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Literarische und gestalterische Früchte in 9 Jahren (3)

literarische Früchte - angesetzt und tlw. geerntet in 9 Jahre

Zu guter Letzt dürfen in einem Rückblick die Früchte des langwierigen Tuns nicht fehlen. Oft hat man ja den Eindruck, man hätte den ganzen langen lieben Tag nur vor sich hingeträumt und in die Luftschlösser gestarrt. Deshalb ist es immer wieder notwendig, das Geleistete aus dem Archiv zu holen und auf die Bühne zu stellen. Wenigstens für einen Blog-Beitrag, der sich mit dem literarischen, verlegerischen und gestalterischen Gestern beschäftigt. Wer die letzten beiden Einträge zum selbigen Thema verpasst hat, bitte sehr: Teil 1 und Teil 2

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Untervögelt oder Warum sich im Web kein Schwanz für dich interessiert

New York Magazine - 14. Februar 1972: The Birth of New Journalism by Tom Wolfe

Okay. Diese Beitrag hat nichts mit Sex am Hut. Wirklich. Ist das jetzt enttäuschend? Andererseits, alles was wir tun und nicht tun hat am Ende doch mit Sex zu tun. Glauben Sie jetzt vermutlich nicht, weil Sie ein braver Spießbürger sind, wie? Na, wollen wir nicht wieder abschweifen, weil Zeit heutzutage ein kostbares Gut ist, das es nicht im Angebot beim Diskonter ums Eck gibt. Jedenfalls hätte ich es noch nicht gesehen. Sie vielleicht?

Gestern durch Zufall auf den wichtig(st)en Artikel in der Online Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit gestoßen: »Fanatiker des Augenblicks«. Der Titel ist jetzt ein wenig sperrig und muss erklärt werden. In diesem Artikel geht es um die Tyrannei des Augenblicks. Okay, das erklärt auch nichts. Dann zitiere ich mal frech.

Die Gegenwart wird zerlegt, in lauter adrenalinkickende Sequenzen, in Ereignis- und Erlebnisfolgen, die wir, wie die Soziologen Thomas Eriksen und Hartmut Rosa meinen, als »Tyrannei des Augenblicks« beschreiben könnten. Bei Eriksen bedeutet diese Tyrannei, dass die rasenden Überinformationen uns ratloser und uninformierter werden lassen. link

Da haben wir’s: Überinformation! Ja, das ist es. Schlagen Sie mal eine Zeitung auf. Oder am besten zwei (kosten ja heute nichts mehr). Dann hören Sie die Nachrichten im Radio. Gucken die News im TV, verfolgen dort eine Diskussion und schließlich, als Draufgabe, klicken Sie mal schnell ins Web, um sich zu informieren. Haha. Ein köstlicher Witz.

Noch nie in der Menschheit war der Einzelne so informiert wie heute und doch ist zu befürchten, dass er weniger versteht und so die falschen Schlüsse zieht. Wir gehen davon aus, dass ein Ereignis, ein Event, objektiv beschreibbar ist. Wir wollen wissen, was wirklich wirklich geschehen ist. Aber das ist nicht möglich. Gut, das sagen uns die Medien natürlich nicht – weil es ja ihr Geschäftsmodell ist, so zu tun, als hätten sie die alleinige Wahrheit gepachtet. Bullshit. Natürlich.

Gerade kocht die Volksseele in England. Weil der Medien-Tycoon Rupert Murdoch mit seinem Medien-Imperium daneben gegriffen hat. Das Boulevardblatt News of the World hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt und gesetzeswidrige Aktionen gestartet, um zu einer heißen Story zu kommen. Immer mehr Details blubbern gerade an die Oberfläche und schon sind wir in einem spannenden Polit-Thriller. Nebenbei wurde einer der Kronzeugen tot aufgefunden. Es soll ein natürlicher Tod gewesen sein. Freilich. Die Aufregung war bestimmt zu viel für ihn. Wollen wir uns da nicht in konspirative Theorien verstricken. Das ist peinlich und wird von der Wahrheits-GESTAPO mit Kopfschütteln bestraft.

