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Was Sie schon immer über Griechenland und das liebe Geld wissen wollten

Tietmeyer_Finanz

Hier der fiktive Dialog zwischen einem ungläubigen Michel, nennen wir ihn deshalb X., und einem kritisch-skeptischen Bürger, der sich viele Gedanken über das Gestern gemacht hat – sein Name soll B. sein.

X: Also, mein lieber B., du bist doch so ein schlaues Kerlchen. Ich sage dir, die Griechen sind ein faules Pack. Die wollen nicht arbeiten und möchten es sich auf unsere Kosten gut gehen lassen. Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen.

B: Sieht man sich die Anzahl der Arbeitsstunden im OECD-Vergleich an, dann arbeiten sich die Griechen den Rücken krumm. Siehe Focus. Im Jahr 2012 waren die Griechen mit 2.034 geleisteten Arbeitsstunden/Jahr Spitzenreiter. Die Deutschen kamen „abgeschlagen“ auf 1.397 und die Österreicher immerhin auf 1.699 Arbeitsstunden/Jahr. So wie es aussieht, dürfte es in Griechenland einen hohen Anteil an Zweitjobs geben. Ein Indiz, dass es der breiten Masse finanziell nicht sonderlich gut gehen dürfte.

X: Ach, was. Ist ja nur eine blöde Statistik. Wenn die Griechen so viel gearbeitet hätten, warum haben sie dann so einen Schuldenberg angehäuft? Die haben es sich gut gehen lassen. Auf unsere Kosten! Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen.

B: Zum Schulden machen, gehören immer zwei. Der eine, der Geld hergibt und der andere, der Geld nimmt. Weiters ist dabei zu bedenken, dass aufgenommene Kredite – für gewöhnlich – in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Ein Beispiel:

Athen hatte im Jahre 2000 vier U-Boote des Typs 214 im Wert von 2,85 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Nach Angaben deutscher Ermittler soll die ehemalige Man-Tochter Ferrostaal Bestechungsgelder in Millionenhöhe gezahlt haben. [Spiegel Online]

Mit anderen Worten: Wenn Deutschland Güter produziert und diese exportieren möchte, dann braucht es auch Abnehmer, die bereit sind, zu zahlen. Man stelle sich vor, die Griechen (und überhaupt die Staaten, die verschuldet sind, also alle) hätten ein rigoroses Sparprogramm gefahren und ihre Importe aus Deutschland gedrosselt. Dann wären die deutschen Unternehmer gezwungen gewesen, ihre Produktion ebenfalls zu drosseln. Nicht lange, und es wäre zu Werksschließungen und Massenentlassungen gekommen. Das hätte wiederum dazu geführt, dass auch Deutschland seine Importe reduzieren hätte müssen. All das würde eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Nicht anders war es in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Um solche eine Krise zu verhindern, kamen kluge Ökonomen auf die Idee, den Regierungen Import-Kredite zu gewähren. Geld ist ja beliebig verfügbar.

X: Blödsinn. Geld wächst doch nicht auf Bäumen.

B: Ich weiß, es ist nur schwer vorstellbar, aber es ist, wie ich sagte: Geld ist beliebig verfügbar. Es ist nur eine Zahl in einem Computer. Geld wird aus dem Nichts herbeigezaubert. Dies hat ein deutscher Professor unlängst nachweisen können:

“Somit können wir nun mit absoluter Sicherheit – möglicherweise zum ersten Mal in der 5000-jährigen Geschichte des Kreditwesens – sagen, dass es empirisch bewiesen wurde, dass jede einzelne Bank Kredit und Geld aus dem Nichts erschafft, wenn sie einen sogenannten ‘Bankkredit’ gewährt.” Siehe Artikel.

X: Hahaha. Wenn das stimmen würde, dann könnte man ja den Griechen und der ganzen Welt weiterhin Kredit gewähren, bis zum Sanktnimmerleinstag.

B: Ja. Könnte man.

X: Und warum tut man’s dann nicht?

