richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

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Was der Frauenfußball über unsere Welt verrät

Frauenfussball

Die Fußballeuropameisterschaft 2017 der Frauen stand und steht ganz im Zeichen der Underdogs. Allen voran das österreichische Team, das als Außenseiter ins Turnier gestartet ist und es – unglaublich, aber wahr – bis ins Halbfinale schaffte. Mann und Frau dürfen sehr stolz auf die Töchter der Nation sein, die sich den 3. Platz mit England teilen. Das Finale bestreiten Dänemark und die Niederlande. Top-Favorit Deutschland – Europameister in Serie – scheiterte bereits überraschend im Achtelfinale an Dänemark. Auch das kommt mal vor.

In der Euphorie dieses kleinen oder großen Fußballwunders habe ich ein wenig über das Balltreten der Damen nachgedacht. In den Spielen der Österreicherinnen gegen Island und Dänemark ist mir die Homogenität der Teams – darf man überhaupt noch Mannschaft sagen? – aufgefallen. Hervorstechend – in jeder Hinsicht – die Dänin Nadja Nadim, deren afghanische Wurzeln nicht zu verleugnen sind. Wäre es nicht verpönt, würde ich mit dem Klischee einer orientalischen Prinzessin aus 1000 und einer Nacht aufwarten. Neben ihrer verspielten Fußballtechnik und den vorhandenen äußeren Reizen dürfte sie auch noch blitzgescheit sein – studiert sie doch Medizin. Ansonsten konnte ich keine Nadims in den Teams ausmachen. Warum eigentlich nicht?

Versuchen wir doch mal den Frauenfußball dazu zu verwenden, die Welt, in der wir gerade leben, zu erklären. Nennen wir es einfach eine fabelhafte Analogie.

Stellen Sie sich vor, gewissen Kreisen ist diese Homogenität in den Nationalmannschaften der Frauen ein Dorn im Auge. Sie wollen mehr Diversität, kulturelle, geschlechtliche und religiöse Vielfalt, auf dem Rasen sehen. Auf die Frage, warum, geben sie viele und auch keine Antworten. Europa, heißt es beispielsweise, müsse lernen, multikultureller und liberaler zu werden, einfach, weil es in der globalisierten und freien Welt nicht anders ginge. Und ehe man und frau sich versieht, werden Regelungen beschlossen, Gesetze verabschiedet und Quoten festgelegt. All das, liest man, geschehe im Zeichen der Humanität und eines grenzenlosen Europas.

Jene, die diesbezüglich ihre guten wie schlechten Einwände oder Anmerkungen haben, werden kurzerhand auf die rechte Außenposition gestellt und damit zum Schweigen gebracht. Eine breite Diskussion findet deshalb de facto nicht statt. Ein Armutszeugnis für jede demokratische Gesellschaft, wenn sie dem Gesetzgeber erlaubt, Rede- und Meinungsfreiheit zu relativieren, um politische Ziele durchzusetzen und abzusichern

Um der Diskussion Anstoß zu geben, könnte man zu folgender Frage greifen: Soll das Augenmerk der Frauenfußballnationalmannschaft in Zukunft auf dem Siegen oder dem Mitspielen liegen? Ist es der olympische Gedanke („Dabeisein ist alles“), der verfolgt werden soll, dann sind Quotenregelungen in Ordnung und vielleicht sogar wünschenswert. Ist es aber die ernsthafte Absicht, Spiele und Turniere zu gewinnen, dann muss diesem Ziel alles andere untergeordnet werden und Quotenregelungen sowie Einschränkungen (!) dürfen nicht zur Anwendung kommen.

Das eine, so würde ich es beschreiben, ist eine natürliche, das andere eine künstliche Erweiterung des Spielerinnenpools. Das eine führt (vermutlich) zu Integration und Verständigung, das andere (vermutlich) zu Gruppenbildung und Misstrauen. Aber was weiß ich schon. Am besten, Sie spielen das eine und das andere Szenario im Kopf durch und machen sich selbst ein Bild. Und dann, dann heißt es: Faites vos jeux, Mesdames et Messieurs. Aber laufen Sie mir ja nicht in die Abseitsfalle!

