu drucken und – wichtiger – zu vertreiben, kann nur von einer kleinen elitären Schicht betrieben werden – im Gegensatz zu einem Blogbeitrag oder einer Webzeitung. Mit anderen Worten, die Presse ist nicht demokratisch und war es auch nie – ganz im Gegenteil. Ihre Aufgabe war und ist einerseits die breite Masse abzulenken, sie zu ver-amüsieren, andererseits die intellektuelle Schicht zu beeinflussen, auf dass diese wiederum die breite Masse beeinflusst. Der amerikanische Linguist Noam Chomsky widmete der »gesellschaftlichen Konsensherstellung« [manufacturing consent] viele Essays und Bücher – Edward Bernays, der Neffe Sigmund Freuds und »Erfinder« der Public Relations ging davon aus, dass Demokratie nur dann funktionieren könne, wenn eine »intelligente Minderheit« diesen Konsens in der Gesellschaft künstlich herstellte. Diese Überlegungen spielen freilich in der alle Monate wieder erscheinenden Zeitungssterben-Diskussion keine Rolle. Das Schlusswort überlasse ich George Orwell.

Es gab eine ganze Reihe von Abteilungen [im Ministerium für Wahrheit], die wertlose Zeitungen produzierten, die nur Sport, Verbrechen und Horoskope enthielten.«
1984
George Orwell
[meine Übersetzung]

Die Wahrheit und die Mehrheit

Meine Angst um Deutschland ist namenlos – Österreich, unser Vermögen, meine Gefahr ist mir nicht halb so viel. […] In den Zeitungen entsetzen mich die Berichte über die Vertreibung der Deutschen aus Paris: so müßte ein Capitel eines Romans beginnen, eines Anti-Romain Rolland, wie eine Liebe plötzlich Haß wird. Ich sehe die gemeine Gaminerie gegen die armen, die doch Frankreich so lieben, sehe wie man sie an den Bahnhöfen höhnt und in die Züge pfercht, halb verhungert und verschreckt. Es ist wie ein böser Traum.

Stefan Zweig
Tagebucheintrag vom 5. August 1914

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Die letzten vier Monate intensivst an Con$piracy gearbeitet. Ich sagte es bereits. Die nächsten Tage werde ich mich wieder mit weltlichen Dingen auseinandersetzen müssen. Vielleicht gut so. Abstand schadet in diesem Falle nicht, wo die Gedanken immer wieder zwischen einem Adlernest und einem Wolkenkratzer und einer Stadt pendeln. Damit meine ich vor allem den Größenvergleich. Das heißt, zuerst stochere ich in einer längst vergangenen Angelegenheiten en detail herum, dann schwinge ich mich in die historischen Lüfte und versuche mit den gefundenen Details gewisse Zusammenhänge herzustellen, die eine Welt von morgen erklärt. Vielleicht.

Mit F. bis in die frühen Morgenstunden geplaudert, sozusagen monologisiert, und ihn über all diese Indizien und Zusammenhänge aufgeklärt. Es ist erstaunlich, wie wenig wir wissen, obwohl wir uns als gebildete Klasse darstellen. Der bildungsferne Teil der Gesellschaft lässt sich durch einen Konsumismus ver-blöden, der bildungsnahe Teil durch einen Konformismus ver-bilden. Die Ironie ist, dass es schwieriger sein würde, die letztgenannten »aufzuklären«, weil, jeder, der sich eine feste Meinung gebildet (aha) hat auch weiß, dass die Mehrheit derselben ist und ihm damit recht gibt. Dabei darf man die Wahrheit nicht mit der Mehrheit verwechseln. Sagte Jean Cocteau. Wobei, ich habe es nicht geprüft. Vielleicht hat es auch jemand anders gesagt. Aber korrekt ist der Inhalt der Aussage noch allemal. Und Goethe soll ja im Gespräch mit Eckermann verdeutlicht haben, dass man das Wahre immer wiederholen müsse, weil der Irrtum nicht nur vom Einzelnen, sondern von der Masse gepredigt werde.

