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Der Fall Claas Relotius und ein paar spekulative Gedanken dazu

Die „Affäre Relotius“ zieht weite Kreise im deutschsprachigen Medienzirkus, hat der mehrfach ausgezeichnete Journalist Claas-Hendrik Relotius für österreichische, schweizerische und deutsche Publikationen geschrieben. Sein letzter Arbeitgeber Der Spiegel musste jedenfalls die Reißleine ziehen und eingestehen, dass „sein Reporter Claas Relotius in Dutzenden Reportagen und Interviews Fakten verfälscht oder erfunden hat.“

Der gute Relotius, Jahrgang 1985, dürfte weit herumgekommen sein, in der Welt. Reiste in die USA, nach Kuba oder Albanien, machte dort „Recherche“ und schrieb seine „literarischen“ Artikel.

Der springende Punkt bei einem Skandal ist immer die Frage: „Warum explodiert die Sache gerade jetzt?“ – Seien wir ehrlich, der Mensch vergisst schnell und leicht. Hätte die Spiegel-Redaktion den guten Relotius auf das Abstellgleis gefahren, ihn und seine Artikel unter den Teppich gekehrt und leise den einen oder anderen Fehler eingeräumt, kein Hahn würde nach einer Aufarbeitung krähen und davon sprechen, dass das „Grundvertrauen“ in den Medien „erschüttert“ sei.

Nein, die Sache muss brisanter sein. Ein starker Gegenwind dürfte im deutschen Blätterwald ordentlich Laub aufgewirbelt haben. Wenn ich also eins und eins zusammenzähle, dann stellt der Typus des erfolgreichen Journalisten, der weltweit unterwegs ist, dem Tür und Tor offen stehen und zahlreiche wichtige Kontakte pflegt, ein besonderes Ziel für Geheimdienste dar.

Falls Sie noch nie etwas von Operation Mockingbird gehört haben, nun, in den 1970ern Jahre musste die CIA eingestehen, jahrelange Journalisten und Reporter in der amerikanischen Presse eingeschleust bzw. bezahlt zu haben. Freilich, manch patriotischer Schreiberling arbeitete für die CIA freiwillig und ohne Zubrot. Ja, auch das soll es gegeben haben. Jedenfalls räumte die CIA damals ein, das Programm, das darauf abzielte, die Bevölkerung in eine bestimmte politische Richtung zu lenken bzw. unangenehme Ereignisse zu verwässern, beendet zu haben. Falls Sie das glauben, glauben Sie womöglich auch, dass die Amis am Mond waren, „nur drei Wochen vor Woodstock“ – wie es Relotius einem Interviewten in den Mund legte – im gleichen Absatz werden auch noch die „brutalen Morde der Manson-Family“, die „das halbe Land erschütterte“, erwähnt. Sie können davon ausgehen, dass das eine wie das andere darauf abzielt(e), die Gesellschaft zu manipulieren – und dass die Dinge nicht so gewesen sind, wie sie lang und breit geschildert wurden und werden, liegt für mich auf der Hand. Aber das ist eine andere Geschichte.

Warum also, muss man sich fragen, hatten die Offenbarungen des ehemaligen Journalisten Udo Ulfkotte nicht für ein ähnliches Aufsehen gesorgt? So sprach Ulfkotte davon, dass er „geschmiert“, „gekauft“, sozusagen durch und durch korrupt, gewesen sei und vielen Organisationen zugearbeitet hätte. Sein Aufdeckerbuch Gekaufte Journalisten lässt kein gutes Haar an der vierten Gewalt im Staat. Seltsam, dass der vor einem Jahr verstorbene Ulfkotte von den etablierten Medien ignoriert bzw. diffamiert wurde, soll er doch „rechtspopulistische, islamfeindliche sowie verschwörungstheoretische Positionen“ vertreten haben. Auf der anderen Seite, im Falle von Relotius, zeigen sich die Redaktionen beschämt und klatschen ein Mea culpa nach dem anderen auf die Zeitungs- und Magazinseiten. Man spricht von „Aufarbeitung“ und „nie wieder“ und was sonst noch die Spin Doktoren in solch einem Fall empfehlen. Die übliche Vorgehensweise, wenn die Kacke am Dampfen ist, nicht?

