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Der (vermeintliche) Anschlag in Nizza, ein Jahr danach

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Der Moment als die Straßenbahn in die Menschenmenge fuhr – oder doch nicht?

Heute jährt sich also der (vermeintliche) Anschlag von Nizza. Ich habe dieses Ereignis in allen Details und Schattierungen damals recherchiert und kam schlussendlich zum (vorläufigen) Ergebnis, dass die offizielle Version widersprüchlich, lückenhaft und mit zuweilen haarsträubenden Erklärungen aufwartet (siehe hier).

Ein Jahr später hat sich dahingehend nichts geändert. Der deutsche Wikipedia-Eintrag setzt den Beginn des Ereignisses auf 22 Uhr 45, da war das Ganze aber schon längst vorbei und der (vermeintliche) Attentäter erschossen. Dumm, wenn dann ein vierköpfiges Journalistenteam der größten Tageszeitung Österreichs einfach den falschen Wiki-Eintrag übernimmt und in einem zweiseitigen Artikel anführt. Peinlich. Die englische Wiki hat längst die (in)offiziellen Zeitangaben eines seinerzeit geleakten Polizeireports im Artikel verarbeitet. Warum die deutschsprachigen Wiki-Autoren die falschen Zeitangaben nicht ändern wollen, bleibt eines der vielen Rätsel dieses Events.

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16 Fußnoten in 14 Stunden

Zu guter Letzt noch dieser Blog-Post. Dann ist Schluss für heut. Rund 14 Stunden bin ich an den Fußnoten für Con$piracy gesessen und habe versucht, damit meine Ansichten abzudichten, will heißen, sie wasserdicht zu machen. Denn die größte Gefahr, die ein unbekannter Autor machen kann, der unbequeme Themen behandelt, ist, dass er seine – für Außenstehende sehr seltsam klingende –  Überlegungen ins Blaue abfeuert. Also braucht es eine Reihe von Persönlichkeiten, sei es in Politik oder Wissenschaft oder in den Medien, die als getreue Zeugen aufgerufen werden können. Aber leicht ist es wahrlich nicht, diese Zeugen zu finden.

Heute konnte ich folgende Zeugen in den Zeugenstand rufen:

Robin Cook, ehem. britischer Außenminister.
General Leonid Ivashov, ehem. Generalstabschef der Russischen Föderation.
James H. Billington, Fire in the Minds of Men: Origins of the Revolutionary Faith, 1999.
Flavius Josephus, antiker Historiker.
›Innsbrucker Zeitung‹ vom 6. November 1809.
Biophysiker / Biokynetiker Prof. Heinz von Foerster.
Mother Jones Artikel in der Ausgabe Sept./Okt. 2011.
Miklós Kun, Stalin: An Unknown Portrait, 2003.
AlterNet Artikel vom 9.10.2011.
Berliner Zeitung vom 29.02.2000.
bedingt »niveauvoll« Quelle in USA.
ABC News vom 16.02.2012.
US Außenministerium vom 19.01.2010.
Transkript der US-Kongressanhörung 27.01.2010.
Open Salon vom 3.2.2010.

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Ja, auf den ersten Blick fragt man sich, wie man an diesen Fußnoten mehr als einen halben Tag sitzen kann. Tja. Wenn man wüsste, wo diese zu finden sind, dann wäre alles um so viel einfacher. Aber manchmal braucht es viel Zeit, Gehirnschmalz und Glück, dass man die richtige Stelle in einem Konvolut unwesentlicher Daten findet. Eine Niederlage musste ich leider hinnehmen: Das Transkript einer US-Gerichtsverhandlung konnte ich beim besten Willen nicht ermitteln. Vielleicht ist es auch gar nicht online einsehbar, geht es doch um die »Staatssicherheit« der USA. Apropos. Im Moment lese ich John Mosiers »The Eastern Front, 1941 – 1945« und gleich zu Beginn eröffnet der US-Historiker das Buch mit dem Kapitel »Pseudo-Reality and the Soviet Union«. Ich denke, jeder, der sich mit den großen Ereignissen im 20. Jahrhundert beschäftigt, sollte sich das Kapitel zu aller erst zu Gemüte führen. Dann wird einem vielleicht mit einem Schlag klar, dass nichts ist wie es scheint – jedenfalls dann, wenn die Obrigkeit Mittel und Wege findet, Lüge in Wahrheit umzuformen. Oder wie es ein geflügelte Phrase in der Sowjet-Ära auf den Punkt bringt: »Er lügt wie ein Augenzeuge.« More to come!

Nur ein Brief von John Quincy Adams oder: Wer suchet, der findet

Ich nehme an, jeder Historiker, der sich mit der näheren Vergangenheit beschäftigt, kann sich noch gut an jenes Glücksgefühl erinnern, das ihn ereilte, als er ein Dokument nach langer Suche in den dunklen verstaubten Archiven endlich fand. Freilich, anno 2012 findet die Suche in seinen eigenen vier Wänden statt – eine weltweite schnelle Internetverbindung vorausgesetzt.

Gestern war es, als ich den Original-Brief von US-Präsident John Quincy Adams im Index der John B. Coleman Library der Prairie View A&M University in Texas auftat. Kurzerhand erbat ich um eine Kopie oder Abschrift, die mir nach wenigen Stunden bereits per E-Mail zugeschickt wurde. Der Inhalt des Briefes ist besser als ich erwartet hatte und deshalb freut es mich doppelt und dreifach. Somit werde ich mir erlauben, den Brief zur Gänze im Buch »Con$piracy« aufzunehmen – die Übersetzung werde ich freilich selbst vornehmen.

Das Unterfangen, alle meine Quellenangaben zu überprüfen, so dass sie wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, unterweist sich als zeitraubende Aufgabe. Trotz eines unerhörten Arbeitstempos wurde noch nicht einmal ein Viertel des Buches abgearbeitet. Trotzdem darf ich mich nicht beklagen. Das worldwide Web macht Recherche beinahe zu einem Vergnügen. Das Auffinden längst vergriffener oder verschollener Bücher oder Zeitschriften ist dabei genauso möglich, wie das virtuelle Durchblättern unbekannter wissenschaftlicher papers oder eingescannter Originaldokumente. Zuweilen ist es freilich die verzweifelte und frustrierte Suche nach der einen Nadel im überquellenden Heuhaufen. Aber welch zufriedenes, beinahe erhaben glückliches Gefühl, wenn man fündig wird oder ein Webportal findet, das unzählige wichtige Schriften und Abhandlungen in digitalisierter Form zur Verfügung stellt. Und ja, langsam verstehe ich, wenn Historiker oder Politologen oder Philosphen jahrzehntelang an einem Buch arbeiten. Aber so viel Zeit gebe ich mir nicht.

Im Zuge meiner Recherche stoße ich – zumeist ist es der Zufall, der mich führt – auf Bücher, die ich haben muss. Weil sie für mein nächstes Buchprojekt von essenzieller Bedeutung sind. Ja, im Kopf hüpft die Idee eines Buches mit dem Titel »VERBOTEN!« anständig herum. Die Idee ist reizvoll. Vermutlich, weil der Inhalt des Buches noch sehr vage ist und eher dem phantastischem Wunschdenken entspringt, der Welt eine andere Wahrheit zu zeigen.Aber wollen wir besser im Hier und Jetzt bleiben und all die offenen Buchprojekte zu einem Abschluss bringen.