Eine gute Zusammenfassung gibt Buchautor und Journalist Jeff Jarvis in seinem Google+ Profil ab. Und weil Google+ ja ein offenes Netzwerk ist (aber es nicht leiden mag, wenn sich jemand anonymisiert), können Sie seinen Senf samt den vielen Kommentaren seiner Kontakte lesen. Bitte sehr. Der gute Jeff Jarvis spricht in seinem Beitrag davon, dass ihm die enge Verquickung zwischen Medienleuten und Politiker schockiert hat und schließt mit den Worten, dass wahrer Journalismus als Plattform für die Öffentlichkeit (Volk) dienen muss (»true journalism will act as a platform for the public«).

Tja. Ich sage es ja immer wieder – aber wer hört schon auf einen Indie-Autorenverleger aus Habsburglandien? Eben. Also, ich meine, dass objektive Medienarbeit, soweit es überhaupt möglich ist, nicht im Einklang mit wirtschaftlichen Interessen stehen kann. Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. So ist das. Bestens zu sehen, wenn man einen Blick auf Fox News in den USA wirft. Der Fernsehsender gehört zum Murdoch-Imperium (genauso wie das Wall Street Journal). Dort wird dem Skandal kaum Beachtung geschenkt, sozusagen heruntergespielt. Und in den Murdoch-nahen Printzeitungen stellt man es scheinbar so dar, dass die anderen Medienunternehmen es dem alten Murdoch heimzahlen wollen.

Jetzt kommt natürlich der springende Punkt meines Beitrages. Ich habe mich mit dem Murdoch-Skandal nicht wirklich beschäftigt. Ich habe nur ein paar Info-Schnipsel im Web gefunden und mir meinen Reim darauf gemacht. Ich zitiere Jeff Jarvis, weil er meine Sicht auf die Dinge bestätigt. Aber ich hätte genauso gut einen anderen Journalisten oder selbsternannten Medien-Guru zitieren können, der die Angelegenheit gänzlich anders berwertet. Das ist das schönschreckliche im Web: du findest immer die gerade passende  Meinung – hübsch formuliert und mit knackigen Verlinkungen versehen. Ja, so läuft das heute. Man hat zwar keine Ahnung, kann sich aber innerhalb von wenigen Minuten ein erstes Bild machen. Und eine Stunde später hast du alles in dich aufgesogen, was du gefunden hast, verarbeitest es (mit all deiner Erfahrung, Weltanschauung und Voreingenommenheit) und fabulierst es in dein Blog. Und je nach dem wie gut dein gestriger Sex war, bist du nett oder kratzbürstig, verfluchst du die Welt oder siehst sie mit rosaroten Augen. Naja, das ist überzogen, aber Sie wissen, was ich meine, oder?

Jetzt geht die ganze Chose aber noch weiter. Also, wir haben jetzt einen Kerl, der meint, er würde über ein Ereignis so gut wie alles wissen und markiert mit den gefundenen Info-Bits seine medialen Kanäle. Dank social Media kann ich heute innerhalb von Sekunden eine Vielzahl an interessierten Menschen erreichen. Wobei, diese Menschen sind natürlich auch Kerles oder Kerlinnen, die über ein Ereignis so gut wie alles wissen oder wissen wollen und nehmen deine halbgaren Info-Bits, setzen sie mit ihren gefundenen zusammen und posaunen nun die neuen Erkenntnisse stolz in die über-informierte Welt. Tja.

