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Was die Krise mit Kopfschmerzen zu tun hat und ein erster Versuch, die richtigen Fragen den richtigen Leuten zu stellen!

Eine Gesellschaft, in der die Lüge zur allgemein akzeptierten
Verkehrsform gehört, marschiert in den Schwachsinn.
Matthias Matussek,
DER SPIEGEL

Laut einer Studie gibt es in Deutschland derzeit etwa 830000 Geldmillionäre, deren Vermögen rasant zunimmt. Insgesamt verfügt diese schmale Schicht über ein Finanzvermögen von 2,2 Billionen Euro – mehr als Bund, Länder und Gemeinden zusammen an Schulden haben. Ähnliches gilt für die europäische Ebene. Der World Wealth Report misst Finanzwerte von über 10 Billionen Dollar in den Händen der europäischen Multimillionäre. Die Staatsverschuldung aller EU-Staaten liegt nur knapp darüber. Vor 13 Jahren war der europäische Geldadel übrigens erst halb so reich. Die Staatsverschuldung brauchte 15 Jahre, um sich zu verdoppeln.

Sahra Wagenknecht.
Entnommen der Frankfurter Allgemeine Zeitung – Die Autorin ist stellvertretende Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzende der Partei Die Linke.

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Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Bitte bedenken Sie, dass es eigentlich gar nicht so sehr darum geht, wie wir die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Griff bekommen. Wir können sie gar nicht in den Griff bekommen. Es ist, als würden wir in einem Auto sitzen,einen Berg hinabfahren und plötzlich bemerken, dass die Bremsen nicht funktionieren. Handbremse natürlich genauso wenig. Nach und nach erfahren wir, dass das Auto von Anfang an ohne Bremsen konstruiert wurde. Man ging davon aus, dass es nur bergauf gehen würde. Wer will da bremsen? Wer bremst verliert, richtig?

Und falls es einmal bergab ginge, so die Experten und Politiker und Wirtschaftsfachleute, na, dann sollten wir doch froh sein, weil wir den Schwung dann für den nächsten langen und steilen Anstieg mitnehmen können. Ja, das klingt in den Ohren eines normalsterblichen Bürgers, der sich keine sonderlich schweren Gedanken über die Welt da draußen machen möchte, ganz vernünftig. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass es nach jeder ruppigen Talfahrt wieder ordentlich bergauf ging. Wir dürfen also nur nicht die Nerven verlieren, wenn das Auto an Geschwindigkeit zunimmt und immer schneller wird. Die Experten und Politiker und Wirtschaftsfachleute sind bekanntlich kluge Leute und haben alles im Griff. Richtig? Falsch!

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«Wir werden überredet, Geld auszugeben, das wir nicht haben, für Dinge, die wir nicht brauchen, um Eindruck zu machen, der nicht von Dauer ist, auf Leute, die uns egal sind.«

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Ich denke, es ist an der Zeit die Samthandschuhe auszuziehen und die Verantwortlichen ins Gericht zu nehmen und – falls notwendig – vor Gericht zu stellen. Politiker und Experten und Wirtschaftsfachleute werden gut bezahlt, weil sie intelligent, kompetent, nicht korrumpierbar und verständig sind. Wir sind uns hoffentlich einig, dass ein politischer Entscheidungsträger nicht deshalb Entscheidungen treffen darf, weil er telegen ist oder geschliffene Ansprachen halten oder ein finanzkräftiges einflussreiches Netzwerk aufweisen kann. Genausogut würden wir keinem »Arzt« vertrauen, der uns diagnostiziert, wenn sich herausstellte, dass er diese Stelle nur deshalb bekommen hat, weil er lange Jahre Sekretär im Gesundheitsministerium war. Würden wir so jemanden unser Leben anvertrauen?

