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Wie Propaganda funktioniert am Beispiel von jetzt.de

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Im News-Portal jetzt.de, das für junge Leute gedacht ist, gibt es ein lehrreiches Propaganda-Stück unter folgendem Titel zu lesen: Tausch: American Dream gegen München-Neuperlach Der Cop, der vor Trump nach München fliehen will [link]

Es gilt, gerade nach dem US-Wahlkampf, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden und Fake-News im Mainstream zu entlarven. Nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump versuchen die westlichen Mainstream-Medien Öl ins Feuer zu gießen und die Anti-Trump-Stimmung vor allem bei jungen und noch unerfahrenen Menschen weiter zu entfachen und diese zum Protest aufzurufen. Der vorliegende Artikel in jetzt.de ist als klassisches Propaganda-Werk einzustufen. Hier geht es nur um das Bauchgefühl eines einzelnen Bürgers und trotzdem wird es auf die Stimmung in ganz Nordamerika umgelegt. Würde man das auch mit dem Bauchgefühl eines Trump-Wählers machen? Wäre es nicht an der Zeit, endlich einmal jene Amerikaner vor die Kamera zu holen, die deshalb Trump wählten, weil sie mit dem politischen und wirtschaftlichen Status Quo unzufrieden sind? In diesem Artikel erzählt eine junge Schwarze, warum sie ihre Stimme Trump gab. Und bedenken Sie, dass 2008 eine Vielzahl der Trump-Wähler Barack Obama das Vertrauen aussprach. Übrigens, wenn richtig gezählt wurde, dann gewann Trump von 3137 Counties (Wahlsprengel) mehr als 2700.

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Über das freie Reden: erster Versuch eines Vlogs

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Gestern mit dem neuen Headset kurzerhand ein dreiminütiges Video eingesprochen. Es ist somit mein erster Vlog/Video-Blog. Die Idee, über ein bestimmtes Thema frei zu reden, musste ich nach den ersten Versuchen wieder fallen lassen. Zu oft fährt man einen angefangenen Satz gegen die Wand, zu oft will einem nicht der nächste Satz einfallen. Natürlich könnte man editieren, könnte man die besten Teile zusammenfügen. Aber das ist dann doch ein zu großer Aufwand für eine bescheidene Wirkung. Deshalb habe ich schnell den Text aufgeschrieben und während der Aufnahme abgelesen. Da die großen Politiker ihre Reden auch nur vom Teleprompter ablesen, dachte ich, ich muss mich dafür nicht schämen, auch wenn die Rhetorik bereits bei den alten Griechen hoch im Kurs stand.

Vermutlich ist das freie Reden über ein bestimmtes Thema ein Talent, das nur wenige besitzen. Mein Favorit diesbezüglich ist Nikolas Lloyd, ein Brite, der vor seiner Kamera über Gott und die Welt fabuliert, ohne dass er sich vorab Notizen gemacht oder das Gesagte auswendig gelernt hätte. Beeindruckend.

Morris, ein Brite, der sein Leben in Südostasien zubringt, geht noch einen Schritt weiter und zeichnet oftmals seine Gespräche (Monologe) während einer Motorroller-Ausflugsfahrt auf. Hin und wieder geht er mit seiner Smartphone-Kamera auf Märkte, um zu zeigen, wie das Leben auf der anderen Seite der Welt aussieht. Alles in allem sind auch seine Vlogs äußerst beeindruckend.

Natürlich ist das freie Reden eine Sache der Erfahrung. Mit der Zeit lernt man auch, die Nervosität abzulegen. Wer es nicht gewohnt ist, in eine Kamera zu gucken und in ein Mikrofon zu sprechen, kann sehr schnell weiche Knie bekommen. Vor allem, wenn man Probleme hat, seine Fehler in die Öffentlichkeit zu tragen. Perfektionisten und solche, die es sein wollen, werden wohl die Finger von Vlogs lassen müssen. Auf der anderen Seite ist es eine gute Therapie, sich nicht immer perfekt in Szene setzen zu müssen und einfach auch mal Fehler oder unschöne Seiten zuzulassen. Yep.