Irgendetwas ist faul, im Staate Dänemark respektive deutschen Blätterwald. Ich habe natürlich keine blasse Ahnung, was in den Vorstandsetagen und informellen Treffen all dieser einflussreicher Herren und Damen so besprochen und beplaudert wird, wer wann welche Strippe zieht. Wie gesagt, ich tippe fürs Erste darauf, dass den Verantwortlichen beim Spiegel keine Wahl gelassen wurde.

Vielleicht, wer weiß, ist es auch unvorstellbares 4D-Schach, dem sogar ein Profi-Skeptiker auf dem Leim gehen kann. Wenn ich eines gelernt habe, in den letzten Jahren, dann ist es, dass nichts ist, wie es dem gewöhnlichen Bürger erzählt wird. In den Worten des Staatsanwalts Jim Garrison, anno 1967, der sich mit der offiziellen Version des Mordes an John F. Kennedy nicht zufrieden geben wollte – und später von Regisseur Oliver Stone auf Zelluloid verewigt werden sollte, klingt das so:

»Heute Abend werde ich Ihnen etwas über Wahrheit und über Märchen erzählen, über Gerechtigkeit und über Ungerechtigkeit. In den kommenden Monaten werden Sie erfahren, dass viele der Sachen, die Ihnen die großen Medienhäuser erzählt haben, unwahr sind. […] Als Kinder sind wir es gewohnt Märchen zu hören. Sie sind immer angenehme Geschichten, die tröstlich wirken, wenn wir sie hören, weil das Gute immer über das Böse triumphiert. Zumindest ist es so im Märchen. Märchen sind für Kinder nicht gefährlich und sind bis zu einem gewissen Punkt vielleicht sogar gut für sie. In der realen Welt jedoch, in der Sie und ich leben müssen, sind Märchen gefährlich. Sie sind gefährlich, weil sie unwahr sind. Alles, was unwahr ist, ist gefährlich. Und es ist noch gefährlicher, falls ein Märchen als Realität akzeptiert wird, einfach deshalb, weil es ein behördliches Gütesiegel hat, oder weil ehrbare Männer verkünden, dass Sie es glauben müssen, oder weil mächtige Elemente der Presse Ihnen sagen, dass das Märchen wahr sei. […] Die Bürger dieses Landes müssen nicht vor der Wahrheit beschützt werden. Dieses Land wurde nicht auf der Idee aufgebaut, dass eine Handvoll von Aristokraten – seien diese in unseren Behörden in Washington oder in den Medienhäusern in New York zu finden – entscheiden dürfen, was für die Bürger gut zu wissen wäre und was sie nicht wissen sollen. Dies ist ein totalitäres Konzept, das vermuten lässt, dass die Spitze unserer Regierungsbehörde und die Männer, die die machtvollen Medien kontrollieren eine spezielle Elite bilden, die Kraft ihrer Aristokratie und ihrer Brillanz bemächtigt sind, für das Volk zu denken. Ich persönlich würde mein Vertrauen eher in den gesunden Menschenverstand der Bürger dieses Landes legen.«

NBC / ausgestrahlt am 15. Juli 1967 [meine Übersetzung]



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Denkverbote #0: Reden wir darüber

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Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält,
verdient oft am meisten untersucht zu werden.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-99)
erster Professor der Experimentalphysik

