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Hüten Sie sich, den Teufel beim Namen zu nennen

Redewendungen-2016

Durch Zufall bin ich über einen Artikel gestolpert, der eine gewisse Frau Festerling der „öffentlichen Aufforderung zu Gewalttaten“ bezichtigt. Da ich mich für Sprache aus beruflichen Gründen interessiere, wollte ich natürlich wissen, mit welchen Worten die gute Frau die Menge aufgepeitscht hat. Heutzutage würde es bekanntlich an ein Wunder grenzen, könnte man gewöhnliche Bürger aus ihrem gemütlichen Schlaf aufwecken. Die Aussage, die nun die Staatsanwaltschaft beschäftigt, lautet wie folgt:

Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.

Die Rede, in der dieser Satz gesprochen wurde, fand in Leipzig statt. Im Jahr 2016. So weit ich weiß, gehören Mistgabeln nicht mehr zum Inventar städtischer facebook-Revolutionäre der Neuzeit. Freilich, in den historischen Museen Deutschlands und Österreichs kann man die eindrucksvollen Waffen der Bauernaufstände bewundern. Dreschflegel und Sensen standen hoch im Kurs und ambitionierte Landwirte konnten damals so manchen Fürsten zum Einlenken bewegen. Heinrich von Kleist hat ja eine Novelle über solch ein (wahres) Ereignis geschrieben – und ich gehe davon aus, dass eine Schrift wie Michael Kohlhaas heutzutage auf den Index landen würde, weil, wo kämen wir hin, wenn die Bauern und Bürger anfangen würden, von den Eliten Recht einzufordern. Bereits der Philosoph Spinoza (1632-1677) wusste zu seiner Zeit, dass jeder nur so viel Recht hat wie er Macht hat. Heute ist das natürlich nicht anders.

Sehen Sie, wer sich ein wenig mit den gegenwärtigen Zuständen abseits der Lügenpresse Wahrheitspresse auseinandersetzt, der erkennt, dass die Elite und deren Handlanger in Behörden und Medien mit zweierlei Maß messen. Es gilt, die linke gegen die rechte Seite und die rechte Seite gegen die linke auszuspielen. So lange die Masse der Bürger unschlüssig bleibt, haben die Fürsten in Berlin Washington und Brüssel leichtes Spiel. Da kann es schon vorkommen, dass die Behörden zwielichtige Gestalten (auf Staatskosten) anheuern, um eine angemeldete bürgerliche Demonstration in Misskredit zu bringen – so der langjährige Präsident (1994-2000) des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz Helmut Roewer, der in einem Interview aus dem Nähkästchen plaudert.

Für mich liegt klar auf der Hand, dass LEGIDA und PEGIDA und wie sie alle auch heißen mögen, zur kontrollierten Opposition der Eliten gehören. Woher ich das weiß? Nein, wissen kann ich es nicht, aber die Vergangenheit zeigt, dass jede größere (revolutionäre) Bürgerbewegung früher oder später von den Eliten vereinnahmt und mit deren loyalen Handlangern besetzt wurden. Denn, schalten wir kurz mal das Gehirn ein, es geht doch nicht um die „Islamisierung des Abendlandes“. Nope. Es geht darum, dass die Bürger ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern und all die korrupten Fürsten sowie deren Handlanger zur Verantwortung ziehen. Dazu braucht es keine Heugabeln, keine Dreschflegel – nur einen gemeinsamen Willen – und Eier in der Hose.

Mit PEGIDA in Wien flanieren

[D]diese Amerikaner sind zum Himmel stinkende Krämerseelen. Todt für alles geistige Leben, maustodt. […] Eine Niagarastimme gehört dazu, um diesen Schuften zu predigen, daß es noch höhere Götter gebe, als die im Münzhaus geschlagen werden.

Der Wiener Dichter Nikolaus Lenau, der die USA bereiste, in einem Brief vom Oktober 1832; entnommen: Lenau’s Leben, Großentheils aus des Dichters eigenen Briefen von seinem Schwestermanne Anton X. Schurz. Erster Band. J. G. Cotta’scher Verlag, Stuttgart/Augsburg 1855, S. 196ff.