Gesetzt dem Falle, Sie wachen eines Tages auf und haben einen stechenden Kopfschmerz. Sie gehen zum Arzt Ihres Vertrauens und klagen ihm Ihr Leid. Er nickt, zückt einen Rezeptblock und kritzelt ein Kopfschmerzmittel darauf. Sie fragen, ob mit Ihnen alles in Ordnung sei. Ihr Arzt bejaht und meint, Sie sollen sich keine Sorgen machen, weil, naja, nach Einnahme des Schmerzmittels ist der Kopfschmerz wieder weg.

Sie nehmen also eine Tablette und tatsächlich verschwindet der Kopfschmerz. Sie verrichten Ihre Arbeit, kommen nach Hause, tun, was Sie immer tun, legen sich schließlich ins Bett und wachen am nächsten Morgen wieder mit diesem einen stechenden Kopfschmerz auf. Sie nehmen also wieder eine Tablette, gehen zur Arbeit, kommen nach Hause, tun, was Sie immer tun, legen sich schließlich ins Bett und wachen am nächsten Morgen wieder mit diesem einen stechenden Kopfschmerz auf. Sie nehmen also wieder eine Tablette, gehen zu Arbeit und diese Routine wiederholt sich, bis sie keine Schmerzmittel mehr haben. Was nun? Sie besuchen Ihren Arzt.

Sie klagen Ihrem Arzt, dass Sie zwei Wochen lang, jeden Morgen mit Kopfschmerzen aufgewacht sind. Ihr Arzt nickt, zückt den Rezeptblock und kritzelt ein Kopfschmerzmittel darauf. Sie fragen, ob mit Ihnen alles in Ordnung sei. Ihr Arzt bejaht und meint, Sie sollen sich keine Sorgen machen, weil, naja, nach Einnahme des Schmerzmittels ist der Kopfschmerz wieder weg.

Nach zwei Wochen sitzen Sie wieder beim Arzt. Die Kopfschmerzen überfallen Sie noch immer in der Früh und die Schmerzmittel dürften nicht mehr so wirksam sein. Kein Problem, meint Ihr Arzt, dann nehmen Sie einfach zwei Tabletten. Und die Nebenwirkungen?, wollen Sie wissen. Keine Sorge, lächelt Ihr Arzt, die hat noch jeder überlebt.

Zwei Wochen lang nehmen Sie also zwei Tabletten am Morgen. Sie bemerken unangenehme Nebenwirkungen. Ihr Haar ist spröde, die Haut trocken, die Augen entzündet, der Magen verstimmt.

Die Routine geht weiter und weiter. Sie nehmen bereits vier Tabletten am Morgen, was natürliche befremdliche Auswirkungen auf ihren Organismus hat, aber die Alternative, mit dem stechenden Kopfschmerz zu leben, ist keine. Sie sind eigentlich froh, diese Schmerzkiller von Ihrem Arzt zu bekommen, der Ihnen zu verstehen gibt, dass alles in Ordnung mit Ihnen sei. Fein, denken Sie sich, dass es noch kompetente Ärzte gibt, denen man vertrauen darf.

Nach einem Jahr nehmen Sie bereits zehn Tabletten am Morgen und zehn Tabletten zu Mittag und zehn Tabletten am Abend. Sie haben einen neuen Job im Pharmabereich angenommen, der Ihnen alles abverlangt, aber um die exorbitanten Kosten der Schmerzmittel zu bezahlen, bleibt Ihnen keine andere Wahl. Mit den Kopfschmerzen würden Sie sowieso keinen Job durchstehen. Die Nebenwirkungen, die Sie nach außen hin einigermaßen kaschieren können, machen Ihnen das Leben schwer, aber auf der anderen Seite sind Sie wiederum froh, dass Sie sich nicht mit diesem stechenden Kopfschmerzen auseinandersetzen müssen. Sie hören immer wieder, wie schlecht es anderen geht. Nebenbei verabreichen Sie auch schon Ihren Kindern eine halbe Tablette am Morgen, weil diese auch schon von einem Kopfschmerz reden. Kein Problem, sagen Sie ihren Kindern, es ist alles in Ordnung. Und Ihre Kinder schlucken die halbe Pille und lächeln.

