richard k. breuer

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Las Vegas und die schauspielernden Krisenakteure

AK47_LV

Ursache und Wirkung eines AK-47 Geschosses am Beispiel eines Betonziegels. Siehe Doku.

Wer sich mit den zahlreichen „Terror“- und „Amok“-Events der letzten Jahre in Europa und den USA näher auseinandergesetzt hat – und ein wenig Englisch versteht – stolpert immer über eine Sache: TV-Interviews mit Krisenakteuren.

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Ein offener Brief an Studierende: Think for yourself!

Princeton_Think

Am 29. August d. J. stellten die drei amerikanischen Elite-Universitäten – Princeton, Harvard und Yale – einen offenen Brief online. Er richtet sich vorrangig an neue Studenten, aber auch an Hochschullehrer und an gewöhnliche, der Wahrheit verpflichtende Bürger. Ich habe mir erlaubt, den Brief nach bestem Gewissen zu übersetzen und hier abzudrucken, da ich denke, dass der Inhalt gerade in unserer von Massenmedien so beeinflussten Epoche von größter Bedeutung ist. Immanuel Kant, Väterchen der Aufklärung und Befürworter des selbstständigen Denkens – „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, hätte sicherlich diesen Brief mitunterzeichnet.

***

Wir sind Gelehrte und Professoren in Princeton, Harvard und Yale und möchten ein paar Gedanken und Ratschläge an jene Studenten weitergeben, die sich gerade frisch zu den Universitäten aufmachen. Unser Ratschlag kann auf drei Wörter zusammengefasst werden:

Think for yourself.

Nun, das mag jetzt freilich einfach klingen. Aber du wirst herausfinden – falls du es nicht schon in der Mittelschule erfahren hast – dass selbstständiges Denken eine Herausforderung sein kann. Es verlangt von dir Selbstdisziplin und – gerade in diesen Tagen – Mut.

Im gegenwärtigen politischen Klima ist es angenehm und einfach seine Ansichten und Einstellungen an der Meinung, die am Campus oder im akademischen Umfeld vorherrscht, auszurichten. Jeder Student – oder Hochschullehrer – ist heutzutage der Gefahr ausgesetzt, in die Klauen des Konformismus zu geraten und dem Druck der Gruppe nachzugeben.

Auf vielen Fachhochschulen und Universitäten hält „die Tyrannei der öffentlichen Meinung“ (John Stuart Mills) die Studenten nicht nur davon ab, vorherrschende Ansichten bezüglich moralischer, politischer und ähnlichen Fragen zu widersprechen. Sie führt dazu, dass Studenten davon ausgehen, dass die vorherrschenden Ansichten so offenkundig korrekt sind, dass nur ein engstirniger Mensch (bigot) oder Spinner diese in Frage stellen kann.

Und da niemand gerne als engstirnig oder dumm gelten möchte, ist der einfachere und angenehmere Weg, um voranzukommen, sich der Orthodoxie, die am Campus vorherrscht, anzuschließen.

Don’t do that. Think for yourself.

Selbstständig zu denken bedeutet, vorherrschende Ideen in Frage zu stellen, sogar dann, wenn andere darauf beharren, dass diese Ideen als unstrittig zu gelten haben. Es bedeutet, entscheiden zu können, was richtig und was falsch ist, freilich nicht in dem man sich den gängigen Meinungen anschließt, sondern vielmehr, in dem man sich die Mühe macht, die stärksten Argumente, die eine Frage aufwirft, ehrlich abzuwägen – das inkludiert auch Argumente für eine Sache, die andere verunglimpfen und brandmarken und gegen eine Sache, die andere einer kritischen Überprüfung entziehen wollen.

Die Liebe zur Wahrheit und das tiefe Verlangen danach sollte dich motivieren, selbstständig zu denken. Der zentrale Punkt einer universitären Ausbildung ist die Suche nach der Wahrheit. Um zeitlebens ein Wahrheitssucher zu bleiben, müssen spezielle Fertigkeiten erlernt und ganz bestimmte Eigenschaften erlangt werden. Weltoffenheit, kritisches Denken und Debattieren sind wesentlich für die Wahrheitsfindung. Mehr noch, sie sind unser Gegengift gegen den Starrsinn.

Im Wörterbuch von Merriam-Webster wird das Wort ‚bigot‚ als eine Person definiert, „die stur oder intolerant zu ihren eigenen Meinungen und Vorurteilen steht“. Die einzigen Leute, die aufgeschlossene Untersuchungen und ernsthafte Debatten fürchten müssen, sind die wahren engstirnige Menschen (‚bigots‚). Dazu zählen auch jene am Campus oder in der Gesellschaft, die die Vorherrschaft ihrer Meinung dadurch zu schützen versuchen, in dem sie behaupten, dass das Infragestellen dieser Meinung selbst engstirnig [absurd, lächerlich, kindisch, lachhaft, gefährlich, nationalsozialistisch, stalinistisch, terroristisch, verschwörungstheoretisch, gesetzlich verboten usw.]  sei.