Das wäre vielleicht schon schlimm genug, wäre da nicht das Dilemma, dass Medienhäuser und Journalisten mit dieser über-informierten Welt zurecht kommen müssen. Mehr noch, da sie – mehr oder weniger – für ihre Tätigkeit bezahlt werden, müssen sie einen Mehrwert liefern. Wenn ich demnach als nichtbezahlter Kerl bessere (sic!) und interessantere Informationen zusammentragen kann – noch dazu schneller – wozu braucht es dann diese bezahlte Meute? Tja. Das ist eine gute Frage. Noch mehr, wenn man, wie zuvor erwähnt, davon ausgehen kann, dass die Hand, die diese Medienhäuser füttert, von ihnen auch nicht gebissen wird. Der Medien-Skandal in England zeigt, wie eng verwoben die elitären Strippenzieher agieren. Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass noch immer die Mehrheit der Bevölkerung ihre Info-Bits aus Zeitungen und den TV-Nachrichten bekommt.

Einen wunderbaren Artikel hat übrigens der ehemalige Associate Editor des Wall Street Journals Paul Craig Roberts auf das virtuelle Papier gebracht: Conspiracy Theory:

Eine Verschwörungstheorie bedeutet nicht mehr, dass es ein Ereignis gibt, das durch eine eventuelle Verschwörung erklärt werden kann. Nein, damit bezeichnet man heutzutage jeden Erklärungsversuch, auch bewiesene, die nicht auf einer Linie mit der Regierung und ihren Medien-Zuhältern liegen. // A „conspiracy theory“ no longer means an event explained by a conspiracy.  Instead, it now means any explanation, or even a fact, that is out of step with the government’s explanation and that of its media pimps.

Roberts spricht sich ordentlich den Frust von der Seele. Hin und wieder lese ich seine Beiträge im alternativen News-Portal Counterpunch. Ja, er ist ziemlich angepisst von den gegenwärtigen Zuständen. Das gefällt mir. Wobei, wie zuvor erwähnt, es gäbe hundert andere Roberts, die das Problem an Leuten wie mir festhalten, die keine Ahnung haben, worüber sie schreiben und ein funktionierendes (sic!), stabiles (sic!) System in Frage stellen oder anschwärzen.

Kommen wir nun langsam zum Schluss.

Zusammengefasst sieht es so aus, dass es im Web gegenwärtig ein heilloses Wirrwarr an Informationen, Gossip, Meinungen, Fakten, Beweise, Theorien, Anschauungen, Ideen und so weiter gibt. Hier den Durchblick zu behalten, als kleiner Schlurf, ist eigentlich nicht möglich. Trotzdem wollen wir im Konzert der Medienmacher mitspielen und ebenfalls tagtäglich eine Headline aus dem Hut zaubern. Und wenn nichts Wesentliches passiert ist? Dann bauschen wir eine unbedeutende Story eben auf. Das geht schnell und kostet nicht viel. Schwupp. Schon fühlt man sich gut, weil man meint, die Welt gerettet zu haben. Bis zur nächsten Headline.

Aber mit jeder aufgeblasenen Headline, die jeder Einzelne in das Webuniversum entlässt, füllt sich der Raum mit Info-Schrott. Bald können wir gar nicht mehr klar sehen. Wie denn auch? Wenn du meinst, dass ein Ereignis so und nicht anders zu interpretieren sei, prügeln drei andere Schlurfs auf dich ein und schreien, dass es ganz anders war – inklusive der Verlinkungen, die du geflissentlich ignoriert hast, weil sie ja deiner Interpretation ans Bein pinkeln. Tja. Wer hat nun recht? Schulterzucken. Wir blättern um und suchen uns die nächste Headline. Schließlich wollen wir ja Aufmerksamkeit generieren. Uups. Ach so ja, das ist ja der Grund, warum Social Media so eingeschlagen hat. Mit einmal bist du dein eigener Medien-Tycoon, dein eigenes Starlet, dein eigener investigativer Journalist. Und ne Trantröte bist du natürlich obendrein, aber das blenden wir besser aus. Will ja keiner hören.