Begibt man sich als skeptischer Zeitgenosse auf eine Reise zum Mittelpunkt der Wahrheit, dann begegnet einem auf dem Weg eine Reihe von Denkverboten. Gewiss, diese Verbote werden für gewöhnlich nicht direkt ausgesprochen und zielen auch nicht auf das Denken selbst ab – noch darf und kann man denken, was man will. Aber wehe, man brächte ketzerischen Gedanken zur Sprache oder aufs Papier, trüge diese auf Händen in die Öffentlichkeit. Mit einmal würde das Gesagte oder Geschriebene oder Gezeichnete auf die goldene Waagschale gelegt. Maßstäbe, die vor Gericht ‚offenkundige Tatsachen‘, im Alltag ‚Allgemeinwissen‘ heißen, werden angelegt. Urteile werden gefällt, mediale Pranger aufgestellt, Bücher verbrannt und Scheiterhaufen entzündet. Der Ungläubige hat abzuschwören und vor den erbosten Richtern einzugestehen, auf dem falschen Weg gewandelt zu sein. Weigert er sich – sei es aus Prinzip, sei es aus gekränktem Stolz – ist seine Existenz keinen Pfifferling mehr wert. Nach Verbüßen der ihm auferlegten Strafe wird er zum Paria erklärt und stirbt eines einsamen Todes. Wer sich dieser modern-kafkaesken Hexenverfolgung nicht ausliefern möchte, muss schweigen und vergessen lernen. Vielleicht, seufzt der Frevler in einem melancholischen Moment, hätte ich besser die ketzerischen Gedanken nie gedacht.

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Wenn die journalistische Welt aus den Fugen gerät #Syrien

Salzburger Nachrichten
Propaganda 2.0: Bitte das Sickbag bereithalten. Danke.

Zugegeben, der Leitartikel in den Salzburger Nachrichten ist bald eine Woche alt, aber nichtsdestotrotz ein Paradebeispiel, wie Propaganda in einer sogenannten Qualitätszeitung aussehen kann. Eigentlich ist es erschreckend, dass solch ein manipulierendes Machwerk kein Einzelfall ist, ganz im Gegenteil. Es ist, als würden all die Redakteure der freien und unabhängigen Blätter auf Zuruf förmlich mit Schaum vor dem Mund in die Tasten hauen. Zwar geben sie sich nach außen hin als Pazifisten und verdammen Kriege und Konflikte, aber wenn man sie von der Leine lässt, kann es ihnen nicht blutig genug gehen und sie stöhnen leidenschaftlich auf, wenn endlich Marschflugkörper auf den Weg geschickt werden, um „Despoten“ zu bestrafen.

Es ist alles blanke Heuchelei. Wenn man alt genug ist, kennt man diese propagandistischen Spielchen, die da in Texten verpackt werden, schon in- und auswendig. Immer die gleiche Leier. Immer die gleichen Phrasen. Immer die gleichen „Lösungen“. Wie diese „Lösungen“ aussehen, kann man heute in Libyen, Afghanistan oder Irak bewundern. Würden die Redakteure ihre Kinder beispielsweise nach Tripolis schicken? Sozusagen als Geste des guten Willens. Immerhin haben sie, die Redakteure, alle im Chor händeringend nach einer No-Fly-Zone geschrie(b)en, um den „verrückten Diktator“ Gaddafi endlich das Handwerk zu legen und Infrastruktureinrichtungen in Trümmer. Dank all dieser „pazifistischen“ Schreiberlinge können nun Stammeskrieger, Söldner, „private“ Sicherheitsleute, Kriminelle und selbsternannten Gotteskrieger ihren blutigen Kampf auf libyschen Boden austragen. Gleichzeitig dient das chaotische Libyen als Knotenpunkt für internationale Waffen- und Söldnerschiebereien. Das Ziel des libyschen Verteilungszentrums: Syrien und all die Staaten, die auf der schwarzen Liste stehen.

