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EM: Viertelfinale 1

Donnerstag, 19. Juni 2008

Viertelfinale 1: Münchhausens Zopf

VF 1, in Basel (20:45): Portugal : Deutschland 2:3
Sieger Gruppe A – Zweiter Gruppe B

Was soll man dazu noch sagen? Die Deutschen, die zuvor nicht überzeugen konnten (Polen war eindeutig zu schwach, um sich mit einem klaren Sieg zu brüsten), die von den Österreichern sogar nach Hause geschickt hätten werden können, sich „nur“ durch einen Freistoß ins Viertelfinale retteten (freilich, ein Unentschieden hätte ihnen auch gereicht), schlagen die als EM-Favorit geltenden Portugiesen souverän. Souverän? Zähneknirschend muss ich es schreiben. Weil es stimmt. Die Portugiesen konnten die Deutschen nie unter Druck setzen. Ja, man hatte nie wirklich das Gefühl, dass die Portugiesen gewinnen wollten. Zu zaghaft in ihren Bemühungen. Obwohl sie ausgeruhter hätten sein müssen, liefen ihnen die Deutschen davon – weil sie wussten, wohin sie zu laufen hatten.

Wie schon letztens gesagt: wenn die Deutschen (oder Italiener) in Führung gehen, dann wird es für jede Mannschaft schwierig, dagegen zu halten. Und wenn wir die Spiele der Portugiesen rückblickend betrachten, dann muss man sagen, dass ihr erster Sieg gegen völlig apathische Türken, die sich dachten, wenn sie nicht aufs Tor schießen, würden es die Portugiesen auch nicht machen, keine Herausforderung darstellte. Gegen Tschechien war es schwieriger. Schwieriger? Gegen eine schwächelnde Altherrentruppe, die gegen die Türken dankend 3 Tore in 15 Minuten (!) hingenommen haben? Eben. Also: Die Gegner der Portugiesen waren eindeutig keine ernstzunehmenden. Tja. Mit Deutschland kam nun ein angeschlagener Münchhausen, der schon bis zum Hals in der „Medien-Scheiße“ steckte. Natürlich unterschätzten die Portugiesen die deutsche Elf. Geblendet vom Hype um sie und Ronaldo, konnten sie nur ein müdes Lächeln übrig haben, für die öde Ballack-Truppe.

Jetzt ärgere ich mich nicht über die Deutschen, nein, ich ärgere mich über die Portugiesen. Weil sie nicht bissig genug waren. Haben sie sich nicht das Kroatienspiel angesehen? Die Kroaten kämpften, als würde es um ihr Leben gehen. Nur so kann man gegen die Deutschen einigermaßen erfolgreich sein. Alles andere ist sinnlos und lächerlich.

Der Alptraum: Deutschland kommt ins Finale und trifft dort auf Italien. Ich denke, das hätte sich der europäische Fußball nicht verdient.

Sodala.
Ich werd mir jetzt einen Tango kochen. Wie lange es wohl dauert, bis der weich wird?

EM: Spieltag 3 – Gruppe A

Sonntag, 15. Juni 2008

Spieltag 3 – Gruppe A: türkische Stehaufmännchen oder Ein Spiel, das es gar nicht geben dürfte

Gruppe A, in Basel (20:45): Schweiz – Portugal 2:0

Die portugiesische B-Mannschaft kämpft wacker, verliert aber gegen eine motivierte schweizer Elf. Ich denke, das ist nur gerecht. So haben alle was davon. Den Portugiesen ist’s egal, die Schweizer freut’s.

Gruppe A, in Genf (20:45): Tschechien – Türkei 2:3

Ja, als Österreicher kennt man den Einbruch seiner Mannschaft ganz gut. Wir erinnern uns: das Freundschaftsspiel gegen Holland. Da liegen wir nach etwa 35 Minuten mit 3 Toren (!) in Führung und verlieren am Ende mit 3:4. Da dachte man sich: wir sind halt zu blöd, so einen Vorsprung über die Distanz zu spielen. Aber einerseits war es nur ein Freundschaftsspiel, und andererseits ging es immerhin gegen ein Holland, das bei der EM gezeigt hat, wozu es fähig ist.