Ach ja, die Nudelsieb-Debatte. Auch die hat es ja in die Headlines geschafft. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung. Interessiert mich nicht die Bohne. Also, der Inhalt der Diskussion. Viel mehr interessiert mich die Meta-Ebene. Wer mischt sich warum mit welcher Intensität ein. Das ist für mich viel interessanter als das Geschwafel. Der Auslöser dieser Diskussion (ja, der Kerl mit dem Nudelsieb am Schädel), ein gewisser A., ist übrigens Gründer und Geschäftsführer einer Werbe-Marketing-Seifenblasen-Agentur, die auf ihrem Blog in freundlichen Worten schreibt:

Finden Sie auch, dass in diesem Land Einiges verkehrt läuft?“, nach diesem Konzept entwarfen Super-Fi und Martin Radjaby, Kampagnenleiter der Grünen, eine neue Sonderwerbeform.

Ich meine, verkehrt ist vielmehr die Einstellung, die wir zum gegenwärtigen System haben. Wenn Sie es also in Ordnung finden, dass Politik und Werbung und Medien Hand in Hand gehen dürfen, um ihre Massage (sic!) an den Konsumenten und Wähler (Bürger wurde bereits abgeschafft) zu bringen, dann kann ich Ihnen leider auch nicht helfen. Ach so, Ihnen will nicht geholfen werden. Stimmt. Bald ist uns allen nicht mehr zu helfen.

*

P.S.: Ist das jetzt ne Themenverfehlung? Ist mir doch blunzn. Ist ja meine Zeitung, die Sie da lesen. Und ich mache mir meine Headlines selber. Oh. Ich mach es mir also selber? Hm. Interessanter Wortwitz. Wenn Sie verstehen?

Google+, facebook, twitter, XING oder: Hört mir jemand zu?

schwarzkopf taschenbuch und ebook
Gibt's noch!

Heute, um 12h45, habe ich auf Google+ den Hinweis gepostet, dass auf amazon gerade noch ein Exemplar von meiner Krimicomedy Schwarzkopf zu haben ist.*) Das ist natürlich eine zweischneidige Sache. Weil es verdächtig nach Schleichwerbung riecht. Oder nach „jetzt will der mir auch noch was andrehen!“. Ich fühle mich ja auch nicht gerade wohl, so eine Message zu posten. Aber es könnte ja jemand da draußen sein, der nur darauf wartet, diese eine Buch abzustauben. De facto verdiene ich an diesem Kauf nichts, weil die Bücher bereits an den Barsortimenter KNV verkauft wurden. Mit anderen Worten, mir wäre (finanziell) viel mehr geholfen, wenn man das Buch über mich bestellen würde. Wirklich.

Aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Primär will ich mit diesem Beitrag all jenen die Augen öffnen, die noch immer meinen, man müsse nur mal etwas über seine Bücher (oder Musik oder Fotos) posten und schwuppdiwupp würden sich die Interessierten einstellen. Nun, dem ist nicht so. Überrascht? Wohl kaum. Und falls doch, naja, dann sind Sie vermutlich noch nicht lange beim Club. Social Media, you know.

Das soziale Medium eröffnet kreativen Menschen ungeahnte Möglichkeiten. Yep. Wir sind in der Lage die ganze Welt zu erreichen. Das muss man sich mal vorstellen! Die ganze Welt auf einen Knopfdruck! Was hätten die klugen Köpfe aus vergangenen Tagen nicht für so ein Wunder gegeben? Wie konnten diese klugen Köpfe auch ahnen, dass sich dann auch selten dumme Vögel und auf sich aufmerksam machende Wiener Indie-Autorenverleger auf diesen sozialen Plattformen herumtreiben, die um Aufmerksamkeit und nur um Aufmerksamkeit gieren? Tja.