Von alledem lesen Sie in den Blättern nichts. Nada. Besser, sagt sich die Pressemeute, ein paar Bomben zu viel abwerfen als eine zu wenig – es wird schon die bösen Jungs treffen. Der Zweite Weltkrieg gibt leider all diesen falschen Predigern ihren Heiligenschein und Politikern die Legitimierung, ganze Städte (und deren Bevölkerung) in Schutt und Asche feuerzubomben, weil, ja, weil das Regime unvorstellbare Gräuel begehen und begangen hat. Gibt und gab es Opfer unter den Zivilisten, zucken die geheiligten Textfabrikateure die Schulter und murmeln: „Die Leute sind mitschuldig, weil … ich mein, sie hätten ja etwas dagegen tun können!“

Es ist wahrlich ein starkes Stück, dass ein Chefredakteur und Familienvater, irgendwo im friedlichen Österreich, in seinem klimatisierten Büro sitzt und eine weitere „Strafe“ für den „Giftgasmörder“ verlangt, ja, geradezu darum bettelt. Die Auswirkungen solcher „Strafaktionen“, wir sollten es doch längst wissen, spüren immer nur die Unschuldigsten. Ich meine, wie verblendet und verbohrt muss man sein, um immer in die gleiche blutige Kerbe zu schreiben? Als wäre die Antwort auf Gewalt noch mehr, viel, viel mehr Gewalt anzuwenden.

Warum, frage ich mich, stellen sich all diese klugen Reporter und Redakteure dümmer als ein Stück Brot? Warum hinterfragen sie nicht den Sachverhalt? Warum prüfen sie nicht nach, welche „Gräuel“ von welcher Seite begangen wurden und begangen werden? Warum blenden sie sogenannte False Flag Aktionen aus? Und gab es nicht schon mal unter Obamas Regierungszeit einen Giftgasangriff, der Assad in die Schuhe geschoben werden sollte? Über die Terrormiliz IS, die gerne mal Köpfe abhackt und Ungläubige auf den Scheiterhaufen wirft – auch eine Form der Propaganda, wenn man so will -, ist im Artikel beispielsweise nichts zu lesen. Statt dessen ist von „gemäßigten Rebellen“ die Rede, die Washington „halbherzig“ unterstützt. Ich frage mich, auf welchem Planeten der gute Mann die letzten Jahre zugebracht haben muss, um so einen Blödsinn zu schreiben. Ist es nicht traurig, dass es eine deutsche Satire-Sendung braucht, um mit schwarzem Humor die von der Presse ausgeblendete Realität ins Wohnzimmer zu zurückzuholen?

Ich versuche zum Abschluss die so „vertrackt“ gewordene Situtation in Syrien auf den springend Punkt zu bringen:

Washington (Deep State) und Tel Aviv wollen Assad stürzen, um Syrien zu schwächen, aufzubrechen und zu balkanisieren (Kurdenstaat im Norden). Das hat u.a. geopolitische (Iran, Russland, Israel) als auch wirtschaftliche (Pipeline, Wasserquellen auf den syrischen Golanhöhen) Gründe. Um einen sogenannten Regimechange durchzuführen, wird das immergleiche Rezept angwendet: dank der Propaganda in westlichen Medien wird das legitime Staatsoberhaupt diskreditiert und ein „Volksaufstand“ TV-gerecht in Szene gesetzt, der sich kurze Zeit später zum „Bürgerkrieg“ ausweitet; im Hintergrund werden Söldnerheere mit modernster Ausrüstung in das Land geschleust um den Kampf gegen das loyale Militär (und gegen die Zivilisten) aufzunehmen. Falls notwendig, bombardiert man das Land in die Steinzeit. Am Ende wird das unliebsame Staatsoberhaupt gestürzt, mit einem pro-westlichen Diktator ersetzt, der wiederum kurzerhand im ersten Chaos die Gegnerschaft ausmerzt und das Volk drangsaliert, aber von den westlichen Medien als neuer Heilsbringer hofiert wird.

