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Eine restaurierte Fassung: Der dritte Mann

Denk daran, was Mussolini gesagt hat: In den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michaelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe. 500 Jahre Demokratie und Frieden. Was haben wir davon? Die Kuckucksuhr.

[Deutsche Synchronfassung]: You know what the fellow said: in Italy for thirty years under the Borgias they had warfare, terror, murder, bloodshed — and they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland they had brotherly love, five hundred years of democracy and peace. And what did that produce? The cuckoo clock.
Harry Lime
Text von Orson Welles

Falls Sie den Filmklassiker noch nicht gesehen haben, voilà, es gibt nun eine restaurierte Fassung von RealtoPictures im 4K-Format. Wann diese Fassung, die im Moment auf US-Tour ist, auf eine Scheibe gepresst wird, steht in den Sternen. Freilich, Sie können bis dahin stilgerecht ins Wiener Burgkino gehen, um Orson Welles im Abwasserkanal plantschen zu sehen. Und danach müssen Sie sich natürlich meine im Taschenbuchformat gehaltene humoristische Hommage Schwarzkopf zu Gemüte führen. Sie werden viel zu lachen und das eine oder andere Aha-Erlebnis haben. Garantiert.

Übrigens, im Sommer 1948 dürfte das ausgebombte Wien wieder zur Normalität zurückgefunden haben. Beeindruckende Leistung, nicht wahr?

Greene returned to Vienna with Reed in July 1948 to begin scouting locations, and was disappointed to learn that much of the city’s rubble had been cleaned away and that life was gradually returning to normal.

Nolans Interstellar – NASA-Märchen oder Kubrick-Symbolismus?

Ja, die Menschheit will hoch hinaus.
Ja, die Menschheit will hoch hinaus.

Gestern, yep, Christopher Nolans Science-Fiction-Melodram Interstellar (imdb) auf der großen Leinwand gesehen. Schlappe 169 Minuten dauert diese emotional-ko(s)mische Achterbahnfahrt und am Ende ist man – wenigstens als Skeptiker – nicht schlauer als zuvor. Ich habe mir den Kopf zermartert, aber es will mir nicht und nicht klar werden, ob der gute Nolan nur einen grenz-genialen Plunder abgeliefert hat, der primär auf die Tränendrüse abzielt und gleichzeitig als perfekte NASA-Propaganda funktioniert. Oder ist es genau andersrum und der ko(s)misch-verstaubte Endzeitfilm, versehen mit dem Hollywood-Gütesiegel, angereichert mit geheimnisvollen Symboliken und versteckten Hinweisen, die eines Kubricks würdig sind, soll dem gewöhnlichen Bürger auf die Sprünge helfen.

Something unknown is doing we don’t know what.

Definition der Quanten-Theorie von Physiker, Mathematiker und Astronom Arthur Eddington (1882-1944)

Meine ersten Gedanken, ich will sie dem Leser nicht vorenthalten – gingen dahin, dass es sich bei Interstellar – wie bereits bei Gravity – um eine gelungene NASA-Propaganda-Arbeit handelt. Bestes Beispiel dafür ist jene Szene, zu Beginn des Nolan-Films, in der eine Lehrerin festhält, dass die Schulbücher in Bezug auf die Apollo-Mondlandungen überarbeitet wurden, da diese nicht stattgefunden hätten (sondern inszeniert, um die UdSSR im Kalten Krieg auszustechen). Gut möglich also, dass Gravity und Interstellar vor allem deshalb gemacht wurden, um den Boden für dieses zukünftige Mea Culpa zu bereiten. Klingt das jetzt in Ihren Ohren absurd und an den Haaren herbeigezogen? Dann haben Sie noch nicht Interstellar gesehen oder Kommentare gelesen, die den Film raketenhaft in den Himmel loben bzw. Kritiker in den Erdboden stampfen (siehe The Spectator oder Vanity Fair) und dabei punktgenau unter die Gürtellinie zielen*.

* Sagen Sie jetzt bloß, Sie hätten gewusst, was Reviewer on the rag bedeutet?!