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Sind Sie verwirrt? Ja? Dann bin ich beruhigt.

Confused_1938

Wir leben in einer seltsam-merkwürdigen Epoche, finden Sie nicht auch? Da fallen (malaysische) Flugzeuge vom Himmel, der Ölpreis sinkt und sinkt und sinkt (dabei erinnert man sich dunkel, dass viele Experten noch vor wenigen Jahren davor gewarnt hatten, dass der Peak bei den Erdölfördermengen schon bald erreicht werden und die steigenden Preise zu einem Kollaps führen würden), muslimisch-rebellische Despoten-Regime verbreiten in Afrika, Afghanistan und dem Nahen Osten Angst und Schrecken, vermummte Terroristen metzeln sich professionell-comicös durch Paris, westliche Staatsoberhäupter haben über Russland einen Wirtschaftsboykott verhängt (aber marschieren wenig später Hand in Hand, sozusagen im Gleichschritt, um eine französische Satire-Zeitung vor dem Bankrott zu retten), in der Ukraine tobt Krieg (aber keiner dürfte es noch bemerkt haben), die Schweiz entkoppelt ihren Franken vom Euro (Kredite in CHF jemand?), in einem Hollywood-Film von Sony wird die Ermordung des ewigen Präsidenten Nordkoreas persifliert, woraufhin nordkoreanische IT-Militärs (häh?) das Netzwerk des japanischen Konzerns hacken (und dies in Washington als Angriff auf die USA gesehen wird), die Bewegung PEGIDA und ihre Ableger sorgen in der „Lügenpresse“ (Unwort des Jahres) für Furore, pardon, Furor, der Mainstream will die Freiheit im Internet verteidigt wissen (gegen Bürger, die sich ernsthaft Gedanken über die Geschehnisse in dieser Welt machen), Ankara und Tel Aviv beflegeln sich, eine hochrangige Beamtin des US-Außenministeriums (ihre Vorfahren lebten im russischen Zarenreich) mischt im Ukraine-Konflikt mit und verflucht dabei die Führungsriege der EU, die den US-Kurs nicht schnell genug umsetzt („f*ck the EU“), ein attraktiver Mann, der eine unattraktive Frau mit Bart verkörpert, wird Gewinner des EU-Song-Contests und ziert für eine Weile die Werbeplakate eines italienischen (!) Bankkonzerns …

Was mich immer wieder stutzig macht, bei alledem, ist der Umstand, dass die Journalisten – manche um viele Jahre jünger als ich – ohne mit der Wimper zu zucken wissen, was Sache und was Wahrheit ist. Ich habe über drei Jahre damit verbracht, Nachforschungen anzustellen, um dem einen oder anderen geschichtlich-politischen Ereignis auf den Grund zu gehen, und das Einzige, was ich mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist, dass ich der Wahrheit nur im Ansatz nahe gekommen bin. Wie ist es also möglich, dass eine Zeitung, sei sie in Wien, sei sie in New York, die Wahrheit kennt? Diesbezüglich schreibt der deutsche Geschichtsphilosoph und Kulturhistoriker Oswald Spengler im Jahr 1922:

Was ist Wahrheit? Für die Menge das, was man ständig liest und hört. Mag ein armer Tropf irgendwo sitzen und Gründe sammeln, um „die Wahrheit“ festzustellen es bleibt seine Wahrheit. Die andre, die öffentliche des Augenblicks, auf die es in der Tatsachenwelt der Wirkungen und Erfolge allein ankommt, ist heute ein Produkt der Presse. Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheiten. Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt.

Oswald Spengler
Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte
Zweiter Band: Welthistorische Perspektiven,  S. 579
C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München 1922

 

Betrachtet man all diese Ereignisse der letzten Zeit in einem „illuminierten“ Licht, dann dünkt mir, dass da etwas im Busch liegt. Gut möglich, dass es vorerst nur darum geht, die Meinungsfreiheit im Internet unter Kontrolle zu bringen. Political correctness und speech codes werden Stück für Stück gesetzlich verankert – all das geschieht freilich im Namen der Rechtmäßigkeit, gilt es doch dem Hass und der Hetze einen Riegel vorzuschieben. So könnte es geschehen, dass Sie verhaftet werden, weil Sie auf Ihrem Weblog oder auf Ihrer facebook-Seite die Meinung vertreten, der Anschlag von letzter Woche rieche verdächtig nach einer false flag Operation ausländischer Geheimdienste. Oder Sie scherzen „I feel like Charlie Coulibaly„. Glauben Sie nicht? Sollten Sie aber.

