Schlagwort-Archive: manipulation

Warum die Lämmer schweigen: Die Illusion der Informiertheit

Der Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld von der Christian Albrechts Universität Kiel ist eine dringende Empfehlung. Auch wenn er hin und wieder in ein für den Normalbürger unverständliches Universitätsdeutsch verfällt und es ein bisschen braucht, bis das Thema an Fahrt gewinnt, es gibt wenige deutsche Professoren, die den Mut haben, die Öffentlichkeit über die Illusion der Informiertheit aufzuklären.

So mag es nicht weiter verwundern, wenn ich für gewöhnlich auf angloamerikanische Denker Bezug nehme, die sich nicht scheuen, die Realität beim Namen zu nennen. Interessant dabei ist der Aspekt, dass der gebildete Europäer generell abschätzig auf das kulturlose und über-patriotische amerikanische Volk herunterblickt. Aber in Sachen Redefreiheit sind uns die Amerikaner weit voraus. Zum Einen ist es eine „genetisch-historische“ Komponente, die dafür verantwortlich ist, dass sich ein US-Bürger nicht so leicht den Mund verbieten lässt (wobei Washington seit 9/11 alles unternimmt, um diese „Freiheit“ einzuschränken), zum Anderen sehen sich die Amerikaner noch immer als Sieger und die Deutschen als Verlierer zweier Weltkriege. Überhaupt, die stete Gefahr eines deutschen bzw. österreichischen „Dissidenten“ mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden, lässt viele ins geistige „Exil“ gehen. Wir sind, man muss es klar und deutlich sagen, eine Nation von Duckmäusern. Die Ausnahme, wie Prof. Mausfeld zeigt, bestätigt hier nur die Regel. So lange es also solche professionellen Querdenker gibt, die sich getrauen, in die Menge zu rufen, dass der König respektive das System nackt ist, so lange hege ich Hoffnung, dass es zu einer zweiten Aufklärung kommt.

Hier nun ein paar Ausschnitte aus seinem Vortrag – die Übersetzungen sind von mir:

„Wird der gewöhnliche Medienkonsument dieser Flut an Informationen ausgeliefert, so dürfte es eher dabei helfen, ihn zu betäuben als ihn wachzurütteln.“ – übers. n.: „Exposure to this flood of information may serve to narcotize rather than to energize the average reader …“, schreibt Paul F. Lazarsfeld (1901 – 1976).

.

Man muss Ihnen die Illusion der Informiertheit geben und wenn Sie dann, beim Frühstück die Süddeutsche Tageszeitung gelesen haben, Nachmittags noch mal in Spiegel Online nachgeschaut haben, Abends dann die Tagesschau geguckt haben, dann sind Sie von Ihrem Gefühl der Informiertheit so überwältigt, dass Sie die Krankheit, an der Sie leiden, schreibt Paul F. Lazarsfeld, nicht mal mehr erkennen können, denn jetzt ist es wirklich Zeit zu Bett zu gehen.

.

Je weniger wir uns in einem Bereich auskennen, um so stärker neigen wir dazu, alle angetroffenen Meinungen als gleichberechtigt anzusehen. Wir integrieren dann gleichsam über das angebotene Spektrum und suchen die „Wahrheit“ irgendwo in der Mitte, d.h. wir meiden die als „extrem“ angesehenen Ränder des beobachteten Meinungsspektrums (auch wenn tatsächlich die „richtige“ Auffassung dort verortet ist). Wer also den Bereich des öffentlichen Meinungsspektrums festlegen kann, bestimmt auch die Gruppenmeinung und insbesondere die Urteile über das, was als „extrem“ anzusehen ist.

 

„Präsident Truman [1945-53] war in der Lage, das Land mit der Unterstützung einer (noch) verhältnismäßig kleinen Zahl an Wall Street Anwälten und Bankiers zu regieren.“ – übers. n.: „Truman had been able to govern the country with the cooperation of a relatively small number of Wall Street lawyers and bankers.“, entn. Samuel Huntington (1975), The Crisis of democracy (p. 98)

.
„Amerika ist keine Demokratie mehr – schon gar nicht die demokratische Republik, die die Gründerväter vor Augen hatten“ – übers. n.: „America is no longer a democracy – never mind the democratic republic envisioned by Founding Fathers“, entn. Washington Post, April 21, 2014