Mit Google+ hat das Gezeter und Geschrei neue Ausmaße angenommen. Jeder darf mit jedem herumtun. Und jeder will mit jedem herumtun. Naja. Oder wenigstens so tun als ob. Mit einmal wird das Kommunizieren zu einem Fulltime-Job. Glücklich all jene, die dafür bezahlt werden. Teuflisch für all jene, die meinen, ohne soziale Verknüpfungen nicht mehr auszukommen, aber gleichzeitig ihre realen Schäfchen ins Trockene bringen müssen. Während früher einmal die Geschäfte der freischaffenden Einzelkämpfer im Kaffeehaus abgewickelt wurden (der Oberkellner hielt Papier und Bleistift für die Stammgäste bereit; die Schanis oder Zuträger erledigten Handlanger-Dienste), mit genauen „Dienstzeiten“, ist es heute, als würde man 24/7 im Kaffeehaus sitzen, weil man befürchtet, ein wichtiges Gespräch, eine lebensnotwendige Information oder – wesentlich – den medialen Multiplikator zu versäumen. Und eh man sich versieht, verplaudert man angeregt unaufgeregt seine Zeit. Tja. Dumm gelaufen. Weil es ja noch ein reales Leben gibt, das gestemmt werden muss.

Als ein wunderbar positives Beispiel für die Verwendung der sozialen Medien – in diesem Falle facebook – ist die Autorin und Übersetzerin Zoë Beck, die es auf stolze 1843 Kontakte bringt. Zoë schafft es beinahe täglich Statusmeldungen und Kommentare abzusetzen, die amüsant und aus dem Leben gegriffen sind. Mehr noch, man hat den Eindruck, dass sie etwas von sich preisgibt. Und sie geht im Normalfall auf die Kommentare der anderen ein. Das ist auch nicht gerade selbstverständlich. „Ich könnte vor Nervosität kotzen“, antwortete sie auf meine Frage, wie es ihr so ginge, rund eine Woche vor Erscheinen ihres neuen Krimis. Ja, das wirkt auf mich sehr sympathisch und ist nicht abgehoben oder distanziert. Schön. Aber wie viel Energie und Zeit steckt sie in diesen „Job“, den sie vermutlich gerne macht? Ich werde versuchen, sie zu einem Kommentar zu bewegen. Mal schauen.

Was ich mit dem Beispiel sagen will, ist, dass Social Media für einen noch unbekannteren oder noch nicht von der Masse wahrgenommenen Autor (oder Musiker oder …) nicht einfach zwischendurch erledigt werden kann. Es brauch viel viel Zeit. Viel viel Leidenschaft. Und das Glück, dass man auf die richtigen Leutchen trifft, die bereitwillig mitspielen. Denn ehe man sich versieht, tauchen im Windschatten kreative Trittbrettfahrer auf, die von deinem mühsam zusammengetragenen Publikum mitnaschen wollen. Tja. Wobei, wann ist jemand ein Trittbrettfahrer und wann einfach nur ein freundlicher Zeitgenosse, der plaudern will? Meine Kommentare, die ich hin und wieder bei Zoë Beck mache, könnten natürlich als Trittbrettfahrerei wahrgenommen werden. Schwierig, hier die Grenze zu ziehen.

Conclusio gibt es heute keines. Steht ja schon alles im Beitrag, nicht? Außer, dass es 14:43 ist, und das eine Exemplar Schwarzkopf noch immer auf amazon herumdümpelt.

*) tatsächlich hat es zwei positive Kommentare zu meinem Info-Posting gegeben. Das klingt jetzt natürlich nicht gerade nach viel, ist aber ziemlich, ziemlich gut. Wirklich! Wenn Sie mir nicht glauben wollen, dann probieren Sie’s aus. Sie werden sehen, wie schnell Sie nicht mal ignoriert werden. Und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Der Kasperl und eine Visitenkarte im Web: about.me

