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EM 2016: Finale – POR : FRA

EM-2016-Finale

Gedanken zum Finale der Europameisterschaft in Frankreich 2016

PORTUGAL : FRANKREICH 1:0 n. V.

Kurios. Nach 13 Minuten humpelte Ronaldo nach einer ungestümen Attacke von Payet den Rasen hinauf und hinunter. Der Geist war willig, aber das geschundene Fleisch schwach – eine viertel Stunde später ließ sich der wohl beste portugiesische Spieler mit Tränen in den Augen vom Feld tragen. Armer Ronaldo, dachten die einen. Guter Payet, die anderen. Ja, Christiano polarisiert die Fans – damals wie heute.

Das Finalspiel selbst war, wie zu erwarten, eine laue, öde Partie. Die Portugiesen wollten nicht, die Franzosen trauten sich nicht. Die Nervosität der Spieler – hüben wie drüben – war ihnen im Gesicht abzulesen. Viel stand auf dem Spiel. Natürlich. Das haben Finalspiele so an sich, hier geht es um das große Ganze. Der zweite Platz ist genauso gut wie der letzte. Nur der Sieg zählt. Wir wissen es. Die Spieler dito. Deshalb beginnt und endet der Kampf im Kopf der Spieler. Wer mental die Oberhand behält, trägt gewöhnlich den Pokal nach Hause – kein Wunder also, dass es an diesem Sonntag in die Verlängerung ging und alles nach einem Elfmeterschießen aussah. Doch zehn Minuten vor dem Ende der Verlängerung nimmt sich der eingewechselte Eder ein Herz und zieht zwanzig Meter vor dem Tor ab. Der scharfe Schuss passte genau in die Ecke. Torhüter Lloris – und damit auch seine Mannschaft – war geschlagen. Dabei hätte Gignac – der für den farblosen Giroud kam – in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit die Entscheidung herbeispitzeln können – aber die Stange hielt die Portugiesen – wie bereits gegen Kroatien – auch diesmal im Spiel.

Wie gesagt, über das Spiel selbst muss man nicht viele Worte verlieren. Es war kein Fußballspiel, vielmehr ein nervöses Abtasten. Dabei hätten die Franzosen nach ihrem überraschenden Sieg gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland und mit dem Heimvorteil im Rücken allen Grund gehabt, mit Verve und élan vitale das Tor zu suchen. Statt dessen versagten Nerven und Beine der sonst so überragenden Spieler des Turniers: Payet, Pogba, Giroud, Griezman.

Man stelle sich vor, die Equipe Tricolore hätte gewonnen und würde in einem Atemzug mit den beiden außergewöhnlichen Siegermannschaften der EM 1984 und der EM 1998 genannt werden. Mon Dieu! Das hätte die besondere Aura der goldenen Generation von Platini & Co sowie Zidane & Co verpuffen lassen. Die Medien und Fans hätten Vergleiche mit der glorreichen Vergangenheit gezogen. Non! Seien wir demnach froh, dass es soweit nicht gekommen ist. Es mag schlimm genug sein, dass eine durchschnittliche portugiesische Mannschaft jenen Pokal nach Hause mitnehmen durfte, der eigentlich der goldenen Generation der EM 2004 gebührt hätte. Figo, Deco, Rui Costa, Maniche, Nuno Gomes, Boswinga usw., sie waren famose Fußballer und hatten das gewisse Etwas. Gerade dieses gewisse Etwas ist dem europäischen Fußball in den letzten Jahren abhanden gekommen. Vielleicht wird die Weltmeisterschaft 2018 das Ende der europäischen Vorherrschaft am grünen Rasen einläuten. Bereits bei der WM 2014 in Brasilien ließen die Newcomer Kolumbien, Chile und Costa Rica aufhorchen, wurde Dauerbrenner Mexiko nur durch ein umstrittenes Robben-Foul aus dem Achtelfinale gekickt, spielte die französische B-Elf der Algerier den späteren Weltmeister schwindlig und zeigten die Amerikaner (wie die Ungarn), dass sie auch bereit waren, mit wehenden Fahnen ins offene belgische Offensivmesser zu laufen. Was den nichteuropäischen Teams bisher gefehlt hat, war diese besondere Abgebrühtheit. Aus Erfahrung gut, kommt einem da in den werbeverseuchten Sinn.

Die diesjährige Europameisterschaft hat jedenfalls gezeigt, dass Einzelleistung vor Mannschaftsleistung ging. Ohne Payet hätte Frankreich die Gruppenphase wohl nicht als Sieger beendet und ohne Griezmann wäre es zu keinem Finalspiel gekommen. Im Übrigen bin ich noch immer der Meinung, dass die französische (genauso wie die englische und spanische) Nationalmannschaft kein funktionierendes Team ist. Beim amtierenden Weltmeister Deutschland liefen viele Spieler ihrer Form hinterher bzw. waren mental ausgebrannt. Gleiches gilt für den letzten Europameister Spanien.