 

Trump vs. Clinton – Die erste Debatte

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As seen on twitter.

Das war sie also, die erste Debatte der beiden Präsidentschaftsanwärter: Donald Trump und Hillary Clinton. Dafür bin ich um 3 Uhr früh aus dem Bett gekrochen. Ich denke, Sie werden alles Wesentliche und Unwesentliche aus den Medien erfahren. Clinton, die sich streberhaft auf diese TV-Debatte vorbereitete, machte über die 90 Minuten einen sicheren Eindruck. Es erinnerte an einen Schüler, der sich gewissenhaft für die Prüfung gelernt hat und sich deshalb keine Sorgen macht, dass er scheitern könnte. Trump hingegen wirkte wie ein überheblicher Schüler, der von sich überzeugt ist, den Lernstoff im kleinen Finger zu haben und deshalb bei manchen Fragen aufs Glatteis geriet. Aber am Ende muss man Trump zustimmen, wenn er über seine Gegnerin sagt und damit alle Politiker meint: »All Talk, No Actions!« Ja, sie reden alle heiße Luft. Geht auch gar nicht anders. Politiker reduzieren das Politische auf ein paar Schlagwörter, auf hübsch anzuhörende Slogans. Das hat mit dem Führen eines Landes nichts zu tun. Gar nichts. Aber wie sonst soll man sich und seine Partei verkaufen?

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EM 2016: Spieltag 16 – Achtelfinale

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Spieltag 16 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Achtelfinale

ITALIEN : SPANIEN 2:0
ENGLAND : ISLAND 1:2

Hola! Das war mal ein Spieltag ganz nach meinem Geschmack. Faszinierend, dass die beiden Favoriten in den zwei Achtelfinalspielen – Spanien und England – auf eine ähnliche blamable Art und Weise in die Niederlage trabten. Beide Mannschaften wirkten müde, träge, unkonzentriert – im Vergleich dazu zeigten ihre Gegner einen unbändigen Kampfeswillen, der wiederum enorme Kräfte frei werden ließ. Ja, diese Spannkraft ist es, die über Sieg und Niederlage eines Spiels, vielleicht sogar des Turniers, entscheidet. Spielstarke Mannschaften, die nicht in der Lage sind, sich gegen einen motivierten und auf den Punkt angespannten Gegner aufzubäumen und dagegenzuhalten, brechen auseinander. Für die Experten im britischen TV – Ian Wright, Lee Dixon und Peter Crouch – war das Spiel der englischen Mannschaft beschämend, blamabel, einfach nur peinlich (›embarassing‹) und die Spieler selbst einfach nur starr vor Angst (›petrified‹). Immer wieder mokierten sie sich über (den nun zurückgetretenen) Trainer Roy Hodgson, der noch in den letzten Freundschaftsspielen vor der Endrunde der Europameisterschaft mit neuen Systemen und Taktikvorgaben die Spieler verunsicherte. Peter Crouch meinte, dass die englischen Spieler – professionelle Fußballer der teuersten Liga – mit dem Druck nicht hätten umgehen können. Auf BBC stellte Alan Shearer fest, dass Trainer Hodgson – freundlich formuliert – keinen Plan hatte, die Liste seiner Fehler lang seien und es hoffnungslos (mit ihm) wäre.

Wahrlich, die Engländer enttäuschten auf ganzer Linie. Die Isländer hingegen, sie blühten förmlich auf, ja, sie dominierten das Spiel. Der Ausgleich – nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer der Engländer – war eine Kopie jenes Treffers, den die Österreicher im letzten Gruppenspiel hinnehmen mussten: Weiter Einwurf in den Strafraum, Kopfballverlängerung und ein Isländer, der den Ball über die Linie drückte. Das zweite und entscheidende Tor war eine wunderbar gespielte one-touche-Kombination am Strafraum mit gefühlvollem Abschluss. Joe Hart und seine Vorderleute sahen bei diesem Gegentreffer äußerst schlecht aus. Der vermeintliche Underdog spielt nun im Viertelfinale gegen Frankreich. Schätze, die Franzosen werden sich warm anziehen müssen.