Ich lese gerade The Tipping Point von Malcolm Gladwell – eine leichtfüßig geschriebene Einführung über den kleinen Unterschied, der Großes bewirken kann. Oft fragt man sich ja, wie Hypes entstehen und warum gerade dieses Buch zig Millionen Mal verkauft wird und ein anderes, genauso gut oder schlecht geschriebenes, leer ausgeht. Der Buch-Tipp kam übrigens von der wunderbaren @sturbi, die in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens zu Hause ist. Zwar bin ich erst bei der Hälfte des Buches, aber ein paar wesentliche Facts kann ich schon mal loswerden:

Vorschulkinder widmen dann der TV-Kindersendung ihre ganze Aufmerksamkeit, wenn sie das Gesehene verstehen und in einen Kontext setzen können. Wiederholungen sind nicht ermüdend oder langweilig, so lange es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Wenn man die Kinder direkt anspricht, werden sie aktiv und wollen z. B. ein Rätsel eher lösen, als wenn man sie nicht direkt anspricht. Ist das Gesehene am Bildschirm wirr, also nicht verständlich und kompliziert, dann beschäftigen sie sich mit anderem. So lange, bis sie wieder den Faden am TV-Schirm finden und aufnehmen. Diese Ergebnisse stammen aus US-Studien in den 1970ern und 1980ern für Sesam Street und Blue’s Clues. Vermutlich hätte es gereicht, wenn sie sich einmal das Kasperl-Theater in Wien angesehen hätten. Da sind genau diese Voraussetzungen hinlänglich verstanden und umgesetzt worden. Oder mit anderen Worten: »Seid ihr alle daaa?«

*

Kinder und Internet-User sind nicht sonderlich verschieden, wenn es um Aufmerksamkeit geht. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Gestern durch Zufall auf die Seite about.me geklickt. Huh. Das Konzept hat mich sofort angesprochen. Hurtig ein Profil erstellt und, voilà, fertig ist die virtuelle Visitenkarte, die so aussieht:

Was ist also so neu an dem Konzept? Nun, jeder about.me-Teilnehmer hat genau eine Bildschirmseite zur Verfügung. Auf dieser kann er ein Bild hochladen. Das ist schon mal die erste herausragende Sache. Weil ein Bild immer mehr als 1000 Worte sagt. Immer. Gerade – und noch mehr – im Web. Durch die Billionen von Webseiten ist jeder Nutzer bestrebt, die kürzest notwendige Zeit auf einer Seite zu verbringen, um herauszufinden, ob sie einen gefällt, ob sie einen weiterbringt, ob sie Informationen bereithält, die man wissen möchte. Lange Texte, komplizierte Strukturen und ein unübersichtlicher Haufen an Fotos oder Illustrationen machen das Unterfangen, den Besucher nicht zu verschrecken oder zu langweilen oder zu überfordern ziemlich aussichtslos. Der Internet-Benutzer mag zwar erfahren sein, aber er will so wenig Gehirnschmalz wie nur möglich in eine verkorkste Seite investieren – es sei denn, er hat gute, sehr gute Gründe dafür.

*

Ich habe mir schon vor Jahren den Kopf über ein grundlegendes Problem gemacht, das ich bis heute nicht wirklich lösen konnte. Die Unterscheidung zwischen einem Besucher, der mich kennt (virtuell oder persönlich tut nichts zur Sache) und meine Webseite schon einmal besucht hat. Für diese Besucher gelten ganz andere Regeln, als für jene, die mich nicht kennen, aber etwas über mich in Erfahrung bringen möchten. Kommen sie auf meine Webseite oder auf meinen Blog, dann müssen sie sich durch die Masse an Bilder und Links und Text manövrieren. Gewiss, die Regel lautet natürlich: keep it easy und vermutlich gibt es schlaue Köpfe da draußen, die schon Bücher geschrieben und Vorträge gehalten haben, aber im Großen und Ganzen gibt es (für mich) keine befriedigende Lösung, weil es mir vor allem um Content, um den Inhalt geht.