15 Minuten vor Schluss führen also die Tschechen verdient mit 2:0. Davor war von den Türken nicht viel zu sehen. Eigentlich können sie froh sein, sich nicht schon das dritte Tor eingefangen zu haben. Und der baumlange türkische Innenverteidiger Cervet, der die Rolle des Lazarus übernimmt, hat mehr Blessuren als die ganze tschechische Mannschaft zusammengenommen und trotzdem kämpft und läuft er weiter und weiter. Wahrlich. Dieser Kerl ist ein Held. Vermutlich bauen sie ihm bereits am Bosporus ein Denkmal (in Ottakring vermutlich auch). Als in der 75. Minute die Türken den Anschlusstreffer schießen, denkt man sich im Stillen, dass es spannend werden könnte. Aber diese Türken, die bis dahin kaum eine nennenswerte Aktion zustande gebracht haben, sollen plötzlich gefährlich werden? Und langsam dämmert den Tschechen, was da los war, als die Osmanen gegen Wien anrannten.

Ja, solche verrückten Spiele gibt es. Selten. Hin und wieder. Deshalb muss man sich 100 mittelmäßige Spiele anschauen, damit man so eines erleben darf. Die Dramaturgie vom Feinsten. Mir gefällt es einfach, wenn der Underdog, der Verlierer sich aufbäumt und noch einmal all seine Kräfte aufbietet um das Schicksal, das gegen ihn ist, zu fordern. Zu meist gewinnt das Schicksal. Aber an diesem Tag, da wurde das Schicksal und Tschechien in die Knie gezwungen. Peter Czech, einer der weltbesten Torhüter macht einen kapitalen Schnitzer, ermöglichte so den Ausgleich für die Türken. Hätte man das für möglich gehalten? Und Minuten später läuft die tschechische Hintermannschaft, die allesamt ihr Brot in Italien verdient, dem ballführenden türkischen Spieler hinterher und vergisst, dass ein anderer damit völlig ungedeckt und alleine bleibt. Natürlich kommt, was kommen muss: Nihat, der ungedeckte Spieler, bekommt den Ball und knallt ihn ins Kreuzeck. Hmmmm. Jeztt muss man sich fragen: ist sowas realistisch?

Wiederum, nur noch wenige Minuten zu spielen, muss sich der türkische Torhüter Demirel Luft verschaffen und stößt Jan Koller um. Damit muss er mit mit Rot vom Feld. Alles kein Problem, würde man meinen, aber die Türken haben schon drei Mal ausgetauscht, dürfen demnach ihren Ersatztorhüter nicht einwechseln. Also streift sich einer der Feldspieler das für ihn viel zu große Tormanntrikot über. Wenn man in sein Gesicht blickt, seine Gesten beobachtet, dann sieht es so aus, als würde er seiner Mannschaft sagen wollen, dass er nicht ins Tor gehen will. Erinnert das nicht an unsere Kickerzeiten im Park? Der Kleinste, der Unfähigste, der Dümmste musste immer ins Tor. Wahrlich, ich hätte es gerne gesehen, wie das Bürscherl auf Tormann macht. Leider kam es nicht mehr dazu. Weil die Tschechen nicht mehr in der Lage waren, in den wenigen Sekunden einen hohen Ball in den Strafraum zu flanken. Sie waren stehend Ko.

Jetzt kommt es knüppeldick: die Türken spielen ihr Viertelfinale in Wien gegen die Kroaten. Wer hätte das gedacht? Ich würde sagen: die Kroaten schießen die Türken ab. Irgendwann lässt sich das Schicksal nicht mehr biegen. Irgendwann muss auch ein Cervet seinen Blessuren Tribut zollen. Aber so wie ich die Türken und Cervet kenne, geben sie kein Spiel auf und kämpfen, als würde es kein Morgen geben. Herrlich. Das gefällt mir. Und Wien wird zum Tollhaus. Nicht nur morgen, sondern auch am Donnerstag.

EM: Spieltag 2 – Gruppe A

Mittwoch, 11. Juni 2008

Spieltag 2 – Gruppe A: Der Schock von Basel

Gruppe A, in Genf (18:00): Tschechien – Portugal 1:3

Die Tschechen, wider erwarten, besser als gegen die Schweizer – was nicht all zu schwer fällt, denn noch schlimmer geht’s ja eigentlich sowieso nicht. Immerhin hätte man meinen können, die Tschechen halten das (unverdiente) Unentschieden und gurken sich so ins Viertelfinale. Aber Portugal wäre nicht Portugal, wenn sie nicht verbissen den Sieg erzwingen können (wehe, wenn sie sich einmal die Zähne ausbeißen). Im Großen und Ganzen darf man sagen: die Portugiesen sind bis jetzt nicht gefordert worden und werden auch im letzten Spiel nicht gefordert. Damit ist im Viertelfinale portugiesische Überheblichkeit vorprogrammiert.