Für die Engländer beginnt nun ein weiteres Mal die Suche nach einem Trainer, der in der Lage ist, aus einem ungeschliffenen Diamanten ein siegreiches Kunstwerk zu machen. Hodgson formte jedenfalls in den letzten Jahren kein Team, keine Mannschaft – er stellte vielmehr die hochkarätigsten Spieler auf den Platz, zwängte Wayne Rooney in eine neue Position und hoffte, dass deren Qualität allein ausreichen würde, um zu bestehen. Die überragende Bilanz in der EM-Qualifikation (alle Spiele gewonnen!) täuschte Mann und Maus – und so marschierten 23 Einzelspieler mit von Stolz geschwellter Brust ins Turnier und schließlich ins fußballerische Verderben. Gegen die eingeschworene, hoch motivierte und mit einem gameplan ausgestattete Mannschaft aus dem hohen Norden setzte es für die Engländern eine fürchterliche Schlappe, deren Nachwirkung sicherlich noch Jahre später zu spüren sein wird. Kurz, das Waterloo Färöer der Three Lions.

Die Spanier sind in einer ähnlich unangenehmen Lage wie die Engländer. Sie haben ausgezeichnete Spieler, die ihre Brötchen in den besten Ligen verdienen und trotzdem verpuffte dieser spielerische Vorteil in den letzten beiden Fußballturnieren. Die goldene Generation rund um Puyol, Xavi, Iniesta, Alonso, Torres und Villa hat in der Vergangenheit alle Titel geholt, die sie nur holen konnte. Aber die Zeit bleibt nicht stehen und die goldene Generation verblasst langsam vor unser aller Augen. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als einen Kahlschlag zu machen und von vorne zu beginnen. Halbherzige Lösungen – wir Österreicher wissen es am besten – wirken zwar kurzfristig, aber auf lange Sicht gesehen führen sie geradewegs ins Desaster.

Das gestrige Spiel der italienischen Mannschaft hat wiederum gezeigt, was ein ambitionierter und mutiger Trainer aus Spielern jeden Alters herausholen kann. Was die Azzurri in den letzten Begegnungen zeigten, war herzerfrischender Fußball. Es ist eine Freude, diesen Spielern beim Rackern und Kämpfen, beim Schießen und Stochern, beim Laufen und Stoppen, beim Jubeln und Jauchzen zuzuschauen. Gestern überraschten sie alle Welt mit einem druckvollen Angriffsspiel. Die Spanier – zu behäbig und viel zu vorsichtig – wussten sich über das ganze Spiel nicht zu helfen und erst in der letzten Viertelstunde – als die Kondition und Konzentration der Italiener nachließen – kamen sie zu ernsthaften Torchancen. Ein verdienter Sieg der Italiener. Die vorgegebene Taktik dürfte wohl auch gegen Deutschland zur Anwendung kommen – zielt sie darauf ab, das Ballbesitzspiel bereits in der gegnerischen Hälfte mittels Pressing zu stören und bei Ballgewinn mit schnell vorgetragenen Vorstößen die Unordnung in der Hintermannschaft kaltblütig auszunützen. Deutschland, wie wir gesehen haben, spielt immer dann am besten, wenn die Spielmacher und Taktgeber das Mittelfeld beherrschen, die Verteidiger hoch stehen und so ein Kombinationsspiel vor dem gegnerischen Strafraum aufziehen können. Auf den Punkt gebracht: Deutschland spielt spanischer als die Spanier. Trainer Löw wird sich also etwas einfallen lassen müssen, gegen diese erstarkten Italiener, die Blut geleckt haben und damit auf mentaler Ebene den Deutschen überlegen sind. Wenn die Mannschaft einen Gegner im Turnier zu fürchten hat, dann ist es Italien – vielleicht auch das neue Santos-Portugal. Alle anderen sollten sie locker in die Tasche stecken.

Meiner Seel, das wird ein Spiel!

