richard k. breuer

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Was, wenn die Historie nur eine hübsche, aber verfälschte Geschichte ist?

Chronology_Fomenko

Durch Zufall bin ich auf das kontroversielle Buch History Fiction or Science? Chronology 1 des russischen Mathematikers Anatoly T. Fomenko gestoßen, das sich mit der überlieferten Historie kritisch auseinandersetzt. Zusätzlich konnte ich eine mit englischen Untertitel versehene Dokumentation auf youtube finden, die einen ersten Einblick in die Techniken und Methoden der russischen Forschergruppe gewährt. Alles in allem, eine äußerst  spannende Auseinandersetzung mit der Geschichte, so wie wir sie kennen und in der Schule gelernt haben.

Die erste erstaunliche Entdeckung ist der Umstand, dass die Chronologie der antiken und mittelalterlichen Ereignisse – also die Datierung – erst ernsthaft im 16. Jahrhundert in Angriff genommen wurde. Am Anfang stand der Begründer der ‚modernen Chronologie als Wissenschaft‘: Iosephus Iustus Scaliger (1540-1609). Sein Werk wurde später von einem Jesuit namens Dionysius Petavius (1583-1652) abgeschlossen. Den beiden ist es also vornehmlich zu verdanken, dass sie Ordnung ins Chaos der Menschheitsgeschichte brachten. Erstaunlich, finden Sie nicht? Die Chronologie entstand in einer Epoche ohne Internet, ohne Scanner, ohne Telefon, ohne Fax, ohne Telegramm, ohne Xerox-Kopiergeräte! Das Reisen zu den Bibliotheken musste in jenen Tagen eine zeitraubende und teure Angelegenheit gewesen sein. Bedenken Sie, dass all die relevanten Bücher, Skripten, Textrollen und Folianten Originale oder die Abschriften von Originale waren. Versuchen Sie sich doch das jetzt einmal bildlich vorzustellen, die Nachforschungen, die Reisen, die Durchsicht der Kataloge – so es diese gab – in den Bibliotheken der Klöster in verschiedenen Ländern, die Übersetzung und Durchsicht antiker Schriften, die Einordnung, die Klassifizierung, die Systematik (die erst gefunden werden musste) der Datierung relevanter Ereignisse usw. Ist solch ein Mammutprojekt in einem Menschenleben überhaupt möglich?

Natürlich wurde die Scaliger-Petavius-Chronologie in späteren Jahren immer wieder ergänzt und korrigiert – im Großen und Ganzen aber basiert unsere Menschheitsgeschichte auf deren Werke. Was, wenn sich nun herausstellte, dass dieses fehler- und lückenhaft ist? Was, wenn sich herausstellte, dass es Widersprüche gibt, die mit herkömmlichen Überlegungen nicht gelöst werden können? Was, wenn für die Kirche relevante (biblische) Ereignisse in die weltliche Chronik eingefügt worden sind? Was, wenn in der Chronologie Ereignisse, Fürsten und Dynastien über die Zeit scheinbar mehrmals vorkommen? Was, wenn die Antike so antik nicht ist? Was, wenn es das finstere Mittelalter so nicht gab? Was, wenn Jesus Christus am Ende des 12. Jahrhunderts gekreuzigt wurde? Starker Tobak, nicht?

Fortsetzung folgt.

Münchner Sicherheitskonferenz 2015: Eine chaotische Welt

Scheupark_Tafel

Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch im Scheupark verteidigt

Im Februar 2015 trafen sich in München eine Vielzahl hochrangiger Diplomaten, Politiker und Privatiers, die sich Gedanken über den Zustand der geopolitischen Welt machten. Falls Sie einen Einblick in die hohe staatsmännische Kunst der gespielten Ahnungslosigkeit haben möchten, empfehle ich Ihnen die „Panel-Discussion“ mit dem klingenden Titel The World in 2015: Collapsing Order, Reluctant Guardians? anzusehen. Auf dem Podium waren zu sehen und zu hören:

Martin Schulz: Präsident des Europäischen Parlaments
Jan Eliasson: Vize-Generalsekretär der UN
George Soros: reicher Privatier, Gründer der Open Society Foundations
Dr. Kumi Naidoo:  Executive Director von Greenpeace International

Die Moderation übernahm Dr. Ian Bremmer, Präsident und Gründer der Eurasia Group.

Das Erstaunlichste an dieser Diskussion war der Umstand, dass Soros, obwohl nur Privatmann, eine zentrale Rolle am Podium einnahm und nach Lust und Laune über Ukraine und Russland und EU und Demokratisierungsprozesse schwadronieren durfte. Wie kann es sein, dass die Politiker und Diplomaten Soros so hofieren? Ist es das Geld? Es gibt mit Sicherheit noch andere Milliardäre, die viele Dollars auf ihren Konten haben. Hat er Kontakte? Nach ganz oben? Steckt vielleicht hinter der Anschuldigung von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán doch ein Fünkchen Wahrheit, wenn er Soros der Mitschuld an der Flüchtlingskrise bezichtigt?

Soros machte jedenfalls keinen Hehl daraus, dass er in der Ukraine intervenierte – natürlich ganz im Sinne eines „Demokratisierungsprozesses“. Man kann es drehen und wenden wie man will, Fakt bleibt, dass sich ein Privatier in die Politik eines souveränen Staates einmischte. Das (tatsächliche) „Warum?“ bleibt dabei auf der Strecke. Zu glauben, dass Milliardäre vom Schlage Soros ein humanes Herz haben, ist naiv, sehr naiv. Apropos. Vergessen Sie bitte das „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Märchen bzw. werden Sie skeptisch, wenn man Ihnen dieses Märchen zum wiederholten Male vorsetzt.

UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres erwähnte während der Sicherheitskonferenz: „Wir haben keine bipolare Welt, wir haben keine multilaterale Welt, wir haben eine chaotische Welt.“

US-Senator John McCain sagte: „Wir erleben derzeit eine fast beispiellose Zeit des globalen Aufruhrs. Die freiheitliche Weltordnung, die wir unter Schmerzen aufgebaut haben, fällt in sich zusammen.“

Jener John McCain übrigens, der liebend gerne die US Air Force in den Iran schicken möchte. „Ein Friede mit Iran“, teilte er im April 2015 mit, „würde unsere Einsatzmöglichkeit dort zu bombardieren äußerst erschweren.“

Sehen Sie, aus dem Mainstream wird der Bürger niemals erfahren, was auf der geopolitischen Bühne vor sich geht. Und noch heute weiß ich nicht, ob die Diplomaten und Politiker kleinerer Staaten – Israel sei mal davon ausgenommen – wissen, was tatsächlich in Zukunft für die Welt geplant ist. Sind diese öffentlichen Auftritte nur dazu da, um die Nicht-Eingeweihten einzuschläfern und die Eingeweihten mit Schlüsselwörtern – und -sätzen auf Spur zu bringen? Weil, jetzt mal ehrlich, würde ein langjähriger Diplomat und Politiker diese Schwafelei in München für bare Münze nehmen, würde er tatsächlich tief innerlich glauben, die Herren auf dem Podium wären mit Weisheit und Wissen gesegnet und würden an der Spitze stehen, also, dem ist nicht mehr zu helfen.

Cui bono? Wer hat den größten Nutzen in/von einer chaotischen Welt? Wer profitiert vom globalen Aufruhr? Wem könnte daran gelegen sein, die freiheitliche Weltordnung in sich zusammenfallen lassen?