Die beste Mannschaftsleistung gab es meiner Meinung nach von Kroatien und Italien. Hätten die Kroaten im Achtelfinale gegen Portugal nicht mit angezogener Handbremse gespielt, vielleicht würden sie nun den Pokal in Zagreb ausstellen. Und hätten die Italiener statt Zaza nur ein wenig Glück gehabt, würde ganz Italien ihren Fußballpensionisten zujubeln können. Gewiss, es ist müßig, jetzt über vergebene Elfmeter (Österreich!) oder unglückliche Stangenschüsse (Österreich!) zu sinnieren. Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht mehr zu ändern ist, wusste bereits Peter Alexander 1962 zu singen.

Diese Europameisterschaft wird man wohl alsbald vergessen. Erwähnenswerte Spiele gab es wenige. Am besten gefiel mir noch das letzte und entscheidende Gruppenspiel zwischen Albanien und Rumänien. Auf dem Papier hätte es eine müde Partie werden müssen – aber auf dem Rasen war einiges los und das Spiel ließ jedes Fußballherz höher schlagen. Sehenswert natürlich auch die übermotivierten Italiener, die den Spaniern die Grenzen ihres Ballherumgeschiebes aufzeigten. Trainer Löw dürfte so beeindruckt gewesen sein, dass er sich eine spezielle Taktik für Buffon & Co überlegte – dadurch machte er die Italiener (defensiv) stärker und die Deutschen (offensiv) schwächer. Der Schuss hätte demnach leicht nach hinten gehen können. Kurz, Löw hatte keine Eier in der Hose – auch wenn er es hin und wieder nachprüfte. Das Elfmeterschießen entwickelte sich freundlicherweise zum absoluten Thriller. Mon Dieu, was haben wir gelacht.

EM 2016: Spieltag 13 – Entscheidung GruppeE und F

EM-2016-Spieltag13

Spieltag 13 der Europameisterschaft in Frankreich 2016
Entscheidung Gruppe E und F

ITALIEN : IRLAND 0:1
SCHWEDEN : BELGIEN 0:1

ISLAND : ÖSTERREICH 1:2
UNGARN : PORTUGAL 3:3

Tja. Das war es also, mit der EM-Teilnahme der österreichischen Nationalmannschaft. Es ist schon verblüffend, dass es Trainer Marcel Koller von Beginn an mit einer defensiven Aufstellung versuchte. Ich hatte nach dem Spiel gegen Portugal einen ähnlichen Vorschlag gemacht – und darf mir zugutehalten, dass meine Überlegung vermutlich zielführender gewesen wäre. Während Koller jeden verfügbaren Defensivspieler auf den Platz stellte und die (noch nie gespielte) Formation 3-4-3 vorgab (die auf dem Platz eher wie eine 3-7-0 daherkam), wäre ich bei der bisher üblichen 4-2-3-1 geblieben, hätte aber Arnautovic in die Spitze gegeben, Alaba auf links gestellt und Schöpf als Junuzovic-Ersatz vorgesehen. Wie man in der ersten Hälfte gesehen hat, ist das Team nicht in der Lage, die Vorgaben einer neuer Formation zu erfüllen. Als Koller in der zweiten Hälfte wieder zur üblichen Aufstellung zurückkehrte, konnte man sofort erkennen, dass sich die Spieler wohler fühlten und damit auch ballsicherer wurden. Alles in allem hat mich die zweite Hälfte des Spiels gegen Island einigermaßen versöhnt, hat man – endlich, endlich – gesehen, dass die österreichische Nationalmannschaft sehr wohl in der Lage ist, auf internationalem Niveau Fußball zu spielen. In den anderen 5 Hälften wirkte das Spiel der Österreicher oftmals wie ein Monty Python Sketch: völlig surreal.

Koller hatte also die richtige Eingebung: Mittels Defensivtaktik und Aufbietung aller Defensivspieler soll wieder zur gewohnten Sicherheit zurückgefunden werden; ist das Selbstbewusstsein der Spieler einigermaßen im grünen Bereich angelangt, würde man die Offensivkräfte einwechseln und auf Angriff setzen. Aber wie so oft, wenn man die Lösung für ein großes Problem gefunden hat, übertreibt man in der Umsetzung. Natürlich kann ich im Nachhinein überlegen schreiben, dass der Lösungsansatz richtig, die Umsetzung jedoch falsch war – wäre beispielsweise Arnautovic nicht weggerutscht, hätte Dragovic den Elfer gemacht, hätte der Schiedsrichter das Foul im Strafraum gepfiffen, wäre der Schuss von Schöpf nicht abgewehrt worden, ich müsste den Hut vor Koller ziehen. Aber Tatsache ist, dass es nicht Wagemut war, der Koller veranlasste, die neue Defensivformation zu wählen, sondern Verzweiflung und Angst.

