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Eine Grippewelle macht Geschichte #COVID-19

Als Schriftsteller ist man es gewohnt, mutterseelenallein im Elfenbeinturm beim Schreibtisch zu sitzen und all die vielen oder wenigen Gedanken und Inspirationen zu Papier zu bringen. Man befindet sich somit in einer freiwilligen Quarantäne – weil, wenn deine Muse dir einen Besuch abstattet, dann hast du gefälligst zu bleiben und alles zu tun, um ihr den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen. So ist das.

Die Zitate im Beitrag stammen von Epidemiologist Tom Jefferson, der dem Spiegel im Jahr 2009 reinen Wein bezüglich der Schweinegrippe-Pandemie einschenkte. Der Artikel A Whole Industry Is Waiting For A Pandemic ist ein must-read! Würde mich nicht wundern, wenn die Spiegel-Redaktion demnächst eine „Klarstellung“ hinzufügt, um einer „Verharmlosung“ der gegenwärtigen Zustände entgegenzutreten. Siehe beispielsweise Radio Eins, die die Virologin Dr. Mölling zwar zum Interview baten, aber enttäuscht waren, dass die em. Professorin den Angst-Hype nicht weiter schüren wollte.

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Gedanken zum Corona-Virus COVID-2019: Eine Einführung

Später einmal, wenn mich meine Großnichte fragen sollte, wie es denn damals so war, im Frühling 2020, als dieses Corona-Virus die ganze Welt mit einem Schlag lahm gelegt hatte, was ich denn damals so dachte und gemacht hätte, möchte ich in meinem Blog zurückblättern und den Eintrag lesen, der sich mit der turbulenten Pandemie beschäftigt hat.

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Ibiza sehen und politisch sterben

Vor wenigen Tagen erfuhr ich von einem veritablen Skandal, der sich in der österreichischen Politlandschaft zugetragen hatte. Da ich generell keine Mainstream-Nachrichten höre, lese oder sehe, werde ich über die Geschehnisse zumeist von Freunden und Bekannten unterrichtet. Glauben Sie bitteschön nicht, nur weil Sie ZiB2 gucken oder in einem der sogenannten Qualitätsblätter lesen, dass Sie dadurch verstünden, was hinter verschlossenen Türen so vor sich geht. Mitnichten.

Deshalb interessiere ich mich auch gar nicht über den Inhalt des „plötzlich“ aufgetauchten Videos, sondern versuche mir klar zu werden, was hier – oberflächlich betrachtet – gespielt wurde.

Die beiden österreichischen Skandalisten einer rechtspopulistischen Partei sind die längste Zeit ihres Lebens Politiker gewesen. Sie wissen deshalb, wie der Hase läuft. In einer privaten Unterhaltung ohne Bedenken die Hose runterzulassen, bedeutet, dass die beiden Politiker der Meinung waren, dass sie auf sicherem Terrain seien. Sie sollten bei alledem nicht vergessen, dass die Geheimdienste aller Länder ein Interesse daran haben, wichtige Persönlichkeiten zu überwachen – sei es zu deren Schutz, sei es, um später einmal ein Druckmittel im Archiv liegen zu haben. Für alle Fälle. Deshalb muss Politikern zugesichert werden, dass sie sich auf „sicherem Terrain“ befinden – ansonsten würde es kaum noch vertrauliche, also „private“ Gespräche geben. Mit der heutigen Technologie ist es für Geheimdienste überhaupt kein Problem, Gespräche abzuhören oder davon sogar Videoaufnahmen zu machen. Es sei denn, der eine Dienst käme einem anderen in die Quere, aber das ist eine andere Geschichte. Apropos: Erinnern Sie sich noch, dass die „Amis“ vor ein paar Jahren keine Hemmungen hatten, die Telefone europäischer Persönlichkeiten „anzuzapfen“. In einem Fall, wenn ich mich recht entsinne, war das Opfer der griechische Geheimdienstchef. Daran kann man ermessen, welch Einfluss und Chuzpe die „Amis“ in Europa (noch immer) haben.

