Schlagwort-Archive: merkwürdigkeiten

Anatomie eines merkwürdigen Anschlags auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, 2016

pynchon_fragen

update: User WoodyBox macht sich in seinen Blog-Beiträgen komplexe Gedanken über allerlei Details zum (vermeintlichen) Anschlag. Ein wenig habe ich ja die Befürchtung, dass diese berufenen Forensiker gar nicht mehr in der Lage sind, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen, trotzdem sind die Analysen und Gedankengänge empfehlenswert.

update: Empfehlenswertes Video eines besorgten Berliner Bürgers, der einen Rundgang am Weihnachtsmarkt macht, Tage nach dem vermeintlichen Terroranschlag mit einem Lkw. Er weist dabei auf allerlei Merkwürdigkeiten hin.

Der gewöhnliche Medienkonsument ist recht leicht an der Nase herumzuführen. Er hat keine Vorstellung, nicht die kleinste, wie oft er angelogen wird, von den Medien, von den Behörden, von den Politikern und von all den bezahlten Schaustellern auf der Straße oder im virtuellen Netz. Jeder, der sich mit der näheren Vergangenheit beschäftigt hat, ist sich im Klaren, dass nichts ist wie es uns in der Schule gelehrt wurde. Es ist nicht leicht, dem gewöhnlichen Bürger zu erklären, dass da draußen Leute am Werke sind, deren einzige Aufgabe es ist, die Geschichte eines Ereignisses in Echtzeit zu verändern. Der (vermeintliche) Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin macht da keine Ausnahme. Sieht man sich die Sache an, ohne dabei seinen Verstand einzuschalten, kann man mit der offiziellen Lesart der Medien, dem Sprachrohr der Behörden, ganz gut leben. Aber wehe, man schaltet sein Hirn ein und beginnt, in den Details zu stochern. Ehe man sich versieht, glaubt man sich im Film, im falschen Film.

Anatomie eines merkwürdigen Anschlags auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, 2016 weiterlesen

Advertisements

Wenn Behörden im Chat Antworten suchen und Terroristen mit einem Konventionsreisedokument reisen, Ansbach 2016

Bombs_AirForce

Hier die eine oder andere Merkwürdigkeit bezüglich des (vermeintlichen) Bombenanschlags in Ansbach, 24. Juli 2016.

Disclaimer
Dieser Artikel spiegelt die Meinung des Autors in Bezug auf das
Ereignis in Ansbach, 24.7.2016, wider und basiert auf publiziertes Foto- und Filmmaterial, sowie öffentlich zugängliche Zeugenaussagen.

Auf orf.at lesen wir, dass es nach den derzeitigen Ermittlungen unklar sei, »ob der Attentäter die Bombe tatsächlich in diesem Moment am Sonntagabend zur Explosion bringen wollte. ›Es gibt aufgrund der ganzen Zeugenaussagen des Geschehens und übrigens auch des Chatverlaufs in der Tat Fragen, ob das in dem Moment von ihm beabsichtigt war, in dieser Minute die Bombe zu zünden‹, sagte Bayerns Innenminister Herrmann.«

Vielleicht könnte jemand den Innenminister aufklären, dass es Aufgabe der Forensiker ist, herauszufinden, um welche Bombe es sich gehandelt hatte, woher der Sprengstoff stammte und wie die Zündung erfolgte. Bis jetzt warte ich noch auf diese Information. Es steht zu befürchten, dass es noch eine Weile dauert, bis der Pressesprecher der Behörde so freundlich sein wird, die Fakten bekannt zu geben. Gut möglich, dass die wesentlichen Informationen aus Gründen der Staatssicherheit unter den Teppich gekehrt werden müssen. Die übliche behördliche Leier, um die Bürger weiterhin im Dunkeln tappen zu lassen, Ängste zu schüren und die orwellsche Agenda War on Terror ist Frieden und Freiheit ist Unsicherheit zu befeuern. »Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich

Liest man die Medienberichte, könnte man zum Schluss kommen, dass jeder Volksschüler Sprengsätze bauen kann. Im Kinderzimmer, ein paar Chemikalien aus dem Experimentierkasten, eine Schachtel Nägel, ein Druckkochtopf und schon hat man einen explosiven Cocktail. Also, früher einmal, in den 1970er und  1980er Terrorjahren, als den Bürgern in Westeuropa noch professionelle Bomben um die Ohren flogen, kamen Bestandteile auf die eine oder andere Weise aus Militär- bzw. Geheimdienstdepots. Wundern Sie sich besser nicht, sondern informieren Sie sich über Operation Gladio.

In einem SZ-Artikel heißt es: »Seine Bombe war nach Informationen der SZ dilettantisch gebaut und entfaltete nicht die volle Wirkung. Sonst wäre seine Leiche noch stärker zugerichtet gewesen, da er den Rucksack mit der Bombe am Leib trug.« Äh, vielleicht könnte jemand die Redakteure der SZ darauf aufmerksam machen, dass MD. den Rucksack nicht am Körper trug, als der Sprengsatz detonierte. Auf einem Foto sieht man doch einen Polizisten, wie er über den leeren Rucksack gebeugt ist. Hat demnach die SZ. Bilder der Leiche gesehen? Wer hat diese Aufnahmen gemacht und der Zeitung zur Verfügung gestellt? Und woher weiß die SZ wie die volle Wirkung der Bombe hätte aussehen müssen? Könnten die SZ demnach herausgefunden haben, wie die Bombe im Detail geplant war? Eventuell sollte Innenminister Herrmann mal bei der SZ-Redaktion vorbeischauen und sich aufklären lassen.

Der Spiegel wiederum möchte seine Leser im Unklaren lassen, ob MD. überhaupt in der Lage war, die Bombe herzustellen: »In einer Flüchtlingsunterkunft hat die Polizei mehrere Gegenstände beschlagnahmt. Mitarbeiter der Spurensicherung hatten am Morgen mehrere Kisten, Säcke und Tüten unbekannten Inhalts aus dem Gebäude getragen (und wer hat sie zuvor hereingetragen?). Die Ermittler fanden einen Benzinkanister mit Diesel sowie Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine, außerdem einen Laptop mit gewaltverherrlichenden Bildern, die in Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stehen.«

Okay, damit ist ja alles klar, nicht wahr? Nope. Natürlich nicht. Es stellt sich gleich mal die Frage, um welche Flüchtlingsunterkunft es sich gehandelt hat („in einer …“) und ob Asylwerber Einzelzimmer haben, die groß genug sind, um allerlei Kisten, Säcke und Tüten ungesehen zu lagern. Was mögen wohl seine Mitbewohner gedacht haben, als MD. seine Experimente machte? Haben Sie ihm geholfen? Wollten sie ihn daran hindern? War es ihnen egal? Haben sie es gemeldet? Wurde die Meldung vielleicht nicht an die Polizei weitergeleitet? Warum wurde die Meldung nicht weitergeleitet? Und wie konnte sich MD. die Chemikalien überhaupt besorgen? Woher wusste er, wo man Salzsäure in Großmenge kaufen kann? Verhielt er sich beim Kauf nicht ein wenig verdächtig? Haben Sie in jungen Jahren mal eine Packung Präservative in der Drogerie kaufen wollen? Mit rotem Gesicht haben Sie dem Verkäufer Ihren Wunsch geäußert. Sie haben gestottert und wirkten unsicher. Was meinen Sie, wenn ein Asylwerber, der noch nicht lange in Deutschland ist, mit ungenügenden Deutschkenntnissen, all die Ingredienzen verlangte? Und wer auch immer MD. diese Chemikalien verkauft hat, wäre dieser nicht ein wenig misstrauisch geworden? Ansbach ist ja nicht gerade eine Großstadt.Und hat er dann jeden der Einkäufe zu Fuß erledigt? Niemand, der ihn gesehen hat, wie er an manchen Tagen schwer beladen ins Flüchtlingsheim stapfte? Niemand, der ihn nach dem Grund seiner Einkäufe fragte? Niemand, dem dieses Verhalten verdächtig vorkam? Ach so. ›Rambo‹ hatte natürlich ein Einzelzimmer in einem ehemaligen Hotel und war unauffällig. Niemand, der Verdacht schöpfte. Dabei war er mit dem Laptop und dem Darknet nur ein paar Klicks von einer Mini-Nuke entfernt. Was für ein Glück, dass er nur »eine große Menge Bargeld in Rollen von 50-Euro-Scheinen«, aber keine Bitcoins hatte.

Woher das Geld für all diese Einkäufe stammte, weiß die Polizei natürlich noch nicht. Werden wir es je erfahren? Wohl kaum. Aus Gründen. Na, Sie wissen schon, warum. Aber Sie können sicher sein, dass der Chatverlauf bis ins letzte Detail ausgewertet und die Spur, die in den Nahen Osten führt, im Sand verlaufen wird.