So rächt es sich, dass man es in Freundschaftsspielen verabsäumt hatte, neue Aufstellungsvarianten auszuprobieren. Andererseits braucht jedes Team eine Reihe von Spielen in einer fixen Aufstellung, um Vertrauen und Sicherheit zu gewinnen. Ein Dilemma, wenn man so will. Kann ich die Defensivtaktik Kollers gut nachvollziehen, so ist mir absolut unverständlich, warum er ein spanisches Offensivmittelfeldspiel mit Arnautovic, Alaba und Sabitzer aufziehen wollte. Dazu braucht es nicht nur ein grandioses Spielverständnis, sondern neben Disziplin auch eine gehörige Portion Spielerintelligenz. Dass diese Taktik nur in die Hose gehen kann, war eigentlich abzusehen – zumal Alaba in all seinen Spielen immer nur aus dem Rückraum agierte, nie an vorderster Front, zumal Arnautovic das Tempo aus dem Angriffsspiel generell herausnimmt und zumal Sabitzer – wollen wir es freundlich sagen – die internationale Klasse fehlt.

Der Führungstreffer der Isländer – ein Fehler im österreichischen Stellungsspiel – erinnerte frappant an jenen der Ungarn! Die erste Hälfte war jedenfalls zum Vergessen. Die Umstellung in der zweiten Halbzeit – Janko und Schöpf ersetzten mit Ilsanker und Prödl zwei Defensivkräfte – zurück zum gewohnten 4-2-3-1 mit Alaba neben Baumgartlinger im Zentrum und Schöpf als Spielmacher, ließ das Team wieder zur gewohnten Stärke zurückkehren. Plötzlich machten sie – vor allem über links – Druck, plötzlich gelangen die eingespielten Passkombinationen, plötzlich erwachte das verloren geglaubte Selbstbewusstsein, plötzlich merkte man als Außenstehender, dass ein Ruck durch die Mannschaft ging und all das beflügelte die Hoffnung, die man nach der grauenhaften ersten Halbzeit längst begraben hatte.

So wie es aussieht, werden sich Alaba & Co an dieser zweiten Halbzeit aufrichten können. Die Qualifikation zur WM 2018 steht bekanntlich vor der Tür. Dass sich die zwei Schwergewichte in unserer Gruppe – Irland und Wales – in das Achtelfinale gespielt und damit viel Selbstbewusstsein abgeholt haben, dürfte die Ausgangslage unseres Teams nicht gerade verbessern. Sei es wie es sei. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ach ja, bevor ich es vergesse: Natürlich sollte es Konsequenzen für das Versagen der Mannschaft geben. Wer auch immer den Job für die psychologische Betreuung der Mannschaft inne hatte, gehörte an die Luft gesetzt. Sofort!

Ungarn? Ein Fußballwunder! Bei dem Spiel gegen Portugal blieb einem der Mund vor Staunen offen. Gewiss, die Ungarn konnten befreit das Leder treten – waren sie bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert, während die Portugiesen zumindest ein Unentschieden benötigten und bei einer Niederlage die Heimreise hätten antreten müssen. Da können die Nerven schon flattern. Sieht man sich die erste Stunde der Begegnung an, dann erkennt man sofort, dass die Ungarn die Seiten gut zustellten. Im Gegensatz zu den Österreichern, die die größten Probleme mit dem portugiesischem Flankenspiel hatten, ließen die Ungarn  nur selten Hereingaben von den Seiten zu. Den Ungarn gelang es immer wieder, den Ball laufen zu lassen und mit gutem Kombinationsspiel Offensivaktionen einzuleiten; die Portugiesen waren deshalb gezwungen, mehr für die Absicherung zu tun, weshalb sie weniger Beine für ihre Angriffsbemühungen zur Verfügung hatten. Auch waren die Ungarn im schnellen Offensivspiel gefährlich – ein Stangenschuss unterstreicht es. Gut möglich also, dass sie im Achtelfinale die Belgiern ärgern werden – so das ungarische Nervenkostüm hält. Vergessen wir aber auch nicht, dass es die Belgier sind, die in dieser Begegnung unter dem größtmöglichen Druck stehen. Der geheime Favorit soll gegen einen 40-jährigen Torhüter in Jogginghose straucheln? Unvorstellbar! Ja, das dachten sich 8 Millionen Österreicher auch.

Portugal? Es kann nur noch besser werden. Nach der blamablen Leistung in einer der schwächsten Gruppen dieser EM, könnte nun Ronaldo & Co zeigen, was sie wirklich drauf haben. Ihr Achtelfinalgegner Kroatien ist dummerweise mit allen Wässcherchen der Spielkunst gewaschen. Sollten die Portugiesen diese schwere Hürde nehmen, dann stehen sie wohl im Finale und keiner lacht mehr über den vergebenen Elfmeter von Ronaldo. Ja, so absurd kann Fußball sein.