Eines Tages, Sie stehen gerade in der Büroküche und schlucken zehn Tabletten, kommt eine junge chinesische Kollegin und beobachtet Ihre Prozedur. »Kopfschmerzen«, deuten Sie auf Ihren Kopf. Die Kollegin nickt und fragt, ob der Arzt schon die Ursache dieser Schmerzen herausgefunden hätte. Sie blicken sie erstaunt an. Es ginge nur um die Schmerzen, sagen Sie, und dagegen helfen nur die Tabletten. Die Kollegin schüttelt sachte den Kopf. Schmerzen haben eine Ursache. Findet man die Ursache im Körper und behebt dieses Ungleichgewicht, dann hören die Schmerzen auf. Sie runzeln die Stirn. »Blödsinn«, schlucken Sie die letzte Tablette hinunter, »mein Arzt ist der Meinung, dass alles in Ordnung mit mir sei. Und die Zeitungen sagen es ja auch. Hier! Wir müssen nur mehr Tabletten produzieren, um nicht Gefahr zu laufen, einen Engpass zu erleiden. Darum geht es! Sie haben keine Ahnung, was es heißt, mit diesen Kopfschmerzen leben zu müssen!«

Ich denke, wir können hier diese Parabel abbrechen. Sie wissen, worauf ich hinaus will. Sie können hundert Schmerzmittel pro Tag in sich hineinschaufeln, aber die Auswirkungen werden Sie umbringen. Früher als Ihnen lieb ist. Und die Nebenwirkungen machen Ihr Leben in keiner Weise lebenswert. Trotzdem klammern Sie sich an die Schmerzmittel-Therapie, die Sie bis ans Ende Ihrer Tage verfolgen wird. Und Ihre Kinder genauso. Ist das sinnvoll? Ist das richtig?

Was in diesem Beispiel so klar auf der Hand liegt, nämlich nach der Ursache der Schmerzen im Organismus zu forschen, wird im Wirtschafts- und Finanzsystem kategorisch abgelehnt. Unser Schmerzmittel ist Geld. Wir betäuben uns damit. Es ist die einzige Lösung für Krisen und Depressionen. Wie kommt es, dass die Mainstream-Medien in den Chor der Experten und Politiker einstimmen, die Ursachenforschung ablehnen oder gar nicht erst in den Mund nehmen?

Würden Sie Ihren Arzt fragen, ob er in erster Linie Symptome oder die Ursache einer Krankheit bekämpfen wolle, und er Ihnen glatt ins Gesicht antworten würde: »Es geht immer um die Symptome. Die Ursache tut nichts zur Sache, die ist nämlich viel zu kompliziert, um sie verstehen oder erforschen zu können.«, würden Sie da nicht an den Geisteszustand Ihres Arztes zweifeln? Und Ihn durch einen anderen ersetzen? Warum tun wir es dann nicht bei den Politikern und Experten? Warum akzeptieren wir, dass Entscheidungsträger immer nur Symptome bekämpfen, nie aber über die Ursachen befinden wollen? Vielleicht, weil Sie davon exorbitant profitieren?

Deshalb schlage ich folgende Forderung vor: Jedes Regierungsmitglied, jeder Politiker der Opposition, jeder Experte, der die Regierungen berät, jeder Experte, der in den Medien seine Expertise veröffentlichen darf, müssen eine eidesstattliche Erklärung abgeben und die folgenden Fragen beantworten. Die Beantwortung wird auf Film dokumentiert und soll im TV gesendet und im Internet abrufbar sein.

Die Fragen und Auswirkungen der Antworten könnten wie folgt aussehen:

Ist die Erde ein endlicher Planet?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass die Erde ein endlicher Planet ist. Natürlich steht es jedem frei, eine Erklärung abzugeben, warum er nicht der Meinung sei, dass es ein endlicher Planet ist. Wir müssen aber von Fakten und Beweisen ausgehen. Die Annahme, dass die Welt eine Illusion ist oder wir in einer Matrix leben oder Gott schon dafür sorge, dass alles seinen gerechten Gang gehe oder Außerirdische uns nur vorgaukeln, dass wir auf einen sich erschöpfenden Planeten leben, ist völlig unzureichend.

