Schlagwort-Archive: revolution

Nur ein Versuch, den gegenwärtigen Wahnsinn zu entschlüsseln #theorie #ShipOfFools

Fragen Sie sich auch manchmal, was da gerade vor sich geht, in der Welt? In den Einbahnstraßen-Medien finden wir keine Antwort. Wir werden mit einem süffisanten Schulterzucken abgespeist: „Es gibt hier nichts zu verstehen, gehen Sie zum nächsten Event weiter!“ Aber was, wenn es Zusammenhänge gibt, wenn es Gruppierungen gibt, die Möglichkeiten haben, Krisen medial und politisch in Szene zu setzen, sie auszuschlachten, um eine Agenda, ein Ziel zu verfolgen?

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Als Nietzsche Streit suchte: die Verschwörung der Leidenden

Wir leben gerade in sonderbaren Zeiten. Nichts ist mehr, wie es ist, alles ist, wie es scheint. Jede Aussage, und mag sie noch so trivial sein, wird einer Analyse unterzogen – und wehe, es stellt sich heraus, dass mit dem Gesagten die neue Moral verletzt oder das „Gute“ verunglimpft wurde. Wie konnte es soweit kommen?

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Bernward Vesper: Die Reise – ein rückblick im Drogenrausch der Geschichte

Es hat viel Geduld gebraucht, um Bernward Vespers nachgelassene Autobiographie zu Ende zu lesen – immerhin musste der Umfang von rund 700 Taschenbuchseiten bewältigt werden. Falls Sie den Autor nicht kennen, nun, laut Klappentext war er der Sohn eines „prominenten NS-Schriftstellers“ und der Lebensgefährte von Gudrun Ensslin, ihres Zeichen Mitglied in der Roten Armee Fraktion (RAF). Das Buch blieb unvollendet – Bernward Vesper nahm sich 1971 in der Hamburger Psychiatrischen Universitätsklinik das Leben und hinterließ seinen 4-jährigen Sohn Felix.

Dass dieser Text überhaupt veröffentlicht werden konnte – meine gelesene Taschenbuch-Ausgabe erschien 2012 im Verlag Rowohlt – ist als kleines Wunder anzusehen. Die Themen, die Vesper ausschweifend behandelt, werden von den Sittenwächtern nicht goutiert und liebend gern unter den Teppich gekehrt. Gut möglich, dass der Text in naher Zukunft nur noch in einer kommentierten Ausgabe erscheinen darf. O tempora o mores.

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Wien, im März 1938: Ausstellung in der Wienbibliothek des Rathauses

Ich war nun endlich in der Bibliothek des Wiener Rathauses und habe mir die dortige Ausstellung mit dem sprechenden Titel

»Wir wissen es, daß diese Beamtenschaft ihre Pflicht auch im neuen Wien tun wird« – Die Wiener Stadtverwaltung 1938.

angesehen. Die Ausstellung ist empfehlenswert, haben die guten Seelen der Wienbibliothek höchst sehenswerte Originalmaterialien aus dem Archiv „ausgegraben“, diese mit allerlei Anmerkungen versehen und eine chronologische sowie thematische Reihung vorgenommen. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht die recht bescheidene Ausstellungsfläche und ich würde mir wünschen, dass hier vielleicht einmal das Wien Museum einspringt und Platz für eine geräumigere Präsentation mit zusätzlichem Material schafft.

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Denkverbote #4: Social Engineering

Denkverbote-4

Auf meinem Tisch liegt das Taschenbuch Die Reise von Bernward Vesper (1938-71), welches posthum im Jahr 1977 erschien und ein „bestürztes Interesse“ auslöste „wie kein anderes deutsches Buch dieses Jahrzehnts“ (Spiegel). Der Autor, Sohn des völkischen Dichters Will Vesper (1882-1962), Vater eines Sohnes und Ehemann Gudrun Ensslins, die sich der damaligen Terrororganisation RAF anschließen sollte, schreibt sich förmlich die Seele aus dem Leib. Die Gedankenströme fließen. Persönlichste Innenansichten wechseln mit politischen Weltanschauungen. Mal in Zeitlupe. Mal in Zeitraffer. Zugegeben, ich habe erst ein paar Seiten dieses Mammutwerks gelesen, aber der Sog, den die Zeilen entwickeln, ist bereits spürbar. Vorausgesetzt, man möchte mehr erfahren. Von der damaligen Welt, die in Ost und West eingeteilt war. Vom damaligen Leben. Vom damaligen Aktionismus. Vom Terror der Terroristen. Von den Ansichten der jungen Menschen. Ihren Schuldgefühlen. Ihren Hass gegenüber einer älteren Generation. Ihren Interpretationen bezüglich vergangener und gegenwärtiger Geschehnisse. Bernward Vesper tritt, wenn man so will, als unbestechlicher, zuweilen widersprüchlicher Zeuge in den Zeugenstand.

»[…] auf jeden Fall wollte ich endlich mal auspacken, abrechnen, es den Leuten zeigen, ‚Schonungslose Autobiographie etc.‘. Ich erinnere mich auch genau, daß ich ‚einflechten‘ wollte, ich wäre ein ’notorischer Lügner‘ usw.«

Im Nervenkrankenhaus Haar bei München schied er 1971 schließlich freiwillig aus dem Leben, ohne sein Werk abzuschließen. Sechs Jahre später folgt ihm seine Ehefrau Gudrun Ensslin in den Tod. Selbstmord. Im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim.

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