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Belgien tat sich im Spiel gegen die Schweden recht schwer. Seltsam. Weil das Team rund um Ibrahimovic wohl zu den schwächsten dieser EM gehörte. In zwei Spielen gaben sie keinen einzigen (!) Schuss auf das gegnerische Tor ab. Möchte man nicht glauben, aber die Statistik lügt nicht. Mit dieser beschaulichen Leistung werden die Belgier gegen die Ungarn wohl keinen Stich machen. Spannung ist demnach am Rasen, nicht auf dem Papier, garantiert.

Italien? Irland? Man wird sehen, wie sich die beiden Betonmischer im Achtelfinale aus der offensiven Affäre ziehen werden. Ihre Gegner, Spanien und Frankreich, sollten vielleicht ein Abrissunternehmen anheuern, ansonsten wird es mit dem Tore schießen sehr, sehr schwer.

EM 2016: Spieltag 9

EM-2016-Spieltag9

Spieltag 9 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

BELGIEN : IRLAND 3:0

Sind die Belgier jetzt endlich in Frankreich angekommen? Gehören sie jetzt wieder zum Favoritenkreis? Zugegeben, wenn man den technisch versierten belgischen Spielern den Raum lässt und sie förmlich zu Kontern einlädt, darf man sich nicht wundern, wenn es drei Mal klingelt. In der ersten Hälfte haben die Iren ihr Defensivkonzept gut zur Entfaltung gebracht, konnten die Belgier zwar das Spielgeschehen kontrollieren, fanden aber nur zu einer zwingenden Torchance. Kurz nach der Pause änderte sich das Bild. Weil im Gegenangriff De Bruyne zwei Gegenspieler stehen ließ und an der Strafraumgrenze Lukaku perfekt bediente; der Stürmer schlenzte den Ball überlegt ins lange Eck. Mit dem Führungstreffer löste sich die Verkrampfung der Belgier. Irland, man merkte es die längste Zeit, hatte nicht die spielerischen Mittel, um Belgien in Gefahr zu bringen, ja, das irische Spiel mit nur einer Spitze war generell ideenlos und vorhersehbar.

Dieses Match zeigte erneut, dass sich Mannschaften mit Defensivkonzept schwer tun, nach einem Rückstand in eine kontrollierte Offensivphase umzuschalten. Oftmals geben sie ihre Ordnung auf und geraten bei Ballverlust in arge Bedrängnis – siehe die Türkei gegen Spanien oder Belgien gegen Italien oder Österreich gegen Ungarn. Besser machten es da die Ukraine oder Albanien, die auch nach dem Führungstreffer des Gegners weiterhin bei ihrem Defensivkonzept blieben, aber kontrollierte schnelle Vorstöße unternahmen. Ein weiteres, kräfteraubendes Konzept ist den Gegner in der eigenen Hälfte durch Pressing unter Druck zu setzen und ihn somit am Spielaufbau zu hindern und Ballverluste zu erzwingen. Die Polen praktizierten, wenigstens hin und wieder, solch ein überfallsartiges Pressing gegen Deutschland und kreierten dadurch gefährliche Strafraumszenen.

Kurz und gut: Die Belgier haben mit dem Sieg wieder ein Ausrufezeichen gesetzt. Aber im letzten Spiel gegen Schweden müssen sie Nervenstärke beweisen, würde doch eine Niederlage die Heimreise bedeuten. Auf dem Papier sollten die Belgier keine Probleme gegen ungefährliche Schweden haben. Aber wie man bereits im Spiel gegen Italien gesehen hat, tun sich die Belgier schwer, eine Betonabwehr zu knacken. Es wird demnach ein Gedulds- und Glücksspiel – mit Stürmerstar Ibrahimovic als Zünglein an der Waage.

Die irische Mannschaft und ihre Fans haben gezeigt, wie sympathisch der internationale Fußball sein kann. Spielerisch können die Iren mit den großen Mannschaften freilich nicht mithalten und ein Sieg gegen Italien wäre ein Wunder. St. Patrick hilf. Amen.

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ISLAND : UNGARN 1:1

So sieht es also aus, wenn zwei Defensivmannschaften aufeinandertreffen und keine der beiden so richtig gewillt ist, das Spiel zu machen. Nun, sagen wir, die Ungarn waren von Beginn an bemühter, eine Entscheidung herbeizuführen. Aber die Isländer wissen, wie man Angriffe bereits im Ansatz unterbindet und deshalb gab es kaum gefährliche Strafraumszenen für die Ungarn. Auf der anderen Seite, es war eine halbe Stunde gespielt, vergab Gudmundsson alleinstehend vor Jogginghose-Goalie Kiraly, der den Schuss parieren konnte. Fünf Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit stand erneut Kiraly im Brennpunkt: Nach einer Ecke konnte er den Ball nicht festhalten – das folgende Gestocher im Strafraum führte schließlich zu einem Foul und Elfmeter. Sigurdsson behielt die Nerven und verwandelte eiskalt. So ist Fußball2.0: die eine Mannschaft macht das Spiel, die andere schießt das Tor.