.
„Die Meinungen des durchschnittlichen amerikanischen Bürgers hat nur einen minimalen und statistisch gesehen nicht signifikanten Einfluss auf die Politik des Landes. Kurz: So gut wie null Einfluss. […] politische Entscheidungen werden von mächtigen Wirtschaftsorganisationen und einer kleinen Zahl an wohlhabenden Amerikanern.“ – übers. n.: Die Meinungen „of the average American appear to have only a miniscule, near-zero, statistically non-significant impact upon public policy“ … „policymaking is dominated by powerful business organizations and a small number of affluent Americans“, entn. Gilens & Page (2014) Die unteren 70 % auf der Einkommens- und Besitzskala haben überhaupt keinen Einfluss auf politische Entscheidungen.

.
Meinungsmanagement ist „günstiger als Gewalt, Bestechung oder andere mögliche Kontrolltechniken“ – übers. n.: Meinungsmanagement ist „cheaper than violence, bribery or other possible control techniques“ entn.: Harold D. Lasswell (1930), Encyclopedia of the Social Sciences.

 

Die einzig richtige Weltanschauung oder Wie sich die sozialen Medien verändert haben

Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können.
Karl May hätte sich hier seine Inspiration holen können. Wien, anno 2015.

Ich weiß nicht, was mehr zu fürchten ist – Straßen voller Soldaten, die ans Plündern gewöhnt sind, oder Dachkammern voller Schreiberlinge, die ans Lügen gewohnt sind.

Samuel Johnson [1709-1784]
zit. n. Freda Utley in
Kostspielige Rache [The High Cost of Vengeance], S. 13.
H. H. Nölke Verlag, Hamburg 1952

Es ist bemerkenswert, dass die Hoffnungen und Visionen der Humanisten des 15. Jahrhunderts heutzutage in Erfüllung gegangen sind: der Mensch kann schreiben und lesen, er hat Zugriff auf Bücher und wissenschaftliche Publikationen, er kann sich an jeden Diskurs beteiligen und seine Meinung nicht nur frei äußern, sondern diese auch – ohne begütert sein zu müssen – veröffentlichen. Erasmus von Rotterdam (1466-1536) würde sicherlich begeistert sein, vom Web 3.0. Warum, fragt man sich dann, hat sich die zivilisierte Welt nicht in ein Paradies verwandelt? Ich befürchte, die altehrwürdigen Philosophen waren zu naiv, zu blauäugig. Sie konnten nicht im Geringsten ahnen, dass in ferner Zukunft die Obrigkeit imstande sein würde, eine gebildete und belesene Masse auf einfache Art und Weise zu manipulieren und zu indoktrinieren. Die Ingredienzen dafür sind Zuckerbrot, Peitsche und die Kenntnis des Herdeninstinkts.

Social Media hat sich verändert. Ist es Ihnen auch aufgefallen? Immer mehr Leutchen tummeln sich auf den Medienkanälen und suchen nach Aufmerksamkeit. Immer mehr Leutchen wollen dir etwas verkaufen. Immer mehr Leutchen wollen ihre Weltanschauung, die einzig richtige, in die Welt posaunen – begleitet von Pauken und Trompeten. Es ist kaum mehr möglich, diesen teils idealistischen, teils professionellen Heilsverkündern zu entgehen, die meinen, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Sie glauben sich aufgeklärt und frei, dabei werden sie nach Strich und Faden von der „vernünftigen Minderheit“ [intelligent few] manipuliert. Ohne es auch nur im Geringsten zu ahnen, gehören Sie längst zur Fußtruppe der elitären Machthaber. Auf ein Foto, auf ein Wort hin „magdeburgisiert“ dieser politisch korrekte Heerhaufen jede Gesprächsbasis. Dem ideologischen Feind wird der „schwedische Trunk“ in die Kommentarzeile gespült. Auf dass seine Erklärungen elendiglich ersticken. Wir haben es hier mit einem virtuellen Kreuzzug der wahren Gläubigen zu tun, die jeden Heiden bekehren möchten. Misslingt es, wird der Frevler mit Spott und Häme ins Jenseits, pardon, gesellschaftliche und berufliche Abseits befördert, wo er langsam vor die Hunde zu gehen hat. Vergebung gibt es für den Gefallenen nur dann, wenn er zu Kreuze kriecht und Abbitte leistet. Gnade wird nicht gewährt. Wehe den Besiegten.