B: Diesbezüglich müsste man wohl jene fragen, die das Monopol auf die Geldschöpfung besitzen.

X: Die Regierungen?

B: Nein, Regierungen haben längst das Monopol zur Geldschöpfung verloren. Diese monströse Macht ist in den Händen von Privatleuten, die an den Banken beteiligt sind, die wiederum an den Zentralbanken beteiligt sind. Für den gewöhnlichen Bürger sieht es so aus, als würden immer nur Banken und deren Manager im Geld- und Finanzwesen eine Rolle spielen. Dabei vergisst der Bürger den Umstand, dass jedes Unternehmen jemanden gehört. Der Eigentümer hat somit die Kontrolle über die Geldschöpfung als auch über die Kreditvergabe und hat damit den größten Einfluss auf das Weltgeschehen. Das klingt natürlich nach einer dieser obskuren Verschwörungstheorien, aber wenn wir dem Wiener Journalisten und international gut vernetzten Theodor Herzl (1860-1904) Glauben schenken möchten, dann erkannte dieser bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Gefahr, die diese mächtigen Bankiers für ein zukünftig souveränes Israel hätten. Hier ein Ausschnitt seiner Rede an die wohl bekannteste Bankiersfamilie seiner Zeit:

Jetzt muß ich um die Erlaubnis bitten, von Ihrem Vermögen zu sprechen. — Ihr Kredit ist enorm, monströs. Ihr Kredit beträgt viele Milliarden. — Ich weiß nicht, ob sich alle Regierungen schon darüber klar sind, was Ihr Welthaus für eine Weltgefahr ist. Mann kann ohne Sie keine Kriege führen, und wenn man Friede schließen will, ist man erst recht auf Sie angewiesen. — So werden wir im Judenstaate Ihr beängstigendes Vermögen, das unsere wirtschaftliche und politische Freiheit ersticken würde, von vornherein nicht dulden. — Wir werden einige Sicherheits-Vorkehrungen gegen Ihr gefährliches Vermögen treffen müssen. — Wir sperren nämlich die Börsen, gleich nachdem sie fertig geworden sind! Mit anderen Worten, wir führen das Börsenmonopol ein. Ja, der ganze Geldhandel wird verstaatlicht. — Wir dirigieren vor allem unsere Staatskredit unabhängig von Privaten.
[Tagebuchauszug: Rede an die Rothschilds, 1895, S.144-210]

X: Nur mal zum Mitschreiben. Du behauptest, diese Rothschilds sind an allem Schuld? Ich glaub, ich brauch nen Alu-Hut.

B: Rothschild ist nur ein Name, der ist Schall und Rauch. Es geht mir darum, dem gutgläubigen Bürger drei Dinge vor Augen zu führen:

1. Es muss da draußen „monströse Vermögen“ geben, über die einige wenige Personen verfügen. Das ergibt sich zwingend aus der Überlegung heraus, dass sich die größten Vermögen nicht in Luft auflösen können – vielmehr wechseln sie immer nur den Besitzer.

2. Wer die Geldschöpfung kontrolliert, kontrolliert alles andere – seien es Regierungen, Organisationen oder Geheimgesellschaften – und erhält auf alle aus der Luft geschöpften Gelder zusätzlich Zinsen.

3. Geld hat keinen Wert an sich. Es ist nur das (staatlich!) verbriefte Recht Zugriff auf eine vergangene oder zukünftige Arbeit zu haben. Mit anderen Worten: Geld ist Glaube. Würde niemand mehr auf dieser Welt Geldscheine akzeptieren, würde das ganze Geldsystem zusammenbrechen und sich aller Geld-Reichtum in Luft auflösen (Asche zu Asche, Staub zu Staub, wenn man so will). Es verhält sich freilich genauso mit Gold, Silber oder Diamanten, wenn diese als „Geld“ Verwendung finden.