Gehen nicht erneuerbare Rohstoffe zur Neige?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass sich erneuerbare Rohstoffe erschöpfen. Natürlich steht es jedem frei, eine Erklärung abzugeben, warum er nicht der Meinung sei, dass nicht erneuerbare Rohstoffe unerschöpflich oder in einer nahezu unendlichen Menge vorhanden sind. Die Annahme, dass zum Beispiel Erdöl abiotisch sei (die ständige Produktion im Erdinneren als Schmiermittel), oder dass jeder Rohstoff durch chemisch-technisch-genetisch-nukleare Transformation oder einem Zaubertrick hergestellt werden kann, muss belegt oder bewiesen werden.

Muss die Wirtschaft im gegenwärtigen System ständig wachsen, um zu funktionieren?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass die Wirtschaft im gegenwärtigen System wachsen muss, um zu funktionieren. Mit anderen Worten, im bestehenden System, müssen Produkte produziert, beworben und verkauft werden, nur aus dem einen Grund: damit ein Unternehmen die Zinsen der Kredite zahlen kann und somit nicht bankrott macht. Das Gemeinwohl, die Umwelt, die Menschen kommen in dieser Zins-Profit-Formel nicht vor. Und weil der Überlebenswille so stark ausgeprägt ist, wird ein Konzern die letzten Rohstoffe aus dem Boden quetschen, um damit Weihnachtsmänner-Figuren in Lederhosen herzustellen, die blinken und bei Berührung ein Happy Christmas jodeln bzw. das Lied Edelweiss trällern. Gleichzeitig erfolgt die großangelegte Werbekampagne Christmas in Tyrol, erscheint der spaßige Hollywood-Familienfilm Happy Gilmore in Tyrol, senden TV-Sender unzählige Berichte über den weltweiten Tirol-Hype, schreiben unzählige Zeitungen über den Internetansturm auf die Seite eines jodelnden Weihnachtsmannes in Lederhose. Das Unternehmen prognostiziert seine Verkaufszahlen. Die Aktienkurse steigen. Die Manager erhalten Gratifikationen und Boni im Millionenbereich und die Politiker, die den Rohstoffmarkt weiter liberalisiert haben, beglückwünschen sich – immerhin ist der Konzern einer ihrer Sponsoren für den Wahlkampf. Ach ja, Kupfer ist aus.

Wird das ständige Wachstum einer Zelle in einem lebendigem Organismus als Krebs bezeichnet?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung sei, dass das ständige Wachstum einer Zelle in einem lebendigem Organismus als Krebs bezeichnet wird. Eine ständig wachsende Wirtschaft verhält sich somit wie Krebs in einem Organismus. Eine Weile kann der Organismus damit umgehen, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das System endgültig zusammenbricht, weil es lebenswichtige Organe angreift. Mit anderen Worten: der Organismus stirbt.

Wird Geld durch Schulden in Umlauf gebracht, auf denen wiederum Zinsen lasten?

Jede Antwort, die ungleich JA ist, hat zur Folge, dass der Befragte aller Ämter mit sofortiger Wirkung enthoben wird; möchte er in einem Mainstream-Medium seine Meinung veröffentlichen, muss gewährleistet sein, dass neben seinem Namen hinzugefügt wird, dass er nicht der Meinung ist, dass im gegenwärtigen System Geld durch Schulden in Umlauf gebracht wird. Zentralbanken drucken Geld oder schreiben einen Scheck und vergeben diese neu geschaffenen Gelder aus dem Nichts (FIAT) gegen Zinsen an Privatbanken oder Staatskassen, die sie in Umlauf bringen.

Kann das Modell des Zinseszins, der eine exponentielle Funktion mit einem linearen Wirtschaftskreislauf kombiniert, auf längere Sicht funktionieren?

