richard k. breuer

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Was steckt hinter Wikileaks Vault 7?

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Wikileaks verlautbarte, dass es unter dem Titel Vault 7 eine Reihe von vertraulichen CIA-Dokumenten veröffentlichen würde. Der erste Teil der Serie, genannt Year Zero, ist nun seit Dienstag, 7. März 2017, abrufbar: 8.761 Dokumente und Files, die aus einem isolierten Hochsicherheitsnetzwerk innerhalb der CIAs Center for Cyber Intelligence (Langley, Virgina) stammen, können eingesehen werden. Es wird wohl seine Zeit brauchen, bis all die Informationen ausgewertet werden können. Jeder ist eingeladen, sich an der Schnitzeljagd zu beteiligen.

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NSA, PRISM, Snowden und der verdächtige Gleichschritt der Medien

Die letzten Wochen rumorte es ordentlich im Blätter- und Nachrichtenwald, als bekannt wurde, dass US-Behörden systematisch auf private Internet- und Mobilfunk-Nutzerdaten zugreifen würden [Stichwort: PRISM]. Die britische Tageszeitung Guardian unterhält einen Live-Blog über die Ereignisse rund um den Whistleblower und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der die Sache medial ins Rollen brachte und zwischenzeitlich in Hong Kong untergetaucht ist. Ähnlichkeiten zu Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange und dem internationalen Medienspektakel [»media frenzy«], das er auslöste, sind nicht zu übersehen – weshalb für mich feststeht, dass hier etwas zum [Medien]Himmel stinkt.

Sehen Sie, immer dann, wenn es ein internationales Medienspektakel gibt, dann sollten Sie sich die Frage stellen: Warum gerade jetzt? War es eine Neuigkeit, dass US-Behörden ihren Bürgern in der digitalen Welt nachspionieren? Definitiv nicht. Seit Jahren erfährt der skeptische Bürger immer wieder von den Möglichkeiten und Absichten der Behörden [siehe auch dass 2003 – angeblich – eingestellte US-Programm Total Information Awareness]. Man muss dabei nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um zu erkennen, wohin der Zug rollt. Auf den Punkt brachte es der wortgewaltige ehemalige US-Richter am obersten Gerichtshof von New Jersey, Andrew P. Napolitano, der bereits vor einem Jahr in der Washington Post auf US-Senator Rand Pauls Kommentar aufmerksam machte, der davon sprach, dass die amerikanischen Behörden die Privatsphäre der Bürger nicht ein- oder zweimal verletzten, sondern »Trillionen Mal« [im Original spricht er von ‚Gazillions‘]. Senator Paul wusste es deshalb, weil es ihm die Geheimdienstchefs hinter verschlossener Tür erzählen mussten. Der Medienaufschrei hielt sich darüber freilich in Grenzen. Oder ist diese Nachricht bis zu Ihnen durchgedrungen?

Und im März 2013 berichtete der ehemalige NSA-Mitarbeiter James Bamford im Magazin WIRED, dass die US-Behörden das größte Spionagezentrum der Welt in Utah errichten würden – für rund 2 Milliarden Dollar. In den weitläufigen Räumlichkeiten würden dann enorme Datenbanken und Datenserver für beinahe unendliche Speicher- und Rechnerkapazitäten sorgen, um den digitalen Kommunikationsfluss zu entschlüsseln und festzuhalten:

Flowing through its servers and routers and stored in near-bottomless databases will be all forms of communication, including the complete contents of private emails, cell phone calls, and Google searches, as well as all sorts of personal data trails—parking receipts, travel itineraries, bookstore purchases, and other digital “pocket litter.”

Also? Warum interessiert sich plötzlich die ganze Medienwelt für einen jungen Kerl und die [virtuellen] Spionageabsichten der Behörden? Während sie Internet-Aktivisten Aaron Swartz – im wahrsten Sinne des Wortes – [er]hängen haben lassen. Nachzulesen im Artikel des Rolling Stone Magazines. Um zu verstehen, warum Aaron Swartz eine Gefahr für das System darstellte, der muss sich nur seinen Blogbeitrag Fix the machine, not the person in einer stillen Stunde zu Gemüte führen. Oder sein Guerilla Open Access Manifesto. Ja, solche Leute wie Swartz werden medial unter den Teppich gekehrt und tot geschwiegen, während all diese Assanges und Snowdons ins grelle Mainstream-Scheinwerferlicht gerückt werden. Finden Sie das nicht ein wenig merkwürdig – um nicht zu sagen: verdächtig?