In der zweiten Hälfte machten die Isländer den Laden dicht und mauerten mit Mann und Maus. Die Lust, eine Offensivaktion konsequent abzuschließen, sozusagen ein wenig Risiko zu nehmen, hatten sie freilich nicht. Es genügte ihnen, mit einem Tor in Führung zu liegen und diese Führung abzusichern. Die Ungarn waren nicht sonderlich gefährlich, fehlten ihnen doch die spielerischen Mittel, den isländischen Abwehrriegel in Verlegenheit zu bringen. Aber wie so oft, wenn sich eine Mannschaft auf ihren Vorsprung ausruht, passiert eine Unachtsamkeit mit Folgen: Ungarn kombinierte sich Minuten vor Schluss in den Strafraum – den folgenden scharfen Querpass von Nikolic konnte der isländische Verteidiger Saevarsson nur ins eigene Tor klären. Ausgleich! Die Isländer, darüber verärgert, warfen noch einmal alles nach vor – und siehe da, in der Nachspielzeit ließ sich ein Ungar zu einem dummen Foul an der Strafraumgrenze hinreißen. Der isländische Freistoß sollte – nach Herzog-Manier – unter der hochspringenden Mauer hindurch gehen – dummerweise wollte aber keiner der Ungarn hüpfen. Der von der Mauer abgeprallte Ball fiel ausgerechnet Routinier Gudjohnson vor die Füße, doch sein scharfer Schuss wurde von einer Vielzahl ungarischer Beine abgelenkt und ging nur knapp neben das Tor. Wir sehen, auch Fußballzwerge können ein Match am Ende noch äußerst spannend gestalten.

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PORTUGAL : ÖSTERREICH 0:0

Was für ein Spiel! Was für eine Abwehrschlacht! Die Nerven flattern noch Stunden nach dem Schlusspfiff, der sicherlich von 8 Millionen Österreichern sehnlichst herbeigewünscht wurde. Ja, das österreichische Team hatte ne Menge Schwein gehabt, an diesem Abend. Die Portugiesen, die alles versuchten, fast alles richtig machten, scheiterten am Ende, weil Robert Almer das beste Spiel seiner Karriere ablieferte und zwei Mal die Stange für ihn rettete. Dabei gab es mit dem Elfmeter in der 78. Minute die größte Chance für die Portugiesen, das Match zu gewinnen – aber Ronaldo knallte den Ball an die Stange und der Nachschuss eines Portugiesen ging in die Abendwolken. Fünf Minuten vor Schluss köpfte Ronaldo schließlich doch noch ins Tor – glücklicherweise stand er bei der Freistoßhereingabe im Abseits. Wie man es auch dreht und wendet, Ronaldo und seinen Kollegen klebte das Pech an den Schuhen. Nach dem verpatzten Auftakt gegen eine defensiv perfekt eingestellte isländische Mannschaft reichte es gegen Österreich wieder nicht zum Sieg. Im Finalspiel gegen Ungarn geht es dann wohl um alles oder nichts – aber ist es auch nur annähernd vorstellbar, dass die Portugiesen an Kiraly & Co scheitern könnten? Nope. Unvorstellbar.

Die Österreicher haben diesmal brav und beherzt gekämpft. Spielerisch konnten sie mit ihrem gestrigen Gegner natürlich nicht mithalten, trotzdem gab es immer wieder den einen oder anderen Lichtblick, in Ballsicherheit, Zusammenspiel und Vorwärtsbewegung – auch wenn sie an einer Hand abzuzählen sind. Aber es war eine definitive Steigerung gegenüber dem ersten Match zu bemerken. Apropos. Wie bereits gegen Ungarn, hätte das Spiel auch hier in den ersten Minuten einen ganz anderen Verlauf nehmen können: Harnik köpfte aus drei Metern eine Maßflanke von Sabitzer neben das Tor. Das wäre ein Auftakt gewesen. Aber so kam, wie es zumeist kommt: Die Österreicher zeigten Nerven, verloren aber gottlob nicht Ordnung und Orientierung. Die portugiesischen Edeltechniker zeigten ein ums andre Mal, was sie mit dem Ball am Fuß können und ließen dabei so manchen Gegenspieler alt aussehen. Zwei wunderbar schnell gespielte Kombination im Strafraum – die österreichische Abwehr wusste gar nicht, was los ist – endeten einmal bei Torhüter Almer, das andere Mal an der Stange. Überhaupt Robert Almer! Eine Weltklasseleistung. Auch wenn seine oftmals misslungenen Abschläge den Puls der Zuschauer in die Höhe trieb. Die Slapstickeinlage, als er Hinteregger aus zwei Metern über den Haufen schoss, beruhigte nicht gerade die Nerven der Spieler und der Fans. Ja, das Nervenflattern hörte bei den österreichischen Spielern eigentlich nie auf. Sogar der sonst so abgeklärte Alaba – er besetzte die für ihn ungewohnte offensive Junuzovic-Mittelfeldposition – fand nicht zur Ruhe und leistete sich eine Reihe von unnötigen Fehlpässen. Nach einer Stunde nahm ihn Trainer Koller für Alessandro Schöpf vom Feld.