X: Blödsinn! Gold ist doch eine Vermögensanlage! Weiß doch jeder! In Krisenzeiten war es immer das Gold, das die Menschen vor dem Verhungern gerettet hat. Solltest du doch wissen.

B: Nein! Gold oder Geld hat noch keinen Menschen vor dem Verhungern gerettet. Es sind Landwirte, die ihre Felder bestellen und ernten, die ihre Kühe schlachten und portionieren und so weiter. Falls ein Landwirt kein Gold haben möchte, wirst du vor seiner Speisekammer verhungern. Vielleicht möchte er neue Schuhe, vielleicht einen neuen Anzug. Gold und Silber werden nur deshalb als Geld angesehen, weil sie seit dem Altertum im internationalen Handel Verwendung fanden. Aber auch hier gilt wieder zu fragen, wer besitzt denn all die Gold- und Silberbestände und wer besitzt die Gold- und Diamantminen. Nicht umsonst wurde vor hundert Jahren im „goldenen“ Südafrika ein Krieg gegen die holländischen Siedler geführt, weil sich diese gegen das britische Imperium auflehnten.

X: Schnee von gestern. Das interessiert doch keinen. Griechenland ist das Thema!

B: Es mag Schnee von gestern sein, ja, und trotzdem läuft die Sache noch immer genauso ab. Nur der Name der „imperialen Macht“ hat sich geändert. Bedenken wir: Die reichsten, wirklich reichsten Männer der Welt, so es sie gibt, haben zwar ein immenses Vermögen, aber per se keine exekutive Macht. Sie benötigen demnach einen potenten Staat, der für sie einerseits über ihr Vermögen wacht – sei es militärisch, sei es gesetzlich – andererseits in der Lage ist, international auf allen Ebenen – sei es militärisch, sei es wirtschaftlich – zu intervenieren. Möchten also diese mächtigen Männer einen Kuchen von Griechenland, können sie ihr Vorhaben nur schwerlich allein durchsetzen. Aber eine „offiziell“ eingesetzte Polit-Gruppe (Troika/EU-Chefs) ist in der Lage, Verträge mit der griechischen Regierung zu schließen, die der internationalen Privatwirtschaft zu Gute kommt. In diesem Schriftstück kann man die Forderungen der Troika lesen – inklusive der Anmerkungen des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis. Da geht es unter anderem darum, dass Griechenland eine Vielzahl staatlicher Institutionen „privatisieren“, also zum Kauf anzubieten, muss.

X: Was ist daran schlecht? Der Staat verschleudert ja die Steuergelder. Private Unternehmen gehen viel sorgsamer um, mit dem Geld. Und ein Monopol ist ja immer schlecht. Nur Konkurrenz sorgt für niedrige Preise.

B: Die Welt, in der wir gegenwärtig leben, ist längst „monopolisiert“. Wir merken es nicht, weil wir generell in „Markennamen“ denken. Aber im Hintergrund sind es nur eine Hand voll Beteiligungsgesellschaften von „Privatiers“, denen die größten multinationalen Konzerne gehören, die wiederum mit ihren bekannten Markennamen einen erheblichen gesellschaftlichen Einfluss ausüben. Siehe Artikel. Mit anderen Worten: Es sind gerade diese „Privatiers“ die alles daransetzen, staatliche Institutionen zu zerschlagen und günstig aufzukaufen [kurz: die Plünderung eines Landes]. Der springende Punkt ist, dass staatliche Betriebe dem Volk gehören – auch wenn es so nicht von den Medien kolportiert wird. Das heißt, dass das Volk über jeden staatlichen Betrieb Rechenschaft verlangen darf. Ein Privatunternehmen kann wiederum tun und lassen, was es möchte: Es kann jederzeit Preise erhöhen (weil es der Markt „verlangt“), kann insgeheim Absprachen mit „Konkurrenten“ treffen, kann „Märkte“ und Regierungen beeinflussen und manipulieren (LIBOR!, Enron) und ist am Ende immer nur den Aktionären verpflichtet, niemals der Gemeinschaft. Nebenbei werden Großkonzerne oftmals durch Steuererleichterungen „subventioniert“. Es kann demnach gut sein, dass ein staatliches Unternehmen der Gemeinschaft weniger kostet als ein privatisiertes – wenn man alle Kosten externer Effekte (Umweltverschmutzung, geringere Sicherheitsauflagen, Arbeitsplatzeinsparungen, Wartungsmängel, usw.) in die Gleichung einbezieht. Und sollte ein Konzern so groß geworden sein, dass er nicht mehr in Konkurs gehen darf, weil sonst die ganze Wirtschaft eines Landes zusammenbrechen würde (too big to fail), hat wiederum der Staat, also das Volk, einzuspringen. So geschehen in den USA 2008, als eine Reihe von privaten Finanzinstitutionen mit Steuergelder gestützt werden musste. Kurz und gut: Die Profite werden privatisiert, die Verluste verstaatlicht. [Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Stiglitz nennt das Ersatzkapitalismus]