Da die Skandal-Chose in Ibiza spielte, muss der spanische Geheimdienst in irgendeiner Weise involviert gewesen sein – da führt kein Weg daran vorbei. Es sei denn, diese sind völlig inkompetent – wovon ich nicht ausgehe. Andererseits, wenn ich an Clever & Smart denke …

Dass am Ende dieses Video an die Öffentlichkeit „gespült“ wurde, bedeutet, dass jemand in einer uns nicht bekannten internationalen Hierarchie die Zustimmung dafür gegeben hat. Versuchen Sie jetzt bitte nicht, mit Namen und Fraktionen um sich zu werfen, das ist völlig zwecklos. Das zugrundeliegende System erinnert an Kafkas Schloss: je näher man diesem kommt, um so weiter entfernt man sich.

Eine ganz andere Möglichkeit, den Skandal zu erklären, ist der Gedanke, dass all die politischen Querelen zwischen rechts und links nur Show sind und es am Ende einzig darum geht, die Bürgerschafe im Kreis laufen zu lassen. Politiker in all den Demokratien sind ja beliebig austauschbar und müssen – so oder so – vor allem den Kreditgebern Rede und Antwort stehen. Wer zahlt, der schafft an, heißt es ja nicht umsonst – Griechenland musste das schmerzlich erfahren.

Und welcher Staat ist heutzutage überhaupt noch schuldenfrei?

Erinnerungen an eine Welt von Gestern

Es ist noch nicht lange her, da kam ich an meiner alten Volksschule vorbei. Das große Tor stand offen und ich konnte einen Blick hinein machen, in die Einfahrt, dort, wo ich als kleiner Junge oftmals darauf gewartet habe, in meine Klasse gelassen zu werden. Jedenfalls wollte ich ein Foto machen – wozu wusste ich freilich nicht. Während ich den passenden Ausschnitt wählte, kamen vereinzelt Erinnerungsstücke zum Vorschein, die ich am Dachboden meiner Gehirnwindungen in einer verstaubten Ecke liegen sah. Langsam dämmerte mir, dass ich ein Zeitalter erlebte, das zu Ende ging und ein anderes, das seinen Platz einnahm.

Gewiss, es ist eine banale Beobachtung, wohl kaum der Rede oder eines Aufsatzes wert. Und doch muss ich es mir auf eindringliche Weise vor Augen halten, dass es in meiner Kindheit, in meiner Jugend kein weltweites Netz (Internet) gab und schon gar keine Smartphones. Jetzt, Tage später, mit den Gedanken in diese Welt von Gestern zu reisen fühlt sich merkwürdig an. Ich versuche mich zu erinnern, aber es sind immer nur Momentaufnahmen, ausgeschmückt und eingefärbt mit dem Wissen und all den gemachten Erfahrungen der Gegenwart.

Aus heutiger Sicht betrachtet, war das damalige Leben sehr eingeschränkt, man lebte recht konformistisch, passte sich sozusagen an und ging unaufgeregt seiner Aufgabe oder Arbeit nach. Auf der anderen Seite war die Welt damals roh, mit vielen Ecken und Kanten und ein Tag konnte schon recht bitter schmecken. Selten wurden die Dinge ins schöne Licht gerückt, da die damalige Technologie nur simple Verschönerungen zuließ und das Geld immer knapp war. Kurz, man konnte noch keinen großen Wert auf die Verpackung, auf das Design legen – was zählte war in erster Linie die Qualität der Sache selbst. In einem der vielen (verrauchten) Gasthäuser bekam man Hausmannskost. Bodenständig. Sättigend. Eine Haute Cuisine, bunt und verspielt, ideenreich und kunstvoll, gab es vielleicht in Frankreich, aber nicht hier. Heute scheint es, als würde der hungrige Mensch von Bildern, Tönen und Gefühlen, die ihn täglich umgeben, gelenkt werden. Schön anzuschauen. Selten sättigend. Oftmals unnatürlich.