Demokratie ist …

DemokratieDialogIch weiß jetzt nicht, ob Sie sich noch daran erinnern können, als damals, vor 15 Jahren, die ÖVP mit der FPÖ koalierte. Bundesregierung Schüssel I nennt sich das in Wikipedia. Die Wahl im Oktober 1999 lief ordnungsgemäß ab. Und auch die Koalitionsverhandlungen der beiden Großparteien blieben im Rahmen des Erlaubten – jedenfalls gab es weder ein juristisches Vor- noch ein juristisches Nachspiel. Ergo, der Demokratie wurde Genüge getan. Sollte man meinen. Denn was folgte, war ein Lehrstück gelebter Demokratie, sprich, vierzehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verhängten unisono Sanktionen gegen die Regierung, weil man befürchtete, dass fremdenfeindliche und rassistische Aussagen führender FPÖ-Funktionäre auf die Regierungspolitik abfärben könnten. Heißt es in Wikipedia.

Damals, ich erinnere mich noch genau, verspürte ich zum ersten Mal den Drang, mich mit Politik näher auseinanderzusetzen und blätterte immer wieder virtuell in der Schweizer Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung (NZZ) – da diese für mich noch am ausgewogensten berichtete, während in allen anderen europäischen Medien nur noch von einer „Hitlerisierung Österreichs“ gesprochen wurde. Ich verstand damals, zum ersten Mal, wie chancenlos eine Regierung sein muss, wenn sie gegen alle großen westlichen Medienhäuser anzukämpfen hat. Es ist beinahe ausgeschlossen, dass sich Vernunft und Verstand gegenüber dem medialen Geschrei und Gezeter durchsetzen kann. Die Frage ist also, ob diese politischen und medialen Vorgänge im In- und Ausland, die darauf abzielten, einen legitimen Wahlausgang in einem souveränen Staat rückgängig zu machen, ob diese Vorgänge nicht völkerrechtswidrig, in jedem Fall aber undemokratisch gewesen waren.

Wäre das Land Österreich nicht in Europas Mitte, sondern an der Peripherie gelegen, wer weiß, ob man nicht mit aktionistischeren Maßnahmen die Regierung zum Einlenken gezwungen hätte. Sehen Sie, Washington und London sind wahre Meister, wenn es darum geht, unbequeme Regierungen von souveränen Staaten abzusetzen und durch Marionetten zu ersetzen. Klingt nach einer Verschwörungstheorie, ist aber längst historisches Wissen. Falls Sie mir nicht glauben, schlagen Sie in Wikipedia nach – eine Auflistung aller geheimdienstlicher Operationen, die von Washington zwischen 1945 und 1993 durchgeführt wurden, finden Sie hier.

Wer wissen möchte, was es mit dem ersten geheimdienstlichen „Demokratisierungsprozess“ auf sich hat, der kann sich den äußerst aufschlussreichen Blog-Eintrag von BBC-Dokumentarfilmer Adam Curtis zu Gemüte führen: THE BABY AND THE BAATH WATER. Darin beschreibt Curtis, wie der spätere CIA-Mitarbeiter Miles Copeland die Meinung vertrat, dass das arabische Volk längst reif für Demokratie sei. Washington griff seinen Vorschlag für Syrien auf – und der Rest ist Chaos. Das war 1947.

Kommen wir wieder nach Österreich zurück. Falls Sie der Meinung sind, dass Demokratie die beste aller Herrschaftsformen ist, nun, dann sollten Sie diese auch leben und, bei Gefahr, verteidigen. Das heißt, sorgen Sie dafür, dass niemand für seine Meinung, die er ausgesprochen hat, bestraft oder ausgegrenzt wird. Achten Sie darauf, dass Gespräche und Diskussionen sachlich bleiben – Vorwürfe und Anschuldigungen lösen keine Probleme, sondern emotionalisieren die Teilnehmer. Und zu guter Letzt gilt, dass es keine absolute Wahrheit geben kann.