X: Ach, du siehst alles so negativ. Die Griechen sind ein faules Pack. Die wollen nicht arbeiten und möchten es sich auf unsere Kosten gut gehen lassen. Steht doch so in der Zeitung. Muss ja stimmen. Du bist nur ein Doomster, ein Schwarzseher.

Die Schulden von Griechenland und eine Hausübung.

Ehrlich gesagt, ich kenne den guten Mann nicht. Er heißt Andreas Popp und beantwortet Fragen zum Thema Wie es mit dem Euro und dem Dollar weitergeht. Nun, wenn man den Mainstream-Blätterwald so verfolgt (ich tue es nicht, zugegeben), dann kommt man zum Schluss: alles wie gehabt. Zum einen gibt es die rotzfrechen Griechen, die trotz horrender Verschuldung nicht sparen wollen. Zum anderen junge Spanier die auf vielen Plätzen in der Sonne liegen und nicht arbeiten wollen. Und die Isländer, die wollen für die Schulden nicht gerade stehen. Wer muss für all das bezahlen? Natürlich der gutmütige Steuerzahler aus Germanien oder der Ostmark. Hm. Klingt simpel und überzeugend, oder?

Die Wirklichkeit sieht natürlich vielschichtiger und komplexer aus. Aber warum sollte man den Konsumenten damit behelligen? Der Bürger will simple Antworten auf komplexe Fragen. Wobei es zwei Seiten gibt. Die einen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie das Kauderwelsch der Politiker, Wirtschaftsbosse und ihren Medien für bare Münze nehmen. Die anderen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie gar nichts mehr glauben und den Weltuntergang auf den nächsten Tag legen. Tja. Ich schätze, die Wahrheit (sagen wir besser: die Annäherung an die Wahrheit) liegt irgendwo dazwischen.

Auch wenn ich mich wiederhole, so muss jedem klar sein, dass unsere moderne Wirtschaft vorwiegend und hauptsächlich auf Glauben gegründet ist. Der Glaube an Geld. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir hier von Euro oder Dollar reden. Jeder, der einen bestimmten Geldbetrag in einer bestimmten Währung für seine verkauften Waren akzeptiert, setzt ein gehöriges Vertrauen in den Finanz-Währungs-Mechanismus. Das ist so. Und es mutet schon recht seltsam an, wenn man bedenkt, dass zumeist gottlose und verruchte Spekulanten die gläubigsten Leute sind.

Gut. Machen wir eine lange Geschichte kurz. Nehmen wir an, du bist Privatier, also Geschäftsmann. Deine Familienstiftung von rund 23 Milliarden Euro hat einen guten Teil davon in Griechische Staatsanleihen investiert. Warum? Hey, wer kann schon Renditen von über 10 % widerstehen? Und jetzt stelle man sich vor, deine Finanzberater-Gruppe macht sich Sorgen. Weil es sein könnte, dass sich der Staat Griechenland für bankrott erklärt. Das ist vor allem für die Kreditgeber schlimm, weil diese dann einen Großteil ihres eingesetzten Vermögens verlieren. Tja. Dumm gelaufen.