So war es 1953 im Iran – damals ging es um „britisches“ Erdöl; so war es 1954 in Guatemala – da ging es um „amerikanische“ Bananen; so war es 2011 in Libyen. Die Liste amerikanischer (Deep State) Einflussnahme in souveräne Staaten ist lang, sehr lang. Ich denke, es wäre an der Zeit, die schreibende Zunft, die einerseits fürstlich andererseits hungerlöhnlich für ihre gedankliche „Quacksalberei“ bezahlt wird, an den Ohren und zur Verantwortung zu ziehen. Denn früher oder später, wenn wir dieser Propaganda nicht einhalten gebieten, kann es sein, dass einem hier, auf der Insel der Seligen, die Bomben und Marschflugkörper um die Ohren fliegen, nur weil die Presstitutes in nah und fern eine Strafaktion für das (zukünftige) Strache-Hofer-Regime in Austria verlangen.

Wie heißt es so schön im Englischen: What goes around, comes around.

*

P.S.: Übrigens, können Sie sich noch daran erinnern, dass die Presse monatelange eine heimliche Verbindung zwischen Putin und Trump vermutet, behauptet und manchmal sogar bestätigt hat? Man ging sogar so weit, Moskau zu bezichtigen, die amerikanische Präsidentenwahl „gehackt“ zu haben, um Trump zum Sieg zu verhelfen. Es gab auch Stimmen, die meinten, Trump würde wegen indiskreter Videos bzw. Schuldenberge von Moskau erpresst. An anderer Stelle hieß es, dass Trump seine milliardenschweren Geschäftsdeals in Russland nicht aufs Spiel setzen möchte. Aber nun liest man, dass es zwischen Russland und den USA zu einem neuerlichen Kalten Krieg kommen könne, der sich vielleicht schon in Syrien zu einem Weltenbrand entwickeln werde. Wie passt das jetzt mit der Moskau-Marionette Trump zusammen? Wenn Sie mich fragen, dann leben die Damen und Herren in den Redaktionsräumen in einer bunten Bubble und schreiben traumwandelnd über Ereignisse, von denen sie nicht das geringste verstehen. Aber sie sind sicherlich mit ganzem Herzen dabei, wenn es um Bonuszahlungen und Auszeichnungen geht.

Wenn Der Standard über den Irakkrieg von 1991 schreibt

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In der Wochenendausgabe der Qualitätscanaille Der Standard ist die zweiseitige „Analyse“ von G. H. über Saddam Husseins Irrtum zu lesen. Alles, was der naive Leser über den  Irakkrieg von 1991 wissen muss, wird ihm hier in einem hochwertigen Wortbrei dargeboten. Man ist versucht an Winston Smith zu denken, als er im Ministerium der Wahrheit ein vergangenes Ereignis so verändert, dass dieses wieder in das von den Kontrolleuren vorgegebene politische Geschichtsbild passt.

Gut möglich, dass der Artikel auch nur eine Glanzleistung subtilster Satire war. Denn wie sonst ist es möglich, dass die Autorin die größte Public Relations-Operation der damaligen Zeit, die sogenannte Brutkastenlüge, mit keinem einzigen Wort erwähnt?

Oder die von den alliierten Streitkräften verschossene Uranmunition, die noch Jahre später für eine strahlende Zukunft in der Bevölkerung sorgte?

Oder die Auswirkungen der UN-Sanktionen, die vermutlich einer halben Million Kinder das Leben gekostet haben dürften und dass dieser „Preis“ für die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright gerechtfertigt war?

Oder dass das Öl-für-Lebensmittel-Programm zum größten Korruptionsskandal in der Geschichte der Vereinten Nationen der UN mutierte?

Oder dass die Kriegsberichterstatter zum ersten Mal in der Geschichte der „freien“ Presse nur noch berichten durften, was die Pressestelle der US-Streitkräfte offiziell verlautbarte?