Hereinspaziert oder Die merkwürdige Epoche von Asyl und Flucht

Cool. Ich will da hin!
Cool. Ich will da hin!

update: Auf ORF.Online wird die Webseite fluchthelfer.in bereits ins Rampenlicht gerückt: »Künstlerkollektiv hofft auf Solidarität „Für uns ist Fluchthilfe (…) auch ein politisches Statement für Bewegungsfreiheit“, heißt es auf der Seite. Nach Ansicht des Berliner Künstlerkollektiv Peng!, das hinter der Plattform steckt, handelt es sich außerdem um eine „höchst ehrbare Tätigkeit“. Mit der Kampagne wollen die Aktivisten, die bereits in der Vergangenheit mit Kampagnen die Gesellschaft zum „zivilen Ungehorsam“ aufriefen, auch zeigen, dass viele Bürger motiviert sind, etwas zu machen. Einerseits sei wachsender Rassismus zu beobachten, andererseits aber eben auch eine Zunahme der Solidarität.« Sie sehen an diesem Artikel, wie subtile Propaganda funktioniert. Zum Einen wird die Webseite bekannt gemacht, zum anderen werden Vergleiche mit („heldenhaften“) Fluchthelfer zur Zeit des Eisernen Vorhanges gezogen. Hinter der Online-Plattform soll, so der Artikel, ein Künstlerkollektiv stehen, der WHOIS-Eintrag erzählt aber eine andere Geschichte, nämlich die einer US-Denkfabrik.

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Haben Sie vielleicht auch so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, das Ihnen ein drohendes Unwetter anzeigt? Irgendetwas ist faul in Dänemark. So viel lässt sich sagen. Die letzten Wochen und Monate überschlagen sich die Medien mit dramatischen Reportagen: Flucht. Asyl. Trauma. Angst. Abschiebung. Das überaus Merkwürdige daran ist, dass es nicht nur ein österreichisches oder europäisches, sondern ein globales Phänomen zu sein scheint. Und immer dann, wenn der Mainstream eine konzentrierte Anstrengung macht, um ein Thema in die Köpfe der gutgläubigen Bürger zu bekommen, ist Gefahr im Anzug in Verzug.

Man möchte es nicht glauben, aber die „Terrorgefahr“ gab es bereits vor 9/11. Erinnern Sie sich noch, dass der New Yorker WTC-Komplex bereits in den 1990er-Jahren Ziel eines Bombenanschlags war? Aber da die Bombe (übrigens: zur Verfügung gestellt vom FBI) „nur“ im Inneren, in einer Garage, detonierte, gab es kaum gute Fernseh-Bilder der Verwüstung und des Schreckens. Anders natürlich der Anschlag in Oklahoma City, ebenfalls in den 1990er-Jahren, wo eine „hausgemachte“ Düngemittel-Bombe in einem Van ein halbes Bürohaus förmlich „heraussprengte“. Im Zuge der medialen Berichterstattung gab es anfänglich Anzeichen einer nah östlichen Beteiligung. So so.

Also, die Manipulation der breiten Masse beginnt nicht mit einem Big Bang. Es braucht Vorbereitungszeit. Der Bürger muss langsam aber beständig den immergleichen Bildern und Mantras ausgesetzt werden. So lange, bis dieser gar nicht mehr in der Lage ist, zwischen richtig und falsch, gut und böse zu unterscheiden. Am Ende ist es der Mainstream, der die Richtung vorgibt und der Bürger – wie ein gutgläubiges Lamm – folgt dieser Einbahnstraße. Ich meine, es gab Zeiten, da hatte jeder freie Mann eine Meinung und vertrat sie. Zugegeben, das konnte gut, das konnte böse enden, aber nichtsdestotrotz herrschte die Einsicht, dass ein freier Mann ein Anrecht auf eine Meinung haben durfte. Seit 1918, mit dem Ende des alten Systems, wird dieses Anrecht nicht nur von der Obrigkeit, sondern auch von deren Sprachrohr, der Presse, in Frage gestellt. Frei nach dem Mantra:

Ich bin nur ein kleiner Mann, der nicht weiß, wie die Welt funktioniert, also überlasse ich es den anderen, mir zu zeigen, aus welchen Meinungen ich „frei“ wählen darf.