Wer sich mit einer anderen Wahrheit beschäftigen möchte, der ist angehalten, die Bücher auf der Sachbuch-Bestsellerliste sofort zu vergessen. Es spielt keine Rolle, ob die Liste vom deutschen Wochenmagazin Der Spiegel oder von der amerikanischen Tageszeitung New York Times zusammengestellt ist. Die darin enthaltenen Bücher spiegeln nur jene Zeit wider, die ein Establishment für uns konstruiert hat. Gut vielleicht sollte ich jetzt nicht so harsch mit den Mainstream-Büchern ins Gericht gehen. Es gibt immer Perlen, die sich im, pardon, Sauhaufen finden lassen. Manchmal ist die Perle auch nur eine einzige Zeile, eine einzige Aussage, in einem sonst unwichtigen und unrichtigen Buch. Ich bin mir im Moment gar nicht sicher, ob man überhaupt einem jungen Mitbürger den Rat geben soll, sich an ältere ver-bildete Leute zu wenden, falls sie Zusammenhänge und Historie verstehen wollen.

Ach, was ist es für ein Wohlgenuss einen Autor zu finden, der sich erdreistet hat, den unbekleideten König nackt zu nennen. Zumeist geht es übel für den Autor aus, nicht für den König, weil die Mehrheit noch immer der Meinung ist, dass der König ein edles Gewand trüge. »Lügner«, sagen sie dann mit voller Überzeugung. Und Lügner werden in einer ehrlichen Gesellschaft nicht geduldet, sie werden ignoriert.

9/11 oder Wann ist eine Wahrheit wahr?

»I am not a conspiracy theorist. I am an Air Force pilot. And based on
my experience, the story we’ve been told about 9/11 doesn’t add up.«
Air Force Lt. Col. David Gapp (ret.),
30-Year Veteran, Senior Aircraft Crash Investigator,
and Chief of Master Air Attack Planning for the Iraq and Afghanistan Wars
http://www.rememberbuilding7.org

Die Anschläge zum 11. September 2001 jähren sich zum 11. Mal. Die Erinnerungen bestehen primär aus TV-Bildern, die der gewöhnliche Bürger für bare Münze nahm. Somit wurde die offizielle Version der Ereignisse innerhalb weniger TV-Minuten bestätigt. Monate, vielleicht sogar Jahre später – das Web zeigte zum ersten Mal, was ein demokratisches Medium zu leisten imstande ist – gab es kritische Stimmen zur offiziellen Version. Ungereimtheiten wurden penibel aufgelistet, Unwahrscheinlichkeiten dokumentiert. Die Conclusio einer sehr spät und nur auf Druck einer Bürgerbewegung eingesetzten politischen Kommission – in Form eines gebundenen Buches erhältlich – ist in keinem Falle über jeden Zweifel erhaben und schon gar nicht der letzten Weisheit Schluss. Der Mainstream wiederum hat die offizielle Version von Anfang an abgenickt und abgesegnet und ist ihr glühendster Verteidiger. Derweil, in meinem aufgeklärten Verständnis, sollte jede Zeitung und jede Medien-Anstalt eine politische Erklärung prüfen, prüfen, prüfen. Scheinbar ist das nicht mehr notwendig.

Wenn der Pressesprecher des Weißen Hauses eine offizielle Meldung verlautbart, dann ist es in erster Linie eine Information mit Spin, aber mit Sicherheit nicht die Wahrheit. Diese recht einfache Schlussfolgerung sollte  jedem Bürger klar sein. Ist es aber nicht. Dahingehend muss man sich nur die Foren und Kommentarlisten ansehen, wie vehement der Einzelne offizielle Verlautbarungen als »Wahrheit« verteidigt (natürlich müssen wir jetzt mal davon ausgehen, dass diese User im wirklichen Leben existieren und es sich nicht um Fake-Accounts von PR- bzw. Propaganda-Agenturen handelt). Wie kommt es also, dass der gewöhnliche Bürger einer Obrigkeit beinahe blind vertraut, während das gegenwärtige Establishment immer wieder mit erhobenem Zeigefinger auf die Geschehnisse in den 1930ern Jahren in Deutschland und Österreich hinweist? Damals, so der Vorwurf, hätte sich das Volk zu leicht von der Obrigkeit an der Nase herumführen lassen, weil es die Propaganda für wahr gehalten und nicht hinterfragt hat. Ach?