Übrigens, die Gehaltsschere zwischen Damen- und Herrenfußball ist enorm. So verdient eine niederländischen Spitzenspielerin beim FC Barcelona gerade mal € 200.000,- pro Jahr. Das streichen andere – bei den Männern – in der Woche ein. Ist das gerecht? Sollte hier nicht politisch interveniert werden? Sagen Sie bloß, es gibt gute Gründe, warum der eine um Häuser mehr verdient als die andere, schließlich spielen beide 90 Minuten Fußball und trainieren unter der Woche ihren Muskelkater. Die Zuschauerzahlen? Die TV-Rechte? Die Sponsorgelder? Kruzitürken, warum muss alles immer so kompliziert sein, wenn man sich in Details verliert.

 

WM2014: Tag #24 Kleines Finale Brasilien : Niederlande

Brasilien : Niederlande 0:3

Schlapperlot. Ist es wirklich denkbar, dass ein einziger Spieler den Unterschied ausmacht? Einen eklatanten Unterschied? In den letzten beiden Spielen der brasilianischen Nationalmannschaft fehlte Neymar. Ergebnis: zwei Niederlagen mit einem Gesamtscore von 10:1. Das gibt einem dann doch zu denken. Erinnern wir uns zurück: Gegen die mexikanische Mannschaft erreichte die Seleção in der Gruppenphase zwar nur ein torloses Remis, hatte aber mehr vom Spiel und hätte durchaus gewinnen können. Die Niederlande wiederum, die im Achtelfinale gegen Mexiko ran mussten, wäre beinahe gescheitert. Wie ist es also zu verstehen, dass das gestrige Spiel zwischen Brasilien und Niederlande so einseitig ausfiel? Waren es die psychischen Auswirkungen der 7:1-Schlappe, die das brasilianische Team hemmten? Oder war es am Ende tatsächlich die Absenz von Neymar, ihrem gehypten Superstar, der zum Team-Maskottchen erkoren wurde?

Kommen wir zum Spiel um den dritten Platz. Die Niederlande agierten befreiter, offensiver – vor allem, weil es die nötigen Räume dafür gab – die Brasilianer boten sie ihrem Gegner förmlich an. Es dauerte ganze zwei Minuten, bis Robben in eine Lücke der Verteidigung stoßen und aufs Tor sprinten konnte; Thiago Silva war es, der den enteilenden Robben mit einem leichten Zupfer am Trikot zu Fall bringt – außerhalb des Strafraums, aber Robben fiel in den Strafraum. Der algerische Schiedsrichter war mit dieser Situation überfordert: er entschied auf Elfmeter und zeigte Silva den gelben Karton. Hätte es nicht der rote sein müssen? War es nicht das Schulbeispiel eines Torraubs? Vielleicht versuchte der Schiedsrichter mit zwei Fehlentscheidungen eine richtige Entscheidung treffen: statt eines Freistoßes an der Strafraumgrenze und dem Ausschluss von Silva besser einen Elfmeter pfeifen und eine gelbe Karte geben. Wie dürfen nicht vergessen, dass es sich hier „nur“ um das kleine Finale, einer lästigen Pflicht für beide Mannschaften handelte. Mit dem Führungstreffer im Rücken, spielte es sich für die Niederländer natürlich noch leichter, während die Brasilianer erneut zwischen Verzweiflung und Selbstaufgabe pendelten. Einzig Oscar fand nach einer Weile ein wenig Selbstvertrauen, versuchte es mit Dribblings, mit der einen oder anderen Idee, aber es blieb im Ganzen nur Stückwerk. Die brasilianische Mannschaft war auch an diesem Tag völlig von der Rolle. David Luiz, man möchte es nicht glauben, stolperte sich von einem Fehler zum anderen, ja, legte dann sogar das zweite Tor für die Niederländer mustergültig auf. Unfassbar! Dass in der zweiten Hälfte die Brasilianer mit Härteeinlagen ins Spiel zurückfinden wollten, war an Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Die Schiedsrichterleistung war, leider, ebenfalls erbärmlich. So hätte in diesem Spiel Brasilien der eine oder andere Elfmeter zugesprochen werden müssen. Stattdessen ahndete der Schiedsrichter eine Schwalbe bzw. ließ nach einem Handspiel im Strafraum weiterspielen. Andererseits hätten zu diesem Zeitpunkt wohl nur noch 9 Brasilianer auf dem Feld stehen dürfen. Tja. Vielleicht hat sich ja am Ende alles wieder ausgeglichen, wer weiß, wer weiß. Die brasilianische Nationalmannschaft, so viel steht jedenfalls fest, ist ein Scherbenhaufen. Trainer Scolari hat auf die falschen Pferde gesetzt, hat hoch gepokert und ist tief gefallen. Trainer van Gaal hat vorgezeigt, wie man aus einer durchschnittlichen Mannschaft, mit einem Superstar in Bestform, das Maximum herausholt – vorausgesetzt, es verlässt einen nicht das Glück und die Schwalben.