Heute, Montag, soll PEGIDA [Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes] in Wien einen Spaziergang unternehmen. Aha. 250 bis 300 Teilnehmer, so die Salzburger Nachrichten, werden erwartet. Schau mal einer an. Ich habe mir vor  gar nicht allzu langer Zeit Gedanken über diese Bewegung gemacht, die – wenn ich mich recht erinnere – in Leipzig ihren Anfang nahm und immer wieder gegenüber der Lügenpresse, pardon, Mainstream-Presse, aneckt.

Also? Die erste Verwunderung, die mich verwundert hat, ist die Entstehungsgeschichte. Wenn es stimmt, was ich hörte, so solle die Bewegung mittels einer facebook-Seite ins Laufen gekommen sein. Ich weiß ja nicht, wie oft Sie in sozialen Netzwerk herumturnen, aber für mein Dafürhalten ist es so gut wie unmöglich, als Einzelner, ohne Gehilfen, eine Protestbewegung ins Leben zu rufen. Jede revolutionäre Bewegung, das sollte man wissen, ist ein kalkuliertes Produkt elitärer Gruppierungen, die Geld, Einfluss und Medienkontrolle haben. Oder glauben Sie ernsthaft, dass beispielsweise der Staatsstreich in der Ukraine nur deshalb zustande kam, weil unzufriedene Bürger auf die Straße gingen?

Die zweite Verwunderung, die mich verwundert hat, ist der Name der Bewegung. PEGIDA klingt hart. Im Besonderen das P, das am Wortanfang steht, wird ja hart gesprochen. Ist das im Sinne einer friedlichen Protestbewegung? Nope. Der Name ist Programm. Außerdem ist das Wort „patriotisch“ – mit deutschem Zungenschlag gesprochen – nicht gerade positiv besetzt. In den USA sähe es freilich anders aus, aber da die Bewegung nun mal in good old Germany startete, muss ich diesen unglücklichen Umstand anprangern. Außerdem, warum ist dieser Bewegung gerade der Islam ein Dorn im Auge? Die Kultur des Abendlandes wird seit 1945 durch den Konsumismus in den Grundfesten erschüttert. Deutsche Tugenden und alte Traditionen? Wurden und werden mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Christliche Werte? Wurden und werden mit der römisch-katholischen Kirche in Verbindung gebracht. Das Ergebnis dieser kulturellen Umformung ist, dass man dem gewöhnlichen Bürger, der sich vor einem aufkommenden Sturm schützen möchte, jede Zuflucht genommen hat. Kein Wunder also, wenn er sich – ziel- und hoffnungslos – an jeden Strohhalm klammert, der ihm dargeboten wird.

Kontrollierte Opposition ist keine Erfindung der Neuzeit. Denken Sie immer daran, dass es im Hintergrund Kräfte gibt, die nicht das Wohl eines Volkes im Sinne haben. Ganz und gar nicht. Die Zeichen, so viel ist mir klar, stehen auf Sturm. Möchte sich der Bürger, der Mensch, vor diesem Unbill schützen, gilt es für ihn, die Gemeinschaft zu suchen. Einigkeit mit dem Nachbar ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht jedoch Zwistigkeit und Hass. Sehen Sie, jeder Machtmensch weiß, dass er seine Untergebenen gegeneinander ausspielen muss, um an der Macht zu bleiben. Divide et impera, Teile und Herrsche. Diese Maxime ist so alt wie die Zivilisation selbst.

Die Lösung für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme sind deshalb nicht  Protestbewegungen, die von elitären Gruppierungen manipuliert und gelenkt werden können, sondern vielmehr die Rückkehr zu alten Tugenden, die Rückkehr in die Gemeinschaft. Im März 1833 hat Nikolaus Lenau bereits genug von seinem Ausflug und er schreibt nach Wien:

Man meine ja nicht, der Amerikaner liebe sein Vaterland, aber er habe ein Vaterland. Jeder Einzelne lebt und wirkt in dem republikanischen Verbande, weil dadurch und so lange dadurch sein Privatbesitz gesichert ist. Was wir Vaterland nennen, ist hier bloß eine Vermögensassekuranz.