War es tatsächlich die veränderte Aufstellung – mit Martin Harnik als Solospitze, Marcel Sabitzer am rechten Flügel und Alaba im offensiven Mittelfeld – die am Ende den glücklichen Punkt nach Hause holte? Zugegeben, die Leistungssteigerung von Harnik und Sabitzer überraschte mich. Auch wenn Harnik, abgesehen vom Kopfball in der 3. Spielminute, zumeist allein auf weiter Flur stand, so beschäftigte er doch die beiden altgedienten portugiesischen Innenverteidiger Pepe und Carvalho. Sabitzer am rechten Flügel leistete eine ansehnliche Defensivarbeit und war hin und wieder bereit, offensive Aktion einzuleiten. Sein Gegenüber auf der linken Seite, Marko Arnautovic, fand eigentlich nie richtig ins defensive Spiel und so musste sich Christian Fuchs immer wieder allein mit Quaresma herumschlagen, der mit ihm machte, was er wollte. Glücklicherweise waren die Hereingaben des Portugiesen zumeist ungefährlich. Alaba war mit seiner neuen Position sichtlich überfordert. Vielleicht wäre es besser gewesen, Trainer Koller hätte ihn auf die linke Abwehrseite gestellt. Fuchs hätte dann die Arnautovic-Position und Arnautovic die Alaba-Position eingenommen. Mit Alaba und Fuchs auf der linken Seite hätte Quaresma sicherlich seine Probleme gehabt und Arnautovic hätte sich offensiver betätigen können. Freilich, solch eine Umstellung – von einem Spieltag auf den anderen – ist immer ein Risiko. Da fragt man sich natürlich, warum solche Experimente nicht im Vorfeld versucht worden sind. Alaba – einer der weltbesten Linksverteidiger – in der gestrigen Abwehrschlacht frühzeitig vom Feld zu nehmen grenzte eigentlich an Wahnsinn – auch wenn er eine der schwächsten Leistungen im Nationalteam an den Tag legte.

Nun kommt es zum Finalspiel gegen Island. Wie schon gegen Ungarn sind die Österreicher gezwungen, das Spiel zu machen. Die Isländer – sie haben es in den letzten beiden Begegnungen gezeigt – sind unangenehme robuste Gegner, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Die Österreicher werden sich gehörig steigern müssen, wenn sie Island in die Knie zwingen wollen. Ist Alessandro Schöpf – spielstark, technisch versiert, schnell – eine mögliche Option im offensiven Mittelfeld? Alaba zurück ins defensiv-zentrale Mittelfeld, neben Baumgartlinger? Harnik an die rechte Seite und – so er fit ist – Janko in die Spitze? Andererseits würde mir die defensive Doppel-6 mit Baugartlinger und Ilsanker gefallen – beide sind von ihrer Physis in der Lage, sich gegen die Isländer zu stemmen. Prödl würde mir dahingehend auch besser gefallen und sollte neben Dragovic spielen.

Eine weitere interessante Überlegung: Arnautovic als Solospitze – mit seiner physischen Präsenz, seinem selbstbewussten Auftreten, seiner Technik und seiner Unberechenbarkeit, wäre er ein lästiger Unruheherd im isländischen Strafraum -, Alaba und Fuchs ziehen links, Klein und Harnik rechts auf, Schöpf als zentraler Ballverteiler, während Baumgartlinger und Ilsanker aus dem Rückraum kommen und so dem österreichischen Spiel die nötige Stabilität verleihen. Sollten die Isländer nämlich in Führung gehen, würde es ganz, ganz schwer werden, das Spiel noch zu drehen. Koller sollte aus der Auftaktniederlage gegen Ungarn gelernt haben, dass ein offensiv-emotionales Hopp oder Dropp ziemlich ins Auge gehen kann. So braucht es zu allererst Ordnung und Stabilität – die spielerische Qualität kommt dann von ganz allein. Freilich, ein wenig Glück werden wir in jedem Fall brauchen, wollen wir als Sieger vom Platz gehen. Also, Daumen drücken!

EM 2016: Spieltag 5

EM-2016-Spieltag5

Spieltag 5 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

ÖSTERREICH : UNGARN 0:2

Was sagt man dazu? Der Favorit verliert gegen den Underdog ziemlich klar. Was mag in dem Spiel der Österreicher nur falsch gelaufen sein? Besser, man fragt sich: Was ist dem Team eigentlich in den 90 Minuten gelungen? War es am Ende einfach ein Zeichen der Fußballgötter, die die Anmaßung und Überheblichkeit österreichischer Fans und Funktionäre und Presseleute strafen wollten? Es sieht ganz so aus.