*

Mit der Zeit entstanden aber die Sozialen Netzwerke. Jeder, der seine Zeit in einem dieser verbringt, fühlt sich – mehr oder weniger – dort zu Hause. Er weiß, wie Profile aussehen, wie sie gelesen werden müssen und wo die Informationen stehen, die ihn interessieren. Es ist, als würde man in seinem Heimatort zurückkehren. Gewiss, auch dort gibt es unbekannte Flecken, aber man weiß sich zurechtzufinden. In fremden Gegenden braucht es eine Weile, bis man den Plan intus hat. Das kostet Zeit. Und davon haben wir nicht viel. Wirklich. Deshalb braucht es einen Info-Point. Diese about.me – Seite scheint den richtigen Ansatz gefunden zu haben.

Foto »Aha. So siehst du also aus.«
Name »Wie heißt du?«
Sub-Titel »Was machst du?«
Text »Und sonst?«
Links zu den sozialen Netzwerken »Wo bist du so zu Hause?«
Links zu verschiedenen Webseiten »Und wo noch?«

Durch diese wenigen Informationen kann man sich ein erstes Bild machen. Besteht weiterhin Interesse an der Person, dann klickt man sich in jene sozialen Netzwerke, die man gut kennt, wo man sich zu Hause fühlt und klickt sich durch das Profil und wird – im besten Falle – Kontakt aufnehmen. Geht man einen Level höher, wird man sich die persönliche Webseite angucken, die – wie zuvor gesagt – schon Zeit und Energie braucht, um sie zu entschlüsseln.

Es macht also durchaus Sinn, dass die about.me-Betreiber für jeden Teilnehmer physische Visitenkarte drucken lassen. Umsonst. Nur die Versandkosten müssen bezahlt werden. Sagt jedenfalls die Seite. Gut. Weiters gilt jetzt natürlich anzumerken, dass about.me nicht die ersten waren, die eine virtuelle Visitenkarte im Angebot hatten. Aber ihr Konzept ist simpler und eingängiger. Das ist es, was heutzutage im Web zählt. Man sehe sich nur die Erfolgsgeschichten der Webriesen an. Sie haben per se nichts Neues erfunden. Sie haben zumeist nur Bestehendes genommen und rigoros verbessert, in dem sie die Schwächen erkannt und eliminiert oder verringert haben. Und jetzt suche ich den Tintifax und sperre ihn in eine Kiste. Wollt ihr mir dabei helfen?

Los geht’s: Marketing für Selbstverleger

Virenschleuder-Preis? Noch nie gehört? Bitte sehr: Leander Wattig und Carsten Raimann suchen die erfolgreichsten Marketing-Maßnahmen der Buchbranche im Social Web. Alles klar? Alle weiteren Informationen können auf der Webseite abgerufen werden.

Ich nehme am Wettbewerb teil. Wirklich. Auch wenn ich mit keinen Sensationen aufwarten kann. Meine mit geringen Budgets ausgestatteten Marketing-Aktionen beschränken sich auf kleine Versuchsanordnungen im virtuellen Raum. Vor allem dort. Wo sonst kann man zig Millionen Leutchen erreichen? Eben. Social Media ist ein Faktor, will man sich einen Namen machen. Einfach ist es nicht. Zeitaufwändig noch mehr. Keiner soll glauben, innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen würde man den Olymp erklimmen. Weit gefehlt. Es geht bergauf, bergab, bergauf, bergab. Die Sache ähnelt mehr dem guten Sisyphus und der Ausgang ist ungewiss. Wirklich.

Wer sich also einen Überblick verschaffen möchte, über jene Menschen, die Social Media im Verlagsbereich bewusst einsetzen, der sollte sich die Bewerbungen durchsehen. Der eine oder andere mag noch etwas lernen. Oder bekommt wenigstens ein Gefühl, wie unterschiedlich die Herangehensweise sein kann, wenn es um die Generierung von Aufmerksamkeit geht.

So. Dann werde ich mal diesen Beitrag twittern. Auf facebook wird er sowieso automatisch gepostet. Das ist der einfache Part. Und der schwierige? Haha.