Im Spiegel heißt es: »Ein Video auf dem Handy von MD. zeigt einen Vermummten, der MD. sein soll. Er droht mit einem Anschlag.« Übrigens liest man in einem anderen Spiegel-Artikel, dass die Behörden zwei Handys, mehrere Sim-Karten und einen Laptop fanden. Stellt sich jetzt die Frage, warum sich MD. vermummte und das Drohvideo nicht auf eine Social-Media-Plattform hochlud – immerhin hatte er 6 facebook-accounts (ich habe einen Account und drei Seiten und komme da schon nicht hinterher). War es ein Selfie-Drohvideo? Oder war jemand so freundlich und unterstützte ihn bei der Aufnahme? Ist es möglich, dass das Video nur der Scherz anderer Asylwerber gewesen war? Vergessen wir nicht, dass MD. des Nächtens verschwand, ohne seine beiden Handys mitzunehmen – durchaus möglich, dass er öfters seine (?) Handys zu Hause liegen ließ. Hatte nun MD. noch ein anderes  (unzerstörbares?) Handys bei sich, als der Sprengsatz sprengte? Man glaubt gar nicht, dass dieser simple Fakt in den zahlreichen Berichten nicht herauszulesen ist. Beinahe scheint es, dass die Reporter gar keine Ahnung haben, worüber sie schreiben sollen, da sie all die Informationen von den Behörden erhalten – mit Ausnahme der SZ, die sogar Zugriff auf das bulgarischen Attest des Hausarztes von MD.erhielt – fragen Sie mich nicht, wie das in der kurzen Zeitspanne überhaupt möglich ist. Im selben Artikel erfahren wir:

»Nun allerdings habe ihn auch sein Vater nicht mehr mit Geld unterstützen können, gab D. später an. In dieser verzweifelten Situation ist dann etwas geschehen, was im Nachhinein aufhorchen lässt: ›Also wollte ich es doch riskieren und weiter nach Deutschland gelangen. Zu meinem Glück fand ich einen Syrer, der mir einen Flug nach Österreich spendierte‹, gab Mohammad D. gegenüber von Maltitz an. Handelte der angebliche Spender aus reiner Menschenliebe? Oder nutzte hier der IS bewusst eine Notlage?«

Was sagt man dazu? Die SZ und all die anderen Medienhäuser, genauso wie Behörden, deuten mal subtil, mal mit dem Holzhammer an, dass die Terrormiliz IS MD. auswählte und nach Deutschland schleuste, um ihn dort für einen Anschlag in kleine Konfetti zu zerlegen. Aber es stellt sich doch die Frage (nicht für die Behörden, nicht für die Medien) wie der gute Mann von Bulgarien nach Österreich fliegen konnte? Mit welchen Papieren? Hätte er nicht am Flughafen Wien Schwechat Asyl ansuchen müssen? Und wie ist er dann von dort nach Deutschland gekommen, mit einem in Wien operierten Knie? Manchmal hat man den Eindruck, Europa wäre ein unkontrolliertes und chaotisches Durchhaus, wo Asylwerber und Flüchtlinge kreuz und quer und ungeprüft herumreisen, um schließlich radikalisiert ihre Anschläge auszuführen. Glauben Sie das wirklich? Ein Flughafen ist mit Sicherheit der letzte Ort, wo sich ein Asylwerber, der bereits in Bulgarien um Asyl angesucht hatte, aufhalten möchte. Die österreichischen Behörden müssen demnach in gewisser Weise involviert sein. Und siehe da, auf orf.at lesen wir: »›Der Syrer sei nicht aus Österreich ausgewiesen worden, weil er über ein von Bulgarien ausgestelltes Konventionsreisedokument verfügte, das einen 90-tägigen Aufenthalt im Schengen-Raum erlaubt‹, fügte Innenministeriumssprecher Grundböck hinzu.« Ach so. Scheinbar wollte jemand, dass sich MD. ohne Probleme im Schengen-Raum bewegen durfte. Wer könnte das wollen? Wir erfahren weiters in der SZ, dass MD. am 18.09.2013 in Bulgarien freigelassen wurde und etwa ein Jahr später, am 21.08.2014, einen Asylantrag beim BAMF stellte. Wer kümmerte sich in jener Zeit um sein Wohlergehen in Bulgarien, Österreich und Deutschland?

Also, wenn Sie mich fragen, dann ist das Einzige, was die Terrormiliz IS bei diesem Anschlag zu verantworten hat, das Bekennerschreiben. Für den Rest würde ich den neuen BND-Chef Bruno Kahl sowie den Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Linke) interviewen – eventuell könnte die SZ dann auch gleich mal den bulgarischen Geheimdienstchef ausfindig machen und zu MD. befragen. Ach so. Stimmt. Alle drei werden natürlich keine Aussagen tätigen. Aus Gründen der Staatssicherheit. Gähn.

P.S.: Bis jetzt konnte ich noch keine authentischen Fotos vom Tatort ergoogeln – falls Sie welche gefunden haben, vielleicht können Sie mir die Links zukommen lassen. Bitte keine Bilder von einem Rucksack oder einer weißen Rose oder vermummten Polizisten bei Sonnenaufgang oder rotweißroten Absperrbändern oder einer eingeschlagenen Fensterscheibe oder Clips von Polizeiautos, die mit Blaulicht durch Gassen brausen. Davon habe ich nämlich bereits genug gesehen. Dabei würde es mich brennend interessieren, welche Zerstörungskraft so ein Bömbchen hat. Von den Verletzten fehlt freilich auch jede fotographische Spur. Man könnte den Eindruck haben, es sei in Ansbach gar nichts geschehen.

 

Amoklauf München, 2016: Merkwürdigkeiten in der medialen Berichterstattung

Munich_Kurier

Bevor ich mich für eine Weile mit einem literarischen Blutbad an der nordfranzösischen Küste im Jahr 1789 beschäftige, möchte ich noch ein paar Anmerkungen zu der medialen Berichterstattung in Bezug auf den (vermeintlichen) Amoklauf in München, 22.07.2016, festhalten. Als Ausgangsbasis dient mir der Sonntagskurier, 24.07. und der Artikel mit dem Titel: Der Todesschütze: Jung, labil und hasserfüllt.

Disclaimer
Dieser Artikel spiegelt die Meinung des Autors in Bezug auf das
Ereignis in München, 22.7.2016, wider und basiert auf publiziertes Foto- und Filmmaterial, sowie öffentlich zugängliche Zeugenaussagen.

Der 18-jährige Schüler mit iranischen Wurzeln habe, so der Artikel, seine Wahnsinnstat genau geplant. Ali David Sonboly, so der Name, lässt sich ironischerweise auf ADS abkürzen. Ja, das Leben spielt die sonderbarsten Streiche. Der „depressive Bursche“ hatte Jugendliche im Visier. Motiv: Mobbing in der Schule. Erinnert an Adam Lanza und den Event in der Schule von Sandy Hook. Yep. Da sollten bei einem skeptischen Bürger gleich mal alle Warnlampen angehen.

Die beiden Journalisten, die den Artikel im Kurier aufbereitet haben, tun, was alle Medienleute bei großen Events machen: Sie schalten das Hirn aus und stellen sich naiv. Deshalb ein paar Punkte, die man so nicht stehen lassen sollte:

GUN CONTROL
Waffengesetze würden Amokläufe verhindern, sagen die Medien, wenn in den USA wieder einmal einer durchdreht und wild um sich ballert. In Germany gibt es Gesetze und Auflagen und Überprüfungen – und trotzdem kann sich sogar ein Jugendlicher ne Glock und 300 Schuss Munition besorgen. Wäre es dann nicht besser, wir würden die Waffengesetze lockern, damit wir Bürger uns in Zukunft gegen Amokläufer und Terroristen verteidigen können? Die Polizei, wie man gesehen hat, rückt zwar in Kompaniestärke aus, wenn mal einer mit ner Waffe herumfuchtelt, aber im Ernstfall kommt das alles viel zu spät. Die Lösung der Behörden ist natürlich simpel: mehr Überwachung, mehr Polizei, mehr Eingriffe in unsere Freiheitsrechte. Und wenn es ernst wird, ist die Behörde so freundlich, uns aufzufordern, nicht das Haus zu verlassen. Das einzige Mal, als ich das von den Behörden in Österreich hörte, war gerade ein Atomkraftwerk in der Ukraine am Dampfen. Ist das jetzt die generelle Vorgehensweise der Polizei, ihre Bürger zum Zuhausebleiben zu bewegen? Wie sieht es dann rechtlich damit aus, wenn Arbeiter und Angestellte von ihren Arbeitsplätzen fern bleiben? Ist das gesetzlich gedeckt? Und wenn ein Handwerker deshalb seinen Termin nicht einhalten kann, wer zahlt die Pönale? Alles Fragen, die eigentlich schon längst geklärt hätten werden sollen, wo doch nun – laut Medien und Behörden –  Terroranschläge unser täglich Brot ist. Auch wenn es statistisch gesehen wahrscheinlicher ist, dass Sie an Ihrem Essen ersticken, als einen Terroristen oder Amokläufer zu begegnen. Steht im Kurier, unterhalb des Artikels. Leider vergessen diesen Umstand Behörden genauso wie Medienleute, wenn es darum geht, noch mehr Notfallsgesetze und Ausnahmezustände zu fordern.