Dabei hatte alles wie im Märchen begonnen. Fulminanter Start der Österreicher. Es war noch nicht mal eine Minute gespielt, da knallt David Alaba den Ball an die Stange. Gut, sagte sich der Zuseher, das ist ein Ausrufezeichen und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis wir den ungarischen Betonmischern ein Tor machen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Weil sich die Ungarn mit Kampfkraft und Disziplin gegen die erste Angriffswelle der Österreicher stemmten. Weil sich ausgerechnet Junuzovic unglücklich verletzte und später ausgetauscht werden musste. Weil Alaba die Spielmacherrolle nicht mal im Ansatz ausfüllen konnte. Weil sich der sonst so ruhige Dragovic von der Nervosität der restlichen Spieler hat anstecken lassen. Weil Harnik – wie schon in den letzten Spielen – die fehlende Spielpraxis nicht kompensieren konnte. Weil  die Einwechselspieler Sabitzer, Okotie und Schöpf mehr Verschwächung denn Verstärkung waren. Weil die österreichischen Spieler wieder in den längst überwunden geglaubten aufgeschreckten Hühnerhaufenmodus schalteten. Weil niemand in der Mannschaft diesen Hühnerhaufen hätte beruhigen können (Ach, warum hatte man Stranzl nicht auf Händen und Knien gebeten, doch noch für die EM aufzulaufen?). Weil das unglückliche Foul von Dragovic nicht nur zu seinem Ausschluss, sondern auch noch zur Aberkennung des Ausgleichs von Hinteregger führte. Weil Arnautovic laufend in die ungarische Beißzange genommen wurde und er so seine Technik nicht auf den Rasen bringen konnte. Weil die Ungarn mit gesunder Härte den Österreichern die Schneid abkauften. Weil der tiefe Boden jedes schnelle Spiel bremste und das bereits ungenaue Zuspiel der Österreicher noch ungenauer machte.

Kurz und gut: Nichts, aber auch gar nichts lief gestern für die Österreicher und alles für die Ungarn. Okay, Baumgartlinger, wie sonst auch immer, rackerte sich die Stollen ab und versuchte wenigstens, dagegen zu halten. Auch war es nicht die Schuld von Dragovic, dass er die zweite gelbe Karte sah – eher hatte hier der schwache Schiedsrichter überreagiert.

That’s football. You’re riding high in April the qualification, shot down in EURO 2016, sozusagen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns Tor- und Punktelos von der EM verabschieden, ist nach der gestrigen starken Vorstellung sowohl der Portugiesen als auch der Isländer ziemlich hoch. Es sei denn, es gäbe bis Samstag eine wundersame Leistungssteigerung gepaart mit mentaler Entschlossenheit. Im Fußball, wie wir wissen, ist alles möglich und die Hoffnung stirbt zuletzt. Freilich, Glück muss man schon haben. Und mit all dem Pech (gut, zuweilen war es auch Unvermögen), das den Spielern förmlich auf ihren Schussstiefeln klebte, könnte man glatt eine ganze WM-Qualifikation verlieren.

Vielleicht hätte die Mannschaft nach der Verletzung von Spielmacher und Taktgeber Junuzovic in der 16. Minute einen Gang zurückschalten und aus einer gesicherten Defensivposition heraus den Ungarn mit Nadelstichen weh tun sollen. Weil, je länger die Nullnummer gestanden wäre, desto ballsicherer und damit torgefährlicher wären die Österreicher geworden. Vielleicht war es am Ende der fixe Glaube, man könne mit der hopp-oder-dropp-Brechstange ein spielschwächeres Team auseinandernehmen, der die Niederlage heraufbeschwor. Weil all die bisherigen Spiele dieser EM das genaue Gegenteil gezeigt haben: Für die favorisierten spielstärkeren Teams brauchte es vor allem Geduld, Ausdauer, Disziplin und das Quäntchen Glück, um drei Punkte aus einem Match mitzunehmen.

Wenn man eines positiv herausstreichen kann, dann ist es, dass Geheimfavorit Belgien ebenfalls im ersten Spiel mit 0:2 unterlag. Und wenn man den Belgiern noch den Aufstieg zutraut, warum nicht auch den Österreichern? But I know I’m gonna change that tune. When I’m back on top, back on top in June, sozusagen.

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PORTUGAL : ISLAND 1:1

Was sagt man dazu? Der Favorit erreicht gegen den Underdog nur ein Unentschieden. Dabei hätten die Torchancen der Portugiesen gereicht, zwei oder drei Spiele zu gewinnen. Auf der anderen Seite muss man den Isländern zugutehalten, dass sie sich nicht versteckt und ihre Torgefährlichkeit das eine oder andere Mal unter Beweis gestellt haben. Gegen Portugal ein Tor zu erzielen ist bitteschön keine Kleinigkeit. Respekt. Die Portugiesen wiederum konnten ihre Leistung als Mannschaft abrufen und haben gezeigt, dass sie sich gegen eine körperlich äußert robuste Mannschaft mit einstudiertem Defensivkonzept nicht die Spielfreude nehmen lassen. Auch wenn sich das 1:1 wie eine Niederlage für Ronaldo & Co anfühlen muss, so dürfen wir nicht vergessen, dass die nächsten Gegner Österreich und Ungarn heißen – Stolpersteine sind die beiden Mannschaften für die Portugiesen keine.