Oder dass Saddam Hussein wenige Tage vor der Invasion die US-Botschafterin über seine Absichten, Kuwait zu annektieren, in Kenntnis setzte, worauf diese meinte, dass „Washington keine Standpunkte gegenüber innerarabische Grenzstreitigkeiten habe“?

Oder dass Kuwait nur deshalb nicht eine irakische Provinz wurde, weil um 1900 der Kapitän eines britischen Kanonenbootes den dortigen Scheich dazu überreden konnte, „sein“ Land unter die Oberhoheit Großbritanniens zu stellen?

Oder dass die irakische Regierung 1963 öffentlich bekannt gab, ein legitimes Anrecht auf Kuwait zu haben – um nur wenig später von Mitgliedern der Baath-Partei gestürzt zu werden, freilich mit Unterstützung Washingtons und Londons?

All die oben erwähnten Fakten sind weder geheim noch schwer zu ermitteln – ja, sie finden sich sogar in Wikipedia und das will etwas heißen. Man muss also davon ausgehen, dass die Autorin und der verantwortliche Ressortleiter mit Absicht die (für die Sittenwächter) unangenehmen Informationen unter den Teppich gekehrt haben – an Faulheit oder Inkompetenz der Beteiligten will ich nicht glauben.

O’Brien und die Parteifunktionäre sind jedenfalls zufrieden.

Gedankensprünge zum Thema Flüchtlingskrise: Von Majestätsbeleidigung über kontrollierte Opposition bis hin zur Ketzerei

Orwell_Liberty_QuoteVor ein paar Jahren war es, als mich X. als Doomster bezeichnete, weil ich die Zukunft recht dunkel einfärbte. Gegenwärtig sehe ich weder einen Regenbogen noch einen Silberstreifen am Horizont heraufdämmern. Rosarote Brillen, gewiss, werden genauso zahlreich verteilt wie all diese blauen Pillen, die einen die Realität vergessen lassen. Darin liegt ja die Crux aller Krisen, nämlich dass der gewöhnliche Bürger von der überschäumenden Propaganda-Flut hinweggespült und von der political correctness Tollwut zerfleischt wird. Zur Erinnerung sei hier angemerkt, dass es ein gewisser Immanuel Kant war, der im September 1784 in seinem Aufsatz schrieb:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. […] Sapere aude! ›Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‹

Tja. 231 Jahre später kehren wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die regierenden Fürsten teilen ihren Untertanen mit, was sie zu denken, woran sie zu glauben und was sie zu tun haben. Verfehlungen werden rigoros bestraft. Damals hieß der Verbrecher Ketzer, heutzutage Hetzer. Die Majestätsbeleidigung, die einen in den Kerker bringen konnte, gibt es noch heute – einzig, dass die (imaginäre) Majestät je nach welt- und gesellschaftspolitischer Lage wechselt. Toleranz, das Ergebnis einer humanistischen Gesinnung in Europa, wird zu einem totalitären „Entweder-oder“ entstellt. Wer Art und Ausmaß „humanitärer Hilfe“ besprechen und Grenzen ziehen möchte, ist bereits verdächtig, den rechten Teufel in sich zu tragen. Haupt- genauso wie nebenberufliche Exorzisten sorgen mittels Zuckerbrot und Peitsche dafür, dass all die Schafe, die vom linken Wege abgekommen sind, zur Herde zurückkehren. Man könnte meinen, im dunklen Mittelalter (das in Wirklichkeit so dunkel nicht war) aufgewacht zu sein.

Hier ein paar Gedankensprünge zum Thema.