Der klare Sieg der Niederländer über die Brasilianer zeigt, dass der Kantersieg der Deutschen so gut wie keine Aussagekraft besitzt. Weil, wäre es bei dem gestrigen Spiel um den Einzug ins Finale gegangen, hätten die Holländer mit Sicherheit diese desolate brasilianische Mannschaft aus dem Stadion geschossen. Dabei dürfte diese brasilianische Mannschaft noch die stärkere gewesen sein – war doch Thiago Silva wieder in der Mannschaft und wechselte Scolari die formschwachen Spieler aus. Bedenken wir weiters, dass Robben im Spiel gegen Argentinien ein einziges Mal in den Strafraum sprinten konnte – das war gegen Ende der regulären Spielzeit. Im Vergleich dazu brauchte es gestern nur zwei Minuten. Daran kann man schon erkennen, mit welchem Defensiv-Wasser die Argentinier gewaschen sind.

Jetzt warten wir mal aufs Finale …

WM2014: Tag #23 Halbfinale Argentinien : Niederlande 0:0 4:2 n.E.

Argentinien : Niederlande 0:0  4:2 n. E.

Es war wohl zu erwarten, diese Nullnummer nach 120 Minuten. Weil beide Mannschaften bis dato auf eine stabile Defensive, disziplinierte Ordnung und kontrollierte Offensive setzten. Will heißen: hinten dicht machen und hoffen, dass vorne irgendwie das Tor gelingt. Dass diese „griechische“ Taktik Erfolg hatte und beide Mannschaften ins Halbfinale führte, ist vor allem Messi respektive Robben zu verdanken. Vor Nachahmung wird deshalb gewarnt. Mit einem ähnlichen Spielkonzept reisen übrigens für gewöhnlich die Underdogs, die Außenseiter zu einer Weltmeisterschaft – deren Trainer wissen, dass es gegen große Mannschaften nichts zu holen gibt, würde man ein offenes Spiel wagen. So macht es fußballerisch Sinn, dass beispielsweise der Iran oder Algerien – durchaus erfolgreich – auf diese Taktik setzten. Überraschend ist, dass sich solch große Kaliber wie Argentinien und Niederlande dieser Taktik bedienen. Bedeutet es nicht im Umkehrschluss, dass sie auf einer Stufe mit dem Iran oder Algerien zu stellen sind – von ihrer fußballerischen Einstellung her gesehen?

Das gestrige Halbfinalspiel erinnerte an das Achtelfinale zwischen Argentinien und der Schweiz. Der einzige Unterschied mag sein, dass damals die Entscheidung nicht im Elfmeterschießen, sondern gerade noch rechtzeitig vor Ende der Verlängerung durch ein Tor von Di Maria fiel. Aber sonst gab es nichts Neues unter der brasilianischen Sonne. Offensivfußball oder wenigstens die Intention, ein Tor aus dem Spiel heraus zu machen, fehlte. Risiko wollte keine der beiden Mannschaften nehmen. Hin und wieder erreichte das Aufflackern eines gefährlichen Spielzugs das müde Auge des Zuschauers. Für Sofa-Taktiker und Couch-Analytiker war es natürlich eine Lehrstunde des modernen Catenaccios. Ob man das sehen möchte, als Fußballfan, diese Frage wird erst gar nicht von Trainern und Funktionären gestellt. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel und ein Sieg ist, ja, ein Sieg. Das erste Halbfinalspiel hat deutlichst gezeigt, was geschieht, wenn eine Mannschaft Ordnung, Disziplin und Kopf gegen ein Weltklasse-Team verliert. Gut möglich, dass diese siebentorige Demütigung viele Teamtrainer anhält, ihrem Spielkonzept noch mehr Beton beizumischen. Die Argentinier, davon können wir mal ausgehen, werden für das Finale die Betonmischmaschine (Made in Italy) anwerfen. Verständlich.