Motiv
Wenn es stimmt, was ich in einem Kommentar gelesen habe, dann wäre ADS. in der Schule von Türken gemobbt worden und wollte sich an diesen rächen. Das würde natürlich ein stimmiges Motiv sein. Davon ist aber im Kurier nichts zu lesen. Er wollte sich nur an „Jugendliche“ rächen, hieß es, was per se ein Unding ist. Genausogut könnte man sich an der „Menschheit“ rächen wollen. Hass und Wut müssen kanalisiert werden, um eine explosive Wirkung zu erzielen. Deshalb funktioniert ja das sog. Aufhetzen gegen Andersartige, sei es Herkunft, Rasse, Religion, Geschlecht usw., weil sich der Täter von seinen Racheopfern unterscheiden will. Beispielsweise würde kein hier in Wien geborener Wiener auf die Idee kommen, sich an „alle Wiener“ rächen zu wollen. Denn dann müsste er sich ja gleich mal als erster „die Kugel geben“ – wie Wolfgang Ambros in Gezeichnet fürs Leben so melancholisch singt.

Facebook
ADS. habe sich „offenbar“ (!) in einen bestehenden Facebook-Account „gehackt„. Ach? Wie hat er das gemacht? Wenn es so einfach geht, sollte man dann Facebook nicht darauf hinweisen? Sicherheitsvorkehrungen verstärken und User informieren? ADS. soll im Namen eines Mädchens folgenden Satz gepostet haben: „Kommt heute um 16 Uhr Meggi* am OEZ. Ich spendiere euch was wenn ihr wollt, aber nicht zu teuer.“ War das alles? Ich weiß nicht, ob die Reporter schon mal bemerkt haben, was Jugendliche den ganzen langen Tag am liebsten tun: sich Nachrichten schreiben. Dieser Eintrag hätte sofort hunderte Kommentare ausgelöst. Hat ADS. auf diese geantwortet? Davon ist im Artikel nichts zu lesen. Keiner würde so einen Eintrag unkommentiert stehen lassen. Wirklich. Sie genauso wenig wie Ihr Nachbarskind. Mit diesem Hack und dem Kommentar konnte also ADS. eine Gruppe Jugendlicher in eine Fastfoodfiliale locken? Ich glaub ja wirklich viel, aber …

*) erst jetzt verstehe ich, dass es sich dabei um die Fastfoodkette handelt; und ich dachte immer, man würde die Kette mit Mäcki verballhornen, wie in Mac.

8-jähriger Zeuge
Wir lesen: „Kurz vor 18 Uhr beobachtete ein achtjähriger Bub in den WC-Anlagen des Lokals, wie der Schüler eine Pistole lud.“ Echt jetzt? Sind die Medienleute schon so verzweifelt, dass Sie sogar Kinder als Zeugen ins Rampenlicht stellen müssen? Ich meine, wir wissen doch, was Kinder so für Märchen erzählen, oder? Außerdem, woher soll ein 8-jähriger überhaupt erkennen, dass ADS. eine Pistole lud? Kennt er ne Glock? Eine echte, meine ich? Es gibt da draußen, in der Realität, Replikas, Softguns und Spielzeugpistolen – wie kann hier ein 8-jähriger die Unterscheidung treffen? Das können nicht mal Sie und ich. Und warum musste ADS. im WC seine Waffe  „laden“? Eine Glock ist ja keine Vorderladerpistole, sondern hat für gewöhnlich ein eingelegtes Magazin. Schussbereit! Oder gehen Polizisten bei Schießereien zuerst aufs WC um ihre Pistolen zu laden? Sie sehen, auch das macht keinen Sinn.

Illegaler Kauf einer Glock 9 mm mit 300 Schuss Munition
Wie wir in diesem Video aufgeklärt werden, ist die Glock eine der meistverkauften Schusswaffen in good ol‘ America. Ist drüben der große Renner. Polizeieinheiten verwenden Sie genauso wie gewöhnliche Bürger. Im Video hören Sie übrigens, wie es klingt, wenn man eine Glock abfeuert, dass die Waffe 17 Schuss im Magazin hat und dass es etwa 40 verschiedene Modelle gibt. Also, wie ist ADS. mit seinen 18 Jahren zu seiner Glock gekommen? Steht nicht im Artikel. Warum nicht? Ich meine, ist es wirklich so einfach, eine Schusswaffe illegal zu erwerben? In München? Mit welchem Geld? Sehen Sie, so ein Satz ist leicht hingeschrieben und der Leser stellt sich vor, dass der „Deal“ in einem dunklen Hinterzimmer einer zwielichtigen Bar über die Bühne ging. Freilich. Überlegen Sie mal. Wer sollte einem 18-jährigen Burschen eine funktionstüchtige Schusswaffe mit 300 Schuss Munition (!) verkaufen? Falls der junge Kerl um sich schießt, festgenommen wird, verrät er der Polizei natürlich, wer ihm die Waffe verkauft hatte. Mit anderen Worten: kein Ganove, der noch alle Tassen im Schrank hat, würde einem Kind ne Waffe verkaufen. Nicht für ne Million. Weil er ganz genau weiß, dass er dann schneller als ihm lieb ist, im Knast sitzt. Außerdem ist Waffenschieberei ein Ding des organisierten Verbrechens. Es geht hier – wie bei allen illegalen Geschäften – um Vertrauen. Ergo: Es gilt zu klären, wie ADS. zu dieser Waffe wirklich kam. Oder hat ihm jemand diese freundlicherweise zukommen lassen? Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass er sich die Waffe im „Darknet“ gekauft haben soll. Ach. Das wäre ja dann so, als würde man behaupten, er hätte die Waffe im „Telefonnetz“ gekauft, weil er mit dem Händler telefonierte. Ein Kommunikationsmedium stellt eine Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer her. Ob Darknet oder Postverkehr ist einerlei. Aber wie erfolgte die Zahlung? Wie die Lieferung? Und warum lieferte der Verkäufer wirklich ne funktionstüchtige Waffe? Wo hätte sich der Käufer beschweren sollen? Beim Darknet-Salzamt? Und wie kann die Behörde einen „Chatverlauf“ im „Darknet“ zurückverfolgen? Falls sie es kann, dann kann sie doch gleich mal den Verkäufer ausforschen und hops nehmen. Ich will Ergebnisse sehen!

Wer hat ADS. eigentlich gezeigt, wie man sich mit diesem Ding nicht ins Knie schießt? Ich meine, glauben Sie wirklich, man lernt das von Ego-Shootern am PC oder youtube-Videos? Wer zum ersten Mal eine Waffe abfeuert und keinen Gehörschutz trägt, bei dem Klingeln gleich mal die Ohren (knallt man in einer LKW-Kabine um sich, fallen einem die Ohren wahrscheinlich sogar ab). Kein Wunder also, wenn bei Übungen in einem geschlossenen Raum die Schauspieler, die Opfer einer Schießerei darstellen, einen Gehörschutz tragen – Kinder sogar noch zusätzlich Ohropax – wie hier bei einer blutigen Trockenübung in einer Mall in Manchester. In diesem Videoclip sehen Sie einen Kerl, der zum ersten Mal ne Glock 40 auf einem Waffenstand abfeuert und Instruktionen erhält – und hier erzählt uns ein Waffenexperte, dass man Leuten, die noch nie eine Pistole abgefeuert haben, zeigen muss, wie man sie hält. Im Videoclip, der ADS. (bzw. einen in schwarz gekleideten Mann) vor der Fastfoodfiliale zeigt (Warum hat da jemand überhaupt auf ihn draufgehalten? Filmen die Leute in München jeden, der aus nem Meggi kommt? Und ist es wirklich glaubhaft, dass ihn sein Vater auf diesem pixeligen Film erkennen konnte? Woran? An seiner Schießhaltung?), wie er um sich ballert, hat man den Eindruck, er hätte das geübt. Fragt sich nur, wo und wann er das gemacht haben soll. Zu Hause im Hartz-IV-Kinderzimmer? Im Park? Zwar trifft er niemanden auf kurze Distanz – das ist mein Eindruck – aber wer weiß, wohin bzw. auf wen er zielte. Da fällt mir ein. Was hat ADS. eigentlich gemacht, als er sein Magazin leer geschossen hatte? Hatte er Ersatzmagazine dabei? Oder musste er von Hand die 17 9mm Patronen aus seinem „roten Pokemon-Rucksack“ holen und in das Magazin stecken? Dazu braucht es freilich eine recht ruhige Hand. Sehr nervös dürfte er dann ja nicht gewesen sein. Beinahe abgebrüht.