Sehen Sie, wenn einst ein Bedürftiger an die Pforte eines Hauses geklopft hatte, dann wurde ihm – soweit möglich – geholfen. Vorausgesetzt, er erfüllte die Voraussetzungen für einen Hilfsbedürftigen. Scharlatane, Diebsgesindel, organisierte Banden, Strolche, Witzbolde, Neider, Narren und so weiter fielen per Definition nicht unter die Rubrik „hilfsbedürftig“. Niemand, der damals Anstoß genommen hätte, hätte man einen Strolch aus dem Dorf davongejagt. Denn am Ende geht es immer nur um eines, nämlich um den Zusammenhalt der Gemeinschaft! Ist diese in Gefahr, muss eine Lösung gefunden werden. Ansonsten würden die Kinder und Kindeskinder in naher und ferner Zukunft die „Früchte des Zorn“ schmecken.

Nun, jede Gemeinschaft hat eine Entscheidung zu treffen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen. Der springende Punkt ist aber, ob eine Gemeinschaft in den Entscheidungsprozess einer anderen eingreifen darf. Sollte also ein Dorf in Osttirol darüber mitentscheiden, ob ein burgenländisches Dorf ihre Abwasserkanäle erneuern darf? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand, nicht wahr?

Und deshalb, zu guter Letzt, frage ich mich, warum die kalifornische Denkfabrik The Ayn Rand Institute die sehr professionell und einladende deutsche Webseite fluchthelfer.in „betreibt“ (bzw. die Domain gekauft hat). Auf dieser Seite wird aufgeklärt, wie man „Fluchtwillige“ unterstützen kann und dass diese „Unterstützung“ keine strafrechtlichen Konsequenzen für den Fluchthelfer nach ziehen dürfte:

In den meisten Fällen dürften Fluchthelfer.innen, selbst wenn sie erwischt werden sollten, nach unserer Einschätzung straffrei bleiben, oder zumindest mit einer Geldstrafe davon kommen. Vor allem das erste Mal.

Also, warum glauben Sie, nimmt ein US-Amerikanischer Think Tank, der sich generell für den freien Waren- und Geldverkehr (vulgo Globalisierung) ausspricht, Geld in die Hand, um im deutschen Sprachraum Bürger zu motivieren, „Fluchtwillige“ zu unterstützen? Hören wir, was der ehemalige US-Senator Barry Goldwater (1909-1998) über die Ziele der bekanntesten amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations [Rat für auswärtige Beziehungen] schrieb.

[meine Übersetzung:] Ich glaube, dass der »Rat für auswärtige Beziehungen« und seine untergeordneten elitären Gruppierungen dem Kommunismus gleichgültig gegenüberstehen. Sie haben kein ideologisches Fundament. In ihrem Streben nach einer neuen Weltordnung [New World Order] sind sie bereit, einem kommunistischen, einem sozialistischen und einem demokratischen Staat, genauso wie einer Monarchie, einer Oligarchie, ohne Vorurteil zu begegnen – es ist für sie alles das Gleiche. Ihr Ziel ist eine liebevolle Stabilität aller sich streitenden Nationen durch Zusammenschlüsse und Konsolidierung. Sie sehen die Beseitigung sowohl nationaler Grenzen als auch der Unterdrückung ethnischer Zugehörigkeiten als den schnellstmöglichen Weg zum Weltfrieden. Sie glauben, dass wirtschaftlicher Wettkampf die Hauptursache internationaler Spannungen ist. Vielleicht, wenn die Vision des Rates umgesetzt würde, verringerte es in Zukunft Kriege und Armut und brächte einen effizienteren Umgang mit den Ressourcen dieser Welt. Aber für mich würde dies unweigerlich einhergehen mit einem Verlust persönlicher Wahlfreiheit und einer Wiedereinführung jener Zwänge, die die Amerikanische Revolution ausgelöst hatten.

With No Apologies: The Personal and Political Memoirs of United States Senator
Barry M. Goldwater, 1979
Kapitel 33: ›The Nonelected Rulers‹ (S. 291-299).

Wie auch immer Sie zu diesem Thema stehen, eines ist mit absoluter Sicherheit zu sagen: eine amerikanische Denkfabrik schert sich einen Pfifferling um die Gemeinschaft in einem Dorf in Österreich oder Deutschland. Diese elitären Denkfabriken arbeiten an der Zukunft. Sie sind es, die den Boden für das Kommende bereiten. Und ich gehe davon aus, dass es nichts Gutes sein wird.