Apropos. Gestern drei Bücher aus den USA bestellt. Ein amerikanischer Historiker beschäftigte sich eingehend mit der Zeit zwischen 1914 und 1945 und legt den Schluss nahe, dass die Dinge vielleicht nicht so sind, wie man sie seit Jahr und Tag in den Medien und den Geschichtsbüchern wiederkäut. Das ist natürlich ein gefährlicher Ansatz und »verboten« (das Wort verboten wird in den USA immer dann verwendet, wenn man die »Nichterlaubnis« einerseits verstärken, andererseits mit einem ironischen Unterton versehen möchte). Noam Chomsky erklärt wiederum, wie es die Creel-Commission, der offizielle Propaganda-Apparat der britischen Regierung, um 1916 geschafft hat, mit Falschmeldungen die nötige Kriegsstimmung in den USA zu erzeugen. Ja, natürlich überlege ich bereits, ein »verbotenes« Sachbuch über besagte Epoche zu schreiben. Das könnte im schlimmsten Falle mit Freiheitsentzug geahndet werden; aber sind nicht auch die Aufklärer des 18. Jahrhunderts immer wieder weggesperrt und deren Erkenntnisse verächtlich gemacht worden?

Im Sachbuch Con$piracy wird 9/11 nur am Rande erwähnt. Dahingehend kann man sich nur die Finger verbrennen. Weil man dem Leser keine Lösung anbieten kann. Wenn ich demnach die offizielle Version als »BS«, als unstimmig und fehlerhaft verurteile, dann werde ich angehalten, zu sagen, wie es denn nun wirklich wa(h)r. Da liegt auch schon der kritische Hase im Mainstream-Pfeffer. Jeder aufgeweckte Bürger, der sich mit einem politischen Fall eingehend beschäftigen möchte, kann nur auf jene Daten zurückgreifen, die ihm ein Establishment gewährt. Das Internet mag ein Fundus an allerlei Gedanken und Dokumenten sein, aber wenn zwingende Beweise unter Verschluss gehalten werden, dann ist der Bürger nur in der Lage zu spekulieren. Wenn zum Beispiel die behördliche Todesanzeige von Osama bin Laden im Winter 2001/2002 in den Archiven weggesperrt wurde, dann ist es leicht, zu behaupten, eine Spezialeinheit hätte ihn 2011 in seiner pakistanischen Villa ausgeschaltet. All die vielen »Verschwörungstheorien« rund um den Tod von Osama bin Laden hätte die US-Regierung leichter Hand widerlegen können, hätte sie eindeutige Beweise der damaligen Tötungsmission und – vor allem – den Leichnam vorgelegt, keine Photoshop-Bilder oder »Zeugenaussagen« von Militärangehörigen (die einen Eid geschworen haben, nicht der Wahrheit zu dienen, sondern ihrem Vaterland/der Regierung) oder das Gefasel von muslimischen Wasserbestattungen. Dass Osama bin Laden nicht für 9/11 verantwortlich gemacht werden kann, räumt sogar das FBI ein, trotzdem scheint einem Establishment daran gelegen zu sein, das eine mit dem anderen zu verknüpfen. Dank des Mainstream verbindet der gewöhnliche Bürger Bin Laden eher mit 9/11 als mit dem CIA, in deren Diensten er viele Jahre gestanden ist. Wenn Sie mir jetzt entgegenhalten, dass es unmöglich wäre, den natürlichen Tod von Osama bin Laden über so viele Jahre geheim zu halten, dann haben Sie recht. Es gibt  diesbezügliche auch Zeitungsberichte und Aussagen renommierter Politiker – aber ich schätze, das scheint für Sie wiederum weder als Beweis noch als Indiz zu gelten. Warum eigentlich nicht?

Weil der Bürger gelernt hat (besser: man hat es ihm eingetrichtert), dass nur wahr ist, was der Mainstream, also alle Zeitungen, Magazine, TV-Großanstalten und Medien-Blogs einmütig wiederholen. Alles andere ist von keiner Bedeutung und wird als wertlos, unrichtig, Blödsinn oder Verschwörungstheorie abgetan. Punktum. Jetzt frage ich Sie, wie soll ich und all die anderen kritischen Geister gegen solch eine Gedankenwelt die Oberhand gewinnen? De facto ist es nicht möglich. Jedenfalls so lange nicht, so lange die falschen Leuten an den richtigen Positionen im Mainstream sitzen. Vermutlich müsste es einen europäischen Frühling geben, der den Mainstream endlich demokratisiert. Wunschdenken? Vielleicht.

Was sollte der interessierte Bürger nun tun, um die mediale Spreu vom Weizen zu trennen? Ich würde sagen, seinen Mainstream-Medien-Konsum auf ein Minimum reduzieren, jede offizielle Nachricht kritisch hinterfragen und mein kommendes Buch Con$piracy vorbestellen. Vielleicht erscheint es ja noch in diesem Jahrtausend. Amen.