Und nun kommen wir zur Hausübung: Sie sind Geschäftsmann, der zu den reichsten Leuten der Welt zählt, dessen beachtliche Unternehmensbeteiligungen breit gefächert sind: Medien, Softwarehäuser, Internetfirmen, Banken, Waffenindustrie, Pharma und weiß der Teufel was noch. Sie dürfen davon ausgehen, dass sie gute Kontakte zu Politikern und anderen Top-Geschäftsmännern haben. Vermutlich gibt es auch Kontakte zu eher zwielichtigen Freunden. Sei’s drum. Mit all dem Geld, mit all dem Einfluss, würden Sie tatenlos zusehen, wie Griechenland bankrott macht? Oder würden Sie nicht versuchen, andere EU-Länder dazu zu bringen, Griechenland mit massiven Zahlungen herauszuhauen. Dann sind Sie fein raus:  Sie haben über die Jahre superbe Renditen auf die griechischen Staatspapiere bekommen (die deshalb so hoch waren, weil sie das Risiko eines Staatsbankrotts abgebildet haben) und erhalten das eingesetzte Kapitel auf Heller und Pfennig zurück. Wer hat gezahlt? Ach so, ja, das waren die Bürger der EU. Woher haben die so viel Geld? Haben sie ja nicht, ist ja alles auf Pump. Das kann Ihnen ja fürstlich egal sein. Je verschuldeter die Bürger sind, umso leichter sind sie und die Staaten zu manipulieren. Also, was würde Ihnen als Top-Geschäftsmann so einfallen, die Politiker und die Massen so zu beeinflussen, dass sie mit Freude Griechenland (und Spanien und Portugal und Italien und Irland) unter die Arme greifen.

Und als zweite Hausübung stelle ich die banalste aller banalen Fragen: Warum gibt es in einer aufgeklärten Welt Zinsgeschäfte? Sind Zinsen von Göttervater Zeus gegeben? Oder zwingen uns außerirdische Mächte dazu, Zinsen zu verrechnen? Nun?

Der Reichtum eines Kindergartens oder Wie sich das Vermögen verteilt

Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million.
Franklin Delano Roosevelt

Man stelle sich folgendes Szenario vor. In einem Kindergarten werden alle Kinder zusammengerufen, weil es heißt, es gäbe eine süße Überraschung. Es sind exakt 100 Kinder, die mit großen glänzenden und vor allem gierigen Augen nach dem versprochenen Süßen Ausschau halten. Der Leiter des Kindergartens kommt mit einer Reihe von Anzugträger in den Versammlungsraum. Sie haben Kisten mitgebracht, in denen sich 100 Überraschungseier befinden. Die Kinder sind aus dem Häuschen.

So dann wird das Prozedere der Verteilung besprochen. Der Leiter und die Anzugträger geben Alphonse einen Karton mit 36 Überraschungseiern. Die Kinder starren ungläubig zu Alphonse. Der Leiter lächelt und meint, dass der Urgroßvater von Alphons diesen Kindergarten gegründet hätte und ohne seiner generösen Familie es keinen Kindergarten gäbe. Dann wählt der Leiter 8 Kinder aus, denen ein Karton mit 43 Überraschungseiern überreicht wird. Ungläubiges Staunen der anderen Kinder. Der Leiter lächelt und meint, dass deren Großväter viel für den Kindergarten getan hätten und ihnen somit dieser Anteil zustünde. Dann werden 23 Kinder ausgewählt, denen eine Kiste mit 17 Überraschungseiern übergeben wird. Deren Väter, so sagt der Leiter, hätten sich immer für den Kindergarten eingesetzt. Ungläubiges Staunen. So dann wird den restlichen Kindern, 68 an der Zahl, ihre Überraschungseier übergeben. Es sind 4 Stück. Keine Sekunde dauert es und sofort beginnen sich die Kinder zu zanken und zu balgen. Jeder will eines der 4 Überraschungseier. In der Gruppe der 23 Kinder geht es gesitteter zu. Sie teilen ihre 17 Überraschungseier auf – auch wenn der eine oder die andere nicht teilen möchte.