Island hat mich positiv überrascht. Andererseits durfte man schon einiges von ihnen erwarten, ließen sie doch in der EM-Qualifikation die Türken und Niederländer hinter sich und erreichten den zweiten Platz, knapp hinter Tschechien. Was mir besonders an den Isländern gefallen hat, war das Selbstvertrauen und die Körpersprache, die sie gegen Favorit Portugal an den Tag legten. Man merkte, dass hier eine eingeschworene Truppe am Platz stand und jeder Spieler genau wusste, was er zu tun hatte. Aus österreichischer Sicht einfach nur beneidenswert.

EM2016 – Ein erster Ausblick

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Morgen startet sie also, die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Oui, oui. Und wie schon die letzten Male – EM 2008, WM 2010, EM 2012, WM 2014 – werde ich versuchen, alle Spiele zu verfolgen und darüber blöglich zu berichten. Experte bin ich freilich keiner. Ich sehe vielmehr jede Begegnung in einem literarisch-dramaturgischen Licht. Was ich mir wünsche ist Spannung und Dramatik bis zum Schluss(pfiff). Ich will das Unerwartete, das Unglaubliche miterleben dürfen. Erinnern Sie sich vielleicht noch, Europameisterschaft 2008 in Österreich und in der Schweiz, als die türkischen Stehaufmännchen drohende Niederlagen in last-minute Siege verwandeln konnten? Noch jetzt läuft mir ein leichter Schauer über den Rücken, wenn ich an diese beiden Spiele (Tschechien und Kroatien)* zurückdenke (gegen die deutsche Elf war freilich kein türkisches Kraut gewachsen – Unwetter und schwarzer TV-Schirm hin oder her).

*) Wie es der Zufall so haben will, kommt es wieder zu diesen Begegnungen in Gruppe D!

Keine Frage, natürlich drücke ich der österreichischen Nationalmannschaft die Daumen. Mitfiebern bis zum bitteren oder glorreichen Ende. Gehört sich so. Ob ich große Erwartungen hege? Wir haben ja den Vorteil, dass der erste Gegner der vermeintlich schwächste in der Gruppe ist. Vor langer, langer Zeit war Ungarn eine Fußballmacht am Kontinent – den Engländern konnte seinerzeit sowieso keine Mannschaft das Wasser reichen, die spielten, wenn man so will, in einer eigenen Liga. Aber dann kam das Wunderteam und sorgte für einen noch nie dagewesenen (kurzen) Erfolgslauf. Wie gesagt, das ist lange her. In der Gegenwart werden wir von Alaba & Co keine Wunder erwarten dürfen. Es würde ja reichen, wenn die Spieler konzentriert zu Werke gehen und ihr Selbstvertrauen nicht in der Kabine lassen. Die Psyche ist schon immer die Achillesferse der österreichischen Nationalmannschaft gewesen. Vermutlich hängt es mit dem Verlust des Habsburger Kaiserreiches zusammen – damals, als Österreich von einer europameisterlichen Mannschaft zu einer Provinztruppe degradiert wurde, die nur noch in der Regionalliga spielen durfte. Diese Niederlage ist Teil der Volksseele und es wird noch viele Generationen und Siege brauchen, bis das Selbstbewusstsein wieder vollkommen hergestellt ist.

Einen Favoriten habe ich bis dato noch nicht. Natürlich gibt es die üblichen Verdächtigen, allen voran unsere deutschen Freunde, die eine Turniermannschaft sind und sich noch immer mit den eigenen Fußballschuhen aus dem Sumpf gezogen haben. Sie kennen ja den Ausspruch von Lineker, nämlich dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauere und am Ende die Deutschen gewännen. Aber bis zum Finale ist es ein weiter Weg.

Mit einem gallischen Zaubertrank könnten die Franzosen weit kommen – vorausgesetzt die Stimmung bleibt gut und es kommt zu keiner Rebellion. Die Franzosen haben ja bekanntlich einen Faible für kleinere und größere Umstürze. Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien, vor zwei Jahren, hat die französische Elf bereits aufgezeigt. Man wird sehen, ob sie zulegen konnte.

Englands Nationalelf wiederum hat durch den überraschenden Meisterschaftssieg von Underdog Leicester City Blut geleckt und Lunte gerochen. Vorbei die Epoche, als einzig Rooneys Knöchel über Sieg oder Niederlage entschied.

So. Jetzt warten wir mal die ersten Begegnungen ab und dann, dann können wir einen realistischen Favoritenkreis bestimmen. Die Glaskugel vorab zu befragen, also, no, no, das halte ich nicht für sinnvoll. Oui, oui.