Ist die Antwort JA, dann sollte die folgende Frage beantwortet werden: Wie hoch ist der Betrag, wenn ein Pfennig, der im Jahre 1 nach Christie Geburt angelegt und zu 5 % verzinst wurde, nach 2000 Jahren behoben werden möchte?

Sollte die Antwort so ausfallen, dass man davon ausgehen kann, dass der Befragte keine Idee von exponentiellem Wachstum hat, ist er mit sofortiger Wirkung all seiner Ämter enthoben.

Der Betrag, der sich aus diesem Zinseszins-Beispiel ergibt, würde vermutlich ausreichen, das gesamte Sonnensystem und Teile der Milchstraße kaufen zu können. Freilich, um diesen kleinen Fehler zu verhindern bzw. zu verheimlichen, werden Kriege geführt, Währungen entwertet, Umschuldungen erzwungen, Konten geplündert, Finanzkrisen ausgelöst. Ist das also die zugrundeliegende Idee eines nachhaltigen und menschenfreundlichen Wirtschafts- und Finanzsystems?

Muss es nicht unsere absolute Priorität sein, ein weltweites Wirtschaftssystem zu (er)finden, das auf lange Sicht  funktioniert, in dem es mit den verbliebenen Ressourcen so sparsam und gerecht umgeht, wie nur möglich? Muss ein weltweit funktionierendes Wirtschaftssystem nicht der gesamten Bevölkerung dienlich sein, um ein angenehmes, freies und gerechtes Leben zu gewährleisten? Oder soll der freie Markt und das Motto wer zahlt, schafft an weiterhin gelten?

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Anmerkung: Ob eine Gold- oder Silberwährung die richtige und notwendige Alternative ist, lasse ich offen. Ich gehe davon aus, dass ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ohne Geld die Lösung ist, aber das ist eine ganz andere Geschichte. In diesem Vortrag geht es vielmehr um die Analyse, warum Economy, Energy und Environment nicht einzeln, sondern immer nur als Ganzes betrachtet werden können.

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Revolution? Okay. Morgen hätte ich noch einen Termin frei. Sagen wir um 12 Uhr?

Eigentlich könnte man friedlich abhängen, an diesem kühlen Samstag. Es sieht nach Regen aus. Was gibt es besseres, um zu schreiben? Eben. Für die nächsten Stunden habe ich mir vorgenommen, einen Beitrag zu fabulieren, der in seiner Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit nicht aufgeschoben werden darf. Wird sich etwas ändern, wenn ich ihn geschrieben habe? Nope. Wird sich etwas ändern, wenn Sie ihn gelesen haben? Nope. Also, wozu der Aufwand? Tja. Darauf kann es keine befriedigende Antwort geben. Vielleicht ist es einfach nur das kreative Ego und das schlechte Gewissen, die zusammen wirken und mich förmlich bedrängen, endlich einmal Klartext zu reden. Gut. Dann machen wir das.

Übrigens, wer sich nicht mit trockenen Ausführungen zu diesem Thema herumschlagen möchte, für den gibt es meine kleine feine Parabel Der blaue Smaragd von gerade einmal 10 Seiten. Darin werden meine Überlegungen auf erzählerische Weise auf den Punkt gebracht. Hier ist das PDF zum Herunterladen.

M. sieht der Zukunft optimistisch entgegen. Sie ist jung, steht auf ihren eigenen Füßen und glaubt daran, dass die Menschen auch die größten Probleme lösen werden können. Auf meine bisherigen bloggenden Ausführungen, die sich mit einem „halb leeren“ Glas beschäftigen, hat sie mir vorgehalten, Schwarz zu malen und untätig zuzusehen, wie sich meine so negativ hoffnungslos postulierte Prophezeiung bewahrheitet. Doomster, heißen dann diese Leutchen, die ein Lied von Weltuntergang und Hoffnungslosigkeit singen. Ich habe mich hie und da gefragt, ob sie recht hat, die gute M. Könnte es sein, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die sich wohl fühlt, wenn sie die Leichen der Gesellschaft aus dem Keller holt und ins Rampenlicht stellt. Gewiss. Es gibt sie, hat sie immer gegeben, diese selbsternannten Propheten, die Ängste schüren und das Heil in der Entsagung im Diesseits sehen. Aber wer möchte heutzutage entsagen? In einer Zeit des stetigen Überflusses. Gut, das gilt nicht für alle Menschen auf dieser Erdkugel. Ach ja! Uns fällt ein, dass wir nicht allein sind. Dass es noch viele viele andere Menschen gibt, deren Leben aber gänzlich anders strukturiert ist, als das unsrige. Die Angst haben müssen, den nächsten Morgen nicht mehr zu erleben. Die nicht wissen, wie es morgen weitergehen wird. Die zum Spielball anderer Menschen werden. Ausgenutzt und benutzt.