Deshalb lass dich nicht von der öffentlichen Meinung tyrannisieren. Verharre nicht in der Echokammer [in der nur die immergleichen Meinungen und Ansichten zu hören sind]. Ob du am Ende eine Ansicht ablehnst oder akzeptierst, entscheide wo du stehst, in dem du die Argumente für die in Frage kommenden Standpunkte kritisch abwägst.

Think for yourself.

Viel Glück an der Universität.

Shakespeare in Parsons Green, London

Feuerzeug_Parsons

Love is a burning thing and it makes a fiery ring

Für den Fall, dass Sie wissen wollen, was ich über den letzten „Terroranschlag“ in der U-Bahn Station Parsons Green in London halte, dann verweise ich hierher und hierher:

Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Fraun und Männer bloße Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen […]

Wie es euch gefällt
Shakespeare

Jetzt mal ehrlich. Wenn man sich die (in die Öffentlichkeit gelangten) Fotos und Videoclips anguckt, muss man schon ordentlich gehirngewaschen sein, um die offizielle Version für bare Münze zu nehmen. Aber wenn der Nachrichtensprecher im TV mit ernster Miene von einem Terroranschlag spricht, dann muss es wohl wahr sein. In den Worten von Richard Nixon: The [American] people don’t believe anything’s real until they see it on television.

In der Londoner U-Bahn hat es eine Explosion gegeben, titelt eine Zeitung. Später erfährt man, dass ein (weißer) Kunststoffkübel, der in einer Ecke, hinter einer Sitzreihe abgestellt wurde, „explodierte“. Ein „Feuerball“ soll durch das Wageninnere geschossen sein und dabei mehr als zwei Dutzend Menschen verletzt, aber sonst keinerlei sichtbare Spuren hinterlassen haben!

Es sieht so aus, als würde die Obrigkeit ausloten, wie weit sie gehen kann, bevor die breite Masse diese schlecht gemachten Inszenierungen beargwöhnt. Von der freien und unabhängigen Presse dürfen wir uns freilich keine Hilfe erwarten. Diese wiederholt – wie eh und je – einfach nur die behördlichen Aussendungen und stellt sich gehirntot. Punktum. Wer skeptisch-kritische Gedanken zu einem Anschlag äußert, beispielsweise auf youtube, verstößt gegen die „Community“-Richtlinien und wird ins memory hole geworfen, sprich gelöscht.

Willkommen in der orwellschen Gegen-Aufklärung, deren Motto allseits bekannt sein dürfte: Unwissenheit ist Stärke.

Denkverbote #2: Der inszenierte Terror

Denkverbote-2

Seit 2001 werden die Bürger der westlichen Länder immer öfter mit Terroranschlägen konfrontiert. Während Medien den Schrecken zelebrieren und die Angst in der Bevölkerung schüren, nützen Politiker und Funktionäre den Schockzustand dazu, um unpopuläre Maßnahmen durch- und umzusetzen. Auf diese Weise können neue Konflikte entfacht, Kriege weitergeführt, Zivilisten überwacht, Verdächtige interniert und der immerwährende Ausnahmezustand ausgerufen werden. Mit jedem vermeintlichen Anschlag, mit jeder hasserfüllten Schlagzeile, mit jedem Angst machenden TV-Bericht rückt die westliche Welt Orwells Oceania ein Stück näher.

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Denkverbote #0: Reden wir darüber

Denkverbote.jpg

Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält,
verdient oft am meisten untersucht zu werden.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-99)
erster Professor der Experimentalphysik

Begibt man sich als skeptischer Zeitgenosse auf eine Reise zum Mittelpunkt der Wahrheit, dann begegnet einem auf dem Weg eine Reihe von Denkverboten. Gewiss, diese Verbote werden für gewöhnlich nicht direkt ausgesprochen und zielen auch nicht auf das Denken selbst ab – noch darf und kann man denken, was man will. Aber wehe, man brächte ketzerischen Gedanken zur Sprache oder aufs Papier, trüge diese auf Händen in die Öffentlichkeit. Mit einmal würde das Gesagte oder Geschriebene oder Gezeichnete auf die goldene Waagschale gelegt. Maßstäbe, die vor Gericht ‚offenkundige Tatsachen‘, im Alltag ‚Allgemeinwissen‘ heißen, werden angelegt. Urteile werden gefällt, mediale Pranger aufgestellt, Bücher verbrannt und Scheiterhaufen entzündet. Der Ungläubige hat abzuschwören und vor den erbosten Richtern einzugestehen, auf dem falschen Weg gewandelt zu sein. Weigert er sich – sei es aus Prinzip, sei es aus gekränktem Stolz – ist seine Existenz keinen Pfifferling mehr wert. Nach Verbüßen der ihm auferlegten Strafe wird er zum Paria erklärt und stirbt eines einsamen Todes. Wer sich dieser modern-kafkaesken Hexenverfolgung nicht ausliefern möchte, muss schweigen und vergessen lernen. Vielleicht, seufzt der Frevler in einem melancholischen Moment, hätte ich besser die ketzerischen Gedanken nie gedacht.

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