Kurt Vonnegut und ‚The Firebombing of Dresden‘ im Februar 1945

In den nächsten Tagen jährt sich „The Firebombing“ der Stadt Dresden, damals noch liebevoll Elbflorenz genannt, zum 69. Male. Der spätere amerikanische Autor Kurt Vonnegut hielt sich während dieser Tage in Dresden auf. Nicht freiwillig, sondern auf Einladung der Deutschen Wehrmacht, will heißen: Vonnegut war Kriegsgefangener. Als gewöhnlicher Infantriesoldat (Private) musste er in den Dresdner Schlachthöfen (Slaughterouse) arbeiten, deren unterirdisch angelegten Kühlkammern ihm mit Sicherheit das Leben retteten. Während an der Oberfläche die alliierten Bomber Brandbomben regnen ließen und ein feuriges Mahnmal errichteten, wartete Vonnegut mit anderen Kriegsgefangen den Feuersturm ab. Jahrzehnte später sollte er über seine damalige Erfahrung das allseits bekannte Buch Slaughterhouse-Five schreiben.

Im Jahr 1995 trafen sich Kurt Vonnegut und US-Autor Joseph Heller, ebenfalls Weltkriegsveteran und Autor (Catch 22), um über ihre Weltkriegserlebnisse zu erzählen. Ich erlaube mir, nun einige der Passagen übersetzt wiederzugeben, die von Dresden handeln. Bedenken Sie, dass Vonnegut kein Historiker ist, sondern einfach nur ein Schriftsteller, der damals bereits 73 Jahre alt war und somit auf viele Erfahrungen zurückgreifen konnte, um sein jugendliches Erlebnis in Dresden, anno 1945, in einen reflektierten Kontext zu setzen.

0:24:50 Joseph Heller erzählt, dass er Kurt Vonnegut zum ersten Mal bei einer Rede kennen lernte, die von der Bombardierung Dresdens handelte. Er hatte bis dahin noch niemals etwas darüber gehört, und das war etwa 1966 oder 1967.

0:47:00 Vonnegut erzählt von einem Kameraden, der mit ihm in Dresden war und der später, dank einer guten Ausbildung, Staatsanwalt wurde. „Was hast du aus alldem gelernt?“, fragte Vonnegut seinen Kameraden, worauf dieser antwortete: „Nicht meiner Regierung zu trauen.“ Vonnegut führt aus, dass sie bis zu diesem Tag im Februar 1945 nicht wussten, dass „wir Zivilisten und Städte flächendeckend bombardierten (carpet bombing); es war allgemein nicht gerade sehr bekannt, dass wir das taten und dass unsere Politik darin bestand, Zivilisten zu töten und töten und töten um auf diese Weise den Krieg zu gewinnen.“

0:51:30 Der Grund für die Bombardierung? Vonnegut und Heller sind der Meinung, es wäre auf ein „bürokratisches Momentum“ (bureaucratic momentum) zurückzuführen. „Firebombing of Dresden, it was a shame. Und niemand, der darüber etwas sagen wollte.“

1:04:00  „Es ist das größte Massaker in der europäischen Geschichte“; „was in Dresden passierte, war lange Zeit ein Geheimnis, sogar top-secret noch Jahre nach dem Krieg; es wurde vor dem amerikanischen Volk geheim gehalten.“ „Was ‚Bomber Harris‘ [Oberkommandierender der britischen Luftstreiftkräfte] tat, das Bombardieren von Zivilisten, war unmoralisch; die Sache war hauptsächlich eine britische Operation.“

1:19:00 „Wir waren etwa 100 Kriegsgefangene und 3 Leute starben während der Gefangenschaft, das ist normal casualities von Kriegsgefangen von rund 3 %.“

Die Geschichtsfakultät der University of California in Santa Barbara ist so freundlich, einen 11-seitigen Essay der Nachkriegsdebatte – in Bezug auf die Bombardierung Dresdens – als PDF zur Verfügung zu stellen: The Post-War Debate by Richard Overy. Der Link befindet sich etwa in der Mitte des englischen Talk-Site des Wikipedia-Eintrages.