Wortgefecht auf dem Dach
Wem fällt so etwas ein, frage ich mich. Würde im echten Leben wirklich einer sagen: „Ich bin hier aufgewachsen, in der Hartz-IV-Gegend …„? Für gewöhnlich sagt man den tatsächlichen Namen des Ortes zu erst, weil, dass dieser in einer Hartz-IV-Gegend liegt, weiß jeder, der dort wohnt. Dafür sagt er: „Ich war in Giesing in Behandlung!“ Ich meine, jetzt wirklich, wer würde im echten Leben so einen Satz von sich geben? Und der „Zeuge“, der ruft: „Er hat eine Waffe geladen!“ – Schon wieder geht es darum, dass ADS. seine Waffe lädt. Scheinbar hat er nichts anderes zu tun. Ich glaube, der „Zeuge“ verhaspelte sich und hätte wohl sagen sollen: „Er hat eine geladene Waffe!“, statt dessen vergaß er „geladen“ und setzte es deshalb ans Ende, was überhaupt keinen Sinn macht. Wäre es authentisch, würde er rufen: „Der hat ne Waffe!“ – aber auch da ist wieder die Frage, woher ein 57-jähriger Baggerfahrer, bereits in einem bierseligen Zustand, weiß, dass es sich bei dem Kerl in black um den gesuchten Täter gehandelt hatte? Die Medienberichte? Richtig, die hatten zu jenem Zeitpunkt genauso wie die Behörden ja den vollen Durchblick gehabt. Der Videoclip beginnt bereits im Wortgefecht und man kann nicht erkennen, was der Auslöser dieser Beschimpfungsorgie war bzw. wie sich ADS. zu erkennen gegeben hatte. Merkwürdigerweise ruft er „Hört zu filmen auf!“ – wollte er nicht mit dieser Tat berühmt werden? Ich meine, wenn es ihm nur darum gegangen wäre, willkürlich zu töten, hätte er das in einer unauffälligen Kleidung machen können und dann einfach im Panikgewühl untertauchen. Aber sein ganzes Gehabe und sein Anzug zeigen doch, dass er als Amokläufer wahrgenommen und gesehen werden wollte. Mit anderen Worten: Da passt etwas nicht zusammen. Oder war am Ende der Baggerfahrer gar nicht eingeplant, in der Szenerie? Oder hat man ihn hinzugefügt, weil ADL. auf dem Dach seine Strophe nicht singen wollte? Oder vom Script abgewichen ist? Seltsam auch seine beiden Sager: „Da muss ich mir eine Waffe kaufen!“ und „Ich habe (dir?) nichts getan!“ Da soll sich einer auskennen. Ist der Kerl am Dach vielleicht unschuldig zum Handkuss gekommen? Er hatte eine Waffe in der Hand, sagen Sie? Und hätte damit geschossen?  Tja. Ehrlich gesagt, das ist ein Videoclip und wenn Sie möchten, kann ich Ihnen den Abschuss der Dicken Bertha einfügen. Hieße es dann, er wollte mit der Dicken Bertha vielleicht die Hartz-IV-Gegend platt machen?

Es gilt natürlich auch zu klären, ob nicht einer der Augen- und Ohrenzeugen dieses Wortgefechts nicht nur gegafft, sondern die Polizei verständigt hat. Von einem Parkhausdach führen nicht gerade viele Ausgänge ins Freie – und man muss wohl die Stiegen oder Fahrbahnrampen nach unten nehmen. Warum er trotzdem rechtzeitig vom Dach flüchten konnte, obwohl die Gegend abgeriegelt wurde, ist wohl als Wunder von München zu bezeichnen – und wirft kein gutes Licht auf die Polizei, die mit über 2000 Mann und dem österreichischen Einsatzkommando Cobra angerückt kam. Bitte zum Mitschreiben: 2300 Mann! An manchen Frontabschnitten im 1.Weltkrieg gab es nicht so viele Soldaten. Was haben all die Polizisten gemacht? Für Fotografen und Kameraleute posiert? Oder für den Ernstfall trainiert? Und warum sagte ausgerechnet der Präsident der Vereinigten Staaten seine Hilfe zu? Wollte er ein paar Drohnen von Ramstein nach München schicken? Oder das Navy Seal Team 6 einfliegen lassen?

Was Augenzeugen gehört und gesehen haben
Ein Augenzeuge, so der Artikel, will den um sich schießenden ADS. schreien gehört haben: „Mir ist alles egal“ und „Ich töte euch alle.“ Und dann schließt der Artikel: „Als er Stunden später auf eine Streife traf zögerte er keine Sekunde und erschoss sich.“

Ist den Journalisten der Platz ausgegangen und mussten deshalb recht schnell zu einem Ende kommen? Während sie lang und breit die Vorgeschichte des Events aufrollen, bleibt für das Ende gerade einmal ein Satz übrig. Wo ist er aufgegriffen worden? War es Zufall? Oder gab es tatsächlich eine Rasterfahndung? Wie hat er sich erschossen? Hatte er noch Munition übrig? Und ist es nicht ein Widerspruch, wenn er zuerst schreit: „Ich töte euch alle!“ – und dann, warum weiß man nicht, es sich doch anders überlegt, weil er von einer Streife angesprochen wurde? Sie werden jetzt vermutlich einwenden, er sei eben geistig labil gewesen, nicht bei Sinnen. Stimmt. Aber in der Überschrift steht auch „hasserfüllt“. Und im Artikel heißt es, dass er die Tat genau geplant hätte. Ein Jahr lang, lesen wir an anderer Stelle. Und hatte er sich nicht an den Attentäter Andres Behring Breivik orientiert? So steht es im nächsten Artikel. Der ist aber lebend gefasst worden.

Eine Augenzeugin ist auf CNN zu hören: „People were running around, screaming, and people were scared. There were a lot of people, about 50 people, running towards our house to seek shelter, and sirens.“ Man könnte meinen, die gute Frau erzählt über den Event in Nizza. Apropos. @gutjahr war auch wieder vor Ort, um von diesem Amoklauf zu berichten. Zufällig, versteht sich. Wenn Sie Glück im Unglück haben, wie dieser amerikanische Mormone, dann laufen Sie sogar in drei Terroranschläge und überleben sie leicht verletzt. Die Wahrscheinlichkeit wollen wir uns besser nicht ausrechnen. Besser wir glauben an Vorsehung. Weil, das göttliche Schicksal setzt oft den Hobel an und der gute Nestroy hätte sicherlich eine herrliche Posse über diese himmlischen Schicksalsverknüpfungen auf die Bühne gebracht.

Loretta auf CNN
Oh. Was liest man im nächsten Artikel:»›Allahu akbar‹ schrie der Amokläufer laut Polizei nie. Einzig CNN berichtete eben das.« Hätte sich der Kurier-Journalist vielleicht die Zeit genommen, um festzustellen, warum CNN eigentlich diese Behauptung aufstellte, hätte er bemerkt, dass CNN eine Augenzeugin live auf Sendung hatte. Man hörte freilich nur ihre Stimme (in einem gebrochenen Englisch): „I hear – like an alarm, boom, boom, boom … and he’s still killing the children. They make nothing , the children were sitting to eat. They can’t run. … I Hear Allahu Akbar. Allahu Akbar. This I know because I’m muslim too. I hear this and I only crying.“
Die Entstehungsgeschichte des Interviews hört sich, nun ja, befremdlich an: Ein CNN-Producer, der fließend Deutsch spricht, habe einfach mal in den Geschäften der Mall angerufen. Und siehe da, eine Loretta, die sich versteckt hielt, soll das Telefon abgehoben haben und hätte ihm gesagt, sie wäre im Fastfoodrestaurant, nur zwei Zentimeter von dem Attentäter entfernt gestanden (I don’t make this up, folks!) – aber zu ihrem Glück drehte er ihr den Rücken zu. Ach ja, außerdem ist der 8-jährige Augenzeuge – Sie wissen schon, der Waffenexperte – ihr Sohn. Mit anderen Worten, man glaubt zwar der guten Loretta nicht, dass sie etwas gehört hätte, auf der anderen Seite nimmt man ihr aber die Geschichte mit ihrem Sohn ab: „My son saw in the toilet the man loading his gun … it was a pistol. I (sic!) came out of the toilet and I hear this like an alarm, boom, boom, boom …“

Das Loretta-Syndrom ist für Presse und Behörden natürlich ein Supergau. Weil, überlegen Sie einmal, welche Überlegungen damit einhergehen – zu mindest eine der folgenden Aussagen muss zutreffen (im schlimmsten aller Fälle sogar alle drei):

ZEUGIN LÜGT (= CNN/Medien überprüften die Zeugenaussage nicht!)
POLIZEI/BEHÖRDE LÜGT
PRESSE LÜGT (CNN und all jene Presseartikel mit dem 8-jährigen Waffenexperten)

Faites vos jeux, Mesdames et Messieurs.

P.S.: Äh, was machen wir jetzt eigentlich, wenn sich ISIS – natürlich in Absprache mit ihrer Marketingabeteilung in Washington – zu diesem „Anschlag“ bekennt? Wie wir bereits seit Nizza wissen, können die Täter sogar radikalisiert werden, wenn sie mit ihrem LKW im Stau stecken.

P.S.S.: Sollte es tatsächlich Opfer gegeben haben (heutzutage ist es bei all diesen Events leider nicht mehr so einfach festzustellen), dann tippe ich natürlich darauf, dass hier eine Profi-Truppe am Werke war und – husch, husch – wieder abgetaucht ist. Wer die Profi-Truppe geschickt hat und welches Motiv dahinterstecken könnte, tja, das ist dann wohl eine ganz andere Geschichte. More to come. Vielleicht.