Das argentinische Team hat mir gestern besser gefallen als jenes der Niederländer. Vielleicht haben die Südamerikaner um ein Alzerl mehr Fußball spielen wollen, aber mit Sicherheit haben sie mehr gekämpft und geblutet und sich den einen oder anderen Brummschädel abgeholt. Das verdient Respekt und Hochachtung.  Noch mehr, wenn man sich vor Augen führt, dass die Mannschaft mit Beginn der zweiten Halbzeit mit einem Mann weniger auskommen musste. Messi, obwohl (angeblich) am Spielfeld, war nicht zu sehen. Aber diese potenzielle Torgefahr, die er ausstrahlte, schreckte die Niederländer dann doch so sehr, dass sie immer ein Auge auf Messi hatten, ja, Trainer van Gaal ging sogar so weit, ihm einen Sonderbewacher zur Seite zu stellen. Damit zementierte der Trainerfuchs aber in den Köpfen seiner Spieler, dass dieser Messi – so unscheinbar er gestern wirkte – tödlich gefährlich sein müsse und wehe, man würde ihn auch nur für einen Augenblick von der Leine lassen. Ob das der niederländischen Entscheidungsfindung geholfen hat, wage ich zu bezweifeln.

Und Robben? Ja, der war auch am Feld und spielte mit. Versuchte es wenigstens. Aber gibt ihm der Gegner, der tief steht, wenig Raum, sichert dieser die Seiten doppelt ab, dann kann Robben keine Geschwindigkeit aufnehmen, ergo verpufft die Gefährlichkeit des niederländischen Ausnahmekünstlers. Wenn ich mich recht erinnere, war Robben in den 120 Minuten gerade ein Mal im gegnerischen Strafraum – wurde aber durch den überragenden Mascherano fair vom Ball getrennt. Torschüsse der Niederländer im ganzen Spiel? Nüll! Bei Messi gab es in der ersten Hälfte Ansätze eines Dribblings. Hört, hört. Und die zwei argentinischen Chancen, die möchte ich natürlich erwähnen. Auch schon was.

Höhepunkte im Spiels gab es keine. Das Elfmeterschießen war dann natürlich an Spannung nicht zu überbieten, weil der niederländische Innenverteidiger Vlaar gleich mit seinem ersten Schuss am argentinischen Torhüter scheiterte. Dumm gelaufen. Noch mehr, da Sneijder, ja, Sneijder seinen Elfmeter ebenfalls nicht verwandeln konnte. Wer hätte das gedacht? Die argentinischen Schützen ließen auf der anderen Seite nichts anbrennen. Das war’s dann auch schon wieder, mit Spannung.

Auf das Finale zwischen Deutschland und Argentinien darf man sich als Couch-Analytiker freuen. Immerhin gilt es zu beobachten, was Trainer Löw gegen diesen disziplinierten und bestens geordneten Gegner aus dem Taktik-Hut zaubern wird. Messi, so unscheinbar er auch wirken mag, er ist und bleibt torgefährlich und kann – wie er bereits mehrmals bewiesen hat – im Alleingang ein Spiel entscheiden. Setzt Löw deshalb ebenfalls auf einen Begleitservice? Da Deutschland als Favorit in das Finale geht, wird die Mannschaft das Spiel machen müssen. Das argentinische Team kann demnach das eingespielte Defensivsystem beibehalten, muss aber hoffen, dass der Gegner kein Tor macht – beispielsweise durch eine Standardsituation. Denn wenn das Turnier eines gezeigt hat, dann ist es, dass eine argentinische Mannschaft im Offensivmodus auf ziemlich wackeligen Beinen steht. Und wenn ich eines ganz sicher nicht sehen möchte, am 13. Juli, dann ist es eine einseitige Angelegenheit oder eine weitere Demütigung. Wie dem auch sei, möge die bessere Mannschaft gewinnen.

EM 2012 – Spieltag 10 – DEU : DNK und POR : NL – Revolution abgesagt

Deutschland : Dänemark 2:1           Portugal : Niederlande 2:1

Also gut. Es gab keine Überraschungen. Wobei, es dauerte ein Weilchen, bis die Sache für Deutschland und Portugal in trockene Tücher lag. Wenigstens, so viel steht fest, sind die beiden besseren Mannschaft in der Gruppe B aufgestiegen. Das ist ja nicht immer so – schlag nach bei Gruppe A.