Mit der Zeit stellen sich viele der leer ausgegangen Kinder bei Alphonse an. Sie bitten und betteln um ein Überraschungsei. Alphonse will von Julia ein Küsschen, dann würde er ihr ein Überraschungsei geben. Und von Ivan will er seine Mütze, die ihm so gut gefällt. Und so macht sich Alphonse Freunde und Feinde. Jene, die er beschenkt, werden seine Freunde. Jene, die er leer ausgehen lässt, werden seine Feinde. Die Gruppe der 8 Kinder steht auf Seiten von Alphonse. Es sei genug für alle da, sagen sie. Und dann, dann flüstern sie mit der Gruppe der 23 Kinder und zeigen auf die leer ausgegangenen Kinder: Vorsicht. Die wollen uns die Überraschungseier wegnehmen.

Freilich. Es könnte ganz anders sein. Schlimmer. Besser. Je nach dem. Faîtes vos jeux.

Source: Credit Suisse Research Institute, Global Wealth Report, October 2010.

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Raten Sie mal! Verteilung des Reichtums in den USA: Realität und Wunschvorstellung

Gemäß einer im April veröffentlichten Studie Building a Better America (PDF) von Michael I. Norton (Harvard Business School) und Dan Ariely (Duke University) zeigen sich dreierlei Dinge:

  • Wie sich das Vermögen in den USA gegenwärtig verteilt;
  • Die Vorstellung des US-Bürgers, wie sich das Vermögen in den USA verteilt;
  • Der Wunsch des US-Bürgers, wie sich das Vermögen  in den USA verteilen soll;

Ich habe nun die Grafik ein wenig verändert, um daraus ein hübsches Ratespiel zu machen. Die Grafik zeigt drei Balken A, B und C. Einer steht für die gegenwärtige Verteilung, ein andere für die Vorstellung der US-Bürger, wie die gegenwärtige Verteilung aussieht und ein weiterer für die Wunschvorstellung, wie die Verteilung aussehen sollte. Es wurden 5.522 US-Bürger untersucht, die zufällig aus einem online-Panel von einer Million repräsentativen Amerikaner ausgewählt wurden und in allen Einkommensschichten zu finden sind.

Verteilung des Vermögens in den USA
Study Building a Better America (PDF) von Michael I. Norton & Dan Ariely

In Säule A würde das reichste Fünftel 84 % des gesamten Vermögens für sich haben; in Säule B  59 % und in C 32 %; das ärmste Fünftel hätte in Säule A 0,1 %, des gesamten Vermögens; in Säule B 2 % und in Säule C 11 %.

So. Jetzt dürfen Sie mal raten. Hier ist die Lösung (in weißer Hintergrundfarbe, also einfach die Zeile mit dem Cursor markieren und schon hat man die Lösung: A = tatsächliche gegenwärtige Verteilung; B = die Vorstellung der Bürger, wie die Verteilung wäre; C = der Wunsch der Bürger, wie die Verteilung sein sollte. Man schätzt, dass die Top-1%, also die Superreichen, rund 50 % des gesamten Vermögens besitzen. Coolio, ha?

Die Ergebnisse der Studie werden auf Alternet und einem US-Blog diskutiert. update: Beitrag mit tollen Infografiken über die ungleichmäßige Verteilung in den USA: It’s the Inequality, Stupid

Inequality in USA - Infografix
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update: Diesbezüglich ist mein Text Der blaue Smaragd – ein Märchen ohne Hoffnung durchaus zu empfehlen, geht es darin um die Auswirkungen einer Konsumgesellschaft auf Mensch und Umwelt. Das rund 10seitige Märchen ist als PDF bzw. im Format epub gratis erhältlich.