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Wenn der Manager zum Politiker wird

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Wirtschaft und Politik auf den Punkt gebracht!

In der ZIB2 vom 11.05.2016 wurde der Voestalpine Chef Wolfgang Eder gefragt, ob ein Manager auch Bundeskanzler werden kann. Seine Antwort:

»Von den Grundproblemen her ist es durchaus vergleichbar. Ein großes Unternehmen zu führen, heißt: zu organisieren, heißt: zu führen, heißt: Ziele zu definieren, heißt: Konzepte zur Zielerreichung zu erstellen und genau dasselbe muss mit einem Land, mit einem Staat passieren.«

Ehrlich gesagt, es ist schon zum Haare raufen, dass solch ein Kommentar widerspruchslos im öffentlich-rechtlichen TV hingenommen wird. In Zeiten von TTIP, Polit-Technokraten und Konzerngiganten mag es natürlich auf der Hand liegen, dass die politische Entwicklung weg vom Volkstribun führt und in Richtung Manager auf Zeit geht. All das ist natürlich im Sinne des Establishments, nicht des gewöhnlichen Bürgers.

Sehen Sie, ein Manager führt einen Betrieb, weil er von den Eigentümern dazu bestellt worden ist. Die Eigentümer sind niemals die Arbeiter und Angestellten eines Betriebes (nennen wir es Demokratie), sondern Strohmänner (Vermögensgesellschaften, die Mehrheitsanteile halten), deren Eigentumsverhältnisse einem gordischen Knoten ähneln (nennen wir es Oligarchie).

Ein Unternehmen muss in erster Linie profitabel sein und darf, ja muss sogar auf Kosten von Belegschaft und Konsumenten gehen. Share holder value, nennt sich das dann und bedeutet nichts anderes, dass der Manager schon mal ein paar Leutchen auf die Straße werfen lassen und die Preise (in Absprache mit der Konkurrenz) in die Höhe schrauben kann, wenn die Kennzahlen den Eigentümern nicht gefallen.

Ein Manager geht über Leichen. Dafür wird er bezahlt. Dafür wird er belohnt. Deshalb sehen wir immer mehr Technokraten in politischen Ämtern. Nicht demokratisch gewählt, nein, sondern von »oben« eingesetzt.Siehe Griechenland, das unter einer Last von Einschnitten stöhnt und sich gesundschrumpfen soll. Was das in Wirklichkeit heißt, wird einem nicht gesagt, aber am Ende geht es darum, die nicht-profitablen Teile des Betriebes – also der Gesellschaft – abzustoßen, das heißt, zu entfernen. Mit anderen Worten: Wer nichts zum BiP beiträgt, soll in der Versenkung verschwinden. Die Bilanz hat immer das letzte Wort. Punktum.

Wenn die Chose so weiterläuft, und daran kann niemand mehr ernsthaft zweifeln, dann wird früher oder später auch die Frage aufkommen, ob nicht ein Manager Papst werden könne. Schließlich ist die katholische Kirche ja eine der größten Unternehmungen der Welt.

Dass Manager und Wirtschaft nicht die Lösung, sondern vielmehr das Problem in einer funktionierenden Gesellschaft sind, das getraut sich keiner zu sagen. Moment, es gab mal einen! Sir James Goldsmith, der sich vom raubtierkapitalistischen Saulus zum globalisierungsfeindlichen Paulus wandelte, sprach in einer Rede vor dem US Senat am 15. November 1994 die folgenden prophetischen Worte:

[meine Übersetzung:] »Wir [Unternehmer] haben alles gemacht, was in einem sozialen Sinne falsch war: Wir haben die Menschen vom Land entwurzelt, wir haben sie förmlich aus ihrer Umgebung herausgerissen, wir haben sie in Städte abgeschoben, wir haben ihnen keine Jobs gegeben, dafür Ghettos und das Sub-Proletariat geschaffen; die Verbrechensrate ging genauso hinauf wie die Drogenabhängigkeit, während die Familien auseinanderfielen – und all das in Zeiten einer extremen Hochkonjunktur. Warum? Weil wir nur an wirtschaftlichen Kennzahlen interessiert waren. Wir vergaßen, dass der Zweck von Wirtschaft nicht jener sein sollte, ständig Kennzahlen zu verbessern, sondern der Zweck von Wirtschaft ist vielmehr, den Wohlstand zu erhöhen, sowie soziale Stabilität und gesellschaftliche Zufriedenheit zu gewährleisten. Und [das Freihandelsabkommen] GATT [heute: TTIP] ist ein typisches Wirtschaftsinstrument um die Profite der Unternehmen zu steigern. Das Ergebnis wird die Zerstörung der gesellschaftlichen Stabilität sein, das weitere Auseinanderbrechen der Familien, erhöhte Kriminalität und Verarmung und all die anderen Krankheiten, an denen wir heute leiden.«

Demokratie? Eine angenehme Illusion.

Das Establishment dankt
Das Establishment dankt für die kostenlose Werbung, weil „keine Grenzen“ = „Globalisierung 2.0“

Morgen [25.05.2014] wird Europa wählen. Grund genug, darüber ein paar Worte zu verlieren.

»Das Ziel von Wahlen ist gegenwärtig, die Demokratie zu unterminieren. Die Wahlen werden von der PR-Industrie geleitet und diese versucht mit Sicherheit nicht, informierte Wähler hervorzubringen, die rationale Entscheidungen treffen. Sie versuchen Leute zu täuschen, damit diese irrationale Entscheidungen treffen. Die selben Techniken, die verwendet werden, um die Märkte zu unterminieren, werden verwendet, um die Demokratie zu unterminieren. Es ist eine der großen Industrien im Land und deren grundlegende Tätigkeiten gehen unsichtbar vonstatten«, schreibt Noam Chomsky.¹

Falls Sie immer noch der Meinung sind, dass man mit einem Kreuzchen auf einem Wahlzettel den Status Quo verändern kann, dann gehen Sie von der irrigen Annahme aus, dass Sie in einer Demokratie leben, in der das Volk entscheidet. Die Wahrheit, wenn man so will, sieht freilich anders aus, da nicht das Volk, sondern Vermögen (und die damit verbundene Macht) den größten Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Realität haben. Vor wenigen Wochen bestätigte eine Studie der Princeton University, dass die USA keine Demokratie, sondern vielmehr eine Oligarchie sei. In den Worten der beiden Professoren: »es zeigt sich, dass die Präferenzen des durchschnittlichen Amerikaners nur einen winzigen, gegen Null gehenden, statistisch nicht signifikanten Einfluss auf die öffentliche Politik haben.«²

Und da die Weltpolitik seit 1945 in Washington gemacht wird, können Sie davon ausgehen, dass kein Land dieser Erde jemals frei war und jemals demokratisch sein wird. Sie können dies gerne in meiner Arbeitsunterlage Con$piracy nachlesen. Will ich Sie jetzt durch diesen Artikel abhalten, wählen zu gehen? Natürlich nicht. Ich werde morgen den Wahlzettel ordnungsgemäß ausfüllen und damit der Welt bekunden, dass es einen Bürger gibt, der seinen demokratischen Pflichten nachkommt um seine demokratischen Rechte einzufordern. Beispielsweise die Meinungs- und die Redefreiheit. In den Worten von George Orwell: „Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet es das Recht, Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.“³

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¹ In our latest book, ›On Western Terrorism – from Hiroshima to Drone Warfare‹, Noam Chomsky commented on the ›democratic‹’ process in the Western world: „The goal of elections now is to undermine democracy. They are run by the public relations industry and they’re certainly not trying to create informed voters who’ll make rational choices. They are trying to delude people into making irrational choices. The same techniques that are used to undermine markets are used to undermine democracy. It’s one of the major industries in the country and its basic workings are invisible.“ counterpunch.org

² „the preferences of the average American appear to have only a minuscule, near-zero, statistically non-significant impact upon public policy.“ Eine kurze Zusammenfassung der Studie findet sich auf der Seite der BBC.

³ „If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear“, George Orwell im Vorwort zu seinem Buch Animal Farm (1946).