Gruppe A, in Basel (20:45): Schweiz – Türkei 1:2

Ja, das nenn ich mal ein emotions- und spannungsgeladenes Fußballspiel. Eine Regenschlacht. Eine Nervenschlacht. Ein Basler Drama. Aber – wie schon so oft gesagt – Tore, die man nicht schießt, bekommt man (schlag nach bei Österreich). Knüppeldick! Minuten vor Schluss laufen die Eidgenossen einen Konter. Drei Schweizer gegen einen Verteidiger. Was machen sie daraus? Nichts. Sie schießen den Torhüter an (zugegeben, so schlecht war der Schuss freilich nicht). Und im Gegenzug, was passiert da? Genau. Die Türken machen das entscheidende Tor. Aus. Schluss. Vorbei. Für die Schweizer. Ein Jammer. Und die türkischen Fans feiern in Wien (und natürlich anderswo) auf ihre Art und Weise. Wie Paleica erzählte, mit Pfefferspray in U-Bahn-Passagen. Auch nicht schlecht. Vermutlich ist ihnen der Champagner ausgegangen. Jetzt kann uns nur noch Tschechien („als Böhmen noch bei Österreich war, vor fufzig Jahr, vor fufzig Jahr …“) vor weiteren Türkenexzessen retten. Wenigstens wird es ein spannendes, dramatisches, emotionsgeladenes Spiel. Nichts für schwache Nerven.

EM: Spieltag 1 – Gruppe A

Samstag, 7. Juni 2008

Ist das also der (laue) Vorgeschmack auf die weiteren EM-Spiele?
Gott behüte. Ich will mehr EMOTIONEN!


Gruppe A, in Basel (18:00 Uhr): Schweiz – Tschechien 0:1

Den Schweizern kann und darf man keinen Vorwurf machen. Sie haben brav gekämpft, haben viel versucht, am Ende reichte es nur für einen Lattenschuss vom „Salzburger“ Vonlanthen. Auch schon was. Die Tschechen bestätigen, dass sie eigentlich gekommen sind, um Stehfußball zu spielen. Ja, das gehobene Alter verpflichtet. Merkwürdigkeit 1: ein Ex-Austrianer war der beste Mann am Spielfeld (Sionko) und der andere hat das goldene Tor gemacht (Sverkos). Wir sehen: die österreichische Bundesliga ist vielleicht doch nicht völlig abzuschreiben. Merkwürdigkeit 2: die Schweizer, so sagt man, sind ruhige, zurückhaltende Zeitgenossen. Wie wahr! Ich vermute, fünf Brasilianer hätten locker mehr Stimmung im Stadtion gemacht als die 20.000 Eidgenossen. Vielleicht sollten sich die Schweizer überlegen, südländische Fans einzubürgern. Bei den Fußballern geht das ja schon wie geschmiert: Valon Behrami, Gelson Fernandes, Johan Djourou.

Gruppe A, in Genf (20:45): Portugal – Türkei 0:2 2:0

Die Türken haben auf ganzer Linie versagt, nein, enttäuscht. Ich dachte an ein rassiges, hitziges, emotional aufgeladenes Spiel gegen die europäischen Brasilianer. Statt dessen ein nervöses Herum- geschiebe des Balles. Gut, technisch ist schwer mitzuhalten, mit den Portugiesen. Und dass sie EM-Favorit sind, heißt noch lange nicht, dass man sich nicht gegen sie wehren darf. Gegen die Schweiz wird das hoffentlich besser. Die Portugiesen haben ihr Plansoll erreicht. Ein bisserl stutzig konnte man schon werden: den Tor-Bann musste ein Innenverteidiger (Pepe) brechen, der in guter alter Puyol- bzw. Lucio-Tradition aus Fadesse nach vorne dribbelte. Beachtlich! Von einem Christiano Ronaldo sah man wenig. Was irgendwie zu erwarten war. Die Türken dürften ihn gut zugedeckt haben („Müde bist du, geh zu Ruh, nun schließ brav die Äuglein zu“).