Merkwürdigkeiten in Nizza, 14. Juli 2016: Wenn Katastrophenmedizin zum Kasperltheater herabgespielt wird

Hören Sie sich das Interview mit Antoine Chauvel, einem in Nizza lebenden Fotografen in aller Ruhe an. Sehen Sie sich seine Aufnahmen an. Die Bilder entstanden, laut seiner Aussage, nach 23 Uhr. Es vergingen (drei) Stunden, bis die Rettungskräfte eintrafen bzw. tätig wurden und die Toten hätte man deshalb mit Tischtüchern der umliegenden Restaurants zugedeckt. Sagt Antoine Chauvel. Über seine große Nervosität wollen wir jetzt mal nicht befinden, aber warum man gerade ihn als Augenzeuge des Events ausgesucht hat, ist mir ein Rätsel, da er ja zu Hause war, als der LKW, wie es offiziell so schönschrecklich heißt, durch die Menge pflügte. Ja, nobody understands it. Wie dem auch sei. Kommen wir zum wesentlichen Punkt.

Merkwürdigkeiten in Nizza, 14. Juli 2016: Wenn Katastrophenmedizin zum Kasperltheater herabgespielt wird weiterlesen

Merkwürdigkeiten in Nizza oder Anatomie eines Events, 14. Juli 2016

Orwell_2und2ist5

Sie werden es zwischenzeitlich sicherlich bereits gehört, gelesen und gesehen haben, was sich am 14. Juli in Nizza zugetragen hat, nicht wahr? Hier der aktuelle Wiki-Eintrag, der sich, wie üblich, auf Meainstream-Quellen beruft:

»Gegen 22:45 Uhr (Spiegel / Standard: ›gegen 23 Uhr‹, BBC: ›a little after 22:30‹) fuhr der Attentäter mit einem weißen Lkw mit Kühlaufbau auf die für den Verkehr gesperrte Strandpromenade. Er überfuhr dort auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern (im Bereich zwischen den Hausnummern 11 und 147) absichtlich zahlreiche Menschen. […] Einer vorläufigen Bilanz der Staatsanwaltschaft vom 15. Juli zufolge wurden 84 Menschen aus 21 Nationen getötet und mehr als 202 weitere zum Teil schwer verletzt.« [update 22.07.: im ARD Morgenmagazin vom 15.7. spricht @gutjahr sogar von „genau 23 Uhr 7 Minuten“ als der LKW in die „Szenerie“ fuhr.

Die Geschwindigkeit, laut Augenzeugenberichten, dürfte zwischen 40 und 50 km/h gelegen sein. Nach einem intensiven Schusswechsel mit der Polizei sei der LKW noch 300 Meter weitergefahren bzw. -gerollt und dann zum Stehen gekommen. Damit ist die tatsächlich Länge der Amokfahrt, beginnend beim Kinderspital, Höhe Rue Lenval, 1700 Meter. Sieht man sich die überlieferten Bilder und Clips an, bekommt man den Eindruck, dass der Laster auf der gesperrten Verkehrsstraße, neben der Strandpromenade, gefahren sein dürfte. Auf der Strandpromenade selbst finden sich nämlich in dem oben erwähnten Abschnitt drei Sperren in der Form von längeren Kollonaden aus Beton.

Sieht man sich jenen Videoclip an, der kurz nach der Amokfahrt entstanden sein muss, da im Hintergrund der LKW bereits angehalten hat, dann kommt man aus dem Staunen nicht raus. Die Faktenlage bei Unfällen zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger ist eindeutig: Wird der Fußgänger überrollt, endet der Unfall für ihn in 63 von 100 Fällen tödlich bzw. in 37 von 100 Fällen mit einer schweren Verletzung. Wird er dagegen nicht überrollt, so kommt es nur in einem von 100 Fällen zum Tode. (Statistik) Bei den im Clip gezeigten Leichen ist keine einzige überrollt worden. Deshalb muss man nun zur alles entscheidenden Frage gelangen: Woran sind diese Menschen gestorben?

Der LKW zeigt sich auf den Fotos in einem blitzblanken Zustand. Es deutet demnach alles darauf hin, dass das Fahrzeug keine Fußgänger überrollt hat, jedenfalls sind keine Blutspuren oder Körperteile an den Reifen oder am Frontbereich zu erkennen. Ich muss Ihnen hoffentlich nicht im Detail schildern, was geschähe, würde ein 19-Tonner über einen Körper rollen, oder? Falls Sie jemanden bei der (Freiwilligen) Feuerwehr kennen, können Sie ihn ja fragen, was er so an Autounfällen mit Personenschaden bereits gesehen hat und wie sich diese Bilder auf den Betrachter auswirken. Mit Sicherheit ein schockierender Anblick, die einen so schnell nicht mehr loslassen. Wer hart im Nehmen ist, bitte sehr, auf liveleaks finden Sie jeden nur vorstellbaren blutigen Unfall. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Für mich ist das Faktum, dass der LKW keine sichtbaren Anzeichen einer Überrollung von Fußgängern zeigt, the smoking gun.

Im oben erwähnten Clip sind nur ein paar Bystanders zu sehen, die zum Teil ratlos und recht unmotiviert herumstehen, während rechts und links Menschen liegen. Merkwürdig ist, dass bei den Schwerverletzten (Wer weiß denn schon, ob jemand bereits tot ist, ohne es überprüft zu haben?) so gut wie keine Angehörigen sind. Ist das vorstellbar? Würden Sie einen Angehörigen, der verletzt ist, einfach auf der Straße liegen lassen? Würden Sie nicht alles versuchen, um ihn zu beruhigen, um nach Hilfe Ausschau zu halten, um nach Hilfe zu rufen, um auf sich Aufmerksam zu machen? Würden Sie nicht Herumstehende um Rat fragen, um Hilfe bitten? Und wo sind all die Menschen, die zuvor auf der Promenade ausgelassen gefeiert haben sollen? Haben Sie sich plötzlich in Luft aufgelöst? Laut AFP hielten sich dort 30.000 Menschen auf.

In einem anderen publizierten Foto sieht man eine Vielzahl an Leichen eng an eng zusammenliegen. Auch hier ist keine Überrollung festzustellen. Woran sind diese Menschen am Ende gestorben? Und wenn diese nicht überrollt wurden, wie können sie dann so dicht gedrängt auf der Straße liegen?

Und dann gibt es da noch eine weitere Statistik vom Deutschen Bundesamt für 2013: Unfälle von Güterkraftfahrzeugen im Straßenverkehr. In jenem Jahr wurden in Deutschland 1672 Unfälle zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger aufgezeichnet. In 86 Fällen war der Zusammenstoß für den Fußgänger tödlich. Hochgerechnet auf die Zahl der Toten in Nizza, müsste es demnach rund 1600 Verletzte geben. Doch davon kann freilich keine Rede sein. Vermutlich werden Sie jetzt einwerfen, die hohe Zahl der Todesopfer hätte damit zu tun, weil der LKW in eine Menschenmenge gerast sei. Dieser Umstand bedeutet lediglich, dass es dadurch öfters zu Kontakten mit Fußgängern kommt – für den Statistiker macht es keinen Unterschied, ob es an zehn Tagen zu einem Unfall oder an einem Tag zu zehn Unfällen direkt hintereinander kommt.

Merkwürdig auch das Verhalten eines deutschen Journalisten und Bloggers, der Zeuge dieses Ereignisses war. Vom Balkon seiner Unterkunft filmte er die (langsame) Fahrt des LKWs, weil der Laster »nicht ins Bild passte«. Nach einem Schusswechsel (?) beschleunigt der LKW. Mehr ist nicht zu sehen. Ein Foto, welches er auf Twitter postete, ist seltsam unscharf, obwohl der Journalist und Blogger – laut seiner Webseite – viel Erfahrung in Sachen Video- und Fotoproduktion hat. Beinahe könnte man vermuten, es sei mit Absicht unscharf gemacht worden, um die Dramatik des Augenblicks zu erhöhen. Wie viele Fotos und Videoclips der Journalist noch machte, ist nicht zu ermitteln – sein Footage schickte er ARD/ZDF und BR. Diese, so der Journalist, seien schließlich Profis. Natürlich. Interessant, dass der Journalist in den internationalen Mainstreammedien – vom Spiegel bis zur BBC – herumgereicht wurde und dort seine Eindrücke zum Besten geben durfte. Es ist schon erstaunlich, wie oft Augenzeugen, die mit Medienhäusern in Verbindung stehen, zur rechten Zeit am rechten Balkon stehen, um während eines Events einen kurzen Videoclip zu drehen, der vom internationalen Mainstream in aller Eile und mit Trompetengeschmetter der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Die Aufnahme des Journalisten dürfte aus dem Hotel Westminster gemacht worden sein. Dieses liegt aber 230 Meter vor dem endgültigen Haltepunkt des Lasters – auf der Höhe Rue du Congrés. Ergo haben wir hier einen Widerspruch, da es ja offiziell heißt, dass der LKW nach einem intensiven Schusswechsel die letzten 300 Meter ausgerollt sei – auf dem Videoclip ist aber zu sehen, dass das Fahrzeug, das sehr langsam von rechts nach links ins Bild fährt, wieder beschleunigt. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, diesen Widerspruch zu erklären: Der Fahrer brachte mit Absicht das Fahrzeug zum Stehen – darüber ist aber in den offiziellen Verlautbarungen nichts zu lesen – oder das Fahrzeug war viel langsamer unterwegs als die veranschlagten 40 km/h. Wie dem auch sei, sollte es tatsächlich einen intensiven Schusswechsel rund 70 Meter vom Hotel entfernt gegeben haben, dann hätte das der Journalist, der auf dem Balkon stand, in jedem Fall hören müssen. Das Feuerwerk sei nämlich, nach seiner Aussage, um 22:45 zu Ende gegangen und kurz danach wäre der LKW in sein Blickfeld geraten.