Nostalgie TV-Tipp: Kottan ermittelt – Hartlgasse 16a (1976) und Wien Mitte (1978)

Das Internet hat das eingeschränkte Dasein förmlich aufgesprengt. Die Gedankenwelten rückten tatsächlich näher zusammen – im Guten wie im Schlechten. Mit einmal konnte man lesen und hören, was andere Menschen, wie du und ich, zu einem ganz bestimmten Sachverhalt dachten. Mit einmal erfuhr man Wahrheiten, die einem um den Verstand bringen konnten – nur um später festzustellen, dass es Wahrheiten und Wahrheiten gab und dass nichts ist wie es uns in der Schule gelehrt wurde.

Das Internet der ersten Stunde geht nun langsam zu Ende. Wo früher absolute Redefreiheit herrschte ist nun der (programmierte) Zensor zur Stelle, der löscht, was nicht gefällt und falls das nicht reicht, droht Strafe und Verbannung. Für eine kurze Weile sah es danach aus, als würde die Masse in der Lage sein, die Elite – wenigstens virtuell – in die Schranken weisen zu können. Doch jede Erfindung und Entdeckung wird früher oder später in den Dienst der „großen Sache“ gestellt. Mit anderen Worten, es muss der Führung der Herde dienen. Alles andere kommt danach. Stichwort Edward Bernays. Punktum.

So stand ich vor dem großen Tor meiner Volksschule, steckte das Smartphone wieder weg, blickte kurz auf die gegenüberliegende Straßenseite und erinnerte mich wieder an ein kleines Zuckerlg’schäft, wo wir uns dann und wann Süßigkeiten kauften, so wir ein paar Schillinge in der Tasche hatten. Rechteckige Oblaten waren für eine Weile der Renner. Cola-Flascherln gingen immer.

Ja, wir Kinder der 1970er Jahre waren wohl die erste Generation, die von der Wirtschaft zu Versuchszwecken eingefangen wurden. Zucker spielte dabei eine wesentliche Rolle. Scheinbar bemerkten die damaligen Leutchen in den Führungsetagen, dass man von Drogendealern (und der Tabakindustrie) durchaus etwas lernen konnte. Man mache die Jüngsten von dem Stoff abhängig, dann hat man auf ewig Abnehmer respektive Konsumenten. Und die Ärzteschaft? Sie forderte kein Umdenken, sondern mehr Geld. Das Bruttoinlandsprodukt musste schließlich wachsen und gedeihen. Sehr zur Freude der Politiker.

Ich frage mich, wie unser Leben nun aussähe, hätte es dieses virtuelle Fenster in die weite Welt niemals gegeben, bzw. wäre es als einseitiger elitärer Kommunkationskanal (analog dem TV) in der Entwicklung stecken geblieben. Müßig darüber zu sinnieren, ich weiß.

Ich setzte jedenfalls meinen Weg wieder fort. Wer weiß, dachte ich mir, vielleicht wird einer der jetzigen Schüler in vierzig Jahren einen ähnlichen Aufsatz schreiben. Über seine Welt von Gestern.

Gedanken zur ORF-TV-Serie Pregau

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Mit der Drehbuchversion meiner Wiener Krimikomödie Schwarzkopf habe ich vor einigen Jährchen zum ersten Mal Bekanntschaft mit der österreichisch-wienerischen Filmlandschaft gemacht. Es gibt natürlich viele heimische Produktionsfirmen, aber nur ganz wenige, die eine TV-Serie oder einen Spielfilm stemmen können. Nebenbei bemerkt sind die größten Player mit dem ORF auf die eine oder andere Art verbunden. Ohne Goodwill des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (und der heimischen Filmförderung) wird für gewöhnlich kein Film- oder TV-Projekt in Angriff genommen. Deshalb werden Quereinsteiger ohne den nötigen Verbindungen mit freundlichen Worten bereits am Eingang abgewiesen. Das Drehbuch spielt bei der Entscheidungsfindung keine Rolle und wird auch nur dann herangezogen, um zu zeigen, dass es nicht zur Umsetzung taugt. Man merkt recht bald, wie der Hase läuft und vor allem wohin, nämlich zum Küniglberg.