Die Dänen sind ein ähnliches Faszinosum wie die Griechen. Hängt es damit zusammen, dass beide als Underdog eine Europameisterschaft für sich entscheiden konnten? Freilich, im Gegensatz zu den Griechen scheiterten die Dänen am Ende doch. Aber sie zogen sich recht anständig aus der, man könnte sagen: aussichtslosen Affäre und machten das Spiel gegen Deutschland noch spannend. Erst als der neue Mann, ein gewisser Bender (für den gesperrten Boateng aufgelaufen), den Konter vortrefflich abschloss, war die Sache gegessen. Dabei wäre der Stanglpass gar nicht für ihn gewesen. Hier sieht man wieder, wie wichtig es ist, wenn der Außenverteidiger nicht nur Mut und Entschlossenheit, sondern auch eine Lunge wie ein Pferd hat. Immerhin darf er die ganzen 90 Minuten rauf und runter laufen – so er gewillt ist, den Ball offensiv in die gegnerische Hälfte zu bringen. Deshalb sehe man sich bei der Aufstellung einer Mannschaft die Außenverteidiger an. Bei den Niederlanden konnte man gut erkennen, dass die zwei Spieler – einmal rechts, einmal links – nicht gerade zu den Auserwählten gehören. Kein Wunder also, wenn bei den Holländern irgendwie der Wurm drinnen steckt. Davon später mehr.

Bleiben wir bei den Deutschen, deren Spiel ich gestern livehaftig gesehen habe, während das der Portugiesen und Niederländer nur Ausschnittsweise zu bewundern war. Dass der ARD/ZDF beide Spiele live überträgt ist natürlich eine feine Sache, da man – je nach Spannungsgrad – hin und her springen kann. Welch Zufall, als in der gestrigen Fußballrunde auf das Portugalspiel gewechselt wurde und – schwupp – Ronaldo unnachahmlich nach vor sprintete und den – erlösenden – Führungstreffer machte. Das war in der 74. Minute. Damit hätte Deutschland, trotz zweier Siege, noch nach Hause fahren müssen, wäre den Dänen der Sieg gelungen. Wäre einer ihrer (wenigen) Schüsse nicht um Zentimeter am Tor vorbeigestrichen, hui, es hätte ein deutsches Tränenmeer gegeben. Na, spielerisch konnten die Dänen mit den Deutschen sowieso nicht mithalten. Was mich am meisten verblüffte, das war die dänische Abwehr, die Hühnerstall-Charakter hatte. Gerade in den Anfangsminuten, als man die Deutschen in den Strafraum kombinieren ließ und so Gomez und Müller die unglaublichsten Chancen auf den Fuß legte, die diese aber – ungeschickt – nicht zu nutzen wussten.

Im nächsten Spiel bekommen es die Deutschen mit den Griechen zu tun, die ähnliche Tugenden wie die Dänen aufweisen (immer für ein Tor gut), mit der Ausnahme einer löchrigen Abwehr (zugegeben, in den ersten beiden Spielen war sie in den Anfangsminuten zumeist indisponiert). Ich gehe davon aus, dass es ein eher verhaltenes, verkrampftes Spiel sein wird. Die Griechen, bestrebt das Spiel der Deutschen zu zerstören und in der Defensive nichts anbrennen zu lassen, werden auf ihre Chance im Konter und bei Standardsituationen warten. Die Deutschen, auch nicht blöd, werden aus einer gesicherten Abwehr spielen. Trainer Löw (ja, er trainierte einst den FC Tirol und die Wiener Austria!) hat den Mut nicht mit dem Löffel gefressen, wie man so schön sagt und wird wieder mit dem defensiveren Boateng, an Stelle von Lars Bender beginnen und diesen erst dann bringen, wenn die Kacke am Dampfen ist.

Die Portugiesen sind meines Erachtens zu recht aufgestiegen. Sie haben zwar gegen die Deutschen verloren, aber es war unglücklich und knapp. Den Portugiesen fehlt zumeist das letzte Quentchen Wille. Gegen die deutsche Nationalelf wurden sie erst munter, als sie den Treffer kassierten. Christiano Ronaldo konnte das Glück zwingen und avancierte gegen die Niederländer zum Matchwinner. Im nächsten Spiel, gegen mittelmäßige Tschechen, dürfte er wieder Gelegenheit bekommen, sich in Szene zu setzen. Es müsste schon mit dem tschechischen Teufel zugehen, sollten die Portugiesen scheitern. Wenn also alles nach Plan läuft, dann sehen wir eine dampfende portugiesische Nationalmannschaft, die sich – endlich, endlich – an den Deutschen revanchieren möchte. Da würde es mich nicht wundern, wenn sie in das teutonische Messer laufen. Aber lassen wir die Pferde besser noch im Stall.