Gut. Ich habe nun drei Artikel gefunden, die sich intensiv mit dem halb leeren Glas beschäftigen.

Al Gore ist vermutlich vielen ein Begriff. Er war US-Vizepräsident, Präsidentschaftsanwärter und hat sich mit Umweltfragen auseinandergesetzt. Schließlich gipfelten seine Anstrengungen in der Dokumentation An Inconvenient Truth – Eine unbequeme Wahrheit aus dem Jahre 2006, das sogar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Für kurze Zeit war Al Gore und seine Bewegung gegen Globale Erwärmung in aller Munde. Und heute? Rund fünf Jahre später können wir feststellen, dass sich nichts Wesentliches verändert hat. Nicht auf politischer Ebene. Nicht auf medialer Ebene. Al Gore hat es zum Anlass genommen, noch einmal  auf den Tisch zu hauen. Im Rolling Stone Magazine hat er einen hitzigen Artikel, eine giftige Tirade geschrieben. Herrlich! Weil es an der Zeit ist, die Glacé-Handschuhe auszuziehen und Klartext zu reden. Wirklich!

Die Frage, die man sich natürlich stellen kann, ist, ob die globale Erwärmung von Menschen oder vielleicht am Ende doch nur durch kosmisch-physikalische Prozesse (zum Beispiel Sonnenwinde) verursacht wird. Es sind zwei unversöhnliche und gegensätzliche Positionen, die sich da gegenüber stehen. Während die eine Position die Schuld bei jedem Einzelnen sucht (ja, auch bei Ihnen, auch bei mir), weist die andere Position jede Schuld brüsk von sich. Wir können uns vermutlich gut vorstellen, welche der beiden Positionen in den Medien und in der Politik am besten wegkommt, oder? Kein Wunder also, wenn Al Gore eine Breitseite auf die „Kopf-in-den-Sand“-steckenden Mainstream-Medien abfeuert. Mehr noch, die Medien sind es, so sagt Al Gore, die absichtlich Zweifel und Verunsicherung schüren. Kein Wunder also, wenn wir allesamt nur mit den Schulter zucken. Niemand weiß etwas Genaues. Also tun wir, was wir immer getan haben. Nichts. Und das können wir ja bekanntlich am besten. Freilich, wer sein schlechtes Gewissen beruhigen möchte, der wählt Öko-Strom und nimmt mal den Zug, statt des Flugzeugs. Vielleicht.