Die Fahrt des LKW mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h dauerte für die 1700 Meter rund 150 Sekunden, also Zwei Minuten und 30 Sekunden. Ich wäre nun davon ausgegangen, dass sich die Sache wie folgt hätte abspielen sollen:

LKW durchbricht die Sperre. Die Polizisten, die an der Kreuzung stehen, geben sofort in der Zentrale Bescheid. Diese gibt den Einsatzkräften, die sich im Zielgebiet befinden, die Weisung, die Straße sofort zu evakuieren und den LKW zum Stehen zu bringen. Ist die Evakuierung geschehen? Darüber konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Obwohl sich zum Zeitpunkt dieses Ereignisses Frankreich noch immer im Ausnahmezustand befand, sind keine Einsatzkräfte auf den Bildern zu sehen, die sich um die Verletzten kurz nach der Amokfahrt gekümmert oder Angehörige beschwichtigt hätten. Merkwürdig auch das.

Die Zeit berichtet, dass die Beamten in der Kabine des LKWs die folgenden Waffen gefunden hätten: »eine automatische Pistole vom Kaliber 7.65, ein Magazin mit 75 Patronen und eine weitere automatische Pistole, dazu zwei Sturmgewehre und eine Handgranate.« Bei BBC heißt es »Police said Bouhlel was in possession of an automatic pistol, bullets, a fake automatic pistol and two replica (deux répliques) assault rifles (a Kalashnikov and an M16), an empty grenade«. Im Guardian heißt es »Police found two automatic weapons, ammunition, a mobile phone and documents in the truck, the prosecutor said.« Man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, festzustellen, was nun wirklich in der Fahrerkabine des LKWs gefunden wurde. Warum sich ein Terrorist ausgerechnet mit Spielzeugpistolen und einer leeren Handgranate bewaffnet haben soll, bleibt ein Rätsel. Was wollte er damit erreichen?

Sieht man sich die Verteilung der Einschusslöcher in der Windschutzscheibe des LKWs an, bemerkt man, dass die Fahrerseite ziemlich unbehelligt blieb. Saß der Fahrer demnach auf dem Beifahrersitz oder wie ist dieser Umstand zu verstehen? Die Einsatzkräfte werden hoffentlich nicht dermaßen schlecht geschossen haben. Theoretisch könnten natürlich die Polizisten allesamt linker Hand des Fahrzeugs gestanden und seitlich auf die Fahrerkabine geschossen haben.

Wenn sich in aller Öffentlichkeit solch ein dramatisches Ereignis abspielt, würde man Bilder erwarten, die einen unangenehm berühren, die einen aufrütteln, die einen die Dramatik erspüren lassen. Sollten Sie nicht wissen, was ich meine, dann gucken Sie sich die Bilder und Clips von der Geiselnahme in der Schule von Beslan (Russland) im September 2004 an. Sehen Sie in die Gesichter der Leute. Sehen Sie in ihre Augen. Dann wissen Sie, was es heißt, wenn einem das Grauen aus dem Alltag reißt und in die Hölle stößt. Glauben Sie wirklich, da wäre einer damals zum Tanzen aufgelegt gewesen? Da fällt mir ein, dass die verschiedenen Videoaufnahmen von Beslan im Vergleich zu jenen der letzten Ereignisse in Paris, Brüssel oder Nizza weitaus schärfer und klarer rüberkommen – obwohl 12 Jahre dazwischen liegen. Ist es wirklich vorstellbar, dass die Leutchen in Europa allesamt noch keine Smartphones, keine iPhones besitzen, anno 2016, und nur pixelige Kurzclips mit ihren in die Jahre gekommenen Klapphandys machen können?

Mit diesem merkwürdigen Ereignis geht jedenfalls der War of Terror in die nächste Runde. Ende ist demnach keines in Sicht. Weil Goldstein und seine Terrororganisation The Brotherhood einfach nicht kleinzukriegen sind. Schätze, es braucht noch mehr Flächenbombardierungen im Nahen Osten, noch mehr Notstandsgesetze und noch mehr Sparmaßnahmen im Sozialbereich. Cui bono? Ja, Sicherheit hat einen teuflisch hohen Preis. Ihre Regierung verrät sie gerne.

Der Tag, an dem dieser Scribent zum Skeptizismus konvertierte, Anno Domini MMXVI

Burckhardt_Gewesenes

An diesem 25. Tage des 5. Monats im Jahr des Herrn 2016 und 7888* Jahr nach Adam kommet dieser Scribent zur wahren Einsicht dahero die einzige Wahrheit niemand inne haben würd können. Die hocherwürdige Lieb zur Weisheit und zur Skepsis / geschuldet unserer Vorväter / fegt hinweg all Trug und Lug in der gelehrigen Geschichtschreiberei. Nur der einzig wahre Glaub an die göttlich Skepsis kann bringen Licht in die Finsterheit der alten und neuen Zeit. Der brave Heinrich Cornelius hat geschrieben die Wahrheit über die Historici in der Schrift Ungewissheit und Eitelkeit aller Künste und Wissenschaften, Anno Domini M.D.XXVI:

»Aber dass wir zur Geschichtschreiberei wieder kommen, obgleich von dieser eine zierliche Ordnung, Glauben, Einstimmigkeit und Wahrheit der Sachen am meisten erfordert wird, so tut sie doch hierin nichts weniger als dieses. Denn die Historienschreiber sind so diskrepant und schreiben so divers und auf unterschiedliche Arten untereinander, dass es unmöglich scheint, und man fast notwendig dafür halten muss, dass die meisten unter ihnen die allerverlogensten unter den Leuten sein müssen. Ich will jetzt nichts sagen vom Anfang der Welt, von der allgemeinen Sündflut und Gründung Roms, denn davon schreiben sie, und ist doch das erste ihnen alles verborgen, das andere glauben nicht alle, und das dritte ist bei ihnen ganz ungewiss. Derowegen, weil dieses Sachen sind so weit entfernt, und mit gleicher Vernunft von allen nicht können begriffen werden, so verdienen sie noch etlichermassen Vergebung ihrer Irrtümer, aber von andern darauffolgenden Geschichten muss ihnen die Schuld der Lügen beigemessen werden. Der Ursachen aber solcher Nichtübereinstimmung gibet es gar viel, denn die meisten, weil sie nicht zu derselben Zeit gelebt oder an demselben Ort, oder bei denselben Personen und Geschichten gewesen[43] sind, so haben sie ihre Schriften aus andern Relationen zusammentragen müssen und können dahero nichts Gewisses und Beständiges schreiben.«

»So sind auch andere, die entweder aus Furcht oder aus Heuchelei, oder aus Hass der Wahrheit derselben etwas abzwacken; andere, indem sie die Taten ihrer Landsleute in den Himmel heben, verkleinern sie der andern ihre und machen sie gering, schreiben also nicht, wie die Sache an sich selber ist, sondern wie sie es gerne hätten, dass sie sein sollte, und wie es ihnen beliebt, und haben dabei die Zuversicht, dass diejenigen, welche sie so artig geschmeichelt haben, ihren Lügen nicht werden widersprechen oder Zeugnis wider sie geben. Dieses Laster, welches vor Zeiten bei den griechischen Skribenten gemein gewesen, ist heutiges Tages fast bei allen Völkern eingerissen, und werden diese Historienschreiber von den Fürsten zu keinem andern Ende unterhalten, als dass, wie Plutarchus sagt, sie durch ihre nachsinnigen Köpfe anderer Leute Tugenden unterdrücken, ihre Taten aber mit lauter unnützem Geschwätz und Erdichtungen durch ihre historische Autorität erheben. Also, wenn die griechischen Historici von Erfindung der Sachen schrieben, so massten sie sich selbst alle Erfindung bei. So ist auch eine andere verderbte Art der Historienschreiber und Schmeichler, wenn sie sich unterstehen, den Ursprung ihrer Fürsten auf die ältesten Könige zu extendieren, und wenn sie mit Deduzierung ihres Geschlechtes nicht können fortkommen, so muss ein fremder Urstamm und weithergeholte Fabeln herhalten, dichten den Königen neue Namen an und lügen nicht wenig dazu.«