Ist Ihnen bereits aufgefallen, dass es mehr Arbeitslose in Griechenland (25 %) und Spanien (21 %) gibt, als im Irak (16 %)? Sie können sich gerne den Kopf darüber zerbrechen, wie es sein kann, dass in einem von blutigen Anschlägen verwüsteten Land, die Wirtschaft nicht völlig am Boden liegt. Wie dem auch sei, es ist nun mal so, dass eine Bevölkerung alles unternimmt, um ihr Fortbestehen zu sichern, egal wie trostlos, wie hoffnungslos die Situation auch scheinen mag – siehe Deutschland im Herbst 1945 – vorausgesetzt, die Bewohner geben ihr Land nicht auf.

[7] All German cities above 50,000 population and many smaller ones were from 50 to 80 per cent destroyed. Dresden, as large as Pittsburgh, was wiped out and nearly all of its 620,000 inhabitants buried under the ruins.

[8] Cologne, with a population of 750,000, was turned into a gigantic wasteland. Hamburg, with its 1,150,000 people, was blasted by huge attacks, in one of which the flames rolled a mile into the sky and roasted alive hundreds of thousands of civilians in street temperatures of a thousand degrees. Frankfurt-on-Main, a city of 500,000, was reduced to a mass of rubble. All cities and industrial areas, such as the Ruhr and Saar regions, were laid waste.

[7] United Press, London, Feb. 14, 1945 and Associated Press, London, March 5, 1945
[8] Associated Press, London, March 24, 1945
Quellen wurde von meiner Seite nicht verifziert

Kennen Sie den Begriff „kontrollierte Opposition“? Interessanterweise konnte ich kein Definition im Deutschen finden. Im Englischen findet sich die folgende:

[meine Übersetzung:] Eine kontrollierte Opposition ist eine Protestbewegung, die in Wirklichkeit von einem Regierungsagenten geführt wird. So gut wie alle Regierungen haben in der Vergangenheit diese Technik angewendet, um ihre politischen Gegner auszutricksen und sie zu bändigen. Lenin hat einmal gesagt: „Der beste Weg, die Opposition zu kontrollieren ist, sie selbst anzuführen.“ A controlled opposition is a protest movement that is actually being led by government agents. Nearly all governments in history have employed this technique to trick and subdue their adversaries. Notably Vladimir Lenin who said „The best way to control the opposition is to lead it ourselves.“ Urban Dictionary

Ich erwähne diesen Sachverhalt deshalb, weil der gewöhnliche Bürger davon ausgeht, dass die Dinge so sind, wie sie in den Medien bzw. in der Schule dargestellt werden. Die Einflussnahme, die da draußen, in der Realität geschieht und von der die Medien nur flüsternd berichten, ist eine Tatsache (schlag nach bei COINTELPRO) und ich gehe davon aus, dass alle Protest- bzw. Bürgerbewegungen, die „Fahrt aufgenommen haben“, unterwandert sind. Ich bin sogar versucht zu sagen, dass die eine oder andere größere Bewegung durch (geheime) behördliche Initiativen entstanden ist. Dass auch und gerade populäre „Rädelsführer“ den Behörden zuarbeiten, sollte nach dem Mauerfall und der Öffnung der Stasi-Archive jedem Deutschen klar sein.

[meine Übersetzung:] Bürgerbewegungen, die während dieser Periode [der 1960er] aufkamen und die fundamentale Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft herbeiführen wollten, durften sich nicht frei entwickeln; statt dessen lösten sie sich vorzeitig auf oder wurden von Infiltratoren und Provokateuren unterwandert, deren korrupter Einfluss schließlich dazu führte, dass die Bewegungen für die Öffentlichkeit unglaubwürdig gemacht wurden. Somit ist es unmöglich festzustellen, in welche Richtung diese Bewegungen gegangen wären oder was sie hätten erreichen können, wenn es keine geheimen behördlichen Interventionen gegeben hätte.