Die vierteilige Mini-TV-Serie Pregau: Kein Weg zurück war der Versuch des ORFs (mit Unterstützung der ARD), mit dem altmodischen Heimat-Fernsehen aufzuräumen und bei der jüngeren Generation zu punkten. So wurden Anleihen bei beliebten amerikanischen TV-Serien genommen (perhaps Breaking Bad), ließ man die Zuschauer mit ihrem Smartphone und einer speziell für die Serie entwickelten App („Lügendetektor“) interaktiv am Fernsehgeschehen teilnehmen und versuchte in den sozialen Medien für Stimmung zu sorgen. Löblich.

Die Filmemacher von Pregau und die Verantwortlichen in den ORF-Etagen pokerten mit hohem Einsatz und packten alles ins Drehbuch, was noch eine Fernsehgeneration davor für einen handfesten Skandal gesorgt hätte. Aber die Zeiten ändern sich. Nun scheint es sogar am Küniglberg en vogue zu sein, einen heißblütigen Pfarrer beim Liebesspiel zu zeigen oder den amoralischen älteren Bruder des Familienoberhaupts einen Satz in den Mund zu legen, der gläubige Menschen zutiefst schockieren musste. War es Kalkül? War es Provokation? Ist es einfach passiert? Oder is es eh scho wurscht?

Überhaupt, die Story! Die Ansätze waren gut. Die Ideen frisch. Die Cliffhänger spannend. Aber die Zusammenführung der offenen Stränge mit dem Holzhammer sowie die geistlose Inszenierung des Klimax im vierten und letzten Teil machten alles wieder zunichte. Hätten die Verantwortlichen einfach weniger gewollt, hätten sie sich auf das Wesentliche konzentriert, Pregau hätte durchaus etwas Besonderes (im deutschsprachigen TV-Wald) werden können. Stattdessen stolperte das Drehbuch von einer Exposition zur nächsten – kein Wunder, da viel zu viele Köder ausgelegt worden sind. Die Protagonisten wurden deshalb immer wieder zu Klischee-Figuren oder Drehbuch-Marionetten degradiert, die jenseits des echten Lebens agierten. Die Verantwortlichen hätten sich an der ersten Kottan-Folge orientieren können: Dort wurde die Komödie durch Übertreibung und Zuspitzung in einem realistischen Setting (mit den richtigen Dialekt- und Sprachfärbungen) erzielt. Auf ähnliche Weise hätte die Tragikomödie in Pregau funktionieren können. Vielleicht.

Positiv hervorzuheben ist die technische Umsetzung, die oftmals bei heimischen TV-Produktionen zu wünschen übrig ließ. So muss sich die Serie nicht vor ausländischen Produktionen verstecken: Kamerafahrten und die gewählten Bildausschnitte, sozusagen die Bildkomposition, sind als gelungen zu bezeichnen. Der Soundtrack in den ersten drei Folgen war für mich stimmig. An manchen Stellen gab es eine wunderbare Symbiose zwischen Ton und Bildfolge. Nur im letzten Teil, da haperte es mit der Musik-Auswahl, die mir nicht sonderlich gefiel. Negativ aufgefallen sind mir die sogenannten Action-Sequenzen, die beinahe stümperhaft in Szene gesetzt und äußerst lieb- und ideenlos montiert wurden. Man muss nicht gleich Hollywood nachäffen, aber ein Blick über den heimischen Gartenzaun und in die Film-Vergangenheit hätte nicht geschadet.

Was ist nun mein Schlussresümee? Wie bei so vielen heimischen Produktionen können sich die Verantwortlichen nicht entscheiden, was sie wollen. Oder ist es, weil zu viele Köche den Brei rühren? Ich gehe mal davon aus, dass die grundlegende Idee jene gewesen ist, eine moderne Mini-Serie zu machen und dabei zu zeigen, dass der ORF noch nicht zum alten Eisen gehört. Mission accomplished!

Pregau hat gezeigt, dass es in Österreich ein filmisches Serien-Potenzial gibt. Und es wäre jammerschade, würde man dieses Potenzial brach liegen lassen. Aber es gibt noch viel zu tun.