Die Ironie in der Geschichte ist, dass Al Gore in jedem Fall recht hat, auch wenn er unrecht hätte. Fakt ist nämlich, dass wir mit der Verbrennung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe das Ökosystem und die Gesellschaft an den Rand des Kollaps führen. Man sehe sich jene Gegenden an, wo Öl oder Erdgas gefördert oder verarbeitet wird. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen Pipelines ganze Landstriche halbieren. Man sehe sich jene Gegenden an, in denen um die Ressourcen gekämpft wird. Bürgerkrieg. Milizen. Terror. Und hier, im reichen Westen? Was haben wir mit dem Reichtum, der nur, wirklich nur auf billige Energie zurückzuführen ist, was haben wir also mit diesem Reichtum, den es nicht ewig geben wird, angestellt? Wir haben Monster-Städte geschaffen, die nur noch für eine gehobene Bürgerschicht angenehme Lebensverhältnisse bieten, während der größte Teil der Einwohner in Wohnsilos dahinvegetieren. Das Auto hat innerhalb von fünfzig Jahren das Stadtbild dermaßen ins Negative verändert, das man es nicht mehr mit einem menschenwürdigen Ort zu tun hat. Während ich diese Zeilen schreibe, brausen am Handelskai, direkt unter mir, die Autos vorbei. Kaum einer stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Lärm und Abgase auf die Menschen haben. Oder dass stark befahrene Straßen kleinere und größere Stadt-Gebiete regelrecht zerteilen. Oder dass durch das Auto die Nahversorgung obsolet geworden ist und dörflich-gesellschaftliche Strukturen vernichtet wurden. Von Unfallzahlen und Umweltverschmutzung will ich hier gar nicht erst reden. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber um es auf den springenden Punkt zu bringen: auch wenn die globale Erwärmung nicht durch den Menschen verursacht werden würde, so ist die bedingungslose Abhängigkeit gegenüber billiger fossiler Energie für die Menschheit verheerend.

Wären wir Menschen allesamt aufgeklärt und vernünftig, man hätte schon längst erkannt, dass der Zug gegen die Wand knallen wird, wenn wir nicht rechtzeitig abbremsen und unsere Bedürfnisse (Gier) zügeln. Statt dessen wird noch immer von Wirtschaftswachstum gesprochen, in einer Welt, auf einem Planeten, mit endlichen Ressourcen. Wie passt das zusammen? Würde man sich kurz einmal zurücklehnen und darüber nachdenken, man müssten den Kopf schütteln, ob all der vielen Experten und Politiker, die nur das Wirtschaftswachstum im Kopf haben („Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch dir gut!“). Erbärmlich!

Wenn wir wissen wollen, welche Alternativen wir in den nächsten 30 Jahren zum Erdöl als Energiequelle haben, tja, dann sieht es nicht sonderlich gut aus. Michael T. Klare geht davon aus, dass es nun einen 30jährigen Krieg um die Energie-Vormachtstellung auf diesem Planeten geben wird. Das ist nur logisch, oder? Und wer jetzt wieder mit Solar- und Wind-Energie kommt, der muss leider hören, dass die IAE schätzt, dass im Jahre 2035 der Anteil dieser erneuerbaren Energie etwa 4 % (in Worten: VIER) des gesamten weltweiten Energieverbrauchs ausmachen wird. Äh. Ja. Das ist wahrlich bescheiden, oder?

Gemäß BP (ja, das sind die netten Leute, die in den Golf von Mexiko gepinkelt haben) hat die Welt Energie in einem Ausmaß von 13,2 Milliarden Tonnen Erdöl-Äquivalent konsumiert. Die  Energie-Konsumation setzt sich wie folgt zusammen:

  • 33,6 % Erdöl
  • 39,6 % Kohle
  • 23,8 % Erdgas
  • 6,5 % Wasserkraft
  • 5,2 % Atomkraft
  • 1,3 % erneuerbare Energie

Zusammen decken die fossilen Brennstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl) rund 87 % des gesamten Energiebedarfs. Hm. Das ist nicht gerade wenig, oder? Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass Erdöl als Ausgangsmaterial für Trillionen von Produkten (Pestizide, Düngemittel, Medikamente, Kunststoff, Textil usw.) notwendig ist, dann könnte einem schon schwindlig werden, wenn man sich vor Augen führt, dass dieses schwarze Gold knapper und knapper wird. Und wir sollten wissen, was sich Menschen alles antun, um zu ihrem „gerechten“ Anteil zu kommen, oder?

Dass US Präsident Jimmy Carter bereits 1977 eine Fernsehansprache hielt, in der er die Öl-Abhängigkeit der USA anprangerte und zur Feststellung gelangte, dass seine Landsleute alles tun müssten, um den Energie-Verbrauch in Zukunft zu senken. Er ging mit gutem Beispiel voran und montierte am Weißen Haus eine Solaranlage. Ronald Reagan hat sie wenige Jahre später wieder abmontieren lassen und das Credo ausgegeben: Öl ist für alle (US-Amerikaner) da. Punkt.