Donna A. Demac, Liberty denied: the current rise of censorship in America
Rutgers University Press 1990, S. 78

Bezüglich der Presse, kann ich nur sagen: Seien Sie ja auf der Hut! Generell gilt: Wenn Artikel und (vor allem Fotos) versuchen, Ihre Emotionen anzusprechen, dann möchte man Sie manipulieren. Die Aufgabe der Qualitäts-Presse sollte in erster Linie die Sichtung und Aufbereitung von Fakten sein bzw., wenn Fakten und Daten fehlen, diese von Behörden oder Institutionen einfordern. Plumpe Stimmungsmache hat noch keine Krise gelöst, im Gegenteil, sie verschärft nur die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung und verhindert den sachlichen Diskurs. So sind es gerade die jungen Leute, seien sie Internationalisten, seien sie Nationalisten, die gegenüber der Stimmungsmache am anfälligsten sind und deren Hemmschwelle noch am geringsten ausgebildet ist.

Wenn die tatkräftigsten und am besten ausgebildeten Staatsbürger vor den Kriegswirren aus ihrer Heimat flüchten und sich in ihrem Asylland eine neue Existenz aufbauen dürfen, dann ist die Frage, ob das nicht gegenüber den im Krieg zurückgebliebenen Bürgern eine Ungerechtigkeit darstellt. Schließlich, wer soll das Land, wenn der Friede wieder einkehrt, aufbauen? Wer soll für Ruhe und Sicherheit sorgen? Ein Arzt oder Bautechniker, der nicht mehr zurückkehrt, lässt sein Land, sein Volk im Stich. Kurz und gut: Jeder funktionierende Staat benötigt eine gebildete Mittelschicht, die als Puffer zwischen unten und oben dient und somit für zivilisatorische Ordnung sorgt. Ist dies nicht der Fall, verkommt der Staat zu einer regionalen Arena, in der Familien und Stämme und Parteien um den „Thron“ kämpfen und erneut blutige Wirren auslösen, die wiederum erneut für Fluchtwellen sorgen. Ist es das, was wir uns für die Zukunft wünschen?

Sollten Sie ein skeptisch-kritischer Geist sein, so seien Sie vorsichtig, Ihre Gedanken in aller Öffentlichkeit zu formulieren. Gegen den Geschrei des Pöbels, der von Berufsdemonstranten und professionellen Propagandisten eingepeitscht wird, kommt der Einzelne nicht an. Weiters würde ich an der Teilnahme von „groß angekündigten“ Demonstrationen bekannter als „rechtspopulistisch klassifizierte Organisationen“ (O-Ton Wikipedia) abraten, da jeder Teilnehmer zu einem Spielball medialer und politischer Handlanger wird. Achten Sie auf die Wortwahl! Demonstrieren Sie nicht, versammeln Sie sich! Es geht nicht um eine Protest-, sondern um eine Bürgerbewegung. Verlegen Sie Versammlungen auf einen Sonntag Vormittag. Mit Kind und Kegel. Mit Ihren Eltern und Großeltern. Gehen Sie in die Kirche – vielleicht können Sie dort Ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck bringen. Versuchen Sie sich von unerwünschten „Zaungästen“ zu lösen. Seien Sie sich im Klaren, dass es draußen eine Schar an Agent Provocateurs gibt, deren einzige Aufgabe es ist, auf ein Foto oder in die Nachrichten zu kommen – sei es mit verunglimpfenden Plakaten, sei es mit brutalen Gesten, sei es mit hasserfüllten Sprechchören.

Generell gilt die Losung, dass jeder Mensch, der das Gesetz achtet – sei es in der Tradition, sei es in der Kultur verankert -, der sich an die goldene Regel hält und der mithelfen möchte, diese Welt mit friedlichen Mitteln in die Zukunft zu führen, dieser kann kein böser Mensch sein und darf nicht abgewiesen werden. Jeder Mensch, der das Gesetz missachtet, die Ordnung willentlich stört und mit verbrecherischen und gewalttätigen Mitteln seine Existenz auf Kosten anderer bestreiten möchte, sollte nicht in die Gemeinschaft aufgenommen werden.