Die bewusste und kluge Manipulation von Verhaltensweisen und Meinungsbildern der Masse ist ein wesentliches Element in einer demokratischen Gesellschaft. Jene, die diese verborgenen gesellschaftlichen Mechanismen manipulieren, stellen eine unsichtbare Regierung dar, die in unserem Land die wahre herrschende Macht ist. Wir werden regiert, unsere Gedanken und Geschmäcker geformt, unsere Ideen vorgedacht, hauptsächlich von Männern, von denen wir noch nie etwas gehört haben. Das ist das logische Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Eine gewaltige Anzahl an menschlichen Geschöpfen muss auf diese Weise miteinander auskommen, wenn sie gemeinsam in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben möchte. […] Wie immer man auch darüber denken mag, es bleibt eine Tatsache, dass wir in so gut wie allen Aspekten unseres Lebens, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten, sei es in unserem Sozialverhalten oder in unserem Moralverständnis, von einer relativ kleinen Gruppe (angesichts der 120 Millionen [Einwohner der USA] nur ein unbedeutender Bruchteil) dominiert werden, welche die Denkvorgänge und die sozialen Verhaltensmuster der Masse verstehen. Diese Gruppe ist es, die die Fäden zieht, welche die öffentliche Meinung steuern, diese Gruppe ist es, die sich alte gesellschaftliche Zwänge nutzbar macht und neue Wege findet, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.

Propaganda [1928]
Edward Bernays [1891-1995]
Doppelneffe von Sigmund Freud
meine Übersetzung, Seite 9f.

Je suis …

Jesuischarliehaarper

Es war im September 2009, als sich Schauspieler Charlie Sheen erdreistete, die offizielle Version zu den Ereignissen um 9/11 öffentlich in Frage zu stellen, in dem er einen Videoclip mit dem bezeichnenden Titel »twenty minutes with the President« [youtube] publizierte. Seine Fragen beschäftigten sich mit dem collapse von WTC 7 genauso wie mit der standing down order von NORAD und den Bildern der Überwachungskameras des Pentagons und vieles mehr. Seine Fragen sind übrigens in keinster Weise absurd oder lächerlich oder verrückt oder dumm und trotzdem hat der Mainstream – damals wie heute – keine Freude an populären truthseekers / Wahrheitssuchern. Ich frage mich, warum nur? Haben Sie dafür eine plausible Erklärung?

Sieht man sich all die »Terror-Anschläge« an, die seit 9/11 die westliche Welt erschüttert haben, dann müssen einem früher oder später die vielen Ungereimtheiten in den offiziellen Darstellungen auffallen. Die größte aller Ungereimtheiten ist, dass der Mainstream jede offizielle Erklärung – sei sie noch so absurd, lächerlich, unlogisch und an den Haaren herbeigezogen – abnickt und bestätigt.

Apropos. Wissen Sie eigentlich, was in den letzten Tagen in Paris wirklich vorgefallen ist? Ach ja. Muslime – Massaker – Dschihad – Meinungsfreiheit – Syrien – Jemen. Das ist alles, was vom Mainstream übrig bleibt. Mehr braucht es auch nicht, um den nächsten Krieg loszutreten und die Bürgerrechte einzuschränken. Jedenfalls nicht für die politische Elite in Washington, Tel Aviv, London und Paris. Steuern wir nun auf einen Kampf der Kulturen zu, dem berühmt berüchtigten clash of civilization? Dass diese Überlegung, wenn man so will, in den Denkfabriken Washingtons vor gar nicht langer Zeit zum ersten Mal gedacht wurde, sollte jeden Bürger, der Orwell gelesen hat, stutzig machen. Noch mehr, wenn man weiß, dass die ersten muslimischen Gotteskrieger in den 1970ern von Washington bezahlt, ausgerüstet, ausgebildet und indoktriniert wurden. Deren Aufgabe war es, ein damals prosperierendes Afghanistan in einen blutigen Terror-Sumpf zu ziehen. Damit ist ein Stein ins Rollen gekommen, der über die Jahre vom Mainstream und der politischen Elite zu einer Lawine hochstilisiert werden konnte, um jene Agenda voranzutreiben, die Orwell der Partei in 1984 zuschreibt:

War is peace.
Freedom is slavery.
Ignorance is strength.

Krieg ist Frieden.
Freiheit ist Sklaverei.
Unwissenheit ist Stärke.