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There’s No Housing Bubble to Go Bust
Ben Bernanke
Vorsitzender der US Notenbank
[die US Notenbank ist eigentlich eine Privatbank!]

Aber wenn dieser Cocktail aus globaler Erwärmung und Energie- und Rohstoffknappheit nicht schon giftig genug ist, dann kommt noch eine hübsche künstliche Erfindung ins Spiel, die aus dem giftigen ein explosives Gemisch macht: Geld aus dem Nichts. Äh. Ja. Die Münzen, die Scheine, die Sie in der Tasche haben, wurden aus dem Nichts gezaubert. In den 1970ern wurde die Gold- und Silberdeckung aufgehoben. Das bremste nur die Wirtschaft, sagten sich die Experten. Und hatten vermutlich recht. Irgendwie. Man erklärte lapidar, dass der Staat für das ausgegebene Geld bürgen würde. Haha. Lustig, nicht? Der Staat sind wir! Nicht mal die Revolutionäre von 1789 getrauten sich Geld aus Nichts entstehen zu lassen. Nope. Sie besicherten ihre ausgegebenen Geldscheine mit dem konfiszierten Eigentum von Kirche und Adeligen. Wie dem auch sei, die Aufhebung der Gold- und Silberdeckung hatte eine unbeschreibliche Sogwirkung. Geld kam zu Geld. Geld kommt zu Geld. Mehr und mehr. Als Beispiel sei die US-Bank Goldman Sachs zu nennen, die ihren Managern Bonuszahlungen im Wert von $ 17, 5 Milliarden ausschüttet. Deren CEO Llyod Blankenfein streift satte $ 12,6 Millionen ein. Wir können davon ausgehen, dass es in anderen Banken ähnlich aussieht. Jetzt müssen wir kurz inne halten. War es nicht so, dass die Bürger der westlichen Welt den zusammenbrechenden Finanzmarkt mit Bürgschaften und Krediten stützten? Mit anderen Worten: dass Blankenfein einen Scheck einsteckt ist nur dem Umstand zu verdanken, dass der Automechaniker ums Eck seine Unterschrift auf eine Bürgschaft gesetzt hat, in der steht, dass er für alle Schulden aufkommen würde, die sich da so ansammeln. Aha. Wir sehen: wenn es um Profite geht, greifen alle Blankenfeins dieser Finanzwelt ungeniert zu, geht es aber um Verluste, dann müssen die anderen, muss die Gesellschaft gerade stehen. Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz nennt dieses System Ersatz-Kapitalismus.

Diese obszöne Gier, die Wall Street (und alle anderen Finanzplätze) und die Konzerne gepackt hat, schreckt vor nichts mehr zurück. Durch die astronomischen Profite, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, konnten sich die Banksters und Wirtschaftsmoguln alles leisten: Politiker genauso wie Medienhäuser. Wie soll es da jemals zu einer notwendigen ernsthaften Diskussion um die Zukunft dieser Welt kommen, wenn im Hintergrund nur die Maxime „Profit!“ gilt? Es ist natürlich ein Klischee, wenn wir sagen: Geld und Macht korrumpiert. Aber dieses abgedroschene Klischee bewahrheitet sich. Immer und immer wieder.

Wen wundert es also, wenn Einzelne mit dem Mut der Verzweiflung gegen den Wahnsinn anschreiben? Hervorzuheben natürlich der Pulitzer-Preisträger Chris Hedges, der in seinem letzten Artikel eindringlich die Forderung stellt, dass die Revolution in den USA beginnen müsse. Wirklich.

Bin ich, sind wir, die wir auf diese dunklen Punkte hinweisen, Doomsters? Ist das Glas in Wirklichkeit halb voll? Ich schätze, es liegt an Ihnen, die Seite zu wählen. Wählen werden sie müssen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber wählen werden Sie müssen.