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P.S.: In Bezug auf die westlichen Angriffe gegen Moskau bin ich mir noch nicht im Klaren. Möchte Washington und London wieder den Kalten Krieg vom Zaun brechen? Geht es darum, jene geopolitische Ordnung herzustellen, die Orwell in seinem Roman 1984 vorausgeahnt hatte: Oceania, Eurasia, Eastasia? Washington (bzw. jene, die Washington kontrollieren) scheinen jedenfalls Moskau unter Putin in die Knie zwingen zu wollen. Deshalb der fallende Ölpreis, deshalb der Boykott, deshalb die Schmierkampagnen des westlichen Mainstreams. Oder hat alles nur mit Syrien zu tun? Mit Iran? Da Moskau mit diesen beiden Ländern eng verbunden ist, steht es einer möglichen westlichen Militär-Intervention im Wege. Tel Aviv macht bekanntlich keinen Hehl daraus, gegen Iran Krieg führen zu wollen. Und in Syrien tauchen immer wieder (muslimische) Rebellenfraktionen auf, gut ausgerüstet und instruiert, deren Ziel es sein dürfte, nach dem Zusammenbruch der syrischen Streitkräfte eine pro-westliche Regierung einzusetzen.

Apropos Ukraine. Politik und Politiker anno 2014

Bravo_Kasperl_Cover2Ich weiß nicht, ob Sie sich schon jemals gefragt haben, wie Politiker, die im Rampenlicht stehen, zu ihren doch recht wichtigen Entscheidungen gelangen. Würfeln sie? Befragen sie das Orakel von Delphi? Lassen sie sich von ihrem Beraterstab beraten, führen, gar lenken? Wie auch immer die Antwort ausfällt, für mich steht fest, dass aktive Politiker primär Marionetten sind, die tun, was ihnen die Schnüre sagen. Verschwörungs-theoretisch gesprochen, sind sie nur „Gebrauchsmaterial“ in den Händen des Establishments. Realpolitik 2.0, sozusagen. Falls Sie es genauer wissen wollen, in ein paar Wochen sollte mein Sachbuch Con$piracy erhältlich sein. Freilich nur in einer vorläufigen Advance Reading Copy, sprich Lese-Exemplar. Wir wollen ja keine schlafenden Hunde wecken, nicht?

Bezüglich der Sache mit Russland, der Ukraine und dem Zankapfel Krim, nun, da dürften die Wellen im Moment ziemlich hochschlagen. Den Mainstream-Medien sei Dank, wird der westliche Bürger seit Tagen und Wochen mit „Fakten“ der Ereignisse überschüttet. Freilich, die „Wahrheit“, wenn man so will, lässt sich nicht in ein Boulevardformat bringen. In den Worten von Daniel Ellsberg heißt es: »Du musst kein Ichthyologe [Fischkundler] sein, um zu wissen, dass ein Fisch stinkt.« Deshalb dachte ich mir, ich lasse Sie an dieser Stelle mal die andere Seite lesen. Der russische Präsident Putin hat eine Ansprache gehalten, in der es um die Problematik rund um die Krim geht. Sie ist gut zu lesen, stimmig und sollte jedem aufgeklärten Bürger ein Verständnis der verzwickten realpolitischen Situation geben. Dass Washington, London und Berlin dem Kreml die Rute ins Fenster stellen ist freilich geopolitisches Kalkül. Wir haben es – wie so oft – um eine monströse Scheinheiligkeit zu tun. Freilich, das möchten Sie nicht glauben. Ja, ich weiß, es tut weh, wenn man erfährt, dass der Kasperl nur die Erfindung einer elitären Oberschicht – die Erwachsenen – ist. Gewiss, sie wollen doch nur das Beste für ihre Kinder. Was für eine Kasperliade.