Ja, es ist erschreckend, mitansehen zu müssen, wie leicht die breite Masse auf Spur gebracht werden kann und wie leicht es dadurch der politischen Elite gemacht wird, ihre Ziele zu verfolgen. Den Politikern kann ich hier keinen Vorwurf machen, Sie spielen ihr Spiel, sind abhängig von Lobby-Gruppen, Strippenziehern und Parteifunktionären. Aber der Mainstream, all diese freien und unabhängigen Zeitungen und Zeitschriften, all diese TV-Sender – seien sie öffentlich oder privat -, ja, dieser Mainstream hat gar nicht erst die Absicht, die Wahrheit ans Licht zu bringen oder wenigstens auf die faulen Äpfel in unserem Garten hinzuweisen. Ganz im Gegenteil. Die Frage ist, warum ist das so? Haben Sie dafür eine Erklärung? Vielleicht hatte sie der stellvertretende Direktor der Kriminalpolizei in Limoges, Helric Fredou, der an der Aufklärung der Pariser Anschlagsserie mitarbeitete und sich überraschend Mittwoch Nacht im Büro sein Leben genommen haben soll [link]. Tja. [update: bezüglich des Medien-Blackouts siehe Artikel in der Asia Times]

Goldstein und seine Irrlehren anno 2015

Eine Welt, wie sie sein könnte …

Ehrlich gesagt, ich habe keine Idee, wie man den gewöhnlichen Bürger dazu bringen kann, über den Tellerrand zu schauen. Mit einem dicken aufklärerischen Wälzer – so richtig und wahr der Inhalt auch sein mag – ist es nicht getan. Die Emotion wird die Vernunft immer ausstechen. Social-Media – so viel ist mir jetzt klar geworden – verstärkt und schürt die (gemeinsam gefühlten) Gefühlswallungen in eine gezielte Richtung. Es braucht nicht viel, höchstens ein kleiner Hinweis, und schon verlangt die aufgebrachte Menge die Köpfe der (vermeintlich) Schuldigen. Langsam dämmert mir, wie die Agitatoren und Agent Provocateure der Französischen Revolution von 1789 vorgegangen sein dürften, um ‚das Volk‘ auf ihre Seite zu ziehen. Wahrlich, es braucht nicht viel, um das Herz eines gewöhnlichen Bürgers auf eine Weise zu erweichen, um ihn für die ‚gute Sache‘ zu gewinnen. Die Manipulation bei alledem ist nicht die Erweichung des Herzens, vielmehr die Darstellung einer Sache als ‚gut und richtig‘.

Man lese hierzu ein weiteres Mal George Orwells 1984 um zu begreifen, wie eine Obrigkeit die Massen manipuliert. Das Proletariat, die breite Masse, wird mit Nonsens abgelenkt:

»Es gab eine ganze Reihe von Abteilungen [im Ministerium für Wahrheit], die wertlose Zeitungen produzierten, die nur Sport, Verbrechen und Horoskope enthielten.«

Und jene Minderheit, die das manipulative System aufrecht erhält, wird mit Hassparolen und Patriotismus bei der Stange gehalten. Sie erfahren, wer Feind, wer Befehlshaber ist:

»Nie verging ein Tag, an dem nicht nach seinen Weisungen tätige Spione und Saboteure von der Gedankenpolizei entlarvt wurden. [Goldstein] war der Befehlshaber einer großen Schatten-Armee, eines Untergrund-Verschwörernetzes, das sich den Sturz der Regierung zum Ziel setzte. Der Name der Organisation sei Die Bruderschaft, so hieß es.«

Erst am Ende der Geschichte erfährt der Protagonist, dass Goldstein und die Organisation Die Bruderschaft nur eine Erfindung der Partei war. Diese kontrollierte Opposition konnte von der Partei nach Belieben ausgeschlachtet werden:

»Je mächtiger die Partei ist, desto weniger duldsam wird sie sein: je schwächer die Opposition, desto unerbittlicher die Gewaltherrschaft. Goldstein und seine Irrlehren [lies: Terrorismus] werden ewig in der Welt sein. Jeden Tag, jeden Augenblick werden sie zunichte gemacht, beschimpft, verlacht, bespuckt werden – und doch werden sie immer bleiben.«

Auf den Punkt brachte es 2003 der damalige britische Umweltminister Michael Meacher in seinem Kommentar im Guardian:

This war on terrorism is bogus