Zu guter Letzt muss man sich natürlich über die Oranjes Gedanken machen. Schon 2010, als sie im WM Finale standen, war ich von ihrer Spielweise entsetzt. Hätte man meine damaligen Blog-Beiträge gelesen, vielleicht hätte man ein System gewählt, in der die neuen Spieler auch hineinpassen (O-Ton: »Weil sie ein Haufen von zusammengewürfelten Einzelspieler sind, die durch Einzelaktionen – Sneijders Weitschüssen sei Dank – den Sieg davontrugen.«) Tja. Warum die Niederlande vor zwei Jahren ins Finale kam, hatte damit zu tun, dass sie zumeist das glücklichere Ende für sich verbuchen konnten. Aber vorrangig war es ihre harte, destruktive Spielweise, die man ihnen zwischenzeitlich abgewöhnt hatte. Kein Wunder, dass ein sonst so heißblütiger Mark van Bommel absolut emotionslos auf dem Spielfeld dahintrabte – für mich ein sicheres Zeichen, dass es an der Zeit ist, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

EM 2012 – Spieltag 6 – GER : NL – Holländischer Käse, der zum Himmel stinkt

Deutschland : Niederlande 2:1

Meine Güte, was für ein trostloses Fußballspiel. Immer dieser gekünstelte Hype um das eine oder andere Spiel und dann, wenn es los geht, merkt man nichts davon. Jedenfalls nicht am Fußballfeld. Da wird der Ball hin- und hergeschoben, da wird abgewartet, da wird taktiert. Derweil hätte die Niederlande ordentlich Gas geben müssen. Gerade gegen eine erstarkende deutsche Mannschaft. Aber die spielerischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig. Im Besonderen in der Defensive. Erinnern wir uns daran, dass noch vor Jahren ein Flügelverteidiger namens van Bronckhorst die linke Seite ordentlich bestürmte. Dass es die Niederländer waren, die das moderne Flügelspiel perfekt beherrschten. Tja. Die Zeiten sind wohl endgültig passé. Was nutzen ein (ego-zentrierter) Robben, ein (ver)spiel-machender Snijder und ein (un)glücklicher van Persie, wenn die Defensivabteilung völlig verblasst. Van Bommel, dieser sonst so emotionsgeladene Sechser (die Position liegt zwischen Verteidigung und Offensives Mittelfeld und soll den Raum für mögliche Angriffe im Zentrum eng machen), von ihm war nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu spüren. De Jong? Der zweite Sechser! Auch nicht besser. Und die Vierer-Kette? Zum Vergessen.

Wäre ich Niederländer, ich würde weinen. Weil man es scheinbar verabsäumte, rechtzeitig frisches Blut in das Althergebrachte zu pumpen. Ich sagte es schon vor zwei Jahren, als die Niederländer im Finale der WM spielten. Sie hatten mehr Glück als Qualität, so weit zu kommen. Jetzt rächt es sich, immer nur auf die Offensiv-Abteilung vertraut zu haben. Während der Trainer vorne zwischen Huntelaar und van Persie wählen muss, kann er hinten nur nehmen, was einigermaßen robust aussieht, tätowiert ist und laufen kann. Rein theoretisch könnten es die Niederländer sogar noch ins Viertelfinale schaffen – dazu müssten sie »nur« gegen die Portugiesen gewinnen und die Dänen verlieren. Schwupp, schon sind sie dabei. Wir wollen es zwar nicht hoffen, aber es gibt ja bekanntlich nichts tristeres als einer Mannschaft zusehen zu müssen, wie sie sich redlich abbmüht, eine gute Leistung abzurufen, obwohl es ja um nix mehr geht. Es sei denn, die Mannschaft kann einer anderen noch ans Bein pinkeln. Da kommen die Portugiesen vielleicht gerade recht. Legendär das Spiel, besser: Schlacht von Niederlande gegen Portugal bei der WM 2006, als der Schiedsrichter zwölf gelbe und vier gelb-rote Karten austeilte. Das war Emotion auf höchstem Niveau. Noch jetzt habe ich auf meinem PC eine TV-Zusammenfassung dieses Spiels und sehe es mir hin und wieder an.

Und die deutsche Elf? Hat gewonnen. Nicht überragend gespielt. Schnörkellos. Durchaus mit Fehlern im Defensiv-Spiel. Aber Gomez macht Tore, die andere vernebeln. Beinahe unheimlich, wie man solch einen Lauf haben kann. Im nächsten Spiel, da reicht ja schon ein Unentschieden, geht es gegen die Silvesterkracher aus Dänemark. Gut möglich, dass die Nordmänner ein ernsthafterer Test für die Löw-Truppe wird, als es am Papier steht. Vielleicht ist hier auch der Wunsch Vater des Gedanken. Aber die dänische Effizienz ist nicht von schlechten Eltern.