*) Pierer Universallexikon 1859 – Die Jahrrechnung: Ära von Erschaffung der Welt (A. M., d.h. anno mundi, im Jahre der Welt). Die Juden fingen zu Ende des 13. Jahrh. nach ihnen zu zählen an, u. die Epoche der Erschaffung der Welt fällt nach ihrer, von dem Rabbi Hillel bestimmten Rechnung in das 3761. Jahr v. Chr. Sie fangen ihr bürgerliches Jahr (ein Mond-Sonnenjahr, s.u. Jahr) mit einem Neumonde, gewöhnlich Ende September, an, u. das Jahr 1859 unserer Zeitrechnung ist das 561 9/20. der ihrigen. Ehemals bediente man sich dieser Ära bei der alten Geschichte u. zählte durchgängig bis auf Christus nach Jahren der Welt. Die Bestimmungen hierüber weichen aber bedeutend von einander ab (man zählt 800 verschiedene Arten der Bestimmung der Epoche dieser Ära). So sollen nach Alfons v. Castilien von Erschaffung der Welt bis zu Christi Geburt 648 3/4 Jahr, nach Suidas 6000 Jahr, nach Lactantius u. Philastrius 5801, nach Nicephorus 5700, nach Julius Africanus u. A. 5500, nach Eusebios 5200 3/4. nach Metrodorus 5000, nach Frank 4182, nach Thom. Lydiat u. Laurent. Eichstadt 4004, nach M. L. Capellus u. Usher 4000, nach Dionysios dem Kleinen, Kepler, Petavius 3984, nach Scaliger u. A. 3950, nach Hieronymus von Santavide u. A. 3760, nach R. Lippmann 3616 Jahre verflossen sein. In Rußland rechnete man bis zum J. 1700 nach der Weltära, deren Epoche 5508 v. Chr. fiel. Allein da sich die Erschaffung der Welt gar nicht historisch-chronologisch angeben läßt, so kann man diese Berechnungsart nicht zur Zeitbestimmung der Begebenheiten brauchen, u. ihre historische Anwendung ist um so unsicherer, da die Chronologen selbst nicht wissen, in welchem Jahre der Welt Christus geboren ist. Es lassen sich daher, bei der Verschiedenheit der Meinungen u. Hypothesen hierüber, u. bei der völligen Ungewißheit der Epoche, die Weltbegebenheiten der frühesten Zeit nur nach Jahrtausenden, weniger nach Jahrhunderten, am wenigsten nach einzelnen Jahren bestimmen.

Silvesternacht in Köln und sieben unangenehme Aspekte

Confused_1938

Vor ein paar Tagen habe ich mir Gedanken über die internationale Medienberichterstattung eines lokalen Ereignisses in Köln gemacht. Ich wurde nicht schlau aus dem Ganzen. Das offizielle Narrativ liest sich wie folgt:

[orf.at vom 11.1.2016:] In der Silvesternacht hatten sich nach Angaben der Polizei aus einer Menge von rund 1.000 Männern Gruppen gelöst, die vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen haben. Opfer und Zeugen sprachen von Tätern nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

In den letzten Tagen versuchte ich die mir vorliegenden Puzzlestücke zusammenzusetzen, aber ein Bild wollte nicht und nicht entstehen. Immer wieder bemerkte ich die Widersprüchlichkeiten in den behördlichen und medialen Berichten. Warum, so frage ich mich, ist es nicht möglich, festzustellen, was in jener Nacht tatsächlich geschah?

Wer sich mit traumatischen Vorfällen in letzter Zeit auseinandergesetzt hat, erkennt ein seltsames Muster: die Medien gehen bereits nach kurzer Zeit von einer faktenbasierenden zu einer interpretierenden Darstellung über. Obwohl noch nicht alle offenen Fragen restlos geklärt sind, wird das offizielle Narrativ („muslimische Attentäter verüben Verbrechen“) bereits als Tatsache festgemacht und die Auswirkungen der Tat auf Politik und Gesellschaft lang und breit diskutiert. Es scheint, als wollten all die Journalisten und Redakteure sowie die Politiker und Behörden so schnell wie möglich das traumatische Geschehnis für sich „ausschlachten“.

Beispielhaft sei an den Charlie-Hebdo-Vorfall erinnert, der die westliche Welt förmlich vor den Kopf stieß. Die „Presse- und Meinungsfreiheit“ wurde genauso zum Thema gemacht wie der ausufernde „Antisemitismus“ durch französische Muslime – aber über die widersprüchlichen und zuweilen unglaublichen Hinweise der Behörden und Aussagen der Zeugen wurde alsbald der Mantel des Schweigens gelegt. Schließlich, um einen Schlusspunkt zu setzen, versammelten sich all die Staatsoberhäupter in Paris, um Einigkeit zu demonstrieren: Man wolle sich nicht von Terroristen einschüchtern lassen. Die Ironie dabei ist, dass all die anwesenden Regierungschefs über den effizientesten pyramidalen Terror-Apparat der Menschheit verfügen, sei es das Militär, sei es der Geheimdienst, seien es die Spezialeinheiten der Polizei. Wie formulierte es der Historiker William Blum so süffisant „A terrorist is someone who has a bomb but doesn’t have an airforce“. Aber solch einen Satz werden Sie in den Zeitungen nicht lesen, in der Tagesschau nicht hören.

Zurück zu Köln und und zu jener Silvesternacht, die Deutschlands Bevölkerung traumatisiert(e). Wie hat alles begonnen? Eine simple Frage, die – seltsamerweise – nicht leicht zu beantworten ist. Wenn wir das allwissende Internet befragen, bekommen wir folgende Puzzleteile:

31.12.2015 – 23:51Twitter
„Man kommt in Köln an und wird von allen Seiten umarmt. Ich feiere eigentlich kein Silvester, aber heute ist das wundertoll.“

31.12.2015 – 23:54Twitter
„Weiß einer was am Bahnhof los ist ? Menschenmassen von der Polizei eingeschlossen #Koeln“

Ansonsten konnte ich keine relevanten Twitter-Meldungen mit dem Suchwort „Köln“ zwischen 31.12. und 1.1. finden.

1.1.2016 – Kölner Stadt-Anzeiger
„Sexuelle Belästigung in der Silvesternacht: Frauen im Kölner Hauptbahnhof massiv bedrängt“ betitelte die lokale Stadtzeitung die Vorfälle. Der Artikel liest sich unspektakulär und recht vage, trotzdem gibt es zwei interessante Aspekte, die ich zitieren möchte:

Wie die Polizei mitteilte, wurden die Beamten zum Bahnhof gerufen. … Als die Polizisten am Tatort eintrafen, hatte sich die Situation jedoch bereits aufgelöst.
In der Facebook-Gruppe Nettwerk Köln gab es mehrere Beiträge über die Situation. Der ursprüngliche Post wies eine ausländerfeindliche Tendenz auf, Frauen würden in Deutschland immer mehr zu Freiwild, hieß es darin. Die Nettwerk-Betreiber reagierten prompt und löschten den Beitrag.
1.1.2016 -11:43Facebook-Seite der Polizei NRW Köln
„Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich. Die Polizei Köln zieht Bilanz“, heißt es im Posting.
Kommentar 14:20  „es war alles wie immer Vorjahr? Was ist den an den Berichten zu Schlägereien und sexueller Übergriffe gegen zahlreicher Frauen von massen an Arabisch Sprechender Männer am Kölner Hauptbahnhof dran ?“
 .
Kommentar 15:25 Nrw Köln, auch sehr viele Menschen wurden gestern beklaut. Auch wenn die Täter identifiziert werden konnte, hat die Polizei vor Ort nichts dagegen gemacht!!!!!!“
 .
Mehr relevante Kommentare gab es nicht an diesem Tag. Auch ist nicht klar, ob sich der erste Kommentator (14:20) erst deshalb zu Wort meldete, weil er den Artikel im Kölner Stadtanzeiger gelesen hatte.
 .
1. Conclusio: Die Katze beißt sich in den Schwanz!
Der Beitrag in der facebook-Gruppe Nettwerk ist leider gelöscht worden, deshalb können wir die dortigen Kommentare nicht mehr einsehen. Ich habe die Gruppe nach weiteren relevanten Beiträgen und Kommentaren durchsucht, konnte aber zum 1.1. keine finden. Erst am 2.1., nach dem die Polizei bekannt gab, eine Sonderkommission einzurichten und die Medien in größerem Umfang berichteten, wurde dies kommentiert.
.
Bezüglich der facebook-Seite der Polizei NRW Köln ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass relevante Kommentare gelöscht wurden.
.
Aber wie man es auch dreht und wendet, die Annahme der Medien, dass der Vorfall am Kölner Bahnhof erst durch das „Hochkochen“ in den sozialen Medien nicht mehr verschwiegen werden konnte, kann ich so nicht feststellen. Erst durch die mediale Berichterstattung gerieten die sozialen Netzwerke außer Rand und Band. Wer nur einen flüchtigen Blick auf all die Kommentare und Beiträge wirft, geht davon aus, dass es diese auch rund um die Silvesternacht gegeben haben muss, was ich aber so nicht feststellen konnte.
.
2. Conclusio: Wem können wir noch vertrauen?
Wenn wir annehmen, dass die Dienststelle der Polizei in Köln den ersten Bericht „geschönt“ hat, warum geht man nun davon aus, dass die folgenden Berichte „ungeschönt“ bzw. korrekt sind?
Wenn wir annehmen, dass wir es mit einer „Lügenpresse“ zu tun haben, warum hat gerade diese Presse die (politisch unangenehmen) Vorfälle ins Groteske gesteigert („Sex-Mob“, „Sex-Terror“) und ins internationale Rampenlicht gestellt? Der langjährige Präsident (1994-2000) des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz Helmut Roewer bekannte unlängst in einem Interview bezüglich der Presse: „Es ist alles eine Soße. Es wird gefälscht, dass sich die Balken biegen. […] Wenn Sie heute gucken, wer sich da in diesen Medien alles rumtreibt, die ich aus anderen Zusammenhängen kenne [zuvor erwähnte er, dass ihm ein WDR-Kamermann erzählte, dass „wir alle bei der DKP sind“], dann schluckt man natürlich als alter preußischer Beamter und fragt sich, wie isses nur möglich.“
.
3. Conclusio: Die Traumatisierung der Frau
Was auch immer in dieser Nacht geschehen oder nicht geschehen ist, die Frau wurde und wird durch die Medienberichterstattung traumatisiert. Spätestens dann, wenn sie einer Gruppe junger fremdländisch aussehender Männer begegnet, wird sie unwillkürlich einen Anflug von Angst oder Befremden empfinden. Trauma-Aufarbeitung ist ein langes, mühsames Unterfangen und noch heute, beinahe 15 Jahren später, sind viele Mitmenschen durch 9/11 traumatisiert, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Kurz und gut, je größer und intensiver die Angst der Menschen ist, um so einfacher kann die Gesellschaft durch die Obrigkeit geführt/gelenkt werden. Auch nicht unwichtig ist der Umstand, dass weibliche Journalisten an der „Front“ immer wieder Opfer sexueller Übergriffe werden, dies aber (aus beruflichen Gründen) zumeist verschweigen. „In gesetzlosen Gegenden, wo Schusswaffen allgegenwärtig und Konsequenzen für Straftaten nicht zu fürchten sind, werden weibliche Reporter zu Zielen“ – „Female reporters are targets in lawless places where guns are common and punishment rare„, schreibt Auslandskorrespondentin Judith Matloff in einem Essay.
 .
4. Conclusio: Das Ende der Wahrheitssucher
Je widersprüchlicher, konfuser und irritierender die behördliche, politische und mediale Berichterstattung abläuft, umso unmöglicher wird es für den skeptischen Bürger, das Wirrwarr zu entflechten und den wahren Kern freizulegen. Ohne juristische Befugnisse und behördliche Vollmachten ist es völlig ausgeschlossen, festzustellen, was sich in jener Nacht tatsächlich ereignet hat. Gewiss, jeder skeptische Bürger ist eingeladen zu spekulieren, aber diese Spekulationen tragen (für gewöhnlich) nichts zur Wahrheitsfindung bei. Wahre und authentische Kommentare und Augenzeugenberichte in den sozialen Netzwerken vermischen sich mit fingierten, manipulierenden und verfälschenden. Zu glauben, dass die sozialen Medien ein Abbild der Wirklichkeit sind, in der die Menschen Einfluss auf die Politik nehmen können, ist eine (gewollte) Illusion der Strippenzieher. Oder glauben Sie wirklich, dass facebook die „Erfindung“ von ein paar amerikanischen Studenten ist?
.
5. Conclusio: Die orwellsche Gedankenpolizei hat Sie fest im Griff
Wir leben, so heißt es, in einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit und Toleranz gilt. Aber wehe, man weicht vom „vorgegebenen“ politisch korrekten Weg ab, dann werden die Sittenwächter aktiv. Die Begriffe „Hasser“, „Verhetzer“, „Antisemit“, „Neonazi“, „Rechtsextremer“ usw. werden in den Händen der Sittenwächter zu Totschlagargumenten, die einen gewöhnlichen Bürger nicht das Leben, aber die Existenz kosten kann. Ohne, dass man uns dies gelehrt hätte, wissen wir, was wir in der Öffentlichkeit sagen dürfen und was nicht. Wir zensurieren uns selbst, deshalb braucht es keine behördliche Zensurstelle. So ist eine mögliche Interpretation der wenigen (öffentlich einsehbaren) Kommentare im Social Web jener, dass die Opfer einerseits aus Schamgefühl, andererseits aus Angst, eine politisch unkorrekte Aussage zu treffen, darauf verzichteten, zu dokumentieren, was ihnen widerfahren ist.
 .
Die Vorfälle zur Silvesternacht in Köln haben jedenfalls alle Dämme brechen lassen. Zum ersten Mal war und ist es dem gewöhnlichen Bürger möglich, seine sonst nur im Stillen geäußerte politisch nicht korrekte Meinung, auszusprechen. Klammheimlich frage ich mich ja, ob es sich nicht bei alledem um eine gut geplante Aktion handelte, um all die sonst so Unauffälligen aus der Reserve zu locken. Falls Sie das jetzt für völlig absurd halten, sollten Sie einmal nachblättern, wie die westlichen Behörden im Kalten Krieg vorgegangen sind, um Kommunisten und kommunistische Sympathisanten auszuforschen und zu beobachten. Der ehemalige britische Bereichsleiter des MI5 Peter Wright schreibt in seiner Autobiographie Spy Catcher:
 .
„Als ich 1955 in den Dienst eintrat, gab es etwa zwei Millionen persönliche Akten. Die Zahl blieb ziemlich konstant und begann erst in den späten sechziger Jahren mit den studentischen Unruhen dramatisch anzusteigen.“ [S. 45]
 .
Diesbezüglich werden Sie in der Zeitung nichts lesen, im Gegensatz zum allseits lieb gewonnenen Verschwörungstheoretiker-Bashing – beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung: „Wo dunkle Mächte wirken“. Besser Sie hören, was der Schweizer Daniele Ganser zu diesem Thema zu sagen hat.
.
„Angriffe auf Ausländer in Köln“ ist bereits dem ORF eine Schlagzeile wert. Interessant der Umstand, dass die Medien zwar die Opfer, nicht aber die Täter als „Ausländer“ bezeichnen (dürfen). Die Herkunft des Täters, so heißt es bei der Polizei, wird nur dann genannt, wenn es beim Verbrechen eine Rolle gespielt hat. So weckt die Schlagzeile „Angriffe auf Ausländer“ keine Ressentiments bei den Sittenwächtern, während die Schlagzeile „Angriffe auf Inländer“ einen Aufschrei zur Folge hätte.
.
In einer kürzlich geführten Gesprächsrunde stellte der frühere Justizminister von Niedersachsen und Kriminologe Christian Pfeiffer klar: „Die ersten beiden Interviews, die ich dem Fernsehen über Köln geben durfte, da fragten mich die Journalisten: ,Bitte, reden Sie nicht über Flüchtlinge.‘ Dann habe ich gesagt, dann brauche ich gar nicht erst anzufangen. Dann ist das Ende des Interviews. Dann haben sie sich besonnen und das wieder aufgelöst. Wo kommen wir hin, wenn wir die Wahrheit nicht mehr benennen – die, die sich andeutete? Es war noch völlig unsicher, das habe ich auch gesagt, ob es Flüchtlinge sind. Aber es von vornherein auszuschließen, wie es der Kölner Polizeipräsident gemacht hat, das ist unerträglich, wenn die verantwortlichen Behörden die Wahrheit nicht mehr benennen.“
.
6. Conclusio: Das Große Ganze einer „hochherzigen Dummheit“
Man muss stutzig werden, wenn man in einer Op-Ed Kolumne der New York Times liest, dass „Deutschland am Rande des Abgrunds“ stehen soll (vgl. dazu die Titelei des Magazins Spiegel: „Auf der Kippe“) und der Autor die „Abdankung“ von Frau Merkel für ihre „hochherzige Dummheit“ fordert: „It means that Angela Merkel must go — so that her country, and the continent it bestrides, can avoid paying too high a price for her high-minded folly.“ Nebenbei empfiehlt der Autor über Twitter interessierten Journalisten, die sich über die Situation in Deutschland ein Bild machen möchten, niemand geringeren als den politisch unkorrekten Schriftsteller Akif Pirinci.
 .
Würde also Frau Merkel den Hut nehmen, wer würde ihr nachfolgen und welche politischen Lösungen könnte die neue Regierung den erhitzten Gemüter überhaupt anbieten? Geht es den „dunklen Mächten“ darum, eine neue (neo)konservative Hardliner-Partei an die Spitze zu bringen, die einerseits gewillt ist, die Flüchtlingsfrage rigoroser anzugehen (und die Bürgerrechte weiter einzuschränken  – SPD-Chef: „Wir brauchen einen starken Staat“ – Die Zeit sah das bereits prophetisch voraus), andererseits aber auch bereit ist, ausländischen Konzernen Tür und Tor zu öffnen und Washington im Kampf gegen Moskau und Peking noch vehementer zu unterstützen? Zwei Dinge liegen für mich jedenfalls klar auf der Hand: Frau Merkel tat nur, was man ihr sagte und die „Massenbewegung“ des letzten Jahres war gesteuert.
 .
7. Conclusio: Willkommen in der Realität 2.016
Thomas Mann, the expatriate writer, recorded a message to the German people. It was broadcast by the BBC. „What shall become of you?“ Thomas Mann asked. „If you are defeated, the vindictiveness [Rachsucht] of the whole world will break loose against you.“ It was March 1941.
Nicholson Baker, Human Smoke, p. 298